Österreich-Mazedonien

2:1 (1:0)

Wer hätte gedacht, dass wir einmal eine österreichische Nationalmannschaft erleben würden, von der ein prominenter Vertreter des Gegners Mazedonien*) (Ilčo Naumoski) meint, sie zähle zu den besten zehn Mannschaften der Welt? Wir zeigten modernes Angriffspressing, der Gegner verhielt sich sehr defensiv, wenigstens in der ersten Halbzeit. Es war erfrischend zu sehen, wie die Österreicher bei Ballverlust sofort versuchten ein Überzahlspiel herzustellen, sodass der Ball meist sehr rasch wieder zurückerobert werden konnte.

Wie so oft fragt man sich, wo denn die Tore bei dieser Feldüberlegenheit bleiben. Nun, Chancen gab es genug, die aber eben nur Chancen waren. Der oft hoch aufgerückte Hinteregger hat sich in die Herzen der Fans gespielt, es gab Sprechchöre Hinteregger, Hinteregger, hey, hey”. Marco Arnautovic wurde mehrfach aus aussichtsreicher Position wegen versteckten Foulspiels zurückgepfiffen.

Ambiente

Für Gesprächsstoff sorgten die Farben des neuen Auswärtstrikots, das bei diesem Spiel präsentiert wurde. Man hatte den Eindruck, als würde eine Mannschaft der ÖVP (türkis-schwarz) gegen eine der SPÖ (rot) antreten. Der Block meinte. man dürfe nur in den Farben rot-weiß-rot spielen. Gut, was macht man aber mit den Auswärtstrikots? Ob sich der Designer von der Leitfarbe des derzeit politischen Klassenprimus leiten ließ? Auf zackzack.at liest man, das die Nähe des Präsidenten Windtner zur ÖVP durchaus eine Rolle gespielt haben kann. Zufall war das wahrscheinlich keiner. Die UEFA sieht die türkise Farbe der Trikots aber als keine politische Botschaft.

Vor Spielbeginn wurde Marc Janko verabschiedet. Er bekam ein Trikot mit der Rückennummer 70 für 70 Spiele für die österreichische Nationalmannschaft.

Das Spielfeld im HappelStadion war früher bei den Cornerfahnen wegen der Laufbahnen etwas abgerundet. Neuerdings wird dort Rasen angestückelt, offenbar ist das eine Forderung des Regelwerks. Siehe letztes Bild. Ein etwas dünkleres Rasenstück liegt auf der Laufbahn.

Choreografie

Die Hurricanes gestalteten eine grandiose Pixel-Choreografie unter dem Motto “Land der Berge, Land am Strome, Land der Äcker, Land der Dome”. Sie ließen ein Schiff über Wellen tanzen und Traktoren Äcker pflügen.

Bildergalerie

Links

*) Dass sich dieses Land “Nord-Mazedonien” nennen muss, weil die Bezeichnung “Mazedonien” den Griechen missfällt, daran müssen wir uns nicht halten. Wir wissen, was gemeint ist, eine Verwechslungsgefahr mit der gleichnamigen griechischen Gegend besteht nicht.

Phänomen Foda

Österreich ist zwar noch nicht endgültig für die EM-2020 qualifiziert aber dass man aus den kommenden zwei Spielen gegen Nordmazedonien und Lettland nicht einen Punkt holen würde, glaubt niemand. Hier sind alle Spiele der österreichischen Nationalmannschaft unter Franco Foda:

Die Ergebnisse der Spiele unter Franco Foda

Zählen wir die Ergebnisse zusammen, ergeben sich 13 Siege, 2 Unentschieden und 5 Niederlagen oder 2,05 Punkte pro Spiel. Aber was bedeutet das?

Die österreichische Nationalmannschaft unter Trainer Franco Foda erlebt derzeit den größten Erfolgslauf ihrer Geschichte. Das kann man an einer vergleichenden Darstellung der Ergebnisse aller Trainer ablesen:

Vergleichende Darstellung der Ergebnisse der österreichischen Nationalmannschaft, gereiht nach der mittleren Punktezahl, die ein Trainer erreicht hat. Trainer mit einem Punkteschnitt von unter 1.1 werden nicht dargestellt. In der Tabelle sind wirklich alle Trainer enthalten, also auch jene, die nur ganz wenige Spiele geleitet haben. Daher bitte besonders die erste Spalte “Spiele” beachten. Der Spitzenreiter “Robert Lang” hat einen Punkteschnitt von 3,0, weil er nur ein Spiel geleitet und dieses gewonnen hat. Relevant sind daher nur Trainer, die eine ausreichende Anzahl von Spielen bestritten haben.

1,8 erzielte Tore pro Spiel wie in der Ära Karl Stotz und nur 0,8 Gegentore pro Spiel, ein bisher unerreichter Wert, kennzeichnen die Spiele unter Franco Foda. Der Anteil der eigenen Tore (35) an der Gesamtzahl der Tore (35+15) erreicht mit 70% 35/(35+15) einen noch nie beobachteten Wert.

Aber Achtung, das ist nur eine Momentaufnahme, beruhend auf den letzten 20 Spielen!

Was ein solcher Punkteschnitt wert ist, hängt natürlich von den jeweiligen Gegnern ab. Wir wissen, dass Hugo Meisl die großen Erfolge gegen die damals stärksten europäischen Mannschaften erzielt hat; für eine solche Bewährungsprobe müsste die heutige österreichischen Nationalmannschaft auch einmal über eine Gruppenphase hinauskommen. Es wird interessant sein, zu sehen, ob dieses Ranking auch nach der EM und am Ende der Ära Foda immer noch dieses optimistische Bild zeigen wird. Heute jedenfalls, kann man sich über diesen Erfolg freuen und Franco und uns wünschen, dass es so weitergehen möge!

Links

Nationalmannschaft

Wenn uns Rapid während der Saison im Atem hält, gibt es wenig Zeit, anderen interessanten Dingen nachzugehen. Die Weihnachtszeit mach eine Ausnahme und ich möchte den Lesern des Tagebuchs einerseits Gesundheit und einen sportlichen Aufschwung wünschen, gleichzeitig verweise ich auf einen neu gestalteten Bereich der Homepage des “Klub der Freunde”, den über die Nationalmannschaft. 

Viele von uns besuchen auch Spiele der österreichischen Nationalmannschaft, und man kann sich einem Vergleich mit den Spielen von Rapid nicht entziehen. Es gab Zeiten, als wir das Spielniveau bei Rapid höher eingeschätzt haben als jenes beim Nationalteam, aber diese Zeiten sind vorbei. 

Wie gut spielt also das Nationalteam? Wie erscheinen die heutigen Erfolge im historischen Vergleich?

Die Seite “Nationalteam” erlaubt es, dass sich jeder diese Antworten selbst geben kann. Man kann die Daten zu jedem einzelnen Spiel anzeigen lassen, aber man kann die Spiele auch nach vorgegebenen Kriterien gruppieren und eine dazu passende Statistik anzeigen lassen.

Erfolgsverlauf

Verlauf des Punktemittels über 10 Spiele

Hier sieht man alle 773 Spiele der österreichischen Nationalmannschaft auf einer Punkteskala von 0 bis 3. Dargestellt ist der Punktemittelwert von 10 aufeinanderfolgenden Spielen nach der Dreipunkteregel. Die horizontalen Linien sind die Leistungsmittelwerte jener Trainer, die mehr als 10 Spiele geleitet haben. Die leicht fallende Trendlinie zeigt einen langfristigen Rückgang des Erfolgs. Die beiden letzten Maxima sind den Erfolgen von Marcel Koller und Franco Foda zu danken.

Rapid und Nationalmannschaft

Wenn wir schon alle Spiele von Rapid und der Nationalmannschaft verfügbar haben, vergleichen wir sie doch. Hier ist eine Statistik aller Bewerbpiele von Rapid (seit 1911) und der Nationalmannschaft (seit 1902):

Spiele   S   U   N PpS
773 319 168 286 1.5 Nationalmannschaft
3970 2185 797 988 1.9 Rapid

Dieser “ewige” Vergleich spricht deutlich für Rapid, doch im Auf-und-Ab des Fußballs empfinden wir das derzeit nicht ganz so. Nehmen wir zum Beispiel nur die Spiele des Jahres 2018:

Spiele   S   U   N PpS
11 7 1 3 2.0 Nationalmannschaft
49 22 10 17 1.6 Rapid

Diese 2.0 Punkte pro Spiel sind ein sensationeller Höchststand, der wegen des Nicht-Aufstiegs in der Nations-League nur nicht ausreichend gewürdigt worden ist.

Fragen und Antworten

Die Datenbank kann uns Fragen über die Nationalmannschaft gut beantworten.

Wie viele Spiele hat die Nationalmannschaft 2018 bestritten?

Spiele -> Jahr -> 2018

Es waren 11 Spiele mit einem sensationellen Punkteschnitt von 2.0!

Die wievielte Saison spielt die Nationalmannschaft?

Spiele -> Saison -> 2018/19

Die Nationalmannschaft spielt in der 117. Saison.

Wie viele Spiele hat die Nationalmannschaft absolviert?

Statistik -> Jahr (oder Saison…)

Es gab insgesamt 773 Spiele mit 1,5 Punkten pro Spiel. Das ist um 0,2 Punkte besser als eine Mannschaft, die gleich viele Siege, Unentschieden und Niederlagen hat.

Welche war die erfolgreichste Saison?

Statistik -> Saison -> Sortieren nach „Punkte“

Es gab 16 Saisonen mit mehr als 2 Punkten/Spiel, die beste war 1980/81, mit 2,6.

Dreht man die Sortierung um, findet man zwei Saisonen ohne Punktgewinn: 1946/47 und 1918/19.

Was waren die Spiel in der erfolgreichsten Saison?

Statistik -> Saison -> Sortieren nach „Punkte“ -> Klick auf den Link zu den Spielen

Der Trainer war Karl Stotz. Nur ein Spiel gegen Deutschland wurde verloren, alle anderen (gegen Finnland, Ungarn, Albanien 2x, Bulgarien und Finnland) wurden gewonnen. Außer dem Spiel gegen Ungarn waren alle WM-Qualifikationsspiele und qualifizierten die Nationalmannschaft zur Teilnahme an der WM in Spanien. Die Spiele der WM wurden von Felix Latzke geleitet.

In welcher Saison wurden die meisten Spiele absolviert?

Statistik -> Saison ->Sortieren nach „Spiele“

Die meisten Spiele wurden mit je 14 in den Saisonen 2077/78 und 2007/08 absolviert.

In welchem Bewerb war die Nationalmannschaft am erfolgreichsten?

Statistik -> Bewerb ->Sortieren nach Punkten

Die zuletzt gespielte Nations-League war mit 1,8 Punkten pro Spiel der erfolgreichste Bewerb, gefolgt von WM-Qualifikationsspielen mit 1,7 Punkten. Interessanterweise war man in Freundschaftsspielen mit 1,4 Punkten weniger erfolgreich.

In welchen Saisonen wurden die meisten Tore pro Spiel erzielt?

Statistik -> Saison -> Sortieren nach „Tore/Spiel“

Die torreichsten Saisonen liegen schon weit zurück: In der Saison 1931/32 erzielte das Wunderteam unter Hugo Meisl 4,3 Tore pro Spiel. Die wenigsten Tore (0,3 pro Spiel) erzielte man 1973/74. Allerdings muss man bedenken, dass die Spiele damals generell torreicher waren.

Betrachten wir daher die Relation zwischen geschossenen Toren und Gegentoren:

Statistik -> Saison -> Sortieren nach „T%“

Hier führt die Saison 1980/81 mit 82%. Man hat zwar weniger Tore geschossen aber auch viel weniger Tore bekommen.

Was war die höchste Niederlage/der höchste Sieg?

Statistik -> Ergebnis

Die höchste Niederlage 1:11 gab es 1908 gegen England. Die höchsten Siege 9:1 (Portugal 1953), 9:0 (Malta 1976), 8:2 (Ungarn 1932).

Welches ist das häufigste Ergebnis?

Statistik -> Ergebnis -> Sortieren nach „Spiele“

Die häufigsten Ergebnisse sind 1:1 (70 Spiele), 2:1 (57 Spiele), 0:1 (52 Spiele) und 1:0 (52 Spiele).

Welche sind die Lieblingsgegner?

Statistik -> Gegner -> Sortieren nach „Spiele“

Der unangefochtene Spitzenreiter ist Ungarn mit 137 Spielen, gefolgt von der Schweiz (42), Deutschland (40), Italien (37), Tschechien (36) und Schweden (36). Nur gegen die Schweiz und gegen Schweden gibt es eine positive Bilanz.

Wer waren die erfolgreichsten Trainer?

