Rapid-Hartberg

3:3 (1:1)

Der Spielbeginn entsprach den Erwartungen. Druckvolles Spiel von Rapid Chance folgt auf Chance, dann das Tor durch Taxi Fountas und man meinte, so würde es weiter gehen. Doch das Gegenteil passierte, Hartberg glich aus und so ging es in die Pause.

Nach der Pause änderte sich die Rollenverteilung und Hartberg ging in Führung, Rapid glich aus – wieder durch Taxi – und wieder ging Hartberg in Führung. Beim Spielstand von 3:2 für Hartberg schaute schon alles nach einer Niederlage aus, doch nach einer Flanke von der linken Seite konnte Kapitän Stefan Schwab den Ausgleich zum 3:3 erzielen.

Schiedsrichter tun sich schwer, Entscheidungen für die Heimmannschaft zu treffen, auch wenn diese gerechtfertigt wären. Zu groß ist ihre Angst, dass der Eindruck entstehen könnte, sie würden den Forderungen des lautstarken Publikums folgen. Stefan Ebner war keine Ausnahme.

Das Publikum tut sich schwer mit der Erkenntnis, dass auch in Hartberg guter Fußball gespielt wird. Es spielen ja in Hartberg ebenso wenig Hartberger wie in Hütteldorf Penzinger spielen. Diese fehlende Einsicht verleiht den Wettquoten eine bizzare Schieflage 1,25 : 5,5 : 8.0 und eine völlig verzerrte Erwartungshaltung, die sich in dem wenig freundlichen „Bauernschweine“ ausdrückt. Ein Blick auf die bisherigen Spiele zeigt keine besonderen Vorteile für Rapid. Von 7 Spielen wurden 3 gewonnen und je 2 waren unentschieden und gingen verloren.

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Rapid-Hartberg

3:4 (2:2)

Dieses Spiel wirft für einen Zuschauer gleich mehrere fundamentale Fragen auf:

  1. Warum fielen die Schiedsrichterentscheidungen so eklatant gegen Rapid aus? Hat das Methode?
  2. Warum wird ein von einem Verteidiger abgelenkter Schuss nicht als Eigentor gewertet?
  3. Warum werden die Attacken, die zu schweren Verletzungen führen, nicht dem Täter in irgendeiner Form angelastet?
  4. Warum wird ein falsch ausgeführter Elfmeter wiederholt aber ein falsch ausgeführter Einwurf dem Gegner zugesprochen?

1. Schiedsrichterentscheidungen

Wie es wirklich ist, weiß natürlich niemand. Mein Tipp ist folgender:

Wenn mich jemand vor dem Spiel gefragt hätte, welchen Schiedsrichter ich mir für das Spiel wünsche, hätte ich die aktuelle Schiedsrichterstatistik bei Rapid-Spielen zu Rate gezogen und die schaut so aus:

Ergebnisse pro Schiedsrichter bei Rapid-Spielen

Es ist evident, dass Rapid mit Schiedsrichter Christopher Jäger bisher gut gefahren sind. Von 13 Spielen unter seiner Leitung wurden 11 gewonnen, eines war unentschieden und eines wurde verloren. Dieter Muckenhammer ist der einzige Schiedsrichter, bei dem die von ihm geleiteten Spiele keine positive sondern eine nur ausgeglichene Bilanz haben. Ihn hätte ich nicht gewählt.

Ganz sicher hat die Bundesliga ähnliche Statistiken, die sich auch auf die anderen Mannschaften und auch auf alle Spiele beziehen. Wenn man nun die Ergebnisanteile aller Schiedsrichter betrachtet (und dabei annimmt, dass der Schwierigkeitsgrad der Spielleitung derselbe ist), dann müssten eigentlich alle Schiedsrichter am Ende eines Beobachtungszeitraum ähnliche Ergebnischarakteristiken haben.

Christopher Jäger hat aber eine auffallend positive Bilanz bei Rapid-Spielen, und das ändert sich auch nicht gleich durch die heute sehr fragwürdige Spielleitung. Und es kann sein, dass meine Aufzeichnungen, die zeigen, dass seine Spiele tendenziell rapid-freundlich sind, auch bei der Bundesliga aufgefallen sind. Und da die Schiedsrichter sicher der einen oder anderen Bewertung ausgesetzt sind, könnte das auffällige tendenziöse Bewerten einzelner Situationen in diesem Spiel ihre Ursachen in solchen Bewertungen haben.

Gleich bei Spielbeginn wurde ein kurz ausgeführter Freistoß ziemlich kleinlich einige Meter zurück versetzt, so als wäre man bei einer Schiedsrichterausbildung bei der viele Dinge sicher noch genauer genommen werden. Schon an dieser Stelle dachte ich, das bei diesem Spiel etwas anders läuft.

