120 Jahre „Rapid“

Wir wissen wenig über die Zukunft, können aber in der Vergangenheit vieles über uns selbst entdecken. Wer sich mit den Ereignissen der Jahre um und nach 1900 beschäftigt, stellt mit einem gewissen Schrecken Parallelen zum Heute fest, die man sich vor 10 bis 20 Jahren so nicht
hätte vorstellen können. Wahrscheinlich, weil die Menschen sich nicht vorstellen wollen, wie schlecht Menschen zu Menschen sein können.

Das heutige Österreich kommt mir vor wie ein Block-West, der zur Findung der eigenen Identität Gegnerschaft so dringend braucht wie andere Menschen Freunde. Aber dazu ist der Block da, es gehört zum Spiel. Aber soll so unsere Gesellschaft funktionieren? Es geht uns offenbar nicht mehr darum, solidarisch Fairness für uns selbst einzufordern, es geht nur mehr darum, dass es Menschen gibt, über die man sich stellen kann. Die Feindbilder von 1900, Juden oder Tschechen, sind heute so marginalisiert, dass sie sich unter der Wahrnehmungsschwelle befinden. Aber Migranten gibt es viele und gemeinsam mit den zahlenmäßig starken Türken geben sie ein prächtiges Feindbild ab.

Um 1900 ging es darum, die Juden gering zu schätzen, 1920 ging es darum, ihre Rechte zu beschneiden, 1930 darum, ihren Besitz zu konfiszieren und 1940 ging es um ihre Existenz. Zuerst in Deutschland. Wien war damals bis 1938 fast eine Insel der Seligen, doch traf es die verbliebenen Juden, zu denen auch Wilhelm Goldschmidt, der Namensgeber des SK Rapid, zählte, umso überraschender.

Stolperstein für Wilhelm Goldschmidt , Große Schiffgasse 22

Man hat heute den Eindruck, als würden wir wieder vor einer so „großen“ Epoche stehen. Egal, ob es die Anderen sind oder ob es Europa ist, Zerstörung ist ihr Programm, nicht Konstruktion, zu der es Kompetenz brauchen würde. Und es ist wie bei Lego, z’sammenghaut ist schneller als errichtet.

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie hat einen fraktalen Charakter, von dem man meint, alles schon einmal erlebt zu haben. Alle heutigen Abschiebungen beruhen auf Recht; auch die von Auschwitz beruhten auf Recht. Wer will wissen, was genau jemanden erwartet, der par Flug abgeschoben wird? Fundamentalistische Staaten haben darauf eine klare Antwort. Ein fahnenflüchtiger Moslem hat sein Leben verwirkt, wie man am Schicksal der Rahaf Mohammed al-Kunun ablesen kann. Und weil wir die Folgen solcher Abschiebungen im Einzelfall nicht wissen können, müsste die Regel lauten „im Zweifel gegen die Abschiebung“. Aber die mehrheitlich beklatschten Entscheidungen von türkis-blau schauen anders aus.

Wobei: was, wenn dann schließlich alle abgeschoben worden sind, was dann? Wer ist der Nächste?

Daher ist der Stolperstein ein wichtiges Symbol dafür, dass sich Geschichte nicht wiederholen möge, und wenn wir spüren, dass die Politik wieder so unheilverkündende Richtungen einschlägt, wir rechtzeitig auf eine Bremse steigen – solange diese noch funktioniert, denn die Demontage der Bremsleitungen hat schon voll eingesetzt.

Oder könnt ihr damit etwas anfangen, dass die Caritas eine gewinnorientierte Organisation wäre? Dass Exekution und Rechtsberatung nunmehr in einer Hand sein sollen? Bei Polizei und Justiz könnte es ähnlich laufen wie man an verschiedenen Urteilen gegen Fußballanhänger gut ablesen kann. Ach ja, die Fußballanhänger! Auch so eine praktische Minderheit, die unter großem Beifall der Wähler und Medien in die Politzange genommen wird.

Wie hieß es so schön: „Wehret den Anfängen!“

Wer hätte gedacht, dass Künstler, Fußballer und Ngos wie die Caritas und sich selbst zerstörende Oppositionsparteien jener Strohhalm sein werden, an den sich der verbleibende Rest der Demokratie wird klammern müssen.

Heute hat die Vereinsspitze von Rapid diesen Stolperstein eingeweiht. Er ist eine Erinnerung an Unvorstellbares – und doch ist es passiert. Daher ein Danke an Rapid für dieses kleine Mahnmal!

Rapid – Steffen & Friends

2:4 (2:2), 25.300, Mag. Harald Lechner

Was war das für ein magischer Abend! Zu außergewöhnlich war der Anlass, dass nämlich ein Spieler 16 Jahre bei demselben Verein verbringt und noch dazu in so einem außergewöhnlichen Status des Kapitäns, als dass man so ein Ereignis wiederholen könnte. Ich habe einen solchen Abend noch nicht erlebt und so etwas wird sich vermutlich nicht mehr wiederholen.

Eine Chance sehe ich aber doch, bedenkt man die Gründe für Steffens Karriere bei Rapid. Bei ihm war es die Bindung an Kinder und Familie, die ein solches Fußball-Wunder ermöglicht hat. Und wenn das der Schlüssel zu einer längeren Bindung einer Fußballers an einen Verein ist, dann ergeht hiermit die Einladung an alle bodenständigen Mädeln, einen der heutigen Shooting-Stars an die Angel zu nehmen und an Rapid zu binden! „Los geht’s“, wie Andy Marek gerne sagt!

Hans Krankl hat einmal in einem Interview gesagt, dass sich jeder Spieler bei den heutigen Besucherzahlen zerfetzen müsste für den Verein und die Fans und dass das eben zu wenig der Fall wäre.

Ja, die Zeiten haben sich geändert. Man hat auch zu Zeiten von Hans Krankl gefeiert aber gemessen an den heutigen Zuschauerzahlen und dem seit seinen Tagen entwickelten Fan-Support war der damalige Zuspruch dem Massen eben geringer. Das alles ist in den Zeiten des Rapid-Klubservice entstanden. Er werden viel weitere Bevölkerungsschichten angesprochen. Gar nicht auszudenken, wie sich die Zuschauerzahlen entwickeln würden, wenn auch nur ein Teil der Erfolgs früherer Jahrzehnte zurückkehren würde.

Einerseits erkennen wir leicht in anderen Bereichen den Kitsch, auf den Käufer hereinfallen, fallen aber natürlich selber darauf rein, einfach, weil wir betroffen sind. So titelte laola1.at „Himmel weint, Fußballgott hört auf“ und die Krone „Tränen und vier Tore von Hofmann bei Mega-Abschied“. Vieles war inszeniert, vieles passierte zufällig und machte die Show perfekt.

An den Eingängen wurden Steffen-Masken verteilt. Insgesamt 26.000 Masken waren aufgelegt. Bei Spielbeginn wurden sie dann aufgesetzt, um Steffen gleichzeitig mit der Choreografie zu überraschen.

Schon im Spiel des „Special Needs Team“ gegen das Team „Kicken ohne Grenzen“ stand es bis kurz vor dem Ende 0:0 mit Vorteilen für die Gäste und es ist in den Schlussminuten doch gelungen, das Spiel noch mit 2:0 zu gewinnen. Es war schön zu sehen, wie die beiden Teams diese große Öffentlichkeit genossen haben und auch der Fanblock auf die Verabschiedung perfekt eingegangen ist.

Dass Steffens Töchter im Ensemble der Volksoper aktiv sind, ist bekannt, dass aber zufällig Carousel im aktuellen Programm steht mit dem wohl berühmtesten Lied „You’ll never walk alone“, das zu dieser Verabschiedung bestens passt, ist auch so einer dieser kitschigen Zufälle, die man nicht planen kann. Steffens Töchter sangen diese Hymne begleitet von weiteren Sängern des Volksopern-Ensembles.

Schon eher geplant war das von Schmiedl & Slama komponierte und vorgetragene Lied „Steffen Hofmann Fußballgott“, das ebenfalls den Rührungsfaktor um ein paar Grad nach oben getrieben hat. Hier ein Bild der YouTube-Seite von Max Schmiedl:

Und dann das Wiedersehen mit all den Größen vergangener Tage, die alle unter Nennung aller ihrer Verdienste für Rapid einzeln aufs Feld kamen und stürmisch begrüßt wurden unter dem Oberkommando des Meistertrainers Pacult. Die Ansage der einzelnen Spieler wurde als Audio-Datei konserviert. Steffen & Friends spielte in den neuen Auswärtsdressen und jedes Trikot war korrekt mit den historischen Rückennummern und den jeweiligen Namen versehen. Die Freunde waren: Payer (22. Novota, 46. Novota, 62. L. Maier); Dober (46. Trimmel, 62. Sturm), Eder (22. M. Hiden, 62. Pichler), Patocka (46. Feldhofer, 62. Valachovic), Katzer (22. Garics, 70. Hargreaves); Heikkinen (22. Kulovits, 62. A. Hofmann), Hlinka (22. R. Wagner, 46. Bönig); Boskovic (22. Alar, 62. Jancker); S. Hofmann, Hoffer (46. Salihi), Korkmaz (46. Kincl);

Bevor es schließlich losging, noch eine Ehrung für den ältesten Rapidler aus Retz, Otto Filipsky, der in einigen Wochen seinen 106. Geburtstag feiern wird. Auch auf Ivica wurde nicht vergessen, Ivica nahm an dem Spiel in der Ehrenloge von Rapid teil.

Zwei Spruchbänder leiteten die Choreografie ein: „The one and only – Danke für alles“ und „Danke dem Fußballer und Menschen Steffen Hofmann“.

Es gab seitens der Fangruppierungen Geschenke für Steffen, die dieser vor Spielbeginn entgegennahm. Einen besonderen Schlusspunkt bildete der Abschluss, als Steffen gebeten wurde, sich umzudrehen und die Pixel-Choreografie „Danke Steff“ über der ganzen Südtribüne zu lesen war.

Kleiner Hinweis des Beobachters: Das „Danke“ wäre besser lesbar, wenn der Schriftzug weiß statt schwarz dargestellt gewesen wäre aber die Hersteller werde sich das im Nachhinein auch gedacht haben.

Aber damit nicht genug,  bei Spielbeginn wurde ein fast 20 Meter hohes Porträt von Steffen vor der Tribüne hochgezogen und leitete dieses geschichtsträchtige Spiel ein.

Den offenen Brief von Steffen stelle ich an das Ende dieses Berichts.

Der Ankick erfolgte durch Ehrenpräsident Edlinger (er holte Steffen Hofmann zu Rapid) und Präsident Krammer begleitet von Moritz, Steffens Sohn, der schließlich der eigentliche Ankicker war.

Rapid hat an nichts gespart und mit Mag. Harald Lechner den prominentesten Schiedsrichter geholt, den der ÖFB zu bieten hat. Mag. Harald Lechner hat bisher 10 Parteien für Rapid geleitet und seine Bilanz ist aus der Sicht von Rapid mit 5 Siegen, 2 Unentschieden und 3 Niederlagen insgesamt positiv.  Der Grund, warum es nur 10 Spiele sind, ist, dass Schiedsrichter Lechner Wiener ist und daher – wie Schiedsrichter Grobelnik –  nur das Wiener Derby aber keine anderen Begegnungen mit Bundesländermannschaften leiten darf. Aber auch Schiedsrichter Lechner hat nur eine Partie im Allianz-Stadion mit mehr Zuschauern erlebt, die Niederlage vom 23. Oktober 2016 mit 26.000 Zuschauern. Mit 25.300 Zuschauern zählt dieses Abschiedsspiel zu den am besten besuchten Spielen im Allianz-Stadion überhaupt, und die sind:

26200 27.11.2016 sturm
26100 23.04.2017 austria
26000 06.08.2017 austria
26000 23.10.2016 austria
25600 04.02.2018 austria
25300 26.11.2017 rb
25300 28.08.2016 rb

Keines dieser Spiele wurde übrigens von Rapid gewonnen. Das ist übrigens ein statistisches Merkmal von Spielen mit hoher Zuschauerzahl, unter dem Motto: „Sag mir die Zuschauerzahl und ich sage Dir, wer gewinnt.“

In der Pause sahen wir ein Video mit den 11 Lieblingstoren von Steffen Hofmann.

Dass in diesem Spiel Rapid gegen Steffen&Friends Steffen Hofmann alle vier Tore geschossen hat, ist auch so ein Kitschfaktor und kann so nicht geplant gewesen sein, denn dazu sind zu viele Bälle so knapp neben das Tor gegangen, dass auch andere Spieler Torschützen hätten werden können, aber wenn’s lauft, mit dem Kitschig-sein, dann lauft’s.