Statistik -> Trainer -> Sortieren nach „Punkte“

Hier muss man ganz besonders auf die Anzahl der absolvierten Spiele achten. Ein Trainer, der nur ein Spiel geleitet hat und dieses gewonnen hat, ist klarer Spitzenreiter mit 3 Punkten pro Spiel. Und es gibt ihn auch, es ist Robert Lang (1926). Bezieht man aber nur jene Trainer ein, die mindestens 10 Spiele geleitet haben, ergibt sich folgende Reihung: Franco Foda (2,1), Karl Stotz (1,9), Hugo Meisl (1,8), Helmut Senekowitsch (1,8), Marcel Koller (1,6), Walter Nausch (1,6) und Herbert Prohaska (1,6).

In dieser Reihe nimmt aber Hugo Meisl eine Sonderstellung ein, weil er die mit Abstand meisten Spiele (132) geleitet hat. Außerdem muss man beachten, gegen welche Gegner das damalige Wunderteam seine Erfolge gefeiert hat, etwas, das in die Bewertung der Siegen nicht eingeht, das aber sehr wohl in der FIFA-Weltrangliste berücksichtigt wird.

Die Ergebnisse der Ära Franco Foda können sich daher auch vor einem historischen Hintergrund sehen lassen.

Welche Spieler absolvierten die meisten Spiele?

Statistik -> Spieler -> sortieren nach „Spiele“

Das Spitzentrio ist Andi Herzog (103), Toni Polster (95) und Gerhard Hanappi (93). Auch Marco Arnautovic (76) oder David Alaba (67) kann man es zutrauen, in dieser Reihung noch ganz nach vorne zu kommen.

Welcher Spieler erlebte die meisten Tore?

Statistik -> Spieler -> Sortieren nach T+

Achtung: die Frage meint nicht, dass der Spieler selbst diese Tore geschossen hat, sondern, dass in den Spielen, bei denen er beteiligt war, die meisten Tore gefallen sind. In dieser Wertung führt Gerhard Hanappi (212 Tore).

Wer schoss die meisten Tore?

Statistik -> Tore

Hier führt Toni Polster (44) vor Hans Krankl (34). Marc Janko (29) ist am vierten Platz und Marco Arnautovic (20) im Aufwärtstrend.

Über den Link ⚽ gelangt man zu den Spielen, mit den erzielten Toren und mit dem Link ☺ zu allen Spielen des Spielers.

Die Frage nach den meisten Toren hängt aber stark mit der Anzahl der Spiele ab, die ein Spieler für die Nationalmannschaft absolviert hat. Daher wurde auch die Anzahl der Spiele und die Tore pro Spiel mit in die Tabelle aufgenommen, und diese Auswertung zeigt ein anderes Bild, denn mit 0,5 Toren pro Spiel ist Toni Polster nicht mehr der Spitzenreiter und wird etwa von Matthias Sindelar (0,6) oder Erich Hof (0,8) und anderen übertroffen.

Sensationell sind die Torquoten von 1,2 (Wesselik) und 1,0 (Schall) in der Ära von Hugo Meisl. Es gibt auch Spieler mit der Torquote 2,0, allerdings kamen die meist nur in einem Spiel zum Einsatz.

Links

Herstellung der Datenbank
http://d.pcnews.at/_pdf/n1390005.pdf

Eine Dokumentation im PDF-Format findet man über den Link “Doku”.

Fußball, Impfstoff gegen Nationalismus

oder “Warum Österreich so selten Fußballweltmeister wird”

Wie wird man Fußballweltmeister?

Um Fußballweltmeister zu werden, oder überhaupt, um einen großen Titel zu gewinnen, muss vieles zu einem bestimmten Zeitpunkt passen. Am besten hat man eine “goldene Generation”, ein “bisschen” Glück und eine “fußballverrückte Nation” im Rücken. Insbesondere diesem letzten Punkt wollen wir hier unsere Aufmerksamkeit schenken.

Nationalismus, eine Kinderkrankheit

Albert Einstein meinte: “Nationalismus ist eine Kinderkrankheit. Es sind die Masern der menschlichen Rasse.”

Nun ist aber unser aller Bestreben, Krankheiten zu bekämpfen, besonders die epidemischen. Vielleicht ist “Fußball” jener Impfstoff, mit dem diese Kinderkrankheit “Nationalismus” bekämpft werden kann, ohne dass sie sich lebensbedrohlich ausbreitet.

Wie alle Impfstoffe ist auch der Fußball ein Stückchen von der Krankheit selbst Aber in kleinen Dosen verabreicht, lässt es den Organismus lernen, und sich gegen die eigentliche Erkrankung, den Nationalismus wehren. Bei den Krawallen in der Ottakringerstraße sehen wir, dass hier etwas ausgelöst wird, das man in der Gesellschaft eigentlich nicht braucht. Und es wird nicht nur jenen gezeigt, die ohnehin nichts von Fußball halten und es immer schon gewusst haben, sondern auch den direkt Beteiligten, die an den Auswirkungen ihres Tuns sehen können, dass solche Exzesse nicht einmal in diesem punktuellen Ausnahmezustand von irgendjemand gewünscht sein können.

Nach der Impfung mit dem Impfstoff “WM-2018” gibt es also eventuell die eine oder andere kleine Reaktion aber dann kann es schon weiter gehen: “business as usual” und wieder ist man für vier Jahre bis zur nächsten “Auffrischungsimpfung”, mit dem Impfstoff “WM-2012-Katar” immunisiert.

Kleines Land, ganz groß

Wenn auch Vereine der kleinen Fußballnationen selten die Champions-League gewinnen, können diese Länder bei der WM beachtlich weit kommen, weil ihre gut ausgebildeten Spieler in die großen Ligen drängen und dort zur Weltspitze aufschließen können. Österreich ist auf einem guten Weg, zu Schweden und Schweiz aufzuschließen. Es fehlt noch ein bisschen die Kontinuität aber das kann noch werden.

“Fußballverrückt”

Aber in einem Ranking der “fußballverrückten Nation” würden wir nicht so gut abschneiden, ich fürchte fast, dass wir in diesem Ranking zu den Schlusslichtern gehören.

Bei einem Spiel, das Uruguay in den letzten Minuten gewonnen hat, zeigte ein Amateurfilmer das Verhalten einer Schulklasse in Montevideo. Die Kinder starrten fasziniert auf den Fernseher (ein eher langweiliges Spiel) und als das Tor fiel, kannte die Freude keine Grenzen, alle Kinder liefen ins Freie, um der ganzen Welt den Sieg zu verkünden. Ich kann mir eine solche Szene in Österreich nicht gut vorstellen, denn es genügt ja nicht, dass die Kinder fußballbegeistert sind, auch die Lehrerin muss es schon sein, um eine solche Szene überhaupt erst ermöglichen.

Vergleicht man die EURO 2004 in Portugal mit der EURO 2008 in Österreich, und dort insbesondere die Anzahl der gebauten oder adaptierten Spielstätten, dann hat man den Eindruck, als wäre Portugal das reichere Land. Hier sehen wir schon einen Grund, warum Österreich nicht Weltmeister werden kann: weil in Österreich die einzigartige Chance einer Europameisterschaft nicht genutzt wird, um dem Fußball weiter zu helfen. Alle Bemühungen der Fußballprotagonisten genügen nicht, wenn nicht der Staat den Fußball in dieser Zeit priorisiert.

Aber warum ist das so? Warum nutzt Österreich den Fußball zu wenig, seine nationale Indentität zu stärken, so wie das etwa in Belgien oder in Kroatien der Fall ist? Die kurze Antwort ist, dass eine solche nationale Identität aus historischen Gründen in Österreich zu wenig ausgebildet ist.

Österreich ist zuwenig Nation

Bei einer Nation dürfte es darum gehen, dass Menschen sich zu der Idee eines Landes bekennen. Das kann auf der Basis einer gemeinsamen Sprache sein, einer gemeinsamen Geschichte oder es entsteht einfach willkürlich durch Grenzziehung. Daher sind neuerdings die Burgenländer zu Österreichern und die Ödenburger zu Ungarn geworden.

Warum nun das “Österreich” bei den Österreichern eine zu wenig anerkannte Größe ist, hat historische Gründe. Um das zu erklären, muss man die Entstehung unseres Landes als Teil von Österreich-Ungarn betrachten. Im 19. Jahrhundert gab es in allen Ländern des Österreichisch-Ungarischen Kosmos Unabhängigkeitsbestrebungen, wie Kroatien, Böhmen, Italien usw., die sich in nationalistischen Bewegungen zeigten. Das deutschsprachige Gebiet unserer heutigen Bundesländer war aber anders. Auch hier gab es einen Nationalismus aber keinen Österreich-Nationalismus, sondern einen Deutsch-Nationalismus. Und der Grund war der Ausschluss Österreichs aus dem Deutschen Bund nach 1866. Niemand in Österreich hatte eine Idee von einem Staat Österreich, nur die Idee einer Vereinigung mit Deutschland wurde als denkmöglich angesehen. Während also alle späteren Nachfolgestaaten an der Idee ihrer jeweiligen Nation arbeiteten, gab es in Österreich nur die Idee vom Anschluss. Daher nannte man 1918 die Erste Republik auch “Deutsch-Österreich”, was später durch die Siegermächte zur “Republik Österreich” umbenannt wurde.

In der Zweiten Republik hat sich vieles zum Besseren gewendet, hat man mit der Ankunft von Karl Schranz aus Japan, den Siegen von Annemarie Moser-Pröll, Franz Klammer, Hermann Maier, Jochen Rindt mit einem Kulturkitt aus Mozartkugel und Sängerknaben eine doch ziemlich unverwechselbare Marke geschaffen, die durch “Insel der Seligen” auch noch einen Heiligenschein bekommen hat. Aber der Fußball scheint in dieser Liste der Austriazismen nicht auf, wenigstens nicht weit vorne.

Wenn man sich umschaut, ist so etwas wie ein klares Bekenntnis zu Österreich weniger zu erkennen, als ein Meckern über die hiesigen Zustände. Helmut Andisch betitelt sein 1989 erschienenes Buch mit “Der Staat, den keiner wollte”. Und dieses Gefühl war in weiten Teilen der Bevölkerung genau in dieser Form präsent.

Nationenbildender Fußball

Eigentlich war das erste österreichische Wunderteam unter Hugo Meisl eine beachtliche Reaktion auf den Bedeutungsniedergang des Staates. Die Erfolge der Nationalmannschaft sagten so etwas wie “man zählt wieder etwas in Europa – und wenn es nur im Fußball ist”. Es erinnert an die heutigen Erfolge der Kroaten, die mit dem Fußball die zähe Aufholjagd in der Wirtschaft vergessen machen.

Das zweite Wunderteam 1954 wurde dann schon in einer – aus heutiger Sicht – unverständlichen Selbstüberschätzung teilweise verhöhnt, weil man “nur den dritten Platz” in der Weltmeisterschaft in der Schweiz erreicht hat. Und jemandem, der den dritten Platz bei der WM nicht schätzt, ist wohl der fußballerische Niedergang im Zuge der weiteren östereichischen Fußballgeschichte ein Beweis, dass der österreichische Fußball nichts wert sei und damit auch die österreichische Nation, die es – blickt man auf das 19. Jahrhundert zurück – gar nicht hätte geben sollen.

Und daher fehlt dem österreichischen Fußball dieser nationale Rückhalt, weil sich die Menschen zu wenig mit ihrem Land und zu wenig mit ihren Fußballern identifizieren. Es geht dabei nicht um die begeisterten Fans, die das Stadion füllen; das genügt heute nicht mehr, jenes Kollektiv zu bilden, aus dem Weltmeister gemacht werden; da braucht es einen Rückhalt, ähnlich wie er in Belgien oder Kroatien gegeben ist, einen Rückhalt durch das ganze Land.

Dazu kommt, das Österreich bei Begegnungen gegen die Türkei, Kroatien, Serbien und sogar gegen Albanien im Happel-Stadion wie in einem Auswärtsspiel antritt, weil wir diesen Nationalismen der jeweiligen Gegner, die ihrerseits schon langsam langweilig werden (aber das ist wieder ein anderes Thema), wenig Gleichwertiges entgegenzusetzen haben als eben den Radetzkymarsch vor Beginn des Spiels. Und von diesem Radetzkymarsch erzählte man, dass leichter gewesen wäre, bei diesen Klängen im Kampf zu sterben.

Für einen WM-Titel muss eben alles passen, auch der nationale Rückhalt. Ob es ein Aspekt im Ausscheiden der deutschen Mannschaft ist, kann natürlich niemand sagen, aber die These der gut integrierten Migranten-Kinder bei der WM-2006 ist im Vorfeld der WM-2018 durch dir Aktion von Özil und Gündogan in Wanken geraten und wer weiß, ob solche Nationalismen nicht auch der Nährboden für ein verändertes Klima im Nationalteam sind, die dann jene Spielweise bewirken, mit der auch gegen Südkorea nicht gewonnen werden kann.

WM-Zwischenbilanz

Im Beitrag “WM-Teilnehmer und wir” wurde dargestellt, wie sich die österreichische Nationalmannschaft im Vergleicht mit den WM-Teilnehmern positioniert. Im Beitrag “Guerilla-Fußball” wurde gezeigt, dass zwar die Top-Nationen über Spieler mit einem großen Marktwert verfügen, dass aber viele kleinere Konkurrenten, mit viel geringerer Popularität ihrer Spieler, dennoch beachtliche Platzierungen aufweisen.