Die ganz grundsätzliche Tendenz bei einem starken Support für eine Mannschaft, Entscheidungen bewusst (oder instinktiv) gegen die unterstütze Mannschaft zu treffen, sind bekannt. Und hier ist nicht eine einzelne Entscheidung gemeint, sondern das Mittel vieler solcher Entscheidungen. Das ist ein Problem, mit dem Rapid eben leben muss.

2. Abgelenkte Bälle

Beim Tor zum 2:4 lenkte Max Hofmann den Schuss unhaltbar für den Tormann ab; als Torschütze gilt aber der Hartberg-Spieler. Wäre an dieser Stelle ein Stürmer von Hartberg gestanden (und wäre dieser nicht im Abseits gestanden), dann wäre das Tor für denjenigen gewertet worden, der den Ball abgelenkt hat. Folgerichtig müsste im Falle von Max Hofmann, der den Ball als letzter berührt hat, er als Torschütze gelten.

Es irritiert, dass Tore, die zuletzt von einem Spieler der verteidigenden Mannschaft berührt worden sind, nicht als Eigentore gewertet werden.

3. Verletzungen

„Da kann ma halt nichts machen“, eine gelbe Karte ist alles, was der Hartberger Spieler nach dem (eigentlich) taktischen Foul gegen Boli zu befürchten hat. Rapid verliert einen wertvollen Spieler für Wochen. Warum muss der attackierende Spieler (oder dessen Verein) nicht mit einer angemessenen Strafe rechnen? Man wird einwenden, dass so etwas ja unabsichtlich passieren kann, und daher eine solche Bestrafung unfair wäre. Ja, aber so ist das Leben halt einmal! Es ist ja auch fatal, dass jemand unabsichtlich einen Schuss ablenkt und das Tor trotzdem zählt, auch wenn es unabsichtlich war. Ich finde, dass im Falle von Konsequenzen bei gravierenden Verletzungen man etwas mehr Spiel und weniger körperliche Attacken sehen würde.

4. Falsche Ausführung von Strafstößen, Freistößen und Einwürfen

Es kommt gar nicht so selten vor, dass Details der Ausführung eines Einwurfs nicht den Regeln entsprechen und danach die Durchführung des Einwurfs dem Gegner zugesprochen wird.

Beim heutigen Spiel führte der Schütze zum 2:0 den Elfmeter falsch aus (er blieb vor dem Schuss stehen). Nach meiner Ansicht hat er Pech gehabt, der Elfer sollte nach meiner Ansicht abgebrochen werden. So ist es aber nicht, der Schütze durfte den Elfer wiederholen.

Ist das nicht sonderbar, dass formale Fehler eines Spielers beim Outeinwurf zu einem Ballbesitzwechsel zum Gegner führen und beim Elfer der Schütze den Schuss wiederholen darf? Was passiert dann eigentlich, wenn er auch bei der Wiederholung denselben Regelverstoß begeht? Kann er das an libitum fortsetzen?


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Hartberg-Rapid

2:4 (1:1)

Der Fußball überrascht uns mit jedem Spiel aufs Neue. Waren es noch vor kurzer Zeit die schwachen zweiten Halbzeiten, so beginnt sich dieses Bild zu wenden. Unsere Mannschaft schnuppert in der ersten Halbzeit in das Spiel hinein und dreht dann bei Bedarf in der zweiten Halbzeit auf. So könnte man das Spiel in Hartberg charakterisieren.

Man fühlte sich in der ersten Halbzeit wieder in Zeiten zurückversetzt, die man eigentlich so nicht mehr erleben will und meinte nach dem Patzer von Strebinger zum Ausgleich, dass das Spiel aufgrund des Dauerdrucks von Hartberg verloren wäre; immerhin steht Hartberg hart am Abgrund des Abstiegs.

Dann gab’s iner Pause möglicherweise eine Kabinenpredigt von Didi, und wir sahen nach den beiden Eiertoren der ersten Halbzeit drei sehenswerte Treffer von Rapid:

  • ein wunderschön herausgespieltes und perfekt abgeschlossenes Tor von Thomas Murg
  • einen prächtigen Kopfball von Boli (er hat sich sichtlich über seinen zweiten Treffer gefreut) und
  • – als Tor der Runde (oder noch mehr) – einen hochklassigen Heber von Andrija Pavlovic

Den Schlusspunkt setzte wieder einmal unser Tormann, indem er einen Ball vor die Füße des gegnerischen Stürmers abwehrte. Ich gebe zu, er hatte nicht viel Zeit sich das zu überlegen, aber ein Tormann muss solche Bälle ohne weiteres Nachdenken aus der Gefahrenzone bringen; das muss ein Reflex sein, keine Überlegung.