Eine sonderbare Durchsage ließ uns aufhorchen, denn sie war direkt an Schiedsrichter Lechner gerichtet. Andy Marek teilte mit, dass das Team Steffen Hofmann & Friends mit 12 statt nur 11 Feldspielern am Platz steht. Da weder Trainer Pacult noch der Schiedsrichter Lechner darauf reagierten und ich rasch nachgezählt hatte, musste es wohl einen besonderen Grund haben und der wurde uns klar, als langsam begonnen wurde, das Stadionlicht abzudrehen. 11 Minuten vor Ende des Spiels war es klar, dass Steffen jetzt gehen wird. Und so war es auch; die Kamera verfolgte Steffens letzen Weg in die Kabine und wir hörten seine Abschiedsworte an sein Publikum über die Lautsprecher. „Danke und Servus“

Inzwischen war es ganz finster geworden, nur die Handy-Taschenlampen gaben ein schwaches Licht.

Rapid und Steffen’s Friends bildetenn ein Spalier vor dem Tunnel und Steffen kam wieder aus der Kabine, eine grüne Fackel in der Hand stand er – solange eben eine solche Fackel brennt – vor dem Block West  und drehte unter anhaltendem Applaus von den Rängen unter den Klängen von „Time to say Goodbye“ seine letzte Runde im Stadion.

Diese Szene des Steffen mit der brennenden Fackel machte den Eindruck, einer extremen Einsamkeit unter 25.000 mitfühlenden Freunden.

Nach dem Wiedereinschalten der Scheinwerfer verabschiedeten sich noch alle Akteure…

…und Steffen drehte noch eine allerletzte Runde.

Ist das nicht eine Parabel auf das Leben? Jeder muss sich verabschieden, egal, wie bedeutend er gewesen sein mag. Und es werden wieder welche kommen, die folgen; nicht genau so wie Steffen, anders, aber sie werden kommen und wir werden sie lieben. Und es zählt letztlich weder die Vergangenheit, noch die Zukunft, es zählt nur das Jetzt

Wir fragen uns, ob es solche Abschiede auch anderswo gibt. Na, bei den Millionen Fußballvereinen wird es wohl welche geben, die es mit Rapid aufnehmen können, aber hier in der Welt des österreichischen Fußballs war dieser Abend wohl etwas Einmaliges, auch im Lichte der 120 Jahre, die Rapid im kommenden Jahr gebührend feiern wird. Wie heißt es in der Rapid-Hymne: „für mi gibt’s nur Rapid und sunst nix anders“.

Das Spiel war eine Werbung für Fußball der Extraklasse, etwas, das es tatsächlich nur bei Rapid zu geben scheint. Es gab keinen Gratis-Eintritt. Man musste dafür bezahlen. Viele sind von weit her angereist. Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass unsere Facebook-Freundin Martina eigens aus Lech am Arlberg zu diesem Abschiedsspiel angereist kam. Sie schreibt: „Bin da, im schönsten Stadion der Welt!“. Dass wir im Laufe vielen Jahre zum Teil dieser großen Gemeinschaft geworden ist hat doch auch etwas Kitschiges. Es genügt ja nicht, irgendein Spiel zu besuchen. Man muss Hunderte Spiele besucht haben und immer wieder mit dem einen oder anderen Nachbarn ein Bier getrunken haben, um irgendwann auch in dieser Gemeinschaft akzeptiert zu werden und nicht in allen Fällen gelingt das, trotz aller Bemühungen.

Dass ich das doch etwas abwertende Wort „Kitsch“ verwendet habe, hatte doch nur den Sinn, dass nicht allzu viele Tränen über die Wangen kullern, weil uns eben alle dieses schmerzliche Abschiedsgefühl ergreift, das hier, beim Abschied eines aktiven Fußballers noch Übungscharakter hat, bevor es dann irgendwann bei jedem von uns Ernst wird.

11 Minuten vor Spielende ging langsam das Licht aus und nur die Handy-Taschenlampen beleuchten das Stadion. Ob wir einen solchen Abend je wieder erleben werden? Der Abschied von Steffen Hofmann wurde von Andy Marek und Rapid auf eine unnachahmliche Weise inszeniert. Praktisch zwei Meistermannschaften zu Gast und vier Tore von Steffen.

Aber es ist ja nur ein Abschied vom Rasen. Wer bei Rapid II dabei ist, wird Steffen in seiner neuen Rolle begleiten können. Wer Steffens weiteren Weg mit Rapid verfolgen will, den laden wir an dieser Stelle ein, die Spiele von Rapid II zu besuchen. Das ist Steffens zukünftige Wirkungsstätte und wir freuen uns schon auf die Spiele der kommenden Saison bei Rapid II. Bei Rapid II kann man schon vorfühlen, wer die Arases, Kostics, Müldürs und Ljubicics von morgen sein werden und Steffen wird uns vielleicht den einen oder anderen Aspekt verraten.

Ambiente

Dass die ÖBB Großereignisse in ihren Planungen berücksichtigt, kann man nicht behaupten. Die S80, der ideale Zubringer nach Hütteldorf aus Transdanubien, Favoriten, Meidling und Speising war total überfüllt. Der Grund: die (auch ansonsten viel) zu geringe Zugfolge (Intervall eine Stunde) und die als Kurzzug geführten Garnituren, nehmen auf Großveranstaltungen keine Rücksicht. Das Wageninnere war voll, also bleibt nur die Plattform und auf dieser Fläche gibt es keine Haltegriffe, nur seitlich bei den Türen gibt es Griffe.

Nun, wen stört das, wenn es zum Abschiedsspiel von Steffen geht!

Die Drängerei im Zug setzte sich in der Keisslergasse fort. Man konnte spüren, dass heute das Stadion voll sein würde, sehr zu Freude der Besucher der umliegenden Gastwirtschaften.

Aber der Hürden waren. Da war einmal unser Transparent, das der neue Herr Security nicht kannte und das genau begutachtet wurde, bis es schließlich passieren durfte.

Da war aber dann auch das Problem mit der Eintrittskarte, denn im Laufe der vielen Wochen seit dem Kauf und dem Ausdruck der Karten, hat sich im Kopf des Autors die Ansicht eingebrannt, dass die Tickets auf der Abokarte aufgebucht wären, was aber der Automat am Eingang verneint hat. Und beim Herumkramen in der Erinnerung ist mir dann auch eingefallen, dass sich die damals ausgedruckten Eintrittskarten noch im Vorzimmer bei allen anderen Karten befunden haben.

Aber wozu gibt es ein Klubservice. In wenigen Augenblicken hat mir das Team meine vergessenen Tickets nachgedruckt, wobei mein fortgeschrittenes Alter irgendwie als Entschuldigung herhalten konnte. Jedenfalls bedanke ich mich herzlich für die problemlose und freundliche Erledigung.

Schon nach diesen wenigen Minuten war die Höhle hinter der Tribüne extrem voll und das Spiel des Special-Needs-Teams hatte schon begonnen.

Links


Offener Brief von Steffen Hofmann anlässlich seines Abschieds:

Liebe Rapid-Fans!

Ich bin und war immer ein Fußballer, der das Spiel liebt und das wird auch immer so bleiben. Nun kommt aber die Zeit für die nächste Phase in meinem Leben. Eine wunderschöne Ära endet, aber ich freue mich auf die Herausforderungen der Zukunft! Emotional ganz besonders, dass ich diese bei meinem Herzensverein, dem SK Rapid, in einer sehr verantwortungsvollen Position meistern darf!

Heute möchte ich noch einmal danke sagen! Allen voran meiner Familie: Meiner Frau Barbara, die ich wenige Wochen nach meinem Umzug nach Wien kennen und lieben lernte, und unseren drei Kindern. Meinen Großeltern und meinen Eltern, ohne die ich es nie hätte schaffen können, meinen Traum vom Profifußball zu verwirklichen! Aber auch danke allen anderen Familienmitgliedern in Deutschland und Österreich sowie vielen guten Freunden in meinen mittlerweile zwei Heimatländern!

Ohne meine Wurzeln in Bayern wäre der Sprung nach Hütteldorf nie gelungen, meinen ehemaligen Vereinen in Kirchheim, Würzburg und München bringe ich große Dankbarkeit entgegen. Ganz besonders auch den zahlreichen Wegbegleitern in meinen fast 16 Jahren, die ich hier verbringen durfte. Mitspieler, Trainer, Betreuer, Mitarbeiter und Funktionäre, die vielfach auch zu Freunden wurden! Ich habe eine zweite Familie gefunden, die Rapid-Familie! Und diese wird entscheidend von Euch, den Fans und Mitgliedern dieses großen Vereins getragen. Daher ein herzliches Danke an Euch und ganz besonders an jene, die uns in den Stadien in ganz Europa immer so großartig unterstützen!

Schon das letzte Bundesliga-Match, das ich vor Euch am 20. Mai bestreiten durfte, war eigentlich der perfekte Abschluss meiner aktiven Laufbahn. Es wird mir unvergessen bleiben, das Drehbuch war fast kitschig. Über das Tor und den Sieg gegen Altach habe ich mich unglaublich gefreut, die Ovationen und Jubelstürme von Euch haben mich schier überwältigt!

Heute wird es mit vielen Freunden und Wegbegleitern sicher wieder emotional,ich freue ich mich auf das Wiedersehen mit ihnen und mindestens genauso darüber, dass so viele von Euch heute nach Hütteldorf kommen! Es wird mir heute noch einmal eine Freude und Ehre sein, für unseren Klub und Euch spielen zu dürfen, das war es mir bei jedem einzelnen Match. Ich danke Euch, freue mich auf meine neue Aufgabe bei unserem Herzensverein und möchte abschließend nur noch sagen: LANG LEBE RAPID!

Euer Steffen

 

 

Here, there and everywhere

Eines der schönsten Beatles-Lieder besingt auch das „überall“. Und in eben dort ist Rapid zu Hause: überall, in allen Bundesländern. Und das hat man ganz trefflich durch neun Bilder inszeniert, deren Aneinanderreihung ich mir nicht entgehen lassen will, sind doch die Bilder frei verwendbar.

Lasst uns aber im Zusammenhang mit der neuen Dressfarbe rot noch einmal zurückblicken in das Jahr, in dem die Farben von rot-blau nach grün-weiß geändert wurden. Ich weiß, dass der hier vorgestellt Grund nur eine Möglichkeit ist, aber mir gefällt die Geschichte sehr gut.

Schauen wir einmal in das Liniennetz der Straßenbahn um 1905. Man sieht sehr gut das weitläufige Grünland der Schmelz, wo Rapid noch einige Jahre zuvor gespielt hat. Weiters fällt auf, dass die Straßenbahnlinien zwar eingezeichnet sind, dass aber eine Nummerierung fehlt.

Die nach Wien strömende Landbevölkerung um die Jahrhundertwende 1900 war teilweise nicht alphabetisiert. Das war auch der Grund dafür, dass die Garnituren der Wiener Tramway in den Anfängen mit Farbsignalen und nicht mit Zahlen oder Buchstaben versehen war. Bei diesem Oldtimer sieht man die Signalscheibe mit einem weißen Querbalken. So muss man sich die damalige Farbkennzeichnung vorstellen.

Im folgenden Bild der spätere Zweier-Linie, sieht man, dass bei dieser Garnitur die Signalscheibe aus kreisförmig angeordneten Punkten besteht.

So schauten damals alle Signalscheiben aus:

Jeder kann selbst nachscheuen, mit welchen Farben die Straßenbahnen in seiner Wohngegend herumgefahren sind. Bei Hütteldorf ist es aber etwas komplizierter, denn damals bestand Hietzing aus dem heutigen Hietzing plus dem heutigen Penzing inklusive Hütteldorf. Damals war also ein Spiel gegen die Amateure (Vorläufer der Austria ab 1911) nicht nur ein Stadtderby sondern ein Bezirksderby. Eine Trennung von Hietzing in das heutige Hietzing und Penzing erfolgte erst 1938.

Wer also damals nach Hütteldorf fuhr, der fuhr nach Hietzing. Und die Linie, die dorthin führt war grün (vorne) und grün-weiß (hinten). Man findet die grüne und grün-weiße Signalscheibe in der Mitte der oberen Reihe.

Rapid spielte bis zum Jahr 1905 in den Farben rot-blau. Weil die Farben aber nach dem Waschen in eine Art violett übergingen, änderte man die Farben in grün-weiß und möglicherweise waren die damalige Kennzeichnung der Tramway ein Motiv dafür; es wäre nicht unplausibel.

Ich glaube nicht, dass man das damals dem Zufall überlassen hätte und es dürfte auch heute kein Zufall sein, dass die U4 eine grüne Leitfarbe hat, denn dazu gibt es einfach zu viele Rapidler an allen möglichen Schalthebeln.

Und so schauen sie nun aus, die neuen roten Auswärtstrikots, jeweils in einer der Landeshauptstädte aufgenommen.

Bregenz
Eisenstadt
Graz
Klagenfurt
Linz
Innsbruck
Salzburg
St.Pölten
Wien

Möge uns das Rot dieses neue Trikots auch ein bisschen Glück bringen!

Links

 

Von Königgrätz bis Klagenfurt

Unser deutscher Freund Marcel liebt sein Nationalteam und er scheute keine Mühe, das Spiel in Klagenfurt zu besuchen. Heute gab es die Sendung „Immer wieder Cordoba“ anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums dieses historischen Sieges gegen Deutschland und Marcel wundert sich immer wieder, von wo diese manchmal übertrieben wirkende Freude über einen Sieg in einem ansonst bedeutungslosen Spiel herkommen mag.

