Keine Abo-Rückforderungen

Wir sind nicht reich, aber wir sind viele. Und wir können Rapid helfen, in dem wir einfach nichts tun und keine Forderungen stellen. Ähnlich wie beim Virus, als wir durch Zuhausebleiben zu potenziellen Lebensrettern wurden.

Ein Fußballfreund fragte mich, ob ich mir von Rapid die restlichen fünf Heimspiele zurückzahlen lassen würde. Meine spontane Antwort war „natürlich nicht“. Aber so wirklich überlegt habe ich mir das damals nicht, es war eher eine spontane Reaktion.

Aber es gefährdet unser gemeinsames Anliegen „Rapid“, wenn wir etwas zurückfordern, daher:

Bitte keine Rückforderungen an Rapid!

Keine Regel ohne Ausnahme: Wer selbst in dieser großen Krise persönlich existenziell gefährdet ist, muss natürlich um jeden Euro kämpfen. Diese selbst stark betroffenen Personen sollen natürlich ausgenommen sein. Aber alle anderen sollen weiterlesen.

Hans vom Fanklub Speising in Purbach

Videobotschaften

Bei einem Besuch bei Hans in Purbach zeigte mir dieser ein selbstgemachtes Video mit einer Aufforderung an alle Abonnenten, keine Rückforderungen an Rapid zu stellen. Hans war früher Gewerkschafter und ist ein geübter Redner. Ich bin eher ein geübter Schreiber, daher erspare ich Euch ein schlechtes Video.

Aber bitte schaut Euch die Videos mit den Botschaften an, die Rapid-Fans an uns richten.

Ich skizziere hier einige Aspekte der aktuellen Situation. Und das ist – wie bei allen Einträgen in das Tagebuch – eine sehr persönliche Sicht und muss sich nicht mit dem Standpunkt des Vorstands des „Klub der Freunde“ decken.

Trügerische Ruhe

Das Rapid-Umfeld erscheint uns wie früher, außer dass eben Fußball nicht vor Publikum gespielt wird.

Aber Rapid in der uns bekannten Form funktioniert nur bei konstanter Zufuhr von (Geld-)energie. Alle Einnahmen sind weggebrochen. Personal- und Kreditkosten laufen aber weiter. Spieler und Führung haben auf bedeutende Gehaltsbestandteile verzichtet, weil sie die Bedrohung noch viel klarer sehen als wir Außenstehende.

Staatliche Unterstützung wird sicher gewährt, wenn es um die Aufrechterhaltung der Beschäftigungsverhältnisse geht. Aber der laufende Kapitalbedarf eines Großklubs ist beträchtlich und das Stadionprojekt erfordert diesen kontinuierlichen Geldfluss. Bleibt dieser aus, drohen die Kreditraten zu einer existenziellen Falle zu werden.

Die Einnahmen sind bereits drei Monate lang weggebrochen Wir wissen vieles nicht, etwa wie lange Reserven reichen, und was passiert, wenn die fälligen Kreditraten nicht zurückgezahlt werden werden können.

Und zu all den Problemen kommen die Geisterspiele, die möglicherweise mehr Kosten verursachen als sie an Einnahmen bescheren. Insbesondere dann, wenn Abonnenten auf die Idee kommen, den Gegenwert der Spiele von Rapid zurück zu verlangen.

Um welche Summe geht es da?

Sagen wir, eine Abokarte kostet 300 Euro und etwa ein Drittel von insgesamt 16 Heimspielen kann nicht besucht werden, dann müsste Rapid – wenn alle ihre anteiligen 100 Euro zurückfordern – bei 15.000 Abos 1.500.000 Euro zurückzahlen. Wahrscheinlich ist es viel mehr, weil man die VIP-Abos berücksichtigen muss.

Und jetzt stellen wir uns vor – so genau wissen wir es ja nicht – dass sich die Kassa zunehmend leert und im Juli eine Rate für das Stadion fällig wird und diese Rate in dieser Größenordnung liegt. Die Bank stimmt einer Stundung nicht zu, Rapid wäre insolvent.

Stark vereinfacht könnte man sagen: „Rapid wird insolvent, weil seine Mitglieder ihr Abo von Rapid zurückfordern“.

Roman Gregory „Wir sind Rapid“

Wir sind Rapid!

Wie tickt eigentlich Rapid? Wem gehört Rapid?

Die Antwort auf diese Frage wurde bei vielen Hauptversammlungen gegeben.

Rapid ist ein Mitgliederverein, Rapid gehört den Mitgliedern.

Wenn Rapid wirtschaftlich nicht mehr weitergeführt werden kann, sind wir alle „den Stolz von Wien“ los. Und wer kann das wollen? Keiner von uns!

Und um die Mitglieder und Abonnenten nicht zu verunsichern, wird das wahre Ausmaß des Schadens nicht in aller Deutlichkeit kommuniziert, wir können es derzeit nur erahnen. In Interviews von Zoki konnte man aber heraushören, dass Rapid nicht nur eine Krise durchlebt, sondern dass diese Krise eine existenzielle ist.

Und in dieser Situation sind wir als ideelle Eigentümer gefordert, alles zu unternehmen, dass Geld beim Verein verbleibt. Und dazu gehört, dass wir den Anteil der nicht für Besucher zugelassenen Spiele, nicht zurückfordern.

Bild Pixabay

Rapid ist besonders betroffen!

Die Größe ist es, die ein längeres Überleben ohne Einnahmen erschwert! Wer wird eine länger dauernde Dürre in der Savanne eher überleben, die Maus oder der Elefant? Eben! Und genauso könnte es bei Fußballvereinen sein, denn der Fußball lebt genau genommen von der Hand in den Mund mit einem kleinen Vorrat, nämlich den jährlichen Vorauszahlungen der Abonnenten, Mitglieder und Sponsoren. Und genau diese drohen wegzubrechen, wenn jemand auf die Idee kommt, sie zurückzufordern.

Der Weiterbestand von Rapid ist schwieriger zu bewerkstelligen ist als jener des WAC oder der Admira. Das liegt einfach an der zu erhaltenden Größe des Vereins oder besser gesagt der GmbH, denn der Verein ist es ja gar nicht, der die Personalkosten zu tragen hat, es ist die GmbH (im Eigentum des Vereins).

Wer sich alt Teil von Rapid sieht, fordert kein Geld zurück.

Was ist eigentlich ein Kauf bei Rapid?

Wenn Du ein Rapid-Trikot erwirbst oder eine Eintrittskarte kaufst, was ist das eigentlich? Ist das ein faires Geschäft? Seien wir ehrlich, alle Produkte, die man bei Rapid erwirbt, erwecken nur den Eindruck eines normalen Kaufs, denn hier verkauft jemand nicht allein ein Produkt, das nach den Regeln eines ordentlichen Kaufmanns kalkuliert wurde, hier werden Produkte an uns Anhänger verkauft, die wir von genau dieser Marke abhängig sind und nicht wie bei einem Waschmittel zu einem billigeren Geschäft oder Anbieter wechseln können. Rapid ist ein Emotionsmonopolist. Wir wollen nicht irgendein Kleidungsstück, wir wollen eines mit dem Rapid-Wappen, eines aus der aktuellen Kollektion. Und wir sind bereit, viel dafür zu bezahlen. Und es kommt uns nicht einmal teuer vor, denn es ist ja letztlich für unseren Herzensverein. Genau so ist das mit den Eintrittskarten, weil es uns nicht um Fußball im Allgemeinen geht, sondern nur um den grün-weißen in Hütteldorf.

Wir sollten daher die Geschäfte mit Rapid weniger als einen normalen Kauf betrachten, bei dem man durch die persönliche Auswahl zur Preisbildung beiträgt. Ein Kauf bei Rapid ist eine Investition in die Idee „Rapid“ bei der man eine Ware als eine Art „Geschenk des Hauses“ dazu bekommt. Mit jedem Kauf stärken wir die Marke „Rapid“ und ermöglichen eine größere finanzielle Beweglichkeit in sportlichen Belangen.

Mit dem Kauf einer Abokarte investieren wir in Rapid, sind wir am Projekt „Rapid“ ein bisschen beteiligt. Der Preis ähnelt eher den Preisen, den umgekehrt Vereine bereit sind für Spieler zu bezahlen oder Kunstsammler für Kunstobjekte.

Wenn wir als Eigentümer von Rapid in dieser Krise Geld aus der Rapid-Kassa abziehen, riskieren wir, dass es Rapid in der von uns geschätzten Form nicht mehr geben wird. Und das wollen wir alle nicht.

Bild aus Pixabay

Krisenmodus

Wenn freie Wirtschaft nicht möglich ist, muss ein Staat / eine Firma in einen Krisenmodus umschalten, und das passiert auch zum Teil. Es geht ums Überleben aller, vor allem jener, die ohne Einkünfte sind und das sind eben vor allem Veranstaltungsbetriebe. Genaugenommen muss man die Wirtschaftsform von „frei“ auf „Kloster“ oder auf „Kibbuz“ umschalten und wenn alles vorbei ist, wieder auf „Wirtschaft“. Das heißt, während der Krise müssen die geringen vorhandenen Mittel so verteilt werden, dass allen ein Überleben möglich ist. Der Markt wird temporär außer Kraft gesetzt.

Bei einem normalen Geschäftsfall ist es klar, dass bei Ausfall der Leistung alle Vorauszahlungen zurückzuzahlen sind. Es gibt einen Schuldigen am Nicht-Zustandekommen des Geschäfts.

Im Falle einer Epidemie gibt es keinen Schuldigen, nur Betroffene. Und betroffen sind wir alle. In einem solchen Zustand – also in einem Krisenmodus – müssen andere Regeln angewendet werden als in einer freien Wirtschaft. In diesen Tagen müssen wir leben wie in einem Kloster; Gewinn und Verlust werden zum Zwecke des Überlebens aller auf alle verteilt.

Wesentlich ist die Verteilung des Schadens auf möglichst viele Schultern. Wenn Rapid überleben soll, dürfen wir nicht etwas zurückfordern, das nicht schuldhaft ausgefallen ist.