Das Auf und Ab des Torerfolgs der Stürmer ließ uns Zuschauer einmal Badji als den zukünftigen Nummer-1-Stürmer sehen, doch nach diesem wunderschönen und überlegten Tor von Pavlovic schaut die Sache schon wieder ganz anders aus. Wir schwanken wie ein „Candle In The Wind“.

In der Tormannfrage schwanken wir nicht. Dass nach solchen Patzern gegen Altach und Hartberg nicht auch einmal Tobias eine Chance bekommen kann, das verstehen wir nicht. Muss sich erst ein Tormann verletzen, dass wir draufkommen, dass wir auch einen zweiten sehr guten haben?

Halbzeit in der Qualigruppe

In der Meistergruppe wäre Rapid jetzt auf Rang drei. Mattersburg bleibt aber Rapid auf den Fersen, nachlassen darf man nicht. Rapid hat in dieser Gruppe mit 34 Gegentoren die beste Abwehr, doch im Sturm muss noch mehr gemacht werden, Altach, Mattersburg und Hartberg schossen auch um die 29 Tore.

Die Leistungskurve zeigt nach oben, klar, so viele Runden ohne Niederlage gab es schon lange nicht. Man ist leicht geneigt zu glauben, das Trainerteam hätte die Probleme der Mannschaft in den Griff bekommen, doch es könnte auch sein, dass man – wie einst die Römer in Asterix – meint, den „Zaubertrank“ zu besitzen, aber es sind halt nur „kleine Steine“, die man stemmt. Dass Hartberg im Basisdurchgang Rapid mit 3:0 nach Hause geschickt hat, kann man durchaus auch mit dem Adrenalin des Liganeulings und der Überlastung der Rapid-Mannschaft erklären.

Ambiente

Wir sahen das Spiel in der freundlichen Atmosphäre der Rekordmeisterbar.

Christine, Arnold, Mario, Florian, Pepi, Andy, Klarissa

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Rapid-Hartberg

2:2 (2:0)

Wie das Spiel war, wissen wir. Wer den Verlauf nachlesen will, benutze bitte den Rapid-Spielbericht.

Rapid leidet unter seinen Fans

Wir müssen davon ausgehen, dass alle Beteiligten das Beste wollen und bei diesem Bemühen vielleicht übersehen, dass das Gegenteil von gut oft nicht schlecht, sondern „gut gemeint“ ist. Da aber schon mehrere Trainer- und Spielerkarrieren durch das Engagement bei Rapid einen Knick bekommen haben, und Rapid es trotz teurer Kündigungen nicht schafft, Sicherheit in die Mannschaft zu bekommen, kann man auch einmal etwas anderes als den Grund hinter den Misserfolgen vermuten als die Mannschaft (wie beim heutigen Spiel) oder den Trainer (wie bei Zoki oder Gogo).

Viel Licht…

.. und eine Bewunderung ob der Darbietung des Fanclubs Gioventù (=italienisch für „Jugend“) anlässlich seines 15-Jahr-Jubiläums zu Beginn des Spiels und in der Pause, ebenso für den Support des Blocks. Aber auch…

…viel Schatten

Ist es nicht eine eigenartige Jugend, die als eines ihrer Hauptsymbole eine Person mit einem gezückten Messer zeigt? Gegen wen wollte man denn die Waffe erheben? Stört das niemanden im Stadion? Kann man das durch eine durchaus tolle Choreografie gewissermaßen gegenrechnen? Ist das ein Deal (mit dem Verein)?

Wer braucht Support?

Den Support braucht der Block als Mittel des Zusammenhalts, als Attraktion für weitere Mitglieder. Den Support braucht der Verein, weil die Stimmung für viele Zuschauer ein Motiv ist, ins Stadion zu kommen. Ich brauche den Support, weil sich schöne Bildmotive abseits des Rasens ergeben. Aber ehrlich gesagt, würde ich auf diese Bildmotive gerne verzichten, wenn Rapid dafür mehr Erfolg hätte.

