Rapid-Austria

2:2 (1:2)

Was sprach gegen Rapid?

  • Erwartungshaltung
  • Heimspiel (es gewinnt sich nicht so leicht im Allianz-Stadion)
  • Derby (wurde hier noch nie gewonnen)
  • Hohe Zahl von Ausfällen
  • Kein spielentscheidender Taxi (dafür dürfen wir uns mit seinem Baby freuen)
  • 3-5-2

Dieser Mix ungünstiger Voraussetzungen setzte sich schließlich durch und aus dem erhofften Sieg wurde nur ein Unentschieden.

Betrachtet man nur die erste Hälfte, ist das Remis für Rapid schmeichelhaft, betrachtet man nur die zweite Hälfte, muss die Austria froh sein, nicht verloren zu haben – dank ihres gut disponierten Tormanns. Also, ein “gerechtes” Remis?

Eigentlich ist das Ergebnis weit hinter unseren Erwartungen. Die Buchmacher zeigen mit ihren Quoten 1,7 : 3,8 : 4 unsere Einschätzung, und der Besuch deutet schon an, dass alle an einen ersten Derbysieg von Rapid glauben.

Schiedsrichter Schörgenhofer kann man aufgrund der bisher geleiteten Spiele keinen Vorwurf manchen. Die unser seiner Leitung erzielten Punkte liegen mit 1,75 exakt im Schnitt aller Spiele der aktuellen Schiedsrichter.

In der ersten Halbzeit bekam Rapid nach dem gelungenen Ausgleich das Spiel nicht unter Kontrolle. Die Austria schaltete schneller und hatte die gefährlicheren Chancen. Arase wirkte auf der rechten Seite ziemlich verloren. Es zog ihn in die Mitte und dann fehlte er auf der Seite. Der Rückstand zum 1:2 entstand auch nach einer unbedrängten Flanke von dieser Seite. Kelvin hatte es praktisch immer mit zwei Gegenspielern zu tun, er soll sowohl in der Verteidigung aushelfen als auch angreifen. Mir gefällt dieses Spielsystem nicht.

Das Powerplay von Rapid in der zweiten Halbzeit hätte sich mehr als nur einen Treffer verdient, aber so ist er eben, der Fußball. Für einen Azubi ist unser Stürmer nicht schlecht, aber wir könnten einen höherwertigen gut gebrauchen. Ein Tor hätte Badji gut getan.

Das Spiel verlief vergleichsweise unaufgeregt, kein Wunder, war doch Holzhauser, das rote Tuch vergangener Spiele, nicht mehr am Platz. Mit ein bisschen Übung könnte Christoph Monschein in seine Fußstapfen treten.

Es ist nicht gelungen, den Tabellendritten WAC zu überholen, immerhin sind wir den Wolfsbergern schon einen Punkt nahe gekommen. Mühsam!

Ambiente

Rudi Flögel wurde zu seinem 80. Geburtstag gratuliert. Rudi feierte mit Rapid je vier Meister- und Cuptitel. Das waren noch Zeiten!

Rapid feierte zum letzten Mal “120 Jahre Rapid” und das mit einer sehenswerten Choreografie auf Süd- Ost und Nord-Tribüne.

Spruchbänder

  • “Ob Bruckner oder Schmid, nichts ist größer als Rapid. Nur ein Ego sticht hervor, das des werten Goleador.”
  • “Die Mutter im Puff lauter schreit als der Sohnemann zur Derbyzeit”
  • “Während Kretschmer den Verein ruiniert und die die violette Szene weiter kassiert, ist jedem Wiener endgültig klar, in unserer Stadt krepiert der FAK”

Zur Erinnerung

Unser Transparent “klubderfreunde.at” wird bei Eingang regelmäßig auf den Inhalt geprüft. Im Gästesektor wird das wohl auch der Fall sein, doch dürfte das Wissen um verbotene NS-Symbolik beim Sicherheits-Personal nicht besonders ausgeprägt sein. So konnte es passieren, dass die Gruppe “Unsterblich” ihre Version der Reichskriegsflagge ins Stadion bringen konnte. Interessant ist auch, dass die Anbringung von den anderen Gruppierungen geduldet wurde.

Hier also speziell für Ordner in Fußballstadien ein Bildvergleich dieses in Österreich verbotenen Symbols. [Das Originalbild der Reichkriegsflagge war an dieser Stelle abgebildet. Der Grund ist ein didaktischer, denn wie soll ein Ordner diese Flagge als unerwünscht erkennen, wenn er sie gar nicht kennt. Der Vorstand des Klubs der Freunde wünscht aber diese Abbildung nicht. Wer sich das Bild anschauen will, folge diesem Link (Wikipedia).]

“Unsterblich” wird bei der Austria nicht als Fangruppe geführt. Was “Unsterblich” sonst noch an “Aktivitäten” pflegt, wird hier dokumentiert. “Unsterblich” kann diese Flagge auch ungehindert in Facebook präsentieren.

Links

Austria-Rapid

1:3 (1:1)

Ganz Rapid freut sich über diesen Auswärtssieg und über die gelungen Revanche für die Niederlage vom Dezember des Vorjahres.

Die Statistik der Bundesliga zeigt ein ziemlich ausgeglichenes Bild. Es ist also nicht schwer, sich vorzustellen, dass dieses Spiel hätte ganz anders ausgehen können. Auch die Austria hatte tolle Chancen, aber wir hatten Stephan Auer, der einen möglichen Ausgleich auf der Linie rettete. Er stand diszipliniert am langen Eck und konnte den Ball, den Knoflach zuerst verfehlt hatte, abwehren.

Erfreulicherweise gab es keinen der (von uns) gefürchteten Einbrüche in der zweiten Hälfte, sieht man von einzelnen Krämpfen ab.

Nicht einmal Didi (Spox) konnte nach dem Spiel ein Lob zurückhalten, denn die nachrückenden Ersatzspieler Kelvin Arase und Dalibor Velimirovic haben sich durchaus bewährt.

Rapid verschafft sich ein wenig Luft und etabliert sich am 6. Platz, in Schlagdistanz zu den Führenden.

Der einen Freud’…

Wohin die Reise bei Rapid geht, wissen wir nicht. Eventuelle Anmaßungen des Blocks – wie zuletzt bei Gogo – sind durch diesen Erfolg zunächst aufgeschoben. Wäre das Spiel aber verloren gegangen, hätte das kryptische Spruchband des Blocks: “Genug des Schweigens” vielleicht auch noch ein weiteres, aufklärendes zur Folge gehabt.

Das Management von Fußballvereinen reduziert Misserfolge häufig auf die Trainerfrage. Dabei könnte man durch einen Blick zum Mitbewerber lernen – aber tut es nicht. Man hat weder Vertrauen, noch Geduld und vor allem meint man, dass ein woanders erfolgreicher Trainer diesen Erfolg mitbringen könnte. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Ein erfolgreicher Trainer (natürlich auch Spieler) ist Teil eines erfolgreichen Konzepts. Holt man ihn dort raus, kann er seine dortige Umgebung nicht mitnehmen. So war es bei Canadi (und vorher schon bei Zellhofer), so ist es jetzt bei Ilzer und vielen anderen. Wenn ein Verein erfolgreich ist, dann nicht allein wegen des Trainers. Es hätten nämlich die erfolgreichen Vereine nach dem Abgang ihrer Erfolgstrainer stark geschwächt sein müssen, aber sie sind es nicht. Der WAC spielt auch mit dem neuen Trainer hervorragend, ebenso der LASK und Salzburg sowieso.

Was sonst ist es, außer dem Trainer? Na, zum Beispiel die Spielerbeschaffungen, die man nicht so leicht verändern kann, zum Beispiel das Klima, das sich Änderungen hartnäckig widersetzen kann, Konzeptlosigkeit, Wohlfühloasen…

Ambiente

Schon in der Rapidviertelstunde-199 konnte man die Anspannung der Verantwortlichen vor dem Derby förmlich spüren. und auch im MatchdayUpdate von Lukas Marek war voll der bangen Vorfreude auf das Spiel.

Vor dem Spiel gab eine Gedenkminute an den ermordeten Austria-Fan Fritz Duras.

Eigentlich wollten wir gar nicht auf den Horr-Platz gehen, doch weil sich kein geeigneter Fernsehwirt angeboten hat, riskierten wir den Besuch. Was vor dem Spiel aufgefallen ist, dass der Rapid-Block einen sehr geschlossenen Eindruck vermittelte und die Austria-Kurve noch sehr schwach besetzt war und ohne “Anführer” etwas unorganisiert gewirkt hat.

Die Ansage des Stadionsprechers, dass es keine pyrotechnischen Gegenstände geben dürfe, kontrastierte sonderbar mit der Eröffnungschoreografie der Ultras. Vielleicht sollte man bei diesen Ansagen erwähnen, dass es angemeldete Pyro-Shows gibt, damit nicht gleich das ganze Stadion auf die “bösen Rapidler” losgeht.

Wie sich doch die Vereine ähneln. Sowohl Austria als auch Rapid werben um Mitglieder, beide versprechen, dass die Beträge voll dem Nachwuchs zugute kommen, beide versuchen mit Aktionen, Kinder und Jugendliche ins Stadion zu locken, zum Beispiel bei der Austria um 1,- Euro für Kinder beim nächsten Heimspiel.

Und wo liegt dann der Unterschied zwischen den Vereinen? Der Unterschied liegt darin, dass es Rapid besser gelingt. Rapid schafft stärkere und glaubhaftere Hinwendung zum Mitglied. Dieses ans Freundschaftliche grenzende Marketing wird durch Andy Marek verkörpert und es überträgt sich auf alle Rapid-Teams mit Fankontakt. Man kann alle dort Beschäftigte, also das Klubservice-Team, das Museums-Team und die uns bekannten Mitarbeiter der Organisation als außergewöhnlich engagiert bezeichnen, aber es ist mehr als das, es ist freundschaftlich.

Die dritte Halbzeit

Es geht ums Prügeln und um eine “würdige” Kulisse dazu. Das Spiel selbst ist der Aufputz für die eigene vermeintliche Wichtigkeit. Berichtet wurde (in heute) über Rapidler, die über die Absperrungen geklettert sind und auf der Nordtribüne eine Raufereien angezettelt hätten, Austrianer, die versuchten zu stürmen, wobei unklar ist, ob sie das Spielfeld oder eh schon die Rapidler im Visier hatten, Rapidler, die bei der U-Bahn-Station Troststraße kampfbereit auf ihre violetten “Brüder im Geiste” warteten. Die Bilder der Choreografien können gar nicht prächtig genug sein, um nicht durch die “dunkle Seite der Macht” in Schieflage zu geraten.

Links

Austria-Rapid

6:1 (4:1) 

Wir haben gesagt, die Vorzeichen wären gut, weil wir motiviert mit dem Rückenwind vom Sieg gegen die Rangers nach Favoriten gekommen sind. 

Man hätte auch der Meinung sein können, dass wir nach einer Europacuprunde nie gut abgeschnitten haben.

Dass sich gerade die zweite Prognose durchsetzen würde, konnte man am Spiel bis zur 35. Minute nicht ablesen. Nach meinem Eindruck spielte Rapid selbstsicher und gut nach vorne orientiert. Die Austria lauerte nur auf Konter!

Dass gerade der Matchwinner vom Glasgow-Spiel zum Match-Looser im Derby wird, hätte wohl niemand gedacht!

Aber nicht nur dieses, auch andere Spiele erleiden einen Kippeffekt nach Schlüsselszenen, die so nicht hätten unbedingt passieren müssen. Bei demselben Spiel gab es eine Szene in der dritten Minute, in der Jeggo ziemlich rotverdächtig in den Gegner hineingeflogen ist. Es gab aber nur Gelb. Nach meiner Einschätzung wäre das ein halbe Stunde später wohl Rot gewesen. In der Anfangsphase geben Schiedsrichter nicht gerne spielentscheidende Karten. In der Schlüsselszene, der Notbremse von Dejan, hätte man auch der Meinung sein können, dass der rechts mitlaufende Dibon sich noch vor dem Stürmer befunden habe und daher hätte man auch hier Gelb geben können, leider war es aber Rot. Warum ein Ball, der direkt auf die Mauer zufliegt, durch eben diese hindurchfliegen kann (in der Elektronik nennt man das Tunneleffekt), lässt einen  Zuschauer an der Sinnhaftigkeit der Maßnahme “Mauer” zweifeln, weil der Tormann noch dazu den Ball erst sehr verspätet und dann noch abgelenkt wahrnimmt. Warum der Ball nach der Abwehr nicht neben das Tor gehen kann, sondern genau auf die Stange gehen muss, das weiß auch nur der Ball. 

Ich will sagen, dass nicht von dem was wir bis zu dieser Szene so hat passieren müssen und dass es ohne jemandes Zutun auch hätte anders kommen können. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte man von einer Überlegenheit der Austria ja keineswegs sprechen. 

Dass ein Ausschluss das Selbstvertrauen der einen Mannschaft so aufbauen und das der anderen so zerstören kann, das kennen wir vom früheren Rapid nicht. Wir erinnern uns an das erste Spiel von Max Hofmann, damals gegen Sturm Graz auswärts, in dem dieser in der 4. Minute ausgeschlossen wurde und Rapid das Spiel dennoch mit 4:2 gewonnen hat. Wo sind diese Zeiten geblieben?

Der Fluch nach dem Rauswurf von Zoki hält unvermindert an, vielleicht sollten wir einmal mit dem Rapid-Pfarrer nach Mariazell pilgern oder dem Fußballheiligen Luigi Scrosoppi ein anderes Opfer bringen? 

Historisch

Im Frühjahr sprachen wir von einem historischen 4:0-Auswärtssieg von Rapid, ein halbes Jahr später von einer historischen Niederlage.

Schon während des Spiels kramten die im Hintergrund arbeitenden Redakteure in ihren Datenbanken und vermeldeten einen historischen Sieg der Austria.