2.1.2020 Kabarett Simpl

Kunst und Sport

Kunst- und Sportbetriebe sind in einer seltsamen Allianz. Beide leben von Publikum und das ist derzeit ausgesperrt. Während aber Teile des Kunstbetriebs staatlich finanziert werden, ist das beim Fußball nicht so. Praktisch alle Verdienstmöglichkeiten von Rapid sind weggebrochen.

Zwei der am meisten betroffenen Bereiche, Kabarett und Fußball, gemeinsam mit der Ursache und der „Ursache“ der Ursache auf einem Bild.

Nicht Rapid, wir sind krank

Die meisten von uns sind ja gesund, und das ist gut. Aber wir sind potentiell krank. Die Weltgemeinschaft ist potenziell erkrankt und daher können wir Spiele derzeit nicht persönlich besuchen, egal ob in Wien, Paris oder Rom, Rapid selbst kann rein gar nichts dafür, dass seine Anhänger potenziell krank sind. Aber Rapid leidet wegen des großen Finanzbedarfs mehr unter dieser Krise als jeder Einzelne von uns.

Diese Situation ist durch höhere Gewalt entstanden, und dafür gibt es keinen wirklich Schuldigen. Die Last muss auf möglichst viele Schultern verteilt werden und ein Verzicht auf Ansprüche aus dem Abo-Vertrag entspricht einer solchen Übernahme eines Teils der gemeinsamen Verantwortung für den Verein.

Niemand von uns hat Schuld an Corona, die Bundesregierung nicht, Rapid nicht und auch jeder Einzelne von uns nicht. Rapid brechen alle Verdienstmöglichkeiten weg (außer Merchandising). Spieler verzichten auf große Teile ihres vertraglich festgesetzten Gehalts, die Geschäftsführer tragen ebenso vorbildhaft dazu bei; und wir?

Wir sind nicht reich, aber wir sind viele. Unser kleiner Anteil an der Krisenbewältigung könnte sein, dass wir unsere nicht konsumierten Spiele nicht zurückfordern. Kein Aufwand für uns, eine große Hilfe für Rapid.

Stell‘ Dir vor, Du wärst krank.

Das kann wohl jedem passieren, in jedem Alter. Sagen wir, Du wärst in der zweiten Märzwoche in einem Krankenhaus gelandet und wärst erst jetzt, Mitte Mai wiederhergestellt worden. Du hättest alle Heimspiele von Rapid in der Meistergruppe verpasst und Rapid hätte Dir die Karte nicht ersetzt. Du hättest die Karte an andere weiterverkaufen können, aber wem genau? Alle Deine Freunde und Bekannten sind ja auch Abonnenten.

Ist das nicht jetzt auch der Fall? Wir alle sind krank! Nicht ein Einzelner, die Gesellschaft als Ganzes. Eine übertragbare Erkrankung ist die Erkrankung des Kollektivs und daran kann man auch gut sehen, dass nur kollektive Maßnahmen gegen das Virus etwas bewirken können. Eine dieser Maßnahmen ist der Verzicht auf Großveranstaltungen und das ist ein Teil der Heilbehandlung.

Und weil wir nun alle (potenziell) erkrankt sind, können wir das Stadion nicht besuchen und sollen daher auch nichts zurückfordern.

Nicht Rapid ist krank, wir sind krank. Wer also unbedingt auch Schuldige sucht: wir selbst sind es.

Unser Engagement

Wir alle haben schon so viel in Rapid investiert, dass wir unser Verhalten gegenüber dem Verein nicht mehr rational in einer Kosten-Nutzen-Überschlagsrechnung kalkulieren. Wir investieren, solange der Geldvorrat es zulässt. Ein sich Zurückziehen aus der Rapid-Beziehung bedeutet ein Eingeständnis, dass alle bisherigen Investitionen ein Fehler waren. Niemand würde das zugeben wollen.

Daher bleibt jeder von uns bei Rapid, auch wenn es einmal schlechter geht.

Eine Gefährdung der Existenz von Rapid bedeutet, dass alle bisherigen Investitionen – und die sind bei vielen Rapid-Anhängern tatsächlich lebenslang – verloren sind.

Rapid ist keine Aktiengesellschaft und unterliegt daher keiner Veröffentlichungspflicht bei schlechten Geschäftszahlen. Wir wissen also nicht, ob und wie schlecht es Rapid wirklich geht. Aber nehmen wir an, dass Abonnenten tatsächlich die Kosten für die nicht besuchbaren Spiele zurückfordern würden und dieser Umstand zu einer Insolvenz führen würde.

Durch eine Insolvenz würde alles, was seitens der Mitglieder bisher in Rapid investiert wurde, infrage gestellt.

siehe Too-much-invested-to-quit-Syndrom

„Ich hab‘ ja nichts zu verschenken…“

Von MacKrys - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=63726672
Von MacKrys – Eigenes Werk,
CC BY-SA 4.0

Das ist einer der berühmtesten Aussprüche von Niki-Nazionale. Was wäre, wenn Niki Rapid-Anhänger gewesen wäre, wie hätte er wohl seinen Leitspruch angewendet? Wessen Geldbörse hätte er mit „ich“ gemeint? Seine eigene oder die seiner Airline (=seines Vereins)? Hätte er sich also im Fancorner angestellt und sein Geld zurückgefordert?

Hätte Niki gesehen, dass es seiner Airline an den Kragen geht und es auf jeden Cent ankommt, er hätte wohl alles unternommen, um die Vorauszahlungen seiner Kunden zum Schutz seiner Airline nicht zurückzahlen zu müssen. Und wenn er selbst einen Flug gebucht hätte, der nicht hätte stattfinden können, hätte er sein Ticket als einen Eigenkapitalzuschuss gesehen, der mitgeholfen hat, das Überleben seiner Airline zu sichern.

Und Rapid ist nicht irgendeine Airline, Rapid sind wir, Rapid ist unsere Airline. Wir selbst haben es in der Hand, ob Rapid überleben kann. Halten wir zusammen und sichern wir den Weiterbestand unserer gemeinsamen Idee, indem wir keine Forderungen an den Verein stellen.

Bisherige Artikel zur Corona-Epidemie

Orden für Aufdecker?

Es ist ein unverhältnismäßig kalter Freitag, der 17. Mai 2019, Rapid II verliert im Schwechater Stadion gegen Mauerwerk 2:0. Im Publikum wird über ein Video gesprochen, das in den darauffolgenden Tagen die österreichischen Politlandschaft auf den Kopf stellt und uns wohl noch Jahre beschäftigen wird. Der Öffentlichkeit ist es ziemlich egal, wer das Video gedreht hat und warum, die Empörung über das Sittenbild zweier Politiker überwiegt die Detailfragen. Der eigentliche Gottseibeiuns des Geschehens, der Politiker, wird uns mit seiner zweifelhaften Moral noch lange beschäftigen.

Ziemlich genau ein Jahr später, am 14.5.2020 berichtet die Bundesliga über ein Video, das unerlaubtes Training beim LASK zeigt. Die Verhandlung vor dem Strafsenat führt (vorläufig) zu einem Abzug von 6 Punkten und nunmehr zu Tabellenplatz 2 für den LASK. Auch dieser Umstand wird uns noch lange beschäftigen. Der Öffentlichkeit ist es ziemlich egal, wer das Video gedreht hat und warum, die Empörung über das Sittenbild der LASK-Führung überwiegt die Detailfragen. Der eigentliche Gottseibeiuns des Geschehens, der LASK-Präsident, wird uns mit seiner zweifelhaften Einstellung zum Sport noch lange beschäftigen.

In beiden Fällen liegt vieles im Dunkeln, zum Beispiel die Herstellung des Videos und die Motivation dazu.

Von nicht befolgten Befehlen

Maria-Theresien-Orden
(Bild Wikipedia)

Beim Militär ist ein Befehl so etwas wie ein gesprochenes Gesetz. Darüber nachdenken und dann anders zu handeln ist nicht erwünscht und kann gefährlich sein. Sich also einem Befehl zu widersetzen ist keine gute Idee.

In den Zeiten der Monarchie gab es den berühmten Maria-Theresien-Orden für eine besondere Art von Tapferkeit im Krieg. Ausgezeichnet wurden Offiziere – genaugenommen – dafür, dass sie gegen den Wortlaut eines Befehls gehandelt haben – und damit Erfolg hatten. Der Originalwortlaut ist „…Waffentaten, die ein Offizier von Ehre hätte ohne Tadel auch unterlassen können“.

Der Wappen im Orden ist mit dem Schriftzug FORTITUDINI (=Der Tapferkeit) umschlungen.

Nicht jeder, der einen Befehl anderswie ausgeführt hat, bekam auch einen Orden, es hätte auch eine Kugel sein können, der Unterschied lag im Erfolg oder Misserfolg der Aktion.

Die Verweigerung des „Trümmerbefehls“ vom 23. August 1944 (Paris sollte den Alliierten nur als Trümmerfeld in die Hände fallen) durch den Stadtkommandanten von Paris Dietrich von Choltitz bewahrte die Stadt vor Zerstörung.

Von gebrochenen Gesetzen

Im zivilen Alltag regeln Gesetze das Miteinander und es ist erstaunlich, wie gut das trotz aller individuellen Bedürfnisse funktioniert. Als es Gesetz wurde, Masken zu tragen, dann machten wir das, und es war ermutigend, wie gut die Umsetzung der ungewohnten Regeln gelungen ist und wie es uns als Kollektiv gelungen ist, die Verbreitung des Virus einzudämmen.

Manchmal ist aber die Einhaltung von Gesetzen und Regeln für betroffene Personen so unerträglich, dass sie von ihnen nicht mehr eingehalten werden und dass die Zivilgesellschaft – anders als vielleicht Justizbehörden dafür Verständnis zeigt. Die in einer Grauzone der Legalität operierenden Whistleblower unserer Tage erweisen der Zivilgesellschaft einen großen Dienst – wenn sie Erfolg haben.

