Tag des Autorenfußballs

Der 18. Mai ist der Tag des Autorenfußballs: Fußballgala und Buchpräsentation in Wien

Am 18. Mai 2006 spielte das Österreichische Autorenfußballteam sein erstes internationales Match. Zum elfjährigen Jubiläum am 18. Mai 2017 erscheint die Anthologie Gegen den Ball. Wenn Autoren kicken mit Beiträgen der österreichischen Autorenfußballer und ihrer Gegner. Und zahlreiche Autoren aus Österreich und elf weiteren Ländern kicken und lesen gemeinsam.

Internationale Fuballgala

  • 18. Mai 2017, 15 Uhr
  • Sportplatz Eibesbrunnergasse, 1100 Wien
  • Spiel 1: Wien gegen den Rest der Welt
  • Spiel 2: Vers gegen Prosa
  • Spiel 3: Jung gegen Alt

Buchpräsentation

  • 18. Mai 2017, 19 Uhr
  • Hauptbücherei am Gürtel, Urban-Loritz-Platz 2a, 1070 Wien
  • Club 2×11– die Fußballdiskussion, präsentiert von Büchereien Wien, ballesterer, fairplay Initiative und tipp3
  • Neuerscheinung: Gegen den Ball. Wenn Autoren kicken – Literarische Einblicke in den Fußball.
  • Cover
  • Es lesen: Gerhard Altmann, Clemens Berger, Georg Bydlinski, Christian Futscher, Egyd Gstättner, Wolfgang Ilkerl, Andreas Leikauf, Bernd Leutgeb, Kurt Leutgeb, Rudi Lindorfer, Benedikt Narodoslawsky, Paul Pechmann, Thomas Pöltl, Reinhard Prenn, Gerhard Ruiss, Thomas Schafferer, Ferdinand Schmatz, Stefan Soder (AUT), Daniel Tatarsky (ENG), Falko Hennig (GER), Endre Kukorelly, Péter Zilahy (HUN), Dovi Keich, Amichai Shalev (ISR), Francesco Trento (ITA), Wolfgang Bortlik (SUI), Michal Habaj (SVK), Matjaž Pikalo, Andrej Predin (SVN), Magnus Sjöholm (SWE), Doğu Yücel (TUR).
  • Einleitung: Klaus Zeyringer. Moderation: Elisabeth Auer.
  • Rückfragen, weitere Informationen: thomas.poeltl@wien.gv.at, gr@literaturhaus.at (Gerhard Ruiss), kurt.leutgeb@gmail.com

Buchhinweis

  • Kurt Leutgeb, Thomas Pöltl, Gerhard Ruiss (Hrsg.)
    Gegen den Ball
    Wenn Autoren kicken
  • Broschur, 16 x 24 cm
  • Erscheint am 18. Mai 2017
  • 29,60 €
  • 566 Seiten
  • ISBN: 978-3-903125-13-1
  • Wenn Autoren kicken 

… schreiben sie auch darüber.

„Das Zeitalter der literarischen Manifeste und Autorenkollektive ging vor einem halben Jahrhundert zu Ende. Der Schriftsteller der Gegenwart ist Individualist, Einzelkämpfer. Dennoch fand sich am 18. Mai 2006 eine Mannschaft österreichischer Literaturleute zusammen und kickte gegen ihr Pendant aus Ungarn. Das vorliegende Buch vereinigt Texte, die seither im Umfeld des Österreichischen Autorenfußballteams entstanden sind.

Hymnus, Elegie, Spruch, Gebet, Sonett, verschiedenste weitere Gedichtformen, Brief und E-Mail, Briefwechsel und E-Mailwechsel, SMS, Kurzdrama, Kurzgeschichte, Romanauszug, Reisebericht, Glosse, Kolumne, Interview, Kindergedicht und Kindergeschichte, Essay, Reportage, Rede – kaum ein Genre fehlt. Auch der Cartoon und die Aufstellung, jene archetypische fußballerische Ausprägung der ursprünglichen Literaturform des Katalogs, sind vertreten. Wir legen ein multilinguales, multiperspektivisches, polyphones und polythematisches Lesebuch vor und vielleicht sogar ein Manifest der Vielfalt.“ (Aus dem Vorwort der Herausgeber)

In der Anthologie sind österreichische Schriftsteller in doppelter Fußballmannschaftsstärke vertreten und eben so viele aus elf weiteren Ländern. Die nichtdeutschsprachigen Beiträge sind jeweils im Original und in deutscher Übersetzung abgedruckt.