Wie historisch der Sieg wirklich war, zeigt die folgende Tabelle, die alle Spiele zeigt, bei denen Rapid sechs oder mehr Tore kassiert hat: 

2018-12-16 Liga Austria Wien A 1:6
2016-02-18 EL FC Valencia (E) A 0:6
2014-07-19 Liga Red Bull Salzburg A 1:6
2014-03-02 Liga Red Bull Salzburg A 3:6
2002-04-28 Liga Austria Salzburg A 1:6
1990-04-14 Liga FC Wacker Innsbruck A 1:6
1986-05-06 Cup Austria Wien H 4:6
1974-04-17 Cup Austria Wien H 2:6
1969-10-11 Liga Austria Wien H 0:6
1961-11-22 EC-Cup AC Fiorentina (I) H 2:6
1956-08-04 Mitropa Cup Vasas Budapest (H) A 2:9
1956-02-12 EC-Meister AC Milan (I) A 2:7
1943-10-24 Liga Vienna A 2:10
1943-05-23 Cup (Dt) Kapfenberger SV A 3:6
1943-02-28 Liga Vienna A 4:6
1943-02-21 Liga FC Wien H 4:6
1943-02-14 Liga FAC A 1:7
1942-12-06 Liga Austria Wien H 2:6
1936-02-16 Liga Admira A 5:6
1934-07-01 Mitropa Cup AC Bologna (I) A 1:6
1934-05-10 Cup Admira A 0:8
1933-02-19 Cup Austria Wien H 4:6
1931-01-11 Cup Admira A 2:6
1930-03-02 Liga Austria Wien H 4:8
1928-10-28 Mitropa Cup Ferencvaros (H) A 1:7
1927-10-30 Mitropa Cup Sparta Prag (CZ) A 2:6
1922-10-15 Liga Austria Wien H 3:7

Amüsiert hat mich, dass auch in der Spielzeit des Rudi Flögel (er feierte beim Spiel gegen die Rangers seinen 79. Geburtstag und ich habe ihn damals als Schüler bewundert) ein 6:0 der Austria am 11.10.1969 aufscheint, wo wir doch immer wieder gerne aus seinem Mund hören, dass man damals doch deutlich mehr Spiele gegen den Stadtrivalen gewonnen als verloren habe. Die damalige sehr prominente Aufstellung: Jørn Bjerregaard, Erich Fak, Rudolf Flögel, Anton Fritsch, Gerald Fuchsbichler, Geza Gallos, Gebhardt, Walter Glechner, Helmut Redl, Josef Reisinger, Ewald Ullmann, Werner Walzer, Christoph Wirth

Hier ein historischer Vergleich der Spiele heute und gestern gegen die Austria:

       Anzahl  S   U   N    
2007-2016 40 38% 30% 33%
1960-1969 27 37% 19% 44%

Man sieht, dass man geneigt ist, die Vergangenheit positiver zu sehen als sie tatsächlich war. Es ist das Gegenteil der Fall. Man hat damals mehr Spiele als heute verloren! Wer hätte das gedacht!

Wir werden eine andere Mannschaft sehen!

Das waren die Worte von Didi schon bei unserer Mitgliederversammlung. Er meinte damals das nächste Spiel gegen den LASK nach der Länderspielpause. Ja, wir haben damals eine andere Mannschaft gegen den LASK gesehen, eine, die klar unterlegen war, ohne Hoffnung auf einen Punkt. Danach folgte der sensationelle Auswärtserfolg gegen Spartak. Und diese Worte sind auch jetzt vor der Winterpause gefallen, man werde im Frühjahr eine andere Mannschaft sehen….

Dieser Satz ist nichts anderes als eine Durchhalteparole des Trainers (mir würde auch nichts besseres einfallen). Dass sich der Punkteschnitt nicht und nicht nach oben bewegen will, spricht für Gogo, spricht auch nicht gegen Didi. Es ist einfach nicht mehr drin. Beide Trainer dürfte so ihre Qualitäten haben. 

Rapid-2018

Jürgen Hartmanns 2250. Spiel

Es wäre Jürgens 2250. Spiel gewesen, doch dieses runde Jubiläum wird er – ja nach Zählweise – bei einem winterlichen Trainingsspiel oder dann beim ersten Bewerbspiel im 1/16-tel-Finale erleben,

Jürgen hat bereits von dem Spiel auf sein rundes Jubiläum hingewiesen und ich dachte, er hätte es durch die Polizeiaktion versäumt, doch er war nicht beim Corteo mit dabei, wie er in Facebook mitteilt, und wurde daher Augenzeuge vom 6:1-Heimsieg der Austria.

Der Fanblock wurde bei seinem Marsch zum Stadion von der Polizei ein paar Stunden lang “aufgehalten”. Dabei wurde auch über eine eigenartige Route über einen extrem schmalen Weg unmittelbar neben der Autobahn berichtet. 

90minuten.at berichtet über die Ereignisse vor, während und nach dem Spiel. Es wird berichtet, das die “Eingekesselten” (Indianer?) fünf Stunden in der Kälte stehen mussten und nichts zu trinken bekamen und auch nicht auf eine Toilette gehen konnten. 

Außenstehende müssen den Eindruck haben, als würden bei Rapid 2.000 Schwerverbrecher durch die Lande ziehen. 

Ich deute das Vorgehen der Polizei nach der Lektüre der Berichte so, dass es gar nicht ihre Absicht war, die Fangruppe bis ins Stadion zu begleiten, sondern dass man es dem Fanblock einfach einmal “zeigen” wollte. Sie in “freier Wildbahn” wie in einem Indianerfilm “einkesseln”. Eine Art Rache gegen furchteinflößenden Aufschriften wie “1312”, nach deren Anblick die Damen und Herren von der Polizei psychologische Hilfe und einen freien Tag brauchen, um sich von dem Trauma nach dem Dienst bei einem Rapid-Spiel zu erholen.

Man kann diese neue Dimension der Polizeigewalt gegen Fußballfans durchaus auch als die Handschrift des neuen Herrn Innenministers deuten, denn dieser Marsch zum Stadion wird ja schon seit vielen Jahren in derselben Art durchgeführt und die Block-Verantwortlichen haben Erfahrung damit. Warum also bei diesem Marsch so brutal gegen die Gruppe vorgegangen wurde, könnte durchaus am neuen Wind aus dem Innenministerium liegen. 

Wem immer ich begegne, der Fußball aus der Zeitung kennt, berichtet mir von Horror-Szenarien, die sich auf den Plätzen abspielen sollten, wo auch ich zu Gast bin und die ich selbst noch nie erlebt habe. Nicht, dass es keine Vorfälle gibt, aber man muss sie in Relation mit den Menschenmassen sehen, die eben bei Großveranstaltungen teilnehmen. Leider spielt das von der Presse gezeichnete Bild der Rapid-Fans der Behörde in die Hände. 

Die Hetze gegen die Rapid-Fans hat einen Gang zugelegt. Ist es nicht praktisch, dass man eine Minderheit in die Enge treiben kann, ohne dass jemand dagegen protestiert, weil die Presse die Öffentlichkeit schon entsprechend präpariert hat und sozusagen die große Masse hinter sich weiß?

Ambiente

Wir gehen seit dem 4:1-Auswärterfolg im Prater nicht mehr zu den Spielen bei der Austria, weil die damals miterlebten Übergriffe auf den Familiensektor nicht besonders motivierend waren. Wir zogen die freundliche Rekordmeisterbar dem Stadionbesuch vor. 

Links

Rapid-Austria

0:1 (0:0)

Ein packendes, teilweise hitziges Spiel mit dem glücklicheren Ende für die Gäste. Fast eine Art Kopie des Spiel von Rapid II vom Freitag. Der Bessere gewinnt nur manchmal.

Auch die im Vorfeld bereits angekündigte “Geheimwaffe” Andrija Pavlović zeigte keine Wirkung.

Die gegnerischen Spieler dürften noch kurz vor dem Abgang von Holzhauser eine Lektion mit auf den Weg bekommen haben, in der Art: “Wie verschleppe ich ein Spiel? Wie provoziere ich den Gegner richtig?” Man hatte das Gefühl, als wäre Holzhausers Geist als 12. Mann am Spielfeld.

Ausnahmsweise war der Gegner am Spielfeld für den Block prominent genug, um wenigstens für dieses eine Spiel die Attacken gegen den Trainer nicht allzu laut werden lassen.

Schiedsrichter aus Wien

Es war nicht nur ein Pfiff des Schiedsrichters Weinberger, bei dem das Publikum den Kopf geschüttelt hat. Ich wundere mich darüber, dass Schiedsrichter aus Wien überhaupt ein Wiener Derby pfeifen dürfen. Schiedsrichter dürfen normalerweise nicht aus einem Landesverband der beiden gegnerischen Vereine kommen, es sei denn es wäre ein Derby. Schiedsrichter Julian Weinberger kommt vom Landesverband Wien und darf daher ein Wiener Derby pfeifen, wie auch Ing. Gerhard Grobelnik.

Nun wissen wir, dass ein Wiener, der sich für Fußball interessiert, mit großer Wahrscheinlichkeit einem der beiden Lager Grün-Weiß oder Violett nahe steht, auch dann, wenn er Schiedsrichter wird, denn diese Prägungen legt man auch mit dem schwarzen Gewand nicht ab. Und solche Schiedsrichter, die mit großer Wahrscheinlichkeit eine Präferenz zu einem der beiden Vereine haben, pfeifen ein Derby! Könnte man dazu nicht zukünftig einen Vorarlberger oder einen Salzburger wählen können?

Choreografie

Die zweiteilige Choreografie kam von den Lords Rapid. Der erste Teil war eine Zettelchoreografie, die eine halbe Zielscheibe auf grünen und weißen Bögen dargestellt hat.

Der Untertitel “Ein Geschenk der Götter”. Gemeint war natürlich Rapid, denn beim Einmarsch der beiden Teams wurde über die Zettel aus der Mitte ein Riesentransparent entrollt, das einen Adler zeigt, der das Rapid-Logo trägt.

Der Gästesektor beginnt mit einem Transparent, das ein Torso bleibt aber man kann auch mit dem unvollständigen Anfang auf die Geisteshaltung dahinter schließen. Man titelt: “Seit 1911 stehen wir über der Arbeiterklasse, denn Austria Wien ist: …”.

Hier fehlt ein Teil und vielleicht ist das gut so. Eigentlich sind wir ja alle “Hackler” und ich sehe gar keinen Unterschied zwischen diesen von Gästesektor selbstdefinierten “Klassen”. Wir alle sind Arbeiter, egal, ob wir mit dem Spaten, dem Fußball oder den Tasten arbeiten. Die Gäste meinen halt, etwas Besseres zu sein, sind aber schließlich auch nichts anderes, Hackler halt.

Es folgt: “Fk Austria Wien, anders als die Masse!”

Der Block-West titelt Richtung Gästesektor weiter:  “Seit vielen Jahren die Harten markieren, doch unter Polizeischutz die eigenen Stadionwände beschmieren. In Bratislava hinterm Zaun stark und provokant, zwei Tage später im Zehnten ums Leben gerannt. Die Ultraskultur niemals verstanden. Eine Schande für Wien in allen Belangen.”

Auch der Herr Innenminister bleibt nicht unerwähnt: “Jeder weiß, dass es heute brennt und raucht. Trotzdem ist das Stadion ausverkauft. Herbert – wie gibt’s des?”

Hier der Beweis für Feuer und Rauch am Beginn der Rapid-Viertelstunde:

Junge Heißsporne des Blocks…

…üben nach Spielende den Platzsturm und versuchen, in den Gästesektor zu gelangen. Die Ordner der Securitas, verstärkt durch das grün-weiße Klubservice stellen sich den teilweise vermummten Angreifern entgegen. Die Polizei meint, dass die Ordner das eventuell nicht schaffen und rückt in voller Mannstärke aufs Spielfeld. Ordner und Vermummte werden in die Südwest-Ecke abgedrängt.

Währenddessen beobachten die Granden des Block das Geschehen aus sicherer Deckung. Nicht, dass etwa einer das Megaphon ergreift und hineinplärrt: “Was soll das, alle zurück in den Sektor!” Nein, man beobachtet entspannt, wie sich der Stoßtrupp von den anrückenden Polizisten zurückdrängen lässt.

Die erste Linie der Polizei besteht aus etwa 60 Weiß-Behelmten, gefolgt von einer Linie von etwa 12 Hundeführern, dazwischen rot-behelmte Offiziere.

Personalien der Stürmer werden nicht aufgenommen, die Polizei zieht sich wieder zurück.

In Anlehnung an den vom Block-West verehrten Indianerhäuptling, könnte man die Szene als einen indianischen Initiationsritus deuten, bei dem sich die jungen Krieger bewähren müssen.

Es ist sehr betrüblich zu sehen, dass der Hausherr bei der Szene nur zuschauen muss und wieder einmal Szenen ausgestrahlt werden, die im Hintergrund nicht ein leeres Stadion, sondern ein Spielfeld voll mit Polizei zeigt. Hier im Bild Hans Krankl und Lothar Matthäus, Gäste von Sky-Sport.

Das Bild, das die Zuschauer zu Hause sehen, zeigt das Polizeiaufgebot am Spielfeld. Schlechte Werbung für Fußball und noch schlechtere für Rapid selbst.

Sollte jemand meinen, das wäre eine klein Gruppe von Chaoten gewesen, dann glaube ich das nicht. Alles verlief unter Duldung der Block-Granden ohne einen Versuch ihrerseits, die Aktion zu stoppen. Schädigung des Vereins wird hier ganz bewusst in Kauf genommen.

Gut gelaunt, ja, vor dem Spiel: Arnold, Florian und “Andy”son.

Rapid ohne Block West?

Solange alles läuft, gibt es Lob für den Block-West. Der Block sorgt für Stimmung und lockt Zuschauer an, weil bei Rapid, da ist was los!

Beim letzten Derby im Happel-Stadion konnte die Austria gerade einmal 11.000 Zuschauer motivieren, ins Stadion zu kommen, heute waren es 26.000 und ein ausverkauftes Haus. An diesen Zahlen hat der Block-West einen wesentlichen Anteil. Einerseits durch seine eigene Größe, anderseits durch seine Werbewirkung in Richtung der anderen Tribünen.

Es gibt aber auch Kritik darüber, dass möglicherweise die Duldung der Eskapaden des Blocks schädlicher wäre als seine positiven Aspekte. Kritik über die vielen Strafzahlungen, die der Verein ohne mit der Wimper zu zucken für seinen Block bezahlt, Kritik über das Negativ-Image des Blocks, welches in den Medien immer als Negativ-Image von Rapid transportiert wird. Kritik über die praktisch verschenkten Abokarten. Und heute wieder so eine entbehrliche Aktion.

Eine weitere Kritik möchte ich dieser Liste anfügen. Nach meiner Ansicht, haben wir es auch dem Block zu verdanken, dass der Sponsor Gazprom sich auf das violette Dress verirrt hat. Drehen wir nämlich die Zeit auf das Jahr 2008 zurück, brachte sich damals die ÖMV als Sponsor für Jugendaktivitäten bei Rapid ein, sogar die Nord-Tribüne wurden eine zeitlang OMV-Tribüne genannt. Mit dem Platzsturm 2011 änderte sich aber das Image von Rapid und das Jugendengagement der OMV bei Rapid war Geschichte.

Die OMV wechselte zur Austria. Es kann natürlich sein, dass für diesen Wechsel ganz andere Gründe maßgeblich waren, doch solange man sie nicht kennt, ist es nicht unplausibel, das sich das damals stark verschlechternde Image von Rapid als die Ursache zu vermuten. Wenn das aber so ist, dann ist der damals durch den Block angerichtete Schaden als extrem zu bezeichnen.

Mit so viel “Dreck am Stecken” ist es eine Anmaßung, sich in die Führungsagenden des Vereins einzumischen. Die These, dass man sehr viel für den Verein leiste und sich daher ein Mitspracherecht erwarte, das zählt nicht, weil ein Fußballverein so nicht funktioniert. Es gibt jede Menge Personen und Gruppen, die viel für Rapid leisten und dennoch nicht den Anspruch erheben, bestimmen zu wollen, wer Trainer sein soll.