In der Regel sind es Journalisten, die sich investigativ betätigen. Im Erfolgsfall erhalten sie dafür Publizistikpreise – wie zum Beispiel Alfred Worm 1981 den Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis für die Aufdeckung des AKH-Skandals.

Die Ausforschung von Sachverhalten durch Journalisten und ihre Informanten wird nicht immer legal sein, doch eine eventuelle Straftat verwandelt sich in eine Auszeichnung – im Erfolgsfall.

Whistleblower informieren die Öffentlichkeit über Vorgänge, die sie in ihrer beruflichen Funktion geheimhalten müssten. Es stehen einander also eine Straftat und öffentliches Interesse gegenüber. Kronzeugen wird bei einer der Auflärung dienlichen Aussage eine Strafminderung zugesichert. Das Rechtswesen bewertet Straftaten, die zur Aufdeckung anderer, möglicherweise größerer Straftaten führen, also entsprechend.

Cui bono (Wem nützt es?)

Die Motivforschung bei Straftaten ist ein wichtiges Element bei ihrer Aufklärung. Das auf Cicero zurückgehende Zitat Cui bono (Wem nützt es?) spielt dabei eine wichtige Rolle. Aber die Antwort auf diese Frage kann auch in die Irre führen. Einerseits ist diese Frage durchaus hilfreich bei der Ausforschung der Motive. Anderseits kann es auch der Ausgangspunkt von Verschwörungstheorien sein, wenn nämlich zwischen Ereignissen ein Zusammenhang hergestellt wird, der aber gar nicht besteht.

Wenn jemand von der Corona-Krise profitiert – zum Beispiel die Hersteller von Schutzmasken oder Impfstoffen – dann ist er nicht a priori auch der Verursacher der Pandemie. Auch dafür haben die Lateiner einen passenden Spruch parat: Cum hoc ergo propter hoc (Fehlschluss durch Scheinkausalität). Man muss also bei der Ursachenforschung mit „Cui bono“ immer auch im Auge behalten, dass ein beobachteter Zusammenhang auch rein zufällig sein kann.

Aktueller Anlass

Das Ibiza-Video vom Mai 2019 und das Video von unerlaubten Trainings beim LASK vom Mai 2020 haben eine verblüffende Ähnlichkeit (wenn auch nicht dieselbe Dimension) und berühren die hier skizzierten Aspekte. Wir können uns also die Fragen stellen

  • Wem nützen diese Videos?
  • Wer hat sie mit welchem Motiv angefertigt?
  • Gibt es Hintermänner?
  • Wollen wir diese Dinge angesichts der Erkenntnisse überhaupt wissen?
  • Sind die kompromittierten Personen in ihren Ämtern tragbar?
  • Sollten erfolgreiche Aufdecker nicht mehr Anerkennung bekommen?

…und den unbekannten Kameramännern einen Orden im Namen der zivilen Fußball-Community verleihen.

PS: Bitte bei der Einordnung der hier publizierten Artikel immer auf den Autor schauen. Die Artikel in diesem Tagebuch stammen bisher von Gerhard Niederhuber (Obmann des „Klub der Freunde des S.C.Rapid“, Verfasser des Grünzeug) und Franz Fiala (alles andere). Während Gerhard Niederhuber die Meinung des Vorstands des „Klub der Freunde“ vertritt, sind die anderen Artikel eine persönliche Sicht auf das Fußballgeschehen.

Sky-X-Abo

Heute bekamen Abonnenten von Rapid-Heimspielen eine Mail mit einem Gutscheincode, der sie berechtigt, alle Bundesligaspiele bis 15. Juli kostenlos über ein Sky-X-Abo (= Internet-Fernsehen) zu verfolgen.

Während alle unsere Fußball-Freunde zu Hause immer schon Bezahl-Fußball über Sky geschaut haben, beschränkten wir unseren Fußballkonsum auf den Besuch der Spiele von Rapid. Mit der Phase der Geisterspiele zieht nun auch bei uns das virtuelle Fußballerlebnis ein.

Für die Internet-Generation ist es natürlich kein Problem, sich Zugang zu dem Angebot zu verschaffen. Für alle, die sich nicht zu dieser Generation zählen, zeigt dieser Beitrag, was man tun muss, um die Spiele am Fernseher verfolgen zu können. Man braucht dazu drei Dinge: einen Internetzugang, ein Konto bei Sky (kostenlos bis 15.7. mit Gutscheincode) und ein Endgerät.

1 Internetzugang

Ein Internetzugang kann ein solcher über Festnetz, Kabel oder Funkmoden sein. Dieser einzige Zugang wird im Haushalt über Netzwerk-Kabel oder drahtlos über WLAN an Endgeräte verteilt.

Aber auch jedes Smartphone verfügt über einen solchen Zugang. Ein Smartphone ist sozusagen Fernseher und Internet-Zugang in einem Gerät

Ohne Internet-Zugang ist man von dem kostenlosen Angebot ausgeschlossen. Wenn Du tatsächlich keinen Internet-Anschluss haben solltest, gibt es dazu weiter hinten einige Hinweise.

2 Sky-Konto

Man eröffnet auf der Seite https://skyx.sky.at/comeback mit dem Gutscheincode aus der Mail von Rapid (Mail ist im Anhang angehängt) ein Konto. Dieses Konto benutzt zur Identifikation eine E-Mail-Adresse und ein Passwort, das man bei der Registrierung angibt. (Die E-Mail-Adresse wird interessanterweise nicht durch eine Bestätigungsmail geprüft.) Die folgenden Bilder skizzieren den Registrierungsvorgang.

Beim Anlegen des Kontos wird man um eine Adresse gefragt, um einen verpflichtenden Code für Jugendschutz und wichtig: man braucht eine Kreditkarte! Das deshalb, weil der Vertrag nach dem 15. Juli weiter läuft, wenn man ihn nicht explizit kündigt danach pro Monat 25,- von der Kreditkarte abgebucht werden würden.

Wie es nach dem Juli weitergehen wird, wissen wir noch nicht, vielleicht ist ja das Sky-Abo nach der Meisterrunde auch noch nützlich. Wenn man aber das Abo nicht weiter nutzen will, muss man es abmelden. Entweder mit dem Musterbrief, der bei der Mail von Rapid dabei war oder – was viel einfacher ist – über das Webinterface von Sky: https://skyx.sky.at/mein-konto/abos -> Abo beenden.

Wie lange läuft das Gratisabo?

Der Gutscheincode gilt genau zwei Monate ab seiner Einlösung. Diese kostenlose Phase hat auch Werbecharakter. Abonnenten, die Gefallen an Fußball übers Fernsehen finden, können das Abo auch danach – kostenpflichtig – nutzen.

Wer aber nach dem Saisonende keinen Bedarf mehr hat, sollte das Abo kündigen.

Kontoeröffnung am 29.5., Aboende am 29.Juli

Zur Abmeldung hat man Zeit bis einen Tag vor Ablauf. Aber man kann auch schon jetzt abmelden. Tut man es, klickt man also auf „Abo beenden“, landet man in folgendem Dialog:

Man sieht, dass die vorzeitige Abmeldung keine Änderung am Bezugszeitraum bedeutet, man muss sich aber nach Ablauf nicht mehr an die Abmeldung erinnern.

Das einmal angelegte Konto bei Sky bleibt bestehen und man kann den Bezug jederzeit – auch wieder monatsweise – aktivieren.

3 Endgerät

Taugliche Endgeräte sind Smart-TVs, Fernseher mit Streaming Box, Handy, Tablet, Laptop, PC und sogar Spielkonsolen.

Smart-TV

Ein Smart-TV ist ein besonders ausgestatteter Fernseher mit Verbindung zum Internet und integrierter Möglichkeit zum Download von (Android-)Apps. Dazu zählen einige moderne Samsung- und LG-Geräte.

Alle anderen Fernseher benötigen ein zusätzliches Endgerät. Für Haushalte ohne besondere PC-Affinität empfiehlt sich eine Streaming Box.

Fernseher + Streaming Box

Sky Streaming-Box

Mit einer solchen Streaming Box von Sky wird jeder Fernseher zu einem Smart TV. Bestellen kann man die Box hier: https://skyx.sky.at/shop

Der Preis für die Box hängt davon ab, welchen Vertrag man hat. Für unseren Gratis-Vertrag kostet die Box 99,-, hätte man einen höherpreisigen Vertrag, könnte man die Box auch um 50,- oder sogar 20,- Euro bekommen.

PCs oder Notebooks

Für Windows-PCs benötigt man ein Programm, das man auf der folgenden Adresse downloaden und dann installieren kann:
https://desktopclient.ott.sky.com/skygo/skyx/SkyXInstallerWindows.zip (51 MB)

Auf meinem Stand-PC verweigert das Programm den Start. Es meint, dass am PC eine Software zur Aufzeichnung von Videos installiert wäre. Mit einem Programm kann man nur schwer diskutieren. Am Notebook lief das Programm dann einwandfrei. (Am Notebook ist VLC installiert und das kann sehr wohl Videos mitschneiden. Hier hat aber das Sky-Progamm nicht gemeckert.)

Mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets

Auf mobilen Endgeräten sucht man im Play Store nach der App „Sky X“.

Inbetriebnahme

Bei der ersten Verbindungsaufnahme über die Sky-App gibt man die Zugangsdaten aus der Registrierung bei Sky ein: die E-Mail-Adresse und das Passwort.

Man kann mit einem Konto vier Endgeräte betreiben, davon immer nur zwei gleichzeitig. Möchte man ein weiteres Endgerät anmelden, muss man ein bereits registriertes löschen und das neue hinzufügen. Das kann man einmal pro Monat tun.

Verbindung mit dem Fernseher

Natürlich sind Handy, Tablet oder PC keine idealen Endgeräte zum Fußballschauen und für ein besseres Fußballerlebnis bedarf es einer Verbindung zwischen den vergleichsweise kleinen Endgeräten und dem großformatigen Fernseher.

HDMI-Kabel

Das Allereinfachste ist ein HDMI-Kabel. Gängige Notebooks und PCs haben einen HDMI-Ausgang. Bei Handies wird ein Adapter benötigt, der vom USB-C auf verschiedene andere Systeme übersetzt (USB, SD, Micro-SD und eben auch HDMI.

