Der ramponierte Adler

Der ramponierte Adler

Die Österreichische Nationalmannschaft erreichte in den letzten drei WM-Qualispielen nur einen Sieg aber zwei Niederlagen. Aber auch die ersten drei Spiele waren ähnlich durchwachsen. Aber warum?

Der ramponierte Adler aus “Wir sind Kaiser”

Die Werteskala

Benutzt man die Werte der Mannschaften unserer Gruppe als Werteskala, wäre ein dritter Platz OK. Die Aufregung über Niederlagen kommt eher von einer unangebracht optimistischen Erwartungshaltung.

Wert         FIFA S U N  Quali   Gruppe F
298,50 Mio.€  11  4 1 5  0:4     Dänemark 
235,50 Mio.€  49  8 7 6  2:2 0:1 Schottland 
216,60 Mio.€  23                 Österreich 
 58,00 Mio.€  81  5 4 2  2:5     Israel
 11,45 Mio.€ 175  5 0 1  2:0     Moldawien
  4,40 Mio.€ 114  4 1 1  3:1     Färöer

Die Kommentatoren meinten, dass die Spieler der österreichischen Nationalmannschaft genug Qualität hätten, um gegen Schottland und die anderen zu bestehen. Der Spielerwert der Schotten ist aber deutlich höher und sogar höher als der der Dänen.

Spielt also Geld Fußball, folgen die Niederlagen gegen Dänemark und Schottland sowie die Siege gegen Moldawien und die Färöer dieser Behauptung, lediglich die Niederlage gegen Israel müsste man als “Ausnahme, die die Regel bestätigt” “erklären”.

Ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss

Diesen Lieblingsspruch von Helge Payer könnten wir verschiedenartig deuten.

Ein effizientes Pferd

Einerseits ist es einleuchtend, dass Lebewesen den Energieaufwand optimieren, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen; Sport betreiben sie nicht, das ist dem Menschen vorbehalten. Wir, Menschen, tun das auch, auch im Alltag, wenn wir zum Beispiel bei einem Ausflug eine Abkürzung nehmen.

Eine Fußball-Mannschaft tut das sicher auch, sogar dann, wenn die Spieler beim Interview beteuern “alles zu geben”. Man wird aus einer gewissen Arbeitsökonomie gegen einen vermeintlich schwachen Gegner eine unbewusste Handbremse anziehen, sodass zwar schließlich gewonnen wird aber überraschend knapp, etwa wie gegen Moldawien und die Färöer.

Ein kluges Pferd

Im Spruch steht noch “ein gutes Pferd” und man könnte auch sagen “ein intelligentes Pferd”.

Wenn also eine Mannschaft nicht nur den Energieaufwand richtig dosiert, sondern auch ihre Situation in der Tabelle kennt und ihre Leistung aus diesem Grund unbewusst anpasst, ist sie “intelligentes Pferd”.

Die Vorgeschichte zu den letzten Enttäuschungen war ein höchst holpriger Start mit einem Unentschieden gegen Schottland und einer deutlichen Niederlage gegen Dänemark. Wegen der gleichzeitig souveränen Spiele von Dänemark musste man ein Spiel um Platz 1 eigentlich realistischerweise schon nach den ersten Spielen begraben, und die Spieler dürften sich damit innerlich auch schon abgefunden haben.

Aber mit ein bisschen Glück (=günstige Platzierung der Top-Teams) könnte man wegen des Gruppensiegs in der Nations League in ein PlayOff zur WM in Katar rutschen. “Gute Pferde” wissen das – und springen entsprechend. Und sie nehmen es in Kauf, die Hürde zu rammen, wohl wissend, dass es so oder so ein Stechen geben wird, das einen Aufstieg ermöglichen wird.

Das Stechen

In einem Artikel von laola1.at lesen wir: “Wenn vier Teams aus dem Quintett Frankreich, Belgien, Italien, Spanien und Wales die WM-Quali auf Gruppenrang eins oder zwei beenden, wäre für das rot-weiß-rote Team ein Platz im Play-off reserviert.” Und das schaut für Österreich nicht schlecht aus. Nach der Halbzeit sind die Tabellenplätze: Frankreich (1), Belgien (1), Italien (1), Spanien (1) und Wales (3).

Für die Fans oder für Österreich?

In den Interviews entschuldigten sich die Spieler bei den Fans für die Niederlage, aber für wen spielen sie eigentlich? Wie viel verbindet sie mit Österreich? Sie verdienen mehrheitlich das Geld anderswo und hört man Deutschland-Legionäre bei Interviews, kann man sie von gebürtigen Deutschen nicht mehr unterscheiden. Wie sehr sind sie noch Österreicher und wollen auch für Rot-Weiß-Rot spielen? Wo liegen sie in einem “Wir singen die Bundeshymne!”-Wettbewerd im vergleich mit anderen Staaten? Wie sehr spielen sie für Österreich?

Das Hemd ist näher als der Rock

Dass es für Nationalmannschaften schwieriger wird, die Top-Spieler von ihren Vereinen loszueisen, sieht man an der kolportierten “Spontanverletzung” von Marcel Sabitzer. Er konnte zwar der Nationalmannschaft nicht helfen, gleichzeitig konnte er aber bei den Bayern einen Leistungstest absolvieren bei der zufällig auch eine Kamera eingeschaltet war und wir die wahren Gründe solcher Absagen erkennen konnten: “Das Hemd ist den Spielern näher als der Rock”.

Der Weg zum Europameister – II

Der Weg zum Europameister – II

So haben die Buchmacher nach jeder Runde den zukünftigen Europameister eingeschätzt. Schließlich setzten sich mit England und Italien – trotz aller Überraschungen – wieder zwei Große durch.

  • Überrascht haben Dänemark, Tschechien, Schweiz und Schweden.
  • Enttäuscht haben Frankreich, Deutschland, Holland, Türkei.
  • Die Leistung der österreichischen Nationalmannschaft im großartige Spiel gegen Italien kommt in dieser Grafik nicht zu Geltung.

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Der Weg zum Europameister

Der Weg zum Europameister

Die Wettbüros bieten für die Frage “Wer wird Europameister” für jede teilnehmende Mannschaft eine Wettquote für den zukünftigen Europameister an und korrigieren diese Quoten täglich in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Spiele.

Österreich startete mit der Quote 100. Nach dem 3:1-Erolg gegen Nordmazedonien sank die Quote auf 70.

Trotzdem Belgien die FIFA-Weltrangliste anführt, wurde Belgien anfangs an die dritte Stelle nach Frankreich und England gereiht. Belgien hat sein Eröffnungsspiel gewonnen und die Quoten änderten sich:

2021-06-11 Frankreich : England : Belgien : Deutschland =5,5 : 6 : 7 : 8
2021-06-14 Frankreich : England : Belgien : Deutschland =5,5 : 6 : 6 : 8

Warum sich nicht gleichzeitig auch die Quoten für England geändert haben, ist nicht ganz klar.

Auf der Seite http://klubderfreunde.at/fussball/nationalteam/euro-2020/ werden die Quoten täglich aktualisiert und man kann die sich ständig ändernde Einschätzung der Buchmacher grafisch verfolgen. Der Zustand am 14.6.2021 ist wie folgt:

Verlauf der Wettquoten im Verlauf der EURO-2020

Auf der Webseite kann man das eingebettete Excel-Dokument interaktiv bedienen und von der grafischen Darstellung auch auf die tabellarischen Zahlenwert umschalten.

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Wer wird Europameister?

Wer wird Europameister?

Wenn allein die Zahlen uns das sagen könnten, wäre der zukünftige Europameister

Frankreich,

Österreich würde Rang 14 belegen.

Wie kann man das ermitteln?

Es stehen viele Maßzahlen zur Einschätzung der Leistungsfähigkeit einer Mannschaft zur Verfügung. Hier wurden folgende drei herangezogen:

  • FIFA-Punkte (Platz 1: Belgien, Österreich auf Platz 15)
  • Wert der Mannschaft (Platz 1: England, Österreich auf Platz 11)
  • Wettquote (Platz 1: Frankreich, Österreich auf Platz 17)

Man sieht, dass der Wert der österreichischen Nationalmannschaft (Platz 11) höher ist als es dem erreichten FIFA-Rang (Platz 15) entspricht. Die Wettbüros schätzen uns mit Platz 17 noch etwas geringer ein.

Die Mannschaften wurden nach diesen Kriterien gereiht und mit einer Platzziffer versehen. Der Mittelwert dieser drei Platzziffern ergibt wieder eine Reihung. Weil aber diese drei Aspekte: FIFA-Punkte, Mannschaftswert und Wettquote nicht ganz gleichwertig sind, wurde eine Gewichtung vorgesehen.

Gewichtung

Die FIFA-Punkte beschreiben die Ergebnisse der letzten Jahre mit zunehmender Wichtigkeit. Weil dieses Ranking aus realen Spielen abgeleitet wird, bekommt es das Gewicht 1. Der Wert der Mannschaft spielt nur höchst indirekt mit und bekommt den Wert 0,5. Die Wettquote ist eine Meinung und bekommt ebenfalls das Gewicht 0,5. Das ergibt folgende Reihung:

Reihung

  1. Frankreich
  2. England
  3. Belgien
  4. Portugal
  5. Spanien
  6. Deutschland
  7. Italien
  8. Dänemark
  9. Niederlande
  10. Kroatien
  11. Schweiz
  12. Türkei
  13. Polen
  14. Österreich
  15. Schweden
  16. Ukraine
  17. Wales
  18. Russland
  19. Slowakei
  20. Schottland
  21. Tschechien
  22. Ungarn
  23. Nordmazedonien
  24. Finnland

Frankreich hat nach den FIFA-Punkten Rang, nach dem Mannschaftswert ebenfalls den Rang 2 und in der Einschätzung durch die Wettbüros Rang 1. Das ergibt den gewichteten Mittelwert von 1,75 ( (2*1+2*0,5+1*0,5)/2 ) und liegt damit vor England mit 2,3 Punkten.

Zufall

Da es aber – dem Spielglück oder -pech folgend – auch Außenseiter schaffen können, Europameister zu werden, spielt Zufall eine sehr große Rolle, und über dessen Einfluss wissen wir nichts, wenn es um einzelne Spiele geht. Erst in der großen Zahl wird aus den vielen Zufällen eine Gesetzmäßigkeit.

Psychologie und Teamgeist

Unsere Spieler sind ehrgeizig, sie wollen etwas erreichen, sonst würden sie ja nicht alle in größeren Ligen spielen. Sie wollen sich daher auch bei der EURO präsentieren. Das ist gut für Österreich.