Jetzt wären die Kalkulanten aufgerufen, dieses Pro und Kontra Block-West in Zahlen zu gießen und uns dann zu sagen, ob es sich tatsächlich rechnet, sich einen Block als Mitregenten zu leisten. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung sozusagen.

So positiv die Leistungen des Blocks für Rapid sein mögen, man muss dem den in den 3 Jahrzehnten entstandenen Schaden und Imageverlust entgegenhalten. Ich weiß ja nicht, was bei einer solchen Gegenüberstellung herauskommt und es wird auch davon abhängen, wer sie erstellt, aber es könnte ein Spiegel für den Block sein, so etwas wie die Sichtbarmachung einer Grenze, also von etwas, nach dem der Block ohnehin ständig sucht. Hier wäre sie, die Grenze, und bitte keinen Schritt weiter!

Adidas Captain Jacket Limited Edition

Der Verkaufsbeginn dieser Jacke wurde für 10:00 im Fanshop und im Online-Shop angekündigt. Wenn wir schon nichts gewinnen, dann wenigstens gut gekleidet. Ankündigungsvideo gelesen, Rechner auf rapidshop.at eingestellt – und – ein bisschen zu lange gewartet, denn um 10:07 waren nur mehr S und XL verfügbar…

… und einige Minuten später war die Jacke ausverkauft.

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Austria-Rapid

0:4 (0:2)

Ein letzter Blick ins Happel-Oval bei einem Derby:

Dass das Spiel im Happel-Stadion stattfand, war kein schlechtes Omen, hat man doch dort die zwei letzten Derbys gewonnen. So lange man in Hütteldorf noch nicht so wirklich angewachsen ist, muss man wenigstens auswärts punkten. Und so war es auch. 

Violett war unter stärkerem Zugzwang als Rapid. Es gilt für die Veilchen, den Fünften, die Admira, zu überholen. Dazu fehlten vor dem Derby 7 Punkte und nach dem Derby ebenso, weil auch die Admira verloren hat. 

Unter diesem Zugzwang baute man auch Druck auf, der aber nicht von Erfolg begleitet war, vielmehr kassierte man im Gegenzug ein Tor durch Stefan Schwab. Aber dieses erste Tor war noch nicht typisch für die Konterstrategie, die Goran der Mannschaft mitgegeben hat. Die Sturmspitze Philipp Schobesberger sollte mit langen Bällen versorgt werden und seine Schnelligkeit ausnutzen. Das hat auch einige Male sehr gut funktioniert. Und wenn es auch nur ein solches Tor gab, bot doch das Spiel weitere gleichartige für die Zukunft vielversprechende Übungsszenarien. Die weiteren Tore durch Murg, durch Schobesberger und schließlich durch Kvilitaia. markierten den höchsten Sieg in einem Derby seit 1981 und – beschränkt man sich auf Auswärtssiege seit 1946.

Was mich aber sehr beeindruckt hat, war dieses Pressing auf allen Positionen, kombiniert mit einem starken Kollektiv. Drei gelbe Karten für Rapid und keine für die Austria zeigen das recht deutlich. 

Wir können gespannt sein, wie das Trainerteam an die schwierigere Aufgabe in Graz herangehen wird.

Ambiente

Als der neue Stadionsprecher der Austria Wolfgang Slavik die Legende Thomas Parits zum Mikrofon bat und das Publikum zu einen Begrüßungsapplaus aufforderte, was es still im Stadion, ganz still. Viel Arbeit wartet auf Wolfgang, je nachdem, wie er oder sein neuer Arbeitgeber seine Rolle definiert. (Stadion-Moderation)

Die Transparente und Spruchbänder im ersten Rang CD waren fast zu groß für das vergleichsweise klein Häuflein jener, die es hochhalten sollten. Der Text war an Peinlichkeit kaum zu überbieten, denn wer von uns weiß schon, wie so ein Spiel ausgeht. Hoffen tun wir alle, wissen tun wir nichts. Wir haben schon zu oft verlieren gelernt, als dass wir einen Start-Ziel-Sieg prognostizieren würden. Der gegnerische Anhang ist noch nicht so weit in der Einsicht, dass man ja auch verlieren kann. Und daher titelte man naiverweise: “Hütteldorf zerstören” und “Unsere Nachricht gibt Euch zu verstehen, der Feind muss heute kläglich untergehen.” 

Was dieses Wien alles aushalten muss: “Wien sind wir”, meinte die gegnerische Fantribüne:

Aber nur die VIP-Tribüne war gut gefüllt. Und das zeigt, wie man Fußball beim Stadtrivalen sieht: es genügt, die betuchten Fußballbegeisterten zu betreuen, die sonstigen Anhänger speist man mit einer außerordentlichen Mitgliedschaft ab. 

Auch der Umstand, dass man bei diesem Spiel an Besucher von der Straße keine Karte verkauft, sondern nur an eigene Mitglieder und Abonnenten, unterstreicht die Tendenz zu einem Fußballspiel mit angepassten Zuschauern und unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Fan als unerwünschter Störfaktor. 

Dass aber viele Fans Grund zur Freude sein können. das weiß man bei den großen Klubs in der ganzen Welt; dass diese Fans auch Probleme machen können, auch. Und das ist auch bei Rapid bekannt auch der Grund, warum der Rapid-Fanblock immer sehr gut betreut wird. Nicht nur von den Profis der Securitas in gelb sondern von fast noch mehr grünen Mitarbeitern des Rapid-Klubservice unter der Leitung von Andy, Robert und Gernot.

Genau die Konflikte mit den Fans sind es, die Fußballvereine zu lösen haben, daran müssen sie arbeiten. Und das geschieht nicht durch Aussperren sondern durch Aufsperren und durch Einladen aller, die zu dem Geschehen beitragen wollen. Genau das macht Rapid und genau das versteht man anderswo anders. 

Steffens letztes Derby

Die Einwechslung von Steffen Hofmann wurde heftig eingefordert und durch den Spielstand begünstigt. Nach dem Spiel wurden die Mannschaft mit “Wir wollen Rapid sehen” noch auf das Spielfeld gerufen und Steffen wurde von seinen Kollegen auf den Schultern getragen. Ein starker Abgang! 

Nachdenklicher Feldherr

Der Normalfall wird sein, dass der Geschäftsführer sich im Bereich des VIP mit den Kollegen des jeweiligen Gegners austauscht. Bei diesem Spiel war er aber im Kreise der Fans auf F2. Christophs Anwesenheit ist ziemlich bemerkenswert,  könnte aber auch aufgrund der doch recht eigenartigen Reaktionen des Gastgebers erfolgt sein. Die geplante gemeinsame Pressekonferenz der beiden Trainer vor dem Spiel wurde seitens der Austria abgesagt. Auch eine Art Sippenhaftung. “Mit einem Verein, der solche (tollen) Fans hat, setzen wir uns nicht an einen Tisch.” könnte es geheißen haben. Wir haben uns jedenfalls sehr über diese Wertschätzung der Fans gefreut. 

Und die Stimmung, die von F3 auf F3 überschwappte, war wirklich bemerkenswert. Anfangs hat mich der Geräuschpegel noch irritiert, weil man vom Spielgeschehen ziemlich abgelenkt wird. Aber es gibt ein gutes Mittel dagegen: mitklatschen und – sofern man textkundig ist – mitsingen. 

Die Haltung von Verein, Liga und Polizei zur pyrotechnischen Folklore im Fanblock ist noch völlig unklar. Derzeit herrscht eine Art “Beibehaltung des Status Quo”. 

Historisch

Wir haben tatsächlich einen historisches Sieg erlebt, denn man muss ganz schön alt werden, um zwei solcher Sensationen mitzuerleben. Einen Auswärtssieg in dieser Höhe (Tordifferenz 4) gegen die Austria gab es nur am 25.5.1946 (5:1) und am 5.12.1915 (4:0). Ein 10:1 im Kriegsjahr 1941 blenden wir hier aus. Bei Heimspielen schaut es etwas besser aus, da war es 1981 (5:1), 1974 (4:0), 1966 (4:0), 1957 (4:0), 1947 (7:2), 1938 (5:1), 1917 (6:1), 1915 (9:0), 1913 (4:0). Also tatsächlich eine fußballerische Rarität.

Für die Fans spielen

Die Worte der Spieler nach dem Spiel zeigten, wie wichtig es ihnen ist, dass die sich freuen, den Fans etwas zurück zu geben. Dass man für jemanden gewinnen will, scheint mir ein wichtigeres Motiv zu sein als der eigene Kontostand. Und umso mehr hat man den Eindruck, dass die Arbeit des Trainerteams eine sehr nachhaltige ist und man beginnt, die Ernte der mühsamen Trainings einzufahren. 

Anfahrt

Eigentlich haben wir dem Besuch von Austria-Heimspielen schon eine Absage erteilt, allerdings aus genau den umgekehrten Gründen, die Markus Kretschmer anführt, wenn er sagt, er müsse seine Schäfchen vor den Übergriffen der Grün-Weißen schützen. Schon seit dem Spiel am 7. August 2016 (4:1 für Rapid)  haben wir kein einziges dieser Auswärts-Spiele besucht, weil wir uns im Sektor E des Happel-Stadions von violetten Fans angegriffen gefühlt haben, die vom Sektor C über die Zäune  geklettert sind und völlig unbeteiligte Besucher attackiert haben. Aber da es nunmehr das letzte Derby im Happel-Stadion sein wird, und Andy Marek für die Längsseitensitzer einen zusätzlichen Sektor ausverhandelt hat, sind wir doch im Sektor F2 dabei. (Danke Andy Marek!) 

Die Anfahrt erfolgt wetterbegünstigt mit dem Rad. Ausklang im Gasthof “Zur goldenene Möwe” in der Favoritenstraße und einem Eis beim Gavaz. Favoritner Highlights eben. 

Links

EwkiL: Bericht · Bilder · News vom Tage · Statistik

Rapid-Austria

1:1 (0:0)

Wenn die Spieler so nervös waren wie wir Zuschauer nach fast zweimonatiger Spielpause, kann man vielleicht verstehen, warum wir eine insgesamt schwache erste Halbzeit gesehen haben. Dass  dann noch Stefan Schwab vor der Pause verletzt vom Platz musste, ließ schon das Schlimmste für den Spielausgang befürchten. Aber der eingewechselte Thanos Petsos hat seine Sache gut gemacht. 

In der Pause sehnten wir uns nach einem Tor, damit sich das Spiel belebt. Genau so war es dann auch. Aber so haben wir uns das natürlich nicht vorgestellt. Wir dachten eher an ein Führungstor von Rapid. Doch durch einen unkontrollierten Abpraller landete der Ball ziemlich zufällig von der Füßen von Monschein. Es war, als ob Rapid erwacht wäre. Der Ausgleich gelang postwendend durch Ljubicic und im Schlussteil des Spiels hatte Rapid noch drei tolle Chancen von Schobesberger, Joelinton und Petsos,  die aber keine Punkte bringen und bestenfalls Hoffnung geben, dass es irgendwann doch klappen könnte; mit einem Heimsieg gegen die Austria.

Mit dem Ergebnis kann Rapid besser leben und liegt weiterhin 8 Punkte vor der Austria, die vom LASK überholt wurde und nunmehr auf Platz 6 abrutscht. 

Feine Choreografie

Eine tolle zweiteilige Choreografie des Block-West leitete das Spiel ein. 

Die Spruchbänder waren für das Publikum uninteressant bis unverständlich.

Das Jubiläumsjahr der Ultras beginnt, denn das Vorsängerpodest ziert bereits ein Transparent “30 Jahre Ultras Rapid”.

Provokateure, zu Gast in Hütteldorf

Ich erinnere mich an das Spiel gegen den LASK in Pasching, als ebenfalls Feuerzeuge gegen unseren Tormann geworfen wurden, er diese seelenruhig aufgehoben und aus dem Spielfeld befördert hat. Es fand keine weitere Erwähnung in der Presse. 

Warum das bei Spielen gegen die Austria so nicht funktioniert, liegt wahrscheinlich auch an den acht Punkten Abstand und dem damit verbundenen Druck. Wäre es umgekehrt, könnte man vielleicht mit einer gewissen Großzügigkeit des Stärkeren über diese Kleinigkeiten hinwegsehen. So aber muss man alle Möglichkeiten nutzen, um eventuell zu einem unerwarteten Punktgewinn zu kommen. Dazu gesellt sich die Persönlichkeit des Raphael Holzhauser die für solche Szenen wie geschaffen ist. Daher setzte sich der Arbeitsstil des R.H. in bereits vom letzten Heimderby bekannter Weise fort. 

Ecke 1: 193 cm groß, 88 kg schwer, gerade frisch von ein-monatigen Training topfit zurückgekehrt; dieser Riese geht nach einer Berührung mit einem Feuerzeug zu Boden wie nach einem Haken von Mohamed Ali

Ecke 2: Ein Becher landet am Spielfeld, gar nicht von der “bösen” Süd- sondern von der “guten” Ost-Tribüne. Der Schiedsrichter sieht den Becher zuerst gar nicht. Statt ihn einfach in Out zu kicken, wird auf den schrecklichen Gegenstand am Spielfeld hingewiesen, worauf das Spiel unterbrochen wird. 

Kein anderer Violetter macht ein solches Theater, bei keinem anderen Violetten gibt es solche Probleme. Nach dem kommenden Auswärtssieg von Rapid im Happel-Stadion am 15.4.2018 wird die Zeit das Holzhauser-Problem gelöst haben. 

Natürlich haben alle diese Gegenstände nichts am Spielfeld verloren. Ich erinnere mich an die damals mit Ottakringer-Sonnenschirmen abgefangenen Bierduschen in der Nord-West-Ecke des Hanappi-Stadions. Neu ist das nicht, gescheit ist es nicht. Aber man hat es sich noch nicht abgewöhnt. Von den vielen Möglichkeiten zu lernen, wählen die Unbelehrbaren den beschwerlichsten Weg, den, der Sanktionen nach sich zieht, weil dem Verein dazu leider nichts anders einfällt, weil die Appelle ungehört zu verhallen scheinen. Einen Plärrer aus dem Megafon des Vorsängers habe ich auch vermisst. Wie unkooperativ der Block in seinen Gesängen verharrt ist und auf die Ermahnungen von Andy Marek nicht reagiert hat, deutet fast auf eine Art Machtkampf hin. Vielleicht eine kreativ-destruktives Verhalten zu emotionalen Dekoration des 30-Jahr-Jubiläums?

Quoten

Wenn sich unsere Erwartungshaltung in den Quoten der Buchmacher niederschlägt, dann ist es weiter nicht verwunderlich, wenn wir das Stadion enttäuscht verlassen. 1,45 : 4,00 : 6,00 lautete die Prognose.

Mit etwas mehr Realismus, wäre die Enttäuschung nicht gar so groß.