Miracast-Adapter

Microsoft Miracast-Adapter

Kabel ist gut, wenn aber jemand schon nach einem Torjubel über das Kabel gestolpert ist und dabei vielleicht nicht nur das Kabel gekappt, sondern damit auch das Handy in die ewigen Jagdgründe befördert hat, weiß, dass eine drahtlose Verbindung schon sehr praktisch und – vor allem – kompatibel mit den Vorstellungen der ‚Queen of the House‘ ist.

Miracast ist ein drahtloses Übertragungsverfahren von Microsoft, Chromecast ist eines von Google. Ich selbst habe Miracast. Man steckt den Adapter in einen freien HDMI-Anschluss am Fernseher. Der Adapter braucht eine Stromversorgung. Er hat dazu einen USB-Stecker angehängt, den man in eine freie USB-Buchse am Fernseher steckt.

Es gibt Handies, die einen Miracast-Client bereits vorinstalliert haben (z.B. HUAWEI), bei anderen muss man sich einen solchen Client aus dem App-Store downloaden. Den Client findet den angesteckten Miracast-Adapter am Fernseher und bietet die Verbindung an.

Damit ist eine drahtlose Verbindung hergestellt und das drahtlose Fernsehvergnügen kann beginnen.

Umfassendere Darstellungen der Verbindungstechniken zwischen Handy und Fernseher gibt es hier:

Für Internet-Anfänger

Nehmen wir an, Du hast nichts von alledem, keinen bestehenden Sky-Vertrag, keinen PC, kein Smartphone und möchtest dennoch das Rapid-Angebot nutzen. Dann brauchst Du zuerst einen Internet-Zugang, und den gibt’s leider nicht kostenlos. Die einfachste Möglichkeit für einen Internet-Zugang ist ein Funkmodem. Das ist transportabel, man braucht keine Leitungen. Beispiel: Fritz-Box 6820 LTE (ca. 130,- Euro, Amazon)

Aber man braucht auch eine SIM-Karte. Und die gibt es als Prepaid-Karte (bei Rapid-Mobil um 0,9 ct pro MB Datenvolumen) oder mit einem Paket mit 16 GB pro Monat (9,90 € für 30 Tage).

Um das konkrete Datenvolumen muss man sich nicht kümmern, wenn man sich bei einem der Top-Level-Provider A1, Drei oder Magenta eine SIM-Karte ohne Volumensbegrenzung besorgt. Das aber wieder gibt es nur mit einem Vertrag.

Nun könnte man sagen, dass ein eigener Internet-Zugang allein für diese zehn Spiele zu teuer wäre. Nun, wenn Du dann aber über Rapid TV alle bisherigen Spiele von Rapid in voller Länge nachschauen kannst, ganz abgesehen von den anderen Videos im Archiv, wirst Du den Internet-Zugang nicht missen wollen.

Titelbild (svg, png)

Anhang

Mail von Rapid vom 29.5.2020 mit Gutscheincode:

Guten Tag!

In wenigen Tagen rollt endlich wieder der Ball in der Österreichischen Fußball-Bundesliga und unsere Mannschaft gastiert gleich zum Auftakt der Meistergruppe am Mittwoch, 3. Juni ab 20:30 Uhr in Salzburg. Wie wir leider seit einiger Zeit wissen, müssen die kommenden Spiele allerdings ohne Zuschauer stattfinden, was speziell wir als SK Rapid sehr bedauern, denn die Unterstützung des großartigen 12. Mannes und vor allem der vielen Abonnenten ist für unsere Mannschaft immens wichtig.

Auch und gerade deswegen freut es uns sehr, dass wir Dir mit Sky und der Österreichischen Fußball-Bundesliga eine besondere Leistung anbieten können: Für die ausstehenden Spieltage der aktuellen Meisterschaft stellt dir Rapid Mobil powered by ventocom ein Sky X Abo kostenlos zur Verfügung. Dadurch kannst Du zumindest von zuhause aus via Streaming unseren Herzensverein mitverfolgen und damit wollen wir uns für Deine großartige Unterstützung bedanken

Mit diesem Schreiben möchten wir Dir nun Deinen persönlichen Gutscheincode für Dein Sky X Abo übermitteln: SCR123ABC123ABC

Hier findest Du nun die von Sky zusammengestellten Informationen zur Freischaltung:
Jetzt bis 15.06.2020: Sky X Sport inklusive Lieblings Free-TV Channels – 2 Monate kostenlos*!
Das ist Deine Chance auf den besten Live-Fußball: Stream Dir jetzt alle Spiele in der entscheidenden Phase der Tipico Bundesliga bis zum Saisonende kostenlos.
 
Und so funktioniert´s:
Einfach bis 15. Juni 2020 auf www.skyx.at/comeback mit Deinem persönlichen Gutscheincode anmelden. Diesen findest Du oben im E-Mail. 
Das Abo ist monatlich kündbar. Die Aktion ist nicht mit anderen Sky X Aktionen kombinierbar. 
 
*Monatlich kündbar. Erfolgt keine Kündigung zum Ablauf der Gutscheinphase, ist nach der Gutscheinphase der Standardpreis für Sky X Sport & Live TV iHv. € 24,99 mtl zu bezahlen. Infos unter www.skyx.at. Aktion ist nicht mit anderen Sky X Aktionen kombinierbar. Aktion gültig bis 15.06.2020. Mindestalter 18 Jahre.



     

Wichtiger Hinweis: Der SK Rapid stellt Dir das SKY X Abo für zwei Monate kostenlos zur Verfügung und wir hoffen, dass Du mit diesem Service viel Freude hast! Wenn Du SKY X nach Ablauf der 2-monatigen Nutzungsdauer nicht mehr konsumieren möchtest, so musst Du Dein Abozum Ende der Laufzeit aufgrund der allgemeine Geschäftsbedingungen von Sky aktiv kündigen. Anbei ein Kündigungsschreiben, welches Du einfach ausfüllen und an Sky übermitteln kannst. Du kannst die Kündigung des Abonnements aber auch selbst im Kundenbereich auf www.skyx.at durchführen oder unter zur Hilfenahme des verfügbaren Live-Chat gegenüber einem SKY Mitarbeiter erklären. Nähre Infos findest Du auch hier.

Wir wünschen Dir viel Spaß mit dem Sky X Abo und freuen uns auf Deine Unterstützung für unsere Mannschaft – in den kommenden Wochen von zuhause aus und hoffentlich bald wieder in Hütteldorf!

Bei Fragen steht Dir unser SK Rapid Klubservice-Team gerne unter klubservice@skrapid.com oder direkt im Fancorner in Hütteldorf (Gerhard-Hanappi-Platz 1, 1140 Wien, MO-SA 11-18 Uhr) zur Verfügung!
 
Grün-weiße Grüße
       
 
Christoph Peschek, Geschäftsführer Wirtschaft / CEO            
Zoran Barisic, Geschäftsführer Sport        

Geisterfußball

Auch wenn es jetzt eine Phase mit Geisterspielen gibt – vor allem deshalb, um dem Profifußball ein Überleben zu ermöglichen – hat Fußball in der Form wie wir ihn bis zum März 2020 gekannt haben, Pause. Und wie lange diese Pause dauern muss, kann niemand seriöser Weise sagen. Zu sehr hängt das von Zufälligkeiten der Infektionslage ab.

Aber nicht nur die Teilnahme an den Spielen, auch alle Veranstaltungen rund um den Fußball sind ausgesetzt, seien es die Stammtische, der Rapid-Lauf, der Tag der offenen Tür, die vielen Veranstaltungen in der Röhre und auch die Veranstaltungen der Fanklubs können nicht wie gewohnt stattfinden. Das ganze Fußballgeschehen wird „geisterhaft“.

Seit vergangener Woche ist bekannt, dass ab 29. Mai Veranstaltungen bis 100 Personen erlaubt sein werden. Wer würde nicht daran denken, wenigstens unsere beliebten Mitgliederversammlungen stattfinden zu lassen. Im Vorstand wurde diese Möglichkeit auch beraten, aber das Ergebnis ist, dass trotz der Weiterführung des Ligabetriebs wir uns nicht treffen können, dass also

keine Mitgliederversammlungen

stattfinden können.

Veranstaltungen ja, aber…

Hinter der Schlagzeile „Veranstaltungen bis 100 Personen ab 29, Mai“ verbergen sich folgende Zusatzbedingungen:

  1. Nur Sitzplätze
  2. Mindestabstand 1 Meter (die Regel 10m² pro Besucher gilt ab 1. Mai bis 29. Mai)
  3. Corona-Beauftrage*r als Ansprechpartner*in für Gesundheitsbehörden
  4. Verpflichtung zur Erstellung einer individuellen Risikoanalyse für jede Veranstaltung.
  5. Jedenfalls jedoch Maßnahmen zu 
    • Steuerung der Besucherströme bei Eingang, Ausgang, WC, Garderobe, Pause, zur Vermeidung von Menschenansammlungen
    • Bei 500-1000 BesucherInnen verpflichtende Abstimmung im Vorfeld mit lokalen Behörden über Verkehrsströme bei An- und Abfahrt.
    • Erhöhte Hygienemaßnahmen, Reinigung, im Publikumsbereich

Nächste Woche werden die Maßnahmen im Dialog mit den Kulturschaffenden aller Branchen und politischen Kulturverantwortlichen besprochen.  Ziel ist, bis 25.5. die entsprechende Verordnung vorzulegen.

Gäste aus dem Rapid-Umfeld

Dazu kommt, dass es auch nicht möglich ist, jemanden aus dem Rapid-Umfeld zu einer Mitgliederversammlung einzuladen. Derzeit sind alle Aktiven bei Rapid angehalten, Außenkontakte zu minimieren.