Ein Sportler will natürlich in allen Bewerben seiner Disziplin Titel holen. Aber welche Bewerbe sind wertvoller: jene mit einem Leistungsmaß über einen längeren Zeitraum oder jene, die punktuell erbracht wurden? Es sind immer die über einen längeren Zeitraum. Ein Weltcup-Gesamtsieg eines Marcel Hirscher über eine ganze Saison hat einen höheren Wert als ein WM-Titel, bei dem ein einzelner Einfädler genügt, den besten Rennfahrer zu disqualifizieren. Auch im Fußball ist das so, wir gewichten einen Meistertitel über 36 gespielte Runden höher als einen Cupsieger im KO-System über 6 Runden.

Der Fußball-Weltmeister hat 7 Spiele absolviert, die letzten vier davon muss er gewonnen haben. Einen Weltmeister, dessen Leistung über einen langen Zeitraum ermittelt wird, gibt es nicht oder nur in Form einer bedeutungslosen FIFA-Weltrangliste. Ein Fußballchampion kann also ein Team werden, der über kuriose und einmalige Situationen zu diesem Titel kommt.

Ein KO-Phase ist statistisch gesehen langweilig, handelt es sich doch um Einzelspiele, die man nicht gut zusammenfassen kann. Daher ist das Ende der Gruppenphase ein guter Zeitpunkt, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Wäre der Wettbewerb eine Meisterschaft mit einem Durchgang, wären insgesamt 31 Spiele zu bestreiten. Von diesem Durchgang sind drei Runden gespielt, also etwa 10 Prozent.

Die Mannschaften werden gereiht nach

  • Punkte
  • Tordifferenz
  • Geschossene Tore

Das ergibt folgende Reihung:

1. Belgien, 2. Kroatien, 3. Uruguay, 4. Brasilien, 5. Frankreich, 6. England, 7. Russland, 8. Schweden, 9. Kolumbien, 10. Mexiko, 11. Dänemark, 12. Spanien, 13. Portugal, 14. Schweiz, 15. Japan, 16. Senegal, 17. Iran, 18. Argentinien, 19. Südkorea, 20. Peru, 21. Nigeria, 22. Serbien, 23. Deutschland, 24. Tunesien, 25. Polen, 26. Saudi-Arabien, 27. Marokko, 28. Australien, 29. Island, 30. Costa Rica, 31. Ägypten, 32. Panama

Diese Reihung folgt mit einer Ausnahme der Auswahl der Gruppenersten und Gruppenzweiten. Die Ausnahme ist Senegal, das nach dieser Wertung an Stelle von Argentinien weiterspielen könnte.

In dieser Reihung werden die in der Gruppenwertung Erstplatzierten Schweden, Kolumbien und Spanien von den Zweitplatzierten England, Russland, Mexiko und Dänemark überholt. Der schechtestplatzierte Gruppensieger ist Spanien mit nur 5 Punkten.

Wir vergleichen den erreichten Platz mit anderen bekannten Kenngrößen dieser Teams. Diese Kenngrößen sind:

  • Weltranglistenplatzierung
  • Marktwert
  • Alter
  • Legionäre

Die Diagramme im Excel-Sheet weiter hinten heißen: Legionäre, Alter, FIFA und Marktwert.

In allen folgenden Diagrammen zeigt die X-Achse die obige Platzierung nach der Vorrunde und die y-Achse die jeweilige Kenngröße. Eine Trendlinie gibt uns einen Hinweis auf eine Abhängigkeit zwischen Platzierung und der betrachteten Kenngröße. Eine horizontale Trendlinie bedeutet, dass kein Zusammenhang besteht.

Alter

Das Durchschnittsalter hat einen leichten Einfluss auf die Platzierung. Jüngere Teams schneiden etwas besser ab. Die ältesten Teams haben Costa Rica, Argentinien und Mexiko, die jüngsten Teams haben Frankreich, England und Nigeria.

Legionäre


Der Anteil der Legionäre hat auf die Platzierung praktisch keinen Einfluss. Die meisten Legionäre haben Schweden und Senegal, die wenigsten England und Russland.

Marktwert


Teure Team schneiden besser ab, Ausreißer zeigen aber, dass man auch mit weniger Geld viel erreichen kann. Mit geringen Mitteln kommt man aber nicht weit, wie man an der fallenden Trendlinie gut ablesen kann. Die Teams mit Top-Marktwerte wie Frankreich, Spanien, Brasilien England und Deutschland hätte man sich besser erwartet. Sehr gut platziert sind Teams wie Uruguay, Kroatien, Russland, Schweden, Kolumbien, Mexiko, Dänemark und Schweiz, die mit vergleichsweise geringeren Marktwerten eine Top-Platzierung erreichen.

Weltranglistenplatzierung


Der Zusammenhang zwischen dem Weltranglistenplatz und der Platzierung im Turnier ist ebenfalls deutlich sichtbar, weil offenbar auch die Weltrangliste dem Marktwert der Mannschaft folgt. (Siehe Beitrag “Guerilla-Fußball“). Positiv überrascht Russland mit seinem 70 FIFA-Rang auf einem 7. Rang nach der Gruppenphase, negativ natürlich Deutschland mit seinem 23. Gesamtplatz.

Was sagt uns das alles?

Nach diesem Zwischenstand ist der Tipp für den Weltmeister: 1. Belgien, 2. Kroatien, 3. Uruguay.

Dem später tatsächlich gekürten Weltmeister sind solche Darstellungen natürlich völlig egal. Die WM ist als ein Einzelereignis viel mehr durch Zufälle geprägt als es die FIFA-Weltrangliste ist. Schade eigentlich, dass es für die erreichten FIFA-Punkte keinen alljährlichen Weltcup gibt.

Bei diesen Großveranstaltungen entscheidet oft ein Tor über Aufstieg oder Ausscheiden. Um die Langzeit-Teamqualität beurteilen zu können, sind verfügbare Maßzahlen über viele Spiele vorzuziehen. Obwohl nun Deutschland ausgeschieden ist und Österreich gar nicht teilgenommen hat, fehlen beiden Teams die Spiele der WM, um sich im FIFA-Ranking verbessern zu können. Deutschland wird einen Platz in der Spitzengruppe des FIFA-Rankings behalten, Österreich wird etwas zurückfallen.

Weil eben die FIFA-Weltrangliste mehr Spiele einbezieht und diese auch geschickt durch Gewichtung bewertet, wurden alle obigen Auswertungen noch einmal durchgeführt aber als X-Achte wird nicht die Reihung nach der Gruppenphase sondern der Weltranglistenplatz gewählt.

Die Diagramme im Excel-Sheet heißen: FIFA-Legionäre, FIFA-Alter und FIFA-Marktwert.

Da sich keine wesentlichen Veränderungen ergeben, wird hier auf eine Darstellung verzichtet. Der Leser kann alle diese Grafiken in der beigelegten Excel-Tabelle nachstellen. Zwei Auffälligkeiten seine aber erwähnt:

  1. Die Punktwolken erscheinen kompakter, offenbar weil die Reihenfolge der FIFA-Weltrangliste ein stabileres Vergleichskriterium ist als der Punktestand nach drei gespielten Runden.
  2. Die obige Aussage, dass Legionäre keinen Einfluss auf der Ergebnis hätten muss man korrigieren, denn es scheint doch einen Trend zu geben, der zeigt, dass Länder mit einem höheren Anteil von Legionären tendenziell besser abschneiden.

Guerilla-Fußball

Die Fußball-WM ist ein Anlass, dass wir uns mit den Marktwerten der Mannschaften beschäftigen und wie die Marktwerte den Rang der Mannschaft beeinflussen.

Die FIFA-Weltrangliste ist ein guter längerfristiger Kompass zur Bewertung der Teams, das dort dargestellte Ranking bezieht mehrere Jahre (absteigend gewichtet) ein. Da jede Mannschaft viele  pro Jahr absolviert, und jedes dieser Spiele in die Wertung eingeht, ist diese Weltrangliste so etwas wie ein “Weltcup der Fußballnationen”.

Der Wert eines Nationalteams ist derzeit gut zu vergleichen, weil bei der WM exakt 23 Spieler zugelassen sind und diese Vergleichswerte im Transfermarkt dargestellt sind.

Die Spieler jedes Landes versuchen in die Top-Ligen zu kommen und steigern damit ihren Marktwert. Die Sportdirektoren können heutzutage aus einem globalen Spielerreservoir schöpfen. Eine Ausnahme bilden Länder mit einem geringen Anteil an Legionären, wie zum Beispiel England und Russland.

Vergleichen wir die Marktwerte der Teams mit dem Rang, den ihr Land in der FIFA-Weltrangliste erreicht hat.

[Für eine größere Ansicht anklicken.]

Auf der X-Achse ist der durchschnittliche Spielerwert aufgetragen. In dieser Disziplin sind die Spitzenreiter Frankreich, Spanien, Brasilien, Deutschland, England, Belgien und Argentinien, alle mit einem Marktwert von über 30 Millionen pro Spieler. Aber der große Rest der Länder hat ein Team mit einem durchschnittlichen Marktwert von unter 20 Millionen. Portugal ist in dieser Disziplin ein “Schwellenland”.

Auf der Y-Achte ist die Platzierung der FIFA-Weltrangliste aufgetragen und es ist nahe liegend, dass die höherwertigen Teams auch einen niedrigen Weltranglistenplatz einnehmen, als weit unten und weit rechts liegen.

Interessant ist aber, dass es eine Gruppe von Ländern gibt, die auch mit einem viel geringeren Marktwert der Spieler eine sehr gute Platzierung in der Weltrangliste erreicht, allen voran die Schweiz, Polen, Peru, Dänemark Uruguay, Mexiko, Kolumbien, Kroatien, Island, Tunesien, Costa Rica, Schweden, Senegal. Und auch Österreich kann man in dieser Gruppe mit Platz 26 noch mitzählen.

Diese Länder sind also die eigentlichen Helden dieses Rankings, die “Guerilla-Länder” des Fußballs. Denn dass man mit den besten und teuersten Spielern in der FIFA-Weltrangliste die Top-Plätze belegt (im vorliegenden Diagramm liegen diese Länder unten rechts), ist wenig verwunderlich. Dass man aber auch mit weniger nachgefragten Spielern viel Erfolg haben kann, zeigt die oben genannte Gruppe. Österreich ist auf einem guten Weg, sich in dieser Gruppe zu etablieren.

Man darf die Spielerwerte nicht mit der tatsächlichen Leistungsfähigkeit der Spieler verwechseln. Auch Spieler mit einem geringeren Marktwert können durchaus Vergleichbares leisten. Der Spielerwert drückt nur aus, dass es reiche Vereine gibt, die bereits sind, so viel für ihn zu bezahlen. Wie sich dieser Marktwert dann am Platz präsentiert, konnten wir in den ersten Spielen am Verhalten der Superstars gut beobachten. Da Fußball ein Mannschaftssport ist, sind auch teure Spieler kein Garant für Erfolg. Eine gute Mannschaftsleistung ist gefragt.

Die Punktwolke zeigt aber auch eindeutig, dass es kein Land gibt, das mit teuren Spielern wenig erreicht, also dann in dem Diagramm rechts oben zu liegen kommen würde.

Wäre es nicht toll, wenn ein Land aus der Gruppe der weniger Betuchten den WM-Titel holen könnte – und nicht immer nur Brasilien?

WM-Teilnehmer und wir

Ø Spielerwert (Mio €)

47 Frankreich
45 Spanien
42 Brasilien
38 Deutschland, England
33 Belgien
 ...
 7 Österreich
 ...
 5 Schweden
 4 Südkorea
 3 Tunesien, Japan, Island
 2 Australien, Iran, Peru, Costa Rica
 1 Saudi-Arabien, Panama

Anteil der Legionäre

100% Senegal, Schweden
 96% Belgien, Schweiz, Nigeria
 91% Uruguay, Kroatien, Marokko, Island
 87% Brasilien, Serbien, Dänemark, Kolumbien, Australien, Panama
 ...
 56% Österreich
 ...
 35% Deutschland
 26% Spanien
 13% Saudi-Arabien
  9% Russland
  0% England

Anzahl der WM-Teilnahmen

21 Brasilien
19 Deutschland
17 Argentinien
16 Mexiko
15 England, Spanien, Frankreich
...
9 Österreich
...
5 Saudi-Arabien, Iran, Costa-Rica, Tunesien, Peru, Australien, Dänemark, Marokko, Kroatien
4 Russland
3 Ägypten
2 Serbien, Senegal
1 Panama, Island

Ø Spieleralter (Jahre)

29,8 Costa Rica
29,6 Argentinien
29,3 Mexiko
29 Ägypten
28,9 Russland
...
26,8 Serbien
26,6 Tunesien
26,4 Österreich
26,1 England, Frankreich
26 Nigeria

Rang FIFA-Weltrangliste

 1 Deutschland
 2 Brasilien
 3 Belgien
 4 Portugal
 5 Argentinien
...
26 Österreich
... 
55 Panama
57 Südkorea
61 Japan
67 Saudi-Arabien
70 Russland

Nostalgische Fernseh-WM

Während die Anhänger der WM-Teilnehmer vor Ort mit ihren Mannschaften mitfiebern, bleibt uns der Fernseher und – ein Blick zurück. Ich habe alle Spiele der österreichischen Nationalmannschaft auf zwei Webseiten zusammengefasst und zeige hier die wichtigsten Ergebnisse.

