Gent-Rapid

2:1 (1:0)

Es wäre möglich gewesen! Andy Marek hätte beim „Auswärtsspiel in Hütteldorf“ vielleicht den besseren Riecher gehabt und Yusuf schon in der Halbzeit eingesetzt, denn Kelvin war bei diesem Spiel keine große Stütze. Der Kopfball von Leo Greiml in der Schlussminute ging nur knapp am Tor vorbei, aber so ist eben Fußball. Die Enttäuschung war bei allen groß. Und doch fragt man nach möglichen Ursachen.

Peter hat es auf den Punkt gebracht. Im Vorfeld hieß es doch, die Mannschaft könne unbeschwert spielen, denn das wichtige Etappenziel der EL-Gruppe war ja erreicht. Und so ist es dann vielleicht in den Köpfen: „wir sind ja schon dort, wo wo sein sollen“ und die letzte Motivation fehlt. Aber vielleicht gibt es auch andere Gründe:

Gent Rapid
  31    31 Kadergröße
  20    10 Legionäre
  26,1  24,6 Durchschnittsalter [Jahre]
  12     4 Nationalspieler
 +16,6   0 Transferbilanz [Millionen €]
  80    32 Kaderwert [Millionen €]

Diese Zahlen beziehen sich auf den gesamten Kader und genaugenommen müsste man beim Durchschnittsalter die Spieler der Startaufstellung auswählen. Mein Eindruck war, dass die Genter Spieler um wenigstens zwei Jahre reifer gewirkt haben. Man kann sich in Belgien offenbar mehr Legionäre leisten und kauft diese Spieler auch auf höherpreisigen Märkten. Es ist einfach mehr Geld da. Die Mannschaft steht bei der Nationalmannschaft mit 12 Spielern (4 Rapid) höher im Kurs.

Auf zu den nächsten Aufgaben, und hoffentlich bleibt die Mannschaft zusammen!

Ambiente

In Zeiten von Corona bot das „Auswärtsspiel in Hütteldorf“ mit den Gästen Patrick Jovanovic und Raimund Hedl sowie den Moderatoren Andy und Lukas Marek eine unterhaltsame und gleichzeitig informative Einstimmung in das Spiel über den Facebook-Kanal von Rapid. Das obligatorische Quizspiel, zusammengestellt aus dem Rapid-Archiv, ist gar nicht so einfach, auch nicht für die ganz alten Hasen! Alle Teile dieser Veranstaltung und auch das Spiel selbst in voller Länge gibt es auf Rapid-TV.

Bilder vom Auswärtsspiel in Hütteldorf (Bilder Erich)


Hier endet der (Kurz)bericht über das Gentspiel. Für die Ereignisse im Spital wollte ich keinen eigenen Beitrag verfassen, daher hier bitte nur weiterlesen, wenn es jemanden interessiert.

Ambiente-1

Ich selbst habe das Spiel im Spital mitverfolgt und bedanke mich bei allen, die mir per Telefon, SMS, Mail, WhatsApp, Messenger und Facebook so viel Positives übermittelt haben. Wen es interessiert, hier die Fortsetzung des Krankenberichts, Teil 1 beginnend am Donnerstag, 10.9.

Neues vom Franz*)

Seit meinem ersten Bericht über die Einlieferung in die Urologie hat sich Einiges getan und für einen Anfänger in Sachen „Spital“ war alles ziemlich dramatisch. Nach der Biopsie der Blase und Entfernung des Katheters begann sich die Krankheit erst so richtig zu entfalten mit täglichen Steigerungsraten.

Diagnose: Probenentnahmen aus der Blase ergeben am Donnerstag, dass überall im Körper vergrößerte Lymphknoten (=Lymphome) bestehen. Diese Lymphome sind teilweise sehr groß und drücken umliegende Organe ab, zum Beispiel Venen und ein ganz besonderes „Luder“ drückte auf den Harnleiter der rechten Niere und diese war daher „gestaut“. Würde man nichts unternehmen, wäre die Niere bald kaputt und man müsste sich einer lebenslangen Dialysebehandlung unterziehen. Wegen des offensichtlich sehr raschen Wachstums des Lymphoms war Eile in jeder Hinsicht geboten.

Meine erste Vorstellung, dass nach der Diagnose periodische Chemotherapien mit ungewissem Ausgang folgen würden, war zwar im Prinzip richtig, berücksichtigte aber nicht das Zerstörungswerk, das die Lymphome bereits im Körper angerichtet haben.

Symptome: Aus der Atemnot bei Anstrengung wurde zunehmend eine generelle Atemnot, auch im Ruhezustand; Flüssigkeit, die nicht ausgeschieden werden konnte staute sich im Körper (Lunge, Arme Beine, Augen); Atmen nur auf der rechten Seite liegend möglich.

Alles sagen sie Dir ja nicht, die Ärzte. Einerseits aus psychologischen Gründen aber auch aus didaktischen Gründen – man versteht alles höchstens modellhaft. Meine erste Station, die Urologie, diente eigentlich nur zur Diagnose. Die Gewebsentnahme war schon einige Tage vorbei und man wartete dringend auf das Ergebnis der Laboruntersuchung. Wegen der Atemnot schickte man mich nicht nach Hause und ich war einige Tage fast behandlungsfrei im Spital. Im Laufe dieser Tage vergrößerte sich die Atemnot immer mehr, Schlafen in der Nacht gab’s nicht.

Am Donnerstag früh, 10.9. 10:00 war der Laborbefund da, der Primararzt kam – ein Tiroler übrigens – erklärte, dass es sich um ein Lymphom handle, gegen das man sofort vorgehen müsse und dann wurde es eilig, sehr eilig. Es ging um 11:00 unverzüglich in die Onkologie auf ein Isolierzimmer, denn bei diesen Überstellungen müssen immer Coronatests gemacht werden.

Alle, die in mein Zimmer kamen, mussten Schutzkleidung tragen. Der Oberarzt erklärte mir, dass die Art der Chemotherapie von der Art des Lymphoms abhängig sei und dabei bis zu 80 Arten unterschieden werden. Daher war es eben notwendig, das genaue Laborergebnis zu kennen, um die richtigen Maßnahmen zu setzen.

Man wartete das Ergebnis des Coronatests nicht ab und verpasste mir gleich um 12:00 die ersten drei Infusionen: Cortison, Wasser und danach Chemie. Das alles war nur eine Vorstufe mit halber Dosis. Die erfahrene Krankenpflegerin war ob der Eile auch etwas verwirrt, denn normalerweise wartet man einfach das Corona-Testergebnis ab, es kam dann am Abend. Der Test war negativ und ich wurde auf ein Zweibettzimmer zum Dauerpatienten Kurt verlegt.

So, als würden sich alle Venen vor den zu erwartenden Stichen in Sicherheit bringen wollen, veränderte sich die Hautoberfläche auffällig, die Venen gingen in Deckung, Oft musste mehrmals ein Zugang gesucht werden.

Mein Allgemeinzustand war so, dass ich nur im Liegen konnte. Kaum stand ich auf, bekam ich Probleme beim Atmen. Mein Erklärungsmodell war immer noch jenes, das ich vom Lungenfacharzt mitgebracht hatte, das fehlende Hämoglobin kann den Sauerstoff der Lunge nicht ausreichend weiterleiten.

Um das Blutbild war man auch gleich sehr besorgt, eine Punktierung des Rückenmarks stand am Freitag am Programm. Da ich diese Prozedur schon einmal schmerzhaft in einer Ambulanz erlebt habe, hatte ich Panik, doch es sollte ganz anders kommen. Ein junger Arzt aus Siebenbürgen hatte in dieser Sache Erfahrung. Ohne eine Schmerzempfindung entnahm er aus dem Beckenknochen einen zwei Zentimeter langen Bohrkern, das Analyseergebnis wird in einer Woche erwartet.

Freitag und Samstag waren durch genau festgelegte Folgen von Cortison, Wasser, Antibiotika und Chemie geprägt. Keine Chemo-Flasche wurde verabreicht ohne eine Kontrolle des Namens und des Geburtsdatums.

Da die Chemie alle schnellwachsenden Zellen angreift, tut sie das auch in den Schleimhäuten des Rachens und um in diesem Bereich Entzündungen zu vermeiden, spült man nach den Mahlzeiten den Rachenraum man Glandomed mit Orangengeschmack.

Die Chemie ist so aggressiv, dass eine undichte Stelle beim Einlass in die Vene den ganzen Arm verätzen kann. Glücklicherweise ist das bei mir nicht passiert. Damit die Konzentration im Blut nicht zu groß werden kann, werden die Infusionen genau dosiert.

Ob und was dieses Chemo wirklich bewirkt, kann ich jetzt noch nicht sagen, weil ich noch keinerlei Nebenwirkungen bemerke.

Aber eine ständige Nebenfront macht mir laufend zu schaffen, die Atemnot. Beim Versuch, durch die Station zu gehen, gab ich am halben Weg auf und ging keuchend in mein Bett zurück. In der Nacht wirkte sich das so aus, dass ich nicht schlafen konnte, bestenfalls ruhen und das nur auf der rechten Seite liegend; links oder am Rücken ging gar nichts, keine Luft. Wenn die Lunge in „Flachatmung“ übergeht, reicht der Sauerstoff nicht aus und man schnappt nach Luft und kann daher nicht einschlafen.

Diese Liegeunsymmetrie habe ich schon jahrelang, allerdings nicht mit dieser nach Luft ringenden Begleiterscheinung. Natürlich wusste das Ärzteteam darüber Bescheid. Man wartete die letzte Chemo-Flasche ab. Am Samstag sind die Ambulanzen nicht besetzt. Das Lungenröntgen wurde nur für mich in Betrieb genommen. Das Bild zeigte einen Grauschleier, nur geht der nicht so einfach mit dem Weißen Riesen weg.

Die Ärzte bereiteten mich auf einen weiteren Eingriff vor, eine Punktierung der Lunge. Aber ich hätte doch gar nichts an der Lunge meinte ich, denn das hatte der Lungefacharzt festgestellt. Ja, aber das wäre vor zwei Wochen gewesen, die Situation habe sich aber dramatisch verschlechtert. Man ist Passagier. Samstag geht nichts mehr, aber Sonntag. Wieder wird eine Ambulanz hochgefahren, wieder ist ein junger Arzt am Werk, wieder mit sehr viel Einfühlungsvermögen und Routine.

Mein Bett wird von einem erfahrenen Team von der Onkologie zur Ambulanz gefahren. Eine gemütliche „Jugo“-Partie und einer, der wegen seiner verdächtigen violetten Haarfarbe nicht so recht dazugepasst hat. Tatsächlich, ein Austrianer. Ich konnte mich mit ihm unterhalten, über die neue Saison, die neuen Abos. Und siehe da, trotz seines unverkennbaren Aussehens eines treuen Fans war er sehr verantwortungsbewusst. Nein, heuer nimmt er kein Abo, das wäre viel zu riskant für seinen Beruf im Spital, er würde kein Risiko eingehen und sich die Spiele nur am Fernseher anschauen. Hut ab, violetter Freund!

Die Ambulanz war völlig leer, nur das kleine Team war da. Alle für den Eingriff erforderlichen Dinge, die ich in der Aufregung gar nicht wahrgenommen habe, werden aus sterilen Behältnissen entnommen, einmal verwendet und dann entsorgt. Ängste waren völlig unbegründet, der Eingriff erfolgt im Sitzen und am Rücken, ich weiß also nicht, was die drei wirklich gemacht haben. Man muss sich aber vorstellen, dass ich immer keuchend geatmet habe. Es wird einfach ein Loch zwischen die Rippen gebohrt und über einen Schlauch Flüssigkeit abgesaugt. Im Zuge der Behandlung wurde das Atmen leichter und leichter. Fast zwei Liter Flüssigkeit wurden mir in wenigen Minuten aus der Lunge entfernt, und dass ich diese Zeilen schreiben kann, verdanke ich dieser Behandlung, denn vorher war sogar das Sitzen am Tisch sehr beschwerlich.

Wie neu geboren kam ich auf die Station zurück, alle Atemnot war verschwunden.

Warum das Wasser in die Lunge gekommen ist, hat folgenden Grund, den ich immer wieder bei den Visiten höre: meine rechte Niere sei gestaut. Man hätte bei der Biopsie versucht, den Harnkanal zur Blase zu öffnen, das sei aber nicht gelungen. Es bestand daher die Gefahr, dass die Niere irgendwann unter diesem Stress so beeinträchtigt wird, dass man zum Dialysepatienten wird. Das wollte man aber mit allen Mitteln zu verhindern versuchen.

Und von wo kommt diese Stauung? Das wieder hängt mit dem Lymphom zusammen, das sich in diesem Bereich ausgebreitet hat und den Harnleiter abdrückt und den Harntransport beeinträchtigt und das eben durch die Chemotherapie zurückgedrängt werden soll. Vorläufig aber sei seine schädigende Wirkung schon so weit fortgeschritten, dass eben die rechte Niere nicht mehr funktioniert.

Was tun? Ärzte sind erfinderisch. Würde man nichts tun und darauf hoffen, dass die Chemotherapie den Harnkanal irgendwann wieder freigibt, kann das für die Niere zu spät sein. Also bastelt man dem Patienten einen vorläufigen künstlichen Ausgang bei der beschädigten Niere. Und wieder wird Mensch angebohrt. Im Ultraschall wird die Niere lokalisiert, ein Loch dorthin gebohrt und ein Schlauch eingeführt, der den Harn nach außen ableitet. Ja, dann hat man einen ständigen Begleiter, eine Art Beule als Abdichtung des Abflusses und ein Sackerl fürs Lulu, wenn man das so sagen darf. Mit dieser Maßnahme wird der Stau in der Niere abgeleitet, das Wasser in der Lunge wird sich hoffentlich nicht wieder ansammeln. Die Niere wird durch die Ableitung geschützt und in der Zwischenzeit kann die Chemotherapie ihre Wirkung entfalten und das Lymphom verkleinern, womit dann – hoffentlich – der Harnkanal wieder frei werden kann. Nach einiger Zeit kann man den Notausgang wieder entfernen.

Der Eingriff war für Montag Nachmittag geplant, aber es kam ganz anders. Montag Vormittag stand der mich begleitende Oberarzt neben meinem Bett und verkündete höchst erfreut, dass man den künstlichen Nierenausgang nicht benötigen wird, weil sich die Nierenwerte im Blutbild bereits während des Wochenendes soweit verbessert hätten, dass man jetzt schon auf die Wirkung der Chemotherapie setzen kann.

Das Programm wurde also kurzfristig geändert: kein Nierenausgang, dafür Chemo Phase 1, volles Programm (doppelte Menge im Vergleich vom Vorphase). Ziel: Nieder mit dem Feind, dem Lymphom.

Was soll man da sagen, manchmal hat man eben auch Glück.