Das Spiel ist eine Art kompensatorische Verarbeitung des österreichischen Geschichtsbewusstseins, eine historische Projektion längst vergangener Zeiten, eingegraben in tradierte Verhaltensmuster, die es nur hier, in Österreich gibt. Glücklicherweise haben wir das Spiel und können den Erstfall der kriegerischen Auseinandersetzungen ein- für allemal vergessen. Das Spiel ist eine unblutige Erinnerung an Dinge, die wir nie wieder erleben wollen und wenn das so ist, dann freuen wir uns auf jedes weitere Spiel um so mehr.

Wer „Cordoba? I wea narrisch!“ sagt, meint „Rache für Königgrätz!“, oder nicht? Es sind sicher nicht viele, die den Bogen so weit spannen. Allerdings muss man das, denn was wäre es schon für ein Mahleur, gegen einen vielfachen Weltmeister im Fußball zu verlieren? Da muss doch mehr dahinter stecken als nur der Fußball, oder?

Erzfeind Ungarn

In den 1950er und 60er Jahren gab es mit großer Regelmäßigkeit Duelle mit Ungarn. Fast in jedem Jahr gab es eines dieser packenden Spiele, und die hatten damals schon eine lange Tradition. Und die Ungarn liegen in diesem Vergleich praktisch uneinholbar mit 67:40 Siegen voran. Uneinholbar deshalb, weil es wegen des sehr dichten Länderspielkalenders in den letzten 20 Jahren nur mehr zu 4 Begegnungen mit Ungarn kam. Wenn es also genau so weiter geht, würde die Länderspielbilanz gegen Ungarn erst nach etwa 100 Jahren ausgeglichen sein, aber auch nur dann, wenn alle diese seltenen Spiele auch gewonnen werden. Man sieht, das ist ziemlich illusorisch, die Ungarn holen wir nicht mehr ein.

Bruder Deutschland

Etwas anders ist es mit Deutschland. Zwar können wir auch dort die Bilanz nicht ausgleichen. Aber gegen den großen Nachbarn gab es insgesamt viel weniger Spiele als gegen Ungarn und die Bilanz war bis 1950 mit 6:3 Siegen sogar positiv für Österreich. Erst nach 1950 kam eine Serie von 11 sieglosen Spielen, die dann vom 3:2 von Cordoba unterbrochen wurde. Im selben Zeitraum gab es fast drei Mal so viele Spiele gegen Ungarn und auch diese Spiele gingen mehrheitlich verloren. Ein Sieg gegen Ungarn ist wegen der düsteren Statistik zwar auch eine Sensation aber ein Sieg gegen Deutschland übertrifft sogar noch einen Sieg gegen Ungarn. Warum?

Bruder Ungarn

Ich meine, das hat damit zu tun, dass es zwischen Österreich und Ungarn 1867 einen Ausgleich gab, der in einer Union zwischen Österreich und Ungarn mündete, in der beide Partner auf Augenhöhe agierten.

Erzfeind Preußen

Doch zwischen Preußen und Österreich gab es 1866 die Schlacht von Königgrätz, die mit einem Schlag eine jahrhundertelange Teilhabe der österreichischen Erblande (des „Cisleithanien“) im Heiligen Römischen Reich (ab 1815 im Deutschen Bund) beendete.

Ein Schlacht stellt Weichen

Der Hauptgrund für die Niederlage wird der veralteten Ausrüstung der Österreicher zugeschrieben und dem modernen Zündnadelgewehr der Preußen. Das stimmt, aber man wusste um diesen Nachteil und wählte daher den Ort der Schlacht sehr geschickt in einem Wald, in dem dieser Vorteil für den Gegner nicht so groß war und tatsächlich ging auch Österreich 1:0 „in Führung“, der Gegner wankte, doch er fiel nicht, denn er hatte noch ein Garderegiment zu Fuß im Talon, das zufällig zum richtigen Zeitpunkt am „Spielfeld“ eintraf und schließlich die Schlacht 2:1 an die Preußen ging. In der traurigen Realität hieß das: 2000 gefallene Preußen und 5000 gefallene Österreicher.

Bis zu den Napoleonischen Kriegen stellte das Haus Habsburg den Kaiser im Heiligen Römischen Reich. Die Kurfürsten wählten die Habsburger ganz gezielt. Das Habsburgerreich schützte das Reich nach Südosten und erweiterte sich eher in dieser als in der Gegenrichtung. Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches wurde die Einheit der deutschen Länder nur mehr durch den Deutschen Bund symbolisiert. Das hatte mit dem Aufstieg von Preußen zur Großmacht zu tun und mit dessen hegemonialen Ansprüchen insbesondere gegen Habsburg.

Die Schlacht bei Königgrätz beendete eine Jahrhunderte währende Kooperative und hinterließ eine dauerhafte Kränkung mit fatalen Folgen, die bis Klagenfurt nachwirken.

„Die Piefkes kommen!“

Der preußische Militärmusiker Gottfried Piefke komponierte zur Erinnerung an die Schlacht den Königgrätzer Marsch. Er kam mit seinen Musikern, zu denen auch sein Bruder Rudolf gehörte, bis nach Gänserndorf. Das Publikum soll gerufen haben: „Die Piefkes kommen!“ Ob tatsächlich „Piefke„, der Kosename der Österreicher für die Deutschen, so entstanden ist, weiß man nicht genau aber in Gänserndorf wurde Gottfried Piefke im September 2009 ein Denkmal gesetzt.

Kein Geld, kein Sieg

Oft wird die österreichische Militärführung als etwas unterbelichtet dargestellt. Das war sie aber durchaus nicht. Das Pech der Österreicher war, dass man bei der Modernisierung der Truppenteile mit der Marine begonnen hat, etwas, das sich in der siegreichen Schlacht von Admiral Tegethoff bei Lissa, ebenfalls 1866, zeigte. Die Infanterie sollte als nächste Truppeneinheit modernisiert werden, was aber für den konkreten Konflikt zu spät war.

Ja, auch unsere Nationalmannschaft ist jetzt in wieder in Form, leider etwas zu spät, um bei der WM dabei sein zu können. Wie sich die Dinge wiederholen, wenn auch in ganz anderem – und viel friedlicherem – Gewand.

Das schon seit dem österreichischen Erbfolgekrieg nach dem Tod von Karl VI. erstarkte Preußen hielt nichts von einem Deutschen Kaiser aus Wien und warf Österreich nach Königgrätz vollends aus dem Deutschen Bund. Die Folgen für die weitere europäische Geschichte waren verheerend.

Anschlussgedanke, eine Folge von Königgrätz

Der überall in Europa aufkeimende Nationalismus bekam durch diese Schwächung der österreichischen Erblande eine besonders brisante Komponente, weil man diese ideelle Trennung von Deutschland bis nach dem Zweiten Weltrkieg nicht wahr haben wollte. Die im 19. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum boomenden Burschenschaften hatten in Österreich viele deutschnationale Gruppierungen, die seit diesem Hinauswurf eine eigenständige österreichische Nation ablehnten (und heute immer noch ablehnen), etwas, das es in Deutschland und in der Schweiz in dieser Form nicht gab und nicht gibt und sich seit diesen Tagen in einer Anschlussidee festsetzte.

Hand in Hand mit dem Nationalismus erlebte man in Wien der Gründerzeit einen extremen Fremdenhass und einen extremen Antisemitismus. Der Fremdenhass war deshalb so ausgeprägt, weil die in die Städte strömenden Landflüchter in Wien – anders als in den anderen Metropolen – fremdsprachig waren und daher leicht erkennbar waren, vielleicht so, wie heutige Türken.

Hitlers Wien

Und dieses Biotop war nicht nur die Zündschnur zur Sprengung der Monarchie, sie war auch die Schule eines gewissen Schicklgruber*), der alle diese Ideen bei seinem Weg zur Macht immer im Hinterkopf hatte und nicht gezögert hat, diese Phantasien auch in die Tat umzusetzen.

Während alle anderen Nachfolgestaaten der Monarchie an ihrem neuen Staat bastelten, sehnte man sich in Österreich nach wie vor nach der Situation von vor 1866 als man noch Teil der großen Gemeinschaft der Deutschen Fürstentümer war. Daher nannte man sich nach 1918 auch sofort „Deutschösterreich“, ein Name, der im Vertrag von Saint-Germain 1919 in „Republik Österreich“ umgewandelt wurde; mehr noch, in diesem Vertrag wurde auch das Anschlussverbot festgeschrieben. Ein Selbstbestimmungsrecht der Völker wie es damals von US-Präsident Wilson formuliert wurde, fand keine Anwendung.

Sport als Kompesation

Sport war damals noch eine junge Erfindung, aber in dieser Zeit nach dem Ersten Weltkrieg boomte insbesondere der Fußball und es kam zu den ersten Spielen zwischen der frisch geborenen Republik Österreich und den anderen Nachfolgestaaten aber auch mit Deutschland. Die ersten vier Länderspiele gegen Deutschland wurden gewonnen und unter Hugo Meisl wurden in den Dreißigerjahren auch noch zwei Kantersiege mit 6:0 und 5:0 eingefahren. Die Dokumentation in ORF III über Rapid und Austria zeigt, wie es der Fußball geschafft hat, den Arbeitslosenheeren dieser Jahre so etwas wie ein Erfolgerlebnis zu geben.

Wer braucht den Anschluss?

Das Projekt „Anschluss“ des Herrn Schicklgruber*) ist gründlich daneben gegangen. Aber der Anschlussgedanke ist bis in die Gegenwart Begleitmusik im politischen Diskurs in Österreich, wobei man es den Anschlussbefürwortern nicht ganz verdenken kann, dieser Idee zu verfallen. Cisleithanien war jahrhundertelang Teil dieses großen Bündnisses und dieses Bündnis wurde nie hegemonial ausgenutzt**) und wurde in Königgrätz dieser Rolle ziemlich abrupt beraubt.

Genaugenommen ist dieser „Anschluss“ im Rahmen der EU längst erfolgt und unser sportliche Wettbewerb ist noch als eine historische Erinnerung an längst vergangene Zeiten geblieben. Damit wir noch viele solcher Spiele wie die „Regenschlacht von Klagenfurt“ erleben können, sollten wir uns also einen Anschluss gar nicht so sehr wünschen.

Obwohl, als Anhänger von Rapid schaut das ganz anders aus. Wir würden zwar eine ganz andere Nationalmannschaft – eben die deutsche – haben, aber als neues deutsches Bundesland würden ganz andere Gegner für Rapid nach Wien kommen, die Zuschauerzahlen würden rasant steigen, das Weststadion wäre zu klein und die Einnahmen auf dem Niveau von Deutschland. Eine Art grün-weißes Fußball-Paradies! Schalke, Dortmund und Hertha statt Hartberg, Mattersburg und St.Pölten, das hätte was!

Fußball statt Krieg

Die Bedeutung, die Fußball heute hat, ist faszinierend. Man hat das Gefühl, dass wichtige Ereignisse einfach um einen Monat verschoben werden, um die WM nicht zu versäumen. Einen Monat lang werden Termine nach den Spielterminen der WM ausgerichtet, einen Monat lang blickt die ganze Welt in ein ansonsten wenig bekanntes Land. Dieses Spiel bewegt die Massen und wird daher von den Mächtigen gerne instrumentalisiert. Ein Kommentator im Fernsehen brachte es auf den Punkt, dass man Sympathien auch viel billiger haben kann, indem man einfach keine Kriege führt und Länder anektiert. Auch Sanktionen gibt es dann keine.

Der Veranstalter der Fußball-WM investiert große Summen, um sein Image aufzupolieren. Mich würde interessieren, wie viel ihm das Wer wäre, wenn seine Mannschaft zum Beispiel durch die Worte einer Fee Weltmeister werden könnte. Ob er sich dafür aus der Ukraine zurückziehen würde? Keine Ahnung, aber der Sport ist auf einem guten Weg, wichtig genommen zu werden und wer weiß, ob nicht in späteren Jahrhunderten Konflikte auf diese Weise entschieden werden.

Was hat also Königgrätz gebracht? Meine Antwort: zwei Weltkriege und eine kurios einseitige Fußballrivalität, die für einen Deutschen nicht ganz nachvollziehbar ist, weil es für den „Anschluss“ dort keine Entsprechung gibt. Klar, das ist sehr vereinfacht und alles ist in Wahrheit sehr kompliziert aber diese Geschichte ist eines von vielen möglichen Bildern, das uns hilft, das heute besser zu verstehen und es versucht, den Anschluss nicht als etwas grundsätzlich Abzulehnendes darzustellen, denn das ist es erst durch die Umsetzung von infantilen Wahnideen geworden. Mit einem Rapidler kann man immer über einen „Anschluss“ diskutierten, wie wir gesehen haben, das könnte auch sehr schöne Seiten haben.