Erfolgsverlauf

Der Erfolg im Fußball ist ein ständiges Auf-Und-Ab. Kommt es zu einer glücklichen Konstellation von Spielern verbunden mit einem geschickten Trainer, werden einfach weniger Spiele verloren, wie die folgende Grafik zeigt:

Der Erfolg in allen Saisonen wurde in einer mittleren Punktezahl ermittelt und seit 1907/08 eingetragen. Der Erfolg wird so ermittelt: Jedes Spiel zählt zwei Punkte, ein Unentschieden einen Punkt, die Zahl ist die erreichte Punktezahl in Prozent. Jeder Punkt in der (gelben) Kurve ist der so gebildete Mittelwert in dieser Saison. Die blau punktierte Linie ist der gleitende Mittelwert gebildet über 10 Saisonen. Dieser Mittelwert hinkt den saisonalen Werten um 5 Saisonen nach. Österreich hatte gute Phasen aber auch seine Tiefs. Das Erfolgsmittel über alle Saisonen ist 51,51 Prozent der möglichen Punktezahl. Die österreichische Nationalmannschaft ist damit ein durchschnittliches Team aber derzeit wieder in aufstrebender Form.

Österreich-FAQ

Die österreichische Nationalmannschaft absolvierte seit 1902 767 Spiele, davon wurden 316 gewonnen, 167 waren Unentschieden und 284 gingen verloren. Das ergibt nach der Drei-Punkte-Regel etwa 1.5 Punkte pro Spiel oder 48% der möglichen Punktezahl und bei zwei Punkten für einen Sieg, kommt man auf 52% der möglichen Punktezahl.

Welches sind die häufigsten Ergebnisse?

70 Spiele 1:1
56 Spiele 2:1
52 Spiele 1:2
51 Spiele 1:0
51 Spiele 0:1
...

siehe http://ewkil.at/json-stat.htm -> Ergebnis -> sortieren nach Spiele

Der negative Ausreißer sind ein 1:11 (1908) und das 0:9 (1998) gegen Spanien, die positiven sind ein 9:1 (1953) gegen Portugal und ein 9:0 (1977) gegen Malta.

Welche sind die erfolgreichsten Saisonen?

86% 1980/81
83% 1931/32 Hugo Meisl
83% 1947/48 Edi Bauer und (Franz Putzendoppler, Edi Frühwirt, Arthur Kolisch)
83% 1960/61 Karl Decker
83% 1974/75 Leopold Stiastny
83% 1976/77 Helmut Senekowitsch
79% 1928/29 Hugo Meisl
79% 1982/83 Erich Hof
...
75% 2017/18 Marcel Koller, Franco Foda

siehe http://ewkil.at/json-stat.htm -> Saison -> sortieren nach (%)

Man sieht, dass es keine Saison ohne Punkteverlust gibt. Die Trainer wurden aus http://ewkil.at/json-games.htm -> Saison herausgesucht. Wir liegen also derzeit mit 75% möglicher Punkte nicht schlecht.

Angstgegner

Das sind die Gegner, gegen die Österreich eine deutlich negative Bilanz hat, in der Klammer die Anzahl der Spiele. Kanada (1), Kroatien (5), Venezuela (2), Brasilien (10), Serbien (4), Argentinien (2), Deutschland (40), Kamerun (3), England (18), Spanien (16), CSSR (36), Nordirland (9), Ungarn (137), UdSSR (15), Niederlande (19), Frankreich (23), Polen (8). An dieser Liste kann man sehen, dass Statistiken mit geringer Anzahl erfasster Fälle, nicht aussagekräftig sind. Man kann aus diesem Grund Gegner mit weniger als 10 Spielen, getrost aus der Liste nehmen, also Kanada, Kroatien, Venezuela, Serbien, Argentinien, Kamerun, Nordirland und Polen.

War war der beste Teamchef?

Auch hier gilt der Grundsatz, dass nur solche Trainer gewertet werden sollen, die eine ausreichend große Anzahl von Spielen geleitet haben. Gehen wir wieder von mindestens 10 Spielen aus, finden wir folgende Wertung:

67% Karl Stotz
64% Hugo Meisl (extrem langer Zeitraum)
62% Helmut Senekowitsch
58% Marcel Koller
58% Herbert Prohaska
56% Josef Argauer
55% Walter Nausch
50% Erich Hof
49% Karl Decker
48% Hans Krankl
...
83% Franco Foda (6 Spiele)

Die österreichische Nationalmannschaft ist also auf einem guten Weg, nur folgt die Formkurve leider nicht genau dem Wettkampfkalender, sie ist etwas “antizyklisch”, aber vielleicht bringt Franco Foda eine Synchronität zustande.

Der Allzeit-Star aller Teamchefs ist zweifellos Hugo Meisl mit 132 Spielen zwischen 1913-1937, allerdings am Anfang nur punktuell. Er schafft ein echtes Wunderteam mit einzigartigen Erfolgen gegen große Gegner, siehe http://ewkil.at/json-games,htm -> Teamchef  -> Hugo Meisl

Rekordspieler

103 Spiele Herzog
 95 Spiele Polster
 93 Spiele Hanappi
 86 Spiele Koller
 84 Pezzey
 84 Koncilia
 83 Prohaska
 78 Wagner
 69 Krankl
 68 Weber
 ...

Rekordtorschützen

44 Tore Polster
34 Tore Krankl
29 Tore Horvath
29 Tore Janko
27 Tore Schall
26 Tore Sindelar
26 Tore Herzog
24 Tore Hof
...

Bei dieser Liste muss man anmerken, dass dass die jüngere Generation etwas mehr Spiele in der aktiven Laufzeit absolviert hat. Richtiger wäre daher, die Anzahl der Tore auf die Anzahl der absolvierten Spiele zu beziehen.

Von Königgrätz bis Klagenfurt

Unser deutscher Freund Marcel liebt sein Nationalteam und er scheute keine Mühe, das Spiel in Klagenfurt zu besuchen. Heute gab es die Sendung “Immer wieder Cordoba” anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums dieses historischen Sieges gegen Deutschland und Marcel wundert sich immer wieder, von wo diese manchmal übertrieben wirkende Freude über einen Sieg in einem ansonst bedeutungslosen Spiel herkommen mag.

Das Spiel ist eine Art kompensatorische Verarbeitung des österreichischen Geschichtsbewusstseins, eine historische Projektion längst vergangener Zeiten, eingegraben in tradierte Verhaltensmuster, die es nur hier, in Österreich gibt. Glücklicherweise haben wir das Spiel und können den Erstfall der kriegerischen Auseinandersetzungen ein- für allemal vergessen. Das Spiel ist eine unblutige Erinnerung an Dinge, die wir nie wieder erleben wollen und wenn das so ist, dann freuen wir uns auf jedes weitere Spiel um so mehr.

Wer “Cordoba? I wea narrisch!” sagt, meint “Rache für Königgrätz!”, oder nicht? Es sind sicher nicht viele, die den Bogen so weit spannen. Allerdings muss man das, denn was wäre es schon für ein Mahleur, gegen einen vielfachen Weltmeister im Fußball zu verlieren? Da muss doch mehr dahinter stecken als nur der Fußball, oder?

Erzfeind Ungarn

In den 1950er und 60er Jahren gab es mit großer Regelmäßigkeit Duelle mit Ungarn. Fast in jedem Jahr gab es eines dieser packenden Spiele, und die hatten damals schon eine lange Tradition. Und die Ungarn liegen in diesem Vergleich praktisch uneinholbar mit 67:40 Siegen voran. Uneinholbar deshalb, weil es wegen des sehr dichten Länderspielkalenders in den letzten 20 Jahren nur mehr zu 4 Begegnungen mit Ungarn kam. Wenn es also genau so weiter geht, würde die Länderspielbilanz gegen Ungarn erst nach etwa 100 Jahren ausgeglichen sein, aber auch nur dann, wenn alle diese seltenen Spiele auch gewonnen werden. Man sieht, das ist ziemlich illusorisch, die Ungarn holen wir nicht mehr ein.

Bruder Deutschland

Etwas anders ist es mit Deutschland. Zwar können wir auch dort die Bilanz nicht ausgleichen. Aber gegen den großen Nachbarn gab es insgesamt viel weniger Spiele als gegen Ungarn und die Bilanz war bis 1950 mit 6:3 Siegen sogar positiv für Österreich. Erst nach 1950 kam eine Serie von 11 sieglosen Spielen, die dann vom 3:2 von Cordoba unterbrochen wurde. Im selben Zeitraum gab es fast drei Mal so viele Spiele gegen Ungarn und auch diese Spiele gingen mehrheitlich verloren. Ein Sieg gegen Ungarn ist wegen der düsteren Statistik zwar auch eine Sensation aber ein Sieg gegen Deutschland übertrifft sogar noch einen Sieg gegen Ungarn. Warum?

Bruder Ungarn

Ich meine, das hat damit zu tun, dass es zwischen Österreich und Ungarn 1867 einen Ausgleich gab, der in einer Union zwischen Österreich und Ungarn mündete, in der beide Partner auf Augenhöhe agierten.

Erzfeind Preußen

Doch zwischen Preußen und Österreich gab es 1866 die Schlacht von Königgrätz, die mit einem Schlag eine jahrhundertelange Teilhabe der österreichischen Erblande (des “Cisleithanien”) im Heiligen Römischen Reich (ab 1815 im Deutschen Bund) beendete.

Ein Schlacht stellt Weichen

Der Hauptgrund für die Niederlage wird der veralteten Ausrüstung der Österreicher zugeschrieben und dem modernen Zündnadelgewehr der Preußen. Das stimmt, aber man wusste um diesen Nachteil und wählte daher den Ort der Schlacht sehr geschickt in einem Wald, in dem dieser Vorteil für den Gegner nicht so groß war und tatsächlich ging auch Österreich 1:0 “in Führung”, der Gegner wankte, doch er fiel nicht, denn er hatte noch ein Garderegiment zu Fuß im Talon, das zufällig zum richtigen Zeitpunkt am “Spielfeld” eintraf und schließlich die Schlacht 2:1 an die Preußen ging. In der traurigen Realität hieß das: 2000 gefallene Preußen und 5000 gefallene Österreicher.

Bis zu den Napoleonischen Kriegen stellte das Haus Habsburg den Kaiser im Heiligen Römischen Reich. Die Kurfürsten wählten die Habsburger ganz gezielt. Das Habsburgerreich schützte das Reich nach Südosten und erweiterte sich eher in dieser als in der Gegenrichtung. Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches wurde die Einheit der deutschen Länder nur mehr durch den Deutschen Bund symbolisiert. Das hatte mit dem Aufstieg von Preußen zur Großmacht zu tun und mit dessen hegemonialen Ansprüchen insbesondere gegen Habsburg.

Die Schlacht bei Königgrätz beendete eine Jahrhunderte währende Kooperative und hinterließ eine dauerhafte Kränkung mit fatalen Folgen, die bis Klagenfurt nachwirken.

“Die Piefkes kommen!”

Der preußische Militärmusiker Gottfried Piefke komponierte zur Erinnerung an die Schlacht den Königgrätzer Marsch. Er kam mit seinen Musikern, zu denen auch sein Bruder Rudolf gehörte, bis nach Gänserndorf. Das Publikum soll gerufen haben: “Die Piefkes kommen!” Ob tatsächlich “Piefke“, der Kosename der Österreicher für die Deutschen, so entstanden ist, weiß man nicht genau aber in Gänserndorf wurde Gottfried Piefke im September 2009 ein Denkmal gesetzt.

Kein Geld, kein Sieg

Oft wird die österreichische Militärführung als etwas unterbelichtet dargestellt. Das war sie aber durchaus nicht. Das Pech der Österreicher war, dass man bei der Modernisierung der Truppenteile mit der Marine begonnen hat, etwas, das sich in der siegreichen Schlacht von Admiral Tegethoff bei Lissa, ebenfalls 1866, zeigte. Die Infanterie sollte als nächste Truppeneinheit modernisiert werden, was aber für den konkreten Konflikt zu spät war.

Ja, auch unsere Nationalmannschaft ist jetzt in wieder in Form, leider etwas zu spät, um bei der WM dabei sein zu können. Wie sich die Dinge wiederholen, wenn auch in ganz anderem – und viel friedlicherem – Gewand.