Eine Kleinigkeit bleibt noch, denn im Sitzen neigen die Beine noch dazu, sich immer noch etwas mit Flüssigkeit zu füllen. Dagegen hilft Füße hochlagern und die Tablette „Lasix“. Allerdings muss man danach einen halben Tag zu Hause bleiben, so viel Flüssigkeit kann man da im 20-Minuten-Takt verlieren,

Eineinhalb Tage noch, dann geht es nach am Freitag 18.9. nach fast drei Wochen Spitalsaufenthalt nach Hause. Eine kleine Hausübung muss ich täglich ausführen, nämlich muss ich mir weiße Blutkörperchen in den Oberschenkel spritzen. Man lernt eben nie aus.

Und siehe da, als ob die Venen die Botschaft mit dem „Nachhausegehen“ mitgehört hätten, sie sind wieder da. Offenbar haben die Maßnahmen schon so gut gegriffen, dass sich der Körper erholt hat. Auch die Hautfarbe beginnt das gespenstische Grau weder abzulegen.

Nach drei Wochen wird es die nächste Phase der Chemotherapie mit einem weiteren dreitägigen Spitalsaufenthalt geben. In dieser Zeit werden sich die Blutwerte durch die aggressive Chemie (unerwünscherweise) verschlechtern wie sich die Lymphome (erwünschterweise) zurückbilden – hoffentlich. Das wird wegen dem dann sinkenden Hämoglobinwert wieder Atemnot zur Folge haben und gleichzeitig könnte die Anfälligkeit gegen Infektionen steigen. In diesem Zusammenhang ist unser derzeit gemeinsamer Feind, das Coronavirus, eine kleine Hilfe, weil alle Menschen aufgefordert sind, Masken zu tragen und Abstand zu halten und daher werden auch die saisonalen Schnupfen- und Grippeviren abgehalten.

Spital, Ort der Integration

Dieses und andere Spitäler würden nicht funktionieren, gäbe es sie nicht; die zahlreichen Menschen mit Migrationshintergrund, die das Gesundheitswesen am Laufen halten. Ich versuche immer zu erraten, von wo die mich gerade behandelnden Menschen stammen. Und das ergibt tatsächlich ein sehr buntes Bild. Temesvar, Zagreb, Belgrad, Bratislava, Brno. Was ich anfangs etwas vermisst habe, waren Moslems, die einen sehr großen Bevölkerungsanteil in Wien stellen, doch auch hier wurde ich fündig, es gibt sie. Sehr gewissenhaft. Aber noch zu wenig.

Das Klima, das auf allen diesen Abteilungen herrscht, ist eigentlich schon ein Teil des Heilungsprozesses. Man bewundert die Logistik, die Hygienemaßnahmen, das perfekte Zusammenspiel der verschiedenen Zuständigkeitsebenen und die enorme Expertise des Ärzteteams; man ist (dankbarer) Passagier.

Man ist wie in einem Hotel, man kann zwischen drei Menüs auswählen, es gibt Obst, Fruchtsäfte, Tee, Kaffee. Ich plädiere für sechs Sterne, allerdings muss man einen Stern wegen der dauernden „Sticheleien“ abziehen. Und doch gibt es einen wichtigen Unterschied zu einem Hotel. Das Hotel will seine Gäste halten, das Spital will sie wieder gesund nach Hause schicken.

Dank an das Team der Onkologie im KFJ, Station D!

Und damit die Patienten trotz der guten Behandlung auch gehen, gibt es hier kein Bier.

Daher werden wir am Samstag das familiäre Wiedersehen im Schweizerhaus bei einem Krügel Budweiser, einer Prager Kuttelflecksuppe (dršťková polévka) und Rohscheiben feiern, einem Hauch von Freiheit nach dem „Hotel“ Spital. Ihr werdet fragen, warum denn keine Stelze? Nun, das hat mit Nostalgie zu tun. Eine meiner „Mütter“ – ich hatte gleich vier, alle Wiener Tschechinnen – verwendete viel Zeit auf die aufwändige Zubereitung dieser Suppe und der kleine František war zu dieser Köstlichkeit immer eingeladen. Schweizer Haus und Panoramaschenke bieten diese Spezialität heute noch an.

*)
„Neues vom Franz“ ist der Titel eines Kinderbuchs von Christine Nöstlinger aus der „Franz“-Serie. Wir hatten alle diese Bücher. Und es sind nicht nur Kinderbücher, sie unterhalten Erwachsene gleichermaßen.

Buffalo

Einen interessanteren Gegner hätten wir uns gar nicht wünsche können. Die Fans von KAA Gent nennen ihren Verein „Buffalo“. Es gibt den „Buffalo Kids Club“ und das „Buffalo TV“. Aber woher kommt das?

Die Herkunft des Namens „Buffalo“

Der Sportverein Gent wurde schon 1864 gegründet, Fußball wurde ab 1900 gespielt. Und in diesen Jahren kam William Frederic Cody, genannt „Buffalo Bill“ mit seiner Wild West Show bereits zum zweiten Mal nach Europa. Diese Show hinterließ bei den Gentern einen so nachhaltigen Eindruck, dass die Rufe „Buffalo, buffalo“ sich im Gedächtnis so eingeprägt haben, dass der Indianerkopf als Symbol für die damalige Show bis heute das Wappen des Vereins darstellt.

Wappen von KAA Gent
Sitting Bull und Buffalo Bill um 1895
Bild Wikipedia

Die Indianer fanden in Buffalo Bill einen Fürsprecher. In den Anfängen der Show um 1885 war noch der legendäre Häuptling Sitting Bull ein Star dieser Show. Sitting Bull, Sieger der Schlacht am Little Big Horn, bei der General Custer und seine Brüder ums Leben kamen, erhoffte sich durch die große Popularität der Show, beim Publikum auch Verständnis für die Lage der Indianer zu wecken. Aber die Teilnahme an der Europatournee lehnte Sitting Bull ab. Im Dezember 1890 wurde er bei einer Polizeiaktion im Bett erschossen. Man wird irgendwie an das heutige Amerika erinnert.

Sitting Bull sah also Europa nicht. Wohl aber etwa 100 Indianer und noch mehr Cowboys, Büffel, die tollkühne Reiterkunststücke vorführten. Die Vorstellungen waren sehr gut besucht, bis 20.000 Zuschauer waren keine Seltenheit.

Buffalo Bill kam in zwei Tourneen 1890 und 1905 nach Europa. In Wien war er vom 8. Mai -29. Mai 1890 und vom 26. Mai-14. Juni 1906 bei der Rotunde. In Gent war er nur zwei Tage, am 20. und 21. September 1906 und an diesen Tagen hinterließ die Show einen bis heute anhaltenden Eindruck.

Sogar das das Karl-May-Wiki erwähnt Buffalo Bill mit einem Zitat des phantasiebegabten Karl May: „Buffalo Bill kenne ich persönlich; er war Spion und guter Führer, sonst nichts. Zu den Westmännern à la Old Firehand wurde er nicht gerechnet.“ (K. May an Carl Jung2. XI. 1894)

Links „Buffalo Bill“

Unser Gegner „Buffalo“

FIFA Weltrangliste

 1 Belgien
26 Österreich

UEFA-Ländervergleich

 8 Belgien
10 Österreich

Der Ländervergleich zwischen Belgien und Österreich ist dem zwischen Kroatien und Österreich (Spiele gegen Lok Zagreb) nicht unähnlich. Belgien hat viele Spieler in den Top-Ligen und seine Nationalmannschaft liegt daher an der Spitze der Weltrangliste. Im Vergleich der Ligen aber ist Österreich fast auf Augenhöhe, was ein gewisse Hoffnung für die Qualifikationsrunde darstellt.

UEFA Klubvergleich

52 Gent
93 Rapid

Kaderwert (Transfermarkt)

80 Mio Gent
31 Mio Rapid

Lokomotiva Zagreb – Rapid

0:1 (0:1)

Das Wie ist – eigentlich immer im Fußball – im Nachhinein ziemlich egal. Wenn auch das Spiel nicht gerade eine Glanzleistung und eine Augenweide war, der Verlauf des Spiels entspricht eigentlich sehr gut den Voraussagen.

Lokomotiva war durch verschiedene Veränderungen nicht gerade auf einem Leistungshoch, wusste das und nahm die Rolle des Außenseiters an. Man beteiligte sich in der ersten Halbzeit wenig am Spiel, stand tief und hoffte auf Standards und Konter, und tatsächlich konnte man an einem theatralischen Umfaller erkennen, dass eine solche Szene – als Elfmeter geahndet – eine Spielentscheidung herbeiführen hätte können. Doch Rapid konnte das entscheidende Tor durch seine starke Präsenz in der gegnerischen Hälfte noch vor der Pause erzielen. Zwei Schüsse konnten vom gegnerischen Tormann noch abgewehrt werden, doch der dritte von Kara war schließlich unhaltbar.

Dass sich die zweite Halbzeit ganz anders angefühlt hat, liegt an den verstärkten Offensivbemühungen der Zagreber, insbesondere der eingewechselte Jorge Samir brachte Schwung in den gegnerischen Angriff. Leider konnte Rapid die sich bietenden Konterchancen nicht nutzen. Auch hat der Trainer die Spielerwechsel eher Richtung „defensiv“ und Halten des Ergebnisses angelegt.

Betrachtet man den Spielverlauf mit der Anzahl der Torschüsse und Corner, ist darin die Überlegenheit von Rapid klar dokumentiert, auch wenn es am Ende nur ein 1:0 war.

Papierform

Wie alle Trainer richtig bemerken, sind Statistiken „für die Würscht“, wenn es um das nächste Spiel geht. Statistiken können langzeitliche Stärkeverhältnisse darstellen, aber auch wenn ein Team alle Spiele gegen einen Gegner gewonnen haben sollte, sagt uns das nichts über das jeweils nächste Spiel. Ein solcher Blick zurück kann sogar dazu führen, dass man der Meinung ist, man hätte den Sieg schon in der Tasche. Aber Vergleiche sind nun einmal das einzige Kriterium, um eine Ausgangssituation zu beschreiben. Wie das Spiel ausgeht kann eine Statistik nicht voraussagen, nur eine Wahrscheinlichkeit dafür angeben.

Die „Papierform“, gemessen am UEFA-Ranking sprach schon klar für Rapid, obwohl man der Meinung sein könnte, dass ein Spiel gegen eine Mannschaft aus dem Land des Vizeweltmeisters keine leichte Sache sein werde.

FIFA-Weltrangliste

Die besten kroatischen Spieler findet man im Ausland und das sieht man an der FIFA-Weltrangliste:

 6 Kroatien
26 Österreich

Kroatien hat die klar bessere Nationalmannschaft.

UEFA-Länderranking

Hier geht es um den Leistungsvergleich der Klubmannschaften, d.h. Österreich hat die stärkere Liga.

10 Österreich
19 Kroatien

UEFA Team-Ranking

 99 Rapid
252 Lokomotiva Zagreb

Das ist ein 5-Jahres-Schnitt der Punkte, die die Mannschaft in internationalen Bewerben erkämpft hat. Rapid ist wegen des Fehlens in der letzten Saison weit hinter dem angepeilten Ziel der „Top-50“ abgefallen.

Ambiente

Abgezählte 200 Gäste – und ebenso viele Babyelefanten – erlebten das Spiel in den VIP-Räumen von Rapid zum Ticketpreis von 18,99 € inklusive Würstel. Als Nachtisch gab’s Krapfen vom Ströck. Jeder Teilnehmer erhielt einen Fanschal von dieser Begegnung.

Etwa 75 Minuten von Spielbeginn, startete die amüsante und informative Podiumsdiskussion „Auswärtsspiel in Hütteldorf“ mit Andy und Lukas Marek, Karl Brauneder und Martin Hiden.

Neben den Interviews gab es auch ein mehrteiliges Rapid-Quiz. Leicht war das Quiz nicht, aber unterhaltsam.

Genau 60 Minuten vor Spielbeginn, präsentierte Lukas die Mannschaftsaufstellung. Unser Eindruck war, dass hier kein Risiko eingegangen wurde, denn es war die Bestaufstellung.

Die optimistischen Tipps am Podium: 1:2, 0:1, 0:2, 1:3. Karl Brauneder hat das Ergebnis erraten.

Der Jubel nach dem Tor und nach dem Ende des Spiels hätte auch bei vollen Saal nicht größer sein können. Rapid-Hymne und „Rapid-Wien, Lebenssinn“ wurden anhaltend gesungen.

Am Ende der Veranstaltung gab es eine Tombola, bei der Fankleidung gewonnen werden konnte, die es in dieser Form im Fanshop nie gegeben hat.

Danke an Rapid für diese gelungene Veranstaltung!

Die nächsten Gegner

Wie es Karl Brauneder am Podium bemerkt hat, war Lok Zagreb ja nur der Anfang, leichter wird’s nicht, und bei den kommenden Gegnern darf man Chancen wie gegen Lok nicht so vernebeln.

Gent (Belgien)

Gegen Gent hat Rapid noch nie gespielt, dafür 4 Spiele gegen die Bergwerkstadt Genk mit ausgeglichener Bilanz: S : U : N = 1 : 2 : 1. In der abgelaufenen Saison war Gent am zweiten Tabellenplatz und Genk auf Platz 7.

Dynamo Kiew (Ukraine)

Gegen Dynamo Kiew gab es bisher zwischen 1986 und 2013 8 Pflichtspiele mit einer leicht negativen Bilanz: S : U : N = 3 : 1 : 4. Zuletzt konnte zu Hause ein Unetschieden erreicht werden, auswärts gab es eine 1:3-Niederlage.

Benfica Lissabon (Portugal)

Gegen Benfica gab es nur zwei Spiele 1961: S : U : N = 0 : 1 : 1 im Semifinale im Europacup der Meister, wobei das Auswärtsspiel klar mit 0:3 verloren wurde und das Heimspiel wegen eines Platzsturms erzürnter Fans über eine skandalöse Schiedsrichterleistung in der 89. Minute abgebrochen wurde.

Es gibt zwar auch den überraschenden Erfolg über Sporting Lissabon aus 1995, denn man hat das Auswärtsspiel mit 0:2 verloren, aber die Begegnungen gegen Porto, die beide glatt verloren wurden, zeigen, dass Benfica „a schware Partie“ wäre.

Links

Europa-Bilanz und -Prognose

Klub-Rangliste

Unabhängig vom Platz der UEFA-Klubrangliste ist es für das Punktekonto wichtig, dass man in der Qualifikation nicht ausscheidet oder – besser noch – diese gar nicht bestreiten muss. Das wird aber in der kommenden Saison nur für den österreichischen Meister der Fall sein.

Weiters ist es wichtig, dass das UEFA-Punktekonto so hoch ist, dass man in der Qualifikation zu den gesetzten Teams gehört. Das hat Rapid heuer in der vierten Qualirunde nur ganz knapp verfehlt, da waren wir also Rapid ganz nah dran. Mit einem Rang um 50 könnte dieses „Gesetzt-Sein“ ziemlich sicher gegeben sein.