Hindernisse

  • Die 1-Meter-Abstand-Regel (Punkt 2) macht die Organisation schwierig, weil unsere übliche Sitzordnung geändert und die Teilnehmerzahl beschränkt werden müsste.
  • Außerdem müssen wir bedenken, dass viele unserer Mitglieder zur Risikogruppe zählen und die „individuelle Risikoanalyse“ (Punkt 4) zur Vorsicht mahnt.
  • Es können aus Sicherheitsgründen keine Gäste aus dem Rapid-Umfeld kommen

Virtuelles Zuschauen

Was bleibt, ist virtuelles Zuschauen über die Fernseh- und Internetkanäle

  • in einem Gasthaus
  • mit einem Sky-Vertrag (ab 19,90 pro Monat (derzeit ohne Anmeldegebühr),
  • eine eventuelle kostenlose Schmalvariante im ORF? (Link)
  • mit 3-stündiger Verspätung als Relive-Video in Rapid-TV (gegen eine kleine Gebühr hat man Zugriff auf alle Spiele der letzten Jahre in voller Länge)
  • Grauzone: Die Seite livetv.sx (Domäne von Sint Maarten) bietet Live-Übertragungen an, aber Achtung vor Schadsoftware! Ob man sich darauf verlassen kann, dass eine angekündigte Übertragung auf livetv.sx zu sehen sein wird, weiß ich nicht (ich konnte schon Spiele auf dieser Seite verfolgen, hatte aber auch schon Misserfolge). Hier ist der direkte Link zur Rapid-Seite: http://livetv.sx/dex/team/1_246_361_rapid_wien/ Man kann jedenfalls zusammenfassende Videos zu allen vergangenen Bundesliga-Spielen abrufen. Die kommenden Spiele ab 2. Juni werden wohl kurz vorher auf der Seite eingetragen, wenn seitens der Bundesliga die Beginnzeiten festgelegt worden sind.
    Größere Ligen genießen natürlich mehr Aufmerksamkeit. Der folgende Link zeigt 8 Videos des ersten Spiels der Deutschen Bundesliga Dortmund-Schalke, darunter das Spiel selbst in voller Länge: http://livetv.sx/dex/eventinfo/929606_dortmund_schalke_04/

Prognose Epidemie

Sehr plausibel war eine Einschätzung von Christian Drosten (Chefvirologe der Charité), der gemeint hat, dass der häufigere Aufenthalt im Freien während des Sommers und die höheren Temperaturen helfen könnten, die Ausbreitung des Virus zu bremsen, weil Feuchtigkeit in der Luft rascher abtrocknet. Die aber dadurch wachsende Sorglosigkeit könnte in der feuchten Jahreszeit zu einer Rückkehr des Virus führen. Diese als „Wellen“ bezeichneten Phasen einer Epidemie sind also nicht eine Eigenschaft des Virus. sondern eine Folge unseres Verhaltens. Distanz-Disziplin reduziert die Fallzahlen, Sorglosigkeit lässt sie wieder ansteigen.

Prognose Fußball

Sollte es zu einer Zulassung von Zuschauern im Stadion kommen, dann wird unser Stadionverhalten an die Ansteckungsgefahr angepasst sein müssen. Organisatorische Maßnahmen könnten sein

  • gestaffelte Eintrittszeiten für verschiedene Sitzreihen sein (Zutrittszeitpunkt auf der Eintrittskarte),
  • „Stehen verboten“ ,
  • Reduktion der Besucherzahlen,
  • kein Aufenthalt hinter den Tribünen,
  • gestaffelter Abgang aus dem Stadion,
  • Desinfektion und Mundschutz sowieso.
  • Unterstützung der Nachverfolgung von Infektionen durch eine App oder durch personalisierte Karten.
  • Wegen der großen Nähe in den Sitzreihen könnte eine App hilfreich sein, doch wird eine solche App von der Bevölkerung eher abgelehnt. Ebenso möglich wäre auch eine verpflichtende Personalisierung der Karten, was den Menschen aber ein ähnliches Unbehagen wie eine App bereitet.

Bei gleichzeitig geringen Fallzahlen könnten solche Maßnahmen schon eine Option für eine Zulassung von Zuschauern darstellen. Wenn allerdings die allgemeine Bereitschaft zur Einhaltung der Distanzregeln abnehmen sollte – mit der Folge steigender Fallzahlen, steuern wir auf eine längere Zwangspause zu.

Links

Babyelefant

Fußball strukturiert unser Leben.

Angesichts der Corona-Krise gehen dem Fußball bald die Themen aus, man könnte fast sagen, der Lebensnerv. Nur die allwöchentliche Rapidviertelstunde ist eine Erinnerung an bessere Zeiten. Und auch die hartgesottensten Anhänger müssen an den Wochenenden ungewohnten Dingen nachgehen. Die Fialas entdecken die Stadt, ihre Umgebung, und wir werden darin bestätigt, dass wir nicht nur Anhänger des besten Fußballklubs der Welt sind – so wie das auch beim Heimfilmabend im Anschluss an das unglücklich verlorene Finale einer der Fans im Interview ausgedrückt hat – sondern dass wir auch in einer der lebenswertesten Städte der Welt leben.

Dass wir alle eine Fortsetzung des Spielbetriebs herbeisehnen, ist klar. Aber die Rahmenbedingungen sprechen eher gegen eine Fortsetzung des Ligabetriebs – auch in Form von Gesterspielen – und gegen volle Zuschauerränge natürlich sowieso. Es sei denn, die Bundesliga schafft es, dem Gesundheitsminister akzeptable Bedingungen vorzuschlagen.

Bei einem Termin im Gesundheitsministerium wurde folgendes vereinbart:
„Hinsichtlich der Quarantänemaßnahmen wurde festgehalten, dass positiv getestete Personen und deren Kontaktpersonen in Quarantäne müssen.“

Regel und Ausnahmen

Regel: Babyelefant

Der Fortsetzung des Spielbetriebs steht die Abstandsregel entgegen, nach der ein Babyelefant zwischen zwei Personen Platz haben soll, natürlich auch zwischen Fußballspielern. Daher findet derzeit auch der Trainingsbetrieb in Kleingruppen statt.

Laut Wikipedia ist der Babyelefant bei der Geburt ohne Rüssel tatsächlich gerade einen Meter groß. Und der soll in jeder Alltagssituation zwischen zwei Personen passen. Wenn diese Distanz eingehalten wird, sind Ansteckungen unwahrscheinlich. Aber es gibt Ausnahmen:

Ausnahme 1: Schutzkleidung

Da aber gewisse persönliche Dienstleistungen wie zum Beispiel in der Pflege und der Medizin, nicht möglich wären, kann diese Regel durch das Tragen von Schutzkleidung umgangen werden.

Ausnahme 2: PCR-Test mit Quarantänepflicht

Und wenn eine Schutzkleidung nicht möglich ist, müssen such die Akteure einem PCR-Test unterziehen. Ist dieser Test negativ, können sie Körperkontakt haben. Die Sache hat allerdings einen Haken, denn wenn beim nächsten Test jemand positiv getestet wird, werden in einem Contact Tracing (Rückverfolgung von Infektionsketten) die Kontaktpersonen der letzten Tage erfasst, und diese Personen müssen sich dann in Quarantäne begeben.

Ausnahme 3: Quarantänebetrieb

Einige wichtige Institutionen wie zum Beispiel die Energieversorger und das Fernsehen haben einen schichtweisen Betrieb unter Quarantänebedingungen eingeführt, der sicherstellt, dass eine kasernierte Besatzung den Betrieb störungsfrei aufrecht erhalten kann – auch ohne die ansonsten geltende Abstandsregel.

Fußball und Kunst

Die seltsamen Parallelen zwischen Fußball und Kunst waren immer schon für einen Artikel gut, und wenn dieser Artikel nur dazu gedient hätte, meinem ungläubigen Fußballfreund Arnold diese Gemeinsamkeiten aufzuzählen. Dass ein Virus dieses gemeinsame Schicksal so verschiedener Welten aufzeigt. ist fast schon kitschig dramatisch.

Fußball und darstellende Kunst befinden sich in einer seltsamen Allianz, denn beide leben von großen Zuschauerzahlen und beide benötigen in der Darstellung körperliche Nähe der Akteure und beides widerspricht der Abstandsregel mit dem Babyelefanten. Wendet man die Ausnahme 2 „PCR-Test“ an, besteht die Gefahr, dass eine Ansteckung diagnostiziert wird und dadurch der Betroffene und mit ihm alle Kontaktpersonen in Quarantäne gehen müssen. Beim Fußball bedeutet das praktisch das vorzeitige Saisonende für den betroffenen Verein, und – wenn in der unmittelbaren Vergangenheit ein Spiel stattgefunden hat, was bei englischen Wochen der Fall wäre – auch des gegnerischen Vereins.

Aus diesem Dilemma scheint es keinen Ausweg zu geben, außer eben dieses Risiko auf sich zu nehmen und als Vorsichtsmaßnahme die betroffenen Akteure zu einer extremen Isolation zu verpflichten. Aber allein durch unvermeidbare familiäre Kontakte wird auch dadurch das Risiko nicht auf Null reduziert.

Christian Ebenbauer hat in einem Interview von Russischem Roulette gesprochen, das man bei Durchführung der Playoffs eingehen würde. Aber wie wahrscheinlich wäre ein solcher Abbruch?

Wie groß ist das Risiko eines Abbruchs?

Das Folgende ist eine „Milchmädchenrechnung“, der für alle Österreicher eine gleiche Chance auf Infektion zugrunde legt. Das ist in der Realität nicht der Fall. Wer allein zu Hause lebt, kann nicht angesteckt werden. Auch nicht jemand, der die Abstandsregeln einhält und Menschenansammlungen meidet. Spieler werden dazu angehalten, sich so zu verhalten.

Dagegen sind Menschen in Arbeitsprozessen oder mit Kundenkontakt deutlich mehr exponiert. Sicher gehören auch Fußballspieler mit ihren zahlreichen Terminen im Fernsehen und bei Sponsoren zu diesem exponierten Personenkreis.

Alles das wird hier nicht betrachtet, alle sollen dieselbe Wahrscheinlichkeit zur Ansteckung haben, und daher das Ergebnis höchstens als Anhaltspunkt zu betrachten.