Ein Fußballspiel braucht den Support nicht. Definitiv nicht. Es gibt dazu wissenschaftliche Studien, die Ergebnisse von Geisterspielen mit ganz normalen Spielen mit Support vergleichen: es gibt keinen signifikanten Unterschied. Ich verweise auf das Buch „Der Fußball, die Wahrheit“, Seite 185 ff, Im Kapitel „Das eigene Team zur Niederlage klatschen“. In England wird es „Choking under Pressure“ genannt, (=“Versagen unter Druck“), was bedeutet, dass eine Mannschaft einem zu hohen Erwartungsdruck nicht standhält, dass also Support sogar den nachteiligen Effekt haben kann, insbesondere, wenn man die Schiedsrichterbefindlichkeit mitberücksichtigt. Was wir also sehr oft als eklatante Benachteiligung durch den „Unparteiischen“ beobachten, kann auch durch den Publikumsdruck entstanden sein.

Dass Support nicht unbedingt nötig ist, dazu brauchen wir aber keine besondere Studie, unser Stadion ist Versuchsobjekt genug. Wäre nämlich Support ein wesentliches Erfolgskriterium, müsste Rapid überlegener Tabellenführer sein. Ist es aber nicht. Man muss nur auf die Auswärtstribüne schauen. Nicht einmal ein voller Autobus hat es von Hartberg nach Wien geschafft. Und trotz dieses Nicht-Supports konnte Hartberg in Hütteldorf bestehen.

Der Support war das ganze Spiel toll, hatte aber mit dem Spiel eigentlich nichts zu tun. Es ist so, wie wenn ich an meinem Arbeitsplatz Musik höre. Aber nach dem Schlusspfiff wurde der Einheitssupport plötzlich zu einem anlassbezogenen Support, die Mannschaft wurde geradezu vom Feld gepfiffen. Welchen Zweck soll denn das gehabt haben? Erinnern wir uns an den (falschen aber immer wieder zitierten) Vergleich mit der eigenen Arbeit. Wie wird es denn um die Motivation für eine höhere Arbeitsleistung bestellt sein, wenn das Klima durch den Chef vergiftet wird?. Die Reaktion als Betroffener ist doch unschwer zu erraten. Und warum soll das bei Spielern anders sein?

Es könnte also den Capos im Block (übrigens auch unserem Trainer, der von der Psyche der Spieler nichts wissen will, das seien ja Profis) nicht schaden, auch einmal ein einschlägiges Buch zu studieren und sich mit den durchaus nicht immer positiven Folgen von zu viel und von falschem Support auseinander zu setzen.

Wenn die Austria für uns gespielt hätte…

Es wäre uns etwas peinlich gewesen, den Violetten etwa dankbar dafür sein zu müssen, dass sie uns durch einen Sieg gegen Sturm zur Meistergruppe verholfen hätten. Wir können fast froh sein, dass die Austria es nicht geschafft hat. Wäre das passiert, dann hätte Mattersburg mit seinem Sieg seine Minichance gewahrt und das obere Play-Off erreicht und nicht das große Rapid.

Trainerbilanz

Nun hat sich der Block nichts sehnlicher gewünscht als Gogo vor die Tür zu setzen und dafür ein Rapid-Urgestein zu holen. Ich denke, dass die seither 22 Bewerbspiele doch genug sind, um eine erste Bilanz zu ziehen und was ist besser als ein objektiver Vergleich?

Punkte Spiele Trainer
1,41 22 Dietmar Kühbauer
1,73 68 Goran Djuricin

Ist es nicht ziemlich ernüchternd? War es nicht ein No-na-Ziel, die Meistergruppe zu erreichen? Stellen wir uns einmal vor, Gogo hätte diese Ergebnisse von Didi eingefahren und hätte so wie dieser nicht die Meistergruppe erreicht. Ich will mir dieses dann folgende Gepfeife und Geheule gar nicht vorstellen, es ist für unsere Mannschaft ohnehin schon erniedrigend genug.

Man könnte nun einwenden, dass ja Gogo drei Mal so viele Spiele geleitet hat und dass er eben in Summe mehr Punkte geschafft hat, weil auch bessere Spielphasen dabei waren. Nehmen wir also nicht alle 68 Spiele von Gogo sondern nur die letzten 22, denn die waren es offenbar, wegen der er gehen musste. Das sind die Spiele 0 SKN (0:2), 1 Mattersburg (1:1), 0 RB (1:2), 3 Spartak (2:0), 0 Austria (0:1), 1 Sturm (1:1), 0 Bukarest (1:2), 3 Innsbruck (2:1), 3 Bukarest (3:1), 0 LASK (1:2), 3 Slovan (4:0), 1 WAC (0:0), 0 Slovan (1:2), 1 Altach (1:1), 3 Admira (3:0), 3 Kufstein (5:0), 1 WAC (0:0), 3 Altach 4:1), 0 RB (1:4), 3 LASK (2:0), 0 Sturm (2:4), 3 Admira (4:1). Aber auch hier ist sein Punkteschnitt besser als der von Didi, nämlich 1,45.