Aber genügt das auch? Es gibt ja auch das Motiv, dass man nicht nur für sich selbst, sondern auch etwas für das Land erreichen will, für das man antritt. In dieser Rolle ist man aber gespalten, weil man ja als Legionäre sein Geld anderswo verdient und die Bande zu Österreich schon sehr lose geworden sind. Man lausche den Interviews unserer Deutschland-Legionäre. Man käme nicht auf die Idee, dass es sich bei ihnen ursprünglich im Oberösterreicher, Kärntner oder Tiroler gehandelt hat, so sehr sind sie bereits in ihrer Sprache “ausgewandert”. DJ Ötzi hat eine Beobachtung mitgeteilt, dass unsere Spieler dazu neigen, die Bundeshymne gar nicht oder nur gequält zu singen. Und diese Beobachtung hat etwas für sich. Man stelle sich vor, es gibt im Stadion den Sprechchor “Panzer rollen…” und keiner singt mit: weg wäre es, das Gefühl, zu einer Gemeinschaft zu gehören. Vielleicht würde es genügen, mit den Spielern eine Gesangstunde mit DJ Ötzi einzuplanen um das Österreich-Bewusstsein zu stärken.

Die jungen Länder am Balkan wollen sich beweisen. Fußball bietet ihnen eine prächtige Bühne. Das ist ein nicht zu unterschätzender Motivationsvorteil.

Tabelle

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Liga und ‘Nati’

Liga und ‘Nati’

Die Fußball-Europameisterschaft steht vor der Tür und die Auseinandersetzung mit dem Nicht-Vereinsfußball am Programm.

In Europa gibt es 52 Ligen und 53 Nationalmannschaften. (Liechtenstein spielt in der Schweizer Liga). Die Länderkürzel sind im Anhang angegeben. Weil das Wort “Nationalmannschaft” gar so lang ist, wurde es im Titel für diesen Artikel durch das prägnante “Nati” der Schweizer ersetzt.

Wenn man den Erzählungen der ältesten Legenden folgt, kann man folgende Kurzformel ableiten: welche Mannschaft (Rapid oder Austria) damals in Wien der 1950er- oder 1960er-Jahre das letzte Wiener Derby gewonnen hat, stellte einen größeren Teil der Nationalmannschaft, und das war’s auch schon.

Die Welt von Franco Foda schaut ganz anders aus. Das Wiener Derby, ja die ganze österreichische Liga spielt in seinen Überlegungen fast keine Rolle mehr.

Das Streben der Spieler nach mehr (Geld und Ruhm), die Globalisierung (Mobilität) lässt die begehrtesten österreichischen Fußballer in die größeren Ligen abwandern und da sie dort einem härteren Wettbewerb ausgesetzt sind, sind sie die erste Wahl für den Teamchef geworden. Diese Spielerwanderung ist das Los der kleinen (Ausbildung-)Ligen.

Die Spielstärke einer Liga und der Nationalmannschaft sind nicht gleich, weil eine Liga durch Zugang oder Abgang von Legionären gestärkt oder geschwächt wird und anderseits eine Nationalmannschaft durch Legionäre im Land geschwächt wird, gleichzeitig durch den Eigenexport auch gestärkt werden kann.

Stärkste Ligen

Die Stärke einer Liga wird durch die internationalen Pokalbewerbe von der UEFA über einen Zeitraum von 5 Jahren ermittelt. Die stärksten Ligen in diesem Ranking sind England, Spanien, Italien und Deutschland. Österreich rangiert auf Platz 10 des Liga-Rankings.

Stärkste Nationalmannschaften

Die Stärke der Nationalmannschaft wird in der FIFA-Weltrangliste abgebildet. Die stärksten Nationalmannschaften sind die von Belgien, Frankreich, England, Portugal. Österreich rangiert auf Platz 15 des Nationen-Rankings. Dass also Österreich im Liga-Ranking höher eingestuft ist, liegt an der Dominanz von RB mit einem hohen Legionärsanteil.

Diese beiden Rankings sind also nicht gleich. Das Land mit einer starken Liga muss nicht auch gleichzeitig eine starke Nationalmannschaft haben (und umgekehrt), weil sich eine Liga durch Legionäre verstärkt, die aber dann der Nationalmannschaft nicht zur Verfügung stehen (Beispiel England). Umgekehrt kann ein Land mit einem florierenden Spielerexport auch bei einer eigenen schwächeren Liga im Nationenranking ganz oben stehen (Beispiel Belgien).

EM-Teilnehmer sind rot gekennzeichnet

Die Kluft zwischen den großen Ligen und dem großen Rest ist ziemlich entmutigend, auch wenn sich Österreich in beiden Rankings (Liga und Nationalmannschaft) ziemlich nach oben gearbeitet hat. Platz 10 der Ligen (von 52) und Platz 15 der Nationalmannschaften (von 53).

Länder oberhalb der Trendlinie haben eine vergleichsweise stärkere Nationalmannschaft (durch Spielerexport in stärkere Ligen).

Die Qualifikation zur EM bietet wenig Überraschungen. Folgt man dem Ranking, könnte Österreich die Gruppenphase überstehen. Da aber auch die Motivation eine große Rolle spielt, sind Länder mit einem starken Nationalstolz im Vorteil.

Jüngste Liga

Slowakei (23,8 Jahre), Moldau (24,2), Albanien, Estland, Litauen (24,3), Faröer (24,5), Irland (24,6)

Österreich liegt auf Platz 16 (von 52)

Älteste Liga

Andorra (28,2 Jahre), Spanien (27,9), San Marino (27,7), Türkei, Italien (27,3), Malta, Kazachstan, England, Zypern (27,2)

Geringster Legionärsanteil

Island (23%), Färöer, Serbien, Nordirland (16%), Estland, Nordmazedonien (18%), Georgien (20%), Israel (22%), Moldau (23%)

Österreich belegt Platz 20 (von 52 Ländern)

Höchster Legionärsanteil

Andorra (67%), Portugal, England (62%), Italien, San Marino, Zypern (60%).

Geringster (Spieler-)Wert

Gibraltar (3,4 Mio), San Marino (5,3 Mio), Nordirland (6,3 Mio), Irland (10,3 Mio)

Österreich liegt auf Platz 43 (von 52)

Höchster (Spieler-)Wert

England (8690 Mio), Italien (5010 Mio), Spanien (4900 Mio), Deutschland (4550 Mio), Frankreich (3620 Mio), Portugal (1210 Mio), Niederlande (1050 Mio).

Wenige Mannschaften

Andorra, Azerbeidschan (8), Lettland (9), Irland, Färöer, Estland, Litauen, Montenegro, Kosovo, Moldau, Georgien, Armenien, Albanien, Slowenien, Schweiz, Kroatien (10)

Viele Mannschaften

Türkei (21), England, Italien, Spanien, Frankreich (20), Deutschland, Portugal, Niederlande, Belgien, Tschechien (18)

Mittlerer Vereinswert (Mio €)

England (435), Deutschland (253), Italien (251), Spanien (245), Frankreich (181), Portugal (67,2), Russland (61), Niederlande (58), Belgien (45), Türkei (40), Österreich (30).

Dieser vergleichsweise hohe Wert eines Bundeligisten in Österreich entsteht durch untypisch hohen Wert der Mannschaft von RB.

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Landeskürzel

Die Landeskürzel stammen in erster Linie von den IOC-Ländercodes ergänzt durch die FIFA-Ländercodes.

IOC, Land, Liga
ALB, Albania, Kategoria Superiore
AND, Andorra, Primera Divisió
ARM, Armenia, Bardsragujn chumb
AUT, Austria, Bundesliga
AZE, Azerbaijan, Premyer Liqa
BEL, Belgium, Jupiler Pro League
BIH, Bosnia-Herzegovina, Premijer Liga
BLR, Belarus, Vysheyshaya Liga
BUL, Bulgaria, efbet Liga
CRO, Croatia, 1.HNL
CYP, Cyprus, Protathlima Cyta
CZE, Czech Republic, Fortuna Liga
DEN, Denmark, Superligaen
ENG, England, Premier League
ESP, Spain, LaLiga
EST, Estonia, Premium Liiga
FIN, Finland, Veikkausliiga
FRA, France, Ligue 1
FRO, Faroe Islands, Betri-deildin
GEO, Georgia, Crystalbet Erovnuli Liga
GER, Germany, Bundesliga
GIB, Gibraltar, Gibraltar National League
GRE, Greece, Super League 1
HUN, Hungary, NB I.
IRL, Ireland, Premier League
ISL, Iceland, Pepsi Max deild
ISR, Israel, Ligat ha’Al
ITA, Italy, Serie A
KAZ, Kazakhstan, Premier Liga
KOS, Kosovo, SUPERLIGA E KOSOVËS
LAT, Latvia, Virsliga
LIE, Liechtenstein,
LTU, Lithuania, A Lyga
LUX, Luxembourg, BGL Ligue
MDA, Moldova, Divizia Nationala
MKD, North Macedonia, Prva liga
MLT, Malta, Premier League
MNE, Montenegro, Superliga e Kosovës
NED, Netherlands, Eredivisie
NIR, Northern Ireland, Premiership
NOR, Norway, Eliteserien
POL, Poland, Ekstraklasa
POR, Portugal, Liga NOS
ROU, Romania, Liga 1
RUS, Russia, Premier Liga
SCO, Scotland, Premiership
SLO, Slovenia, Prva Liga
SMR, San Marino, C. Sammarinese
SRB, Serbia, Super liga Srbije
SUI, Switzerland, Super League
SVK, Slovakia, Fortuna Liga
SWE, Sweden, Allsvenskan
TUR, Turkey, Süper Lig
UKR, Ukraine, Premier Liga
WAL, Wales, Cymru Premier

Österreich-Mazedonien

2:1 (1:0)

Wer hätte gedacht, dass wir einmal eine österreichische Nationalmannschaft erleben würden, von der ein prominenter Vertreter des Gegners Mazedonien*) (Ilčo Naumoski) meint, sie zähle zu den besten zehn Mannschaften der Welt? Wir zeigten modernes Angriffspressing, der Gegner verhielt sich sehr defensiv, wenigstens in der ersten Halbzeit. Es war erfrischend zu sehen, wie die Österreicher bei Ballverlust sofort versuchten ein Überzahlspiel herzustellen, sodass der Ball meist sehr rasch wieder zurückerobert werden konnte.

Wie so oft fragt man sich, wo denn die Tore bei dieser Feldüberlegenheit bleiben. Nun, Chancen gab es genug, die aber eben nur Chancen waren. Der oft hoch aufgerückte Hinteregger hat sich in die Herzen der Fans gespielt, es gab Sprechchöre Hinteregger, Hinteregger, hey, hey”. Marco Arnautovic wurde mehrfach aus aussichtsreicher Position wegen versteckten Foulspiels zurückgepfiffen.