*) Der Vater von Adolf Hitler hieß ursprünglich Alois Schicklgruber, nahm aber 1876 den Namen „Hitler“ an, eine adaptierte Version des Namens seines Ziehvaters „Hiedler„. Alle Spuren zu diesen Verwandten sollten ausgelöscht werden und daher wurde auch 1938 der größte Truppenübungsplatz Europas im Waldviertel errichtet, genau dort, wo die Gräber der Großeltern gelegen sind, in Döllersheim. Was man sich natürlich fragt, warum ein kleines Land wie Österreich einen so großen Truppenübungsplatz benötigt und nicht nach dem Krieg alles unternommen hat, diese Flächen wieder ihren ursprünglichen Besitzern zurückzugeben. Manchmal frage ich mich auch, ob diese europäische Unglück nicht einfach nur durch diese Umbenennung passieren konnte. Hätte der Name „Schicklgruber“ dieselbe Person erzeugt wie die mit dem späteren Namen „Hitler„? Siehe Brigitte Hamann, Hitlers Wien, Piper 1998.

**) Ausgenommen die Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

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Rapid-Soziologie

Wie stark sich Rapid in die Biografien seiner Protagonisten einmischt, sieht man an folgendem Beispiel:

Paul ist Abonnent im Block-West. Paul ist Mitarbeiter beim Samariterbund. Und Paul studiert Soziologie. In seiner Bachelor-Arbeit schreibt er über: „Der soziostrukturelle Wandel im Fußball“ die Veränderungen in der Zusammensetzung der Zuschauer am Beispiel von Rapid.

Die Kapitel der 55 Seiten:

  1. Einleitung
  2. Die Geschichte des Fußballs
  3. Fußball als Arbeitersport und Profession
  4. Fußballfans im Laufe der Zeit
  5. Auswertungen der Experteninterviews zum SK Rapid Wien
  6. Fazit
  7. Quellenverzeichnis

In der Arbeit wird untersucht, „inwiefern sich der Fußballsport und sein gigantisches Umfeld weg von einem Gemeingut hin zu einer Ware, welche ausschließlich der Verwertungslogik des Kapitalismus unterworfen ist, entwickelt hat und ob diese Entwicklungen die soziale Zusammensetzung des Stadionpublikums verändert haben.“ 

Bei Rapid hat zwar kein Komplettaustausch des Stadionpublikums stattgefunden hat, aber die Symbolik geht allerdings in eine deutliche Richtung (Stichwort „Allianz Stadion“ und VIP-Tribüne).

Es wird beschrieben, dass solche Veränderungen in anderen Ländern sehr wohl stattgefunden haben aber in der Zusammenfassung lesen wir den Ist-Zustand bei Rapid so: „Der Verein ist sich jedoch weiterhin seiner starken Wurzeln in der Wiener Arbeiterbewegung bewusst und stellt deshalb auch – anders als die anderen Vereine Österreichs – eine Art Zufluchtsort für die sozial schwächsten der Gesellschaft dar.“

Lesenswert!

Auch ein wichtiges Dokument für das Rapid-Museum/Archiv!

119 Jahre Rapid

Wenn man sich auf eine Automatik verlässt… Hätte mich nicht mein treuer Julian schon in der Früh ganz aufgeregt angerufen, ich hätte den Termin übersehen und ihn morgen Dienstag aus meinem eigenen Rapid-Pressespiegel erfahren! Dann wäre es aber zu spät gewesen. Dank Julian konnte ich aber wenigstens die beiden ersten Erzählungen im Kreise von etwa 50 unentwegten Rapid-Anhängern miterleben.

Ich kam mit der U-Bahn am Bahnsteig wartete Viktor! Im Bild Viktor im Gespräch mit Josef Hickersberger:

Wer kennt Viktor nicht! Ich kenne ihn so lang ich Rapid-Veranstaltungen besuche aber es bedurfte einiger Biere am Tisch von Peter und Janine, dass ich ihn näher kennen lernen durfte. Da noch ein bisschen Zeit bis zum Beginn um 16:00 war, lud er mich zu einem Achterl zum Peschta ein. Ich erzählte ihm, dass ich eigentlich ein Tscheche wäre und er erzählte mir, was für tolle Tschechen er schon bei Rapid erlebt hätte, allen voran Antonín Panenka. Ich habe ihn zu unserem nächsten Treffen beim Klub der Freunde eingeladen. Er wird unsere Runde durch seine sehr freundschaftlichen und manchmal auch erheiternden Wortmeldungen bereichern.

Didi Kühbauer

Pünktlich um 16:00 ging es aufwärts in die Players Lounge, einem Bereich, in dem die Spieler nach einem Spiel zusammentreffen. Der abgetrennte Raum befindet sich auf Ebene II. Didi Kühbauer erzählte über die Umstände seines Transfers von der Admira zu Rapid, Anekdoten aus der Zeit mit dem Trainer Gustl Starek, das Highlight Europacup und die Gründe für seinen Abgang. 

Zwei Dinge habe ich mir besonders gemerkt:

  • Didi hat angemerkt, dass man gewisse Ereignisse rund um ein Spiel nicht durch Können oder Nicht-Können erklären kann, sie passieren einfach zufällig. Positive Zufälle (Glück) können sich zu einem „Lauf“ aufschaukeln können, ebenso wie negative Zufälle (Pech) eine Negativspirale auslösen können (ganz im Gegensatz zu einem reinen Glücksspiel, bei dem ein Ergebnis mit vorherigen Ergebnissen in keinerlei Zusammenhang steht). Der psychologische Grund ist, dass der Mensch den Zufall nicht als solchen wahrnimmt sondern das Glück oder Pech bei uns Spuren hinterlässt und damit nachwirkt und daher eine ganze Saison beeinflussen kann. Dass diese Zufälligkeiten nicht nur Ausreden für Misserfolg herhalten müssen, zeigt die Serie der Erfolge, am Weg in das Europacupfinale. Was es ausmachen kann, dass ein sehr starker Gegner wie es Lissabon war, und der sich schon als sicherer Aufsteiger wähnt, dennoch aus dem Bewerb geschossen werden kann, wurde als Beispiel für positive Zufälligkeiten genannt.
  • Didi hat – angesprochen auf einen Konflikt mit Andy Ogris während eines Derbys – einen Umstand wiederholt, den ich in einer ähnlichen Form schon oft gehört habe: er sagte, dass er diese Konflikte seinerzeit als wirklich existenziell betrachtet hat, so, als ginge es um Leben und Tod. Das sei kein Spaß gewesen, es war Ernst. Ähnliches kann man auf der EwkiL-Seite nachlesen, einen Spruch von Bill Shankly, eine, schottischen Spieler und Trainer. Dieses Zitat ist sogar in der Wikipedia verewigt. 

Im Laufe des Interviews gesellten sich auch Präsident Krammer und Geschäftsführer Peschek zur Runde der Zuhörer. 

  

Josef Hickersberger

Wir wechselten den Standort in die Rapid-Loge in Ebene 3, wo uns Josef Hickersberger schon erwartete. Auch Rudi Flögel und Alfred Körner waren bereits anwesend und warteten auf ihr Interview.

Josef Hickersberger hat durch seinen Meistertitel natürlich einen ganz besonderen Stellenwert und eine wichtige Frage war daher, warum er den hoch dotierten Posten in Katar zugunsten des zwar ehrenvollen aber weniger einträglichen Job bei Rapid aufgegeben hat. Die Antwort war einfach. Es war weniger Rapid, das den Ausschlag gegeben hat, es war eher seine Enkeltochter, mit der er dadurch mehr Zeit verbringen konnte. 

Und auch er nannte den Zufall als einen ständigen Begleiter des Fußballs. Wie viel anders hätte die Gruppenphase in der Championsleague verlaufen können, hätte Jozef Valachovic den Elfer versenkt; derselbe Jozef, der im Spiel in Moskau der Matchwinner war. 

Auch bei seiner Station als Bundestrainer hatte er das Pech, dass der Torschützenkönig Marc Janko verletzt war und dem Team beim Bewerb nicht helfen konnte. Es war keine Ausrede aber er wollte – ähnlich wie beim ersten Interview Didi – zeigen, dass Zufälle den Fußball maßgeblich beeinflussen.

Auch sehr interessant sein großes Lob für die Gastfreundschaft seiner nunmehr arabischen Freunde. Josef hat betont, wie freundlich er von den dortigen Vereinen behandelt worden war und wie er auch heute noch gerne dort empfangen wird.

Josef war sehr zuversichtlich, dass es Rapid im Sommer noch bis ganz hinaus schaffen könne, immerhin spräche dafür, dass man ihn zu seinem 60er auf den Rathausplatz zur Meisterfeier einladen konnte und das heurige Jahr, in dem er seinen 70er feiert, würde sich für eine Wiederholung anbieten.

Wödmasta

Die Rapid-Homepage publiziert heute einen Artikel zum Gedenken an Ernst Happel.

Zeitgleich hat die YouTube-Seite von Rapid ein Video mit Ausschnitten einer Diskussion im Ottakringer Café Ritter publiziert, die als „Erster Ernst-Happel-Kaffeehaus-Talk“ bezeichnet wird. Mit am Tisch sind Günter Netzer (Welt- und Europameister), Franz Hasil (Meistercup- und Weltpokalsieger), Andreas Herzog (ÖFB-Rekordnationalspieler) und Alfred Körner (Rapid-Legende).

Bei jedem Fußballspiel, das nicht so läuft, wie man sich das als Anhänger vorstellt, überlege ich, was man tun könnte, um besser zu sein als der jeweilige Gegner. So, wie man selbst ratlos ist, zeigt uns aber, über welche Fähigkeiten gute Trainer verfügen müssen. Und genau diesen Punkt spricht Andy Herzog im „Ersten Ernst-Happel-Kaffeehaus-Talk“ als die wichtigste Qualität von Ernst Happel an, dass dieser es eben verstanden hat, das chaotische Geschehen am Spielfeld richtig zu interpretieren und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

Das Café Ritter wird von Domenico Jacono im Artikel „Kaffeehausfußball“ im Geschichte Wiki von wien.at als Stammcafé des „Wödmasters“ erwähnt. Domenico schreibt, dass Ernst Happel auch in der Zeit, als er längst im Ausland tätig war, sich bei seinen Wien-Besuchen immer dort aufgehalten hat.

Wer sich näher mit Ernst Happel beschäftigen will, sollte den Artikel „Ernst Happel“ im Geschichte-Wiki von wien.at lesen (Aus dem Historischen Lexikon von Felix Czeike), die Biografie von Ernst Happel auf wien.at und den Eintrag in der Wikipedia über Ernst Happel.

Wer es lieber filmisch mag, dem liefert die YoutTube-uche nach „Ernst Happel“ 23.000 Ergebnisse. Von allen diesen Filmen ist vor allem das „Ernst Happel Portrait“ (40 Minuten) zu empfehlen.

Das Publizieren von Bildern, die man nicht selbst gemacht hat, ist problematisch. Ausnahmsweise habe ich aber ein Bild von Ernst Happel, das noch aus den Foto-Beständen meines Vaters stammt. Es ist vom 6. März 1960 von Spiel Simmering-LASK:

 

 

Die guade oide Zeit…

Ja, das waren noch Zeiten, als ein Straßenbahnfahrschein noch 1,30 Schilling kostete. Genau war das vom 1.8.1951 bis 31.8.1955 wie „Revisor“ im Forum „Nahverkehr Wien“ zu berichten weiß. Gerne werden bei solchen Erinnerungen die Schlagworte  „die gute alte Zeit“, „früher war alles besser“ und eventuell auch „football-old-style“ verwendet.

Aber wie war es wirklich?

1976 schrieb Gerhard Niederhuber, damals Schriftführer, in der Festschrift „25 Jahre Klub der Freunde des S.C. Rapid“ folgenden Aufruf:

Du kannst diese Aufforderung durchaus ernst nehmen, auch wenn sie Dich mit der Verspätung von 40 Jahren erreicht, denn der Klub der Freunde des S.C. Rapid würde sich über Deine Teilnahme durchaus freuen. Aber bitte nicht an die Josefstädter Straße 66 schreiben, dort ist das Cafe Hummel und das war damals,1976 der Treffpunkt des Klub der Freunde des S.C. Rapid. Zahle auch nicht 12,-*12,- öS *) Schreibe und einfach eine E-Mail an klubderfreunde@aon.at oder an franz@ewkil.at oder wende Dich an einen der Funktionäre. Wenn Du keinen kennst, komm‘ im Stadion auf die Ost-Tribüne, S11-R13-138.

Die Jahresgebühr für den  Klub der Freunde des S.C. Rapid betrug 1976 144,- Schilling, und das wären heute etwa 10 Euro pro Jahr. So billig war damals eine Mitgliedschaft – oder nicht?