Bei diesem Spiel wäre auch jeder andere Ausgang möglich gewesen   , vom Abbruch und daher klarem Sieg für die Austria, bis zu einem klaren Sieg für Rapid, denn das Gegentor war wegen des für alle Beteiligten nicht vorhersagbaren Querschlägers nicht zu verteidigen. Und wenn nur eine dieser drei Großchancen verwertet worden wäre…

Fußball ist ein Hätti-Wari-Spiel. 

Links

Rapid möge gewinnen

Vor dem Spiel

Bei Rapid ist es vielleicht so ähnlich wie bei Dortmund, nur in kleinerem Rahmen. Ein vergleichsweise großer Verein bringt seine PS nicht so ganz auf den Rasen. Die beiden letzten Derby-Siege waren zwar wohltuend, aber man hat nicht immer so viel Glück.

Wenn jemand  – wie die Austria – in der ständigen Position des Zweiten ist (und das ist sie auch dann, wenn sie einmal ein Derby gewinnt), dann muss er versuchen, mit unorthodoxen Mitteln zum Erfolg zu kommen. Und die Austria macht genau das, sie provoziert. Egal, ob es die Rekordmeister-Debatte ist oder die Spielchen von Raphael Holzhauser. In dieser Hinsicht haben sich die Austrianer enorm „verstärkt“ und mit Stangl einen zweiten Provokateur geholt. Stangl hat in einem Interview gesagt, die 24.000 Zuschauer würden nur wegen ihm kommen. Nicht, dass er das ganz ernst gemeint hätte, aber wenn man im Hintertreffen ist, muss man eben versuchen, auf anderen Ebenen zu punkten.

Wir waren beim Stammtisch und unser Kapitän hat sich sehr gelassen gegeben. Mein Eindruck ist, dass man bei Rapid sehr großen Wert auf den Charakter der Spieler legt. In ihnen liegt auch ein großes gesamtheitliches Erziehungspotenzial für die Anhänger. (Insofern sind Ausrutscher wie die Aktion von Dejan Ljubicic besonders unerwünscht.)

Fanblöcke

Wenn ich die beiden Fanblöcke charakterisieren sollte, dann fällt mit dazu folgendes ein: der Rapid-Fanblock wirkt auf die eigenen Fans anziehend, der Austria-Fanblock auf die eigenen Fans abstoßend. Der Grund für die Akzeptanz bei Rapid dürfte die unpolitische Grundtendenz sein, die Ablehnung bei der Austria die Präsenz extremer Ideologien. Eine unmittelbare Folge ist, dass sich durchschnittliche Austria-Anhänger nicht in den Auswärtsblock stellen und dieser daher peinlich leer ist und man den Eindruck hat, als müssten diese Fans 1000 Kilometer anreisen.

Warum ist das so? Grundsätzlich wollen ja alle Gruppierungen wachsen, also auch ein Fanblock. Bei Rapid hat man nach ziemlich extremen Anfängen erkannt, dass Politik im Block nichts verloren hat, will man nicht von extremen Gruppen vereinnahmt werden. Vielleicht hat sich sogar aus den Versuchen des rechtsextremen Gottfried Küssel in den 1980er Jahren, den Rapid-Fanblock zu dominieren, auch die Ultras-Bewegung gebildet, die diesem Versuch entgegengetreten ist. Genau das dürfte bei der Austria nie gelungen sein.

Vielleicht hat aber die Zusammensetzung des Austria-Fanblocks den historischen Grund, dass die Austria – wie im folgenden Wirtschaftsvergleich gezeigt wird – mehr Sponsoren hat, obwohl diesen Sponsoren nicht annähernd jene Öffentlichkeit geboten wird wie sie bei Rapid gegeben ist. Diese bessere Vernetzung der Austria mit der Wirtschaft dürfte in die Anfänge des Vereins (damals im wohlhabenden Hietzing beheimatet) zurückreichen und wurde in der Zeit von Joschi Walter in den 1960er Jahren vertieft, mehr als das damals bei Rapid der Fall gewesen sein dürfte. 

Dieser historische Vorteil des besseren wirtschaftlichen Standing hat dann möglicherweise den ebenso historisch gewachsenen Nebeneffekt als Nachteil, dass es dem Verein nicht notwendig war, sich besonders um Fans kümmern zu müssen, denn das Geld war da, auch ohne Fans. Für diese Sichtweise spricht, dass die Austria kein wirklicher Anhängerverein ist, weil nur eine kleine Gruppe von etwa 300 Personen tatsächlich stimmberechtigt ist. (Siehe Wikipedia-Eintrag FK Austria Wien, Abschnitt Vereinsstruktur).

Druck liegt auf der Austria

DerStandard, 2.2. Fredy Bickel: “Sollte es schiefgehen, würden wir nicht daran zerbrechen. Richtungsweisend ist sie für die Austria, die hat den Druck.”

Kadervergleich

  Austria Rapid
Marktwert
nach Transfermarkt
27 Mio 25 Mio

Marktwerte >= 2 Mio

4,00 Louis Schaub
3,00 Raphael Holzhauser
2,50 Philipp Schobesberger
2,25 Felipe Pirez
2,25 Lucas Venuto
2,00 Stefan Schwab
2,00 Alexander Grünwald
2,00 Domink Prokop

Wirtschaftsvergleich

DerStandard vom 30. 1. titelt, “Rapid hat die Mitglieder, Austria die Sponsoren”. Auch so eine Vereinfachung. Wenn man die im Artikel angegebenen Wirtschaftszahlen etwas anders darstellt, hat man den Eindruck, als würde beim Derby ein David gegen Goliath auftreten. Beim Sponsoring liegt die Austria zwar um 20% voran, aber bei den Mitgliederzahlen übertrifft Rapid die Austria mit 520%, bei den Einnahmen sogar um 614%,

  Austria Rapid      
Gewinn 0,16 2,3   Millionen 1.338%
Eigenkapital 1,4 12,5   Millionen 793%
Mbeiträge 0,21 1,5   Millionen 614%
Mitglieder 2.500 15.500     520%
Umsatz 32 42   Millionen 31%
Mitarbeiter 140 150     7%
Sponsoring 12 10   Millionen -20%

Nüchterner betrachtet, ist es aber so, dass man Rapid mit der bereits zweiten Saison im neuen Stadion mit einer Austria mit Baustelle vergleicht. Daher kommen also die meisten der riesigen Unterschiede und es wird interessant sein, diese Zahlen in zwei Jahren wieder zu vergleichen.

Ein alternativer Titel wäre gewesen: “Austria, ein erfolgreicher Verein ohne Zuschauer”. Es dürfte an der Zeit der letzten 50 Jahre liegen, wahrscheinlich aber noch weiter zurück reichen, dass unser Stadtrivale beste Beziehungen zur Wirtschaft hat und von dort Gelder lukriert, die nicht unbedingt ihren Gegenwert in einem Werbeeffekt suchen. Auch der unterstützende Bürgermeister ist eine nicht unerhebliche Hilfe. Aus diesen Gründen erscheint es der dortigen Vereinsführung nicht das wichtigste, viele Anhänger zu haben, denn Geld gibt es genug, auch ohne Zuschauer. 

Zuschauer bringen Geld, nicht umgekehrt

Wenn ich das Phänomen “Fußball” bisher richtig verstanden habe, sind Zuschauer das wichtigste Element beim Fußball überhaupt, nicht das Ergebnis oder das Geld. Das Geld wir durch das Interesse, also durch das Einschalten des Fernsehers, durch den Stadionbesuch und eine gewisse Opferbereitschaft generiert. Fußball, der die Massen in seinen Bann zieht! Das ist es. Egal, ob mit oder ohne Geld in der Vereinskasse. Fußball ist erfolgreich, wenn er den Wettbewerb mit den vielen anderen Freizeitbeschäftigungen für sich entscheidet und die Menschen in das Stadion oder wenigstens vor den Fernseher bringt. Und genau dabei kann er seine Botschaften an das Publikum aussenden, die da lauten: Fairness, Respekt, Toleranz, Religionsneutralität, Antirassismus, Kameradschaft. Diese Botschaften werden durch Teile des Publikums nicht in dieser Form gelebt aber irgendwie gilt: “Steter Tropfen höhlt den Stein”

Ohne Publikum ergibt Fußball keinen Sinn.

“Die Wahrheit liegt am Platz”

Aber das alles ist Theorie, denn “die Wahrheit liegt am Platz” (Otto Rehhagel) und diese Wahrheit wird morgen am Spielfeld ausgehandelt. 

Vergessen sind die wirtschaftlichen und historischen Unterschiede, es kämpfen elf Grün-Weiße gegen elf Violette und Journalisten neigen zur Präambel: “der Bessere möge gewinnen”. Aber so sehen wir das natürlich nicht, denn es gilt natürlich: “Rapid möge gewinnen”.

Pressemeldungen

Wenn Du die Pressemeldungen im Vorfeld des Derbys zusammengefasst haben willst, hier bitte als Link mit einem Kurztext:

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Rapid-Viertelstunde vom 2.2.

  • Zum Video
  • Vorschau auf das 325. Wiener Derby
  • Rapidler räumen Auszeichnungen ab
  • Die SK Rapid Fantour
  • Das Jahrhundertderby
  • Thomas Hickersberger im Interview  

Austria-Rapid

0:1 (0:0)

Eine prognostizierte Schwäche der Austria war vielleicht in der Anfangsphase spürbar, verflüchtigte sich aber im Laufe des Spiels, weil uns keine Tore gelungen sind.

Gut, dass sich die Dinge nicht identisch wiederholen, auch wenn sie sich zunächst ganz ähnlich anfühlen.

Gemeint ist der späte Ausgleich nach einer Roten Karte im ersten Auswärts-Derby mit Damir Canadi im Februar nach der Winterpause. Damals wurde Joelinton ausgeschlossen (eher nicht zurecht), heute war es Galvao (eher zurecht).

Aber es war ähnlich knapp und wir hatten heute das glücklichere Ende für uns.

Dass man hätte auch schon Elfer für Rapid (nach einem Foul von Holzhauser an Schobesberger) oder für die Austria (nach einem absichtlichen Hands von Stefan Schwab nach einem Freistoß) geben können, zeigt, wie nahe Sieg und Niederlage beisammen liegen.

Rekordmeisterbar

Was sich aber wiederholt hat, war unsere Abwesenheit im Stadion. Wir waren zuletzt beim 4:1-Sieg von Rapid im Prater. Die damaligen sehr unangenehmen und aggressiven Begleitumstände haben uns bewogen, kein Geld mehr in die Austria-Kasse zu spenden und uns dieses Spiel in der Rekordmeisterbar anzuschauen.

Und wieder waren wir mit Markus und Georg an einem Tisch. (Beachtet die leeren Sitze im Hintergrund. Beispiel spiel im Februar war der Besuch besser.)

Was wäre wenn…

…die Rapid-Anhänger ebenso geschlossen wie sie in anderen Situationen auftreten, einmal das Auswärtsderby nicht besuchen würden. Einfach nur, um zu zeigen, in welch gebrechlichem Zustand sich die Fankultur des Stadtrivalen befindet.

Nehmen wir an, dass ein attraktiver Gegner zur Austria kommt, sagen wir Sturm Graz. Dann kommen ca. 6.000 Zuschauer (20. Juli); und davon sind 1.000 Grazer.

Rapid erweckt den Gegner nicht nur am Feld zum Leben, auch in der Zuschauerstatistik. Es wird von etwa 14.000 Zuschauern gesprochen. Davon sind geschätzt 9.000 Rapidler.

Es wird nur mehr ein Auswärtsderby im Prater geben. Ich schlage vor, wir bleiben einfach daheim und veranstalten in Hütteldorf ein Public Viewing.

Ob das ein Nachteil für das Ergebnis wäre?

Glaubt man dem Autorenteam von “Der Fußball . Die Wahrheit”, neigen Zuschauer ihren Einfluss auf das Geschehen zu überschätzen. Das wird im Kapitel “Das Publikum zeigt Gelb” dargelegt. Und daher müssten wir uns um einen solchen Nachteil keine Sorgen machen. Der Nachteil eines leeren Stadions ist viel geringer, als man annehmen würde.

Die Stürmer

Die Spiele vergehen, und wir Zuschauer können das Pech oder Unvermögen unserer Stürmer nicht mehr verstehen. Die Flanke von Schaub auf Kvilitaia war sicher kein leichter Ball aber dieses sich permanent wiederholende Pech beim Abschluss ist einfach zermürbend.

Welche Gründe dafür gesprochen haben, schon wieder einen durchschnittlich qualifizierten Ausländer (Veton Berisha) als Stürmer anzuheuern und stattdessen einen inländischen Nachwuchsstürmer (Alex Sobczyk) nach St. Pölten zu verleihen, bleibt für uns ein Rätsel. Dem jungen Spieler würde man Schwächen eher nachsehen, er kann ja noch lernen; aber die ausgerufene Doktrin war doch, dass ein Legionär klar überzeugen muss, wenn er aufgestellt wird. Es mag sein, dass das im Training der Fall ist, im Spiel sieht man es jedenfalls nicht.

Das Juwel

Zeitungen neigen zum Übertreiben und sprechen von einem “Ultimatum”, dass Rapid an Philipp Schobesberger gestellt haben soll. Philipp wird wohl im Sommer gehen wollen und damit er auch von potentiellen Arbeitgebern wahrgenommen wird, wird er sich hoffentlich in der laufenden Saison bei Rapid so in Szene setzen, wie er das in den letzten Spielen gemacht hat. Und es wäre ein fairer Zug von ihm, wenn er dennoch einen Vertrag bei Rapid unterschreiben würde. Bei seinen Qualitäten wird sich problemlos ein Verein finden, der eine Ablösesumme für ihn hinblättert. Ein vertragsloser Abgang hätte einen Hauch von Undankbarkeit an sich, denn die Investitionen von Rapid in seine Gesundheit waren ja auch nicht ohne.

Hoffnung

Die Erfolgskurve zeigt klar nach oben (wie knapp die Ergebnisse waren, berücksichtigt sie nicht).

Ambiente

Wir waren nicht dabei und haben uns an Fotos von Rositta orientiert. Der Austria-Sektor titelte: “Erhebt Euch von den Plätzen, den ungeniert ziehen wir Euch in unseren Bann. Schaut Euch alle das fanatische Spektakel zu, 15. Jubiläum der Fanatics an.” Die Lords konterten mit “Strizzis & Ganoven”. So wirklich dürfte beides niemanden von den Sitzen gerissen haben.

Wenn man den kleinen Haufen Austrianer in dem riesigen Oval sieht, hat man den Eindruck, als bräuchte die Austria eher ein kleineres Stadion, damit es wenigstens ein bisschen voller ausschaut.

Aber diese Szene zeigt uns, dass eben weder Tradition noch Publikumszuspruch Fußball spielen. Beides stärkt unser eigenes Zusammengehörigkeitsgefühl aber am Spielfeld regiert der im Augenblick vom Zufall und den sonstigen Randbedingungen Begünstigte.

Links

Bilder aus dem Stadion von Rositta.