Die Beiträge stammen …

  • Aus Österreich: Gerhard Altmann, Martin Amanshauser, Austrofred, Silvia Bartl, Clemens Berger, Georg Bydlinski, Helmut Emersberger, Franzobel, Christian Futscher, Egyd Gstättner, Petra Hartlieb, Wolfgang Ilkerl, Heinz Janisch, Willy Kaipel, Christian Kössler, Wolfgang Kühn, Andreas Leikauf, Kurt Leutgeb, Rudi Lindorfer, Jürgen Marschal, Christoph Mauz, Benedikt Narodoslawsky, Paul Pechmann, Thomas Pöltl, Reinhard Prenn, Gerhard Ruiss, Thomas Schafferer, Ferdinand Schmatz, Stefan Soder, Daniel Suckert, Christoph Szalay;
  • Aus Deutschland: Falko Hennig, Michael Kröchert, Eric Niemann, Moritz Rinke, Frank Willmann;
  • Aus England: Daniel Tatarsky;
  • Aus Israel: Dovi Keich, Amichai Shalev;
  • Aus Italien: Carlo D’Amicis, Carlo Grande, Giampaolo Simi, Francesco Trento;
  • Aus Schottland: Doug Johnstone, William Letford;
  • Aus Schweden: Magnus Sjöholm;
  • Aus der Schweiz: Wolfgang Bortlik, Sandra Hughes, Lorenz Langenegger, Bruno Schlatter, Patrick Tschan;
  • Aus der Slowakei: Michal Habaj;
  • Aus Slowenien: Primož Čučnik, Ana Pepelnik, Matjaž Pikalo, Andrej Predin, David Šalamun;
  • Aus der Türkei: Doğu Yücel;
  • Aus Ungarn: László Darvasi, Endre Kukorelly, Péter Zilahy.
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Bayern-Mainz

2:2 (1:2)

Rapidler sind zwar Optimisten aber die Tabellensituation sagt uns, dass es heuer traurig ausschaut mit Auswärtsfahrten – sofern nicht ein Cupwunder passiert.

Was also tun? Beim Merkur einkaufen!

Neulich bekam ich einen kleinen Anhang mit der Rechnung und dort stand etwas von Fußballreisen nach München. Tatsächlich wurde ein Ligaspiel gegen Mainz und das Cupspiel gegen Dortmund inklusive Übernachtung und Karten für Selbstfahrer angeboten. Das Cup-Spiel gegen Dortmund war aber zeitgleich mit einem eventuellen Cup-Halbfinale von Rapid, das ging daher nicht. Aber das Spiel gegen Mainz war am Samstag vor unserem Wiener Derby und das war terminlich möglich. Gebucht! Dazu eine zusätzliche Nacht im Ibis-München-City. Hier die Detailplanung für Fahrt mit Railjet.

04-21 08:30 ab Wien Hbf.
04-21 12:37 an München
      13:00 Check-In im Hotel Ibis-City
      14:00 Kartenabholung Marienplatz
      14:30 Sea Live
      15:00 Curry-Wurst
      15:30 Fahrt durch des Olympiapark
      16:00 BMW Welt 
      17:00 Hofbräuhaus
04-22 08:00 Frühstück
      09:40 Stadtrundfahrt Grey Line
      10:40 Stadtspaziergang
      13:00 Sandwich+Bier im Ibis-Hotel
      13:30 Abfahrt S3, U6
      13:30 Bayern München-Mainz 2:2 (1:2)
      18:00 Mac im Bahnhof
      20:00 Zirkus Krone, Comedy Enissa Amani
04-23 08:00 Frühstück
04-23 09:28 ab München
      13:30 an Wien Hbf.
      14:00 zu Hause
      14:30 ab Wien Hbf.
      15:00 an Hütteldorf
      16:30 Rapid-Austria

Sollten wir also heuer mit Rapid nirgendwo mehr hinfahren können, haben wir unsere VIP-Reise schon absolviert, mit einigen interessanten Beobachtungen.