Wir wollen das einmal genauer nachrechnen und bemühen dazu eine Seite der WKO über Inflationsentwicklung (Veränderung der Verbraucherpreise). 1976 war der Verbraucherpreisindex 366 % (bezogen auf 100% im Jahr 1950). Und im Jahr 2016 ist dieser Index auf 1061, 90 % gestiegen. Der Zusammenhang ist in der folgenden Grafik dargestellt:

Das ergibt:
Jahr Index   MB/Jahr
1976  366%   144,- öS
2016 1062%   772,- öS = 1062/366 * 144,- = 418/13,76 Euro = 30,- Euro

Durch den stetigen Anstieg der Preise müsste man heute 30.- Euro bezahlen, tatsächlich zahlen wir aber 45,- Euro pro Jahr, also mehr als es der Inflationsrate entspricht. Dafür musste aber etwa seit 1976 auch der eigene Clubraum finanziert werden, denn vorher residierte man kostensparend im Cafe Hummel.


Heute wie damals braucht Rapid Dich und Deine Unterstützung! Mit einer Mitgliedschaft beim Klub der Freunde des S.C. Rapid zum Preis von 45,- Euro pro Jahr kannst Du noch mehr für Rapid tun, weil alle Überschüsse aus den Mitgliedsbeiträgen und Spenden satzungsgemäß dem Nachwuchs des SK Rapid übergeben werden.

Was bekommst Du für eine Mitgliedschaft?

Jedes Mitglied erhält 8-10 Ausgaben „Grünzeug“, die durch das Vereinsleben dokumentieren. In den Ausgaben wird auch zu den Mitgliederversammlungen eingeladen. Bei unseren etwa 6 Treffen pro Jahr hast Du Kontakt zu Spielern und Funktionären und kannst ihnen hautnah in unserem Vereinslokal begegnen und mit ihnen diskutieren.

Rundblick St. Hanappi

Nachdem Google Street-View seine Fahrten am 19. Juli in Österreich startet, erinnert uns Die Presse im Bericht „Ab 19. Juli düsen Googles Street-View-Autos durch Österreich“, dass es einen Vorgeschmack auf die kommenden Ansichten in Form einzelner 360-Grad-Rundblicke im Form der „Special Collections“ bereits gibt. Hier die beiden 360-Grad-Ansichten des Hanappi- und des Allianz-Stadions:

Hanappi-Stadion

Im kleinen quadratischen Kasten in der linken unteren Bildecke kann man den eigenen Standort auswählen. Im Bild steht man unmittelbar vor der Südtribüne.

Allianz-Stadion

Diese 360-Grad-Ansicht des Allianz-Stadions ist aus Süd-Ost-Ecke gemacht worden. Hier kann man den Standort nicht verändern.

Weitere Stadien

Daneben gibt es auf der Rapid-Homepage die „Familienfotos“.


Danke an Thomas für den Hinweis!

Die kurze Geschichte der Rapid-Homepage

Beim Arbeiten mit Internet-Inhalten sehen wir, dass durchaus vorteilhafte technische Verbesserungen zum Verlust von Inhalte führen, viel schneller als es bei Druckwerken der Fall ist, denn diese bleiben in öffentlichen Archiven gespeichert. Aber für Internet-Seiten gibt es eine solche Aufbewahrungspflicht nicht.

In den USA hat man sich schon früh Gedanken zur Kurzlebigkeit der Internet-Inhalte gemacht, und man hat dort ein Konzept entwickelt, das die Internet-Inhalte kontinuierlich archiviert.

Dieser Beitrag zeigt am Beispiel der Rapid-Homepage, wie man das frei zugängliche Web-Archiv des Internet dazu benutzen kann, alte Inhalte wieder zum Leben zu erwecken, auch wenn sie durch technologische Neuerungen bereits im Daten-Nirwana gelandet sind.

Die neue Rapid-Homepage

Als im Vorjahr die neue Rapid-Homepage aus der Taufe gehoben wurde, waren wir von der neuen Qualität beeindruckt, und sind es immer noch durch die zahlreichen Erweiterungen, die im Laufe ihrer kurzen Betriebszeit dazugekommen sind. Besonders erwähnen kann man die neue Termine-Seite, die (fast) „alle Stückln spielt“.

Was mich zunächst ziemlich gestört hat, war der Bruch mit dem „was bisher geschah“. Keiner der bisherigen Artikel der Rapid-Homepage blieb am Anfang im Sinne eines Archivs erhalten. Berichte aus etwa 15 Jahren Web-Berichterstattung schienen verloren gegangen zu sein. Aber das war nur beim Start so. Wenn man heute die News unter „Aktuelles“ genauer untersucht, stellt man fest, dass die Einträge nunmehr zurück bis ins Jahr 2011 archiviert sind. Aber diese Archivierung ist weder vollständig noch genau genug. (siehe Anmerkungen weiter hinten).

Für Anwender, die Inhalte von Rapid verlinken, sind diese Diskontinuitäten nachteilig und man sucht nach Möglichkeiten, frühere Beiträge auch nach Änderungen korrekt zitieren zu können.

WayBackMachine

Die Non-Profit-Organisation „Web Archive“ stellt seit etwa 1998 unter anderem ein Web-Archiv des gesamten Internet zur Verfügung. Der derzeitige Bestand sind ca. 300 Milliarden Seiten. Hier sieht man die Startseite zu dem riesigen Datenlager:

Dieses Archiv bietet auch frühere Versionen der Rapid-Homepage für Recherchen an. Die Formatierung und auch Bilder sind nicht immer erhalten, aber bei den meisten Recherchen wird es ohnehin eher um die Inhalte gehen.

Am Aussehen der Seiten kann man vier verschiedene Phasen erkennen:

  • 1998-2002
  • 2002-2006
  • 2007-2015
  • 2016-2017

In der folgenden Tabelle findet Ihr Bilder der Homepage (Startseite) von Rapid zwischen 1998 und 2017. Ein Klick auf die Jahreszahl öffnet ein neues Fenster mit dem Original-Inhalt auf der WayBackMachine, und dort kann man in der alten Version der Homepage weiter navigieren – in gewissen Grenzen, betreffend die Darstellungsqualität, die Bilder und die verfügbare Verlinkungstiefe. Ein Klick auf das Bild zeigt eine höher aufgelöste Version des Bildes.

1998
1998

1999
1999

2000
2000

2003
2003

2004
2004

2005
2005

2006
2006

2007
2007

2008
2008

2009
2009

2010
2010

2011
2011

2012
2012

2013
2013

2014
2014

2015
2015

2016
2016

2017
2017

Das Web-Archiv garantiert verlässliche Links. Wenn man daher einen älteren Bericht der Rapid-Seite zitieren will, bietet dieses „ewige“ Webarchiv eine sehr gute Möglichkeit dazu an.

Verbesserungsmöglichkeiten für die Rapid-Seite

  1. Die Datumsgrenze 1.1.2011 für alte Inhalte scheint ziemlich willkürlich gewählt zu sein und daher wäre es genau so gut möglich, auch noch die verfügbaren Jahre davor im Archiv anzubieten. Tut man das nicht heute, werden diese Inhalte wohl verloren sein, zumindest für das Rapid-Meldungs-Archiv.
  2. Link-Problem: Die Inhalte sind zurück bis 2011 vorhanden, aber alle früheren Schreibweisen der Links sind weg. Das neue CSM verwendet das Verfahren der „sprechenden“ Permalinks damit Suchmaschinen schon am Link den Inhalt einschätzen können. Das war früher nicht der Fall; die alte Homepage hatte kryptische IDs in der Adressen. Einerseits ist diese Neuerung zu begrüßen, anderseits gingen damit mit einem Schlag alle bisherigen Verlinkungen anderer Seiten verloren. Siehe „Linkproblem“.
  3. Untersucht man die alten Artikel, stellt man immer wieder Fehler fest. Die Zusammenfassung ist korrekt aber der Link „mehr…“ führt auf eine falsche Seite. Beispiel 7.1.2011 Stellungnahme des SK Rapid (zu Yasin Pehlivan) führt auf die Seite http://www.skrapid.at/de/startseite/news/news/aktuelles/2011/01/stellungnahme-des-sk-rapid/ aber die zeigt einen Inhalt aus dem Jahr 2015, der zufällig ebenfalls den Titel „Stellungnahme des SK Rapid“ hat.

Linkproblem

Eine der ältesten Meldungen im aktuellen Rapid-Archiv:
7.1.2011 Zugang: Michael Schimpelsberger

Link auf www.skrapid.at

Link auf Web-Archive.org

Wir erkennen am Aufbau des Links im Web-Archiv die frühere Schreibweise und die veränderte Schreibweise im neuen Archiv.

Suchmaschinen haben mit der Änderung wenig Probleme, weil sie beim nächsten Besuch die nicht mehr funktionierenden Links verwerfen und die neuen Links aufnehmen. Aber alle sonstigen festen Links auf Webseiten sind durch die Umstellung gebrochen.

Für einen „Bastler“ wie mich wäre es eine Ehrensache gewesen, die alte Schreibweise als eine Alternative für die Erreichbarkeit alter Artikel zu erhalten. Wirtschaftlich gedacht ist es natürlich nicht.

Archivierung von Internet-Inhalten

Schon 2001 berichtete die Wiener Zeitung, dass unsere Zeit die am schlechtesten dokumentierte Epoche sein werde: „Nur ein einziger Satz“.

Dass wir, bei Rapid, einer Unternehmung, die sich die Pflege seiner eigenen Geschichte auf die Fahnen heftet und Besuchern diese Geschichte bei Führungen vermittelt, die Hilfe eines amerikanischen Projekts benötigt, um zehn Jahre alte Meldungen zu rekonstruieren, wirft ein sonderbares Licht auf unser Geschichtsbewusstsein. Denn Geschichte, das ist die Meldung, die soeben über das Spiel in Bad Wimsbach ausgesendet wurde. Und diese Meldung zu bewahren, das müsste doch auf der Prioritätenliste ganz oben stehen, vor allem, weil es technisch so einfach wäre. Damit das aber passiert, muss das Internet-Team einen solchen Auftrag haben, nicht nur die neuen Inhalte aufzubereiten sondern auch den rekonstruierbaren Inhalte früherer Jahre zur Verfügung zu stellen.

Was würden wir uns heute freuen, wenn wir Originale der Spielankündigungen oder Spielberichte aus früheren Epochen bekommen könnten. Heute könnten wir an einem solchen Archiv für die Nachwelt arbeiten und tun es nicht ausreichend gewissenhaft – wie das Beispiel der Rapid-Homepage zeigt.

Es stimmt insgesamt nachdenklich, dass man sich der archivarischen Verantwortung für Internet-Inhalte nicht bewusst ist und die Aufzeichnung der eigenen Internet-Geschichte anderen überlässt.

Die älteste Version der Rapid-Homepage beantwortet auch die Frage, wie man damals, 1998 das Rapid-Telefon genannt hat: „Rapidophon“. Und seine Nummer war 01-91 001.

Rekordmeister

Alle Jahre wieder werden aus dem Umfeld der Wiener Austria Ansprüche auf das Attribut „Rekordmeister“ vorgebracht. Auch heuer wurden wieder einschlägige Postings gesichtet.

Historische Realität

Beide Vereine, Austria und Rapid, verfolgen ihre Geschichte bis etwa um 1900 zurück. In diesem Zeitraum kamen mehrere Liga-Konstrukte zur Anwendung, die sowohl das politische System und auch die sportliche Realität der jeweiligen Epoche wiederspiegeln.

Wenn also eine Mannschaft seit 1899 oder 1911 am fußballerischen Wettbewerb teilgenommen hat, dann muss sie auch zu den Leistungen in allen diesen Epochen stehen, egal, wie die jeweilige Liga geheißen hat oder ob einem das damalige politische System gefallen hat oder nicht.

Die Wiener Austria war ebenso wie Rapid seit 1911 Teil der Liga und man feierte in all diesen Jahren einen Titel ähnlich euphorisch wie heute. Die Bedeutung dieser – damals – Wiener Meisterschaft war in der öffentlichen Wahrnehmung ebenso wie die der heutigen Bundesliga. Davon kann man sich in den Zeitschriften- und Bildarchiven überzeugen.

Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass der damalige Wettbewerb Mannschaften aus den Bundesländern benachteiligt hätte (wie noch gezeigt werden wird), jedenfalls hat der Meistertitel damals wie heute zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb, dem Mitropacup berechtigt, den die Austria auch zwei Mal gewonnen hat.

Jeder, der damals in der höchsten Spielklasse beteiligten Vereine unterlagen einem ähnlichen Wettbewerb mit einer ähnlich hohen Beteiligung des Publikums, wie die durchschnittlichen Zuschauerzahlen zeigen. Und jeder dieser Vereine hatte alljährlich die Gelegenheit, seine Sammlung an Meistertiteln zu bereichern – auch die Austria.

Natürlich war Fußball damals anders als er es heute ist aber es war damals Rapid, das es besser verstanden hat, die besten Spieler für sich zu gewinnen und dann auch mehr Meistertitel zu erringen. Nicht zu Unrecht steht jener Mann vor dem Rapid-Stadion, der für Rapid das organisatorische Meisterstück erbracht hat: Dionys Schönecker.

Warum es Rapid in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weniger gut gelungen ist, Titel zu erringen, das wäre eine eigene Studie wert. Ich habe dazu in den letzten Jahren aus Indizien eine eigene Vorstellung entwickelt aber das hier darzulegen würde zu weit führen; außerdem würde man zur Absicherung die Expertise eines Fußballhistorikers benötigen.