Stellungnahmen zum Derby

…von Mag. Christoph Moser, Obmann des Rapid Fanklubs “Grün Weiße Distel”

Wir wollen an dieser Stelle die Leser des Tagebuchs ermuntern, uns ihre persönlichen Eindrücke zuzusenden, wir geben sie an dieser Stelle gerne weiter. 


“Neues Volksblatt” vom 7. August 2017

Ihrem heutiger Kommentar (“Neues Volksblatt” vom 7. August 2017, Seite 23), in dem Sie unter dem Titel “Keine Gnade” dazu aufrufen, “den bestens vernetzten Lieblingsklub einiger hochrangiger Politfunktionäre mit empfindlichen Strafen zu belegen”, weil es beim gestrigen Derby zu einer Spielunterbrechung gekommen war, muss auch von mir als Derby-Besucher argumentativ widersprochen werden  –  leider zeigt er wieder einmal deutlich die Hauptschwäche des heimischen Sportjournalismus nach Lesermeinung auf, nämlich einseitige Sichtweisen ohne die gerechtigkeitsgebotene “gesamtheitliche Betrachtung”!

Was war geschehen? Nach 85 Minuten tollster Stadion-Atmosphäre in Hütteldorf, die nicht nur in der hiesigen Fußballwelt ihresgleichen sucht und die  –  wenn’s der Journaille “passt”  –  auch als vorbildhaft gelobt wird, entlud sich der Zorn zehntausender Augenzeugen letztendlich an dem über die gesamte Matchzeit überforderten Schiedsrichter und an Rapid-Gegnern, die den sogenannten “fair play”-Gedanken bedauerlicherweise über Gebühr mit den Füßen getreten hatten. Harkam, der seine Entscheidungen regelmäßig mit enormem Zeitverzug traf und somit unnötige Hektik ins Spiel brachte, hätte insbesondere den provozierenden Austrianer Holzhauser wegen Brutalfouls schon längst mit “Glatt-Rot” vom Platz stellen müssen, vom vorenthaltenen Elfmeter für Rapid und dem von ihm tolerierten unsportlichen violetten Zeitschinden gar nicht zu sprechen… Einige Wenige machten ihrer Empörung darüber Luft, indem sie Wurfgeschosse in Richtung Spielfeld warfen  –  obwohl dabei nichts passierte, die Sicherheitspolizei wird sie dafür vermutlich zur Rechenschaft ziehen! Tausende Andere, die sich ihrerseits besser beherrschen konnten, fraßen ihre Wut über das Miterlebte vorerst einmal in sich hinein, stellten sich danach aber schon die Entscheidungsfrage, ob man angesichts laufender miserabler Schiedsrichterleistungen, listiger gegnerischer Verhaltensweisen, eigener Stümperhaftigkeit und willkürlich festgelegter Spieltermine das Produkt “Bundesliga-Match” überhaupt noch live konsumieren soll… Wenn ich mir die Kommentare der so wie ich im Zug nach Oberösterreich heimreisenden Hundertschaften jedoch neuerlich vergegenwärtige  –  sie werden alle wiederkommen, um “ihre Rapid” zu unterstützen, unabhängig gegen wen und wann!

Schon nach dem letzten Gastspiel Rapids in Ried stellte sich das (von mir grundsätzlich sehr geschätzte und daher täglich gekaufte) “Neue Volksblatt” zu meinem Missfallen an die Spitze derer, die den SCR wegen des Zulassens einer einflußreichen Fanszene geißelten (sind stadionbezogene “Salzburg-Verhältnisse” tatsächlich gewünscht  –  hängt das zehnmalige CL-Qualifikationsscheitern von Red Bull nicht auch damit zusammen?). Ich bezweifle, dass Sie oder Ihre Kollegen Einblick in die Diversität des Österreichischen Rekordmeisters haben  –  stereotype Erzählungsmuster ohne Berücksichtigung des Fairness-Grundsatzes “et audiatur altera pars” werten die Qualität jeder Berichterstattung ab, der Verzicht darauf ist logische Konsequenz! Nennen Sie vielmehr hinkünftig vermehrt das andauernde Schiedsrichterversagen und die zunehmende perfide Schauspielleistung Aktiver in der höchsten Liga beim Namen  –  darüber will jeder “richtige Fan” in seiner Stammzeitung lesen, weil er seine eigene Ansicht von Fachleuten bestätigt haben möchte!

Mit grün-weißem Gruß aus dem Salzkammergut nach Linz, Mag. Christoph Moser, 4822 Bad Goisern 


Wiener Zeitung vom 10. August

“Rekordmeister der Operettenliga”

Sehr geehrter Herr Mayr!

Durch Ihre heutige Abseits-Glosse mit dem Titel “Rekordmeister der Operettenliga” (Wiener Zeitung vom 10. August 2017, Seite 17), reihen Sie sich in die Reihe aller derjenigen Sportjournalisten ein, welche die fanbezogenen Vorkommnisse beim sonntägigen Derby dieser Tage zwar heftig kritisieren, die zwei wesentlichsten Ursachen dafür allerdings unerwähnt lassen (nämlich den über die gesamte Matchzeit völlig überforderten Schiedsrichter Harkam und einige sich selbst offenbar als “vorbildhaft” einschätzende Austria-Spielern, wie etwa Holzhauser, die sonntags den sogenannten “fair play”-Gedanken jedoch über Gebühr strapaziert hatten und damit Stadionbesucher/TV-Konsumenten entsprechend verstört haben). Noch viel mehr als diese unausgewogene Meinungskundgabe fiel mir aber noch Ihr Einleitungssatz negativ auf: “Ein beleibter Ordner  –  tätowiert, im Camouflage-Bermudas und in Schlapfen  –  pöbelt lauthals einen Spieler der Gastmannschaft an, endlich den Corner zu treten, …” Damit werden Sie gegenüber dem Betroffenen sehr direkt und bedienen außerdem boulevardmäßigst Klischees  –  ist eine solche Form der Artikulation einer Qualitätszeitung angemessen? Der SK Rapid hat diesen Ordner betreffend zwischenzeitlich bereits eine Klarstellung getroffen, sie scheint Ihnen  –  anders als vielen Anderen  –  aber nicht zu gefallen. Ich bin weder Anwalt des Genannten noch des Rekordmeisters, somit über die Hintergründe seiner jüngsten Tätigkeit nicht detailinformiert  –  von einem Redakteur der Wiener Zeitung, die bekanntlich eine betont liberale Blattlinie verfolgt, hätte ich mir die Recherche in puncto “eine neue Chance Geben nach früherem Fehlen” (samt näherer Ausführung darüber) hingegen schon erwartet!

Zweckdienlicher als einseitige Schuldzuweisung wäre es im Kommentar jedenfalls gewesen, unter Hinweis auf das vergangene Versagen mehrerer eigeninitiativ Wege zur künftigen Verbesserung aufzuzeigen, um dem Leser einen Stadionbesuch schmackhaft zu machen  –  wohl einer der Kernaspekte des Fußballberichterstatters…

Mit sportlichem Gruß, Mag. Christoph Moser, 4822 Bad Goisern 

PS.: Sie zitieren im Einleitungssatz ua. das Wort “Gastmannschaft”  –  als “Gäste” hätte sich der FAK in Hütteldorf sowohl am Feld als auch am Rang zu verhalten gehabt, aber über die absichtliche Zerstörung der Stadioninfrastruktur durch violette “Anhänger(?!)” erfährt man in Ihrer heutigen Ausführung leider ebenfalls nichts…

Rapid-Austria

2:2 (1:0)

Bis zum Anschlusstreffer waren eigentlich alle auf den Rängen höchst zufrieden. Rapid in Spiellaune, wie wir es von früher kennen. Dass Rapid nur 2:0 in Führung lag, war sehr schmeichelhaft für unseren Gegner und auch Schiedsrichter Harkam zuzuschreiben, der zunächst ein glattes Rot-Foul von Holzhauser als “Gelb” beschönigt hat und ein klares taktisches Gelb-Foul von Selbigem unmittelbar danach gar nicht ahndete. Weiters wurde ein klares Elfer-Foul an Joelinton im Strafraum nicht gegeben.

Der Gegentreffer fiel von der ungeschützten rechten Flanke, an der zwei gegnerische Spieler praktisch unbedrängt in den Strafraum vordringen können. Nach meiner Ansicht, zieht es Pavelic zu sehr in die Mitte und seine Verteidigungsposition rechts ist verwaist.

Den Elfer kann man geben, wo aber in einem voll besetzten Strafraum ein Torraub stattfinden soll, kann ein Zuschauer nicht verstehen. Überhaupt gibt es seit der EURO 2006 die Regeländerung, dass ein Torraub im Strafraum mit Geld+Elfmeter und nicht mehr mit Rot+Elfmeter zu ahnden ist. Siehe unseren Bericht über “Regeländerungen” vom Vorjahr.

Dass Schiedsrichter Harkam das Spiel unterbrochen hatte, nachdem Gegenstände auf Holzhauser geworfen wurden, war nichts so schlecht, denn trotz allem Unmuts über die Spielsituation sollten auch die wildesten der Wilden einfach so etwas nicht tun.

Schließlich präsentierte sich Steffen Hofmann in einer neuen Rolle als “Glätter der Wogen” und beschwichtigte einerseits den Fanblock und forderte den immer wieder provozierenden Holzhauser auf, doch endlich seiner Aufgabe nachzukommen.

Interpretation

Die Überlegenheit in der ersten Halbzeit und dann das tolle Pressing von Stephan Auer, das zum Ballverlust für den Gegner und zum 2:0 durch Louis Schaub führte, ließen uns eigentlich schon beruhigt auf die Uhr schauen, doch das Spiel wendete sich nach dem Gegentreffer zu unserem Ungunsten.

Wir vergleichen den aktuellen Spielverlauf gerne mit der Zeit des Ballbesitzfußballs unter Zoki. Unser Eindruck ist, dass Rapid unter Zoki in der zweiten Halbzeit sehr oft stärker aufgetreten ist als in der ersten Halbzeit. Wir führten das damals auf die gute Kondition zurück; es kann aber auch sein, dass der Ballbesitz nicht ganz so kräfteraubend ist wie das derzeit praktizierte, attraktive Pressing. Und daher könnte der Einbruch in der zweiten Spielhälfte auf die schwindenden Kräfte zurückzuführen sein. Dass also das sich wiederholende Ergebnis der beiden ersten Heimspiele der für diese Spielweise fehlenden Kondition zuzuschreiben ist.

In diesem Punkt gibt uns Helge Payer Hoffnung, indem er bei unserem Zusammentreffen am Freitag versichert hat, dass er damit rechnet, dass die Mannschaft in zwei bis drei Monaten so weit sein wird, dass sie dieses anspruchsvolle Spiel auch über 90 Minuten gehen kann.

Natürlich kann es auch sein, dass die Mannschaft durch die fehlenden klaren Heimerfolge noch etwas zuwenig sicher auftritt, und dass sie sich durch Gegentreffer noch zu sehr aus der Ruhe bringen lässt.

Stimmung

Zu dieser Stimmung im Stadion kann man nur anmerken, dass man sehr weit fahren muss, um Ähnliches zu erleben; genaugenommen ist es einmalig. Der Block-West stellt unsere Phantasie ganz schön auf die Probe. Wenn jemand weiß, was die Choreografie darstellen soll, bitte die Kommentarmöglichkeit nutzen.

Der Block-West begrüßt mit: “Erst wenn wir die Veilchen leiden sehen, spüren wir Befriedigung”.

Die Gäste begrüßen uns mit einem ähnlich unfreundlichen “Scheiß auf Hütteldorf”…

… und “Wir zerreißen uns für unser Team, auch im schirchsten Ort vor Wien”.

Dass ein Team beim Aufwärmen begrüßt wird wie ein Champions-League-Sieger, findet man weder in Deutschland noch in England in einer vergleichbaren Weise vor.

Hier ein Blick auf die mit vielen Legenden prominent besetzte VIP-Tribüne:

Unter der Tribüne

…serviert man seit dem Derby keine Nudeln mehr sondern stattdessen einen Burger und eine Currywurst.

Wer errät wohl, von wo dieses Papier herkommt?

In “The Village Post” werden die Burger eingepackt. Ich schlage vor, dass man entweder eine neutrale Verpackung oder eine solche mit Rapid-Bezug verwendet.

 

Rapid-Austria

0:2 (0:1)

Obwohl Fußball als eine einfache Sportart beschrieben wird, muss man Spieler wie in einem Kindergarten behandeln. Wie anders wäre die Selbstkritik von Goran Djuricin zu verstehen, der bei der Pressekonferenz gemeint hat, dass es ihm nicht gelungen wäre, die Verteidigung so einzustellen, dass sie tiefer stehen soll, um eben den schnellen Stürmern keine Sprinträume zu bieten. Die Spieler stehen lang genug am Platz und sie kennen ihre Gegner also sollte man sie auf solche Sachen nicht einstellen müssen. Warum sie es dann nicht umsetzen können, wer weiß das schon…

Warum der ORF-Redakteur Christian Tragschitz auf der ansonsten neutralen Seite von weltfussball.at eine Art Rapid-“Hassposting” publiziert, in dem er praktisch alle Rapid-Spieler als nicht-rapid-würdig einstuft, ist ziemlich eigenartig. Es sind schließlich dieselben Spieler, die man zu anderen Zeiten auch überschwänglich gelobt hat. Damit reiht sich ein Journalist in die Reihe der Fans ein, die – so wie er – die Spieler pauschal für die Niederlage verantwortlich machen.

Wir müssen uns im Klaren sein, dass Entscheidungen in der Vergangenheit heute und auch noch die nächsten Jahre die Entwicklung von Rapid hemmen werden. Rapid hat sich auf die Kontertechnik der Austria nicht ausreichend gut eingestellt. Außerdem muss man akzeptieren, dass im Duell der Sportdirektoren (Fußball wird ja auf vielen Ebenen ausgefochten) jener der Austria das Rennen für sich entschieden hat, denn den schnellen Stürmern der Austria hat Rapid derzeit nichts entgegen zu setzen.

Das würde dann nichts ausmachen, wenn die Tore eben durch ein stärkeres Kollektiv geschossen werden, wie das in den vorigen Jahren der Fall war.

2016/17 1.3 Tore pro Spiel (viele Ausfälle)
2015/16 1.8 Tore pro Spiel (mit Kainz)
2014/15 1.9 Tore pro Spiel (mit Beric und Kainz)

Diese deutlich geringere Torquote (1.3 Tore pro Spiel) in der heurigen Saison kann man durchaus dem Fehlen von Florian Kainz und den Ausfall von Philipp Schobesberger zuschreiben. Die haben auch nicht all zu viele Tore selbst geschossen aber sie haben viele vorbereitet.

Choreografie

Die Lords haben sich ziemlich angestrengt und eine gigantische Choreografie mit dem Thema “Wiener Jugendstil” gezeigt.