München – Wien

Es sind fast Schwersterstädte, jeweils Hauptstadt eines etwa ähnlich großen Landes. Ähnliche Größe sowohl nach Fläche als auch nach Bevölkerung.

Dennoch gibt es städtebauliche Unterschiede, die vor allem durch die Topografie bedingt sind. In Wien sind die verbauten Gebiete aufgrund des bergigen Umfeldes stärker konzentriert, während sich die Stadt München großzügiger im flachen Land ausbreiten kann.

Wir wohnen in der nach dem Architekten der Innenstadt, dem Herrn Sicardsburg, benannten Gasse. Er hätte sich die „Münchner Lösung“ anschauen sollen. Auch dort ist die alte Stadtmauer geschleift worden, aber es ist dennoch sehr gut gelungen, alte Stadttore zu erhalten, wodurch der Besucher einen guten Eindruck von der mittelalterlichen Anlage hat, während in Wien alle Stadtmauern und Raveline vollständig zerstört wurden.

Das Stadtzentrum in Wien ist ein eher exklusiver Ort, während es in München ein eher eine Einkaufsmeile für alle ist.

Hauptbahnhof

Der Bahnhof vermittelt einen ersten Eindruck von der Stadt.

Der Wiener Hauptbahnhof hat 12 Gleise, jener in München 32. Während in Wien die ersten Lokale in den weniger frequentierten Zonen bereits geschossen worden sind, erfreuen sich in München auch Geschäfte in den Seitengängen großer Beliebtheit.

Der Münchner Hauptbahnhof ist ein riesiger Verkehrsknoten, der auch symbolisch für den dortigen Wirtschaftraum steht. Diese Wirtschaft ist der Motor für den Lokalmatador Bayern München. An Spieltagen steht die Stadt ganz im Zeichen der Fußballs.

Wenn wir uns in Wien Richtung Hütteldorf in Bewegung setzen und wenn wir dabei jemandem begegnen, dann wird unsere Unternehmung etwas belächelt. In Wien zählt man als Anhänger eines Fußballvereins zu einer eher wenig ernst genommenen Minderheit. Manche Presseberichte tun ihr Übriges, um auch eventuelle Interessenten endgültig abzuschrecken.

Das ist in Deutschland entschieden anders. Wenn die Bundesliga in einer deutschen Stadt gastiert, herrscht Ausnahmezustand. Egal ob Stadionbesucher oder nicht, die Stadt steht hinter diesem Ereignis. Ein Fußballspiel ist ein wirtschaftliches und gesellschaftliches Highlight, dem Vorrang eingeräumt wird.

Hofbräuhaus

Das Hofbräuhaus nennt sich „das wohl bekannteste Wirtshaus der Welt“. Und wenn man sich nicht in einer Randzeit einfindet, ist die Suche nach einem Sitzplatz schwierig.

Das Münchner Bier ist gut, aber es unterscheidet sich nicht besonders von anderen Bieren. Es ist die geniale Art der Vermarktung, die diesen Kundenansturm bewirkt. Biergenuss wird in München wie der Fußball ganz groß geschrieben.

Während das Hofbräuhaus aus allen Nähten platzt, findet man im Gasthaus gegenüber, welches ebenfalls hervorragendes Bier ausschenkt, bequem Platz und ziemlich gleichwertige Kulinarik.

Es ist nicht das Produkt, es ist seine Vermarktung, die den Unterschied ausmacht.

Eine Kuriosität im Hofbräuhaus sind die mit Schlössen abgesicherten persönlichen Bierkrüge.

Allianz Arena

Die wirtschaftliche Dominanz des Fußballvereins Bayern München hat seinen Stadtrivalen 1860 in die wirtschaftliche und sportliche Bedeutungslosigkeit verdrängt.

Aber auch im Vergleich mit den anderen deutschen Vereinen spielt München in einer eigenen Liga.

Ein Vergleich zwischen Rapid und Bayern München ergibt ziemliche Unterschiede auf allen Fronten. Aber als Gast unter diesen 75.000 Zuschauern kommt man nicht um Vergleiche herum.

In der Allianz-Arena sind fast vier Mal so viele Zuschauer wie in Hütteldorf. Es ist aber nicht einfach alles vier Mal so groß.

Die Fanblöcke erscheinen nur etwa gleich groß. Der VIP-Bereich ist etwa doppelt so groß und zwar in erster Linie die Zahl der Sky-Boxen.