Punktestand 2017/18

2013/14  5,00 (Gruppenphase Genk, Kiew, Dila Gori) 
2014/15 1,50 (Helsinki-Aus)
2015/16 10,00 (1/16-Finale Valencia)
2016/17 5,00 (Gruppenphase Genk, Bilbao, Trencin)
2017/18 - (Horror-Saison mit Büskens und Canadi)
21,50

Rapid befand sich am Ende der vorigen Saison auf Rang 68 der UEFA-Rangliste. Mit der neuen Saison fallen die 5 Punkte der Saison 2013/14 aus der Wertung.

Spiele 2018/19

Internationale Bilanz 2018/19

In der Qualifikation erreichte Rapid 2 Punkte für 2 Siege gegen Slovan Bratislava, und Steaua Bukarest.

Für das Erreichen der Gruppenphase wurden zunächst zwei Punkte gut geschrieben, die aber in den Spielen übertroffen werden mussten, um weiter punkten zu können. Man muss also von den erreichten Punkten in der Gruppenphase diese zwei Punkte abziehen. Erreicht wurden mit den zwei Siegen gegen Spartak, dem Sieg gegen die Rangers und dem Unentschieden gegen Villarreal 7 Punkte, von denen eben 2 Punkte abgezogen werden müssen, bleiben also 5.

Punktestand 2018/19

2014/15  1,50 (Helsinki-Aus)
2015/16 10,00 (1/16-Finale Valencia)
2016/17 5,00 (Gruppenphase Genk, Bilbao, Trencin)
2017/18 0,00 (Horror-Saison mit Büskens und Canadi)
2018/19 7,00 (1/16-Finale Inter)
23,50

Rapid hat also in der laufenden Saison 7 Punkte zum Punktekonto dazu bekommen und liegt nunmehr auf Rang 63 und kann von anderen Teams nicht mehr überholt werden.

Hätti-Wari

Würde Rapid in jedem der letzten fünf Jahre so abgeschnitten haben wie heuer, dann wäre der Punktestand etwa 35 Punkte und damit läge Rapid etwa auf Platz 40 im Ranking der europäischen Fußballvereine. Wäre da eben nicht der Totalausfall im Vorjahr mit Null Punkten und das blamable Ausscheiden gegen Helsinki 2014.

Aber wenn wir heuer nicht in die Gruppenphase gekommen wären, dann wären wir im Ranking ziemlich abgerutscht und zwar so:

Keine Teilnahme

Ohne Punkte aus der laufenden Saison hätte Rapid um diese 7 Punkte weniger, läge also mit 16,5 Punkten etwa auf Platz 84.

Keine Gruppenphase

Ohne dieses Goldtor von Mario Sonnleitner in Bukarest hätte Rapid nur 2 Punkte der Qualifikation dazubekommen und länge mit 18,5 Punkten etwa auf Platz 77.

Denken wir optimistisch

Nehmen wir für die Zukunft an, dass Rapid entweder über die Meistergruppe oder über die Qualifikationsgruppe oder über den Cup doch zu einer internationalen Teilnahme in der kommenden Saison kommt. Und – denken wir optimistisch – Rapid schafft wieder 7 Punkte. Dann würde sich folgende Situation ergeben:

2015/16 10,00 (1/16-Finale Valencia)
2016/17 5,00 (Gruppenphase Genk, Bilbao, Trencin)
2017/18 0,00 (Horror-Saison mit Büskens und Canadi)
2018/19 7,00 (1/16-Finale Inter)
2019/20 7,00
29,00

Mit diesen 29 Punkten wären wir am Ende der kommenden Saison etwa auf Platz 50 der UEFA-Klubrangliste, also gar nicht so schlecht. Wo genau man dann wirklich landet hängt aber auch wesentlich von dem Erfolg der anderen Mannschaften ab, aber immerhin, eine Vorgabe des Präsidiums wäre dann erreicht.

Denken wir pessimistisch

Die beiden verpatzten Saisonen 2017/18 mit 0 Punkten und 2014/15 mit 1,5 Punkten bringen es mit sich, dass Rapid derzeit nur auf Platz 63 liegt und die Gefahr ist groß, dass im nächsten Jahr wieder so eine Pleitesaison folgen könnte. Mit einem weiteren Pleitesaison 2019/20 schaut die 5-Jahreswertung so aus:

2015/16 10,00 (1/16-Finale Valencia)
2016/17 5,00 (Gruppenphase Genk, Bilbao, Trencin)
2017/18 0,00 (Horror-Saison mit Büskens und Canadi)
2018/19 7,00 (1/16-Finale Inter)
2019/20 0,00
22,00

Mit diesem Punktestand von 22 würde Rapid am Ende der Saison 2019/20 etwa auf Rang 68 abrutschen. Dass Rapid nur etwa 5 Plätze abrutscht, liegt daran, dass lediglich die punktearme Helsinki-Saison mit 1,5 Punkten aus der Wertung fällt.

Rapid hat sich also heuer sehr gut geschlagen und wer auch immer 2020 in den internationalen Bewerb einsteigen wird, er hat seinen Platz jenen Klubs zu verdanken, die schließlich zu den Landespunkten von derzeit 30,85 beigetragen haben und RB aber auch Rapid haben daran einen großen Anteil.

Resummee

Dass Rapid gegen Inter ausgeschieden ist, ist vor einem historischen Hintergrund nichts Besonderes, ist es doch noch keiner österreichischen Mannschaft gelungen, in Mailand zu bestehen.

Die Meisterschaft gibt mehr Grund zur Sorge. Niemand kann einen guten Grund dafür nennen, warum Rapid derart schlecht „performt“. Die Vermutung, Gogo wäre nicht der geeignete Trainer gewesen, hat sich als ziemlich haltlos erwiesen. Die Verstärkungen durch Spielerkäufe stellen sich als eher unterdurchschnittlich heraus. Nachwuchsspieler werden wenig berücksichtigt.

Für uns Zuschauer waren die Aufstellungen der beiden Spiele gegen Inter mit ein Grund für das schlechte Abschneiden. Dass sich die Fachwelt von diesen Aufstellungen „überrascht“ gezeigt hat, war wohl sehr positiv ausgedrückt.

Da weiß ein Trainer, dass sein Kapitän ein großer Italien-Fan ist, dass seine Frau eine halbe Italienerin ist und dass mit dem Spiel in Mailand fast so etwas wie das Spiel seines Lebens möglich ist. Wer weiß, welche Kräfte eine solche Motivation freisetzen kann? Wir alle, nur nicht der Trainer!

Und am heutigen Sonntag verlangt derselbe Trainer von demselben Spieler, den er beim letzten Spiel durch die Nicht-Aufstellung in der Startelf derart brüskiert hat, wieder eine Top-Leistung! Mitarbeiterführung setzt auch so etwas wie Einfühlungsvermögen voraus, aber die Aufstellungen machen den Eindruck als wären die Spieler emotionslose Zinnsoldaten. Ob sich das nicht rächt?

Ich war bei der Ankunft der Mannschaft aus Mailand am Flughafen und Ihr könnt raten, wer als erster und mit großem zeitlichen Vorsprung den Flughafen verließ. Es war Didi Kühbauer. Es war so, als wolle er die Szene fluchtartig verlassen.

Links

Rapid-Inter

0:1 (0:1)

Nach der langen Winterpause wussten wussten wir nicht, was wir erwarten können. Jetzt wissen wir’s! Trotz Niederlage: Bravo Rapid!

Inter     Rapid
25 26 Kadergröße
28,5 25,0 Durchschnittsalter
68% 39% Legionäre
17 5 A-Nationalspieler
582 Mio 36 Mio Gesamtkaderwert
3 8 Tabellenplatz
73 70 Jahre in der Liga
80.000 28.345 Sitzplätze

Rapid hat gegen eine Mannschaft mit dem 16-fachen Kaderwert durch ein ziemlich unglückliches Elfmetertor 0:1 verloren, ein Treffer von Rapid wurde wegen einer Abseitsstellung aberkannt.

Verloren wurde das Spiel in der ersten Halbzeit und wir, die „Spezialisten“ glauben auch zu wissen, warum.

Rapid spielte das erste Spiel gegen eine voll in der Meisterschaft stehende Mannschaft. Man hatte in der ersten Halbzeit das Gefühl, als müsse die Spielsicherheit erst wieder zurückkommen. Und sie kam zurück und zwar mit jeder der Einwechslungen in der zweiten Halbzeit.

Die Aufstellung von Berisha als initiativlose Sturmspitze hat das ohnehin sparsame Angriiffsspiel von Rapid in der ersten Halbzeit noch durchsichtiger ausschauen lassen. Dass es auch anders sein kann, sah man mit den ersten Ballberührungen von Philipp Schobesberger. Aber das müsste doch der Trainer auch wissen, dass dem so ist; das wissen ja sogar wir. Warum also Philipp Schobesberger nicht vom Beginn an gespielt hat, ist eines jener Rätsel, die nur der Trainer auflösen kann und das nur bei einem Erfolg die richtige Entscheidung gewesen wäre, und da wir nicht erfolgreich waren, kann man such sagen: „Misserfolg mit einer Aufstellung gibt dem Trainer unrecht“, kein „goldenes Händchen“ heute! Blöder Job, der Trainerjob!

Überhaupt gelang es mit Knasmüllner und Murg, das Spiel zumindest offen zu halten, und phasenweise sogar zu dominieren.

So ein Auswärtstor könnte ja Rapid nächste Woche auch gelingen, warum nicht?

Geburtstage

Gleich drei Rapidler haben an diesem 14.2. Geburtstag: Alfred Körner (93), Hans Krankl (66) und Richard Strebinger (26). Alfred Körner, 7-facher Meister mit Rapid (!) wurde auch von der Rapid-Familie lautstark zum Geburtstag gratuliert.

Keine UEFA-Punkte

Sowohl Salzburg als auch Rapid gingen leer aus, daher ändert sich nichts am österreichischen Punktekonto von 30.450. Da auch Ajax gegen Real nicht gepunktet hat, bleibt die Distanz zu den Niederlanden mit
30.633 gleich.

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Ewkil: Bilder ·  Bericht · News vom Tage · Statistik
Inter: Bericht

Rapid-Rangers

1:0 (0:0)

Der überall kolportierte Sager, dem ich mich auch gleich anschließe, dass Rapid verdient gewonnen habe, zeigt uns, wie viel Zufall hier im Spiel ist. In dieser Aussage steckt ja, dass es ziemlich oft auch genau umgekehrt ist, dass man nämlich gut spielt und am Ende als Verlierer vom Platz geht.

Aufgrund der ausgeglichenen Spielanteile kann man sagen, dass beide Teams ähnlich fehleranfällig waren. In der ersten Halbzeit war Rapid deutlicher überlegen, in der zweiten Halbzeit nutzte man den Druck der Schotten aus und setzte auf Konter – und hatte Erfolg.  

Siegen zu müssen, ist eine schwierige Sache, weil man dann konteranfällig wird. Und so war es dann auch, und die taktischen Einwechslungen von Didi waren gut vorbereitet und waren erfolgreich.

Support

Es ist ein Armutszeugnis für die heimischen Großvereine, dass es ihnen nicht gelingt, den Auswärtssektor in Hütteldorf voll zu kriegen. Eine Mannschaft aus Schottland muss kommen, um Rapid erstmals ein wirklich ausverkauftes Stadion zu bescheren. Tolle Gäste, die wir da empfangen haben!

Anfangs waren die Rangers-Fans auch recht laut, doch mit Fortgang des Spiels übernahm nicht nur die grün-weiße Mannschaft am Spielfeld sondern auch das Publikum das Kommando. Unter der Leitung der Vorsänger des Blocks stimmte das ganze Stadion in die Gesänge mit ein. Ein magischer Abend, wie wir ihn so noch nicht erlebt haben. 

Die Choreografie des Block war wieder eine Augenweide. Nach ein paar Nachdenksekunden wurde das abstrakte 1312 erkannt und fotografiert, hier eine Ganzstadionsicht mit beiden Choreografien:

In der Pause wurde das Ergebnis der Spendensammelaktion „Wiener helfen Wienern“ verlautbart: 82.300 Euro! 

Die große organisatorische und soziale Leistung des Blocks wurde von Andy Marek hervorgehoben. Vergessen wir in diesem Moment einmal unseren Unmut gegenüber anderen Aktionen des Blocks und gratulieren dem Block für das Engagement und dem Empfänger des Geldes für die tollen „Hawara“, was schon zum nächsten Spruchband überleite, in dem es um „keine Hawara“ geht:

Das Spruchband nach der Pause verdient Erwähnung: „Ans, Drei, Ans, Zwa, A Kiwara is ka Hawara.“

Noch beim Stand von 0:0 hisste der Block typische englische Fahnen – aber auf den Kopf gestellt. Extra angefertigt? Erbeutet?

Die Freude auf den Rängen man dem 1:0 war grenzenlos, hier „die Gärtner“.

Mein Facebook-Freund Alastair McMillan schreibt: „Poor match, great result for you guys, good luck in next round.“ Es bekommt eine Stadionzeitung, denn die sammelt er. Und meinem belgischen Ticketsammler Pascal habe ich einige Tickets von der Straße aufgehoben.

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Wie geht es weiter

UEFA-Klubranking

Ein kleiner Lichtblick für die leidgeplagten Rapidler ist der nunmehrige Rang 63 im Club-Ranking. Es wird schon Losglück brauchen, um auch noch die nächsten Runden zu überstehen.

UEFA-Landesranking

Im Landesranking sind wir mit den zwei Siegen von RB und Rapid und 30.45 Punkten den Niederländern (30.633) schon sehr nahe gekommen. Die eventuell noch in der nächsten Runde erzielten Punkte werden für die beiden österreichischen Vertreter mit 2/5 (zwei verbleibende Teams) und bei den Holländern nur mit 1/5 (ein verbleibendes Team) gewichtet. Wir haben also durchaus eine Chance, die Holländer zu überholen und eine bessere Zuteilung der Startplätze auch für 2020 zu bekommen.

Nächster Gegner

Rapid mit seinen 23.5 Punkten nicht gesetzt und trifft daher auf Mannschaften ab UEFA-Platz 50 und darunter. Hier sind die möglichen Gegner des 16tel-Finales:

Bayer Leverkusen, FC Salzburg, Zenit St. Petersburg, Dinamo Zagreb, Arsenal, Real Betis, Villarreal, Eintracht Frankfurt, Racing Genk, Sevilla, Dinamo Kiev, Chelsea, Napoli, Valencia, Internazionale, Benfica

Ab dem 8tel-Finale gibt dann keine Setzlisten mehr. 