Der Untertitel: “Im Stil der Jugend erstrahlt unsere Stadt”. Vor dem Hintergrund grün-weißer Strahlen über die gesamte Tribüne wurde eine Jugendstil-Collage hochgezogen. Im Zentrum eine Abbildung, die aus dem Studio von Gustav Klimt stammen könnte (eine Art Rapid-PriesterIn). Man erkennt links die Secession (1897) von Joseph Maria Olbrich und rechts die Stadtbahngebäude am Karlsplatz (1894) von Otto Wagner, ergänzt durch verschieden Jugendstil-Motive. (Wieder was gelernt! Danke Lords!)

Danach folgen als “leichter” kultureller Einbruch die Spruchbänder:

  • “Einer für alle – alle für einen!”
  • “Ultrabrutaler Graffiti-Workshop: Lieber auf der Autobahn flanieren, als von uns Hieb’ kassieren!”
  • “Statt bei der Nordbrücke mit uns zu raufen, seid’s auf der Donauufer ins Radar gelaufen”

Die Choreografie nach der Pause “Gangs of Hütteldorf” 

…der wegen starker Rauchentwicklung eine mehrminütige Spielunterbrechung folgte.

Man muss erkennen, dass es verschiedenartige Motive gibt, so ein Derby zu interpretieren, etwa eine aufgehängte violette Gestalt…

Nach der sehenswerten Eingangschoreografie öffnen die Texte danach einen Blick in die sonderbaren Motivatoren und Bindekräfte des Blocks.

Heimfahrt mit Hindernissen

Wir bleiben gerne länger im Stadion; einerseits um uns in Ruhe noch einen Imbiss zu genehmigen. Und dann natürlich, um dem Stau vor dem Hütteldorfer Bahnhof zu entgehen.

Beim Derby ist aber alles anders. Die Fans sind in dem Lernprozess, dass Fußball kein realer Krieg ist sondern nur ein symbolischer Stellvertreterkrieg ist, noch nicht ganz durch. Wer auch immer, Grün oder Violett, meinte, man müsse dem jeweils anderen oder der Polizei zeigen, dass der Krieg am Rasen noch eine Fortsetzung auf der Straße hat, der hat für eine 45-minütige Verzögerung bei der Abfahrt unserer U-Bahn-Garnitur gesorgt.

Ja, Fußball hat viele sonderbare Facetten.

Man hat ein bisschen den Eindruck, als würden sich die Fangruppen mit ihrer beachtlichen Leistung toller Choreografien dafür erkenntlich zeigen wollen, dass es hie und da Schwierigkeiten rund um die Spiele gibt; wer einen Fanblock will, muss immer beide Seiten der Medaille nehmen und nicht nur die Positive.

Zuckergoscherln

Als Amateurfotograf haben mich die auffälligen Kopfbedeckungen im Vorfeld des Spiels angezogen. Dass im Stadionumfeld geworben wird, gehört zur Realität des modernen Fußballs. Und ebenso, dass man sich als Verein, der auf Einnahmen angewiesen ist, nicht immer aussuchen kann, wofür geworben wird. Dass es gerade Zucker ist, der eigentlich eher auf der Watchlist der zu vermeidenden Stoffe steht, für den geworben wird, ist einer jener Aspekte, die man im modernen Fußball offenbar in Kauf nehmen muss.

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Rapid-Viertelstunde vom 21.4.

  • Rapid-Familie hilft Mandreko
  • Fan-Special mit Fan-Legende
  • Derby-Schätze Rapid-Archiv
  • Der Rapid Greenie-Tag 2017
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Austria-Rapid

1:1 (0:0)

Man hat gesehen, wer da mit der Rücken zur Wand steht: Rapid. Daher hat Rapid in der ersten Halbzeit das Spiel gemacht, einige Chancen herausgespielt (Schaub, Dibon, Sonnleitner). Eine interessante Maßnahme war der Auftrag von Kvilitaia seinen Gegenspieler Hozhauser zu bewachen, was ihm auch ganz gut gelungen ist. Sehr auffällig präsentierte sich Andreas Kuen, eine Art Joker den Damir Canadi aus dem Ärmel gezaubert hat.

Und Andi Kuen hat seinen Einsatz mehr als gerechtfertigt. Immer wieder wurde er über links gefährlich. Er war es auch, der in der 55. Minute eine Maßflanke zur Mitte gab, die dann Giorgi Kvilitaia per Kopf verwertete.

Bis zu diesem Zeitpunkt tat die Austria, was in dieser Tabellensituation wohl das Gegebene war: sicher verteidigen. Ab dem Gegentreffer aber änderte die Austria ihr Spiel, konnte aber auch keine nennenswerten Chancen herausspielen. Im Gegenteil, Rapid kam noch zu einer ganz guten Möglichkeit, die aber geblockt wurde.

Dann die 67. Minute in der nach einem zweiten Gelb-Foul Joelinton mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde. Ab diesem Zeitpunkt sah man nicht mehr Rapid sondern irgendetwas anderes, eine Mannschaft, die auf das Glück hofft, durch einen Verteidigungsriegel 25 Minuten lang kein Tor zu bekommen.

Irgendwie haben alle geahnt, dass das nicht gut gehen wird. Hätten sie doch alle Unrecht gehabt.

Interpretation

Ein Unentschieden, dass sich wie eine Niederlage anfühlt und das nicht notwendig gewesen wäre.

Panik regiert bei Rapid, Panik, hervorgerufen durch enormen Druck. Druck durch die Tabellensituation. Man muss gewinnen und man tut alles, um das zu erreichen – aber es scheint sich alles gegen Rapid verschworen zu haben, sogar die sonderbare Entscheidung für 5 Minuten Nachspielzeit von Schiedsrichter Schüttengruber, denn außer die Einwechslungen gab es keine nennenswerten Spielunterbrechungen.

Wäre gewonnen worden, schauen natürlich alle Kommentare ganz anders aus; aber es wurde nicht gewonnen, und ein Feldherr hat keine Ausreden, er hat verloren. Und wir sagen ihm, warum. Und das ist vergleichsweise leicht, denn es ist im Nachhinein.

Aber nicht nur im Nachhinein; auch schon in der 67. Minute hätte die gesamte Rekordmeisterbar mit mehr Gelassenheit reagiert und nichts umgestellt.

Warum man mit einem Mann weniger etwas am Spielstil umstellen muss, ist mir ein Rätsel. Wir haben Spiele, wie ein Auswärtsspiel in Graz mit einem Ausschluss in den ersten Minuten klar gewonnen. Das einzige, was man eventuell tun muss, ist einen Stürmer ins Mittelfeld zurückholen aber doch bitte keine Selbstaufgabe! Es ist geradezu unwürdig, eine eher nur durchschnittlich aufspielende Austria so stark zu machen, so als wäre ein Mann weniger  der Untergang der Welt.

Da das taktische Konzept eben nicht aufgegangen ist, hier ein Auszug aus dem Buch von Metin Tolan “Manchmal gewinnt der Bessere”. Man würde schätzen, dass man bei Verlust eines Feldspielers um 10 Prozent weniger leistungsfähig ist. Es ist aber nicht so, denn grob geschätzt sind es nur etwa 5 Prozent, um die der Aktionsradius der verbleibenden Spieler wachsen muss, um den Ausfall eines Spielers zu kompensieren. Wenn man dann auch noch auf einen zweiten Stürmer verzichtet, ändert sich (fast) gar nichts.

Dieses heutige Spiel erinnert an das entsetzliche Spiel von Rapid in der Südstadt im Herbst als der Trainer offenbar in der Pause die Parole ausgegeben hat, einen 2:0-Vorsprung zu halten. Das Spiel wurde zwar gewonnen aber es schien uns irgendwie unwürdig, ganz so wie die Schlussphase im heutigen Derby.

Auf mich machte das Spiel bis zur Schlussphase eine soliden Eindruck, wenn auch die Spielfreude vergangener Jahre noch fehlt, weil man wahrscheinlich noch zu verkrampft an die Sache herangeht. Ich denke immer wieder an den Sager von Max Merkel, wenn ich an die Entscheidungen des vergangenen Jahres denke (siehe Bericht vom Altach-Spiel im Oktober) und an den Sager, den unsere Vereinsoberen nicht müde werden zu wiederholen, dass nämlich “Rapid eine Familie” sei. Das aber wieder bedeutet, dass man auch mit einem im Abseits befindlichen Familienmitglied auch einmal Nachsicht haben muss. Vielleicht sollte man Zoki so wie den “verlorenen Sohn” bei irgendeinem passenden Anlass wenigstens eine späte Ehrung zukommen lassen. Das hätte er sich wahrlich verdient. Wie sehr würden wir uns eines seiner Saison-Ergebnisse zurückwünschen.

Ambiente

Wir haben nach den Vorkommnissen beim letzten Derby im Happel-Stadion beschlossen, zu keinen Auswärtsderbys mehr zu gehen. Wir besuchten zur Abwechslung die Rekordmeisterbar.

Eine Besonderheit ist wohl die große Auswahl an Bieren: Helles, Wiener Original, Zwickl und Rotes Zwickl, durch die man sich durchkosten kann.

Wir verbrachten den Nachmittag in einer lustigen Runde mit Markus, Mario, Florian und Georg (vlnr).

Die Kommentare nach dem Ausgleich in der 94. Minute erspare ich mir lieber.

Links

Rapid-Austria

0:2 (0:1)

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Wenn man den Unwägbarkeiten des Spiels – zum Beispiel einem besonders gerecht sein wollenden Schiedsrichter – entkommen will, genügt es nicht, besser zu sein als der Gegner, man muss viel besser sein als dieser.

Aber “Besser”, das ist so eine Sache. Nimmt man zum Beispiel die Anzahl der geschossenen Corner, die Zweikampfstatistik oder den Ballbesitz, dann liegt Rapid klar voran. Aber irgendwie gehen den Rapidlern vor dem Tor die Ideen aus. Und dann kommt noch das Pech dazu.

Und dem deutschen Trainer scheint in dieser Causa auch nichts weiter einzufallen, denn man hat ihn ja offenbar geholt, um die Spieler etwas mehr zu fordern als es sein Vorgänger getan haben soll. Die Wirkung ist bisher nicht sichtbar. Ich finde, dass die Spielanlage “Ballbesitz” diesen Spielstil bedingt. Spielen bis ins Tor. Aber bei einer Achter-Abwehrkette ist das eben eine schwierige Sache.

Konterschwäche

Und den Konter hat Rapid nicht erfunden. Man hat den Eindruck, als würden Spieler, die sich in einer überraschenden Gegebewegung befinden, Angst vor der eigenen Courage haben und lieber etwas langsamer auf das gegnerische Tor zulaufen, um in das gewohnte Ballbesitzspiel übergehen zu können. In dieser Zeit sind die Gegner aber schon formiert und aus ist es mit dem Konter.

Aber welchen Aspekt man auch betrachtet; ein so wenig erfolgreiches Spiel haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Unter Zoki jedenfalls nicht. Sogar das durchwachsene heurige Frühjahr hat sich nicht so trostlos angefühlt.

Sterben, aber richtig!

Gleich in der ersten Minute lag Pirez im Grün:

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Wenn man das Verhalten der Austria-Spieler über das Spiel beobachtet, hat man den Eindruck, als gäbe es bei jeder Trainingseinheit der Violetten das Basistraining “wie sterbe ich richtig”. Ich selbst glaube natürlich nicht, dass sich das so abspielt aber dennoch muss es in dieser Truppe ein Element geben, das es zweckmäßig erscheinen lässt, sich im Zweifel als “sterbender Schwan” in das Grün fallen zu lassen. Und es wirkt! Schiedsrichter Lechner ließ sich diese Gelegenheit nicht nehmen, um zu zeigen, dass ihn die Kulisse bei Rapid nicht beeindruckt und verfügte einen Elfmeter, wo eigentlich keiner war (siehe Fernsehkommentar).

Stell Dir vor, Du liegst tot auf der Wiese und keiner beachtet Dich. Das kann nur Kayode; liegen bleiben, bis der Elfer gegeben wird:

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Wir man richtig stirbt, das zeigt Rapid: vier Verletzte in zwei Spielen, das ist ziemlich schwerwiegend und in den nächsten zwei Wochen warten vier schwere Spiele. Leichter wird’s nicht!

Und dieser Spieler war bisher nicht im Kader!

Nun sind wir lediglich Beobachter und keine Spezialisten. Aber beobachten, das können wir doch alle. Was muss man von einem Trainer halten, der diesen Mario Sonnleitner in dieser Saison noch kein einziges Mal aufgestellt hat? Wenn es hier nur um das Spielerische geht, ist hier jemand wenig kompetent, würde ich sagen. Toller Einsatz, tolle Tacklings, Super-Mario! Bemerkenswert die Sprechchöre bei der Mannschaftsaufstellung, die schon Richtung “Fußballgott” tendierten!

Es geht bergab!

Vier Spiele ohne Sieg, fünfter Tabellenplatz mit fallender Tendenz, denn die Austria einzuholen ist weniger wahrscheinlich als von Ried, WAC oder Admira eingeholt zu werden. Rapid orientiert sich nach unten!

Bemerkenswert cool bleibt unser Präsident, der meint, man müsse dem Trainer Zeit geben!

Dieser Zusammenhang ist zwar rein zufällig, aber dass die beiden Sport-Verantwortlichen gerade von Schalke kommen, erweckt den Eindruck, als hielte man im Rapid-Vorstand viel von deutscher Fußballkompetenz. Man soll eben nicht gleich auf Vorurteile hereinfallen, auch wenn sie zunächst positiv scheinen, denn auch dann können sie unvorteilhaft sein – wie man sieht.

Und zum ersten Mal seit ich bei Rapid bin, habe ich Sympathie für die Sprechchöre “Müller raus”, denn mit Büskens allein wird es nicht getan sein.

Ambiente

Es begann mit einer Begrüßung von Dejan Savicevic, einen der prominentesten Rapidler aller Zeiten.

Schon das Eröffnungs-Transparent war bemerkenswert. Der Block textete: “Gewidmet Wilhelm Goldschmidt uns allen Rapidlern, die dem Dritten Reich zum Opfer gefallen sind.”

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Im Tagebuch wurde in “Wo alles begann” über diese Anfänge von Rapid berichtet, als Wilhelm Goldschmidt als Sekretär 1899 den Vorschlag machte, den “1. Wiener Arbeiter Fußball Club” auf  “S.C. Rapid” umzubenennen.

Dieser Text ist bemerkenswert und vielschichtig zugleich. Man muss ihn im Kontext mit der späteren Eröffnungschoreografie sehen, das dem Spiel am 22. Juni 1941 gegen Schalke im Olympiastadion von Berlin gewidmet war, bei dem Rapid mit einem 4:3-Erfolg als einzige österreichische Mannschaft den Deutschen Meistertitel erringen konnte. Sport war eine jener Freizeitaktivitäten des täglichen Lebens, der trotz schwierigster Bedingungen durch alle Kriegsjahre betrieben wurde.