An einem Tag

An einem Tag werden in Österreich zwischen 50 und 100 Neuinfektionen registriert, sagen wir 80. Die Wahrscheinlichkeit, dass man einer dieser Betroffenen ist, ist sehr gering: 80/8000000 = 0,00001 oder 0,01 Promille.

In 60 Tagen

Die Spiele der Bundesliga wären für den Zeitraum Juni-Juli geplant, also für 60 Tage.

In einem Zeitraum von 60 Tagen gibt es ca. 6000 Infektionen, sagen wir 8.000 (die Fallzahl wird wegen der aktuellen Lockerungen zunehmen). Die Wahrscheinlichkeit, sich in diesem Zeitraum zu infizieren, liegt bei etwa 1 Promille.

Menschengruppen

Betrachtet man eine Gruppe von Menschen, dann addieren sich die Wahrscheinlichkeiten der Einzelpersonen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand aus einer dreiköpfigen Familie in 60 Tagen infiziert liegt daher bei 3 Promille. Diese Personen müssen bei der Ansteckung eines Einzelnen Familienmitglieds in Quarantäne, um die Infektionskette zu unterbrechen.

Bundesliga Playoff

Wie ist das beim Fußball?

In zwei Monaten (Juni und Juli) sollen die restlichen Spiele der Bundesliga gespielt werden. Es gibt 12 Teams. Die Kadergröße eines Teams sei 25. Die betroffene Personengruppe umfasst 300 Personen (25×12). Die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine irgendeine Person dieser Gruppe in einem Zeitraum von 60 Tagen ansteckt, liegt bei 300 Promille oder 30 Prozent.

Wenn nun Spieler durch besonders disziplinierte Umgangsformen das 60-tägige Ansteckungsrisiko von 1 Promille senken, würde das natürlich die geschätzten 30 Prozent ebenso stark absenken, aber ein Restrisiko bleibt dennoch.

Ausweg: Quarantäne

Ein Ausweg könnte sein, dass man die Spieler – ähnlich wie das bei RB-Leipzig praktiziert werden wird (Bericht Bild-Zeitung) – in einer Quarantäne kaserniert, ähnlich wie das beim ORF und den Wiener Netzen der Fall war. Eine solche drastische Einschränkung der Lebensart könnte die Geisterspiele realistischer machen, weil natürlich die Ansteckungswahrscheinlichkeit – zumindest theoretisch – auf Null reduziert werden könnte.

Aber auch wenn eine solche Abwicklung gelingen könnte, wäre das höchstens eine Lösung für den Rest der Saison aber kein realistisches Modell für die zukünftige Meisterschaft.

Ein historischer Rückblick

Die Auswirkungen der spanischen Grippe in Österreich 1918 waren verheerend. Die Wiener Zeitung berichtet in einem Nachdruck von 900 Toten in einer Woche im Oktober 1918 und insgesamt 6500 Toten zwischen 1918 und 1920.

Es ist bemerkenswert, dass man damals ganz ähnliche Maßnahmen wie heute getroffen hat, also zum Beispiel Schulschließungen, aber so konsequent, dass man auch den Fußballbetrieb eingestellt hätte, war man damals nicht.

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Heimkinoabend

Es wirkt alles sehr zuversichtlich bei Rapid, die Rapidviertelstunde, die Interviews, die Solidaritätsbekundungen und auch die Durchhalteparolen. Doch wie es einem Betrieb geht, dessen Existenzgrundlage ohne Aussicht auf Besserung wegbricht, das mag man sich gleich gar nicht im Detail vorstellen.

Umso wichtiger ist jede finanzielle Beteiligung der Fans an unserem Projekt „Rapid“. Nach der überaus erfolgreichen Aktion für die „Rapid Fanmaske“, die es bereits im zweiten Design gibt, lädt uns Rapid zu einem gemeinsamen, virtuellen Heimkinoabend ein.

Donnerstag, 20 April 20:15 Rapid-TV
https://tv.skrapid.at/

Für Sammler von Fußballtickets kann diese Eintrittskarte ein durchaus begehrtes Sammlerobjekt werden.

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Online-Shopping in Österreich

Corona macht andere Themen zu „Nebenkriegsschauplätzen“, auch den Fußball. Für die heimische Wirtschaft, Rapid inklusive, könnte es eine Hilfe sein, wenn wir uns als Konsumenten vor einem Kauf bei Amazon bei österreichischen Lieferfirmen nach Alternativen umsehen.

Die Regierung, die Wirtschaftskammer, die Post und viele Private legten in den ersten Wochen der Corona-Epidemie Verzeichnisse österreichischer Webshops an. Hier ist eine Auswahl:

Verzeichnisse österreichischer Webshops


Wenn Du eine weitere Seite kennst, nehmen wir sie gerne in der Liste auf.

Viele dieser Verzeichnisseiten erlauben es, dass man sich als Webshop einträgt. Da ich den Rapidshop nirgendwo gefunden habe, schlage ich vor, dass sich auch unser Fanshop in den Verzeichnissen einträgt. Das sehr populäre Verzeichnis von Nunu Kaller hat zum Beispiel eine eigene Seite über Sportprodukte: https://www.nunukaller.com/kategorien/sportprodukte

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Ostern-2020

Eigentlich stand für Ostersonntag das Heimspiel gegen Wolfsberg am Rapid-Terminkalender, das vorletzte Spiel der Hinrunde der Meistergruppe. Aber seit 13.3.2020 ist nicht nur die österreichische Fußballwelt eine andere geworden. Ein Spiel mit Zuschauern ist in weite Ferne gerückt. Wir können gespannt sein, welche Perspektive die Bundesliga in der kommenden Woche für den Saisonrest zeichnet.

Die Marktwerte der Spieler folgen den fallenden Börsenkursen. Überraschend ist es nicht, denn wenn der Nachschub an Geld versiegt, platzt die Fußballblase, die – ähnlich wie der Kunstbetrieb – vom Interesse der Massen abhängig ist. Wie ernst die Lage wirklich ist, wissen wir nicht, weil uns niemand sagen kann, wie lange die Veranstaltungssperre dauern wird. Dass die Kicker in den englischen Ligen nicht auf Teile ihrer Gagen verzichten wollen, zeichnet ein Sittenbild, gegen das sich die Anhänger des „football old style“ immer schon erfolglos gestellt haben. Jetzt bekommen sie Schützenhilfe durch ein Hundert Nanometer kleines Etwas.

Man muss in diesen Tagen als Firma schon solid aufgestellt sein, um diese Durststrecke zu überleben. Für viele Firmen war es ein Monat, und sie können am kommenden Dienstag wieder öffnen. Aber Fußball- und Kunstbetrieb sind so ziemlich die letzten Branchen, die zu einem Normalbetrieb übergehen werden können.

Die Rapid-Familie zeigt Zusammenhalt und bestellt 21.500 Schutzmasken. Eine ähnliche Solidarität sollten wir auch bei den Abos an den Tag legen und die Last der Epidemie-Folgen auf viele Schultern verteilen.

Klub der Freunde

Unsere für Mai geplante Mitgliederversammlung muss leider auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Auch die für den Saisonbeginn 2020/21 geplante Generalversammlung wird verschoben.

Wir wünschen den Lesern des Tagebuchs erholsame „Ostern daham“.

Wie geht es weiter?

Niemand hat darauf eine seröse Antwort, aber Woditschka schon:

„Abends um Sechs nach dem Virus beim Klub der Freunde‘“!

Berühmter Satz von Woditschka im Zweiten Buch „An der Front“, Kapitel 4. „Neue Leiden“ aus dem Buch „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ von Jaroslav Hašek. Im Original sagte Vodička (=Woditschka = ‚Wässerchen‘) zu seinem Freund Jozef: „V šest večer po válce u kalicha“ = „um Sechs Abends nach dem Krieg im ‚Kelch‘“.

Andere besuchen vielleicht nach der Epidemie eine Kirche, ich habe mir vorgenommen, mit dem RegioJet einen Ausflug nach Prag zu unternehmen inklusive Mittagessen „u kalicha“„beim Kelch“.

Schöne Ostern, mit diesem diffusen Ziel vor Augen schaffen wir das, der Schwejk hat das auch geschafft!

Links

Grünzeug Corona

Liebe Mitglieder des Klubs der Freunde des S.C. Rapid!

Dass unser Thema Nummer 1, der Fußball von einem Virus aus den Schlagzeilen verdrängt wird, hat schon Seltenheitswert, dass die Gefahr besteht, dass eine Saison keinen Abschluss findet, war nur kriegsbedingt 1944/45 der Fall.

Ja, es gibt uns noch, und wir sind besorgt und gleichzeitig ungeduldig. Besorgt um den Zustand der Gesundheit unserer Mitglieder, der Rapid-Aktiven und den vielen Rapid-Home-Officers und natürlich um unseren Verein insgesamt und auch den Fußball ganz allgemein. Die Maßnahmen der Bundesregierung treffen uns alle, da wir aber als Rapidler gewohnt sind, zusammenzuhalten, haben wir wenigstens in dieser Disziplin keine Probleme.

Unsere laufenden Projekte wie die Herausgabe des Grünzeug und unsere Mitgliederversammlungen fanden ein jähes Ende und auch weitere geplante Veranstaltungen sind von den bundesweiten Rahmenbedingungen abhängig.

  • 6 April: Grünzeug wird nicht erscheinen
  • 20 April: Mitgliederversammlung wurde abgesagt
  • 18. Mai: Mitgliederversammlung mit Martin Bruckner, Michael Krammer und Gerry Wilfurth. Ob diese Veranstaltung stattfinden kann, können wir derzeit noch nicht sagen. Sollte sie wie geplant zustanden kommen, wird dazu Anfang Mai in einer Ausgabe des Grünzeug oder mit einem Brief eingeladen.

Haltet durch, „wir schaffen das“, wie Nadja Bernhard nicht müde wird allabendlich zu wünschen.

Eurer Gerhard Niederhuber

[Frei nach einem Telefongespräch mit unserem Obmann.]