Das schon seit dem österreichischen Erbfolgekrieg nach dem Tod von Karl VI. erstarkte Preußen hielt nichts von einem Deutschen Kaiser aus Wien und warf Österreich nach Königgrätz vollends aus dem Deutschen Bund. Die Folgen für die weitere europäische Geschichte waren verheerend.

Anschlussgedanke, eine Folge von Königgrätz

Der überall in Europa aufkeimende Nationalismus bekam durch diese Schwächung der österreichischen Erblande eine besonders brisante Komponente, weil man diese ideelle Trennung von Deutschland bis nach dem Zweiten Weltrkieg nicht wahr haben wollte. Die im 19. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum boomenden Burschenschaften hatten in Österreich viele deutschnationale Gruppierungen, die seit diesem Hinauswurf eine eigenständige österreichische Nation ablehnten (und heute immer noch ablehnen), etwas, das es in Deutschland und in der Schweiz in dieser Form nicht gab und nicht gibt und sich seit diesen Tagen in einer Anschlussidee festsetzte.

Hand in Hand mit dem Nationalismus erlebte man in Wien der Gründerzeit einen extremen Fremdenhass und einen extremen Antisemitismus. Der Fremdenhass war deshalb so ausgeprägt, weil die in die Städte strömenden Landflüchter in Wien – anders als in den anderen Metropolen – fremdsprachig waren und daher leicht erkennbar waren, vielleicht so, wie heutige Türken.

Hitlers Wien

Und dieses Biotop war nicht nur die Zündschnur zur Sprengung der Monarchie, sie war auch die Schule eines gewissen Schicklgruber*), der alle diese Ideen bei seinem Weg zur Macht immer im Hinterkopf hatte und nicht gezögert hat, diese Phantasien auch in die Tat umzusetzen.

Während alle anderen Nachfolgestaaten der Monarchie an ihrem neuen Staat bastelten, sehnte man sich in Österreich nach wie vor nach der Situation von vor 1866 als man noch Teil der großen Gemeinschaft der Deutschen Fürstentümer war. Daher nannte man sich nach 1918 auch sofort “Deutschösterreich”, ein Name, der im Vertrag von Saint-Germain 1919 in “Republik Österreich” umgewandelt wurde; mehr noch, in diesem Vertrag wurde auch das Anschlussverbot festgeschrieben. Ein Selbstbestimmungsrecht der Völker wie es damals von US-Präsident Wilson formuliert wurde, fand keine Anwendung.

Sport als Kompesation

Sport war damals noch eine junge Erfindung, aber in dieser Zeit nach dem Ersten Weltkrieg boomte insbesondere der Fußball und es kam zu den ersten Spielen zwischen der frisch geborenen Republik Österreich und den anderen Nachfolgestaaten aber auch mit Deutschland. Die ersten vier Länderspiele gegen Deutschland wurden gewonnen und unter Hugo Meisl wurden in den Dreißigerjahren auch noch zwei Kantersiege mit 6:0 und 5:0 eingefahren. Die Dokumentation in ORF III über Rapid und Austria zeigt, wie es der Fußball geschafft hat, den Arbeitslosenheeren dieser Jahre so etwas wie ein Erfolgerlebnis zu geben.

Wer braucht den Anschluss?

Das Projekt “Anschluss” des Herrn Schicklgruber*) ist gründlich daneben gegangen. Aber der Anschlussgedanke ist bis in die Gegenwart Begleitmusik im politischen Diskurs in Österreich, wobei man es den Anschlussbefürwortern nicht ganz verdenken kann, dieser Idee zu verfallen. Cisleithanien war jahrhundertelang Teil dieses großen Bündnisses und dieses Bündnis wurde nie hegemonial ausgenutzt**) und wurde in Königgrätz dieser Rolle ziemlich abrupt beraubt.

Genaugenommen ist dieser “Anschluss” im Rahmen der EU längst erfolgt und unser sportliche Wettbewerb ist noch als eine historische Erinnerung an längst vergangene Zeiten geblieben. Damit wir noch viele solcher Spiele wie die “Regenschlacht von Klagenfurt” erleben können, sollten wir uns also einen Anschluss gar nicht so sehr wünschen.

Obwohl, als Anhänger von Rapid schaut das ganz anders aus. Wir würden zwar eine ganz andere Nationalmannschaft – eben die deutsche – haben, aber als neues deutsches Bundesland würden ganz andere Gegner für Rapid nach Wien kommen, die Zuschauerzahlen würden rasant steigen, das Weststadion wäre zu klein und die Einnahmen auf dem Niveau von Deutschland. Eine Art grün-weißes Fußball-Paradies! Schalke, Dortmund und Hertha statt Hartberg, Mattersburg und St.Pölten, das hätte was!

Fußball statt Krieg

Die Bedeutung, die Fußball heute hat, ist faszinierend. Man hat das Gefühl, dass wichtige Ereignisse einfach um einen Monat verschoben werden, um die WM nicht zu versäumen. Einen Monat lang werden Termine nach den Spielterminen der WM ausgerichtet, einen Monat lang blickt die ganze Welt in ein ansonsten wenig bekanntes Land. Dieses Spiel bewegt die Massen und wird daher von den Mächtigen gerne instrumentalisiert. Ein Kommentator im Fernsehen brachte es auf den Punkt, dass man Sympathien auch viel billiger haben kann, indem man einfach keine Kriege führt und Länder anektiert. Auch Sanktionen gibt es dann keine.

Der Veranstalter der Fußball-WM investiert große Summen, um sein Image aufzupolieren. Mich würde interessieren, wie viel ihm das Wer wäre, wenn seine Mannschaft zum Beispiel durch die Worte einer Fee Weltmeister werden könnte. Ob er sich dafür aus der Ukraine zurückziehen würde? Keine Ahnung, aber der Sport ist auf einem guten Weg, wichtig genommen zu werden und wer weiß, ob nicht in späteren Jahrhunderten Konflikte auf diese Weise entschieden werden.

Was hat also Königgrätz gebracht? Meine Antwort: zwei Weltkriege und eine kurios einseitige Fußballrivalität, die für einen Deutschen nicht ganz nachvollziehbar ist, weil es für den “Anschluss” dort keine Entsprechung gibt. Klar, das ist sehr vereinfacht und alles ist in Wahrheit sehr kompliziert aber diese Geschichte ist eines von vielen möglichen Bildern, das uns hilft, das heute besser zu verstehen und es versucht, den Anschluss nicht als etwas grundsätzlich Abzulehnendes darzustellen, denn das ist es erst durch die Umsetzung von infantilen Wahnideen geworden. Mit einem Rapidler kann man immer über einen “Anschluss” diskutierten, wie wir gesehen haben, das könnte auch sehr schöne Seiten haben.


*) Der Vater von Adolf Hitler hieß ursprünglich Alois Schicklgruber, nahm aber 1876 den Namen “Hitler” an, eine adaptierte Version des Namens seines Ziehvaters “Hiedler“. Alle Spuren zu diesen Verwandten sollten ausgelöscht werden und daher wurde auch 1938 der größte Truppenübungsplatz Europas im Waldviertel errichtet, genau dort, wo die Gräber der Großeltern gelegen sind, in Döllersheim. Was man sich natürlich fragt, warum ein kleines Land wie Österreich einen so großen Truppenübungsplatz benötigt und nicht nach dem Krieg alles unternommen hat, diese Flächen wieder ihren ursprünglichen Besitzern zurückzugeben. Manchmal frage ich mich auch, ob diese europäische Unglück nicht einfach nur durch diese Umbenennung passieren konnte. Hätte der Name “Schicklgruber” dieselbe Person erzeugt wie die mit dem späteren Namen “Hitler“? Siehe Brigitte Hamann, Hitlers Wien, Piper 1998.

**) Ausgenommen die Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

Bilder

Österreich-Uruguay

2:1 (1:1)

Bester Mann im Spiel war aus österreichischer Sicht die rechte Torstange, die noch vor Seitenwechsel einen weiteren Gegentreffer verhinderte. So stand es aber zur Pause noch 1:1 und der sehr gut geschossene Freistoß von  Louis Schaub machte den Unterschied aus.

Gegen Spielende drängte Uruguay noch auf den Ausgleich aber die Angriffe konnten alle abgewehrt werden.

“Beginn der Franco-Ära”

Es sollte ein lustiger Sager sein, aber Rainer Pariasek war die Tragweite dieses Wortspiels mit dem Zusatz “in Spanien” aus der Sicht eines Spaniers wohl nicht bewusst. Für manche Spanier könnte das eventuell so klingen, als würde jemand in Österreich sagen, dass eine “Hitler-Ära” beginnt. Das passiert halt, wenn man glaubt, immer interessant sein zu müssen.

Spielgeschichte

Es gab zwischen 1954 und 2014 drei Spiele zwischen beiden Ländern und die Bilanz war bisher ausgeglichen: ein Sieg, ein Unentschieden und eine Niederlage.

Uruguay

Man spricht Spanisch in Uruguay. Und ein Paar “Urus” sah man auch im Stadion; sie waren am Rand des Sektors E untergebracht_

Uruguay ist etwa doppelt so groß wie Österreich hat aber nur 3.2 Millionen Einwohner, ist also viel dünner besiedelt. In Uruguay leben 19 Einwohner auf einem km2, in Österreich 105. Bedenkt man dazu noch die gebirgige Struktur von Österreich ist das gefühlte Verhältnis noch gravierender.

Ein Österreicher erwirtschaftet etwa drei Mal soviel wie ein Uruguayaner.

Aber in der Weltrangliste rangiert Uruguay auf Platz 17 und Österreich auf Platz 39. Und Uruguay startet bei der WM und Österreich nicht. Und es war für beide Mannschaften ein Freundschaftsspiel, und Uruguay kam mit einem Spitzestürmer Edinson Cavani, der dann auch seinen Torinstinkt bewiesen hat, indem er den Flankenball gekonnt noch vor dem Zugriff von Heinz Lindner ins Tor geköpfelt hat.

Die sonstigen Spielbeobachter sprachen von einem glücklichen Sieg für Österreich, und da Tore durchaus zufällig fallen, wären auch andere Ergebnisse durch den Spielverlauf argumentierbar gewesen. Die große Bemühung unserer Mannschaft in der zweiten Halbzeit war aber nicht zu übersehen und daher nehmen wir das Torgeschenk des Fußballgottes gerne an. Wahrscheinlich steigen wir in der Weltrangliste wieder etwas nach oben. Das hilft zwar nicht bei einem konkreten Spiel aber doch bei der Zuordnung zu Lostöpfen. Daher müssen wir auch die Freundschaftsspiele mit einer gewissen Ernsthaftigkeit bestreiten. Und im kommenden Frühjahr wird es nur Freundschaftsspiele geben.

Besucherzahl

Die ungefähre Zuschauerzahl können wohl die Kellner in der Luftburg auch ganz ohne Zählung voraussagen. Im vergangenen Oktober mussten wir in der Luftburg im Freien sitzen, aber heute bekamen wir leicht einen Platz. Der Unterschied: im Vorjahr, beim Spiel gegen Wales, kamen 44.000 Zuschauer, heuer nur 12.000. Wer kennt das folgende Bild?

Zur Ehrenrettung der Daheimgebliebenen: die bisher hohen Besucherzahlen waren solche von Qualifikationsspielen. Außerdem werden Spiele der Nationalmannschaft nicht nur von Wienern sondern auch und vielleicht besonders von Fußballfreunden aus den Bundesländern besucht. Der Spieltermin “Dienstag” für ein Freundschaftsspiel ist für alle mit einer weiten Anfahrt eine Herausforderung und kann die geringe Zuschauerzahl entschuldigen.

Dass es ein Motiv für einen Nichtbesuch sein kann, dass Luis Suárez (derzeit Barcelona) nicht mitgespielt hat, zeigt, wie verschieden Zuschauer ticken. Dass jemand wegen des prominenten Gegners kommt und nicht wegen der eigenen Mannschaft, zeigt mangelhafte Achtung der eigenen Leistungsfähigkeit, würde ich sagen, denn das Spiel unserer Mannschaft war respektabel, und der Gegner war ja nicht irgendwer.

Ernst Happel

Dem Umstand, dass dieser 14. November auch der Sterbetag von Ernst Happel ist, wurde Rechnung getragen und die Verdienste dieses große Fußballer wurden in Interviews in Erinnerung gebracht. Seine Enkelin Christine nahm den Ehrenankick vor.

Die Fantribüne zeigte ein Transparent mit dem berühmten Spruch “Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag”.

Wir sind Helden!

Beim Spaziergang vom Prater zum Stadion über die menschenleeren Wege, durch den leicht vernebelten Wald entlang der Liliputbahn …

…fiel mir das groteske Interview des ORF mit HC am Rochusmarkt ein, indem HC meinte, dass man sich nicht mehr trauen könne, zu Fuß von der Innenstadt zur Landstraße zu gehen.

Was sind wir doch für mutige Buschen, wir, die Freunde des Fußballsports; in einer so unsicheren Stadt, wie es das Wien des HC ist! Was für eine Freude, dass wir in Zukunft auf ein noch größeres Polizeiaufgebot bei unserem Lieblingssport zählen können, wenn er dereinst Innenminister sein wird.