Was, wenn die Trainer gegen eine gemeinsame Ursache für das schwache Abschneiden ankämpfen? Etwa kann man anführen, dass die Einkäufe am Beginn dieser Saison nicht vielversprechend waren und sich seither nicht weiterentwickelt haben. Die Neuzugänge Pavlovic und Ivan erzielten in der Liga in 22 Spielen je ein Tor. Das ist nicht nur unterdurchschnittlich, das ist für Spieler im Sturm geradezu unterirdisch.

Also ist Fredy schuld?

Von Schuld freisprechen kann man das Scouting nicht. Fußball ist Wettbewerb auf vielen Ebenen. Ein Sportdirektor, der die besseren Spieler um weniger Geld holt ist in dieser Disziplin der Sieger. Wenn billig eingekauft wird, freut das den Kassier, es kann aber unterm Strich ein teurer Einkauf gewesen sein, und diesen Eindruck kann man bei Rapid durchaus haben.

Alle Sportdirektoren fischen im selben Teich und wenn einem von ihnen ein guter Fang gelingt, muss man sich doch fragen, warum man bei Rapid auf diesen „Fisch“ nicht auch aufmerksam geworden ist. Ein Beispiel dafür ist der LASK-Spieler Joao Victor, der um 400.000 Euro von Kapfenberg geholt wurde. Er erzielte in 22 Spielen 18 Tore. Von so einem Spieler kann man bei Rapid nur träumen. Stattdessen fischen wir in Transsylvanien und Umgebung.nach Spielern, die man weit weniger intensiv beobachten kann als einen Spieler in Österreich.

Da nun offenbar Didi seinen Posten so sicher hat wie Richard Strebinger gesetzt ist, wird ihm zunächst nichts passieren. Dass ein Riesenbetrieb wie Rapid nach der Pfeife von emotionsgeladenen Jugendlichen tanzt, ist für den von uns allen gewünschten Erfolg sehr betrüblich, denn durch die vielen Neustarts kann sich keine „stabile Großwetterlage“ ausbilden.

Interessanter Weise wusste man beim Block ganz genau, dass nach der Niederlage gegen St.Pölten der Trainer die Schuld am fehlenden Erfolg hatte, aber bei dem heutigen Unentschieden gegen Hartberg galt der Unmut doch eindeutig der Mannschaft. Einen „Didi raus“-Ruf konnte ich nicht hören. Das ist ziemlich unlogisch, denn die Mannschaft ist dieselbe wie unter Gogo.

Was, wenn man den Block nach den unfairen Pfiffen gegen Gogo einfach für ein Spiel wegen Vereinsschädigung gesperrt hätte? Mit der gleichzeitigen Botschaft, dass es allein dem Verein obliegt, die Arbeit des Trainers zu beurteilen. Nach den bekannten Publikationen spielt nämlich die Anwesenheit der Blocks für das Ergebnis keine Rolle.

Und wie geht es weiter?

Eventuell hat dieser derzeit siebente Platz vielleicht auch Vorteile, allerdings nur dann, wenn Rapid das untere Play-Off gewinnen kann, was bei den top-motivierten „Dorfklubs“ gar keine so klare Sache ist. Sollte das aber gelingen, wäre ein internationaler Platz durch die drei Entscheidungsspiele im Bereich des Möglichen.

Eine Zeitung meinte, dass die Teilnahme an der Qualifikationsgruppe einen Verlust von einer Million wegen der geringeren Zuschauerzahlen bedeuten würde. Da hat man aber wahrscheinlich nicht den Rattenschwanz an Langfrist-Folgen mitgerechnet, die das internationale Geschäft betreffen, denn die Unmöglichkeit UEFA-Punkte zu sammeln, erschwert die zukünftige Teilnahme in der Gruppenphase, weil man zu den ungesetzten Teams gehören würde. Weiters fehlen in der nächsten Saison viele weitere Millionen durch die Nichtteilnahme in der Gruppenphase. Und die (durchaus erreichbaren) Top-50 der UEFA-Rangliste sind dann auch nicht realistisch möglich. Dass man sich über den Cup qualifizieren könnte, scheint mit der heutigen Darbietung auch eher unrealistisch.

Glücklicherweise ist es aber Fußball, der immer wieder für Überraschungen gut ist. Und wie Stimmungen und Einschätzungen sich auch schon nach einem Spiel ändern können, hat man nach dem Sieg gegen RB gesehen. Gehen wir also mit einem Rest an Hoffnung auf einen Sieg im Cup-Halbfinale und einen günstiges Abschneiden in der Qualifikationsgruppe in die Länderspielpause.