Rapid-Villarreal

0:0

Das Spiel begann so, wie es in Spanien geendet hat, mit einer Dominanz der Spanier und einigen Heldentaten unseres Tormanns. Doch im Verlaufe des Spiels dürfte der konstante Spielstand das Selbstvertrauen unserer Burschen ausreichend in die Höhe getrieben haben, sodass sie nach der Pause phasenweise mutig und mit deutlich weniger Fehlern aufgetreten sind. Eine Großchance von Pavlovic ging knapp daneben, gegen Spielende konnten wir einem Gegentor durch eine Abwehr auf der Linie gerade noch entgehen.

Es war ein gutes Spiel, bei dem man aber gesehen hat, dass die Spanier die Position ihrer Mitspieler besser kennen als das bei Rapid der Fall ist. Rapid braucht für Konteraktionen viel zu lang und Spieler sind oft unentschlossen, drehen ab und vergeben damit gute Chancen.

Sehr auffällig ist, dass unsere Stürmer nicht auf ihre Abseitsstellung achten. (7:1 Abseitsstellungen) Nicht nur, dass eine meist sehr gute Chance vertan wird, verliert man dabei auch gleich den Ball. 

Spielstatistik zur Halbzeit
Spielstiatistik bei Spielende

Die Einwechslung von Boli brachte große Dynamik ins Spiel auf der linken Seite, auch Knasmüllner belebte das Spiel vor dem Strafraum. 

Choreografie

„Sie beißen auf Granit, wie einst Real Madrid“, lautete der Begrüßungstext. Die Choreografie erinnerte an den Aufstieg von Rapid im Achtelfinale der Meistercups durch das Auswärtstor von Jörn Bjerregaard, der auch im Stadion anwesend war. 

Rapid steigt 1968 durch das Auwärtstor von Jörn Bjerregaard auf

Die von den vier großen Fangruppen Lions, Lord, Ultras und TOrnados gemeinsam inszenierte Choreografie war großartig! Wir rätselten, wie man wohl  diese riesige Tageszeitung mit der Schlagzeile „Rapid steigt auf“ drucktechnisch herstellt.

Seltsamer Ordnungssinn

Während es beim Spartak-Spiel kein Problem war, einen Banner in der Nord-West-Ecke des Stadions zu befestigen, war das bei diesem Spiel nicht möglich, denn irgendein Supervisor sagte „njet“. Ein ebensolcher hat es aber beim letzten Spiel ausdrücklich erlaubt.

Hier, in der Nord-West-Ecke dürfen keine Banner hängen

Mein Einwand, dass es in der gegenüberliegenden Süd-Ost-Ecke, die noch dazu den Fernsehkameras zugewendet ist, offenbar kein Problem damit gibt, half auch nichts.

Hier, in der Süd-Ost-Ecke sind die Banner der Fanklubs kein Problem

Vielleicht könnten die Herren am anderen Ende der Telefone eine einheitlichere Linie fahren?

Wer hilft Ján?

Ich bewundere das Engagement von Ján, der seine Umgebung mit seinen Plakaten zum Spenden aufruft. Aber Ján ist nur eines von vielen Beispielen.

Ján verkauft den Augustin – mit mäßigem Erfolg.

Damit uns geholfen wird, wenn es uns schlecht geht, müssen wir das Glück haben, zu den Empfängern der passenden Sammelaktionen zu zählen, also dem „Licht ins Dunkel“ oder dem „Wiener helfen Wienern“. Bist Du da nicht dabei, dann hast Du Pech gehabt. 

Ich habe nicht den Eindruck, als würden wir in einem Staat leben, in dem man nicht auf die Kinder achtet. Also warum es notwendig ist, etwa für das St. Anna Kinderspital zu spenden, erschließt sich mir nicht. Aber ich weiß, dass Ján Hilfe brauchen könnte.

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Villarreal-Rapid

5:0 (3:0)

Der größte Feind von Rapid steht nicht am Platz, sondern ist das „System Rapid“ selbst. Es sind Phantasien von Größe, symbolisiert durch den „Rekordmeister“, die die Handlungen der Akteure beeinflussen. Diese Phantasien befeuern die bewährte Schuldkultur und bezichtigen vordergründige Ursachen weil die wahren Ursachen die persönliche Eitelkeit verletzen.

Ein richtig Gläubiger, also ein solcher, der als Gute-Nacht-Gebet die Bibel – hier das Leitbild – zu Rate zieht, weiß – wie auch der Präsident in seinem offenen Brief versuchte darzustellen, dass wir eine Gemeinschaft sind, und dass Erfolg nur durch Zusammenhalt dieser Gemeinschaft entstehen kann. Es sind nicht einzelne schlechte Trainer oder schlechte Spieler, die uns vom Erfolg abhalten, wir selbst sind es, die den Sand ins Getriebe streuen.

Die eigene Wichtigkeit und Expertise zu überschätzen und mitregieren zu wollen – wie uns das der Block gezeigt hat – ist einer dieser Aspekte, die den Ideen des Leitbilds entgegenstehen. 

Es klingt gut, wenn uns die Legenden über den früheren Zusammenhalt der Mannschaft berichten. Aber es war damals auch kein Keil vorhanden, der bei einem positiven Spielstand von 2:0 beginnt, sich durch „Gogo raus“-Rufe zwischen Mannschaft und Trainer zu schieben.

Es gab damals auch keine 15.000 Mitglieder, die eine Hauptversammlung im Falle einer Negativspirale hätten zu einem Armageddon werden lassen können und daher das Präsidium schon zum zweiten Mal zur Notbremse eines Trainerwechsels veranlasst. 

Unsere Trainer sind nicht so schlecht wie sie da Publikum macht. Hier ein Blick auf die erreichten Punkte der verschiedenen Rapid-Trainer. Gogo bewegte sich mit 1,73 Punkten am Niveau von Zoki (1,76), genützt hat es ihm nichts.

Quelle Transfermarkt

Da der aktuelle Trainerwechsel in fataler Weise dem vor zwei Jahren ähnelt, kann man wegen der durchaus vergleichbaren Situation befürchten, dass auch Didis Ideen ähnlich wie die von Damir Canadi bei Rapid nicht fruchten könnten. Hoffen wir auf eine höhere Flexibilität und bessere Führungsqualitäten des neuen Trainers. 

Wir haben keine schlechten Spieler, sondern wir beobachten verunsicherte Spieler; Spieler, die vor lauter Veränderungen nicht mehr wissen, wo eigentlich ihr Platz am Spielfeld ist. Statt dass unser neuer Trainer für Ruhe und Stabilität sorgt, gibt es ein 4-1-4-1 mit Spielsituationen, in denen  Verteidiger eher sich selbst statt den gegnerischen Stürmer behindern. 

Die wahre Ursache für unsere Misere ist ein extrem erfolgreiches Marketing für ein durchschnittliches Produkt, wobei aber die Qualität des Produkts in unserm Kopf gebildet wird, als der Unterschied zwischen dem „Rekordmeister“ und der Realität am Platz. Könnten wir diesen Unterschied ausblenden, würden wir ohne weitere Veränderung gleich ein viel besseres Produkt erleben.  Lassen wir doch Sprüche, wie „das ist Rapid nicht würdig“ einfach beiseite und freuen wir uns auch darüber, dass wir in die Europa-League gekommen sind, dass wir im Cup weitergekommen sind und dass wir Mattersburg zwar knapp aber doch geschlagen haben. Mehr ist derzeit nicht drin. Sehen wir es positiv, kann daraus ein Aufwärtstrend entstehen. Wir sehen es aber so, dass es Schuldige gibt und wenn die nicht da wären, wäre alles gut. Diesen Negativtrend gilt es zu stoppen. 

Die Daheimgebliebenen haben sich das Spiel in freundlicher Umgebung der Rekordmeisterbar bei Flammkuchen und Rotem Zwickl angesehen, 

Gregor, Florian, Arnold in der „Minus-Rekord-Bas“

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Glasgow

Das Wichtigste an den Auswärtsfahrten ist natürlich das Spiel selbst, „Rapid auf der Insel“, aber die wichtigste Nebenrolle ist auch das fremde Land. Was, von dem, das wir gesehen haben, ist typisch englisch, was typisch schottisch und was ist eine Eigenheit von Glasgow? Man muss schon viel herumkommen, um das alles unterscheiden zu können. Wir sind auf dem besten Weg, das durch die Reisen mit Rapid vermittelt zu bekommen.

Glasgow

Glasgow ist die größte Stadt in Schottland, Regierungssitz ist aber das etwas kleinere Edinburgh im Osten.

Wie alle europäischen Metropolen wuchs Glasgow vor allem im 19. Jahrhundert durch Zuwanderung aus den ländlichen Gebieten, aber auch während der Hungersnöte aus Irland aber auch aus Indien. Der Motor dieser Zuwanderung waren die Verdienstmöglichkeiten in den damals 40 Werften am Fluss Clyde. Glasgow zählt heute 600.000 Einwohner, aber wie bei allen Städten hängt diese Zahl von der Grenzziehung ab. Wählt man als Zählgrenze etwa die Gegend bis zur Entfernung des Flughafens, hat dieses Einzugsgebiet ca. 2,8 Millionen Einwohner und das ist mehr als ein Drittel der Bewohner von Schottland. Gemeinsam mit dem Ballungsraum Edinburgh im Osten beheimatet diese Region 4/5 der Einwohner Schottlands (ca. 5,3 Millionen).

Glasgow wird von Fluss Clyde von Ost nach West durchflossen. Der Fluss mündet in den Firth of Clyde am nördlichen Ende von Irland in den Atlantik.

Der Westen der Stadt ist eine reiche, von Protestanten bewohnte Gegend, während der Osten eine Region der katholischen irischen Einwanderer ist. Dieser Gegensatz spiegelt sich auch in der Tradition der beiden Fußballklubs, denn die Rangers sind der Verein dessen Spieler bis 1989 ausschließlich der protestantischen Religion angehörten, während die Celtic-Spieler ausschließlich Katholiken waren. Seither hat sich diese strikte Auswahl der Spieler gelockert, spielt aber immer noch eine Rolle.

Zwar wurde im Vorfeld unserer Reise Rapid mit den Rangers verglichen – wohl wegen des „Rekordmeisters“ – doch scheint mir Rapid als Arbeiterverein eine größere ideologische Nähe zu Celtic zu haben.  Die Paarungen Rapid-Rangers und RB-Celtic bedeuten eigentlich „Kapital“-„Arbeit“.

Er war jedenfalls schön zu sehen, dass Rapid als durchaus ernst zu nehmender Gegner wahrgenommen wurde. Das Stadion war voll besetzt und eine fast wohltuende Welle der Aggression hat sich gegen den grün-weißen Gegner (das auch noch, dieselbe Farben wie die von Celtic) entladen.

Wohlstand

Das Preisniveau liegt in Großbritannien um 22 % über dem EU-Schnitt (Österreich 7 %). (Vergleichende Preisniveaus 2014, Spiegel).

Das Bruttomonatseinkommen liegt in Großbritannien bei 2.990,- Euro (Österreich 3.300,- Euro). (Länderdaten.info)

Aus dem Vergleich der beiden Zahlen sieht man, dass Engländer teurer leben. Das ist auch am Big-Mäc-Index ablesbar. Ein Big-Mäc kostete im Jänner 2016 in England 4,22 $ und in Österreich 3,76 $ (das aber bei einem höheren Einkommen in Österreich).

Was aber noch zu beachten ist, wie sich diese Einkommen, gemessen am Gini-Index verteilen. Dieser Index ist in Großbritannien 36 % (Österreich 26 %). Je höher dieser Index, desto größer die Ungleichverteilung des Einkommen zwischen Arm und Reich. (Einkommensverteilung Wikipedia)

Dieser Vergleich könnte auch die auffällige Zahl von Obdachlosen erklären, die man im Stadtzentrum von Glasgow sehen kann.

Baustoff

Das Zentrum von Glasgow besteht aus Sandstein. Ja nach Herkunft gibt es roten oder grauen Sandstein. Hier ein Bild von einem kleinen historischen Gebäude in rotem Sandstein.

Ein Caffè Nero ist in diesem historischen Gebäude untergebracht. Caffè Nero ist der Platzhirsch in Glasgow. Segafredo und Illy gibt es hier nicht.

Beide Steine, roter und grauer Sandstein haben die Eigenschaft, dass man sie – wie wir vom Stephansdom wissen – von Zeit zu Zeit putzen oder gar erneuern muss. Nicht jedes Bauwerk hat aber diese Popularität und daher machen die schönen Fassaden des 19. Jahrhunderts manchmal einen gealterten Eindruck.

In der Peripherie, speziell im ärmeren Osten, dominiert der Ziegel. Die aus England bekannten Reihenhaus-Siedlungen konnten wir bei unserer Rundfahrt nicht beobachten.

Bauordnung

Eine Altstadt im Sinne verwinkelter mittelalterlicher Gassen gibt es in Glasgow nicht. Die Straßenzüge sind streng regelmäßig angeordnet. Es ist eine jüngere Ansiedlung, deren Kern hauptsächlich im 19. Jahrhundert im viktorianischen Zeitalter entstanden ist. Um einen Eindruck von der Stadt zu bekommen, ist es am einfachsten, sich mit Google Street-View durch die Fußgängerzone zu bewegen. Start in der Fußgängerzone.

Bahnlinien durchziehen die Stadt. Warum aber die Häuser sich fugenlos bis an die Schienenstränge heran schieben, ist rätselhaft und bei uns in dieser Form unbekannt.

An dieser Stelle sieht man, dass hier eine Bahn fährt, aber die Häuser beiderseits der Straße schieben sich nahtlos bis an die Bahn heran. In den umgrenzenden Straßenzügen ist nichts von einer Bahnlinie zu sehen, alles mit Gebäuden zugebaut. Wenn am Bahngelände Hilfe benötigt wird, kann man die Gleise nur mit einem Zug erreichen nicht aber von der Straße. Auch unser Hotel, das motel one, macht von dieser Bauweise keine Ausnahme und nutzt jeden Quadratmeter bis zur Bahnlinie.

Spekulationsobjekte

Auffällig sind die zahlreichen ungenutzten, vor sich hin alternden Häuser, die sich kontrastierend von den intakten Gebäuden abheben. Hier vier Gebäude in Steinwurfweite von unserem Hotel, und dieses befand sich unmittelbar am Hauptbahnhof:



Diese Gebäude erinnern an gewinnbringenden Abriss von Gründerzeithäusern in Wien. Möglicherweise sind diese Ruinen Spekulationsobekte, deren Eigentümer auf einen reichen Käufer wartet. Vermutlich schützt auch hier die Kommune dieser Häuser durch Denkmalschutzauflagen vor dem Abriss, um das Stadtbild in der derzeitigen historisierenden Form zu erhalten.