Der Unterschied besteht im Wesentlichen in der riesigen Menge an Eventpublikum. Und diese große Anzahl von Besuchern relativiert alles. Die Bedeutung der Fankurve ist bei den Bayern viel geringer. Und auch die Fadesse des VIP-Bereichs fällt in München nicht so ins Gewicht.

Wenn also der Fanblock bei Rapid auffällig viel Gewicht hat, dann liegt das an den Relationen der verschiedenen Stadionbereiche. Verglichen mit der Allianz Arena hat das Allianz Stadion einen riesigen Fanblock und auch einen riesigen VIP-Bereich.

Unser Block-West kann sich mit den Darbietungen der bayrischen Fanszene durchaus messen und schneidet in praktisch allen Belangen besser ab. Wenn man allein die Begrüßung der Mannschaft vor einem Spiel vergleicht, ist das in München eine eher matte Angelegenheit.

Außer den in Deutschland üblichen Fahnenschwingern gibt es keine nennenswerte Choreografie.

Die Anteilnahme der Zuschauer in unserem Sitzbereich war ernüchternd gering bis nicht vorhanden.

Stadionsprecher

Als ich vor 50 Jahren erstmals nach München kam, erstaunte mich, dass es vereinzelt Menschen gab, die nicht bairisch also „Norddeutsch“ gesprochen haben; in Wien war das damals eher unbekannt. Heute hatte ich den Eindruck als hätte sich dieses Verhältnis umgedreht; man hört vereinzelt bairische Mundart.

Dass man sich in München keinen Stadionsprecher mit ortsüblichem Idiom leistet, finde ich sehr betrüblich. Der dortige Sprecher ähnelt jenem in Salzburg. Ziemlich unpersönlich, ohne besonderen Bezug zum Fan, reines Marketing-Deutsch; eine Art „Markt-Schreier“ wie da einmal Alfred Körner von Andy Marek behautet hat. Alfred kannte aber die deutschen Stadionsprecher nicht, denn dann wüsste er, was wir an diesem Andy Marek haben.

Es werden lustlos ein paar Bayern-München-Hymnen „…Stern des Südens…“ abgespielt. Mitsingen tut niemand.

Fanblock Mainz

Dem jeweiligen Auswärtsteam stehen 10% der Sitzplätze zur Verfügung. Das wären in München 7.500. Aber so viel Mainz-Fans waren nicht mitgereist. Vielleich hat man 1.000-2.000 Mainz-Fans gesehen. Bei einem Spiel gegen Dortmund wird wohl die Aufteilung eine andere sein.

Jedenfalls dürfte es in München so sein, dass man die Größe des Auswärts-Blocks der Anzahl der angeforderten Plätze anpasst. Es wird wohl in München wegen der drei Ränge einfacher sein.

Von dieser Vorgangsweise könnte man sich bei Rapid etwas abschauen. Da nur eine der Gastmannschaften (Sturm) den kompletten Auswärtsblock füllt, wäre eine flexiblere Handhabung dieser Zone wünschenswert.

An- und Abreise

Die Verbindung mit der U6 nach Fröttmaning ist perfekt. Das Verhalten der Fans ist sehr diszipliniert. Wir kennen ja die Staus nach einem Heimspiel vor dem Bahnhofsgebäude in Hütteldorf. Das gibt es in München nicht. Wir setzten uns nach dem Spiel mit dem riesigen Strom der Besucher Richtung U-Bahn in Bewegung. Ohne irgend einen Stau landeten wir am Bahnsteig und die nächste U-Bahn war unsere. Kein Gedränge. Kaum zu glauben.

Marketing

Rapid wird gerne als Marketing-Verein beschrieben. Es würde nicht mehr auf den Fußball geachtet, alles drehe sich nur ums Gelverdienen. Aber das ist alles gar nichts gegen die Marketing-Maschine Bayern-München. Diese Dimension ist für Rapid kein Ziel, weil dazu das Stadion und die Kunden fehlen. Aber dass man die Marke und das Stadion vermarkten muss, ist doch irgendwie die Hausaufgabe der Abteilung Wirtschaft. Dass man immer wieder Vorwürfe darüber hört, dass Rapid sich Zuviel um das Vermarkten kümmere, das zeigt eher von einem nicht vorhandenen Verständnis für Wirtschaft. Allein die Kosten der unglücklichen Entscheidungen des letzten Jahres können einen weniger gut aufgestellten Verein in den finanziellen oder sportlichen Ruin treiben. Nur durch die solide finanzielle Basis kann Rapid das aushalten. Marketing spielt nicht Fußball aber es bringt das für den Fußball erforderliche Geld.