Ambiente

Für Gesprächsstoff sorgten die Farben des neuen Auswärtstrikots, das bei diesem Spiel präsentiert wurde. Man hatte den Eindruck, als würde eine Mannschaft der ÖVP (türkis-schwarz) gegen eine der SPÖ (rot) antreten. Der Block meinte. man dürfe nur in den Farben rot-weiß-rot spielen. Gut, was macht man aber mit den Auswärtstrikots? Ob sich der Designer von der Leitfarbe des derzeit politischen Klassenprimus leiten ließ? Auf zackzack.at liest man, das die Nähe des Präsidenten Windtner zur ÖVP durchaus eine Rolle gespielt haben kann. Zufall war das wahrscheinlich keiner. Die UEFA sieht die türkise Farbe der Trikots aber als keine politische Botschaft.

Vor Spielbeginn wurde Marc Janko verabschiedet. Er bekam ein Trikot mit der Rückennummer 70 für 70 Spiele für die österreichische Nationalmannschaft.

Das Spielfeld im HappelStadion war früher bei den Cornerfahnen wegen der Laufbahnen etwas abgerundet. Neuerdings wird dort Rasen angestückelt, offenbar ist das eine Forderung des Regelwerks. Siehe letztes Bild. Ein etwas dünkleres Rasenstück liegt auf der Laufbahn.

Choreografie

Die Hurricanes gestalteten eine grandiose Pixel-Choreografie unter dem Motto “Land der Berge, Land am Strome, Land der Äcker, Land der Dome”. Sie ließen ein Schiff über Wellen tanzen und Traktoren Äcker pflügen.

Bildergalerie

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*) Dass sich dieses Land “Nord-Mazedonien” nennen muss, weil die Bezeichnung “Mazedonien” den Griechen missfällt, daran müssen wir uns nicht halten. Wir wissen, was gemeint ist, eine Verwechslungsgefahr mit der gleichnamigen griechischen Gegend besteht nicht.

Phänomen Foda

Österreich ist zwar noch nicht endgültig für die EM-2020 qualifiziert aber dass man aus den kommenden zwei Spielen gegen Nordmazedonien und Lettland nicht einen Punkt holen würde, glaubt niemand. Hier sind alle Spiele der österreichischen Nationalmannschaft unter Franco Foda:

Die Ergebnisse der Spiele unter Franco Foda

Zählen wir die Ergebnisse zusammen, ergeben sich 13 Siege, 2 Unentschieden und 5 Niederlagen oder 2,05 Punkte pro Spiel. Aber was bedeutet das?

Die österreichische Nationalmannschaft unter Trainer Franco Foda erlebt derzeit den größten Erfolgslauf ihrer Geschichte. Das kann man an einer vergleichenden Darstellung der Ergebnisse aller Trainer ablesen:

Vergleichende Darstellung der Ergebnisse der österreichischen Nationalmannschaft, gereiht nach der mittleren Punktezahl, die ein Trainer erreicht hat. Trainer mit einem Punkteschnitt von unter 1.1 werden nicht dargestellt. In der Tabelle sind wirklich alle Trainer enthalten, also auch jene, die nur ganz wenige Spiele geleitet haben. Daher bitte besonders die erste Spalte “Spiele” beachten. Der Spitzenreiter “Robert Lang” hat einen Punkteschnitt von 3,0, weil er nur ein Spiel geleitet und dieses gewonnen hat. Relevant sind daher nur Trainer, die eine ausreichende Anzahl von Spielen bestritten haben.

1,8 erzielte Tore pro Spiel wie in der Ära Karl Stotz und nur 0,8 Gegentore pro Spiel, ein bisher unerreichter Wert, kennzeichnen die Spiele unter Franco Foda. Der Anteil der eigenen Tore (35) an der Gesamtzahl der Tore (35+15) erreicht mit 70% 35/(35+15) einen noch nie beobachteten Wert.

Aber Achtung, das ist nur eine Momentaufnahme, beruhend auf den letzten 20 Spielen!

Was ein solcher Punkteschnitt wert ist, hängt natürlich von den jeweiligen Gegnern ab. Wir wissen, dass Hugo Meisl die großen Erfolge gegen die damals stärksten europäischen Mannschaften erzielt hat; für eine solche Bewährungsprobe müsste die heutige österreichischen Nationalmannschaft auch einmal über eine Gruppenphase hinauskommen. Es wird interessant sein, zu sehen, ob dieses Ranking auch nach der EM und am Ende der Ära Foda immer noch dieses optimistische Bild zeigen wird. Heute jedenfalls, kann man sich über diesen Erfolg freuen und Franco und uns wünschen, dass es so weitergehen möge!

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Nationalmannschaft

Wenn uns Rapid während der Saison im Atem hält, gibt es wenig Zeit, anderen interessanten Dingen nachzugehen. Die Weihnachtszeit mach eine Ausnahme und ich möchte den Lesern des Tagebuchs einerseits Gesundheit und einen sportlichen Aufschwung wünschen, gleichzeitig verweise ich auf einen neu gestalteten Bereich der Homepage des “Klub der Freunde”, den über die Nationalmannschaft. 

Viele von uns besuchen auch Spiele der österreichischen Nationalmannschaft, und man kann sich einem Vergleich mit den Spielen von Rapid nicht entziehen. Es gab Zeiten, als wir das Spielniveau bei Rapid höher eingeschätzt haben als jenes beim Nationalteam, aber diese Zeiten sind vorbei. 

Wie gut spielt also das Nationalteam? Wie erscheinen die heutigen Erfolge im historischen Vergleich?

Die Seite “Nationalteam” erlaubt es, dass sich jeder diese Antworten selbst geben kann. Man kann die Daten zu jedem einzelnen Spiel anzeigen lassen, aber man kann die Spiele auch nach vorgegebenen Kriterien gruppieren und eine dazu passende Statistik anzeigen lassen.

Erfolgsverlauf

Verlauf des Punktemittels über 10 Spiele

Hier sieht man alle 773 Spiele der österreichischen Nationalmannschaft auf einer Punkteskala von 0 bis 3. Dargestellt ist der Punktemittelwert von 10 aufeinanderfolgenden Spielen nach der Dreipunkteregel. Die horizontalen Linien sind die Leistungsmittelwerte jener Trainer, die mehr als 10 Spiele geleitet haben. Die leicht fallende Trendlinie zeigt einen langfristigen Rückgang des Erfolgs. Die beiden letzten Maxima sind den Erfolgen von Marcel Koller und Franco Foda zu danken.

Rapid und Nationalmannschaft

Wenn wir schon alle Spiele von Rapid und der Nationalmannschaft verfügbar haben, vergleichen wir sie doch. Hier ist eine Statistik aller Bewerbpiele von Rapid (seit 1911) und der Nationalmannschaft (seit 1902):

Spiele   S   U   N PpS
773 319 168 286 1.5 Nationalmannschaft
3970 2185 797 988 1.9 Rapid

Dieser “ewige” Vergleich spricht deutlich für Rapid, doch im Auf-und-Ab des Fußballs empfinden wir das derzeit nicht ganz so. Nehmen wir zum Beispiel nur die Spiele des Jahres 2018:

Spiele   S   U   N PpS
11 7 1 3 2.0 Nationalmannschaft
49 22 10 17 1.6 Rapid

Diese 2.0 Punkte pro Spiel sind ein sensationeller Höchststand, der wegen des Nicht-Aufstiegs in der Nations-League nur nicht ausreichend gewürdigt worden ist.

Fragen und Antworten

Die Datenbank kann uns Fragen über die Nationalmannschaft gut beantworten.

Wie viele Spiele hat die Nationalmannschaft 2018 bestritten?

Spiele -> Jahr -> 2018

Es waren 11 Spiele mit einem sensationellen Punkteschnitt von 2.0!

Die wievielte Saison spielt die Nationalmannschaft?

Spiele -> Saison -> 2018/19

Die Nationalmannschaft spielt in der 117. Saison.

Wie viele Spiele hat die Nationalmannschaft absolviert?

Statistik -> Jahr (oder Saison…)

Es gab insgesamt 773 Spiele mit 1,5 Punkten pro Spiel. Das ist um 0,2 Punkte besser als eine Mannschaft, die gleich viele Siege, Unentschieden und Niederlagen hat.

Welche war die erfolgreichste Saison?

Statistik -> Saison -> Sortieren nach „Punkte“

Es gab 16 Saisonen mit mehr als 2 Punkten/Spiel, die beste war 1980/81, mit 2,6.

Dreht man die Sortierung um, findet man zwei Saisonen ohne Punktgewinn: 1946/47 und 1918/19.

Was waren die Spiel in der erfolgreichsten Saison?

Statistik -> Saison -> Sortieren nach „Punkte“ -> Klick auf den Link zu den Spielen

Der Trainer war Karl Stotz. Nur ein Spiel gegen Deutschland wurde verloren, alle anderen (gegen Finnland, Ungarn, Albanien 2x, Bulgarien und Finnland) wurden gewonnen. Außer dem Spiel gegen Ungarn waren alle WM-Qualifikationsspiele und qualifizierten die Nationalmannschaft zur Teilnahme an der WM in Spanien. Die Spiele der WM wurden von Felix Latzke geleitet.

In welcher Saison wurden die meisten Spiele absolviert?

Statistik -> Saison ->Sortieren nach „Spiele“

Die meisten Spiele wurden mit je 14 in den Saisonen 2077/78 und 2007/08 absolviert.

In welchem Bewerb war die Nationalmannschaft am erfolgreichsten?

Statistik -> Bewerb ->Sortieren nach Punkten

Die zuletzt gespielte Nations-League war mit 1,8 Punkten pro Spiel der erfolgreichste Bewerb, gefolgt von WM-Qualifikationsspielen mit 1,7 Punkten. Interessanterweise war man in Freundschaftsspielen mit 1,4 Punkten weniger erfolgreich.

In welchen Saisonen wurden die meisten Tore pro Spiel erzielt?

Statistik -> Saison -> Sortieren nach „Tore/Spiel“

Die torreichsten Saisonen liegen schon weit zurück: In der Saison 1931/32 erzielte das Wunderteam unter Hugo Meisl 4,3 Tore pro Spiel. Die wenigsten Tore (0,3 pro Spiel) erzielte man 1973/74. Allerdings muss man bedenken, dass die Spiele damals generell torreicher waren.

Betrachten wir daher die Relation zwischen geschossenen Toren und Gegentoren:

Statistik -> Saison -> Sortieren nach „T%“

Hier führt die Saison 1980/81 mit 82%. Man hat zwar weniger Tore geschossen aber auch viel weniger Tore bekommen.

Was war die höchste Niederlage/der höchste Sieg?