Die Stadt ist sauber und man kehrt hier nicht, sondern man saugt:

Bauweise

Unsere bisherigen Fahrten auf die Insel führten uns nach England, Schottland war eine Premiere. England kennen wir als ein Land der praktischen „Außenverkabelung“. Schaut ein bisschen so aus wie in Bukarest. Glasgow ist anders! Keine Kabel an den Außenmauern von Gebäuden! Früher dürften die Straßenlaternen – wie bei uns in Wien – von den Häusern abgehängt worden sein, wie man am folgenden Bild sieht,…

…aber das ist vorbei, denn heute sind die Leuchten entweder auf selbständigen Säulen oder an den Hausmauern befestigt. Und das ist sehr vorteilhaft, denn man braucht das Licht am Gehsteig und nicht in der Straßenmitte! Es gibt keine Tragseile, die Straßen überspannen! Das wäre doch einen Versuch in Wien wert!

Wandmalereien

Es gibt immer wieder Stellen im Stadtbild, an denen Häuser abgerissen worden sind   und man daher auf eine triste Feuermauer schauen müsste. In Glasgow hat man aus der Not eine Tugend gemacht und sehr viele dieser Flächen attraktiv gestaltet. Hier ein Beispiel dafür…

…und es gibt sehr viele davon, besonders in der Peripherie.

Phantasievolle Gestaltung

Eine Toilettenanlage ist nicht unbedingt ein Blickfang, außer man macht einen daraus:

Die Anlage selbst ist ein unansehnlicher Betonklotz, wurde aber kunstvoll in schmiedeeiserne Ornamentik eingepackt. Nachahmenswert!

Phantasievolle Werbung

Das folgende Erinnerungsfoto mit Arnold und Florian stammt aus der mondänen Fußgängerzone.

Aber eigentlich geht es um den dahinter liegenden Apple Shop in einem viktorianischen Gebäude. Ein Mann mit einem Schild in der Hand bietet vor dem Apple-Shop „Cheaper Apple Repairs“ um die Ecke an. Sooo muss Werbung!

Verkehr

Als Mitteleuropäer und England-Fahrer schien es uns angebracht, auch in Schottland bei einer roten Fußgängerampel stehen zu bleiben und auf Grün zu warten. Das taten wir aber nur zwei Ampeln lang, danach übernahmen wir die Gepflogenheit der Einheimischen, einfach auch bei Rot zu gehen, wenn es der Verkehr zulässt. Zwar gibt es auch Ampeln, die den Fußgängern die ganze Kreuzung freigeben, aber wir hatten den Eindruck, als wären die Grün-Phasen für Fußgänger so unpraktisch geschaltet, sodass man sich über die Signale hinwegsetzt. Sehr gemütlich!

Berühmte Schotten

…werden an ihren Wirkungsstätten durch eine blaue Plakette verewigt, so wie im Bildbeispiel Stan Laurel, ganz ähnlich wie das auch in Wien bei historischen Bauwerken der Stadt der Fall ist.

Ganz berühmte, bekommen ein Denkmal, wie zum Beispiel James Watt, dessen Name jedes Elektrogerät ziert.

Eigentlich verbindet man mit ihm die Erfindung der Dampfmaschine, wie uns aber unsere Führerin erklärt hat, war seine Erfindung eine Weiterentwicklung der Dampfmaschine, die zu einer höheren Effizienz beitrug.

Verpflegung

Der englische/schottische Würstelstand dürfte ein Fish&Chips-Kiosk sein und daher besuchten wir einen unter der Eisenbahnbrücke hinter unserem Hotel. Wir wählten diesen, weil man dort auch Sitzgelegenheiten hatte. Getränke gab es nur alkoholfrei, und das dürfte eine Frage der Konzession sein.

Will man ein Bier trinken, besucht man eines der prächtigen Pubs, so wie dieses hier:

340,000.000

Was wäre eine Schottlandfahrt ohne den Besuch einer Whisky-Brennerei! Also machten wir uns auf den Weg in den Westen der Stadt, wo in einem alten Pumphaus eine solche Brennerei gerade im Aufbau begriffen war. Seit einem Jahr wird dort gebrannt aber nicht verkauft, denn erst nach einer Lagerzeit von drei Jahren darf Whisky auch verkauft werden.

Das hindert das Unternehmen aber nicht, Touristen die Whisky-Erzeugung durch interessante Führungen näher zu bringen. Leider sind unsere Englisch-Kenntnisse zu mangelhaft, um alles verstanden zu haben aber wenigstens den Qualitätsunterschied zwischen einem Blended Whisky (Verschnitt mit gleichbleibendem Geschmack) und Single Malt Whisky (vorzugsweise aus einer Brennerei) glauben wir, verstanden zu haben.

340,000.000 Liter Whisky pro Jahr stellen die 111 schottischen Whiskybrennereien her, davon entfallen 10% auf Single Malt Whisky (reine Gerste als Ausgangsprodukt und nur aus einer Brennerei), der aber durch seinen höheren Preis 20% des Umsatzes ausmacht. Die restlichen 90% sind Blended Whisky, und das klingt besser als Verschnitt, ist aber genau das. Einerseits sind diese Sorten nur teilweise aus Gerste, oft auch aus Weizen oder Roggen und außerdem werden Produkte vieler Brennereien zu einem Blended Whisky gemischt, und auf eine immer gleichbleibenden Geschmack eingestellt, was bei den Single Malts nicht der Fall ist. Solche Produkte werden – ganz ähnlich wie beim Wein – mit dem Jahrgang versehen, oft sogar jede Flasche mit einer fortlaufenden Nummer.

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Reisebüro Rapid

Immer, wenn wir am Flughafen von Andy und Lukas empfangen werden, denke ich die großen organisatorischen Mühen, die unserem stressfreien First-Class-Flug-Erlebnis vorangehen. Alles ist bis ins kleinste Detail geplant, für die Auswahl der Hotels reisen die beiden schon Wochen vor dem Termin in die jeweiligen Städte, um die erforderlichen Transfers und Unterkünfte zu planen. Von all dem bemerken wir nichts. Wenn es dennoch zu Pannen kommt, sind diese für uns nur dann sichtbar, wenn sie uns in einer entspannten Atmosphäre erzählt werden. Das war bei unserer Glasgow-Reise der Fall und ich möchte Euch diese Nacherzählung nicht vorenthalten.

Die kursiv gesetzten Textstellen stammen aus Erzählungen von Andy Marek.

Randbedingungen

In den Wochen mit internationalen Spielen ist nicht nur Rapid unterwegs. Es werden europaweit Hunderte Flugzeuge gleichzeitig benötigt und das bei einer besonders in Wien eingeschränkten Verfügbarkeit, denn Niki und AirBerlin gibt es in Wien nicht mehr. Diese hohe Nachfrage nach Charter-Flugzeugen und ihre schlechte Verfügbarkeit treiben leider die Preise in die Höhe.

Rapid gehört zu den wenigen großen Fußballvereinen, die für ihre Fans solche Fahrten organisieren, also auch mit Personal des Vereins (und nicht eines Reisebüros) begleiten. Nur mehr Vereine wie Bayern oder Schalke bieten ihren Fans solche Reisen. Alle anderen Fanreisen werden über externe Reisebüros organisiert, erfolgen also unabhängig vom Verein. Rapid bedient sich zwar der Dienste von Intertravel, aber davon merkt der mitreisende Fan praktisch nichts, die Betreuung erfolgt durch Rapid.

Diese großartige Organisation wurde auch von den Vertretern der Rangers bei einem Bankett als „außergewöhnlich“ gelobt, weil sie selbst wissen, wie schwierig es derzeit ist, Charterflugzeuge zu bekommen. In Postings in Sozialen Medien wird berichtet, dass man in Glasgow schon lange nicht so tolle Fans gesehen hat. (Ein bisschen lieber noch wäre uns gewesen, wenn sie dasselbe hätten von einem 1:1 am Platz berichten können – wie damals 1933.)

Details zur Fanreise

Insgesamt waren vier Flieger Richtung Glasgow unterwegs, drei aus Bratislava und einer, der Mannschaftsflieger, aus Wien mit insgesamt 189 (Wien) + 168 (ursprünglich 180) + 180 + 180  (Bratislava) = 717 Personen. Dazu kamen etwa 700-800 Einzelreisende. Viele haben das überaus attraktive Reiseziel dazu benutzt, mehr als nur Glasgow zu besichtigen und haben die Tage vor und nach dem Spiel für andere Unternehmungen genutzt. Etwa berichtet Brucki auf seinem Blog über die Spiele Aberdeen-St.Mirren und Banks O’Dee-Cove Rangers und ergänzt diese durch einen Bericht über Fußballplätze für Breitensport in Aberdeen.

Hoppalas

Einer der drei Flieger, die von Bratislava starteten, hatte ca. 90 Minuten Verspätung. Es wurde uns erzählt, dass die Rapidler während dieser Zeit in einem überheizten Raum praktisch gefangen gehalten wurden, ohne Möglichkeit, diesen Raum zu verlassen; auch keine Toilette war zugänglich. Wenn einer eine Reise tut… (Matthias Claudius, 1740-1815).

Dem aufopfernden Bemühen, allen mitreisenden Fans optimalen Support zu bieten, kann man aus jedem Satz von Andy Marek ablesen. Man weiß nicht recht, was Andy mehr Kopfzerbrechen bereitet: Organisationsfehler, die den Fan belasten oder eine Niederlage am Spielfeld. So geschehen bei den Tagesfliegern. Eine der drei gebuchten Maschinen mit einem Fassungsvermögen von 180 Personen ist wegen eines technischen Gebrechens ausgefallen. Es gab einen Ersatz, aber nur für 168 Personen. Also musste Andy es 12 dieser Fans erklären, dass sie nicht mitfliegen können. Aber wie ermittelt man die? Jeder der 180 Fans wurde von Andy persönlich kontaktiert (und das kurz vor dem Abflug) und dessen „Frustrationstoleranz“ getestet. Anrufen, Frust testen, „na, Du fährst mit“, anrufen… Aber es ist schließlich gelungen diese 12 Leider-Nicht-Auswärtsfahrer zu ermitteln, wobei zufällige Erkrankungen einzelner Teilnehmer aber auch eine Kompensationszahlung durch die Fluggesellschaft an die abgewiesenen Fans die Entscheidung erleichtert haben.

Anreise

Es ist schon ein ganz besonderes Erlebnis, mit einem Charter-Flug mit der Mannschaft zu einem Spiel zu fliegen, noch dazu zu einem so prominenten Gegner und noch dazu mit einem neuen Trainer. Nach einem gemütlichen Frühstück im Terminal 1, geht es zum Check-In. Fernsehteams stehen „Kamera bei Fuß“ und warten auf die Hoffnung Rapids: Didi Kühbauer. Wir warten brav in der Schlange. Dann kommt er, und die Kameras werden in Anschlag gebracht. Keine Chance, auch nur einen Blick auf den Trainer zu erhaschen, man muss ja auch seine Warteposition wahren. Unsere Neugier muss auch Andy Marek aufgefallen sein. Er kam plötzlich mit einem „kommt mit“ auf uns zu, schob die Presseleute beiseite und verschaffte uns das Bild des Tages: Didi mit Florian.

Neuer Trainer, alter Fan, gemeinsame Hoffnungen. Exklusivfoto, vermittelt durch Andy Marek.

Man muss bedenken, dass Andy weiß Gott andere Sorgen hat als uns ein Foto zu ermöglichen, aber wenn wer fragt, warum Rapid der beliebteste Fußballklub Österreichs ist, kann er aus dieser Szene die Antwort ablesen. Komplettiert wird diese Deutung durch Andys Schilderung einiger seiner Erlebnisse mit dem Fanblock beim Rückflug.

Unsere Airline war die polnische Charterfluglinie „enter air“. Verpflegung gab es nur gegen Bezahlung, aber sowohl die Getränke als auch die Snacks sehr preiswert (Cola 1,50 Euro), jedenfalls günstiger als am Flughafen. Die Maschine war eine Boeing 737-800 für maximal 189 Passagiere. Im voll besetzen Flugzeug war die Mannschaft, die Delegation, die Pressevertreter und die Dreitages-Flieger, davon allein 95 VIP-Gäste. Wir, Arnold, Florian und Franz waren Teil der VIP-Gruppe.

Transfers

Am Flughafen von Glasgow erwartete uns Michael Federspiel, Eigentümer von Internet-Travel und dirigierte uns zu den wartenden Bussen.
Michael Federspiel wird von Elisabeth Nemec unterstützt, die für Rapid alle Flüge plant.

Hotel

Unser Hotel „motel one“ lag exakt am Hauptbahnhof im Herzen der Stadt. Wegen eines Kongresses war Glasgow in diesen Tagen ausgebucht, doch dieses Hotel wurde erst in den letzten Tagen geöffnet und war daher zufällig noch nicht ganz belegt. Ein Glück!

Dass es dieses Hotel überhaupt gibt, liegt wahrscheinlich auch an der etwas anderen Bauordnung in Schottland. Das Hotel grenzt – wie auch viele andere Gebäude – fugenlos an die Gleise der Bahn:

Andy und Lukas sind beim Check-In behilflich.

Die Hotelbar des Hotels hatte 24 Stunden geöffnet; kein Nachteil!

Hier ein Blick in den etwas zu klein geratenen Frühstücksraum:

Autobus-Konvoi zum Stadion

Treffpunkt der Fans war der George-Square im Zentrum von Glasgow. Etwa 1300 Fans mussten von dort ins Stadion gebracht werden. Es wurden 22 Busse organisiert, immer mit einer gewissen Reserve nach oben, weil sich viele Einzelreisende zu dieser Gruppe unangemeldet dazugesellen. Der Fahrpreis von 5,- Euro deckt die Kosten für die Busse gar nicht ab, Rapid schießt hier noch Geld zu.

Gleich kam das nächste Problem, ein Anruf seitens der örtlichen Polizei, denn die Busse konnten nicht geschlossen kommen, das ginge verkehrstechnisch nicht, es kommen immer nur fünf Busse und dann nach einer Pause wieder die nächsten. Was zunächst als nachteilig angesehen wurde, stellte sich aber im Nachhinein als ein zufälliger Segen heraus, denn der zugewiesene Fanblock im Stadion konnte nur durch zwei Drehkreuze betreten werden und daher verringerte diese Portionierung der Fans in je 5 Busse das Gedränge beim Eingang. 