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Hartberg-Rapid

3:0 (2:0)

„Hoffentlich spielt Hartberg nicht so gut, wie man in Hartberg isst“ war das Lob mit dem sich Andy für das Service im VIP-Nord bedankte.

Blick in das Zelt des VIP-Nord

Wer hätte zu dem Zeitpunkt gedacht, dass das zutreffen würde! Es war ja von einem Pflichtsieg die Rede!

Die Rapid:Mannschaft wirkte so, als würde sie unter der Last der bald 120 Jahre auf den Schultern laufen. Die Abläufe waren schön einstudiert aber so ausreichend langsam dargeboten, dass es dem spritzigen Gegner ein Leichtes war, sich in die durchschaubaren Aktionen einzuschalten.

Rapid war wie ein Klavierschüler, der sein Programm nicht ausreichend schnell geübt hat und beim Konzert, bei vollem Haus, ins Schleudern kommt.

Übertrainiert? Auch das hat man in den Reaktionen gehört! Training muss enorm fordernd sein. Es muss mehr beanspruchen als es die Realität des Spielens kann. Kein Hösche! Oder besser: nicht nur Hösche!

Der Jahrhundertsportler Emil Zatopek, „die Lokomotive“, entwickelte einen später nach ihm benannten Trainingsplan mit dem er 1952 in Helsinki den 5.000-, 10.000-Meter- und den Marathonlauf gewann und mit dem er im 10.000-Meter-Bewerb während 38 aufeinanderfolgenden Rennen unbesiegt blieb. Aber abgesehen von der Trainingsmethode ist von ihm überliefert, dass er Trainings unter außergewöhnlich belastenden Bedingungen absolviert hat, also zum Beispiel durch Gewichte, die er beim Laufen mit sich schleppte. Überliefert sind Trainingstage, an denen er 40-mal 400 Meter (in 70 bis 80 Sekunden) in Militärstiefeln lief. Sein Leitspruch (der auch der von Rapidlern sein könnte): „An athlete cannot run with money in his pockets. He must run woth hope in his heart and dreams in his head.“

Statistiken

Die Seite der Bundesliga im Punkt Matchcenter zeigt uns ein nicht untypisches Bild. Über 60% Ballbesitz von Rapid aber im Punkt „Abwehr“ deutlich geringere Anzahl gewonnener Zweikämpfe und in der Offensive eine deutlich schlechtere Schussgenauigkeit.

Mannschaften bei Spielbeginn

Auffällig war, dass Andrei Ivan nach der Pause doch einigen Schwung in das Angriffsspiel von Rapid gebracht hat, und dass Boli seine Rolle als Außenverteidiger deutlich ausgebaut hat. Er war einfach nicht an der Seite zu halten und hat sich ob des offensichtlichen Debakels in die Mitte des Spielfeldes begeben, um den Druck erhöhen zu können. 

Kein Trainereffekt

Wenn eine Mannschaft mit einem Trainer nicht kann, dann bewirkt ein Wechsel eine gewisse Aufmerksamkeit, Erleichterung gepaart mit Hoffnung, sodass mit einer vorher nicht gekannten  Leichtigkeit gespielt wird und wir gewonnene Spiele eines neuen Trainers oft mit einem „Trainereffekt“ erklären. Nicht einmal so etwas wurde uns nach dem Trainerwechsel beschert. Die Mannschaft wirkte müde wie schon lange nicht.

Wenn durch den Trainerwechsel eine Last von der Mannschaft abfällt und sie danach befreiter spielt, wäre das ein Hinweis auf die Richtigkeit dieser Personalentscheidung. Doch da so etwas nicht beobachtbar ist, spricht das deutlich für die Arbeit von Gogo (oder wenigstens nicht dagegen) und dafür, dass die eigentliche Wirkung des Trainerwechsels zu Didi ist, eine nahezu unangreifbare Ikone auf der Trainerbank zu haben. Wir können nur hoffen, dass sich die Meisterschaft nicht wie unter Canadi entwickelt. Auch Canadi wurde ob seiner Erfolge bei Altach von Block nie angegriffen. 

Wir erlebten fast so etwas wie einen „negativen Trainereffekt“, denn unter Gogo haben wir so hoffnungslose Spiele eigentlich nicht erlebt.