Statistik -> Ergebnis

Die höchste Niederlage 1:11 gab es 1908 gegen England. Die höchsten Siege 9:1 (Portugal 1953), 9:0 (Malta 1976), 8:2 (Ungarn 1932).

Welches ist das häufigste Ergebnis?

Statistik -> Ergebnis -> Sortieren nach „Spiele“

Die häufigsten Ergebnisse sind 1:1 (70 Spiele), 2:1 (57 Spiele), 0:1 (52 Spiele) und 1:0 (52 Spiele).

Welche sind die Lieblingsgegner?

Statistik -> Gegner -> Sortieren nach „Spiele“

Der unangefochtene Spitzenreiter ist Ungarn mit 137 Spielen, gefolgt von der Schweiz (42), Deutschland (40), Italien (37), Tschechien (36) und Schweden (36). Nur gegen die Schweiz und gegen Schweden gibt es eine positive Bilanz.

Wer waren die erfolgreichsten Trainer?

Statistik -> Trainer -> Sortieren nach „Punkte“

Hier muss man ganz besonders auf die Anzahl der absolvierten Spiele achten. Ein Trainer, der nur ein Spiel geleitet hat und dieses gewonnen hat, ist klarer Spitzenreiter mit 3 Punkten pro Spiel. Und es gibt ihn auch, es ist Robert Lang (1926). Bezieht man aber nur jene Trainer ein, die mindestens 10 Spiele geleitet haben, ergibt sich folgende Reihung: Franco Foda (2,1), Karl Stotz (1,9), Hugo Meisl (1,8), Helmut Senekowitsch (1,8), Marcel Koller (1,6), Walter Nausch (1,6) und Herbert Prohaska (1,6).

In dieser Reihe nimmt aber Hugo Meisl eine Sonderstellung ein, weil er die mit Abstand meisten Spiele (132) geleitet hat. Außerdem muss man beachten, gegen welche Gegner das damalige Wunderteam seine Erfolge gefeiert hat, etwas, das in die Bewertung der Siegen nicht eingeht, das aber sehr wohl in der FIFA-Weltrangliste berücksichtigt wird.

Die Ergebnisse der Ära Franco Foda können sich daher auch vor einem historischen Hintergrund sehen lassen.

Welche Spieler absolvierten die meisten Spiele?

Statistik -> Spieler -> sortieren nach „Spiele“

Das Spitzentrio ist Andi Herzog (103), Toni Polster (95) und Gerhard Hanappi (93). Auch Marco Arnautovic (76) oder David Alaba (67) kann man es zutrauen, in dieser Reihung noch ganz nach vorne zu kommen.

Welcher Spieler erlebte die meisten Tore?

Statistik -> Spieler -> Sortieren nach T+

Achtung: die Frage meint nicht, dass der Spieler selbst diese Tore geschossen hat, sondern, dass in den Spielen, bei denen er beteiligt war, die meisten Tore gefallen sind. In dieser Wertung führt Gerhard Hanappi (212 Tore).

Wer schoss die meisten Tore?

Statistik -> Tore

Hier führt Toni Polster (44) vor Hans Krankl (34). Marc Janko (29) ist am vierten Platz und Marco Arnautovic (20) im Aufwärtstrend.

Über den Link ⚽ gelangt man zu den Spielen, mit den erzielten Toren und mit dem Link ☺ zu allen Spielen des Spielers.

Die Frage nach den meisten Toren hängt aber stark mit der Anzahl der Spiele ab, die ein Spieler für die Nationalmannschaft absolviert hat. Daher wurde auch die Anzahl der Spiele und die Tore pro Spiel mit in die Tabelle aufgenommen, und diese Auswertung zeigt ein anderes Bild, denn mit 0,5 Toren pro Spiel ist Toni Polster nicht mehr der Spitzenreiter und wird etwa von Matthias Sindelar (0,6) oder Erich Hof (0,8) und anderen übertroffen.

Sensationell sind die Torquoten von 1,2 (Wesselik) und 1,0 (Schall) in der Ära von Hugo Meisl. Es gibt auch Spieler mit der Torquote 2,0, allerdings kamen die meist nur in einem Spiel zum Einsatz.

Links

Herstellung der Datenbank
http://d.pcnews.at/_pdf/n1390005.pdf

Eine Dokumentation im PDF-Format findet man über den Link “Doku”.

Fußball, Impfstoff gegen Nationalismus

oder “Warum Österreich so selten Fußballweltmeister wird”

Wie wird man Fußballweltmeister?

Um Fußballweltmeister zu werden, oder überhaupt, um einen großen Titel zu gewinnen, muss vieles zu einem bestimmten Zeitpunkt passen. Am besten hat man eine “goldene Generation”, ein “bisschen” Glück und eine “fußballverrückte Nation” im Rücken. Insbesondere diesem letzten Punkt wollen wir hier unsere Aufmerksamkeit schenken.

Nationalismus, eine Kinderkrankheit

Albert Einstein meinte: “Nationalismus ist eine Kinderkrankheit. Es sind die Masern der menschlichen Rasse.”

Nun ist aber unser aller Bestreben, Krankheiten zu bekämpfen, besonders die epidemischen. Vielleicht ist “Fußball” jener Impfstoff, mit dem diese Kinderkrankheit “Nationalismus” bekämpft werden kann, ohne dass sie sich lebensbedrohlich ausbreitet.

Wie alle Impfstoffe ist auch der Fußball ein Stückchen von der Krankheit selbst Aber in kleinen Dosen verabreicht, lässt es den Organismus lernen, und sich gegen die eigentliche Erkrankung, den Nationalismus wehren. Bei den Krawallen in der Ottakringerstraße sehen wir, dass hier etwas ausgelöst wird, das man in der Gesellschaft eigentlich nicht braucht. Und es wird nicht nur jenen gezeigt, die ohnehin nichts von Fußball halten und es immer schon gewusst haben, sondern auch den direkt Beteiligten, die an den Auswirkungen ihres Tuns sehen können, dass solche Exzesse nicht einmal in diesem punktuellen Ausnahmezustand von irgendjemand gewünscht sein können.

Nach der Impfung mit dem Impfstoff “WM-2018” gibt es also eventuell die eine oder andere kleine Reaktion aber dann kann es schon weiter gehen: “business as usual” und wieder ist man für vier Jahre bis zur nächsten “Auffrischungsimpfung”, mit dem Impfstoff “WM-2012-Katar” immunisiert.

Kleines Land, ganz groß

Wenn auch Vereine der kleinen Fußballnationen selten die Champions-League gewinnen, können diese Länder bei der WM beachtlich weit kommen, weil ihre gut ausgebildeten Spieler in die großen Ligen drängen und dort zur Weltspitze aufschließen können. Österreich ist auf einem guten Weg, zu Schweden und Schweiz aufzuschließen. Es fehlt noch ein bisschen die Kontinuität aber das kann noch werden.

“Fußballverrückt”

Aber in einem Ranking der “fußballverrückten Nation” würden wir nicht so gut abschneiden, ich fürchte fast, dass wir in diesem Ranking zu den Schlusslichtern gehören.

Bei einem Spiel, das Uruguay in den letzten Minuten gewonnen hat, zeigte ein Amateurfilmer das Verhalten einer Schulklasse in Montevideo. Die Kinder starrten fasziniert auf den Fernseher (ein eher langweiliges Spiel) und als das Tor fiel, kannte die Freude keine Grenzen, alle Kinder liefen ins Freie, um der ganzen Welt den Sieg zu verkünden. Ich kann mir eine solche Szene in Österreich nicht gut vorstellen, denn es genügt ja nicht, dass die Kinder fußballbegeistert sind, auch die Lehrerin muss es schon sein, um eine solche Szene überhaupt erst ermöglichen.

Vergleicht man die EURO 2004 in Portugal mit der EURO 2008 in Österreich, und dort insbesondere die Anzahl der gebauten oder adaptierten Spielstätten, dann hat man den Eindruck, als wäre Portugal das reichere Land. Hier sehen wir schon einen Grund, warum Österreich nicht Weltmeister werden kann: weil in Österreich die einzigartige Chance einer Europameisterschaft nicht genutzt wird, um dem Fußball weiter zu helfen. Alle Bemühungen der Fußballprotagonisten genügen nicht, wenn nicht der Staat den Fußball in dieser Zeit priorisiert.

Aber warum ist das so? Warum nutzt Österreich den Fußball zu wenig, seine nationale Indentität zu stärken, so wie das etwa in Belgien oder in Kroatien der Fall ist? Die kurze Antwort ist, dass eine solche nationale Identität aus historischen Gründen in Österreich zu wenig ausgebildet ist.

Österreich ist zuwenig Nation

Bei einer Nation dürfte es darum gehen, dass Menschen sich zu der Idee eines Landes bekennen. Das kann auf der Basis einer gemeinsamen Sprache sein, einer gemeinsamen Geschichte oder es entsteht einfach willkürlich durch Grenzziehung. Daher sind neuerdings die Burgenländer zu Österreichern und die Ödenburger zu Ungarn geworden.

Warum nun das “Österreich” bei den Österreichern eine zu wenig anerkannte Größe ist, hat historische Gründe. Um das zu erklären, muss man die Entstehung unseres Landes als Teil von Österreich-Ungarn betrachten. Im 19. Jahrhundert gab es in allen Ländern des Österreichisch-Ungarischen Kosmos Unabhängigkeitsbestrebungen, wie Kroatien, Böhmen, Italien usw., die sich in nationalistischen Bewegungen zeigten. Das deutschsprachige Gebiet unserer heutigen Bundesländer war aber anders. Auch hier gab es einen Nationalismus aber keinen Österreich-Nationalismus, sondern einen Deutsch-Nationalismus. Und der Grund war der Ausschluss Österreichs aus dem Deutschen Bund nach 1866. Niemand in Österreich hatte eine Idee von einem Staat Österreich, nur die Idee einer Vereinigung mit Deutschland wurde als denkmöglich angesehen. Während also alle späteren Nachfolgestaaten an der Idee ihrer jeweiligen Nation arbeiteten, gab es in Österreich nur die Idee vom Anschluss. Daher nannte man 1918 die Erste Republik auch “Deutsch-Österreich”, was später durch die Siegermächte zur “Republik Österreich” umbenannt wurde.

In der Zweiten Republik hat sich vieles zum Besseren gewendet, hat man mit der Ankunft von Karl Schranz aus Japan, den Siegen von Annemarie Moser-Pröll, Franz Klammer, Hermann Maier, Jochen Rindt mit einem Kulturkitt aus Mozartkugel und Sängerknaben eine doch ziemlich unverwechselbare Marke geschaffen, die durch “Insel der Seligen” auch noch einen Heiligenschein bekommen hat. Aber der Fußball scheint in dieser Liste der Austriazismen nicht auf, wenigstens nicht weit vorne.