Während des Spiels ist Andys Platz der vor der Fantribüne. Seine größte Sorge ist, dass die Dinge aus dem Ruder laufen und es zu Konflikten mit den Ordnern und der Polizei kommt. Dabei sind nicht die organisierten Fangruppen wie Ultras, Lords oder Tornados das Problem, denn die sind alte Hasen und wissen genau, wo die Grenzen zum No-Go verlaufen; es sind vielmehr unorganisierte, meist junge Einzelfahrer, die im Schutze von 1.500 hinter ihnen stehenden Rapidlern als „Kraftverstärker“ meinen, man müsse es den Schotten „zeigen“. Beim 1:0 für Rapid rennen sie an die Bande, so, also wollten sie auf das Spielfeld laufen und werden von pflichtbewussten Ordnern in die Schranken verwiesen, was wieder – in einem Einzelfall – dazu geführt hat, dass einer der Ordner angespuckt wurde, ein No-Go, und das natürlich nicht nur in England. Der Fan wird identifiziert und würde (normalerweise) der Polizei übergeben werden, das Spiel und die Heimfahrt fänden für ihn nicht mehr statt. Andy wirft sich in den Kampf und versucht, die Verhaftung bis nach dem Spiel aufzuschieben. Da kommt ihm ein für uns zwar sehr bitteres, in diesem Fall aber sehr hilfreiches Ereignis zu Hilfe, denn die Rangers gleichen in derselben Minute aus, was die Aufmerksamkeit der Ordner vom Rapid-Fanblock hin zum Fanblock der Rangers verlagert und die Szene irgendwie in Vergessenheit gerät…

Während wir nach dem Spiel bequem zum Hotel gefahren sind und uns ein Abschieds-Bier und einen Abschieds-Whisky in der Bar spendiert haben, begleitete Andy die Tagesflieger zum Flughafen und verabschiedete dort die Fans. Wieder ein Panne, denn einer dieser Flieger hatte eine Verspätung und die Fans mussten eine zusätzliche Stunde Wartezeit in Kauf nehmen.

Heimreise

Dass die Heimreise des Mannschaftsfliegers nicht unmittelbar nach dem Spiel, sondern erst am nächsten Tag erfolgt ist, liegt am Nachtflugverbot in Wien. Die anderen Flüge sind aus diesem Grund am Flughafen Pressburg gestartet und gelandet. Die Lärmbelästigung war aber in beiden Flugvarianten in den Nachtstunden vorhanden, nur halt anderswo. Das erinnert an den heiligen Florian, der zufällig am Spieltag, dem 4. Oktober seinen Gedenktag hatte und an das nach ihm benannte Floriani-Prinzip.

Diese Ereignisse, die uns im Motel One verborgen geblieben sind und die ich Euch hier sinngemäß weitergegeben habe, schilderte uns Andy Marek während des Fluges.


Wenn ich mich an die ersten Versuche, die Texte der Rapid-Lieder zu verstehen, erinnere, die da von „Für mi gibts nur Rapid und sunst nix aunders,, „Egal wos kummt iLebn, Rapid wirds immer gebn“ uvam., berichten, kam mir das ganze irgendwie kitschig vor. Heute ist das ganz anders! Diese große Integrationskraft des Vereins, angetrieben Andy Marek, vereinigt Menschen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen und Interessen unter dem einen „Hut Rapid“. Klar wollen wir alle gewinnen, aber noch wichtiger als der Sieg ist der Zusammenhalt, der durch diese gemeinsamen magischen Erlebnisse mit 50.000 Schotten unter einem Dach, gestärkt wird. Daaanke!

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Rangers-Rapid

3:1 (1:1)

So präsentierte sich das Stadion aus der Sicht der Haupttribüne beim Abschlusstraining.

Das historische Eingangstor ist heute noch in Verwendung:

Mannschaftsaufstellung bei Spielbeginn

Das Betrüblichste an diesem Spiel war der Umstand, dass es Rapid seit Zoki nicht mehr schafft, die Rapid-Tugenden zu leben, die da sind, in der zweiten Spielhälfte und besonders in der Rapidviertelstunde zuzulegen. Das Positive an dieser Niederlage (in der Rapid-Viertelstunde) ist, dass es Didi gleich erkannt und nach dem Spiel angesprochen hat.

Es ist ja nicht nur in diesem Spiel so gewesen, es gibt viele auffällige Beispiele für diese Tendenz. Dabei hat sich Rapid mit Toni Beretzki einem Kapazunder auf diesem Gebiet ins Betreuerteam geholt, der aber in der letzten Zeit nicht mehr am Spielfeld präsent war.

Nach meiner Ansicht müsste eine Trainingseinheit die Beanspruchung während eines Spiels simulieren und daher mit fortschreitender Dauer anspruchsvoller werden, damit die Mannschaft beim späteren Spiel mit fortschreitender Spielzeit mithalten und nachlegen kann.

Es kann aber auch sein, dass die Spieler ohnehin ausreichend fit sind und der Einbruch ein mentaler ist. Damals unter Zoki bestand vielleicht eine größere Nähe zwischen Trainer und Mannschaft und daher wurde die Zeit in der Pause für eine mentale Steigerung genutzt.

Unsere Plätze

Unsere VIP-Gruppe umfasste 95 Personen. Wir saßen im dritten Rang in den obersten Reihen in einem Block von etwa 8 Reihen mit je 12 Plätzen, umgeben von Rangers-Fans. Die Übersicht über das Spielgeschehen war prächtig, die Sitzreihen extrem aber beengt. Die Cornerfahnen und die Outlinie auf unserer Seite waren nur eingeschränkt sichtbar.

Kontrollen im Stadion

Wir kamen ziemlich spät zum Stadion. Kontrolliert wurde nur die Eintrittskarte. Kontrollen durch Security-Personal gab es keine. Das dürfte daher kommen, dass hier eventuelle Verstöße rigoros geahndet werden und daher niemand auf die Idee kommt, verbotene Gegenstände mitzunehmen. Dass eine noch teilweise gefüllte Cola-Flasche aus dem Bereich der Rangers-Fans meinen Nachbarn Paul im Gesicht treffen konnte, dürfte daran liegen, dass es in den Kiosken hinter den Tribünen nur die Flaschen aber keine Becher gibt. Die Regel ist, dass man Getränke und Speisen nicht auf die Tribünen mitnehmen darf.

Wie sich die Situation dort oben am dritten Rang entwickelt hätte, wenn es zu einem Rapid-Erfolg gekommen wäre, darüber kann man natürlich nur spekulieren. Die Lage wirkte durchaus bedrohlich, die wenigen Ordner hätten hier nicht viel ausrichten können.

Fansupport

Der Block-West präsentierte sich geschlossen und bestens organisiert in einer Stadionecke, mit einheitlichen Schals mit der Aufschrift „Come on You Boys in Green“ und dem bei Spielbeginn entrollten Banner „Come on You Boys in Green“, eine für die Rangers-Fans ziemlich provokante Ansage, ist das doch eine Fangesang des Stadtrivalen Celtic (siehe Links).

Der gleich neben dem Rapid-Block anschließende Fanblock der Rangers war weit weniger gut organisiert, keine Spur von Ultras. Vor Spielbeginn wurde ein Transparent gezeigt und wurden einfache Fahnen geschwungen. Beides wurde dann bei Spielbeginn eingezogen.

Eigentlich erwarteten wir einen typisch englischen Support, eher gemäßigt. Doch das Stadion entwickelte sich zu einem Hexenkessel, weil nicht nur der Fanblock „Gas gegeben“ hat sondern das ganze Stadion sich beim anlassbezogenen Support beteiligt hat. Bei gelungenen Aktionen entwickelte das Publikum einen ziemlichen Lärmpegel, der sich bei Toren zu einem gefühlten Inferno entwickelte.

In der ORF-Diskussion in „Sport am Sonntag“ mit dem Titel „Wer regiert Rapid?“ wurden auch Postings aus englischen Foren gezeigt, die den Wienern bescheinigten, die besten Fans einer Gastmannschaft gewesen zu sein, die man seit langem im Ibrox-Park begrüßt hat.

Old Firm

Das Stadtderby in Glasgow zählt zu den ältesten der Welt und wurde in der Saison 1890/91 erstmals ausgetragen. 413 solcher Derby gab es bisher. Das ebenfalls prominente Wiener Derby zählt um etwa 100 Begegnungen weniger, kann aber durch die Verdopplung der Anzahl der Derbys im neuen Spielmodus der Bundesliga aufholen. Das Glasgow-Derby nennt man auch „Old Firm“, wegen des auch stark kommerziellen Charakters dieses Wettbewerbs. Rangers und Celtic haben gemeinsam mehr Anhänger als alle anderen Fußballvereine in Schottland zusammen.

Links

Alle Berichte

Rapid-Spartak

2:0 (0:0)

Die Quoten waren ausgeglichen, der Boss von Spartak forderte das Viertelfinale, Martin Stranzl meinte „Neben Moskau ist Wien ein Kindergarten“.  Nur Tschertschessow warnte: „Spartak sollte auf der Hut sein“. Rapid fühlte sich in der Rolle des Underdogs sichtlich wohl. Und es sprach fast alles gegen Rapid: Russland (Platz 6) liegt im UEFA-Country-Ranking klar vor Österreich (Platz 12). Spartak ist der größte und populärste Klub in Russland. Nun, Rapid ist dasselbe in Österreich, allerdings sind die Dimensionen doch ganz andere, ein  „Kindergarten“ wie Martin Stranzl bemerkt hat. Der Marktwert des Kaders von Spartak ist mit 100 Millionen drei Mal so groß wie der von Rapid. Viele Legionäre sind im Kader. Geld spielt offenbar keine Rolle.

Dann traf ich im Stadion unseren „Käptn“ Günter*) und er prognostizierte ein 2:0 oder 3:0. Ich hab’s nicht geglaubt, aber er hatte recht! Der „Kindergarten“ hat zugeschlagen. Und wie!

Lediglich die Anfangsminuten gehörten Spartak. Am Anfang des Spiels muss man offenbar die Spielanlage des Gegners kennen lernen. Ist der Gegner tatsächlich stark, muss man sich defensiver aufstellen; andernfalls kann man sich mehr zutrauen. Und so war es auch, Rapid wurde spielbestimmend, nur die Torschüsse waren oft aus zu großer Distanz und zu unplatziert. Dennoch war das 0:0 zur Pause insgesamt ermutigend. Wir erwarteten zwar schon aus Gewohnheit eine schwächere zweite Halbzeit von Rapid, doch es kam anders. Rapid hatte die Platzwahl gewonnen und spielte in der zweiten Halbzeit auf den Fanblock zu und das war für den gegnerischen Tormann sicher nicht angenehm. Rapid zeigte gute Kombinationen und ging mit einem Tormannfehler nach einem Schuss von Mert Müldür in Führung.

Mein Nachbar war glücklicherweise nicht im Stadion, denn er mag unseren Kapitän nicht. Er zählt leider immer nur seine missglückten Aktionen. Als Drehscheibe im Mittelfeld verteilt natürlich jemand wie Stefan Schwab oft Bälle, hat extrem viele Ballkontakte und natürlich kommen nicht alle Pässe an. Wäre mein Nachbar aber im Stadion gewesen, hätte er den Traumpass von Stefan Schwab auf Thomas Murg gesehen, der zum 2:0 geführt hat. Viele solcher Pässe wurden schon vorher (und auch nachher) versucht; alle diese Versuche sind an der Spartak-Abwehr hängen geblieben. Nun, im Fußball fallen nicht viele Tore und wenn, dann muss eben alles passen und in diesem Fall hat alles gepasst.

Hervorheben muss man die Einsatzfreude und Schnelligkeit von Mario Sonnleitner!

Und weil’s so schön war, hier ein Bild vom Abschiedsapplaus:

Dass die Rangers im Parallelspiel in Villarreal ein beachtliches 2:2 erreicht haben, sollte Warnung genug für das Auswärtsspiel am 4. Oktober sein. Das Unentschieden bescherte Rapid zuerst einmal die Tabellenführung in Gruppe G.

Ambiente

Ein gesitteter Block-West zeigte einige Versionen einer Fähnchenchoreografie…

…mit dem Motto des Tages: „Grün und Weiß sind unsere Farben, die Geschichte geschrieben haben.“ Es gab keine Sprechchöre gegen Gogo, lediglich eine Einzelaktion:

Es wurde auch keine Pyrotechnik gezündet, vielmehr gab es ansteckendes Vollgas, 90 Minuten lang.

Wir beklagen den Verlust eines Banners

Manche Menschen vertragen andere Meinungen nicht. Zum Beispiel der Block, der meint, dass im Block die einzige geduldete Politik die der Kurve wäre. Und diese Politik lautet derzeit „Gogo raus“.

Das folgende Banner „Go, Gogo go“ sollte ein kleines Zeichen gegen die Irrationalitäten des Blocks sein und darauf hinweisen, dass es durchaus Menschen gibt (gar nicht wenige), die die Arbeit des Trainers sehr wohl schätzen.

Nur sind diese Menschen nicht so gut organisiert wie der Block und wollen das auch nicht sein. Etwa 60 Minuten vor Spielbeginn hing das Banner an prominenter Stelle genau an der Mittelauflage:

Irgend jemand dürfte die Blockpolitik auf das ganze Stadion bezogen haben und hat das Banner vor oder während dem Spiel gestohlen.

Hier weitere Details zum Banner: „Sündenbock Gogo“

Geselliges Treffen im Stags Head

Das Stags Head ist vor Spielen ein beliebter Treffpunkt. Hier im Bild Gernot und Hermann

… und Peter (rechts) mit Verwandtschaft-

Links


*) Günter war in seiner aktiven Zeit tatsächlich Kapitän bei der DDSG und gehört zum Vorstand des „Klub der Freunde“.

Unsere Gegner in der EL

Rapid hat sich im Play-Off gegen FCSB mit 4:3 durchgesetzt und nimmt an der Gruppenphase der Europa League 2018/19 in der Gruppe G teil.

Übersicht

                       Villarreal   Rapid Spartak Rangers 
UEFA-Rang                      23      67      81     239  
UEFA-Punkte                  55,0    19,5    15,0     3,3
UEFA-Punkte(Land)            17,4     5,3     9,0     3,8
Kadergröße                     22      28      26      25
Kader (Mio)                   193      32     100      37
BigMac ($)                    4,7     3,8     1,5     4,2
Mitglieder                 18.000  16.205
Gegründet                    1923    1899    1922    1873

Führung

Villarreal   Fernardo Roig (Präsident)
Rapid        Michael Krammer (Präsident), Mitgliederverein
Spartak      Leonid Fedun (Präsident, einer der reichsten Russen)
Rangers      AG, Rangers International Footbal Club Plc (seit 2012)

Bisherige Spiele

Villarreal 
             2015-09-17 H 2:1 EL Gruppe
             2015-11-26 A 0:1 EL Gruppe
Spartak
             1966-11-09 A 1:1 EC C Achtelfinale     
             1966-12-08 H 1:0 EC C Achtelfinale 
Rangers
             1933 A 3:3 Freundschaft
             1933 H 4:3 Freundschaft
             1964-11-17 A 0:1 EC M Achtelfinale 
             1964-12-08 H 0:2 EC M Achtelfinale

Die Spiele gegen die Rangers in der 1930er Jahren müssen legendär gewesen sein, denn die englische Presse war voll des Lobs für die Art, wie man in Wien Fußball spielt. Hier ein Artikel dazu: http://klubderfreunde.at/2009/07/rapid-liverpool-gabs-das-schon-einmal/. Hier ein Bild vom Ibrox-Park-Stadion, entnommen aus der Festschrift „50 Jahre Rapid“, Seite 18.

Wenn wir also am 4.10. in Glasgow mit dabei sein werden, dann auf genau demselben Platz, an dem die damalige Mannschaft von Rapid ein 3:3 erreicht hat.