Der Text bezieht klar Stellung gegen das damalige Regime und stellt ein besonders populäres Opfer, einen der Gründerväter von Rapid, Wilhelm Goldschmidt, in den Vordergrund. Andy Marek verwies in seiner erklärenden Rede auf die Aufarbeitung dieser Zeit durch eine Historikerkommission vor etwa fünf Jahren.

Da uns bei Rapid allein die Austria alle diese Epochen begleitete, hat man eben dieses Derby auserwählt, den Zuschauern dieses legendäre Spiel in Erinnerung zu rufen.

Eine leicht erzieherische Note in Richtung Austria-Fans kann man auch durchhören, einem Block, der nicht müde wird, den unappetitlichen Ruf “Rapid verrecke” immer wieder zu wiederholen. Nachdem es der Führung der Austria nicht gelingen will, mit ihren Fans in einen konstruktiven Dialog zu treten, möchte ich ein Plakat zeigen, das den Ursprung dieses Spruchs aus dem Jahr 1932 zeigt:

Werbung (politisch) & Werbung (Wahl), Landtagswahl 24.04.1932 & Gemeinderatswahl 24.04.1932, 1932.04.24, Wien Veranstaltung (politisch), Wähler-Versammlung, 1932.04.16, Wien

Werbung (politisch) & Werbung (Wahl), Landtagswahl 24.04.1932 & Gemeinderatswahl 24.04.1932, 1932.04.24, Wien
Veranstaltung (politisch), Wähler-Versammlung, 1932.04.16, Wien (Österreichische Nationalbibliohek)

Es geht keineswegs darum, dass wir irgendwie wehleidig sind, aber Töne, die deutlichen Bezug zu dieser Zeit nehmen und Rapid von heute mit den Juden von damals in einem Atemzug nennen, impliziert ja, dass man es im Nahhinein gut heißt, dass Millionen Juden in den Tod getrieben wurden und man es mit Rapid ebenso tun solle.
Fairerweise muss man ergänzen, dass die Replik “Schwuler F-A-K” auch nicht gerade frei von Rassismen ist, denn er erniedrigt eine legitime Lebensart von Menschen. Und das, obwohl wir bei vielen Spielen immer wieder diese tolle Werbung “Respect” der UEFA erleben.
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Es ist offenbar gar nicht so leicht, jemanden zu beschimpfen ohne ein bereits belastetes Vergleichskriterium heranzuziehen.
Dieses erste Transparent zum Angedenken an Naziopfer war offenbar ein Gegengewicht zu der Hauptchoreografie, die den Deutschen Meister von 1941 betraf, um nicht auch nur einen Verdacht auf irgendeine ideologische Nähe zu der damaligen Zeit aufkommen zu lassen.

Choreografie “Rapid, Deutscher Meister 1941”

Das 4:3 von Berlin 1941 ist für Rapid ein bemerkenswertes Ereignis. Man hat für diese Jubiläumschoreografie das Derby als würdige Bühne ausgesucht. Rapid ist der einzige Verein aus Österreich, der den Deutschen Meistertitel erringen hat. Und Schalke war damals nicht irgendwer. Es gibt nur eine handvoll Vereine, die die Viktoria in ihrem Besitze haben. Schalke und Rapid gehören dazu. Die Viktoria kann im Rapideum besichtigt werden.

Man lud den ältesten Rapidler Alfred Körner (90) und den ältesten Rapid-Fan Otto Filipsky (104) aus Horn zu diesem Derby ein. Beide sind natürlich Zeitzeugen dieses legendären Spiels; Alfred war 15 und Otto 29.

Wir sahen die erste Voll-Stadion-Choreografie in Grün-Weiß, von der es später sicher ein Panoramabild im Web geben wird.
Die Choreografie des Block-West zeigte Bimbo Binder, den Helden des damaligen Spiels, die Viktoria, die Trophäe für den Deutschen Meister und das damalige Rapid-Wappen über dem Berliner Olympiastadion. Gefolgt von den Transparenten:
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“Das sind die Farben, die Geschichte geschrieben haben”
“SK Rapid Fünfundsiebzig Jahre Deutscher Meister”
Diese gut durchdachte Choreografie mit einer klaren Distanzierung gegen Rechts hat mich positiv überrascht und wenn ich auch in der Vergangenheit ein bisschen in Opposition gegenüber verschiedenen Aktionen stand, wie zum Beispiel gegen jene für das “Weststadion”, bin ich wegen dieser heutigen ausgezeichneten Choreografie froh, dass wir diesen Block und keinen anderen haben. “Bravo Burschen!”
Die weiteren Transparente waren eher etwas für Szenenkundige, denn wir, Durchschnittsbesucher konnten damit nichts anfangen.
Gleichzeitig hat der Austria.Anhang kräftig gequalmt…
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..und der Block-West wollte dem nicht nachstehen und hat zur Rapid-Viertelstunde nachgezogen:
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Das schöne an der Vergangenheit sind die Erinnerungen, zum Beispiel an diesen Titel, denn die schlechten Erinnerungen blendet unser selektives Gedächtnis ohnehin bestens aus. Und so werden wir wohl auch diese Derby-Niederlage rasch in die Archive verbannen.
Aber was machen wir mit den beiden Deutschen? Ist unsere “Kriegskasse” so gut gefüllt, dass wir sie auszahlen können oder hat Andy Müller für die überwiegend enttäuschenden Neuzugänge (Ausnahme Mocinic) alles Kleingeld verbraucht?

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Austria-Rapid

1:4 (0:1)

Dass unser “Eismann” sein erstes Tor nach Zuspiel von Tamás Szántó gerade gegen Almer erzielt hat, gegen den er auch bei der EURO getroffen hat, gehört fast schon in die Kategorie Kitsch.

Kurz darauf muss er nach eine wilden Attacke mit einer Knieverletzung vom Platz. Man hatte in dieser Szene den Eindruck, als hätte die Austria den Schiedsrichter auf ihrer Seite. Dieses derbe Foul an der Strafraumgrenze, das verdächtig nach “letzter Mann” ausgeschaut hat, blieb vom Schiedsrichter Drachta völlig ungeahndet. Sonderbar!

Ein Riegler-lookalike-Tor: Derselbe Gegner (Austria), derselbe Gegenspieler (Kayode), eine ähnliche Situation. ein Eiertor durch Fehleinschätzung durch den Tormann. Die Freude bei der Austria ist kurzzeitig groß, wie man auf diesem Bild sieht:

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Die Sicht war wegen der starken Sonneneinstrahlung im Sektor E sehr schlecht. Vielleicht hatte die Sonne auch ihren Anteil bei dem Gegentor, das stark an den Patzer von Christoph Riegler dem Tormann von St. Pölten im Spiel gegen die Austria erinnerte. Eine Fehleinschätzung der Situation durch Ján Novota, die Kayode natürlich ausgenutzt hat. Man konnte den Eindruck haben, dass Kayode einfach deutlich schneller ist, als es Bundesliga-Torleute gewöhnt sind und schon ist es passiert, man kann die Entscheidung nicht mehr zurück nehmen.

Wie sehr Rapid-Fans an dem Geschehen Anteil nehmen, sieht man daran, dass kurz nach dem Gegentor der Platz neben mit leer war. Der Ärger war zu groß.

Schade, denn wenige Augenblicke nach dem Ausgleich geht Rapid durch Louis Schaub wieder in Führung.

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Beim 1:3 verlassen viele Austria-Anhänger das Stadion.

Haben wir uns noch vor der Pause über schlecht abgeschlossene Konter geärgert, wurden wir dann nach der Pause durch drei schöne Kontertore belohnt. Zwar hat sich Philipp Schobesberger wie schon im Spiel gegen Zhodino nicht in die Torschützenliste eingetragen aber er hat zwei dieser Tore vorbildlich vorbereitet. Perfekt würde ich sagen.

Schneckerl Nationale härte gesagt: “Ist ja klar, die Austria warf alles nach vorne, um den Ausgleich zu erzielen und hat damit Verteidigung zu sehr entblößt, sodass Schimpelsberger, Joelinton und Schaub, verstärkt durch den aufrückenden Grahovac. leichtes Spiel hatten.”

Wenn ihr mich fragt, hat ein ausgeglichenes Team gegen den FC Kayode gewonnen.

Unsere Torschützenliste nach drei Liga-Spielen:

L C E (Liga, Cup, Europa-League)
1 0 0 Grahovac
2 1 0 Joelinton
0 1 0 HofmannS
2 0 0 Murg
0 0 1 Pavelic
2 0 1 Schaub
0 0 1 Schrammel
1 0 0 Schwab
1 0 0 Schößwendter
1 0 0 Traustason

Sehr ausgewogen. Jeder ist für ein Tor gut.  Jetzt wollen wir nur noch hoffen, dass unser “Eisländer” bald wieder fit ist. Wenn in der vergangenen Saison Steffen Hofmann einmal gefehlt hat, musste man noch um die Stabilität in der Mannschaft bangen. Das scheint nun vorbei zu sein.

Ach ja, Max Entrup kam zu seinem zweiten Kurzeinsatz und man hat sich fast schon daran gewöhnt. Hoffentlich!

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Das einzige violette Spruchband des Tages lautete “Max Entrup, violetter Nachwuchs-Ultra als grün-weiße Nachwuchshoffnung.”

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Diese Spruchband will eventuell ironisch sein, aber ganz gelingt das nicht, denn sollte sich herausstellen, dass Max Entrup sich bei Rapid zu einem guten Stürmer entwickelt, dann hätte ja das Scouting der Austria etwas übersehen. Und auch wenn das Gegenteil eintritt, spräche das eher gegen die Qualität des Austria Nachwuchses. Irgendwie ein misslungener Spruch, eine Art Eigentor.

Solle es grün-weiße Spruchbänder gegeben haben, wir haben sie wegen des hohen Kontrasts an diesem Tag im Schatten nicht gesehen. (Bei den Links gibt es aufmerksame Presseleute, die über Spruchbänder der Rapid-Fans berichten die sich wieder gegen Max Entrup richteten.) In der Rapid-Viertelstunde gabs Fackeln, davor Böller; alles sehr zum Unmut der Rapid-Führung.

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Das Ambiente

Dieses Auswärtsderby erinnere mich an unsere sommerlichen Heimspiele im Happel, an die Nachmittage im Prater. Es war immer ein grün-weißes Fest, wohin immer man kam. Heute hatte man nicht unbedingt den Eindruck. als wäre im Happel-Stadion ein Wiener Derby. Die Rapidler waren auch nur zur Hälfte vertreten, denn die meisten waren ja beim Rapid-Marsch, der beim Riesenrad startete. Hier ein Bild von diesem Zusammentreffen:

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Sehr interessant war die Lautsprecherdurchsage aus dem Streifenwagen ziemlich genau um 13:12. Es wurde sinngemäß verlautbart, dass die Szene mitgefilmt und alle Gesetzesübertretungen angezeigt würden. Die Antwort war ein lautes Pfeifkonzert, worauf der Sprecher belustigt antwortete, dass er sich freue, dass die Verlautbarung also verstanden worden ist. Man hatte als Zuschauer den Eindruck, als würden sich die beiden Seiten aus langjähriger Praxis kennen und vielleicht sogar verstehen und es ginge nun an “die Arbeit”. Auf der einen Seite das möglichst unbemerkte Zünden von Feuerwerkskörpern auf der anderen Seite ein möglichst cleveres Aufdecken eben desselben Tatbestands. Fast wie ein Spiel konnte es einem vorkommen.

Wir nahmen an dem Marsch nicht teil, wurden auch von Rocky dafür heftig beschimpft aber wir haben das nicht so ernst genommen, wir kennen ihn, er ist in Ordnung.

Das Luftburg-Publikum kam nur zu einem kleinen Teil in Fußball-Tracht. Der Fußmarsch zum Stadion hat uns nach dem üppigen Essen gut getan.

Wir waren erstmals bei der Austria im Happel zu Gast. Wie unwirtlich dieses Stadion sein kann, das wissen wir zu Genüge aber wie ein Verein dazu beitragen kann, dass es noch ungemütlicher ist, das wissen wir jetzt auch.

Mit zwei ganz schmalen Eingangsürln bei Stiege 15 und lediglich 2 Mann + 1 Frau bei der Sicherheitskontrolle baute sich eine erhebliche Schlange auf, die bis zum Zaun des Trainingsgeländes reichte, dort eine 180 Grad-Wendung ausführte und wieder zurück auf den asphaltierten Weg reichte. Wir warteten dort 35 Minuten. In Bild links die Schlange Richtung Stadion, rechts Richtung Zaun.

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Zum Vergleich. Bei keinem einzigen der 36 Rapid-Heimspiele im Happelstadion und bei keinem einzigen der Spiele des ÖFB haben wir je gewartet. Diese Engstelle ist sehr unprofessionell. Wenn es großes Interesse suggerieren sollte, dann zieht das vielleicht bei den Austria-Anhängen, wir haben heute das Rapid-Klubservice schätzen gelernt.

Kurios waren die Schlangen vor den Kassen, die im Sektor E weit über den asphaltieren Weg zurück reichten und beim Sektor B in Fünfer-Reihen mit zum Parkplatz. Man konnte doch schon vor Wochen (und auch noch bis vor dem Spiel) Karten online kaufen. Wissen das die Leute nicht? Bitte, das Buchungssystem ist eine Zumutung (und das ist schon freundlich ausgedrückt). Man konnte von etwa drei Wochen keinen Block wählen. Es gab einige Blöcke, die schon ausreserviert waren, vielleicht durch Abos und es wurde nur in einem freien Block Plätze angeboten. Die Blöcke, die jetzt beim Spiel voll waren, konnte man damals, vor drei Wochen nicht buchen. Von einer Platzwahl kann man da nicht sprechen. Ich konnte zum Beispiel keine 6 Karten in einem Block bekommen; nur in zwei ganz verschiedenen Reihen. Aber zu diesem Zeitpunkt war noch Platz genug; nur war er nicht freigegeben.

Warum ist diese begrenzte Vergabe nachteilig? Als Frühbucher bekam ich nur sehr schlechte Plätze. Hätte ich eine Woche später gekauft, wäre vielleicht ein mehr zentral gelegener Block zum Verkauf angestanden. Würde man also alle Blöcke freischalten, bekämen die Frühbucher  die mehr zentralen Plätze und jene, die spät an den Kassen kaufen, eben den Rest.

Im Stadion angelangt, gab es die nächste unerfreuliche Nachricht: es gab keine Stadionzeitung. Wenigstens nicht bei der Stiege 15.

Für alle, die das Spiel vor dem Fernseher verfolgt haben und eventuell den Eindruck eines vollen Stadions hatten: Das hatte den einfachen Grund, dass eigentlich nur Karten im Sektor E erhältlich waren. Der Sektor B war (mit Ausnahme des VIP-Bereichs) nicht verfügbar. Der Auswärtssektor im dritten Rang des Sektors F war mit 2.500 Plätzen ausverkauft, der Fansektor CD der Austria war nur im ersten Rang gefüllt.