Wenn man sich umschaut, ist so etwas wie ein klares Bekenntnis zu Österreich weniger zu erkennen, als ein Meckern über die hiesigen Zustände. Helmut Andisch betitelt sein 1989 erschienenes Buch mit “Der Staat, den keiner wollte”. Und dieses Gefühl war in weiten Teilen der Bevölkerung genau in dieser Form präsent.

Nationenbildender Fußball

Eigentlich war das erste österreichische Wunderteam unter Hugo Meisl eine beachtliche Reaktion auf den Bedeutungsniedergang des Staates. Die Erfolge der Nationalmannschaft sagten so etwas wie “man zählt wieder etwas in Europa – und wenn es nur im Fußball ist”. Es erinnert an die heutigen Erfolge der Kroaten, die mit dem Fußball die zähe Aufholjagd in der Wirtschaft vergessen machen.

Das zweite Wunderteam 1954 wurde dann schon in einer – aus heutiger Sicht – unverständlichen Selbstüberschätzung teilweise verhöhnt, weil man “nur den dritten Platz” in der Weltmeisterschaft in der Schweiz erreicht hat. Und jemandem, der den dritten Platz bei der WM nicht schätzt, ist wohl der fußballerische Niedergang im Zuge der weiteren östereichischen Fußballgeschichte ein Beweis, dass der österreichische Fußball nichts wert sei und damit auch die österreichische Nation, die es – blickt man auf das 19. Jahrhundert zurück – gar nicht hätte geben sollen.

Und daher fehlt dem österreichischen Fußball dieser nationale Rückhalt, weil sich die Menschen zu wenig mit ihrem Land und zu wenig mit ihren Fußballern identifizieren. Es geht dabei nicht um die begeisterten Fans, die das Stadion füllen; das genügt heute nicht mehr, jenes Kollektiv zu bilden, aus dem Weltmeister gemacht werden; da braucht es einen Rückhalt, ähnlich wie er in Belgien oder Kroatien gegeben ist, einen Rückhalt durch das ganze Land.

Dazu kommt, das Österreich bei Begegnungen gegen die Türkei, Kroatien, Serbien und sogar gegen Albanien im Happel-Stadion wie in einem Auswärtsspiel antritt, weil wir diesen Nationalismen der jeweiligen Gegner, die ihrerseits schon langsam langweilig werden (aber das ist wieder ein anderes Thema), wenig Gleichwertiges entgegenzusetzen haben als eben den Radetzkymarsch vor Beginn des Spiels. Und von diesem Radetzkymarsch erzählte man, dass leichter gewesen wäre, bei diesen Klängen im Kampf zu sterben.

Für einen WM-Titel muss eben alles passen, auch der nationale Rückhalt. Ob es ein Aspekt im Ausscheiden der deutschen Mannschaft ist, kann natürlich niemand sagen, aber die These der gut integrierten Migranten-Kinder bei der WM-2006 ist im Vorfeld der WM-2018 durch dir Aktion von Özil und Gündogan in Wanken geraten und wer weiß, ob solche Nationalismen nicht auch der Nährboden für ein verändertes Klima im Nationalteam sind, die dann jene Spielweise bewirken, mit der auch gegen Südkorea nicht gewonnen werden kann.

WM-Zwischenbilanz

Im Beitrag “WM-Teilnehmer und wir” wurde dargestellt, wie sich die österreichische Nationalmannschaft im Vergleicht mit den WM-Teilnehmern positioniert. Im Beitrag “Guerilla-Fußball” wurde gezeigt, dass zwar die Top-Nationen über Spieler mit einem großen Marktwert verfügen, dass aber viele kleinere Konkurrenten, mit viel geringerer Popularität ihrer Spieler, dennoch beachtliche Platzierungen aufweisen.

Ein Sportler will natürlich in allen Bewerben seiner Disziplin Titel holen. Aber welche Bewerbe sind wertvoller: jene mit einem Leistungsmaß über einen längeren Zeitraum oder jene, die punktuell erbracht wurden? Es sind immer die über einen längeren Zeitraum. Ein Weltcup-Gesamtsieg eines Marcel Hirscher über eine ganze Saison hat einen höheren Wert als ein WM-Titel, bei dem ein einzelner Einfädler genügt, den besten Rennfahrer zu disqualifizieren. Auch im Fußball ist das so, wir gewichten einen Meistertitel über 36 gespielte Runden höher als einen Cupsieger im KO-System über 6 Runden.

Der Fußball-Weltmeister hat 7 Spiele absolviert, die letzten vier davon muss er gewonnen haben. Einen Weltmeister, dessen Leistung über einen langen Zeitraum ermittelt wird, gibt es nicht oder nur in Form einer bedeutungslosen FIFA-Weltrangliste. Ein Fußballchampion kann also ein Team werden, der über kuriose und einmalige Situationen zu diesem Titel kommt.

Ein KO-Phase ist statistisch gesehen langweilig, handelt es sich doch um Einzelspiele, die man nicht gut zusammenfassen kann. Daher ist das Ende der Gruppenphase ein guter Zeitpunkt, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Wäre der Wettbewerb eine Meisterschaft mit einem Durchgang, wären insgesamt 31 Spiele zu bestreiten. Von diesem Durchgang sind drei Runden gespielt, also etwa 10 Prozent.

Die Mannschaften werden gereiht nach

  • Punkte
  • Tordifferenz
  • Geschossene Tore

Das ergibt folgende Reihung:

1. Belgien, 2. Kroatien, 3. Uruguay, 4. Brasilien, 5. Frankreich, 6. England, 7. Russland, 8. Schweden, 9. Kolumbien, 10. Mexiko, 11. Dänemark, 12. Spanien, 13. Portugal, 14. Schweiz, 15. Japan, 16. Senegal, 17. Iran, 18. Argentinien, 19. Südkorea, 20. Peru, 21. Nigeria, 22. Serbien, 23. Deutschland, 24. Tunesien, 25. Polen, 26. Saudi-Arabien, 27. Marokko, 28. Australien, 29. Island, 30. Costa Rica, 31. Ägypten, 32. Panama

Diese Reihung folgt mit einer Ausnahme der Auswahl der Gruppenersten und Gruppenzweiten. Die Ausnahme ist Senegal, das nach dieser Wertung an Stelle von Argentinien weiterspielen könnte.

In dieser Reihung werden die in der Gruppenwertung Erstplatzierten Schweden, Kolumbien und Spanien von den Zweitplatzierten England, Russland, Mexiko und Dänemark überholt. Der schechtestplatzierte Gruppensieger ist Spanien mit nur 5 Punkten.

Wir vergleichen den erreichten Platz mit anderen bekannten Kenngrößen dieser Teams. Diese Kenngrößen sind:

  • Weltranglistenplatzierung
  • Marktwert
  • Alter
  • Legionäre

Die Diagramme im Excel-Sheet weiter hinten heißen: Legionäre, Alter, FIFA und Marktwert.

In allen folgenden Diagrammen zeigt die X-Achse die obige Platzierung nach der Vorrunde und die y-Achse die jeweilige Kenngröße. Eine Trendlinie gibt uns einen Hinweis auf eine Abhängigkeit zwischen Platzierung und der betrachteten Kenngröße. Eine horizontale Trendlinie bedeutet, dass kein Zusammenhang besteht.

Alter

Das Durchschnittsalter hat einen leichten Einfluss auf die Platzierung. Jüngere Teams schneiden etwas besser ab. Die ältesten Teams haben Costa Rica, Argentinien und Mexiko, die jüngsten Teams haben Frankreich, England und Nigeria.

Legionäre


Der Anteil der Legionäre hat auf die Platzierung praktisch keinen Einfluss. Die meisten Legionäre haben Schweden und Senegal, die wenigsten England und Russland.

Marktwert


Teure Team schneiden besser ab, Ausreißer zeigen aber, dass man auch mit weniger Geld viel erreichen kann. Mit geringen Mitteln kommt man aber nicht weit, wie man an der fallenden Trendlinie gut ablesen kann. Die Teams mit Top-Marktwerte wie Frankreich, Spanien, Brasilien England und Deutschland hätte man sich besser erwartet. Sehr gut platziert sind Teams wie Uruguay, Kroatien, Russland, Schweden, Kolumbien, Mexiko, Dänemark und Schweiz, die mit vergleichsweise geringeren Marktwerten eine Top-Platzierung erreichen.

Weltranglistenplatzierung


Der Zusammenhang zwischen dem Weltranglistenplatz und der Platzierung im Turnier ist ebenfalls deutlich sichtbar, weil offenbar auch die Weltrangliste dem Marktwert der Mannschaft folgt. (Siehe Beitrag “Guerilla-Fußball“). Positiv überrascht Russland mit seinem 70 FIFA-Rang auf einem 7. Rang nach der Gruppenphase, negativ natürlich Deutschland mit seinem 23. Gesamtplatz.

Was sagt uns das alles?

Nach diesem Zwischenstand ist der Tipp für den Weltmeister: 1. Belgien, 2. Kroatien, 3. Uruguay.

Dem später tatsächlich gekürten Weltmeister sind solche Darstellungen natürlich völlig egal. Die WM ist als ein Einzelereignis viel mehr durch Zufälle geprägt als es die FIFA-Weltrangliste ist. Schade eigentlich, dass es für die erreichten FIFA-Punkte keinen alljährlichen Weltcup gibt.

Bei diesen Großveranstaltungen entscheidet oft ein Tor über Aufstieg oder Ausscheiden. Um die Langzeit-Teamqualität beurteilen zu können, sind verfügbare Maßzahlen über viele Spiele vorzuziehen. Obwohl nun Deutschland ausgeschieden ist und Österreich gar nicht teilgenommen hat, fehlen beiden Teams die Spiele der WM, um sich im FIFA-Ranking verbessern zu können. Deutschland wird einen Platz in der Spitzengruppe des FIFA-Rankings behalten, Österreich wird etwas zurückfallen.

Weil eben die FIFA-Weltrangliste mehr Spiele einbezieht und diese auch geschickt durch Gewichtung bewertet, wurden alle obigen Auswertungen noch einmal durchgeführt aber als X-Achte wird nicht die Reihung nach der Gruppenphase sondern der Weltranglistenplatz gewählt.

Die Diagramme im Excel-Sheet heißen: FIFA-Legionäre, FIFA-Alter und FIFA-Marktwert.