Hier eine Liste der Rapid-YouTube-Videos aus 2020 als „Überbrückungshilfe“. Der Link über dem Datum zeigt alle Pressemeldungen dieses Tages.

Rapid-Videos des heurigen Jahres

Corona und Fußball

Wer hätte gedacht, dass unsere Auswärtsfahrt nach Wolfsberg am 15.3. die letzte für lange Zeit werden würde. Und die nächste Auswärtsfahrt nach Salzburg war auch schon in Planung. Der Salzburg-Fanbus war am Freitag, 13.3. bald nach dem Verkaufsstart ausverkauft. Am Montag 17.3. kauften wir voller Optimismus noch unsere Karten, am Dienstag wurde dieser Vorverkauf gestoppt. Am Freitag verkündete die Regierung, dass sich jetzt alles ändern werde im Land.

Fußballspiel Zero

Am 19. Februar stieg im Mailänder San Siro das Champions-League-Spiel zwischen Atalanta Bergamo und dem FC Valencia. Heute sind die Epidemiologen sicher: die Partie mit 44.000 Zuschauern verstärkte die Ausbreitung des Coronavirus in der Region massiv. (stern.de vom 23.3.2020)

Von Mäusen und Elefanten

Heute ist es unwichtig, ob der Rapid-Kapitän verlängert oder wer Meister wird. Die Frage, wann überhaupt wieder Fußball gespielt werden kann, überragt alles andere. Doch eine zweite Frage gesellt sich dazu und zwar die, ob der Profifußball diese Krise überhaupt überleben wird.

Wenn in der Savanne längere Zeit Dürre herrscht, wird es für die dort lebenden Tiere eng, besonders für jene mit einem großen Nahrungsbedarf. Und so sonderbar das auch ist, das kleine Nagetier Maus hat in dieser Situation größere Überlebenschancen als der unbesiegbar scheinende Elefant. Große Tiere könne nur bei einem ausreichend stabilen Nahrungsangebot überleben.

Admira-Geschäftsführer Drabek hat am 16.3. Christoph Peschek angegriffen, weil sich Rapid Sorgen um den massiven Einnahmen-Ausfall macht und bezeichnete das als „Einzelinteresse“. (Bericht vom 16.2.2020 in laola1 und anderen Medien). Man sieht, die Rollen sind verteilt. Der Elefant möge sich nicht beklagen, die Maus finde ja auch ihr Auslangen in der ausgetrockneten Landschaft. Ein Elefant weniger wäre für die Geier ein gefundenes Fressen.

Glücklicherweise ist ein moderner Betrieb kein unflexibler Elefant. Ein Betrieb kann für einige Zeit in eine Art Winterstarre verfallen, dabei die Kosten auf ein Minimum reduzieren und – vor allem – kann ein Betrieb mit solidarischer Unterstützung des Staates rechnen. Aber Profi-Fußball-Vereine sind Betriebe mit „besonderen Bedürfnissen“.

Alle Anhänger des Fußballsports stellen sich bei den Ablöse- und Gehaltssummen der Topspieler immer wieder die Frage, ob denn Menschen einen solchen Wert haben können, der für sie bezahlt wird. Und die Antwort ist: ja, denn das Geld ist vorhanden, und es wird nur in die Spieler investiert. Die Summen wären zwar nicht gar so hoch, wenn nicht auch noch reiche Eigentümer die Preisspirale nach oben anheizen würden, aber Bayern München zeigt, dass man auch ohne Investor mithalten kann.

Das Motto der Rapid-Geschäftsführung, alle Einnahmen wieder dem Fußballbetrieb zuzuführen, ist allen Fußballvereinen gemeinsam. Und da diese Einnahmen wegen der hohen Popularität beachtlich sind, fließen die erwirtschafteten Gelder in diese 20-30 Spieler und das Trainerteam. Gewinne, die als Dividende an die Eigentümer ausgeschüttet werden, sind ja nicht vorgesehen. Gewinn, das ist der sportliche Erfolg.

Wenn Betriebe geschlossen werden müssen, kann der Betrieb, unterstützt durch den Staat, diese Kosten des Stillstands, also laufende Betriebskosten, Kredit- und Steuerzahlungen sowie Löhne weiterzahlen. Und bei den Löhnen erfand der Staat ein Kurzarbeitsmodell, das sehr attraktiv ist und den Betrieben einen raschen Neustart und den Beschäftigten den Arbeitsplatz sichert. Allerdings bezieht sich dieses Modell auf „normale“ Arbeitnehmer, also solche mit klassischen Arbeitnehmerverträgen. Verträge von Fußballprofis werden durch dieses Kurzarbeitsmodell nicht bedient.

Sportminister Werner Kogler hat in einer der ersten Pressekonferenzen zu den Unterstützungsmaßnahmen ergänzt, dass natürlich auch Sportvereine unterstützt werden, die ihre laufenden Kosten nicht bezahlen können – im Bildbericht wurde der SK Breitenfurt vorgestellt, schloss aber auch gleichzeitig die Stützung des Fußball-Profibetriebs aus.

Wie jeder andere Betrieb kann ein Fußballverein sein Personal in Kurzarbeit schicken und bekommt den größten Teil der Kosten ersetzt. Aber der Profibetrieb hat – anders als Produktionsbetriebe – durch die weiterlaufenden Spieler- und Trainergehälter enorme laufende Personalkosten bei gleichzeitigem Entfall aller Einnahmen. Und dieser Umstand setzt Fußballvereine mit einem Profibetrieb unter einen besonderen Druck, der eine existenzielle Dimension hat. Und je größer der Wert der Mannschaft und deren Lohnkosten sind, desto früher droht das finanzielle Aus.

Daher sind die Elefanten in diesem Gewerbe mehr gefährdet als die Mäuse.

Solidarität

Ob alle Profifußballvereine diese Krise überstehen werden, weiß man derzeit noch nicht, dass es aber ungemütlich wird, das zeigen erste Berichte aus Deutschland. Am 20.3. zitiert der Kurier Zoran Barisic: „Es geht darum, den Fortbestand von Rapid zu sichern“. Eine Solidarisierung aller am Fortbestand von Rapid Interessierter wird nötig sein.

Solidaritätsbeitrag des BlockWest

Der eindringliche Aufruf des Blocks an alle seine Mitglieder, zu Hause zu bleiben und der Vordruck für die Nachbarschaftshilfe (siehe Rapidviertelstunde-218) sind schon eindrucksvolle Beispiele von Solidarität, die sogar das sonst offen zu Schau gestellte Kriegsbeil gegenüber der Obrigkeit begraben lässt – für die Dauer der Krise, versteht sich;-)

Solidaritätsbeiträge der Profis

Das, was in „Friedenszeiten“ als Marktwert eines Spieler gehandelt wurde und auf dem auch die Gehälter aufbauten, dürfte derzeit wie eine Aktie ins Bodenlose fallen. So wie der Handel an Börsen punktuell ausgesetzt wird, dürften Transfers in diesen Tagen schwierig werden. Freiwilliger Gehaltsverzicht der Spieler wird wohl ein Solidaritätsbeitrag sein müssen. In Deutschland werden darüber hinaus Geisterspiele als Überlebensmittel angedacht.

Solidaritätsbeiträge der Anhänger

Wenn ich in meine Geldbörse blicke, schaut das nicht so aus, als könnte ich Rapid helfen, aber solche wie mich gibt es viele. Und wenn auch derzeit der Weg in den Fanshop verunmöglicht wird, der Online-Fanshop ist jederzeit geöffnet und ein Osterset (oder Gleichwertiges um 100,- Euro) ergibt schon eine Menge – wenn alle es tun! Wenn 10.000 Fans aus Solidarität ein Osterset kaufen, ist das immerhin eine Million.

Bitte kaufen, bitte kaufen, bitte kaufen Augustin Osterset! (frei nach Ján Klimeš), den grün-weißen Augustin-Verkäufer)

Solidaritätsbeiträge der Abonnenten und Mitglieder

Rapid-Mitglieder sollten wegen der nicht stattfindenden Spiele nicht streiten. Wie heißt es doch immer: „Rapid gehört seinen Mitgliedern“, und als Eigentümer müssen wir versuchen, den Kahn über Wasser zu halten.

Solidaritätsbeiträge der Investoren

Ende des Jahres steht die erste Rückzahlung für die 5-jährigen Rapid-Investoren an. Und das bedeutet für Rapid eine zusätzliche Belastung und die sich’s leisten können, könnten in einer solidarischen Aktion diese Rückzahlung auf ein späteres Jahr hinausschieben, also in einer gemeinsamen Aktion aus einer 5-jährigen eine 7-jährige, aus einer 7-jährigen eine 9-jährige und aus einer 9-jährigen eine 11-jährige Investition machen.

Feind

Derzeit ist es keine Frage, wie das nächste Spiel wohl ausgeht, heute fragen sich die Fußball-Interessierten, wann wohl überhaupt das nächste Spiel und das nächste mit Publikumsbeteiligung stattfinden wird. Die Optimisten reden vom Mai, Fachleute sagen, dass es den Fußball, wie wir ihn gekannt haben, im heurigen Jahr überhaupt nicht geben wird können (Virologe des Hamburger Instituts für Tropenmedizin, 20.3.2020 stern.de). Wie wir am Beginn dieses Artikels gehört haben, wird vermutet, dass das Fußballspiel Atalanta Bergamo gegen Valencia einen wesentlichen Einfluss auf die starke Verbreitung des Virus in Norditalien hatte. Man wird seitens der Regierungen sicher nicht zulassen, dass ein Erfolg im Kampf gegen das Virus – das wären also sinkende Infektionszahlen – durch Massenveranstaltungen gleich wieder zunichte gemacht wird. Die Freigabe von Massenveranstaltungen wird erst ganz am Ende des Tunnels stehen. Olympia wird abgesagt und in Hütteldorf würde gleichzeitig Fußball gespielt werden? Kaum vorstellbar!