Die bisherige Titelbilanz ist folgende (und auch das Titelbild versucht das darzustellen):

Austria Rapid
Meister 24 32
Sterne 2 3
Cupsieger 27 14
Supercupsieger 6 3
Titel 57 49

Gemessen an der Zahl der errungenen Titel ist die Austria klarer Führender. Da aber in der „Sterne-Wertung“ ausschließlich der Meistertitel berücksichtigt wird, ist in dieser Disziplin Rapid voran.

Warum sich die „Sterne-Wertung“ auf den Meistertitel und nicht auf Cuptitel bezieht, liegt am bedeutend größeren Aufwand für den Meistertitel, denn für einen Cuptitel reichen heute sechs gewonnene Spiele, für den Meistertitel sind aber 36 Spiele und höchste Punktezahl erforderlich.

Dementsprechend wurden in der Grafik diese Sterne für die jeweiligen Titel auch verschieden groß, entsprechend ihrer unterschiedlichen Bedeutung, dargestellt.

Keine Mannschaften aus den Bundesländern

Der Anspruch der Austria wird daraus abgeleitet, dass es vor 1949 keine gesamt-österreichische Liga gegeben hätte und man daher die Meistertitel bis zu diesem Zeitpunkt nicht zählen dürften.

Wenn etwa Sturm Graz, Salzburg oder der LASK diese Argumentation verfolgen würden, wäre das noch irgendwie nachvollziehbar; warum aber der Anhang eines Vereins sich für die Aberkennung seiner eigenen Vergangenheit ausspricht, zeigt von einem eigenartigen Traditionsbewusstsein.

Auf den Zeitraum kommt es an

Anzahl der Titel (Meister oder/und Cup) hängt davon ab, welchen Zeitraum man veranschlagt. Es gibt Zeiten, die den einen oder den anderen Verein vorne sehen.

Die derzeitige Situation ist so, dass weder die Austria noch Rapid in der Lage sind, das nötige Kapital aufzustellen, um dem „Besitzer des Zaubertranks“ Paroli zu bieten. Würde man etwa jenen Zeitraum betrachten, den ich selbst miterlebt habe, dann ergäbe sich folgendes Bild (letzte 18 Saisonen):

2016/17 Salzburg
2015/16 Salzburg
2014/15 Salzburg
2013/14 Salzburg
2012/13 Austria
2011/12 Salzburg
2010/11 Sturm
2009/10 Salzburg
2008/09 Salzburg
2007/08 Rapid
2006/07 Salzburg
2005/06 Austria
2004/05 Rapid
2003/04 GAK
2002/03 Austria
2001/02 Tirol
2000/01 Tirol
1999/00 Tirol

Nur in fünf Saisonen sind Wiener Vereine Meister geworden, d.h. heute sind die Bundesländer-Meister gegenüber den Wienern klar voran. Aber das war nicht immer so, denn es begann genau umgekehrt.

Eine Zeitreise

Die Kritiker der Zählung der Meistertitel führen an, dass in der Zeit bis 1949 in der Meisterschaft der höchsten Spielklasse nur Vereine aus Wien beteiligt waren.

Aber das ist genau so, wie wenn sich jemand darüber erregt, dass bei den österreichischen Schi-Meisterschaften nur Teilnehmer aus den westlichen Bundesländer vertreten sind, nicht aber aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland.

Was im Fall der Schifahrer keiner weiteren Begründung bedarf, muss man im Falle des Fußballs mit einer Zeitreise erklären. Es geht nämlich nicht um den Fußball von heute, denn wie der funktioniert, ist uns klar, sondern es geht um die Zeit der Anfänge des Fußballs.

Fußball fand seinen Ausgangspunkt in den Ballungsräumen großer Städte, etwa der Midlands, von London, des Ruhrgebiets und eben auch Wien.  Dass es heute durchaus auch konkurrenzfähige Fußballvereine in ländlichen Gebieten gibt, liegt an den heutigen Finanzierungsformen und an der allgemeinen Mobilität. Dadurch werden Hoffenheim, Leicester City und Altach möglich.

Aber das alles hat es um 1900 nicht gegeben. Fußball war damals in Österreich eine Angelegenheit der großen Städte Wien, Prag und Budapest. In diesen Sozio-Biotopen konnten sich die besten Spieler herausbilden, vor allem gab es auch die Bevölkerungsschichten (vielleicht vergleichbar mit den brasilianischen Favelas), die ihrer oft tristen Situation auf dem Umweg über den Sport zu entkommen suchten. Dass man eine Mannschaft – wie heute – kaufen und in ländlichem Gebiet „betreiben“ kann, das war damals kein Thema, denn Einnahmen aus den Eintrittsgeldern waren nur in Großstädten ausreichend gegeben.

Natürlich spielte man auch „am Land“ Fußball, aber da die dortigen Spieler nicht die heutige Beweglichkeit hatten, verfügte man dort nur über Spieler „aus der Gegend“ und gegenüber dem Spielerreservoir des kulturellen Schmelztiegels „Wien“ war man damit in keiner Weise konkurrenzfähig.

Daher war es für den damaligen Verband im Jahr 1911 keine besondere Frage, die „Erste-Klasse Niederösterreich“ zur höchsten Spielklasse zu erklären. Daneben gab es noch die „Erste Klasse“ von Böhmen, von Mähren – Schlesien und Polen. In der Saison 1912/13 gab es daher gleichzeitig die vier Meister: Rapid, DFC Prag, DSV Troppau und Cracovia Krakau. Wie diese Meister vom damaligen Trainer des österreichischen Nationalteams bewertet wurden, können wir an den Aufstellungen ablesen (siehe Kapitel „Die Rolle des ÖFB“).

Meisterschaften in Österreich

1911 - 1949  Meister des WFV/NFV (Erste Klasse, 1. Liga, Nationalliga)
1938 - 1945  Gauliga
1949 - 1974  Staatsliga
1974 - heute Bundesliga

In der Anfangszeit des Fußballs waren Mannschaften aus den heutigen Bundesländern kein Thema, zu groß war der Leistungsunterschied. In den Kriegsjahren der Gauliga gab es Versuche, Vereine aus den Bundesländern in der Liga aufzunehmen aber diese sind nach einer Saison wieder ausgeschieden. [1940/41 LASK, 1941/42 Sturm, 1942/43 Reichsbahn, 1942 Sturm].

1949 wurde mit der Staatsliga eine gesamtösterreichische Meisterschaft gegründet. In den ersten Jahren der Staatsliga belegten Bundesländervereine die hinteren Ränge der Tabelle, und es hat 15 Jahre gedauert, bis ein Verein aus den Bundesländern – der LASK – 1965 erstmals österreichischer Meister wurde. Zwischen 1950 und 1965 spielten die Teams aus den Bundesländern eine untergeordnete Rolle.

Gibt es Bundesländervergleiche?

Es gibt nicht viele historische Teilbereiche, die so klar dokumentiert sind wie der Fußballsport. Das ist besonders einzelnen Autoren zu danken wie zum Beispiel Roland Holzinger, dem Verfassern der Rapid-Chronik. Mit seinen Daten können wir rekonstruieren, wie die Leistungsverhältnisse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren.

Die Bewerbspiele sind uns ohnehin bekannt und sie betreffen praktisch nur Begegnungen zwischen Wiener Vereinen. Aber es gab darüber hinaus auch freundschaftliche Begegnungen mit Mannschaften aus den Bundesländern und wir können diese Spiele im Nachhinein analysieren.

Bilanz aus der Sicht von Rapid

Ausgewertet*) wurden 1209 Spiele aus der Rapid-Chronik zwischen 1911 und 1949, die keine Bewerbspiele waren. Davon waren 645 internationale Spiele und 564 nationale Spiele. Die nationalen Spiele wurden unterteilt in solche gegen Wiener Vereine (465) und gegen Vereine aus den Bundesländern (99).

*) Diese Daten verdanke ich der Zusammenarbeit mit Domenico Jacono, der mich 2014 gebeten hatte eine solche Testspielbilanz zu erstellen. Die komplette Dokumentation dieser Auswertung steht für Interessenten zur Verfügung.

Spiele   S   U   N Bundesland
   465 322  58  85 Wien
    99  90   3   6 Bundesländer

Rapid gegen Wiener Vereine

Von 465 dieser Nicht-Bewerbspiele gegen Wiener Vereine hat Rapid 69% gewonnen und 82% nicht verloren, das zeigt etwa die Kräfteverhältnisse in Wien.

Aber von 99 Spielen gegen Bundesländer-Vereine hat Rapid 91% gewonnen und 94% nicht verloren.

Aus diesen Zahlen lässt sich die eklatante Überlegenheit des Wiener Fußballs gegenüber dem Bundesländer-Fußball gut ablesen. (Wahrscheinlich führen Auswertungen von Spielen der anderen Wiener Vereine zu ganz ähnlichen Ergebnissen.)

Die Festlegung der Wiener (Niederösterreichischen) Meisterschaft als höchste österreichische Leistungsklasse war in den Anfängen des Fußballs nicht infrage gestellt; auch nicht von damals in den Bundesländern spielenden Klubs.

Es mutet daher sonderbar an, dass ein Verein, der ebenfalls seit dem Beginn der österreichischen Ligageschichte die Zeit bis 1949 als „irrelevant“ infrage stellt. Denn die Austria feierte in diesen Jahren immerhin zwei angesehene Mitropacuptitel. Wie hätte sie diese denn erwerben können, wenn sie nicht Teil der höchsten Spielklasse in Österreich gewesen wäre?

Historische Gerechtigkeit

Wir können einen historischen Sachverhalt zwar aus der heutigen Sicht bewerten und können und sollen daraus lernen, aber um den damals handelnden Personen gerecht zu werden, muss man die historische Situation aus den damals herrschenden Umständen bewerten und nicht nach den Möglichkeiten und Maßstäben von heute.

Wir können nicht das heutige Ligensystem, das als Produkt eines jahrzehntelangen Prozesses entstanden ist, auf die Zeit um 1900 anwenden, weil das damals nicht bekannt war. Die damalige Realität war „Fußball als eine rein Wiener Angelegenheit“, so wie Schifahren etwas für die gebirgige Gegenden ist.

Wenn also um 1911 die höchste Spielklasse eine rein Wiener Angelegenheit war, dann war das damals nicht ungerecht gegenüber Bundesländervereinen, sondern lediglich ein Abbild der damaligen fußballerischen Landschaft.

Die Rolle des ÖFB

Der ÖFB besteht seit 1904 und bezeichnet alle bisher 757 internationalen Begegnungen seit 1902 als Spiele der „Österreichischen Nationalmannschaft“. Diese Länderspiele werden in allen bedeutenden internationalen Fußballdatenbanken als Bewerbspiele der österreichischen Nationalmannschaft angeführt.

In allen diesen Spielen des ÖFB kamen immer die besten Spieler zum Einsatz, die der jeweilige Trainer aufstellen konnte. Und hätte es damals, 1902 oder in den Jahrzehnten danach, relevante Spieler aus den Bundesländern gegeben, die das Nationalteam hätten verstärken können, hätte sie ein verantwortungsbewusster Trainer auch eingesetzt. Und wenn es möglich war, tat er das auch, wie man den Mannschaftsaufstellungen entnehmen kann.

Der ÖFB trug sein erstes Spiel*) am Sonntag, 12, Oktober 1902 gegen Ungarn aus und gewann 5:0. Die Aufstellung war: Nauss (WAC); Eipeldauer (Vienna), Wachuda (WAC), Hüttl (Cricketer), Blässy (Graphia), Mössmer (DJM Währing), Wiesner (W1898), Huber (WAC), Schrammel (WAC), Studnicka (WAC), Taurer (WAC)

*) Den ÖFB gab es 1902 noch gar nicht aber er hat diese ersten Länderspiele bis 1904 „adoptiert“.

Man sieht an der Aufstellung, dass ausschließlich Spieler von Wiener Vereinen berücksichtigt worden sind, aber keine Spieler aus den Bundesländern.

Man sieht weiters, dass noch kein Rapid-Spieler aufgeboten wurde; zu schwach waren damals die noch in rot-blau spielenden Rapidler (grün-weiß wurden sie erst 1906). Dagegen wurde bereits ein Cricketer aufgeboten. Die Cricketer waren die Vorläufer der späteren Amateure (ab 1927 Austria).

Einige Jahre später, im ersten Meisterschaftsjahr, bestritt der ÖFB am 9. Oktober 1911 in Dresden das 22. Spiel gegen Deutschland 1:1 mit folgender Aufstellung: Müller (Sportklub); Popovich (Amateure), Tekusch F. (WAF), Cimera (DFCPrag), Swatosch (Simmering), Tekusch K. (WAF), Kohn (WAF), Schmieger (Sportklub), Schwarz (Vienna), Neumann (WAC), Spindler (Teplitz).