Kommentatoren meinen, es würde viel Arbeit auf Didi warten. Ich meine, dass nicht mehr Arbeit auf Didi wartet als jedem anderen Trainer in seiner Lage auch. Das Mehr an Arbeit liegt weniger an der Trainingszeit, denn die kann man nicht beliebig steigern, es ist vielmehr das Rapid-Umfeld, das den Trainerjob doch etwas anders gestaltet als der Job anderer Trainer. Zum Beispiel gab’s am Mittwoch den Stammtisch, gefolgt vom gemeinsamen Frühstück mit Claudia Stöckl, und das sind nur die Termine, die wir kennen.

Rapid als Sprungbrett

Jede Mannschaft inmitten der „fußballerischen Nahrungspyramide“ *) braucht hungrige Spieler, Spieler, die es noch zu etwas bringen wollen. Und Rapid ist ihre Bühne, vor der weg sie engagiert werden wollen. Das waren Andy Ivanschitz, Jimmy Hoffer, Stefan Maierhofer, György Garics, Nikica Jelavic, Robert Beric, Veli Kavlak und Robert Kainz uvam. Rapid konnte sie zwar nicht halten, aber sie haben Rapid weitergeholfen und Rapid war der Steigbügelhalter für eine größere Karriere.

*) Die ganz großen „Endverbraucher“ wie Real, Barca, Bayern, Manchester usw. bekommen zwar Top-Spieler, die keine weitere Veränderung anstreben, aber auch dort wird deren Motivation ein nicht unwichtiges Problem sein.

Peter-Prinzip

Was keine Mannschaft braucht, sind Spieler, die in ihr eine Art Endstation sehen, eine Art Ruhekissen, etwas erreicht zu haben, das man immer schon gewollt hat. Ein fußballerisches Peter-Prinzip. 

Und es gibt solche Beispiele. Warum etwa ist Marvin Potzmann zu Rapid gekommen? Es war für ihn aus familiären Gründen vorteilhaft, in Wien sein zu können. Warum ist Deni Alar zu Rapid zurückgekehrt? Weil er hier einen besseren Vertrag bekommen hat. Aber beide haben keine weiteren Ambitionen. Ich will nicht unterstellen, dass sie das so handhaben, aber wir sehen ihr Spiel und immerhin ist es eine mögliche Erklärung für manche engagement-befreite Aktionen.

Es gibt natürlich auch jede Menge Gegenbeispiele von Spielern, die sich zu Stützen der Mannschaft entwickelt haben und die nicht unbedingt auf eine Auslandskarriere warten, wie beispielsweise Mario Sonnleitner.

Und Hartberg?

Hartberg hat ebenso wie Rapid eine Sprungbrett-Funktion, und das Spiel, das wir gesehen haben, hatte zur Folge, dass die Namen Florian Sittsam, Dario Tadic und Florian Fleckner, die Torschützen, in den Notizbüchern von Scouts Eingang gefunden haben und vielleicht schon in der nächsten Saison in der Karriereleiter weiter oben zu finden sein werden, denn Spieler, die Tore schießen können, sind eine begehrte Handelsware. Der Rapid-als-Gegner-Effekt, nämlich voll motiviert das Spiel des Jahres gegen den „Rekordmeister“ bei ausverkauftem Haus antreten zu können, beflügelt die kleinen Mannschaften zu großen Leistungen und alles das macht Spiele gegen vermeintliche Dorfklubs so schwer.

Choreografie

Der Block-West präsentierte eine Standard-Choreografie zu Beginn…

Choreografie bei Spielbeginn

…und grüne und rote Fackeln nach der Rapid-Viertelstunde. Der Block hat trotze der Pleite durchgehalten. Nach seinen Gesängen zu urteilen, hätte man meinen können, das Spiel wäre 3:0 für Rapid ausgegangen.

Was mir ein bisschen abgegangen ist, waren Rufe. „Gogo raus“-Rufe zum Beispiel. Warum? Sie hätten in selbstironischer Weise gezeigt, dass es nicht an einem abgründig schlechten Trainer gelegen haben kann, dass Rapid am 7. (jetzt 8.) Tabellenplatz liegt, sondern dass es etwas anderes sein muss, was Rapid-Spieler mit zu geringer Kampfkraft ausstattet. „Didi raus“-Rufe wird es wohl jetzt und in der Zukunft wegen des quasi Heiligenstatus der Ikone nicht geben, man könnte sie daher durch „Gogo rein“-Rufe prächtig ersetzen.

Da wir nunmehr einen Trainer mit sehr viel Kredit bei den Fans auf der Trainerbank sitzen haben, verlagerte sich die Kritik in den Massenmedien sofort in Richtung der Spieler, etwas, das unter Gogo nicht der Fall war. Aber es sind dieselben Spieler, und wenn sie heute für die Niederlage verantwortlich waren, dann waren sie es auch unter Gogo.