Da sich keine wesentlichen Veränderungen ergeben, wird hier auf eine Darstellung verzichtet. Der Leser kann alle diese Grafiken in der beigelegten Excel-Tabelle nachstellen. Zwei Auffälligkeiten seine aber erwähnt:

  1. Die Punktwolken erscheinen kompakter, offenbar weil die Reihenfolge der FIFA-Weltrangliste ein stabileres Vergleichskriterium ist als der Punktestand nach drei gespielten Runden.
  2. Die obige Aussage, dass Legionäre keinen Einfluss auf der Ergebnis hätten muss man korrigieren, denn es scheint doch einen Trend zu geben, der zeigt, dass Länder mit einem höheren Anteil von Legionären tendenziell besser abschneiden.

Guerilla-Fußball

Die Fußball-WM ist ein Anlass, dass wir uns mit den Marktwerten der Mannschaften beschäftigen und wie die Marktwerte den Rang der Mannschaft beeinflussen.

Die FIFA-Weltrangliste ist ein guter längerfristiger Kompass zur Bewertung der Teams, das dort dargestellte Ranking bezieht mehrere Jahre (absteigend gewichtet) ein. Da jede Mannschaft viele  pro Jahr absolviert, und jedes dieser Spiele in die Wertung eingeht, ist diese Weltrangliste so etwas wie ein “Weltcup der Fußballnationen”.

Der Wert eines Nationalteams ist derzeit gut zu vergleichen, weil bei der WM exakt 23 Spieler zugelassen sind und diese Vergleichswerte im Transfermarkt dargestellt sind.

Die Spieler jedes Landes versuchen in die Top-Ligen zu kommen und steigern damit ihren Marktwert. Die Sportdirektoren können heutzutage aus einem globalen Spielerreservoir schöpfen. Eine Ausnahme bilden Länder mit einem geringen Anteil an Legionären, wie zum Beispiel England und Russland.

Vergleichen wir die Marktwerte der Teams mit dem Rang, den ihr Land in der FIFA-Weltrangliste erreicht hat.

[Für eine größere Ansicht anklicken.]

Auf der X-Achse ist der durchschnittliche Spielerwert aufgetragen. In dieser Disziplin sind die Spitzenreiter Frankreich, Spanien, Brasilien, Deutschland, England, Belgien und Argentinien, alle mit einem Marktwert von über 30 Millionen pro Spieler. Aber der große Rest der Länder hat ein Team mit einem durchschnittlichen Marktwert von unter 20 Millionen. Portugal ist in dieser Disziplin ein “Schwellenland”.

Auf der Y-Achte ist die Platzierung der FIFA-Weltrangliste aufgetragen und es ist nahe liegend, dass die höherwertigen Teams auch einen niedrigen Weltranglistenplatz einnehmen, als weit unten und weit rechts liegen.

Interessant ist aber, dass es eine Gruppe von Ländern gibt, die auch mit einem viel geringeren Marktwert der Spieler eine sehr gute Platzierung in der Weltrangliste erreicht, allen voran die Schweiz, Polen, Peru, Dänemark Uruguay, Mexiko, Kolumbien, Kroatien, Island, Tunesien, Costa Rica, Schweden, Senegal. Und auch Österreich kann man in dieser Gruppe mit Platz 26 noch mitzählen.

Diese Länder sind also die eigentlichen Helden dieses Rankings, die “Guerilla-Länder” des Fußballs. Denn dass man mit den besten und teuersten Spielern in der FIFA-Weltrangliste die Top-Plätze belegt (im vorliegenden Diagramm liegen diese Länder unten rechts), ist wenig verwunderlich. Dass man aber auch mit weniger nachgefragten Spielern viel Erfolg haben kann, zeigt die oben genannte Gruppe. Österreich ist auf einem guten Weg, sich in dieser Gruppe zu etablieren.

Man darf die Spielerwerte nicht mit der tatsächlichen Leistungsfähigkeit der Spieler verwechseln. Auch Spieler mit einem geringeren Marktwert können durchaus Vergleichbares leisten. Der Spielerwert drückt nur aus, dass es reiche Vereine gibt, die bereits sind, so viel für ihn zu bezahlen. Wie sich dieser Marktwert dann am Platz präsentiert, konnten wir in den ersten Spielen am Verhalten der Superstars gut beobachten. Da Fußball ein Mannschaftssport ist, sind auch teure Spieler kein Garant für Erfolg. Eine gute Mannschaftsleistung ist gefragt.

Die Punktwolke zeigt aber auch eindeutig, dass es kein Land gibt, das mit teuren Spielern wenig erreicht, also dann in dem Diagramm rechts oben zu liegen kommen würde.

Wäre es nicht toll, wenn ein Land aus der Gruppe der weniger Betuchten den WM-Titel holen könnte – und nicht immer nur Brasilien?

WM-Teilnehmer und wir

Ø Spielerwert (Mio €)

47 Frankreich
45 Spanien
42 Brasilien
38 Deutschland, England
33 Belgien
 ...
 7 Österreich
 ...
 5 Schweden
 4 Südkorea
 3 Tunesien, Japan, Island
 2 Australien, Iran, Peru, Costa Rica
 1 Saudi-Arabien, Panama

Anteil der Legionäre

100% Senegal, Schweden
 96% Belgien, Schweiz, Nigeria
 91% Uruguay, Kroatien, Marokko, Island
 87% Brasilien, Serbien, Dänemark, Kolumbien, Australien, Panama
 ...
 56% Österreich
 ...
 35% Deutschland
 26% Spanien
 13% Saudi-Arabien
  9% Russland
  0% England

Anzahl der WM-Teilnahmen

21 Brasilien
19 Deutschland
17 Argentinien
16 Mexiko
15 England, Spanien, Frankreich
...
9 Österreich
...
5 Saudi-Arabien, Iran, Costa-Rica, Tunesien, Peru, Australien, Dänemark, Marokko, Kroatien
4 Russland
3 Ägypten
2 Serbien, Senegal
1 Panama, Island

Ø Spieleralter (Jahre)

29,8 Costa Rica
29,6 Argentinien
29,3 Mexiko
29 Ägypten
28,9 Russland
...
26,8 Serbien
26,6 Tunesien
26,4 Österreich
26,1 England, Frankreich
26 Nigeria

Rang FIFA-Weltrangliste

 1 Deutschland
 2 Brasilien
 3 Belgien
 4 Portugal
 5 Argentinien
...
26 Österreich
... 
55 Panama
57 Südkorea
61 Japan
67 Saudi-Arabien
70 Russland

Nostalgische Fernseh-WM

Während die Anhänger der WM-Teilnehmer vor Ort mit ihren Mannschaften mitfiebern, bleibt uns der Fernseher und – ein Blick zurück. Ich habe alle Spiele der österreichischen Nationalmannschaft auf zwei Webseiten zusammengefasst und zeige hier die wichtigsten Ergebnisse.

Erfolgsverlauf

Der Erfolg im Fußball ist ein ständiges Auf-Und-Ab. Kommt es zu einer glücklichen Konstellation von Spielern verbunden mit einem geschickten Trainer, werden einfach weniger Spiele verloren, wie die folgende Grafik zeigt:

Der Erfolg in allen Saisonen wurde in einer mittleren Punktezahl ermittelt und seit 1907/08 eingetragen. Der Erfolg wird so ermittelt: Jedes Spiel zählt zwei Punkte, ein Unentschieden einen Punkt, die Zahl ist die erreichte Punktezahl in Prozent. Jeder Punkt in der (gelben) Kurve ist der so gebildete Mittelwert in dieser Saison. Die blau punktierte Linie ist der gleitende Mittelwert gebildet über 10 Saisonen. Dieser Mittelwert hinkt den saisonalen Werten um 5 Saisonen nach. Österreich hatte gute Phasen aber auch seine Tiefs. Das Erfolgsmittel über alle Saisonen ist 51,51 Prozent der möglichen Punktezahl. Die österreichische Nationalmannschaft ist damit ein durchschnittliches Team aber derzeit wieder in aufstrebender Form.

Österreich-FAQ

Die österreichische Nationalmannschaft absolvierte seit 1902 767 Spiele, davon wurden 316 gewonnen, 167 waren Unentschieden und 284 gingen verloren. Das ergibt nach der Drei-Punkte-Regel etwa 1.5 Punkte pro Spiel oder 48% der möglichen Punktezahl und bei zwei Punkten für einen Sieg, kommt man auf 52% der möglichen Punktezahl.

Welches sind die häufigsten Ergebnisse?

70 Spiele 1:1
56 Spiele 2:1
52 Spiele 1:2
51 Spiele 1:0
51 Spiele 0:1
...

siehe http://ewkil.at/json-stat.htm -> Ergebnis -> sortieren nach Spiele

Der negative Ausreißer sind ein 1:11 (1908) und das 0:9 (1998) gegen Spanien, die positiven sind ein 9:1 (1953) gegen Portugal und ein 9:0 (1977) gegen Malta.

Welche sind die erfolgreichsten Saisonen?

86% 1980/81
83% 1931/32 Hugo Meisl
83% 1947/48 Edi Bauer und (Franz Putzendoppler, Edi Frühwirt, Arthur Kolisch)
83% 1960/61 Karl Decker
83% 1974/75 Leopold Stiastny
83% 1976/77 Helmut Senekowitsch
79% 1928/29 Hugo Meisl
79% 1982/83 Erich Hof
...
75% 2017/18 Marcel Koller, Franco Foda

siehe http://ewkil.at/json-stat.htm -> Saison -> sortieren nach (%)

Man sieht, dass es keine Saison ohne Punkteverlust gibt. Die Trainer wurden aus http://ewkil.at/json-games.htm -> Saison herausgesucht. Wir liegen also derzeit mit 75% möglicher Punkte nicht schlecht.

Angstgegner

Das sind die Gegner, gegen die Österreich eine deutlich negative Bilanz hat, in der Klammer die Anzahl der Spiele. Kanada (1), Kroatien (5), Venezuela (2), Brasilien (10), Serbien (4), Argentinien (2), Deutschland (40), Kamerun (3), England (18), Spanien (16), CSSR (36), Nordirland (9), Ungarn (137), UdSSR (15), Niederlande (19), Frankreich (23), Polen (8). An dieser Liste kann man sehen, dass Statistiken mit geringer Anzahl erfasster Fälle, nicht aussagekräftig sind. Man kann aus diesem Grund Gegner mit weniger als 10 Spielen, getrost aus der Liste nehmen, also Kanada, Kroatien, Venezuela, Serbien, Argentinien, Kamerun, Nordirland und Polen.

War war der beste Teamchef?