Mit diesem Beispiel möchte ich zeigen, dass es keineswegs ein Transportproblem gewesen sein kann, Spieler aus den Bundesländern nicht zu berücksichtigen, denn bei diesem Spiel wurden sogar Spieler aus Teplitz und Prag (aus dem heutigen Tschechien) in den Kader geholt. Das war möglich, weil das heutige Tschechien damals zur österreichischen Reichshälfte gezählt wurde. Hätte es also relevante Spieler aus den heute österreichischen Bundesländern gegeben, der Trainer hätte sie sicher zum Einsatz gebracht – aber es gab sie nicht. Gleichzeitig sieht man auch die Einschätzung der Spielstärke der Ligen mit Wien als Schwergewicht.

Abschließend möchte ich noch ein legendäres Spiel aus der Zeit des Wunderteams erwähnen, das in Berlin gegen Deutschland am 24.5.1931 6:0 gewonnen wurde. Die salomonische Aufstellung zeigt, dass Hugo Meisl je zwei Spieler der damals führenden Wiener Vereine eingesetzt hat: Hiden (WAC); Schramseis (Rapid), Blum (Vienna), Braun (WAC), Smistik (Rapid), Gall (Austria), Zischek (Wacker), Gschweidl (Vienna), Sindelar (Austria), Schall (Admira), Vogl (Admira).

Die damalige Wiener Meisterschaft war unzweifelhaft die höchste Spielklasse und daher war der damalige Meister auch gleichzeitig österreichischer Meister. Und die Auswahl der Spieler des Nationalteams bestätigen diese Dominanz der Wiener Klubs.

Solange der ÖFB seine Spiele über diesem Zeitraum seit 1900 zählt, sind auch die Meisterschaften in diesem Zeitraum der Selektionmechanismus zur Auswahl der besten Spieler und diese Spieler stammen alle aus dem Bereich der Wiener Vereine.

Spielerherkunft in der Nationalmannschaft

Den Abschluss bildet eine Auswertung der Herkunft der in der Nationalmannschaft eingesetzten Spieler. Dazu wurden etwa 740 Spiele der österreichischen Nationalmannschaft ausgewertet.

„Blau“ ist der Anteil der Spieler von österreichischen Vereinen und „gelb“ der Anteil der Legionäre. („blau“ + „gelb“ = 100%.) Der Legionärsanteil in den ersten Jahren kommt von Spielern aus dem damaligen Kronland Tschechien. Damals war das Inland, da es aber um das heutige Österreich geht, wurden diese Spieler in diesem Diagramm als „Legionäre“ gewertet.

Die Spieler von österreichischen Vereinen wurden unterteilt in Spieler von Wiener Vereinen („rot“) und Spieler aus den Bundesländern („grau“). Österreich („blau“) = Wien („rot“) + Bundesländer („grau“).

Man sieht, dass bis 1949 praktisch keine Spieler aus den Bundesländern nominiert worden sind.

Dass die Teamchefs zum Beispiel aus rein praktischen Gründen (Anreise) ausschließlich Wiener Spieler gewählt hätten, trifft nicht zu, denn bereits in der Monarchie hat man die Österreichische Nationalmannschaft durch Spieler aus Böhmen verstärkt. Hätte es also entsprechend auffällige Spieler aus den österreichischen Bundesländern gegeben, hätte ein Hugo Meisl das sicher nicht übersehen.

Diese Analyse der Nominierungen in die österreichische Nationalmannschaft zeigt, dass die ersten 50 Jahren des österreichischen Fußballs, von den Wiener Vereinen dominiert wurden und dass der Meister der Wiener Meisterschaft sich zurecht auch als österreichischer Meister nennen kann.

Die Auswertung der Vereinszugehörigkeit der Spieler der Nationalmannschaft zeigt auch, dass in den letzten Jahren die Bedeutung der „Legionäre“ stark zugenommen hat und Spieler aus der österreichischen Bundesliga nur mehr eine geringe Rolle spielen.

Ausblick

Es ist schon schwierig genug, die Vergangenheit zu beschreiben, dann erst die Zukunft; noch dazu in einem so durch Zufälle dominierten Gebiet wie es der Fußball eben ist.

In der folgenden Grafik sieht man die 11 Meistertitel von Rapid (*) und die 18 der Austria (#) in den letzten 50 Jahren:

 *###*  **##     # ####**###**  ###  *      # *# * 
 |....:....|....:....|....:....|....:....|....:....|
 1960      1970      1980      1990      2000      2010

Für das rekord-gewohnte Rapid ist das ein mageres Ergebnis, verglichen mit den 22 Meistertiteln in den 50 Jahren davor.

Ich vermute als Grund für diese Schwäche von Rapid in den letzten Jahrzehnten ein zu starren Festhalten an den in früheren Jahrzehnten so erfolgreichen Strukturen; einen verspäteten Lernprozess, den unser Stadtrivale besser bewältigt hat.

Was passiert also, wenn dieser Trend so weitergeht?

Wenn dieser Trend anhält, würden beide Wiener Mannschaften bei der 150-Jahr-Feier von Rapid im Jahr 2049 je 42 Meistertitel haben. (So wie vor einigen Jahren Manchester den bisherigen Rekordhalter Liverpool eingeholt hat.)

Aber Trends müssen sich nicht in dieser Form ergeben, es ist ja nicht verboten, den Prognosen entgegen zu wirken.

Wir können daher trotz der Pannen der abgelaufenen Saison zuversichtlich sein, dass unser Präsidium durch die witschaftlichen und organisatorischen Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit von Rapid so weit steigern konnte, dass eben jetzt die Zeit reif für eine Trendwende ist, der „Rekordmeister“ nicht verloren gehen wird und das Zuckerwasser-Imperium letztlich zu einer Episode im der österreichischen Fußballgeschichte verblassen wird.

Rekordmeister der Popularität

Geradezu gegenläufig zur Anzahl der Titel entwickelte sich aber in den letzten zwei Jahrzehnten die Attraktivität von Rapid für das Publikum, das wir alljährlich in geradezu atemberaubenden Zuwächsen an Angeboten, Zuschauerzahlen und Zugehörigkeitsgefühl erleben, fast unabhängig von der jeweiligen Präsidentschaft, getragen von einem messianisch motivierten Andy Marek, dem an dieser Stelle für seinen unermüdlichen Einsatz gedankt werden soll.

In dieser Disziplin der „Popularität“ hat Rapid in den letzten zwei Jahrzehnten seine Mitbewerber ganz unabhängig von der Anzahl der Titel klar distanziert. Es mag sein, dass das Alleinstellungsmerkmal des „Rekordmeisters“ dabei hilfreich war, aber es war nicht das allein.

Wie keinem anderen Verein ist es Rapid gelungen, das anzusprechen, was modernen Fußball ausmacht: attraktiv für Investoren zu sein, Zuschauer anzuziehen und die die Einschaltziffern zu steigern. Ganz unabhängig von der jeweiligen Anzahl der Titel ist Rapid uneingeschränkter Rekordmeister in den Herzen seiner Anhänger – egal wos kummnt im Lebn.

Link

 

 

Walter Zeman, 90 Jahre

Anlässlich des 90. Geburtstags der Tormann-Legende fassen wir Wissenswertes über diesen Ausnahmespieler zusammen. An Hand der Seite 123.ewkil.at lassen wir die Rapid-Karriere des Walter Zeman Revue passieren.

Walter Zeman spielte von 3.9.1945 bis 28.9. 1960 bei Rapid. Er absolvierte 259 Pflichtspiele. In diesen Spielen schoss Rapid 982 Tore und Walter musste 401 Mal den Ball aus dem Netz holen. Er hat also 1,55 Tore pro Spiel kassiert. Das ist relativ viel, man muss aber bedenken, dass seine Vorderleute in diesen Spielen sagenhafte 3,89 Tore geschossen haben. Der damalige Fußball war deutlich torreicher. Berücksichtigt man also diese Relation der erhaltenen und erzielten Tore, dann liegt Walter Zeman an der Spitze aller Keeper (ausgenommen Torleute mit wenigen Spielen).

Seine Trainer waren Viktor Hierländer, Rober Körner, Rudolf Kumhofer, Max Merkel, Hans Pesser, Josef Uridil und Franz Wagner.

Seine Mitspieler waren Lukas Aurednik, Johann Bauer, Josef Bertalan, Lothar Bilek, Franz Binder, Friedrich Csarmann, Robert Dienst, Karl Domnanich, Durlach, Josef Eder, Leopold Eineder, Wilhelm Fitz, Rudolf Flögel, Herbert Gartner, Leopold Gernhardt, Helmut Geyer, Karl Gießer, Walter Glechner, Franz Golobic, Paul Halla, Gerhard Hanappi, Ernst Happel, Josef Hartl, Franz Häusler, Franz Hofer, Josef Höltl, Karl Hönig, Ludwig Huyer, Karl Jestrab, Robert Kaffka, Franz Kaspirek, Adalbert Kaubek, Josef Kirner, Roman Knor, Franz Knor, Siegfried Kometer, Alfred Körner, Robert Körner, Lambert Lenzinger, Kurt Linder, Franz Lukas, Bruno Mehsarosch, Max Merkel, Erich Müller, Josef Musil, Johann Neuhold, Milan Nikolic, Rudolf Nuske, Karl Osicka, Alfred Pavuza, Dieter Pflug, Franz Prak, Erich Probst, Manfred Reiter, Peter Reiter, Franz Ribitzky, Johann Riegler, Herbert Schaffranek, Walter Schiff, Kurt Schindlauer, Bruno Schlager, Georg Schors, Walter Seitl, Walter Skocik, Ferdinand Smetana, Engelbert Smutny, Johann Steup, Leopold Ströll, Alfred Teinitzer, Walter Traube, Alfred Vuga, Walter Vybiral, Franz Wagner, Stefan Wagner, Friedrich Wolfsbauer, Wilhelm Zaglitsch, Stefan Zajic.

Walter Zeman im Tagebuch

Über die Tschechen

„Zeman“ scheint einem Uneingeweihten ein nicht untypischer Wiener Name zu sein; es gibt auch eine gleichnamige Fahrschule und einige andere Unternehmen; alle sind sie Überbleibsel einer längst vergessenen Welt. Sie legen Zeugnis ab von der Zuwanderung bis 1914 und zeigen, dass alle diese ehemals gar nicht so willkommenen Ziegelböhm – auch Walter Zeman war ein solcher, wohnhaft in Vösendorf – das Wien mitgeformt haben, wie wir es heute kennen.

„Zeman“ ist eines jener – eher seltenen – tschechischen Wörter, die ganz ohne Hatscheks auskommen. Es heißt auf Deutsch „Edelmann“. Die typisch wienerische Aussprache, etwa wie ‚tséman‘ ist nicht korrekt, denn das ‚z‘ im Tschechischen ist im Deutschen unbekannt; es ist ein tief summendes ’s‘. Ein ’s‘ summt irgendwo auf der Zungenspitze, das tschechisch ‚z‘ aber bringt den ganzen Rachen ins Summen.

Hier findest Du eine Darstellung der „Tschechen bei Rapid“.


Auch die Rapid-Viertelstunde hat dieses Jubiläum in seiner Ausgabe gebührend festgehalten:

Rapid-Viertelstunde vom 19.5.

  • Die Zeman-Vitrine
  • Bei Zemans Familie 1
  • Special Needs Turnier
  • Nachwuchs-Turniere
  • Fredy Bickel Geburtstag
  • Bei Zemans Familie 2
  • Fan-Umfrage Hofmann
  • Link zum Video

Wir jagen den -Rekord!

Die triste Tabellensituation hinterlässt Spuren bei allen Akteuren. Der Trainer ist davon überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, wenn der Erfolg zurückkehrt, weil die Arbeit stimmt. Und daran klammern uns auch wir, die Anhänger. Der Abschiedsgesang des Blocks „Marmor, Stein und Eisen bricht…“ kling schon fast ein bisschen makaber.

Bis vor dem Mattersburgspiel gab es eigentlich keine sichtbaren Unstimmigkeiten zwischen den Akteuren. Aber allmählich werden „arrogante“ Pässe gespielt; man könnte auch sagen „schlampige“, denn von wo genau die Arroganz bei diesen Ergebnissen herkommen sollte, ist ein Rätsel.

Man kann dem Optimismus des Trainers durchaus zustimmen; irgendwann kommt der Erfolg zurück. Sicher, und unter jedem Trainer; das ist so im Fußball. Aber nur, wenn man genug Zeit hat, zu warten. Leider hat aber eine Saison nur 36 Runden, dann ist Schluss; wie im Leben.  Und Siege, die sich in der 44. Runde eingestellt hätten, helfen dem Absteiger nicht.

So aber jagen wir einen Negativrekord und wenn sich in den beiden nächsten Spielen das Blatt nicht wendet,…

Negativrekorde

Der bisherige Rekord siegloser Spiele stammt aus der Saison 2012/13  vom 15.12.2012 bis 06.04.2013, damals unter Peter Schöttel. Wir erinnern uns, dass das Cup-Aus gegen Pasching das Ende der Ära Schöttel bedeutet hat. Im Nachhinein betrachtet haben wir damals gegen den späteren Cupsieger verloren, denn auch die Austria und RedBull konnten gegen Pasching nicht gewinnen. Aber das wusste man am 6.4. noch nicht, damals dachte man noch „wer ist Pasching?“. Es war ein bisschen Lospech für Peter Schöttel, denn ein Aus gegen einen der Großen wäre nicht so schwerwiegend gewesen wie eines gegen einen Underdog.