Merchandising

Das Angebot von Fan-Artikeln im Rapid-Fanshop kann sich mit dem Angebot in einem Fanshop der Bayern nicht nur messen; es übertrifft diesen an Kreativität bei Weitem.

Kosten

Unsere Reise war wie eine VIP-Reise von Rapid, auch die Kosten waren etwa in dieser Größenordnung. 580,- € pro Person (200 € Bahn, 220 € Übernachtung + Eintrittskarte, 60 € Zusatznacht, 100 € Kabarett+Sea Live+Stadtrundfahrt).

Keine Karten

Jeder, der ein Produkt verkauft, möchte, dass sein Produkt begehrt ist. Bei Fußball bedeutet das ein immer ausverkauftes Stadion. Das geschieht auch in München nicht von allein. Auch wenn es im allgemeinen Kartenverkauf keine Karten gibt, ist es doch erstaunlich, wie einfach man über Merkur Plätze in der Allianz Arena kaufen kann. Man hat den Eindruck, dass feste Kontingente an Reisebüros verkauft werden, die den Weg in den offenen Kartenverkauf nicht finden. Ein gewisser Teil der Plätze in der Allianz Arena wird daher an Fußballreisende verkauft, indem die Synergie zwischen Reiseveranstalter, Hotellerie und Fußball genutzt wird.

Vielleicht wäre es auch für Rapid eine Option, einmal probeweise ein „Fußballwochenende in Wien“ über Reisebüros anzubieten.

Fazit

Wer keinen „reichen Onkel“ hat, muss seine Arbeit populär machen und diese Popularität vermarkten. Alle Fußballvereine ohne „reichen Onkel“ tun das. Wenn sie das nicht tun, fallen sie in die Bedeutungslosigkeit einer Unterliga zurück. (1860 München, Vienna). Vor einem solchen Schicksal sind auch große Namen nicht sicher und wer weiß, was passiert wäre, hätte Rapid die Folgen des letzten Jahres ohne die gleichzeitig stabile finanzielle Situation zu tragen gehabt. So ein Konkurs ist schneller da als man denkt. Und ein großer Verein ist dafür viel anfälliger wie ein kleiner, speziell mit der Schuldenlast eines Stadionneubaus.

Welche Dimensionen Vermarktung annimmt, studiert man am besten in München. Egal, ob am Hauptbahnhof, im Hofbräuhaus oder in der Allianz Arena. Die Produkte Reisen, Bier und Fußball sind überall dieselben aber in München wird vorgezeigt, was man alles aus solchen Produkten herausholen kann. Die Zielgruppe ist nicht München oder Bayern sondern die ganze Welt.

Hinter Bayern München steht nicht allein ein Block von enthusiastischen 8.000 Ultra-Fans, hinter Bayern München steht eine wirtschaftlich ungemein erfolgreiche Region. Rapid ist bekannt für die Stimmung seiner Fans im Stadion. Bayern ist bekannt für die Vermarktung seines Namens. Nicht, dass Rapid diese Dimensionen von Bayern (260.000 Mitglieder) erreichen könnte, dazu ist der Stellenwert des Fußballs in Österreich zu gering – aber dass es Rapid auf ein Vielfaches seiner derzeit 16.000 Mitglieder bringen könnte, das sollte ein unbedingtes Ziel sein.

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Historikertreffen

In unregelmäßigen Abständen finden im Haus der Bundesliga Treffen von Fußballhistorikern statt.

Ich wurde etwa vor zwei Jahren von Herwig Gatterwe, Fanklubleiter von Grün/Weiß Nagelberg und Fußball-Chronist zu dieser Runde eingeladen. Herwig führt schon seit den 1960er Jahren genaue Aufzeichnungen über Spiele der obersten Spielklassen und der Nationalmannschaft und arbeitet mit einigen anderen Spezialisten  an einer gemeinsamen Fußballdatenbank der Bundesliga, zum Beispiel auch mit Gerald Pichler, der  Euch als Datenpfleger des Rapid-Archivs bekannt ist.