Links

Danke, Marcel Koller!

Kritik ja, aber Kündigung?

Wir kritisierten seine Aufstellungen immer wieder, aber kündigen? Dazu gab es keinen Grund. Immerhin zeigte Marcel Koller in den letzten Spielen auch, dass er doch auch Spieler der heimischen Liga ins Team-Boot holen kann; und es wurde ihm (und uns) sogar durch Tore gedankt.

Dass die Ergebnisse im Ausnahme-Jahr 2015 außergewöhnlich gut waren, liegt am einfachen Umstand, dass knappe Spiele auch zufällig gewonnen werden können – umgekehrt natürlich auch. Und in beiden Fällen können die sonstigen Randbedingungen durchaus dieselben sein. Es ist am Ende egal, ob ein Sieg “verdient” war oder eben nur ein Zufall, der auch anders hätte enden können, das ist egal, die Erfolge beflügeln und manchmal machen sie auch überheblich, alles das wurde in Marcels Ära durchlebt.

Vergleich der Trainer seit Erich Hof

Die Ära Marcel Koller war ein Highlight in der wechselvollen Geschichte des österreichischen Fußballs.

Der jährliche Erfolgsverlauf (mittlere Punktezahl pro Jahr) seit Erich Hof zeigt zwei herausragende Jahre: 1996 mit Herbert Prohaska und 2015 mit Marcel Koller.

Spiele von Marcel Koller

Etwa 37 Trainer zählen wir seit dem 12.10.1902, dem ersten Länderspiel der österreichischen Nationalmannschaft. Und Marcel Koller war nicht irgendeiner aus dieser Reihe. Nur Hugo Meisl (132 Spiele, 1913-1937) und Josef Hickersberger (56 Spiele, 1988-2008 aber 2 Perioden) können auf mehr Spiele für Österreich zurückblicken. Marcel Koller coachte 54 Spiele von 15.11.2011 bis 9.10.2017.

[Die 32 “trainerlosen” Spiele in der 8. Zeile betreffen die Zeit bis 1918, in der die Aufzeichnungen des ÖFB lückenhaft sind.]

Erfolg

Gezeigt werden die erspielten Punkte, blau, aber nur bei Trainern Trainer mit mehr als 25 Spielen. Die grünen Balken zeigen eine positive, die roten eine negative Tordifferenz.

Das Team erspielte in diesen Spielen 1,63 Punkte pro Spiel (Fehler in der Grafik) und das ist ein Spitzenwert. Nur Herbert Prohaska (1,65) und Hugo Meisl (1,82) hatten größeren Erfolg. Helmut Senekowitsch mit 1,77 Punkten würde ich wegen der geringen Zahle von Spielen eher nicht in die Wertung aufnehmen. Die letzte Spalte zeigt die mittlere Tordifferenz pro Spiel. Hier sieht man, dass in den frühen Jahren eine größere Überlegenheit gegeben war.

Kündigung per Zufall

Mich erinnert die Kündigung von Marcel Koller an jene von Zoki Barisic. In beiden Fällen ist ein wirklicher Grund nicht ersichtlich. Man orientierte sich an einem punktuellen Höhenflug, den man nicht dankbar angenommen hat, sondern dessen Wiederholung man vorausgesetzt hat.

Die Herren Entscheider verwechselten den Einzelfall mit dem Mittelwert; so wie wir Zuschauer, wenn wir verlorenen Punkten nachtrauern und uns nicht über den erreichten Tabellenplatz (den Erfolgs-Mittelwert) freuen. Der Mittelwert ist ein Größe, die dann ins Spiel kommt, wenn der Zufall Regie führt. Und das ist im Fußball immer der Fall. Was allein wir steuern können, ist die Gewinn-Wahrscheinlichkeit und das sind alle unsere Investitionen in das Team. Ob es dann wirklich zum Sieg reicht, hängt von einer schier unglaublichen Anzahl von Zufällen ab, die in den entscheidenden Momenten sich zu unserem Vorteil ereignen müssen. Und mit jeder weiteren Verbesserung der Rahmenbedingungen steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg, aber nicht mehr.

Zufallserfolge, Zufallsmisserfolge

Wer erinnert sich nicht beim letzten Spiel gegen Moldawien an den energischen Rempler von Kevin Danso im Strafraum, der keine Folgen hatte. Es gibt sicher Schiedsrichter, die hier auf den Elfmeterpunkt gezeigt hätten. Und dass Louis Schaub zufällig an der richtigen Stelle stand und das erlösende 1:0 schoss, nennt die Presse einen “Torriecher”. Sie hätten dasselbe gesagt, wenn Marc Janko seine guten Kopfballchancen verwertet hätte, was aber nicht hatte sein sollen. Und er hat deshalb keineswegs schlecht gespielt. Es hat nur dieses bisschen Etwas gefehlt, das bei knappen Partien so entscheidend sein kann.

Warum war dieser Hugo Meisl so erfolgreich?

Schauen wir uns einmal seinen Erfolgslauf an: Er begann 1919 mit 1,0 Punkten und steigerte sich gleich danach 1920 auf 2,3 Punkte, einen seither nur mehr von ihm selbst 1932, von Marcel Koller 2016 mit 2,4 Punkten und Herbert Prohaska 1996 mit 2,7 Punkten übertroffenen Wert. Aber nach diesem ersten Höhenflug sank die erzielte Punktezahl auf 1,2 im Jahr 1923 ab. Aber niemand hat ihn deshalb gekündigt. Hugo Meisl setze seine Arbeit bis 1937 fort, immer auf hohem Niveau aber auch mit “Hängern”, wie etwa 1,0 Punkten im Jahr 1930 oder 0,8 Punkten im Jahr 1935.

[Wir sollten aber nicht unerwähnt lassen, dass Hugo Meisl seine größten Erfolge gegen die damals besten europäischen Mannschaften erzielt hat.]

Es gibt mit Sir Alex Ferguson auch ein zweites prominentes Beispiel für Kontinuität. 1986-2013, also 28 Jahre lang saß er auf der Bank von Manchester United.

Alle diese weniger glorreichen Jahre eines Hugo Meisl wären in der heutigen Zeit längst ein Kündigungsgrund. Damals, in den Anfängen des Fußballs aber nicht. Und der Lohn war eine Erfolgsgeschichte, an die auch Marcel Koller hätte anknüpfen können.

Den geringsten Erfolg hatte Marcel Koller 2016 mit 1,0 Punkten. Im Jahr 2017 waren es immerhin schon wieder 1,6 Punkte, dennoch musste er gehen. Das muss ihm sein Nachfolger erst einmal nachmachen.

Für mich war Marcel Koller der beste Trainer, den die österreichische Nationalmannschaft seit Herbert Prohaska hatte. Ganz abgesehen von den sehr freundschaftlichen Banden, die er zu seinen Spielern gepflegt hat und die sie ihm unisono zum Abschied bestätigt haben. Was geschieht, wenn man solche Bindungen zerstört, wissen wir als leidgeprüfte Rapidler sehr, sehr gut. Hoffentlich müssen wir diesen Leidensweg nicht mit der österreichischen Nationalmannschaft wiederholen.

Mit Marcel Kollers Kündigung haben wir eine einmalige Chance auf Kontinuität vertan.

Und wir danken Marcel Koller für die außergewöhnliche Zeit!

Alle Spiele mit Marcel Koller

Datum Ergebnis Heim Gegner
2011-11-15 1:2 A Ukraine
2012-02-29 3:1 H Finnland
2012-06-01 3:2 H Ukraine
2012-06-05 0:0 H Rumänien
2012-08-15 2:0 H Türkei
2012-09-11 1:2 H Deutschland
2012-10-12 0:0 A Kazachstan
2012-10-16 4:0 H Kazachstan
2012-11-14 0:3 H Elfenbeinküste
2013-02-06 1:2 A Wales
2013-03-22 6:0 H Färöer
2013-03-26 2:2 A Irland
2013-06-07 2:1 H Schweden
2013-08-14 0:2 H Griechenland
2013-09-06 0:3 A Deutschland
2013-09-10 1:0 H Irland
2013-10-11 1:2 A Schweden
2013-10-15 3:0 A Färöer
2013-11-19 1:0 H USA
2014-03-05 1:1 H Uruguay
2014-05-30 1:1 H Island
2014-06-03 2:1 A Tschechien
2014-09-09 1:1 H Schweden
2014-10-09 2:1 A Moldau
2014-10-12 1:0 H Montenegro
2014-11-15 1:0 H Russland
2014-11-18 1:2 H Brasilien
2015-03-27 5:0 A Liechtenstein
2015-03-31 1:1 H Bosnien
2015-06-14 1:0 A Russland
2015-09-05 1:0 H Moldawien
2015-09-08 4:1 A Schweden
2015-10-09 3:2 A Montenegro
2015-10-12 3:0 H Liechtenstein
2015-11-17 1:2 H Schweiz
2016-03-26 2:1 H Albanien
2016-03-29 1:2 H Türkei
2016-05-31 2:1 H Malta
2016-06-04 0:2 H Niederlande
2016-06-14 0:2 N Ungarn
2016-06-18 0:0 N Portugal
2016-06-22 1:2 N Island
2016-09-05 2:1 A Georgien
2016-10-06 2:2 H Wales
2016-10-09 2:3 A Serbien
2016-11-12 0:1 H Irland
2016-11-15 0:0 H Slowakei
2017-03-24 2:0 H Moldau
2017-03-28 1:1 H Finnland
2017-06-11 1:1 A Irland
2017-09-02 0:1 A Wales
2017-09-05 2:0 H Georgien
2017-10-06 3:2 H Serbien
2017-10-09 1:0 A Moldau

Die Tabellen in interaktiver Form

Österreich-Serbien

3:2 (1:1)

Länderspiele gegen ein Balkanland sind wie Auswärtsspiele, weil alle diese Länder stark national ausgerichtete Communities im Wiener Raum haben. Das war dann auch der Charakter dieses Spiels, das konnte man aber auch schon bei den letzten Spielen gegen Albanien und gegen die Türkei gut beobachten. Es zeigt auch, wie enorm aufnahmefähig der Großraum Wien ist. Serbische Fahnen überall, wenige rot-weiß-rote, wohl auch deshalb, weil man sich die rot-weiß-roten Stiegl-Fahnen beim Eingang mitnehmen hätte müssen und sie nicht – wie bei den anderen Spielen – bereits an den Sitzen im Stadion gesteckt sind.

Beachtliche 42.500 Zuschauer fanden sich im Prater ein. Und wäre es noch um etwas gegangen, wäre das Spiel wohl ausverkauft gewesen. Ausgelassen haben die Österreich-Anhänger. Sie mussten sich für die Choreografie in der Mitte der Kurve C/D zusammenstellen, damit die Zettelchoreografie überhaupt ein Bild ergeben konnte.

Man sieht im Bild, dass die Blöcke links und rechts von der Mitte unbesetzt sind.

Auch der dritte Rang im Sektor C/D war unbesetzt. (Im Bild im Hintergrund zu sehen.) Der Rest des Stadion – so hatte man den Eindruck – war fest in serbischer Hand.

Wir waren denn auch eher zufällig beim Spiel, denn die Eintrittspreise sind schon ziemlich hoch. Müssen es wahrscheinlich auch sein, denn die kolportieren Gehälter des Teamchefs wollen ja auch bezahlt werden. Unser Freund Gregor beteiligte sich an einem Quiz und gewann zwei Karten für das Länderspiel. Leider war er verhindert und hat uns die Karten angeboten. Danke Gregor!

Zwar wurde ein riesiges Polizeiaufgebot beim serbischen (und auch beim österreichischen) Fanblock aufgestellt – wohl wegen der zahlreich gezündeten Fackeln und Böller – aber das Spiel und auch der Abmarsch nach dem Spiel verliefen ohne Zwischenfälle.

Florian und ich waren am Weg zur U3 in der Schlachthausgasse von serbischen Fans eingekreist; aber alles friedlich, geradezu einträchtig. Ich hatte den Eindruck, als hätten die Serben das Spiel als Gelegenheit genutzt, wieder einmal Flagge zu zeigen, um sich danach wieder dem Wiener Alltag zuzuwenden.*)

Aber die Daheimgebliebenen haben sich in ihrer Einschätzung des Spiels getäuscht, denn unsere Mannschaft zeigte Charakter. Und es kann gut sein, dass sie damit für ihren scheidenden Trainer gespielt hat, was in einigen Spielerinterviews der letzen Tage auch angeklungen ist.

Wer ist der Gegner?

Serbien ist von der Fläche und Einwohnerzahl sehr gut mit Österreich vergleichbar. Auch die Entstehung des Staates erinnert an die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als Österreich als Teil eines ursprünglich viel größeren Staatsgebiets sind in einer viel kleineren Version wiederfand. Man hat den Eindruck, als würden die Nachfolgestaaten des früheren Jugoslawien einen Prozess nachholen, den wir schon hinter uns haben.