Die oft zitierte Ära Lothar Matthäus brachte es auf 8 sieglose Spiele in Folge.

Die nächste Serie mit 9 sieglosen Spielen stammt aus dem Jahr 1972 und zwar vom 27.09.1972 bis 08.11.1972 unter Ernst Hlozek. Aber nach dieser Serie folgten 7 Siege.

Und davor muss man schon bis in das Jahr 1924 zurückgehen um weitere 8 sieglose Spiele in Folge vom 23.03.1924 bis 19.06.1924 zu registrieren (Damals begleitet von einer Krise im Verein). Man muss aber bei diesen Vergleichen bedenken, dass es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weniger Spiele pro Saison gegeben hat.

Positivrekorde

Es wäre natürlich schöner, einen positiven Rekord zu jagen. Dieser wären 33 Spiele ohne Niederlage 02.05.1987-17.10.1987 unter Otto Baric. Dieses Jahr 1987 war sehr reich an Spielen, denn die Meisterschaft lief bis Ende Juni und im Juli ging es gleich mit dem Supercup los.

Damals wurde zwar mit 2 Punkten pro Spiel gerechnet aber im Sinne der Vergleichbarkeit wurden die Kurven mit 3 Punkten pro Spiel gezeichnet. Beachtet, dass wir uns damals dem Punktemaximum von 3 Punkten genähert haben (im 10-Spiele-Schnitt!)

In einem Interview mit Karl Brauneder beim letzten Stammtisch erzählte dieser eine Anekdote über den damaligen Trainer Otto Baric. Die Details dieser Begebenheit sind nicht wichtig nur blieb dem Zuschauer nach diesem Interview verborgen, wo die Qualitäten dieses unbestrittenen Erfolgstrainers versteckt waren. Und das gilt auch für viele andere Trainer, oft auch Meistertrainer.

Und heute?

Wir liegen derzeit bei 7 sieglosen Spielen in Folge und haben gute „Chancen“, diese Negativrekorde aus 2013 und 1972 einzustellen oder sogar zu überbieten. Das Pikante an der Situation ist, dass das 9. Spiel wieder ein entscheidendes Cup-Spiel ist und damals, vor 5 Jahren bedeutete die Niederlage gegen Pasching das Aus im Cup auch das Aus für Peter Schöttel.

Wenn diese Kurve nur nicht eine „Höllenfahrt“ andeutet!

Die letzten Ergebnisse von St. Pölten lassen schwere Spiele erwartet und von einem Underdog wie damals gegen Pasching wird heute niemand sprechen.

Die Ratlosigkeit bei Rapid spiegelt sich in dem Ausdruck der „Arroganz“ gegenüber der Spielweise der Spieler, weil andere Gründe weit und breit nicht mehr zu sehen sind. Man hat alles Menschenmögliche getan und steht dennoch mit der Rücken zur Wand; nicht nur der Trainer, auch der Verein.

Und die allgemeine Verunsicherung macht das Spiel gegen die Vienna zu einem gar nicht so unbedeutenden Testspiel und Steffen Hofmann hat in einem Interview auf der Hohen Warte die Bedeutung dieses Spiels hervorgehoben. Man will wenigstens dieses kleine Erfolgserlebnis in einem Freundschaftsspiel haben. Bericht von SkySportAustria. Und auch das wird nicht so leicht sein, denn die Vienna startete mit drei klaren Siegen in das Frühjahr, die so etwas wie ein „Jetzt erst recht!“ signalisieren.

Entspannt Euch!

Am Weg zum „Klub der Freunde des S.C. Rapid“ diskutierten wir die aktuelle Lage und meinten, dass wir eine so schlechte Phase von Rapid noch nie erlebt hätten.

Wie man sich täuschen kann!

Wir neigen einfach dazu, die Vergangenheit zu verklären und das Geschehen in der Gegenwart zu dramatisieren.

Bevor wir das „schreckliche“ Punktemittel von derzeit 0,9 Punkten pro Spiel zur Katastrophe des Jahrhunderts erklären, wäre es besser, die wechselvolle Geschichte Rapids nüchtern und objektiv Revue passieren zu lassen.

Mittelwerte kennzeichnen den Erfolgs- oder Misserfolgslauf einer Mannschaft ganz gut. In der folgenden Darstellung wurde die erreichte Punktezahl für jeweils 10 aufeinander folgende Spiele, beginnen bei 1910 dargestellt. Gezählt wurden 3 Punkte pro Sieg und 1 Punkt pro Unentschieden.

Dass Rapid 10 aufeinander folgende Bewerbspiele gewinnt, ist zwar sehr selten, ist aber immerhin einige Male in der Rapid-Geschichte vorgekommen, zuletzt 1987.

Dass Rapid 10 aufeinander folgende Bewerbspiele verliert, ist in der gesamten Geschichte nicht vorgekommen. Das mehrmals registrierte Punkteminimum beträgt 0,6 Punkte.

Im folgenden Diagramm sind alle Bewerbspiele (aber keine Freundschaftsspiele) seit 1910 in chronologischer Folge enthalten. Berücksichtigt wurden insgesamt 3619 Spiele: Von diesen Spielen wurden 2029 gewonnen, 720 waren Unentschieden und 870 wurden verloren. Der Punkteschnitt ist insgesamt 1,9 Punkte pro Spiel.

Dass der Punkteschnitt von 10 aufeinander folgenden Spielen unter 1 gesunken ist, war erstmals 1924 der Fall und kam danach immer wieder vor. Hier die genaue Liste aller Zeitpunkte, bei dem der Punkteschnitt der letzten 10 Spiele unter 1.0 gesunken ist:

1924-06-19(0,9), 1924-06-29(0,9), 1924-08-19(0,6), 1924-09-21(0,9), 1924-09-28(0,9), 1924-10-05(0,9), 1936-10-04(0,9), 1936-10-11(0,9), 1943-03-07(0,9), 1943-11-07(0,8), 1944-03-26(0,9), 1962-05-12(0,9), 1969-10-04(0,9), 1969-10-11(0,8), 1969-10-18(0,6), 1969-10-25(0,8), 1969-11-08(0,7), 1969-11-15(0,7), 1970-05-01(0,8), 1972-11-08(0,8), 1972-11-11(0,8), 1975-04-26(0,8), 1975-05-02(0,9), 1975-05-10(0,8), 1975-05-16(0,8), 1975-05-21(0,8), 1975-05-24(0,8), 1975-05-30(0,9), 1979-06-08(0,7), 1979-06-15(0,8), 1979-10-27(0,9), 1980-05-24(0,7), 1980-05-30(0,9), 1980-06-07(0,9), 1980-08-14(0,9), 1980-08-19(0,9), 1980-11-29(0,8), 1988-04-02(0,9), 1991-10-05(0,9), 1993-08-28(0,9), 1993-09-01(0,9), 1993-09-04(0,9), 1993-09-08(0,9), 1998-03-29(0,9), 1998-04-08(0,9), 1998-04-11(0,9), 1999-09-30(0,8), 1999-10-06(0,8), 1999-10-16(0,8), 2001-11-25(0,8), 2001-11-28(0,6), 2001-12-01(0,6), 2002-02-24(0,9), 2002-03-02(0,9), 2002-04-28(0,9), 2002-05-01(0,9), 2002-10-27(0,9), 2002-11-02(0,6), 2002-11-06(0,8), 2002-11-09(0,7), 2003-04-26(0,8), 2004-03-17(0,9), 2004-03-28(0,9), 2004-04-03(0,9), 2005-10-01(0,9), 2005-10-15(0,9), 2005-10-18(0,6), 2005-10-22(0,8), 2006-04-01(0,8), 2006-04-04(0,8), 2006-04-11(0,8), 2006-04-15(0,8), 2006-04-23(0,8), 2006-04-29(0,8), 2006-05-06(0,8), 2006-09-16(0,9), 2006-10-21(0,8), 2006-10-28(0,7), 2006-11-05(0,8), 2006-11-08(0,9), 2006-11-11(0,9), 2006-11-19(0,9), 2006-11-25(0,8), 2013-04-06(0,8), 2013-04-13(0,8), 2013-04-16(0,8), 2013-04-21(0,9), 2013-04-27(0,8), 2014-03-02(0,8), 2014-03-09(0,6), 2014-03-15(0,9), 2016-11-20(0,9), 2016-11-24(0,9), 2016-11-27(0,9), 2016-11-30(0,9), 2016-12-18(0,9), 2017-02-12(0,9).

Im Jahr 2002 und 2005 war dieser Schnitt sogar auf 0,6 gesunken.

Es stimmt zwar, dass in der jüngeren Vergangenheit diese Ereignisse häufiger sind aber das hat mit den geänderten Bedingungen im Fußball zu tun und auch etwas mit der sehr wechselhaften finanziellen Situation von Rapid (siehe Anekdote über „Anton und Franz“).

Hier noch eine Beschränkung auf die letzten 600 Spiele:

Diese Grafik sollte uns ein bisschen beruhigen und die derzeitige Lage relativieren. Wenn wir aus dem letzten Jahr etwas gelernt haben, dann den Umstand, dass man Erfolg einfach nicht planen kann, auch nicht mit den besten Randbedingungen, denn man weiß nicht, was die besten Randbedingungen sind. Man glaubt nur, zu wissen.

Jeder von uns würde sich die Zeiten zurück wünschen, die uns damals schlecht vorgekommen sind. Zeiten, in denen ein zweiter Tabellenplatz „Rapid nicht würdig“ war und der damalige Trainer als „nicht meisterfähig“ bezeichnet wurde. An dem Aufwand, den man heute aufbieten muss, um auch nur zurück in die Spur zu finden, sieht man, wie man durch gut gemeinte Entscheidungen vom Erfolgskurs abkommen kann.

Wir haben unseren neuen Trainer schon mehrmals in einer Diskussion erlebt und haben vollstes Vertrauen in seine Arbeit. Er schafft das!

Anton und Franz, „Football old style“

Bei einer überraschenden gemeinsamen Fahrt nach Wolfsberg erzählte uns Thomas, der Obmann des „Stehtisch Grün-Weiß“ ein kleine Begebenheit, die uns eine Menge über die Situation von Rapid in den 1970-er/80-er-Jahren sagt.

Thomas ist sein frühester Kindheit Rapid-Anhänger. Schon mit 15 Jahren ist er als völlig Unbeteiligter in einen Raufhandel mit einer Gruppe von Austrianern geraten. Thomas ist Rapid immer sehr nahe gestanden und schilderte uns die damalige Mitgliederstruktur von Rapid. Es war eher eine elitäre Gruppe von Personen, die zu den Mitgliedern von Rapid gehörte. Von einem Mitgliederverein im heutigen Sinn konnte man damals noch nicht sprechen.

Wenn zu einer Mitgliederversammlung gerufen wurde, dann fand diese in der Aula des Gerhard Hanappi-Stadions statt. Es waren damals etwa 50 Mitglieder anwesend. Am Podium waren (auch) Franz Binder als Alt-Funktionär und Anton Benya (später Präsident des SK Rapid).

Eine Frage aus dem Publikum lautete, warum die heurigen Mitgliedskarten noch nicht versendet worden seien.

Anton Benya wusste das nicht so genau und ging auf die Frage zunächst nicht ein. Währenddessen schrieb der neben ihm sitzende Franz Binder ein paar Worte und schob den Zettel Anton Benya zu. Dieser las einfach vor, dass „man die Rechnung für die Mitgliedskarten des Vorjahres noch nicht bezahlt habe und daher die Druckerei den neuen Auftrag noch nicht bearbeitet hat“.

Das genau wollte nun Franz Binder nicht, dass seine Worte so direkt gesagt werden aber Benya betonte lachend, dass er ein „grader Michl“ wäre und die Dinge den Menschen ungeschönt weitergeben würde.

Diese Anekdote sagt uns viel über die damalige Gebarung von Rapid. Ein „von-der-Hand-in-den-Mund-leben“. Man war dem (damaligen) „Old-style“ noch näher als dem kommerziell erfolgreichen modernen Fußball.

Es war vielleicht kein Zufall, dass man Anton Benya fehlende wirtschaftliche Leitungskompetenz bei Rapid und beim Konsum nachgesagt hat.

  • Anton Benya (Wikipedia)
  • Franz Binder (Wikipedia)
  • Binder Franz jr: Franz „Bimbo“ Binder, Residenz-Verlag, 2011

Ein Bild aus diesen Tagen anlässlich der Geburtstagsfeier für Franz Binder im Hanappi-Stadion (vlnr.) Stadtrat Mrkvicka, Alfred Körner, Parlamentspräsident Anton Benya, Karl Decker, „Bimbo“ Binder und Robert Körner. (Bild aus dem Buch „Franz „Bmbo“ Binder“, S.266).