Neu: Fußballbibliothek

Thomas Pöltl stellte die Erste österreichische Fußballbibliothek der Büchereien Wien vor. Spezialisierte Standorte sind die Bücherei Philadelphiabrücke (500), Hauptbücherei am Gürtel (700), Bücherei der Raritäten (500), Bücherei Liesing (300). (In Klammer die ungefähre Anzahl der Fußballtitel.)

Thomas fährt per Fahrrad durch die Stadt aber nicht, ohne auch gleichzeitig Werbung für sein Projekt zu machen.

Hier ist der Bericht von Uwe Mauch aus dem Kurier vom 3. März 2017 „Der Fußballer und seine Fußballbibliothek“.

Neues Ligaformat

Ein spannender Tagesordnungpunkt über das neue Ligaformat ab 2018/19 wurde von David Reisenauer (Bundesliga) vorgetragen. Es gibt ja dazu zahlreiche Meinungen, die in andere Richtungen als die gerade beschlossene gehen aber David hat uns deutlich gemacht, dass diese Entscheidung auf einer breiten Grundlage alles Beteiligten (auch der Bundesligavereine) getroffen wurde und ihr eine gründliche und fundierte Evaluierung vorangegangen ist.

Ein wichtiges Motiv für das neue Ligaformat ist der Wunsch, das Interesse am Besuch der Stadien durch eine größere Anzahl spannender Spitzenspiele zu heben.

Ein weiteres Motiv sind die Finanzierungsschwierigkeiten von derzeit 20 Profivereinen, die durch die neue zweite Leistungsstufe (der Name für die neue zweite Leistungsstufe wird noch gesucht) als eine Mischform aus Profi- und Amateurelementen abgemildert werden. Durch Anreizsysteme soll das Ausstattungsniveau der Stadien erhöht werden.

Die österreichische Bundesliga folgt damit einer Reihe anderer Ligen, die alle bereits das Format in die Form einer zweistufigen Top-Liga geändert haben. Diese Länder sind: Schottland, Belgien, Dänemark, Polen, Ukraine, Griechenland, Cypern, Serbien, Bulgarien, Rumänien. Andere, etwa die Schweiz und die Tschechoslowakei dürften folgen.

Dass in Österreich 12 und nicht – wie in Dänemark – 14 Vereine in der obersten Liga sind, liegt an der Unterausstattung der österreichischen Vereine mit geeigneten Stadien.

Österreichisches Fußballmuseum

Weil der Autor zu den fußballhistorischen Fragen nicht viel beitragen kann (die Daten unserer Statistikseite sind Kopien des Rapid-Archivs), wurde er beauftragt, „Sondierungsarbeiten“ für ein zukünftiges Fußballmuseum zu beginnen. Schau ma amoi. 

Ohne Rapid geht nix

Dass sich in diesen Tagen Fußballinteressierte treffen und nicht über Rapid sprechen, das gibt es praktisch nicht. Über alle Klubgrenzen hinweg wird über Fehler der Vergangenheit und über Zukunftsszenarien diskutiert. Der Tenor ist, dass Rapid schließlich doch nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird. (Vielleicht will man zu den anwesenden Rapidlern einfach nur nett sein.) Wie die Stadien der Erste Liga mit einem eventuellen Fanansturm aus Wien zurecht kommen würden, will man eigentlich gar nicht ernstlich überlegen. Eines ist jedenfalls sicher: sollte doch das Unaussprechliche passieren, wird deshalb die Liga auch nicht vorzeitig aufgestockt.

Wenn Autoren Kicken

Einladung zum Fußballmatch der Autoren (15:00) Eibesbrunnergasse und zur Buchpräsentation (19:00) in der Hauptbibliothek am 18. Mai.

Wir freuen uns auf das nächste Treffen im Juni in den Räumen der Bücherei der Raritäten.

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Was, wenn alles nur ein Zufall ist?

Sieben sieglose Spiele in Serie sollen Zufall sein? Das steckt sicher mehr dahinter, vielleicht sogar eine Verschwörung, oder?

Betrachtet man das folgende Bild, vermisst man jede Regelmäßigkeit. Kritzeleien oder Brown’sche Molekularbewegung? Chaos pur! Was ist es?