Der Grund für diese lange Dauer der Epidemie ist unsere Art, die Ausbreitung der Krankheit durch Isolationsmaßnahmen zu bekämpfen. Wir erreichen dadurch zwar ein Abflachen der Kurve, aber der Preis ist eine längere Dauer. Aber warum dauert es länger?

Die strichlierte horizontale Linie symbolisiert die Grenze unseres Gesundheitssystems. Die beiden Flächen (rot und blau) sind gleich.

Herdenimmunität

Über Boris Johnson wird berichtet, dass er auf die „Herdenimmunität“ vertraut hätte. Man machte es ihm zum Vorwurf, dass er die Dinge einfach laufen lässt (rote Kurve oben) – mit einem gewissen Schutz für die Alten. Nun haben aber auch wir – mangels Impfstoff – kein anderes Konzept als eben diese Herdenimmunität, denn erst, wenn ein ausreichend großer Teil der Bevölkerung erkrankt und wieder genesen (und dadurch immunisiert) sein wird, hat eine Neuerkrankung keine Verbreitungsmöglichkeit mehr, das Virus wäre dann besiegt. Genaugenommen findet das Virus keinen Wirt mehr, weil alle bereits immun sind. Die „Herde“ entspricht der Fläche unter der Kurve. Bei COVID-19 müssen das etwa 60% der Bevölkerung sein bei Masern 90%, weil Masern eine höhere Reproduktionsrate hat.

Sowohl der rote also auch der blaue Verlauf betreffen einen großen Teil der Bevölkerung, doch die strichlierte Linie deutet die Kapazität des Gesundheitssystems an. Mit dem blauen Verlauf können alle schwerer Erkrankten behandelt werden, im roten Verlauf blicken wir auf kriegsähnliche Zustände wie sie teilweise aus Oberitalien gemeldet werden.

Der „Sieg“ besteht nicht darin, dass man sich Erkrankung erspart, sondern darin, dass man eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindert. Auch die blaue Kurve zielt auf eine Herdenimmunität ab, doch durch restriktive Maßnahmen werden nur kleinere Wachstumsraten zugelassen, damit eben das Gesundheitssystem nicht zusammenbricht. Es dauert dadurch aber länger, bis möglichst viele – hoffentlich mit wenigen Nebenwirkungen – erkrankt und wieder genesen sind.

Leider bedeutet das nicht Gutes für den Fußball, denn die Fußballpause wird dadurch deutlich länger. Beachtet, dass wir uns erst ganz am Anfang der Kurve befinden – hoffentlich der blauen – und erst wenn sich keine Zuwächse mehr zu beobachten sein werden, haben wir die Hälfte dieses Prozesses hinter uns. Und derzeit ist das noch überhaupt nicht abzusehen.

Dunkelziffer

Bei den paar Tausend Erkrankten, die wir heute zählen schaut das eher wie ein endloser Prozess aus bis alle „durch“ sind. Dabei kommt uns aber die Dunkelziffer der Erkrankung zu Hilfe, denn die liegt zwischen 5 und 50 (so genau weiß das niemand). (Meldungen in der ZIB 2 am 23.3.2020 und im Kurier vom 20.3.2020). Je höher die Dunkelziffer – das sind also Personen, die infiziert sind, das aber nicht bemerken und dennoch Überträger sind – desto größere Teile der Bevölkerung werden angesteckt und sind nach ihrer Genesung immunisiert.

Prognose

Beachtet die Meldungen im Fernsehen. Prognosen hört man wenige. Nicht, dass man keine Modelle dafür hätte, aber eine Publikation dieser Modelle wäre für die meisten sehr deprimierend. Dabei sind Prognosen gerade bei so gut beschreibbaren Phänomenen wie dem einer Epidemie durchaus möglich. Man kann sich aber gut an den Absagen anderer Veranstaltungen orientieren, was uns in den nächsten Monaten im Fußball erwartet: Formel 1, Olympia usw.

Verlauf der positiv Getesteten in Österreich.
Ein geradliniger Verlauf bedeutet einen gleichmäßig exponentiellen Anstieg der Fallzahlen.

Wir beobachten die Fallzahlen bereits seit 27 Tagen, dem ersten Auftreten des Virus am 26.2.2020. Am 16.3. starteten unsere gemeinsamen Bemühungen zur „Abflachung der Kurve“. Heute, eine Woche danach, können wir tatsächlich eine leichte Verflachung feststellen, einen Stillstand der Zunahme sieht man aber noch nicht. Am Freitag, 20.3. erstellte ich eine Prognose (blaues Bild) ausgehend von den Zahlen des Gesundheitsministeriums auf https://info.gesundheitsministerium.at. Der Maßstab der Darstellung in logarithmisch, weil sich exponentielle Anstiege in dieser Darstellung als Geraden abbilden. Daher sind Änderungen der Zuwachsraten durch Krümmungen der Testwerte gut sichtbar. Am 20.3. wurde diese Gerade mit drei Wachstumsraten bis zum Palmsonntag verlängert. rot: 30% Zuwachs pro Tag, gelb 20% Zuwachs pro Tag und grün: 10% Zuwachs pro Tag.

Heute, am 24.3., ist die weiße Linie der Fallzahlen bereits etwas weiter gewandert und man würde schätzen, dass die Fallzahl am Palmsonntag eher über der 10.000-er Marke liegen wird, weil die Fallzahlen derzeit über der grünen 10%-Linie zu liegen kommen. Wenn aber unsere Bemühungen auch in der laufenden Woche die ansteigende Gerade weiter nach unten biegen, könnten wir unter der 10.000er-Marke in der Osterwoche ankommen.

Solange diese Kurve ansteigt, haben wir das Maximum noch nicht erreicht. Es könnte sein, dass das am Ostersonntag der Fall sein wird, aber es muss nicht sein. Und auch wenn, wäre das erst der halbe Weg. Seien wir also optimistisch, und meinen wir, dass es aber Ostersonntag wieder bergab gehen könnte. Dafür gibt es auch noch ein zweites Merkmal und das sind die Genesenen, die heute noch gar keine Rolle spielen aber in drei Wochen kann das schon anders ausschauen. Mit steigender Zahl an Genesenen verflacht nämlich die Kurve weiter, weil uns nicht die insgesamt Infizierten sondern die tatsächlich Erkrankten interessieren. Aber zu Ostern werden wir schon 46 Tage mit dem Virus befasst gewesen sein und erst dann beginnt – hoffentlich – der Abstieg und der wird wenigstens ebenso lang dauern, also bis 28.5.2020.

Was wir damit noch nicht erreicht haben dürften, ist die Herdenimmunität, denn die erfordert bei der Reproduktionsrate des COVID-19-Virus von etwa 2,5-3,5, dass etwa 70% der Bevölkerung erkranken müssen. Daher wird der ganze Prozess immer wieder von vorne beginnen und wieder abklingen, wenn auch bei Weitem nicht so stark. Echte Entspannung wird sich erst einstellen, wenn ein Impfstoff gefunden werden wird. Also auch wenn diese hohen Infektionszahlen vorbei sein werden, gibt es noch lange keinen Alltag und es wird lange dauern, jedenfalls viel länger als ein paar Wochen, bis wir uns wieder im Stadion werden treffen können.

Dass Bundesliga-Spiele im Mai stattfinden, könnte sein, allerdings bestenfalls als Geisterspiele. Verbündete des Fußballs könnten die Schulen sein, die ja auch für den Jahresabschluss und die Mature öffnen sollen. Für uns Zuschauer wird es in dieser Saison wohl keinen Stadionbesuch mehr geben. (Weiter Hinweise über den Verlauf siehe Link weiter hinten).

Die Chinesen haben es doch auch geschafft!

Nehmen wir an, wir machen es den Chinesen nach. Der erste Fall in China wurde am 19.1.2020 gemeldet. Am 8.4.2020 wird man in Wuhan wieder zum Alltag zurück kehren. Das sind 80 Tage mit dem Virus. Übertragen auf Österreich bedeutet das: am 26.2.2020 wurde in Österreich der erste Fall gemeldet, am 16.5.2020 kehrt wieder die Normalität ein.

Aber wir sind keine Chinesen! Unsere Gesellschaften sind sehr verschieden. Die Maßnahmen, die in China getroffen worden sind, sind in unseren Breiten schwer vorstellbar. Im „Weltjournal“ wurde eine Reportage über die Situation in Peking gezeigt. Es herrschte ein totales und durch zivile Blockwarte überwachtes Ausgehverbot mit Absperrungen vor den Eingängen zu den Wohnblocks. Die Wohngebiete wurden durch Botendienste versorgt. Alle Einwohner wurden und werden durch Handy-Apps verfolgt, und im Infektionsfall werden alle Kontaktpersonen automatisch identifiziert und danach unter Quarantäne gestellt. Gebrauchtes Bargeld wird gereinigt und danach 14 Tage lang nicht ausgegeben. Uvam.

Viele dieser Maßnahmen sind bei uns nicht vorstellbar, aber sie haben in ihrer Radikalität bewirkt, dass im April in Wuhan wieder ein Alltag einkehren kann. Eine Bewegungsfreiheit in unserem Sinn wird in China aber auch im April nicht gegeben sein. Um sich bewegen zu dürfen, benötigt man eine Gesundheitsbestätigung, die am Handy eingetragen ist und die natürlich auch überwacht werden kann. Wegen dieser Ungleichheit der Systeme dürfen wir nicht so optimistisch sein, dass in 80 Tagen alles vorbei sein wird. Es wird länger dauern.

Und auch wenn Geschäfte längst wieder offen sein werden; Menschenansammlungen werden das Letzte sein, was die Behörden erlauben werden, denn diese Ansammlungen trugen sowohl in Italien (SanSiro), in Spanien (internationaler Frauentag) und Österreich (Wintertourismus) stark zur Verbreitung bei.


Link

Wer sich grundsätzlich mit dieser Thematik befassen will, dem empfehle ich die Studie von Tomas Pueyo mit dem Titel „Der Hammer und der der Tanz“ (Wie die nächsten 18 Monate aussehen könnten. Man erkennt, dass die deutsche Version eine automatische Übersetzung ist), in ein Word-Dokument umgewandelt von meinem Freund Robert.