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Durch die starke Nachfrage aus dem Bereich der Rapid-Anhänger war der Sektor E bei diesem Spiel einigermaßen voll aber gegen andere Gegner schaut es ganz anders aus.

Zieht man von den 15.270 Zuschauern den Auswärtssektors ab und dann noch die doch recht zahlreich erschienene Rapid-Anhänger im Sektor E, bleibt nicht sehr viel übrig, mit dem man die zukünftige Allianz-Arena wird füllen können.

Da unsere Sitzplätze direkt am Austria-Fansektor lagen, fürchteten wir, dass wir akustisch zugemüllt werden könnten. Aber das war nicht der Fall. Der violette Fanblock ist weniger gut organisiert und daher nicht so effektiv wie der Rapid-Fanblock.

Dafür wirds bei Violett gleich einmal handgreiflich.

Das Spiel im Spiel.

Schon in der Pause fielen einige wild gewordene Austria Fans aus dem Sektor D auf, die auf den Trennzaun geklettert waren. Ihre Aggression richtete sich nicht unbedingt gegen die dort sitzenden sondern gegen den mehr als 100 Meter entfernten Rapid-Sektor F also eine Art “Tele-Aggression”.

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Nach dem Spiel wurde das immer ungemütlicher, sodass wir das Feld räumten und die Verabschiedung unserer Spieler nicht mehr mitbekommen haben. Die Entscheidung war gut, den einige Augenblicke später war auch schon die gut gepanzerte Polizeitruppe zu diesem Block unterwegs. Es gab vor dem Stadion einige filmreife Festnahmen, Sprechchöre der Kerntruppen des Austria-Anhangs. Überall ziemlich aggressionsbereite Typen, die auf nichts anderes warteten als auf eine Auseinandersetzung mit der Polizei. (Grün-weiß war zu diesem Zeitpunkt im Bereich des Sektors F durch eine mobile Sperre abgesichert.)

Wir verließen unbehelligt das “Schlachtfeld”. Ebenfalls ein Erlebnis, das wir bisher bei Heimspielen von Rapid persönlich nie erlebt haben. Nicht besonders motivierend für die vielen Familien mit Kindern in diesem Bereich.

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Nachtrag (Quelle: Bundesliga)

FK Austria Wien – SK Rapid Wien   1:4

  • Arnor Ingvi Traustason ist nach Gudmundur Thorfason, Ragnar Margeirsson, Helgi Kolvidsson, Andri Sigthorsson, Gardar Gunnlaugsson und Hannes Sigurdsson der 7. Isländer, der in der Bundesliga ein Tor erzielte.
  • Olarenwaju Kayode erzielte sein 15. Tor in der Bundesliga. Er traf erstmals in einem Spiel gegen den SK Rapid Wien und von außerhalb des Strafraums.
  • Louis Schaub erzielte sein 17. Tor in der Bundesliga. Er traf erstmals gegen den FK Austria Wien. Beide Treffer in dieser Saison erzielte er nach Flanken von Thomas Schrammel.
  • Thomas Schrammel lieferte in seinem 100. Spiel in der Bundesliga für den SK Rapid seinen 13. Assist für die Wiener ab.
  • Philipp Schobesberger lieferte zum 2. Mal in einem Spiel der Bundesliga 2 Assists ab – beide Male gegen den FK Austria Wien. Schobesberger lieferte 6 seiner 12 Assists gegen den FK Austria Wien ab.
Austria Rapid
     8    15   Torschüsse
    56%   44%  Ballbesitz
    48%   52%  Zweikampfquote
    79%   75%  Passquote
     3     5   Ecken
     6    14   Flanken
     1     4   Abseits
     7    16   Fouls
    91    70   Ballaktionen (Holzhauser, Schwab)

Sosehr man sich auch bemüht, das Spiel in Zahlen darzustellen, das Ergebnis 1:4 kann man in diesen Zahlen nicht einmal erahnen.

Nachtrag Links vom Montag, 8.8. 2016

Anzeige gegen Christoph Martschinko (FK Austria Wien) – Tipico Bundesliga / 3. Runde:

Nach Videoanalyse des Spiels FK Austria Wien – SK Rapid Wien wurde gegen den Spieler Christoph Martschinko (FK Austria Wien) beim zuständigen Senat 1 ein Verfahren eingeleitet. Die ausgewerteten Bilder zeigen, dass sich Martschinko in der 65. Minute gegenüber dem Spieler Joelinton Cassio Apolinaro de Lira vom SK Rapid Wien grob unsportlich verhalten hat. Da dies außerhalb des Wahrnehmungsbereiches von Schiedsrichter Oliver Drachta bzw. seiner beiden Assistenten erfolgt ist, wurde vom Senat 3 (Chefankläger) gemäß § 22 Abs. 8 lit. d) der BL-Satzungen nachträglich Anzeige erstattet. Die Anzeige wird am kommenden Donnerstag, 11.08.2016 behandelt.

Rapid-Austria

1:0 (0:0)

Wenn man nur auf das Ergebnis schaut: Knapp!

Wir sahen eine deutlich feldüberlegene Rapid und eine auf Konter lauernde Austria. Und wie effizient die Austria dabei ist, zeigt ein Blick auf die Tabelle: Platz 3 mit der Tordifferenz 0. Das heißt, höchste Effizienz, knappe Siege. Heute hat es nicht gereicht. Im Vergleich: Rapid hat die Tordifferenz 20. Irgendwie sind diese beiden Zahlen bezeichnend für den aktuellen Spielstil der beiden Mannschaften.

Die Erwartungshaltung des Publikums ist hoch in Anbetracht des hohen Ballbesitzanteils von Rapid. Aber wie man dann sieht: nicht alles, was eine Chance ist, wird auch ein Tor. Zoran Barisic hat es im Interview deutlich angesprochen: die Leistung war in Ordnung. Nicht nur heute, auch in den vergangenen Spielen. Tore sind eine Krönung der Leistung aber leider gelingen sie nicht immer, mehr noch, Tore sind ein seltenes Ereignis.

Fußball ist wie Schwammerlsuchen!

Bist Du ein Schwammerlsucher? Was ist die dabei Leistung? Das mühevolle Streifen durch Wälder, Schluchten und vermeintlichen Schwammerlplätze oder die Anzahl der gefundenen Schwammerln? Es ist das Erstere! Denn wenn zum Beispiel die Wetterlage nicht passt und gar keine Schwammerln da sind, die gefunden werden könnten, dann stimmt die Leistung aber nicht das Ergebnis. Fußball ist wie Schwammerlsuchen in einer Trockenperiode. Es gehört eine Portion Glück zu Erfolg, auch wenn die Leistung stimmt!

Zurück zu Spiel

Wenn man den Spielverlauf betrachtet, war sie fast ein bisschen peinlich, die spielerische Überlegenheit der Grün-Weißen. Peinlich deshalb, weil nicht mehr an Zählbarem dabei herausgeschaut hat. Dafür sorgte eine kompakte Austria-Abwehr. Viel mehr als Standardsituationen waren zwar für die Austria nicht drinnen aber wie es halt so ist: Jede Standardsituation ist gefährlich, und es ist eine Frage des Glücks, wie der Ball fällt.

Und so hätte kurz nach der Pause schon das Führungstor für die Austria fallen können, nachdem Strebinger einen Schuss nicht bändigen konnte und den Ball des Austria-Stürmers gerade noch zum Corner ablenken konnte. In solchen Szenen, wenn der Stürmer zu Boden geht, schweift der Blick des besorgten Zuschauers immer in Richtung Schiedsrichter, denn bei der großen Entfernung kann man die Szene nicht so gut erkennen. Aber es scheint alles korrekt gewesen zu sein.

Dieser Strebinger hat sich zu einem sicheren Rückhalt entwickelt. Wer hätte das im Herbst gedacht. Die Verletzung von Ján Novota dürfte doch schwerwiegender gewesen sein. Ursprünglich wollte Ján schon im April spielen aber wer weiß, ob das in der laufenden Saison überhaupt noch möglich sein wird. Und es wird nicht so leicht sein, am immer sicherer werdenden Strebinger vorbei zu kommen.

Das Führungstor fiel in der 58. Minute durch Tomi nach kurioser Vorarbeit von Auer und Schaub. Auer hatte den Ball schon verloren, der Verteidiger versuchte zu klären, traf aber Schaub, von dem der Ball (zufällig) in den leeren Raum vor dem Tor abgeprallt ist. Tomi steht dort, wo ein Mittelstürmer stehen soll und nutzt diese Chance.

Der Abgangsapplaus für Tomi bei seiner Auswechslung für Matej Jelic hat gezeigt, dass er vielleicht jetzt endlich bei Rapid angekommen ist. Dieses Wechselspiel der beiden Stürmer ist gar nicht so schlecht. Auch Jelic hat sich in der restlichen Spielzeit durchaus respektabel gezeigt.

Die Schlussoffensive der Austria, mit dem Ziel, doch einen Punkt mitzunehmen (und besser noch, Rapid deren zwei abzunehmen) führte zu tollen Konterchancen von Rapid, bei deren Vernebelung man fast den Eindruck hatte, es gibt eine Prämie für jede dieser versäumten Chancen.

Nach diesem Spiel können wir wieder über die Torquote von Tomi berichten. Tomi hatte 8 Einsätze und spielte im Schnitt 45 Minuten pro Spiel. Dabei hat er 4 Tore erzielt, das sind genau 90 Minuten pro Tor. Ich habe mir erlaubt ein kommentiertes Bild der Rapid-Facebook-Seite zu verwenden, die Tomis Torquote auf spaßige Weise illustriert: “I spü jo net oft, oba wenn, donn schias i a Tor”.

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Sollte jemand der Meinung sein, dass dieses Tor durch Tomi ein Zufall war, dann stimmt das zum Teil aber nicht zu dem Teil, dass der Stürmer dort auch stehen muss, wo er stehen muss. Fairerweise muss man sagen, dass jedes Tor mehr oder weniger viele Zufallskomponenten hat. Wenn eine Minute vorher der Austria der Führungstreffer gelungen wäre, kann man auch nichts dagegen sagen, möglich wäre es ja gewesen. Und dann hätte sich eben bei Rapid die Krise vertieft.

Choreografie

Erstmals bei einem Bundesliga-Heimspiel wurde der dritte Rang in der Fankurve geöffnet. Andy Marek berichtete über 6.000 verkaufte Abos im neuen BlockWest und über 12.000 Abos insgesamt. Großes Spiel, große Kulisse!

Die Ultras zeigen eine beeindruckende Choreografie am Beginn des Spiels. Großes Fußballtheater! Die Choreografie war zweiteilig. Am Beginn sah man im zweiten Rang das weiße “ULTRAS” auf grünem Grund, danach im ersten Rang das grüne “RAPID” auf weißem Grund. Abgehängt war das Spruchband “EIN LEBEN FÜR DIE KURVE – EIN LEBEN FÜR RAPID”.

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Wenn Du Dich als Leser wunderst, dass der Bildtext, im Text wiederholt wird. Das ist speziell an unsere blinden Leser Dieter, Ilse und Marcel gerichtet, die mit dem Bild so ihre Schwierigkeiten haben.

Dass die Choreografie des Austria-Fanblocks weniger wahrgenommen wurde, liegt am dürftigen Lichteinfall im 3. Rang. Wir wollen aber auch diese Bilder nicht vergessen:

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Schließlich werden wir im nächsten Jahr diese Spiele mit umgekehrten Rollen im Happel-Stadion erleben.

Nicht minder eindrucksvoll die Begrüßung von Steffen Hofmann in der zweiten Halbzeit zu seinem 500. Spiel für Rapid. Es fehlen ihm nur mehr 26 Spiele auf den Spitzenwert von Peter Schöttel.

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Es ist seltsam ruhig geworden um die mehr oder weniger angemeldeten Rauch- und Leuchtfackeln geworden. Es gibt mehrere Möglichkeiten:

  • Es gibt ein Agreement zwischen den Klubs und der Bundesliga (praktisch betrifft es nur Rapid) und es werden Augen zugedrückt oder
  • es gibt kein Agreement, und Rapid zahlt Strafen für nicht angemeldete Feuerwerkskörper.

Ich tippe auf Ersteres, denn zahlen ohne die Zahlung bekannt zu geben, hätte nur Nachteile ohne einen gewissen Lenkungseffekt zu haben.

Markenzwist  “Ultras Rapid” kontra “Ultrà Wien”

Wer nicht in der Kurve steht, muss die vielen sonstigen Transparente erst einmal in Klartext übersetzen. Zum Beispiel jenes zu einer Bewegung, die “Ultra Wien” heißt. Der Text: “Ultra-Wien: Pseudo-Ultras nach dem Schema F(acebook)”.

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“Ultra-Wien” ist eine Fangruppierung der Austria die hier ihre Homepage hat.  Viel violetter Text.

Nun, ärgerlich ist das schon, wenn ein Markenname (hier Vereinsbezeichnung) in einer ähnlich und noch dazu vereinnahmenden Form verwendet wird, der Anlass für Verwechslungen sein könnte. (Man nennt sich nämlich nicht “Ultra-Austria” sondern “Ultra-Wien”, also mit einen eher künstlichen Überbegriff.) Wenn das den “Ultras-Rapid” wert ist, könnte eine Beeinspruchung des Namens “Ultra-Wien” vielleicht sogar erfolgreich sein, auch wenn “Ultras-Rapid” nicht eine eingetragene Marke ist.

Ein weiterer Text im Rapid-Fan-Sektor: “Wien X., 14.2.2016 unvergessen”. Vielleicht hat man sich verschrieben und es hätte eigentlich “unvergesslich” heißen sollen, als eine Art Nachgesang für die verbotene Austria-Fangruppe “Unvergesslich”?

So eindimensional, wie ich den Text ursprünglich interpretiert habe, also einfach als Erinnerung an den 3:0-Auswärtssieg, ist das Transparent nicht zu verstehen, wie mir Martin am Elektra-Platz erklärt hat. (Daher wurde der ursprüngliche Text durchgestrichen.)

Dieses Transparent hatte eine Vorgeschichte. Am 14. 2. 2016, am Tag des Auswärtsderbys, gab es im Austria-Fansektor ein Transparent, das sich eindeutig auf den 14.2.1945, einen der drei Tage der Bombardierung von Dresden im Zweiten Weltkrieg bezogen hat. Da man nun den Zweiten Weltkrieg nur schwer mit dem heutigen Fußball in Zusammenhang bringen kann, handelte es sich dabei um eine Botschaft einer ziemlich rechten Fangruppierung der Austria. Und auf dieses Transparent wurde nun seitens der Rapid-Fans eher ironisch Bezug genommen.

2016-02-14 Transparent im Austria-Sektor “Dresden 1945 unvergessen”
2016-04-17 Transparent im Rapid-Sektor “14.2.2016 unvergessen”

Danke Martin für die Erklärung! 

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Hier ein Bild des Austria-Sektors vom 14.2.2016 (Quelle: http://www.around-the-ground.com/fotos2016/austriarapid.html Veröffentlichung genehmigt von Thomas K. Danke!):

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