Das Nationalbewusstsein der Serben ist sehr ausgeprägt, was man an der Stimmung im Stadion sehr gut sehen konnte. Ein Faktor in der Motivation der Spieler, der der österreichischen Nationalmannschaft in dieser Intensität abzugehen scheint.

Manchmal weiß man ja nicht einmal, gegen wen man da spielt, wenn es gegen Serbien geht, weil die Situation am Balkan alles andere als übersichtlich ist. Zum Beispiel sahen wir das Transparent “Banja Luka”. Aber diese Stadt gehört gar nicht zu jenem Serbien, gegen das wir gespielt haben. Banja Luka ist Teil der “Republika Srpska” und die ist wieder ein Teil von Bosnien und Herzegovina.

Interessant ist, dass im serbischen Wappen eine Königskrone dargestellt wird. Ein österreichisches Wappen mit dem Doppeladler wäre ähnlich kurios.

Man schätzt die serbische Minderheit in Österreich auf etwa 170.000, davon 40.000 mit österreichischer Staatsbürgerschaft (2001). Es könnten schon bis zu 30.000 Serben im Stadion gewesen sein. Auch für Serben, die längst schon Österreicher sind, ist im Falle einer solchen Begegnung klar, dass sie zu Serbien halten. Es ist zwar irgenwie irrational aber die Muttersprache und das Leben in einer serbischen Parallelgesellschaft erzeugen tatsächlich eine starke Verbindung zu dem Mutterland, auch wenn der Alltag überwiegend ein österreichischer ist**).

Österreich spielt stark

Besonders in der ersten Halbzeit erspielt sich unser Team Chance um Chance, drückt gerade zu auf das Führungstor – und bekommt durch einen sehr platzierten Schuss – die einzige Chance der Serben bis zu diesem Zeitpunkt – das Gegentor. Fußball, wie er leibt und lebt.

Dann aber der Ausgleich, eingeleitet durch einen langen Pass von Kevin Danso auf Guido Burgstaller, der seinen Sprint geschickt mit einem erfolgreichen Abschluss krönt.

Nach der Pause geht Österreich in Führung. Sehenswerter Pass von Louis Schaub auf Guido Burgstaller, der auf den frei stehenden Marco Arnautovic verlängert.

Leider gleicht Serbien nach einem Corner aus und es schien bei diesem Unentschieden bleiben zu wollen, als wir ein in dieser Form wahrscheinlich nicht geplantes Tor sehen.

Louis Schaub spielt den Ball in den Torraum, offenbar damit rechnend, dass der dort stehende Marco Arnautovic dem Ball die endgültige Richtung geben kann. Auch der gegnerische Tormann bereitet sich auf diese Szene von, doch Marco verfehlt den Ball und der Ball fliegt ohne berührt zu werden für den Tormann unerreichbar ins Tor.

Leistungsträger lassen aus

Die österreichische Nationalmannschaft spielt nicht nur gegen einen starken Gegner, sondern auch gegen dessen stärkeres Zusammengehörigkeitsgefühl. Dass sich bei den Serben gleich vier Leistungsträger “krankheitsbedingt” Urlaub nehmen, kann man sich nicht gut vorstellen.

Man erinnert sich an die Worte von Pepi Hickersberger, dass nicht die “Besten” am Platz gestanden sind sondern die “Richtigen”. Was hätte es auch genutzt, einen Marcel Sabitzer aufzustellen, wenn ihn die Nationalmannschaft nicht interessiert wie er uns schon mehrfach gezeigt hat.

Wer braucht Sabitzer, wenn wir Marco Arnautovic haben, der einen ganz wesentlichen Anteil am Sieg hatte. Einmal, als er das Tor schoss und das andere Mal als er – glücklicherweise – den Ball verfehlt hat. Und noch interessanter ist, dass Marco serbischer Abstammung ist und ganz ähnlich wie meine Mutter**) nicht so recht weiß, wohin er gehört. Aber als Kosmopolit ist ihm das wahrscheinlich ohnehin egal. Fairerweise hat er sich beim Torjubel zurückgehalten.

Abschied von Marcel Koller

Mehrfach wurde während diese Länderspiels daran erinnert, dass es das letzte Heimspiel von Marcel Koller war.

“Du hast Erfolge gebracht und Euphorie entfacht. Danke, Marcel Koller!”

“Danke Marcel!”

“Moneten, Kilometer und Urlaubstage; seit 2012 ist und nichts zu schade. 5 Jahre eine Crew” dazu ein über die Tribüne gezogener PKW.

Ich gebe zu, dass wir seit dem Beginn der Ära Koller viele der Spielernominierungen mit Kopfschütteln quittiert haben. Die sehr erfolgreiche EM-Qualifikation hat aber allen diesen Kritiken den Wind aus den Segeln genommen.

Spieler wurden von Marcel Koller nicht ausgewählt, weil sie gute Leistungen gebracht haben, sondern weil sie bei einem Top-Klub gespielt haben. Das hat immer wieder zur kuriosen Situation geführt, dass Spieler bei der Nationalmannschaft gesetzt waren, obwohl sie bei ihrem Stammverein keine Einsatzminuten bekamen. Die kurioseste Nominierung war die von Max Wöber, zu der Gerhard Niederhuber noch am Transfertag (eher im Scherz) vorausgesagt hat, dass er damit den Platz in der Nationalmannschaft gesichert hat. Und genau so war es dann auch. Dass Max bei Rapid tolle Leistungen geboten hat, beeindruckte Marcel Koller nicht. Er verließ sich weniger auf die eigenen Augen denn auf die der niederländischen Scouts – so hatte man den Eindruck.

Solange das Team gewinnt, sind Kritiker dieser Entscheidungen mundtot. So kam dann auch, was nach weniger spektakulären Resultaten kommen musste, Marcel Koller musste gehen.

Lassen wir aber die Zahlen sprechen. Die folgende Tabelle zeigt alle Trainer der österreichischen Nationalmannschaft mit mehr als 25 Spielen, gereiht nach der Anzahl der Spiele. Die Punktezahl errechnet sich wie (S*3+U)/Spiele.

Teamchef Spiele S U N Punkte
Hugo Meisl 132 70 30 32 1,8
Josef Hickersberger 56 15 16 25 1,1
Marcel Koller 54 24 12 16 1,6
Herbert Prohaska 51 25 9 17 1,6
Leopold Stastny 49 15 16 18 1,2
Walter Nausch 47 21 10 16 1,6
Karl Decker 36 16 3 17 1,4
Hans Krankl 31 10 10 11 1,3
Dietmar Constantini 26 7 4 15 1,0
Helmut Senekowitsch 26 14 4 8 1,8

An der Spitze liegen Hugo Meisl und Helmut Senekowitsch, aber danach kommen schon Marcel Koller, Herbert Prohaska und Walter Nausch.

Man muss fast annehmen, dass die Entscheider über den Verbleib von Marcel Koller sich mehr von der Enttäuschung über die misslungene WM-Qualifikation haben leiten lassen als von objektiven Zahlen.

Dass Spieler – wie die letzten Interviews zeigen – sehr gut mit Marcel zusammengearbeitet haben, zeigt seine menschlichen Qualitäten, die ihn zu einem echten Sir in der Liste der großen Teamchefs des österreichischen Nationalteams haben werden lassen.

Marktwerte der Ära Koller

     Österreich Serbien
2012     94 Mio 169 Mio
2013    109 Mio 207 Mio
2014    106 Mio 209 Mio 
2015    118 Mio 220 Mio
2016     75 Mio 165 Mio

Diese Relation konnte man aber am Spiel nicht ablesen. Serbien dürfte es besser gelingen, ihre Spieler in den großen Ligen zu platzieren. Es wurde von dem beim Spiel anwesenden José Mourinho denn auch ein Serbe und nicht ein Österreicher beobachtet.

Links


*) Favoriten gilt zwar als Türken-Bezirk aber es gibt auch sehr viele Serben und Kroaten hier. An der Ecke Landgutgasse/Laxenburgerstraße gibt es das “La Koliba”, eines von vielen Treffpunkten der serbischen Community. Es ist ein sehr vitales Zentrum, in dem wöchentlich Feste gefeiert werden, dass sich die Tische biegen, inklusive traditioneller Volksmusik. Sehr gemütlich!

**) Dass ich selbst einer Migrantenfamilie entstamme, war mir das ganze Leben nicht wirklich bewusst, weil es nie irgendeinen Anlass gab, das rechtfertigen zu müssen. Erst seit den Auftritten des HC wird mir dieser Umstand so wirklich bewusst, denn ich fühlte und fühle mich durch dessen Aussagen persönlich angegriffen und analysiere daher von Zeit zu Zeit die eigene Familiengeschichte und möchte die verschiedenartigen Bindungen an das Gastland und das Mutterland in meiner Familie schildern:

Meine tschechische Großmutter, um 1900 aus Mähren eingewandert, einem starken Assimilationsdruck ausgesetzt, dem sie sich aber durch ein Leben in der damals sehr starken Tschechischen Minderheit entzog, war wie eine heutige Türkin. Kopftuch, kaum Deutsch sprechend, in einer Parallelgesellschaft lebend aber – und das ist ein wesentlicher Unterschied zu heute – begeisterte Österreicherin, weil sie wusste, welches Land ihre Existenz sichert: Österreich.

Meine Mutter, in der vergleichsweise liberalen Zwischenkriegszeit sozialisiert, lebte in einer tschechisch-nationalen Scheinwelt, vielleicht so ähnlich wie die heutigen Serben (und Türken), die von etwas träumen, dass es hier weder gibt, noch sich das jemand wünscht, dass es das hier geben soll. Eine Art Zerrissensein und nicht wissen, wohin man gehört. Bei einem Länderspiel gegen die Tschechoslowakei war meine Mutter durchaus im “”wigl wolg”, zu wem die halten sollte. Meine Mutter hatte einen Hang zum Tschechisch-Nationalen, das ich nie verstanden haben.

ORF-Ritterspiele

Die Bezeichnung “Turnier” für eine Fußball-Veranstaltung mit mehreren Mannschaften geht schon auf das mittelalterliche Ritterturnier zurück. Auch damals gab es Turnierordnungen und es ging nicht ohne Regeln ab.

Heute, beim Spiel Frankreich-Irland hat uns Michael Roscher über die Gangart bei Ritterturnieren aufgeklärt. Auch sein Kollege Oliver Polzer outete sich vor einigen Tagen bei seinen Kommentaren als Mittelalter-Spezialist.

Beide kommentierten eine Phase des Spiels, bei der ebendieses begann Fahrt aufzunehmen so, indem sie meinten, das Spiel würde jetzt – in Anlehnung an die mittelalterlichen Ritterspiele – mit “offenem Visier” weitergeführt.

Schauen wir uns das einmal an, wie so ein mittelalterlicher Helm ausschaut:

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Diese Abbildung stammt von der Seite avalon-mittelalter.com. Dort kann man einen solchen Helm (100-300,- Euro) oder auch gleich eine ganze Rüstung (2.000-4.000 Euro) kaufen. Links: geschlossen, kampfbereit, Rechts. offen, “Aufwärmphase”.

Die beiden Kontrahenten sind auf dem Pferd aufeinander los geritten, eine Lanze in der Außenhand. Getrennt waren sie durch einen markierten Balken. Man versuchte, sich gegenseitig aus dem Sattel zu stoßen.

Das folgende Bild stammt von einer ZDF-Seite und stellt ein Turniert aus der Zeit Kaiser Maximilians nach.

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Beim linken Ritter sieht man ganz deutlich, dass das Visier herunter geklappt ist. Aber das ist auch “ganz klar”, wie Herbert Prohaska sagen würde, denn wenn die gegnerische Lanze sich zufällig ins offene Visiert verirrt… Aber genau dazu ist ja das Visier da, um das Gesicht zu schützen.

In der “Aufwärmphase” kann also der Ritter sein Visier getrost hochgeklappt haben, um sich und das Pferd mit der schweren Rüstung anzufreunden. Wenn es dann aber ernst wird, wenn also “das Spiel Fahrt aufnimmt”, und beide aufeinander losreiten, dann muss das Visier runter.

Es müsste also richtig lauten: “das Spiel wird mit geschlossenem Visier” weiter geführt.

Aber das soll jetzt nicht heißen, die Kommentare wären schlecht: im Gegenteil. Eine derart große Zahl völlig gleichartiger Ereignisse gleichbleibend interessant zu kommentieren ist eigentlich ein rhetorisches Kunststück, das schon einige Begabung und viel Vorbereitung erfordert.

Links

 

Portugal-Österreich

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Zum Spiel wurde ja ausreichend viel gesagt. Aber bei solchen Auswärtsfahrten ist es eher das Drumherum, was das Ereignis so besonders macht.