Die beiden Trainer im Interview vor dem Spiel

Ambiente

Hartberg ist in der Bundesliga, das Umfeld noch irgendwo anders. Aber es ist beachtlich, was man hier aus dem Boden gestampft hat.

Blick von der Haupttribüne auf das Spielfeld. Links das VIP-Nord, rechst die Hartbarg Fantribüne, gegenüber der Gästesektor

Alles irgendwie improvisiert, aber es ist vorhanden. Man hat sich bemüht, den Nachteil eines Stadions mit Laufbahn zu einem Vorteil zu verwandeln, indem man die neuen Tribünen auf die Laufbahn gestellt hat.

Behelfsmäßige Tribünen auf der Laufbahn

Der VIP-Bereich hat sogar ein Parkhaus. Es ist die Parkgarage des Spar-Kaufhauses.

Blick auf das das Zelt des VIP-Nord mit angeschlossener Tribüne, dahinter das Spar-Parkhaus

Als wir zum Eingang kamen, wurde unsere Karte eingescannt und wir bekamen ein grünes Armband.

Grünes Armband des VIP-Nord

Die Hartberger wissen, was sie ihren Gästen schuldig sind. Wahrscheinlich haben sie auch einen Satz violetter Bänder aber dem sind wir nicht weiter nachgegangen.

Der VIP-Bereich war ein Zelt mit einem Buffet und einer Getränkebar. Hungrige wären dort in ihrem Element gewesen. Es war nicht unbedingt das Fußballpublikum zu sehen, das wir in Wien kennen, die ländliche Umgebung bildete sich auch im Publikum ab. Aber alles das ist kein Nachteil, die Atmosphäre war entspannt und gemütlich. 

Das Highlight des Tages waren die Teller, die symbolisch für die allgegenwärtige Improvisation stehen. „Aus jedem Dorf ein Teller“, könnte man sagen. 

Tellersortiment wie bei der Großmutter. Gemütlich halt.

Glücklicherweise haben sich unsere „Gärtner“ auf der Heimreise von eine Kur in Villach auch als VIP-Gäste eingekauft und wir konnten bei ihnem am Tisch sitzen.

Dieses Nord-VIP, in dem wir gelandet sind, hat kein WC, man muss im Bedarfsfall zur Haupttribüne pilgern, das grüne Band war beim Rückweg ein Sesam-Öffne-Dich.

Eine dreiviertel Stunde vor Spielbeginn hat es uns aber nicht mehr im Zelt gehalten und wir wollten das Aufwärmen mitverfolgen. Unsere Reihe war die Nummer 6, Plätze 15 und 16. Die Reihe 6 gab es aber nur die Plätze 1-10 und 23-33, dazwischen war nichts. Auch einen Ordner gab es nicht. Also zurück an den Eingang, mit der Frage, wo wir denn unsere Plätze finden würden. Es stellte sich heraus, dass wir im falschen VIP-Zelt gelandet sind, unsere Plätze wären im „VIP der Präsidentin“ wie das Nadine, die Ordnerin genannt hat. Das grüne Band wurde uns abgenommen und wir pilgerten zur Haupttribüne und bekamen dort ein blaues Band.

Berechtigungsband für das VIP auf der Haupttribüne

Kommst Du einmal nach Hartberg zu einem Fußballspiel und möchtest eine VIP-Karte, dann nimm die im VIP-Nord. Es ist zwar etwas spartanischer aber dem Gedränge des VIP-Raumes der Haupttribüne kann man nur entgehen, indem man sich auf seinen Platz setzt. Eingekreist durch das fast komplette Rapid-Präsidium*) saßen wir da, flankiert rechts von Franco Foda

…und links von Geschäftsführer Christoph Peschek. Während man dem sehr aufmerksamen Franco Foda keine besondere Gefühlsregung anmerken konnte, war das bei den Präsidiums-Rapidlern natürlich ganz anders. Ein Tor gegen Rapid oder ein Fast-Tor für Rapid ist für sie ebenso niederschmetternd wie für uns. Ein Drama, das nicht hätte passieren dürfen. „Hätte doch der Spieler etwas anderes gemacht, aber eben nicht das, zu dem er sich entschieden hat.“ Eine interessante Erfahrung!

*) Josef Kamper, Mag. Nikolaus Rosenauer, Dr. Erich Haider, Thomas Waldner. Peter Klinglmüller und Christian Bruckner arbeiteten in der benachbarten Presse-Tribüne.

Brucki bei der Arbeit
Abwehrschilde der Polizei, für alle Fälle
Verirrter Ball am zeltartigen Stadiondach

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