Auch hier gilt der Grundsatz, dass nur solche Trainer gewertet werden sollen, die eine ausreichend große Anzahl von Spielen geleitet haben. Gehen wir wieder von mindestens 10 Spielen aus, finden wir folgende Wertung:

67% Karl Stotz
64% Hugo Meisl (extrem langer Zeitraum)
62% Helmut Senekowitsch
58% Marcel Koller
58% Herbert Prohaska
56% Josef Argauer
55% Walter Nausch
50% Erich Hof
49% Karl Decker
48% Hans Krankl
...
83% Franco Foda (6 Spiele)

Die österreichische Nationalmannschaft ist also auf einem guten Weg, nur folgt die Formkurve leider nicht genau dem Wettkampfkalender, sie ist etwas “antizyklisch”, aber vielleicht bringt Franco Foda eine Synchronität zustande.

Der Allzeit-Star aller Teamchefs ist zweifellos Hugo Meisl mit 132 Spielen zwischen 1913-1937, allerdings am Anfang nur punktuell. Er schafft ein echtes Wunderteam mit einzigartigen Erfolgen gegen große Gegner, siehe http://ewkil.at/json-games,htm -> Teamchef  -> Hugo Meisl

Rekordspieler

103 Spiele Herzog
 95 Spiele Polster
 93 Spiele Hanappi
 86 Spiele Koller
 84 Pezzey
 84 Koncilia
 83 Prohaska
 78 Wagner
 69 Krankl
 68 Weber
 ...

Rekordtorschützen

44 Tore Polster
34 Tore Krankl
29 Tore Horvath
29 Tore Janko
27 Tore Schall
26 Tore Sindelar
26 Tore Herzog
24 Tore Hof
...

Bei dieser Liste muss man anmerken, dass dass die jüngere Generation etwas mehr Spiele in der aktiven Laufzeit absolviert hat. Richtiger wäre daher, die Anzahl der Tore auf die Anzahl der absolvierten Spiele zu beziehen.

Von Königgrätz bis Klagenfurt

Unser deutscher Freund Marcel liebt sein Nationalteam und er scheute keine Mühe, das Spiel in Klagenfurt zu besuchen. Heute gab es die Sendung “Immer wieder Cordoba” anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums dieses historischen Sieges gegen Deutschland und Marcel wundert sich immer wieder, von wo diese manchmal übertrieben wirkende Freude über einen Sieg in einem ansonst bedeutungslosen Spiel herkommen mag.

Das Spiel ist eine Art kompensatorische Verarbeitung des österreichischen Geschichtsbewusstseins, eine historische Projektion längst vergangener Zeiten, eingegraben in tradierte Verhaltensmuster, die es nur hier, in Österreich gibt. Glücklicherweise haben wir das Spiel und können den Erstfall der kriegerischen Auseinandersetzungen ein- für allemal vergessen. Das Spiel ist eine unblutige Erinnerung an Dinge, die wir nie wieder erleben wollen und wenn das so ist, dann freuen wir uns auf jedes weitere Spiel um so mehr.

Wer “Cordoba? I wea narrisch!” sagt, meint “Rache für Königgrätz!”, oder nicht? Es sind sicher nicht viele, die den Bogen so weit spannen. Allerdings muss man das, denn was wäre es schon für ein Mahleur, gegen einen vielfachen Weltmeister im Fußball zu verlieren? Da muss doch mehr dahinter stecken als nur der Fußball, oder?

Erzfeind Ungarn

In den 1950er und 60er Jahren gab es mit großer Regelmäßigkeit Duelle mit Ungarn. Fast in jedem Jahr gab es eines dieser packenden Spiele, und die hatten damals schon eine lange Tradition. Und die Ungarn liegen in diesem Vergleich praktisch uneinholbar mit 67:40 Siegen voran. Uneinholbar deshalb, weil es wegen des sehr dichten Länderspielkalenders in den letzten 20 Jahren nur mehr zu 4 Begegnungen mit Ungarn kam. Wenn es also genau so weiter geht, würde die Länderspielbilanz gegen Ungarn erst nach etwa 100 Jahren ausgeglichen sein, aber auch nur dann, wenn alle diese seltenen Spiele auch gewonnen werden. Man sieht, das ist ziemlich illusorisch, die Ungarn holen wir nicht mehr ein.

Bruder Deutschland

Etwas anders ist es mit Deutschland. Zwar können wir auch dort die Bilanz nicht ausgleichen. Aber gegen den großen Nachbarn gab es insgesamt viel weniger Spiele als gegen Ungarn und die Bilanz war bis 1950 mit 6:3 Siegen sogar positiv für Österreich. Erst nach 1950 kam eine Serie von 11 sieglosen Spielen, die dann vom 3:2 von Cordoba unterbrochen wurde. Im selben Zeitraum gab es fast drei Mal so viele Spiele gegen Ungarn und auch diese Spiele gingen mehrheitlich verloren. Ein Sieg gegen Ungarn ist wegen der düsteren Statistik zwar auch eine Sensation aber ein Sieg gegen Deutschland übertrifft sogar noch einen Sieg gegen Ungarn. Warum?

Bruder Ungarn

Ich meine, das hat damit zu tun, dass es zwischen Österreich und Ungarn 1867 einen Ausgleich gab, der in einer Union zwischen Österreich und Ungarn mündete, in der beide Partner auf Augenhöhe agierten.

Erzfeind Preußen

Doch zwischen Preußen und Österreich gab es 1866 die Schlacht von Königgrätz, die mit einem Schlag eine jahrhundertelange Teilhabe der österreichischen Erblande (des “Cisleithanien”) im Heiligen Römischen Reich (ab 1815 im Deutschen Bund) beendete.

Ein Schlacht stellt Weichen

Der Hauptgrund für die Niederlage wird der veralteten Ausrüstung der Österreicher zugeschrieben und dem modernen Zündnadelgewehr der Preußen. Das stimmt, aber man wusste um diesen Nachteil und wählte daher den Ort der Schlacht sehr geschickt in einem Wald, in dem dieser Vorteil für den Gegner nicht so groß war und tatsächlich ging auch Österreich 1:0 “in Führung”, der Gegner wankte, doch er fiel nicht, denn er hatte noch ein Garderegiment zu Fuß im Talon, das zufällig zum richtigen Zeitpunkt am “Spielfeld” eintraf und schließlich die Schlacht 2:1 an die Preußen ging. In der traurigen Realität hieß das: 2000 gefallene Preußen und 5000 gefallene Österreicher.

Bis zu den Napoleonischen Kriegen stellte das Haus Habsburg den Kaiser im Heiligen Römischen Reich. Die Kurfürsten wählten die Habsburger ganz gezielt. Das Habsburgerreich schützte das Reich nach Südosten und erweiterte sich eher in dieser als in der Gegenrichtung. Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches wurde die Einheit der deutschen Länder nur mehr durch den Deutschen Bund symbolisiert. Das hatte mit dem Aufstieg von Preußen zur Großmacht zu tun und mit dessen hegemonialen Ansprüchen insbesondere gegen Habsburg.

Die Schlacht bei Königgrätz beendete eine Jahrhunderte währende Kooperative und hinterließ eine dauerhafte Kränkung mit fatalen Folgen, die bis Klagenfurt nachwirken.

“Die Piefkes kommen!”

Der preußische Militärmusiker Gottfried Piefke komponierte zur Erinnerung an die Schlacht den Königgrätzer Marsch. Er kam mit seinen Musikern, zu denen auch sein Bruder Rudolf gehörte, bis nach Gänserndorf. Das Publikum soll gerufen haben: “Die Piefkes kommen!” Ob tatsächlich “Piefke“, der Kosename der Österreicher für die Deutschen, so entstanden ist, weiß man nicht genau aber in Gänserndorf wurde Gottfried Piefke im September 2009 ein Denkmal gesetzt.

Kein Geld, kein Sieg

Oft wird die österreichische Militärführung als etwas unterbelichtet dargestellt. Das war sie aber durchaus nicht. Das Pech der Österreicher war, dass man bei der Modernisierung der Truppenteile mit der Marine begonnen hat, etwas, das sich in der siegreichen Schlacht von Admiral Tegethoff bei Lissa, ebenfalls 1866, zeigte. Die Infanterie sollte als nächste Truppeneinheit modernisiert werden, was aber für den konkreten Konflikt zu spät war.

Ja, auch unsere Nationalmannschaft ist jetzt in wieder in Form, leider etwas zu spät, um bei der WM dabei sein zu können. Wie sich die Dinge wiederholen, wenn auch in ganz anderem – und viel friedlicherem – Gewand.

Das schon seit dem österreichischen Erbfolgekrieg nach dem Tod von Karl VI. erstarkte Preußen hielt nichts von einem Deutschen Kaiser aus Wien und warf Österreich nach Königgrätz vollends aus dem Deutschen Bund. Die Folgen für die weitere europäische Geschichte waren verheerend.

Anschlussgedanke, eine Folge von Königgrätz

Der überall in Europa aufkeimende Nationalismus bekam durch diese Schwächung der österreichischen Erblande eine besonders brisante Komponente, weil man diese ideelle Trennung von Deutschland bis nach dem Zweiten Weltrkieg nicht wahr haben wollte. Die im 19. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum boomenden Burschenschaften hatten in Österreich viele deutschnationale Gruppierungen, die seit diesem Hinauswurf eine eigenständige österreichische Nation ablehnten (und heute immer noch ablehnen), etwas, das es in Deutschland und in der Schweiz in dieser Form nicht gab und nicht gibt und sich seit diesen Tagen in einer Anschlussidee festsetzte.

Hand in Hand mit dem Nationalismus erlebte man in Wien der Gründerzeit einen extremen Fremdenhass und einen extremen Antisemitismus. Der Fremdenhass war deshalb so ausgeprägt, weil die in die Städte strömenden Landflüchter in Wien – anders als in den anderen Metropolen – fremdsprachig waren und daher leicht erkennbar waren, vielleicht so, wie heutige Türken.

Hitlers Wien

Und dieses Biotop war nicht nur die Zündschnur zur Sprengung der Monarchie, sie war auch die Schule eines gewissen Schicklgruber*), der alle diese Ideen bei seinem Weg zur Macht immer im Hinterkopf hatte und nicht gezögert hat, diese Phantasien auch in die Tat umzusetzen.

Während alle anderen Nachfolgestaaten der Monarchie an ihrem neuen Staat bastelten, sehnte man sich in Österreich nach wie vor nach der Situation von vor 1866 als man noch Teil der großen Gemeinschaft der Deutschen Fürstentümer war. Daher nannte man sich nach 1918 auch sofort “Deutschösterreich”, ein Name, der im Vertrag von Saint-Germain 1919 in “Republik Österreich” umgewandelt wurde; mehr noch, in diesem Vertrag wurde auch das Anschlussverbot festgeschrieben. Ein Selbstbestimmungsrecht der Völker wie es damals von US-Präsident Wilson formuliert wurde, fand keine Anwendung.