Der Anlass

Eigentlich haben wie diese Reise unserem Florian zu verdanken, der heuer seinen 29. Geburtstag feiert und Marcel, der die Idee hatte, ihm diese Reise zu schenken. Das Problem waren aber die Eintrittskarten. Während man für die anderen Österreich-Spiele durchaus noch Karten bekommen hätte, war dieses Samstag-Spiel restlos ausverkauft. Aber Marcel bekam eine Karte im Blindensektor und Florian war sein Begleiter und bekam daher auch eine. Raphaela und ich schauten uns das Spiel in einer kleinen Pizzeria an.

Hier ein Bild vom Tour Montparnasse, ein Geheimtipp für einen unvergleichlichen Panoramablick (vlnr. Raphaela, Marcel, Franz, Florian).

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Die Reise

Marcel ist ein Meister im Planen von Reisen. Aus Kostengründen wählte er einen Flug mit Umsteigen über München, was sich sehr bewährt hat.  Anreisetag Freitag, Quartier beim Flughafen Charles de Gaulle (CDG) in Roissy, Samstag in Paris mit Stadtrundfahrt, Bootsfahrt und Tour Montparnasse, am Abend dann das Spiel und Fahrt nach Roissy. Sonntag Heimreise, Ankunft ca. um 17:00.

Die Unterkunft

Wohnen am Flughafen ist durchaus vorteilhaft. Für die Stadt Roissy dürfte es ein einträgliches Geschäft sein. Nicht weniger als 24 Hotels der unterschiedlichsten Kategorien befinden sich in unmittelbarer Nähe des Flughafens, alle über Shuttlebusse mit den Namen Pink, Silver, Black und Gold zu erreichen. Unsere Unterkunft war eine etwas abseits der Hotels gelegene Appartmenthausanlage “Residhome Roissyvillage”. Unsere Appartments waren eigentlich für eine Familie gedacht, bestanden aus Wohn- und Schlafzimmer mit zwei Fernsehern, alles sehr komfortabel.

Die Verbindung

In die Stadt kommt man mit der RER-B, die auch beim Stade de France in St. Denis vorbeifährt. Diese Schnellbahnverbindungen RER-A bis RER-E verlaufen außerhalb der Stadt wie eine Bahn; die Innenstadt wird untertunnelt; die RERs fahren kreuzungsfrei noch eine Etage unterhalb des bestehenden Metro-Netzes. Eine Fahrt zum Flughafen kostet 10 Euro.

Glück auf unserer Seite

Vielleicht so wie unsere Mannschaft beim Stangenschuss beim Ronaldo-Elfer, waren auch wir vom Glück geradezu verfolgt. An diesem Samstag war Regenwetter angesagt.
Glück 1: Wir waren schon relativ früh in der Stadt und am Vormittag war das Wetter zwar kühl aber noch trocken. Dann fuhren wir zum Tour Montparnasse und auch dort konnten wir das herrliche Panorama trocken genießen. Nach dieser Besichtigung kauften wir uns ein Getränk und es prasselte schon los.
Glück 2: Wir im Trockenen, draußen ein Wolkenbruch.
Unser Plan war, am Nachmittag noch eine Bootsfahrt anzuhängen. Das Wetter hatte auf dieses Abenteuer eine kleine Auswirkung, denn die relativ hohen Boote konnten bei dem bestehenden Seine-Hochwasser nicht um die Notre-Dame herumfahren, weil die Brücken nicht hoch genug waren, daher war die Fahrt etwas abgekürzt.
Glück 3: Bis zum Boarding auf dem Ausflugsschiff hat das Wetter gehalten und während unserer Fahrt prasselte es wieder so richtig herunter. Wir im Trockenen, draußen ein Wolkenbruch.
Das war’s dann aber auch schon mit den Wettereskapaden, danach war das Wetter trocken.
Das Problem war die Heimfahrt, denn laut Fahrplan verkehrt der letzte Zug zum Flughafen um 23:30. Das Spiel endete aber um 22:45 und in einer Dreiviertelstunde ist es nicht möglich, mit der Metro zur Umsteigestation am Gare du Nord zu kommen. Wir schafften es auch erst um 24:00. Aber an diesem Samstag hat – vielleicht auch wegen der Euro – die SNCF einen Zug nach Mitternacht eingeschoben:
Glück 4: Wir waren gerettet und erreichten um ca 1:00 unser Hotel.
An diesem Tag hatten wir Österreicher einfach viel Glück, die Nationalmannschaft und auch wir.

Paris

Paris ist das Schaufenster Frankreichs; zumindest die Arrondissements 1 bis 20, das eigentliche Paris. Es hat dort in den letzten zwei Jahrzehnten eine ähnlich dynamischen Entwicklung gegeben wie auch bei uns. Was uns fasziniert, ist die sehr einheitliche Architektur, die auf Baron Haussmann (um 1850) zurück geht, der nicht nur die Stadt so geplant hat, wie wir sie heute kennen, sondern der auch das typischen Pariser Haus mit dem “Pariser Balkon” gestylt hat, ein Balkon, der eigentlich gar keiner in unserem Sinn ist sondern ein durchgehendes Stilmittel zur Strukturierung der Fassade ist.

Dem Logo der EURO begegnet man überall. Der Eiffelturm war das Zentrum der Fanbegegnungen. Der Turm war mit einem riesigen Fußball dekoriert:

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Was mir aber mehr als diese architektonischen Leckerbissen auffällt, ist der in Straßen- und Stationsnamen eingefrorene französische Chauvinismus ist. Und bei jedem Besuch kommen weitere Dinge dazu, die man vorher noch nicht gekannt hat. Diesmal war es die “Rue de Rivoli“, eine der bekanntesten Straße in der Verlängerung des Louvre mit ihren typischen Arkaden. Der Name geht auf die Schlacht von Rivoli (Bei Verona) zurück, die die Franzosen gegen die Österreicher gewonnen haben und damit ganz Norditalien in ihren Besitz brachten. Aber diese Straße ist nur eine von wirklich vielen dieser kriegerischen Erinnerungen.

Man muss bedenken, dass es sich bei den Napoleonischen Kriegen um eine gesamteuropäische Katastrophe mit über drei Million toten Soldaten und einer Million toter Zivilisten (Quelle) und es mutet eigenartig an, wenn man diese Zeit derart heroisiert. Beispiele für diese Namen: Castiglione, Mondovi, Basano, Arcole, Rivoli, Pyramides, Aboukir, Marengo, Ulm, Austrlitz, Iéna, Eylau, Friedland, Wagram, Bir Hakim uva. Sicher wäre das heutzutage auch nicht mehr möglich, würde man erneut an die Vergabe der Straßennamen herangehen.

Nur kurz währte in Frankreich der Schock über dieses europäische Trauma. Einige Zeit nach 1815 war Paris durch die alliierten Truppen besetzt. Und auf diese Zeit geht ein seltsam unfranzösisches Wort, das “Bistro” zurück, betont auf dem “o”. Es stammt von einem Begriff, den die russischen Soldaten bei der Bestellung in Lokalen verwenden, das russische “bistro” (schnell), das seither in den französischen Wortschatz überging. Bereits 1840 wurde Napoleon durch die Beisetzung im Invalidendom zu einem nationalen Mythos überhöht, das gut in den aufkeimenden Nationalismus dieser Zeit passte. Damit wurden auf einmal alle diese Namen salonfähig und betonen heute das, was man gerne mit “Grande Nation” umschreibt.

Und wir “Schlachtenbummler” werden durch diese Pariser Straßennamen wieder daran erinnert, was diese “Schlachten” eigentlich waren.

Die Menschen

…sind überaus freundlich. Vieles ist disziplinierter als bei uns. Zum Beispiel ist es sehr angenehm aufgefallen, dass alle, die einen Schnellimbiss besuchen, die Reste in die Müllbehälter werfen und die Tabletts zurückstellen; ausnahmslos. Es wird viel mehr bargeldlos bezahlt. Bei kleinsten Imbissbuden kann man mit Bankomatkarte bezahlen.

Die Metro

… ist unübertroffen und viele Kleinigkeiten sind seit Jahrzehnten unverändert. Es macht Spaß, mit der Metro kreuz und quer durch die Stadt zu fahren. Die Metro-Waggons sind schmäler als unsere U-Bahn. Die meisten U-Bahnlinien dürften auf Gummiräder mit horizontal angeordneten Führungsrädern umgestellt sein, die Hälfte der Garnituren ist wie auch unsere neuen Garnituren in Wien mit durchgängigen Waggons ausgerüstet. Manches erscheint uns überorganisiert, zum Beispiel die Sperren an den Ein- und Ausgängen. Es wird ein riesiger technischer Aufwand in Barrieren gesteckt, damit ja niemand ohne gültigen Fahrschein auf den Bahnsteig gelangt. Sowohl beim Eingang als auch beim Ausgang. Man ist fast ein bisschen erleichtert, wieder mit der “barrierefreien” Wiener U-Bahn fahren zu können.

Die Fans

Die Präsenz der Österreichischen Fans im Pariser Straßenbild war so auffällig, dass eine ganze Serie von Bildern davon entstanden ist. Portugiesen waren weniger zu sehen. Alle Begegnungen der Fans untereinander erlebten wir sehr freundschaftlich. In den Bars rund um das Stadion waren Österreicher und Portugiesen friedlich bei einem Bier vereint.

Das auffälligste Fanfoto ist eine Gruppe von Österreichfans auf einem Boot in der Seine:

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Ein Bild von der Aufwärmphase im Stadion “Parc des Princes”:

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Insgesamt vier Kontrollen musste man passieren, um ins Stadion zu gelangen. Die beiden ersten waren Polizeikontrollen, da durften wir auch ohne Ticket noch durch aber bei der dritten musste man dann ein Ticket vorweisen. Raphaela und ich suchten ein “Bistro” mit Fernseher und sahen uns dort das Spiel. In dem winzigen Lokal zählten wir 8 Beschäftigte, die die große Zahl von Fans heldenhaft abgefertigt haben. Vor der einzigen Toilette bauten sich ziemliche Warteschlangen auf.

Französisches Bier scheint nicht besonders verbreitet zu sein; man trinkt das holländische “Heineken”.

Die Preise

Das Preisniveau ist deutlich höher als bei uns. In diesem Lokal in Stadionnähe muss man pro Person mit 30 Euro rechnen (Speise und zwei Getränke).  Im Stadion kostet ein Bier 7,- Euro. Es ist daher kein Wunder, wenn rund um das Stadion viele Straßenverkäufer Bier in Dosen anbieten.

Links

  • Stadionzeitung (Für die ganze EURO)
  • Bilder (Fans in Paris), ca. 90
  • Bilder (Paris), ca. 70
  • Bilder (Spiel, mit Stadionzeitung und Audio-Aufnahmen  von Marcel von der Eröffnungsphase), ca. 40
  • Bilder (Wir), ca. 30

Terrorwarnung mit App

Frankreich sagt Terror über App den Kampf an
Rechtzeitig zum Start der Fußball-EM wird Frühwarnsystem eingeführt
Paris: Ausschau halten nach Terrorismus (Foto: pixelio.de/Rainer Sturm)
Paris: Ausschau halten nach Terrorismus (Foto: pixelio.de/Rainer Sturm)
Paris (pte016/08.06.2016/11:30) – Frankreich rüstet sich für die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft. Dazu hat die Regierung heute, Mittwoch, eine App für Terrorwarnungen veröffentlicht. Die Idee entstand bereits nach den Anschlägen in Paris im November 2015, nun wurde sie rechtzeitig vor Beginn des Turniers in die Tat umgesetzt.
Direkter Link zu der Download-Seite der App

Terror und Überschwemmungen

SAIP

heißt: Système d’alerte et d’information des populations (Bevölkerungswarn- und -informationssystem)

saip

Die App wird gratis in englischer und französischer Sprache angeboten. “Im Fall einer vermuteten terroristischen Attacke” werden Warnungen an die Nutzer ausgesendet, heißt es aus dem französischen Innenministerium. Die Benachrichtigungen sollen innerhalb von 15 Minuten, nachdem der Vorfall behördlich bestätigt wurde, auf dem Display der User erscheinen. Nicht nur vor Terrorismus wird gewarnt, sondern beispielsweise auch vor plötzlich auftretenden Überschwemmungen oder anderen “unvorhergesehenen Ereignissen”.

Die Nutzer müssen der App genehmigen, sie via GPS zu orten – dafür werden die Warnungen aber auch genau auf den Aufenthaltsort der Fußballfans zugeschnitten. Wer nicht selbst ins Stadion geht, kann innerhalb der App acht verschiedene geografische Zonen auf Terrorwarnungen prüfen und so die Sicherheit von Freunden und Familie feststellen.

Immer auf dem neuesten Stand

Neben den genannten Funktionalitäten finden User auch Tipps, wie sie sich in verschiedenen Katastrophenfällen schützen können. Die Regierung hofft, dass die App dazu beiträgt, dass in den sozialen Netzwerken zuverlässige Informationen geteilt werden – und dass die Notfall-Hotlines im Ernstfall nicht überlastet werden. Laut Innenminister Bernard Cazeneuve soll die App “die Öffentlichkeit über das auf dem Laufenden halten, was wir wissen”.