Bevor wir ins Detail gehen, hier zwei sehr grundlegende Experimente aus der Psychologie:

Menschen verstehen Zufall nicht

Wenn man jemanden die Aufgabe gibt, 100 zufällige Zahlen in einem bestimmten Bereich, etwa von 1..10 oder auch nur 100 Ergebnisse eines Münzwurfs 0..1 zu notieren, dann ist das vordergründig eine einfache Sache und das Problem scheinbar in wenigen Minuten gelöst.

Lässt man aber dasselbe durch einen wirklichen Zufallsprozess erledigen, ist man verblüfft, dass dessen Zahlen ganz anders ausschauen als die von der menschlichen Versuchsperson.

Zum Beispiel scheut sich der Mensch anzunehmen, dass es zufällig wäre, wenn mehrmals hintereinander derselbe Zahlenwert oder beim Münzwurf mehrfach hintereinander „Kopf“ kommt. Der Mensch vermutet hinter Zufall immer etwas wie Abwechslung. Des Menschen Problem ist sein Gedächtnis. Mensch meint, dass die zufällige Wahl der Zahl sechs zur Folge hat, dass diese Zahl beim nächsten Versuch nicht mehr infrage kommt und er nennt danach (zum Beispiel) 9, aber nicht 7 (weil es zu nah an 6 ist) oder 3 (weil 3 die Hälfte von 6 ist und daher zu „verwandt“).

Zufall kennt solche Vorurteile nicht. Ein (echter) Zufallsprozess kennt keinen Zusammenhang zwischen aufeinanderfolgenden Münzwürfen oder zwei aufeinanderfolgenden Ziehungen im Lotto.

Kurz: Mensch weiß nicht intuitiv, was Zufall ist.

Das hat übrigens auch Konsequenzen bei der Auswahl der Pin-Nummer beim Bankomaten. Erinnere Dich an Deine Nummer und eventuell auch an Deine früheren Nummern. Es war sicher keine 3333 oder etwa ähnlich Regelmäßiges dabei. Für einen Zufallsprozess ist aber die Zahl 3333 genau so „schön“ wie 1438. Banken vermeiden Pin-Nummer mit sich wiederholenden Zahlen und bieten sie uns gleich gar nicht an.

Für die Zahl ist das ziemlich ungerecht.

Aber beim Ausprobieren von Pinnummer beginnt ein Angreifer mit der Vermutung, dass man ein dieser „schönen“ Kombinationen gewählt hätte, die man sich einfach merken kann. Der Angreifer nimmt also intuitiv an, dass Menschen dazu neigen, regelmäßige Pinnummern oder Passwörter zu verwenden.

Mensch vermutet immer Zusammenhänge

…auch wo keine sind.

Das zugehörige Experiment könnte man an jedem einarmigen Banditen nachstellen. Auf einem Bildschirm erscheinen Zahlen. Der Proband bekommt zwei Taster und er soll durch Betätigung der Taster herausfinden, was er machen muss, dass die Zahlen am Bildschirm einen möglichst hohen Wert haben. Das Ergebnis: alle Testpersonen ermitteln einen Algorithmus, also etwa zwei Mal links und ein Mal rechts klicken; oder linke Taste gedrückt halten und dazu zwei Mal rechts klicken usw.

Das Verblüffende: Es gibt keinerlei Verbindung zwischen den Tastern und dem Bildschirm. Aber dennoch meinen die Testpersonen, einen Zusammenhang gefunden zu haben.

Nun, man hat die Testpersonen mit dem klaren Auftrag in die Irre geleitet aber ist es dennoch nicht sonderbar? Man könnte einwenden, dass es eben an diesem kleinen Schwindel gelegen habe, dass es dazu kommt.

Das ist aber nicht so, denn das Experiment funktioniert auch mit Tauben und zwar ganz ohne besondere Anweisung. Es gibt eine Futteranordnung bestehend aus einem zufällig Futter ausstreuendem Automaten und einigen belanglosen Utensilien, sagen wir ein Glöckchen oder einen Spiegel. Vor dieses Szenario setzt man die Taube und deckt die Versuchsanordnung ab, damit man nicht auf die Idee kommt, der Mensch mische sich ein.