Spiele der Gruppenphase

Trikot-Design für internationale Spiele

Heute berichtete darüber, dass das aktuelle Rapid-Trikot eventuell gegen den aktuellen Dress-Kode der UEFA verstößt: heute.at (http://www.heute.at/sport/fussball/story/Rapid-Trikot-jetzt-in-der-Europa-League-verboten-49701987)

Dazu erklärt Rapid: „Das neue Ausrüsterreglement der UEFA wurde im Juli 2018 versandt. Da Mannschaftstrikots oft (und auch in unserem Fall) mit einer einjährigen Vorlaufzeit produziert werden, ist dieses Reglement für diese Saison nicht mehr umsetzbar. Wir haben daher unsere Heimtrikot, so wie sie ist, bei der UEFA zur Genehmigung eingesendet. Von Seiten der UEFA kam keine negative Rückmeldung betreffend unserer Trikotrückseite. In weiterer Folge wurden auch schon letzte Woche die Trikotfarben für unser Heimspiel gegen Spartak bestimmt, wir spielen in unserer Heimdress.“

Platz 50 im UEFA-Ranking

Wir haben mit dem Heimsieg gegen Villarreal gezeigt, dass man durchaus auch gegen besser platzierte Mannschaften gewinnen kann und dass die Rangers derzeit weit hinter uns liegen, darf man auch nicht überbewerten, weil sie in den vergangenen Jahren nicht punkten konnten. Diese Platzierung hat ist ein Grundlage für die Qualifikation und wie wichtig das sein kann, haben wir heuer gesehen, weil wir um einen kleinen Punkt nicht in der Gruppe der gesetzten Mannschaften zu liegen kamen´und daher im Play-Off einen vergleichsweise schweren Gegner zu bespielen hatten. Es ist also für das Erreichen der Gruppenphase sehr nützlich, wenn wir mehr UEFA-Punkte sammeln.

Wie aber kommen wir weiter nach vorne? Ganz einfach, „mia miassn gwinna“.

Im heurigen Jahr haben wir bereits 3 Punkte für den Einzug in die Euro League Gruppenphase erhalten.

Nehmen wir einen schönen Fußballherbst an und seine wir ein bisschen optimistisch und orientieren uns an der vorletzten, sehr erfolgreichen Gruppenphase. Auch damals war Villarreal mit von der Partei und wir erreichten damals 15 Punkte mit 5 Siegen und einer Niederlage. In der UEFA-Wertung gibt es für 5 Siege 10 Punkte, sagen wir 8 Punkte, die zu den derzeit 19,5 dazu kommen und das wären dann 27,5 Punkte.

Mit diesem Punktestand wären wir derzeit auf Rang 47. So einfach ist es aber nicht, denn die anderen Vereine punkten ja auch. Wir können aber jedenfalls jene Vereine überholen, die in der laufenden Saison nicht mehr im Bewerb sind und das sind: Leicester City, Feyenoord, Saint-Étienne, Dnipro und Nicosia und daher würden wir mit dem Ergebnis von 2015/16 mindestens 5 Plätze aufholen und wären dann auf Rang 62.

Links

 

FCSB-Rapid

2:1 (2:0)

Einige Facebook-Meldungen nach dem Spiel lauteten immer noch „Gogo raus“. Mein Sitznachbar hat es aber ganz anders gesehen, er sagte, dass dieses Spiel eine taktische Meisterleistung unseres Trainers gewesen wäre, eine Ansicht, der ich mich viel lieber anschließe. Dass wir es geschafft haben, in der zweiten Halbzeit befreiter zu spielen und Chancen auf einen Ausgleich herauszuspielen, zeigt, dass wir uns in keiner Weise verstecken müssen und getrost „die Pampers ablegen“ können – wie Gogo es formuliert hat. Die bravouröse Verteidigungsleistung nach der Einwechslung von Max Hofmann und Manuel Martic kombiniert mit den tollen Reaktionen von Richard Strebinger, alles aufgezeichnet auf einem „Schummelzettel“, der dann aber vom Gegner etwas unfreundlich dem Adressaten Stefan Schwab entrissen wurde, aber von den Spielern ohnehin instinktiv umgesetzt wurde, steht etwas im Schatten der eher unfreundlichen Kommentare der Medien.

Wir bedauern zwar das unglückliche Tor zum 2:0 kurz vor der Pause, aber wer weiß wozu das gut war. Es war nämlich – im Gegensatz zu einem 1:0  – nötig, in der Pause den Spielplan auf „offensiver“ zu ändern. Wären wir dagegen mit einem 1:0 in die Pause gegangen, wäre vielleicht nichts geändert worden. Ein späteres 2:0 wäre dann möglicherweise nicht mehr zu Drehen gewesen.

FCSB

Unser Play-Off-Gegner FCSB (Steaua Bukarest) war in den 1980er Jahren ein großes Kaliber. Es war damals noch nicht die Zeit der Fußball-Oligarchen, dafür in den Warschauer Pakt-Staaten die Zeit des Staatsfußballs. Steaua war unter den Fittichen der rumänischen Armee und gewann 1986 der Europapokal der Landesmeister gegen Barcelona. Auch für die beiden anderen Vereinen aus Bukarest war vorgesorgt, Dynamo Bukarest stand unter der Patronanz der Polizei und des Geheimdienstes. Rapid Bukarest war unserem Rapid am ähnlichsten, war es doch ein Verein der Eisenbahnbediensteten.

Durch die Demokratisierung seit 1989 änderten die sich Kräfteverhältnisse im Land. Heute gehört der Verein FCSB einem gewissen George Becali, dessen Villa auf einer Prachtstraße wir bei der Stadtrundfahrt gesehen haben. Bei der Lektüre der Biografie dieses Mannes in der Wikipedia hat man den Eindruck, als wären die Anhänger von Steaua vom Regen des Kommunismus in die Traufe des Kapitalismus gekommen.

Marktwert und Monatslohn

Marktwert der Mannschaft
27 Mio FSCB
32 Mio Rapid
12 Mio Dinamo Bukarest
 1 Mio Rapid Bukarest
Monatslohn       BigMac
  527 Euro ROM   2,32 Euro ROM
2.994 Euro AUT   4,74 Euro AUT

Die Spielerwerte der beiden Teams sind ähnlich, doch sind die Lebensumstände in beiden Ländern extrem unterschiedlich. Während sich ein Österreicher von seinem Monatslohn 632 BigMac kaufen kann, sind es für einen Rumänen gerade einmal 227. Nach den Konsumerlebnissen in Bukarest kann man den Kauflraft-Unterschied etwa bestätigen.

Die Spielerwerte der beiden anderen Vereine fallen weit hinter Steaua zurück, weil sie offenbar keine fremden Geldquellen besitzen. Aus den sonstigen Einnahmen aus Vermarktung und Merchandising kann man in Rumänien nicht ausreichend viel erwirtschaften, daher wird dort Fußball – wie in anderen Ländern auch – zu einem Spielzeug kapitalkräftiger Einzelpersonen oder Firmen. Dadurch ergibt sich aber eine extreme Unsymmetrie hinsichtlich der Finanzierung von Fußball wie wir sie auch in Österreich durch Salzburg erleben.

Es spielten an diesem Tag also nicht nur zwei etwa gleich wertvolle Mannschaften, sondern auch zwei völlig unterschiedliche Fußball-Philosophien gegeneinander: die Rumänen, am Gängelband eines zwielichtigen Kapitalisten und die Wiener, als Vertreter einer immer mehr schrumpfenden Spezies eines Mitgliedervereins ohne zusätzliche Quersubventionierung.

Siegen für uns (I)

Der Sieg war also für Gogo wichtiger als er es für uns selbst war.

In einem Spruch der Fanszene heißt es: „siegen für uns!“ Ja, genau! Ein Spieler spielt zwar auch für sich selbst, aber mehr noch für sein Team (Mannschaft und Trainer), für den Verein und für die Anhänger. Wie viel seiner Leidenschaft durch welchen dieser Aspekte am meisten beeinflusst wird, hängt natürlich von dem „Wohlfühlfaktor“ ab, die den Spieler mit diesen Gruppen verbindet. Wenn die Anhänger sich gegen diese Verbindung stellen, indem sie einzelne Personen aus dem Team attackieren, bleiben wohl nur die jeweils anderen Aspekte über.

Was für die Spieler gilt, das gilt auch für das Trainerteam. Wenn man gegen diejenigen arbeiten muss, für die man sich eigentlich anstrengt, dann wird es zäh.

Im Fernsehkommentar erwähnte der Sprecher eine im Bild nicht sichtbare Szene, in der Fredy und Gogo auf einander zugelaufen und sich in die Arme gefallen sind. Besser kann man diese existenzielle Abhängigkeit voneinander nicht ausdrücken.

Es wird aber noch mehr solcher magischen Momente brauchen, um das – nach meiner Ansicht – vorhandene Vorurteil gegenüber unserem Trainer zu beseitigen, denn kaum war das Spiel zu Ende, meldeten sich schon wieder einige Anti-Gogo-Agitatoren in Facebook.

Siegen für uns (II)

Der Sieg für die Idee eines Mitgliedervereins war wichtiger als er es für uns selbst war.

Als ich die großspurige Ansage des FCSB-Besitzers ( „Diese Mannschaft ist zu schwach, um uns in Bukarest Probleme zu bereiten.“) gelesen hatte, wünschte ich mir den Rapid-Sieg fast schon weniger für uns selbst als gegen diese Entwicklungen im Fußball. Und in diesem Aspekt wird es wohl in der gesamten Anhängerschaft – auch im Block West – eine große Mehrheit geben.

Das Stadion

Die Arena Națională ist eines der schönsten Stadien, die wir bisher besucht haben. Dieser Eindruck wurde noch dadurch verstärkt, dass unsere Delegation die besten Plätze bekommen hat. Wir saßen in der 14. und 15. Reihe zentral auf der Fernsehseite. Das sind normalerweise die teuersten Plätze im Stadion. Dass diese Plätze nicht durch Hospitality bewirtschaftet waren, deutet darauf hin, dass in Bukarest der Markt für solche Business-Plätze nicht groß genug ist. Versorgt wurden wir mit PopCorn, Cola und HotDogs.

Das Stadion fasst 55.600 Zuschauer, beim Spiel kamen etwa 31.000. Es war Austragungsort für das Endspiel der Europa League 2011/12 (Atlético Madrid vs. Athletic Bilbao), und es werden hier auch Spiele im Rahmen der Europameisterschaft 2020 stattfinden.

Das Stadiondach kann durch eine extrem elegante Konstruktion geschlossen werden.  Man hat den Eindruck als würde der zentral angeordnete Video-Würfel wie von Geisterhand im Raum schweben und „an den Sternen“ befestigt sein. Der „Geist“ ist eine fast unsichtbare Seilkonstruktion. Dass diese Konstruktion so wenig auffällt, wird durch ein sehr leichtes Foliendach, das etwa wie ein Zirkuszelt von der Mitte ausgehend entfaltet werden kann, ermöglicht.

Unmittelbar in der Reihe vor uns saß die Schwester unseres Andrei Ivan.

Choreografie

Eindrucksvoll die Choreografie des Fanblocks in den Rapid-Farben, gebildet aus einheitlichen Rapid-Schals in den Rapid-Farben.

Aus der Choreografie der Gastmannschaft wurden wir nicht so recht schlau. Man titelte: „Valencia, Rapid Viena, Ajax Amsterdam“.

Ungerechter Fußball

Es wird immer davon gesprochen, dass sich im Laufe der Zeit durch die Zufälligkeit der Auslosungen das Losglück auch denjenigen zuwendet, die davon bisher verschont geblieben sind. Und das ist auch sicher richtig, allerdings nur wenn man lange Zeiträume und damit viele Ziehungen/Versuche betrachtet. Die Auswahl der Gegner bei der Europa League hat Rapid bisher wenig von dieser ausgleichenden Gerechtigkeit geboten. Zwei Mal hintereinander Aston Villa, jetzt zwei Mal Villarreal. Wir fahren ja eh gerne nach Spanien aber es gibt dort auch noch andere Gegenden, die man bereisen könnte. Aber nein, wir müssen schon wieder diese Paella essen, die so ganz und gar nicht nach dem Geschmack von uns Wiener Bauern ist, die das nicht essen wollen, was sie nicht kennen. Wir werden einfach nicht alt genug, um die Gerechtigkeit des Zufalls kennen zu lernen! Gut, vielleicht sind die Rangers so etwas wie ein Stück dieser zufälligen Gerechtigkeit. Auf nach Schottland!

Bukarest

Unsere mit Rapid sehr weit gereiste Friederike kennt Bukarest bereits von den Spielen gegen Petrolul Ploesti im Jahr 1995. Sie erklärte uns, dass sich die Stadt seither enorm verändert hat. Hätte man damals noch von „Balkan“ gesprochen, ist es heute eine interessante städtebauliche Mischung der verschiedenen Entwicklungsepochen des Landes Vom Sultanat (bis etwa 1800) über das Königreich (1881-1914) unter Carol I., und seine Sohn Mihai I. (1927-1947), der Volksrepublik (bis 1989) und der Demokratie (bis heute). Das Stadtbild präsentiert sich durch die Investoren aus aller Welt ähnlich bunt wie andere europäische Metropolen auch. Kaum eine Marke, die sich nicht im Stadtbild auffällig positioniert und damit die typisch kommunistischen Bauwerke kontrastiert.

Bukarest ist praktisch gleich groß wie Wien, hat also 1.8 Millionen Einwohner. Während aber Wien hauptsächlich im 19. Jahrhundert gewachsen ist, erfolgte dieses Wachstum in Bukarest im späteren 20. Jahrhundert und entsprechend verschieden sind auch die Baustile. Interessant ist auch, das Bukarest mit etwa 200 Quadratkilometern nur halb so groß ist wie Wien und daher auch eine doppelt so große Bevölkerungsdichte hat. Allerdings ist das nur eine Rechengröße, die dadurch entsteht, dass es in Wien innerhalb der Stadtgrenzen sehr viel Grünland gibt und daher die eigentliche Wohnfläche in Wien viel kleiner ist.

Wer hätte gedacht, dass ein Besuch in Bukarest mehr an Paris erinnert als an den Balkan! Bukarest wird auch „Micul Paris“ (=“Kleines Paris“) oder „Paris des Ostens genannt. Die Anlage der Straßen ähnelt dem Konzept der Boulevards in Paris. Dem nicht genug, gibt es auch einen Boulevard, den „Bulevardul Unirii“, der dem großen Vorbild, der Avenue des Champs Elysées nachempfunden ist, zumindest, was seine Abmessungen betrifft, übertrifft er doch sein großes Vorbild sowohl in der Länge als auch in der Breite.

Natürlich heißt die U-Bahn in Bukarest nicht einfach nur „U-Bahn“, in Anlehnung die Londoner „Underground“, sondern sie heißt „Metro“, dem Pariser Beispiel folgend.