Sport als Kompesation

Sport war damals noch eine junge Erfindung, aber in dieser Zeit nach dem Ersten Weltkrieg boomte insbesondere der Fußball und es kam zu den ersten Spielen zwischen der frisch geborenen Republik Österreich und den anderen Nachfolgestaaten aber auch mit Deutschland. Die ersten vier Länderspiele gegen Deutschland wurden gewonnen und unter Hugo Meisl wurden in den Dreißigerjahren auch noch zwei Kantersiege mit 6:0 und 5:0 eingefahren. Die Dokumentation in ORF III über Rapid und Austria zeigt, wie es der Fußball geschafft hat, den Arbeitslosenheeren dieser Jahre so etwas wie ein Erfolgerlebnis zu geben.

Wer braucht den Anschluss?

Das Projekt “Anschluss” des Herrn Schicklgruber*) ist gründlich daneben gegangen. Aber der Anschlussgedanke ist bis in die Gegenwart Begleitmusik im politischen Diskurs in Österreich, wobei man es den Anschlussbefürwortern nicht ganz verdenken kann, dieser Idee zu verfallen. Cisleithanien war jahrhundertelang Teil dieses großen Bündnisses und dieses Bündnis wurde nie hegemonial ausgenutzt**) und wurde in Königgrätz dieser Rolle ziemlich abrupt beraubt.

Genaugenommen ist dieser “Anschluss” im Rahmen der EU längst erfolgt und unser sportliche Wettbewerb ist noch als eine historische Erinnerung an längst vergangene Zeiten geblieben. Damit wir noch viele solcher Spiele wie die “Regenschlacht von Klagenfurt” erleben können, sollten wir uns also einen Anschluss gar nicht so sehr wünschen.

Obwohl, als Anhänger von Rapid schaut das ganz anders aus. Wir würden zwar eine ganz andere Nationalmannschaft – eben die deutsche – haben, aber als neues deutsches Bundesland würden ganz andere Gegner für Rapid nach Wien kommen, die Zuschauerzahlen würden rasant steigen, das Weststadion wäre zu klein und die Einnahmen auf dem Niveau von Deutschland. Eine Art grün-weißes Fußball-Paradies! Schalke, Dortmund und Hertha statt Hartberg, Mattersburg und St.Pölten, das hätte was!

Fußball statt Krieg

Die Bedeutung, die Fußball heute hat, ist faszinierend. Man hat das Gefühl, dass wichtige Ereignisse einfach um einen Monat verschoben werden, um die WM nicht zu versäumen. Einen Monat lang werden Termine nach den Spielterminen der WM ausgerichtet, einen Monat lang blickt die ganze Welt in ein ansonsten wenig bekanntes Land. Dieses Spiel bewegt die Massen und wird daher von den Mächtigen gerne instrumentalisiert. Ein Kommentator im Fernsehen brachte es auf den Punkt, dass man Sympathien auch viel billiger haben kann, indem man einfach keine Kriege führt und Länder anektiert. Auch Sanktionen gibt es dann keine.

Der Veranstalter der Fußball-WM investiert große Summen, um sein Image aufzupolieren. Mich würde interessieren, wie viel ihm das Wer wäre, wenn seine Mannschaft zum Beispiel durch die Worte einer Fee Weltmeister werden könnte. Ob er sich dafür aus der Ukraine zurückziehen würde? Keine Ahnung, aber der Sport ist auf einem guten Weg, wichtig genommen zu werden und wer weiß, ob nicht in späteren Jahrhunderten Konflikte auf diese Weise entschieden werden.

Was hat also Königgrätz gebracht? Meine Antwort: zwei Weltkriege und eine kurios einseitige Fußballrivalität, die für einen Deutschen nicht ganz nachvollziehbar ist, weil es für den “Anschluss” dort keine Entsprechung gibt. Klar, das ist sehr vereinfacht und alles ist in Wahrheit sehr kompliziert aber diese Geschichte ist eines von vielen möglichen Bildern, das uns hilft, das heute besser zu verstehen und es versucht, den Anschluss nicht als etwas grundsätzlich Abzulehnendes darzustellen, denn das ist es erst durch die Umsetzung von infantilen Wahnideen geworden. Mit einem Rapidler kann man immer über einen “Anschluss” diskutierten, wie wir gesehen haben, das könnte auch sehr schöne Seiten haben.


*) Der Vater von Adolf Hitler hieß ursprünglich Alois Schicklgruber, nahm aber 1876 den Namen “Hitler” an, eine adaptierte Version des Namens seines Ziehvaters “Hiedler“. Alle Spuren zu diesen Verwandten sollten ausgelöscht werden und daher wurde auch 1938 der größte Truppenübungsplatz Europas im Waldviertel errichtet, genau dort, wo die Gräber der Großeltern gelegen sind, in Döllersheim. Was man sich natürlich fragt, warum ein kleines Land wie Österreich einen so großen Truppenübungsplatz benötigt und nicht nach dem Krieg alles unternommen hat, diese Flächen wieder ihren ursprünglichen Besitzern zurückzugeben. Manchmal frage ich mich auch, ob diese europäische Unglück nicht einfach nur durch diese Umbenennung passieren konnte. Hätte der Name “Schicklgruber” dieselbe Person erzeugt wie die mit dem späteren Namen “Hitler“? Siehe Brigitte Hamann, Hitlers Wien, Piper 1998.

**) Ausgenommen die Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

Bilder

Österreich-Uruguay

2:1 (1:1)

Bester Mann im Spiel war aus österreichischer Sicht die rechte Torstange, die noch vor Seitenwechsel einen weiteren Gegentreffer verhinderte. So stand es aber zur Pause noch 1:1 und der sehr gut geschossene Freistoß von  Louis Schaub machte den Unterschied aus.

Gegen Spielende drängte Uruguay noch auf den Ausgleich aber die Angriffe konnten alle abgewehrt werden.

“Beginn der Franco-Ära”

Es sollte ein lustiger Sager sein, aber Rainer Pariasek war die Tragweite dieses Wortspiels mit dem Zusatz “in Spanien” aus der Sicht eines Spaniers wohl nicht bewusst. Für manche Spanier könnte das eventuell so klingen, als würde jemand in Österreich sagen, dass eine “Hitler-Ära” beginnt. Das passiert halt, wenn man glaubt, immer interessant sein zu müssen.

Spielgeschichte

Es gab zwischen 1954 und 2014 drei Spiele zwischen beiden Ländern und die Bilanz war bisher ausgeglichen: ein Sieg, ein Unentschieden und eine Niederlage.

Uruguay

Man spricht Spanisch in Uruguay. Und ein Paar “Urus” sah man auch im Stadion; sie waren am Rand des Sektors E untergebracht_

Uruguay ist etwa doppelt so groß wie Österreich hat aber nur 3.2 Millionen Einwohner, ist also viel dünner besiedelt. In Uruguay leben 19 Einwohner auf einem km2, in Österreich 105. Bedenkt man dazu noch die gebirgige Struktur von Österreich ist das gefühlte Verhältnis noch gravierender.

Ein Österreicher erwirtschaftet etwa drei Mal soviel wie ein Uruguayaner.

Aber in der Weltrangliste rangiert Uruguay auf Platz 17 und Österreich auf Platz 39. Und Uruguay startet bei der WM und Österreich nicht. Und es war für beide Mannschaften ein Freundschaftsspiel, und Uruguay kam mit einem Spitzestürmer Edinson Cavani, der dann auch seinen Torinstinkt bewiesen hat, indem er den Flankenball gekonnt noch vor dem Zugriff von Heinz Lindner ins Tor geköpfelt hat.

Die sonstigen Spielbeobachter sprachen von einem glücklichen Sieg für Österreich, und da Tore durchaus zufällig fallen, wären auch andere Ergebnisse durch den Spielverlauf argumentierbar gewesen. Die große Bemühung unserer Mannschaft in der zweiten Halbzeit war aber nicht zu übersehen und daher nehmen wir das Torgeschenk des Fußballgottes gerne an. Wahrscheinlich steigen wir in der Weltrangliste wieder etwas nach oben. Das hilft zwar nicht bei einem konkreten Spiel aber doch bei der Zuordnung zu Lostöpfen. Daher müssen wir auch die Freundschaftsspiele mit einer gewissen Ernsthaftigkeit bestreiten. Und im kommenden Frühjahr wird es nur Freundschaftsspiele geben.

Besucherzahl

Die ungefähre Zuschauerzahl können wohl die Kellner in der Luftburg auch ganz ohne Zählung voraussagen. Im vergangenen Oktober mussten wir in der Luftburg im Freien sitzen, aber heute bekamen wir leicht einen Platz. Der Unterschied: im Vorjahr, beim Spiel gegen Wales, kamen 44.000 Zuschauer, heuer nur 12.000. Wer kennt das folgende Bild?

Zur Ehrenrettung der Daheimgebliebenen: die bisher hohen Besucherzahlen waren solche von Qualifikationsspielen. Außerdem werden Spiele der Nationalmannschaft nicht nur von Wienern sondern auch und vielleicht besonders von Fußballfreunden aus den Bundesländern besucht. Der Spieltermin “Dienstag” für ein Freundschaftsspiel ist für alle mit einer weiten Anfahrt eine Herausforderung und kann die geringe Zuschauerzahl entschuldigen.

Dass es ein Motiv für einen Nichtbesuch sein kann, dass Luis Suárez (derzeit Barcelona) nicht mitgespielt hat, zeigt, wie verschieden Zuschauer ticken. Dass jemand wegen des prominenten Gegners kommt und nicht wegen der eigenen Mannschaft, zeigt mangelhafte Achtung der eigenen Leistungsfähigkeit, würde ich sagen, denn das Spiel unserer Mannschaft war respektabel, und der Gegner war ja nicht irgendwer.

Ernst Happel

Dem Umstand, dass dieser 14. November auch der Sterbetag von Ernst Happel ist, wurde Rechnung getragen und die Verdienste dieses große Fußballer wurden in Interviews in Erinnerung gebracht. Seine Enkelin Christine nahm den Ehrenankick vor.

Die Fantribüne zeigte ein Transparent mit dem berühmten Spruch “Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag”.

Wir sind Helden!

Beim Spaziergang vom Prater zum Stadion über die menschenleeren Wege, durch den leicht vernebelten Wald entlang der Liliputbahn …

…fiel mir das groteske Interview des ORF mit HC am Rochusmarkt ein, indem HC meinte, dass man sich nicht mehr trauen könne, zu Fuß von der Innenstadt zur Landstraße zu gehen.

Was sind wir doch für mutige Buschen, wir, die Freunde des Fußballsports; in einer so unsicheren Stadt, wie es das Wien des HC ist! Was für eine Freude, dass wir in Zukunft auf ein noch größeres Polizeiaufgebot bei unserem Lieblingssport zählen können, wenn er dereinst Innenminister sein wird.

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