Es gibt sicher noch viel mehr an Gemeinsamkeiten zwischen Paris und Bukarest, aber eine besonders auffällige Parallele möchte ich erwähnen: es ist die Art, wie in Bukarest die Straßen kennzeichnet sind. Die Farb- und Formgebung ist praktisch mit dem Pariser Vorbild ident…

 

…nur das „Arrondissement“ heißt in Bukarest „Sector“.

Stadtrundfahrt

Christian, unser Guide während der Stadtrundfahrt sagte, dass die gemeinsame Sprache die Basis für das Land wäre. Rumänisch ist eine ostromanische Sprache, die auf die Zeit der Romanisierung durch die Römer zurück geht.

Genau genommen sahen wir zwei Aspekte der Stadt:

  • „Wie leben die oberen Zehntausend“
  • „Wie was es früher“

Im ersten Teil sahen wir zum Beispiel die Villa unseres Gastgebers, des Besitzers von FCSB, an einem Prachtboulevard gelegen.

(Stell Dir vor, Du bist reich und wohnst dann vielleicht neben ihm. Das sind Aussichten!). Wir machten eine Rundfahrt durch die Gegend der „Neuen Reichen“, also zu den Gewinnern in der neuen Gesellschaftsordnung. Dann sahen wir auch die Wohnblocks der „Nomenklatura“, also jener Schicht, die im kommunistischen System gleicher als alle anderen war.

Natürlich sahen wir auch die Repräsentationsbauten der jeweiligen Epochen bis zum geradezu unappetitlich großen Anwesen des heutigen Staatspräsidenten und auch eines der größten Gebäude der Welt, den Parlamentspalast, für den ganze Stadtteile  (ein Dutzend Kirchen, der Synagogen und Teile der Altstadt) Platz machen mussten. Der britische Historiker Tony Judt sah den Palast als „eine monströse Metapher für maßlose Tyrannei“.

Die Stadt ist voll mit Gotteshäusern der verschiedensten Epochen. Man ist tolerant gegenüber den Religionen, der Staat selbst ist säkular. Warum dann aber ein säkularer Staat am Gelände des ohnehin schon krankhaft großen Präsidentenpalasts eine ebenfalls krankhaft große Kirche errichtet, ist unklar und zeigt einen gewissen Hang zum Übertreiben.

Hier unsere Gruppe am Triumphbogen, der aus Anlass der Staatsgründung des modernen Rumänien in Anlehnung an der Arc de Triomphe in Paris gestaltet wurde. So wie in Paris könnte man auch diesen Platz als „Etoile“ („Stern“) bezeichnen, weil hier viele Straßen sternförmig zusammen laufen.

„Dracula“

Ein Besuch in Rumänien, ohne Geschichten über den Grafen „Dracula“ mitzunehmen, wäre eine halbe Sache. Dieses Bild des Grafen stammt von Schloss Ambras in Tirol (16. Jahrhundert).

Von Anonymhttp://neuramagazine.com/dracula-triennale-di-milano/ image, Gemeinfrei, Link

Bei unserer Stadtrundfahrt durfte auch „Dracula“ nicht fehlen, der in unseren Köpfen mehr als Filmfigur, denn als historische Persönlichkeit verankert ist. In Rumänien sind Vater Vlad II. und Sohn Vlad III. („Drăculea“, * um 1431) Volkshelden. Der Beiname kommt wahrscheinlich von ihrer Mitgliedschaft im Drachenorden. Da aber „drac“ im Rumänischen „Teufel“ bedeutet, wurde der Name auch als „Sohn des Teufels“ gedeutet. Es gibt aber auch durchaus positive Zuschreibungen, die etwa wie „Teufelskerl“ lauten. Durch seine Vorliebe, die Gegner durch Pfählung hinrichten zu lassen, hatte er den weiteren Beinamen „Tepes“ („Pfähler“). Man sollte sich aber durch diese politisch motivierten Zuschreibungen nicht davon irritieren lassen, dass dieser Vlad III. mit einer Armee von 40.000 Mann eine osmanische Übermacht von 200.000 Mann geschlagen und damit die Islamisierung der Region Einhalt geboten hat.

„Kabelbaum“, aber richtig

Elektrisch angehauchte Handwerker wissen, was ein „Kabelbaum“ ist. Das sind ordentlich gebündelte Kabel in Geräten oder Schaltschränken oder Kabelschächten, jedenfalls sind Kabelbäume normalerweise für den Endverbraucher unsichtbar. Bei der Fahrt durch die älteren Stadtteile fällt auf, dass jüngere elektrische Infrastruktur offenbar aus Kostengründen auf Pfeilern und im Aufputz-„Verfahren“ angebracht ist.

Das ist aber in den neu konzipierten Stadtteilen nicht der Fall.

Stadtspaziergang

Unsere Spaziergänge führten uns in die engen Gassen der Altstadt, die von unzähligen Lokalen gesäumt sind; eine Art überdimensionales Wiener Bermuda-Dreieck. Es gibt dänisches, englisches und auch heimisches Bier. Welches dieser Lokale man schließlich auswählt, bestimmt das Aussehen der jungen Damen, deren Dienste sich diese Lokale versichern. Die Damen laden zum Besuch in diesen Lokalen ein.

Es wurden uns auch weitergehende Dienste angeboten, aber wir waren ja nicht zum Spaß in Bukarest, sondern wir waren irgendwie „im Dienst der Fußballs“, also kam so etwas nicht infrage.

Rapid-„Bistro“

Am ersten Tag genossen wir das bunte Treiben bei zwei Krügeln lokalen Ursus-Biers, und es gibt keine Notwendigkeit eines der ausländischen Biersorten zu wählen, das Ursus traf genau unseren Geschmack. Schon am Nachhauseweg dann aber die Sensation. Wir fanden ein Lokal, das sich die Mühe gemacht hat, alle Tische mit dem Rapid-Wappen zu bekleben. Leider mussten wir am ersten Tag zum Abschlusstraining, denn wir waren ja „im Dienst“ aber wir versprachen, am Spieltag wieder zu kommen.

Im Bild Florian und Arnold mit der „Touristenfängerin“, daneben wird gerade der Rapid-Tisch fertig gestaltet.

Ich habe bei allen unseren Stadtwanderungen keine FCSB-Fans gesehen. Möglicherweise sind diese Innenstadtzonen nur etwas für Fremde, das von den Einheimischen aus Kostengründen eher gemieden wird.

Versprochen, gehalten! Nach der Stadtrundfahrt fanden wir uns zu einem Mittagessen in eben diesem Lokal ein, und wir waren natürlich nicht die Einzigen, auch die FloTown-Boys, das Team des Rapid-Wirts Charly Wendtner und das ganze Klubservice-Team (Lukas, Martina, Robert, Gernot, Andy) bevölkerten die umliegenden Rapid-Tische. Auch am Fernseher wurde das Rapid-Logo eingeblendet und als die Stimmung ihren Höhepunkt erreichte, spielte der Wirt die Rapid-CD, die von allen begeistert mitgesungen wurde. Einfach sensationell!

VIP-Reise

Etwa 40 Rapidler buchten die Zweitages-Fahrten nach Bukarest. Die VIP-Variante war durch ein besseres Hotel, durch eine zusätzliche Stadtrundfahrt und durch die Reiseleitung aufwertet. Leider konnten wir diesmal wegen der Verhältnisse bei den Fluggesellschaften nicht mit der Mannschaft fliegen. Unser Hotel war das Sheraton.

Klimatisiert, Minibar, bestes Frühstück. Unser Reiseleiter war wie immer Lukas Marek, dessen Umsicht und auch Durchsetzungsvemögen an den verschiedenen Schnittstellen (Hotel, Flughafen, Stadion) nicht genug lobend hervorgehoben werden kann. Wir bedanken uns für dieses Engagement. An einer dieser Schnittstellen, nämlich jener zu den Tickets, kam es zwischen Vater und Sohn zu einem Konflikt, weil – wie wir wissen – Andy Mareks ein Perfektionist ist. Was auch hier bemerkenswert war, mit welcher Professionalität Lukas diese Situation verarbeitet hat. Niemand hat diesen Konflikt bemerkt. „Sei net so streng Andy, Lukas war einfach perfekt!“

Bilder

Unsere Bilder sind in folgende Abschnitte unterteilt

  • Abschlusstraining (31)
  • FCSB-Rapid (76)
  • Altstadt (48)
  • Hotel (23)
  • Kabelsalat (14)
  • Rapid-Bistro (23)
  • Stadtrundfahrt (44)

Links

Rapid-FCSB

3:1 (2:0)

Der Schiedsrichter William Collum aus Schottland ist ein alter Bekannter. Er hat auch schon das Heimspiel gegen Ajax (2:2) geleitet.

Das 3:1 als Ergebnis nehmen wir gerne an, es hätte auch ganz anders ausgehen können. Dank der Glanzparaden von Strebinger wurde es ein Sieg, Dank irritierender Sprüche zur Unzeit gab es vielleicht ein Gegentor*), denn wer weiß schon, woher Unaufmerksamkeit herkommt, die zum Stellungsfehler beim Gegentor geführt haben? Zum Beispiel, weil die Gedanken anderswo spazieren gehen. Es ist schade, dass die drei Großchancen von Deni Alar unbelohnt geblieben sind. Aber auch der für ihn eingewechselte Ivan war letztlich glücklos, was den Torerfolg betrifft.

Choreografie

Was nützt eine schöne Choreografie, „1988 geboren, niemals Ehre und Stolz verloren“,

was nützt der tolle Support, wenn man unbedingt in das ohnehin derzeit etwas instabile System „Rapid“ hineinregieren will und damit weitere Nervosität auslöst, die – so wie in diesem Fall – durchaus auch spielentscheidend sein kann.

Das Spruch „Wenn das Präsidium schweigt, muss die Kurve lauter werden. Gogo raus!“, unterzeichnet von den großen Fangruppen wurde ausgerechnet beim Spielstand 2:0 für Rapid aufgezogen. Es kommt einem vor, wie wenn ein Autor sein erstes Theaterstück verfasst und eine Nebenhandlung einbaut, die der sonstigen Handlungsdynamik entgegen gerichtet ist. Es gab auch prompt vereinzelte Pfiffe von der Allianz-Tribüne, weil dieser Spruch rein gar nicht zum Geschehen gepasst hat.

Wenn wird ein Trainer gekündigt?

Eine Trainerkarriere bei einem Fußballverein ist eine kurzlebige Beziehung. In der Regel ist es Erfolglosigkeit, die einen Trainerwechsel zur Folge hat, doch wie wir bei Zoki gesehen haben, können es durchaus auch andere Gründe dafür geben. Rapid ist aus dieser Zeit ein „gebranntes Kind“ und wird sich hüten, wegen einer Niederlage in Linz den Trainer zu wechseln. Kann man nicht etwa anerkennen, dass ein „Dorfklub“ – wie es der WAC in den Augen des Block West ist – eine Mannschaft aufgestellt hat, die so gut ist, dass sie in Hütteldorf ein 0:0 erzielt? Dieser WAC hat die Austria besiegt und in Mattersburg dafür gesorgt, dass der dortige (im Vorjahr sehr erfolgreiche) Trainer gehen musste. Wo ist das Problem für dieses Unentschieden?

Nüchtern betrachtet

Betrachten wir die jeweils letzten 10 Bewerbspiele der Rapid-Trainer

SUSNU.NSNUU 1,3 Matthäus
NNSUN.SUNUS 1,2 Hickersberger
NNUSN.SNSUS 1,4 Zellhofer
NUUSS.NSUNN 1,2 Pacult
NSUSZ.UNUUN 1,0 Schöttel
SUSNS.SUUNN 1,5 Barisic
NUSSN.UUNNU 1,0 Büskens
NSUUN.NNUUN 0,7 Canadi
SNSUN.USSUS 1,6 Djuricin

Man wird einwenden, dass bei den Bewerbspielen auch die Cup-Spiele und die internationalen Spiele dabei sind. Ja, daher hier auch die jeweils letzten 10 Ligaspiele der Rapid-Trainer

SUSNU.NSNUU 1,3 Matthäus
NSUSU.USSNN 1,5 Hickersberger
NNUSN.SNSUS 1,4 Zellhofer
NUUSS.NSUNU 1,3 Pacult
SUSZU.NUUNN 1,0 Schöttel
SUSNS.SUUNN 1,5 Barisic
NSNUN.USUUU 1,1 Büskens
NUUNN.NUUNS 0,7 Canadi
NUUSU.SNSNS 1,5 Djuricin

Hickersberger hat demnach bei Ligaspielen einen besseren Schnitt, weil die damaligen Niederlagen in der Champions-League wegfallen und Djuricin verschlechtert sich im Punktestand geringfügig. Wir wissen aber, dass Pepi Hickersberger nur mit Wehmut verabschiedet wurde und dass die Kündigung von Zoki mit demselben Punkteschnitt von 1,5 erfolgt ist also bei demselben Punktestand wie eben jetzt von Gogo. Kein einziger Trainer vor Gogo ist mit einem Punktekonto von 1,6 „gegangen“ worden.

Meine Schlussfolgerung aus diesen Zahlen ist, dass es die erreichten Punkte nicht sein können, die den Block Gogos Abgang fordern lassen. Es gibt neben dem Erfolgsverlauf auch noch eine tiefer sitzende Abneigung gegen Gogo, die man in diversen Posts in Foren und WhatsApp-Nachrichten als eine Abneigung gegen

  • einen Trainer ohne (ausreichende) Rapid-Vergangenheit,
  • einen Trainer aus der Regionalliga (mangelnde Kompetenz) und
  • einen Trainer mit Migrationshintergrund

bezeichnen kann, kurz eine Art Vorurteil mit rassistischen Anstrich.

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*) „Wenn in China ein Fahrrad umfällt…“ ist so ein Sager, der zum Ausdruck bringen will, dass etwas Irrelevantes geschieht, das scheinbar zu unserer eigenen Welt keinerlei Zusammenhang hat. Spätestens seit der Entdeckung der Chaostheorie wissen wir aber, dass Zufälliges in der Vergangenheit sehr wohl spektakuläre Ereignisse in der Gegenwart auslösen kann und es auch immer so passiert. Alles rund um ein Fußballspiel beeinflusst; sei es die Wahl des Schiedsrichters, sei es die Schnelligkeit, mit der die Ballkinder den Ball zurück ins Spiel bringen oder eben ein Transparent, das in den Köpfen der Akteure vom Wesentlichen ablenkt. Dieses Transparent hatte einen massiven Einfluss auf das Geschehen. Wäre es nicht gezeigt worden, hätten wir ein anderes Ergebnis erlebt. Leider weiß niemand, welches das gewesen wäre. Die Behauptung, es hätte ohne Transparent kein Gegentor gegeben, ist natürlich nicht beweisbar, aber einen positiven Einfluss auf das Geschehen möchte ich ihm absprechen.