Wenn man nach einiger Zeit das Tuch wegnimmt, sieht man eine Taube, die ganz regelmäßig irgendwelche Handlungen immer und immer wieder ausführt. Jede Taube vollführt andere Kunststücke und meint damit herausgefunden zu haben, wann der Automat Futter ausspuckt.

Aber wie schon vorher beim Menschen, gibt es keinen Zusammenhang. Die Taube hat ein Ritual „erfunden“ mit dem sie meint, den Automaten zur Herausgabe von Futter zu bewegen.

Was bedeutet das für den Fußball?

Denken wir uns einmal weg, dass wir alle diese letzten sieben Spiele mit eigenen Augen gesehen haben und schauen wir nur auf das Ergebnis. Es ist kein Sieg dabei aber vier Niederlagen und drei Unentschieden. Aus der Sicht eines zufälligen Münzwurfs mit einer dreiseitigen Münze ist das überhaupt keine Besonderheit. Das kann schon einmal passieren.

Aber Rapid ist doch eine so tolle Mannschaft und investiert so viel!

Ja, aber mit all diesen Dingen erhöhen wir nur Wahrscheinlichkeiten, bekommen aber keine Sicherheit.

Fragt einmal die immer schon viel besser gewesenen Legenden, wie das damals war, damals vor 60 Jahren. Sie erzählten übereinstimmend, dass man damals alles gewonnen hätte, dann ergänzen sie „fast“. Es ist so, als würden die Großeltern „von der guten alten Zeit“ erzählen. Auf die naive Frage, warum man denn dann nicht jedes Jahr Meister geworden ist, wissen sie dann auch keine Antwort. Der Grund sind eben diese verdammten Wahrscheinlichkeiten, die Gegner und der Umstand, dass es eben doch menschlich ist, dass es nicht jahrein jahraus immer gleich gut läuft, auch in der guten alten Zeit nicht. Aber der verklärte Blick zurück und die Erwartungshaltung der Zuschauer erheben die Vergangenheit auf ein nie dagewesenes Podest.

Dass also Rapid sieben Mal hintereinander nicht gewonnen hat (und es kann durchaus noch mehr werden, der Zufall hätte nichts dagegen), das gab’s schon einmal in den 1970er Jahren und danach gab’s sieben Siege in Folge. Wahrscheinlich hat man sich damals dieselben Fragen gestellt aber gekündigt hat man den Trainer damals nicht. Gekündigt hat man Peter Schöttel, ob es richtig war, weiß niemand.

Der Mensch weigert sich, den Zufall anzuerkennen

Wenn wir ein Fußballspiel verfolgen, können wir jede Szene ganz genau beschreiben und wissen ganz genau, warum etwas passiert ist oder nicht passiert ist. Wir weisen Spielern Schuld zu, dass sie diesen oder jenen Fehlpass gegeben hätte, dem Trainer, warum er diesen oder jenen Spieler nicht getauscht hätte.

Trainer und Spieler arbeiten zwischen den Spielen hart und daher ist es wenig verwunderlich, wenn sowohl Damir Canadi als auch Fredy Bickel bei verschiedenen Interviews geneigt sind, Zufälligkeiten nicht gelten zu lassen. Zu sehr sind sie mit ihrem Handwerk verwachsen, als dass sie akzeptieren könnten, dass es nicht sie sind, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Sie können immer nur Wahrscheinlichkeiten erhöhen aber niemand kann verhindern, dass das Tor manchmal doch zu wenig breit und zu wenig hoch ist.

Kleine Ursachen, große Wirkungen

Doch, bei einem – sehr weisen – Interview bat Fredy Bickel die Zuhörer doch nur theoretisch anzunehmen, was passiert wäre, wenn die Nachspielzeit beim ersten Spiel im heutigen Jahr, dem Derby, nur vier statt fünf Minuten gewesen wäre. Nicht, dass jemand von uns weiß, wie sich die Saison danach im Einzelfall entwickelt hätte, aber die Anwesenden beim Stammtisch waren sich ziemlich einig, dass alles ganz anders gelaufen wäre und wir heute mit ganz anderem Selbstvertrauen in die Spiele gegen St.Pölten gehen könnten.

Wir sind damit schon wieder einmal bei der Chaostheorie angelangt. „Kleine Ursachen, große Wirkungen“.

Fußball ist nicht ergodisch

Ergodizität bedeutet die Gleichheit von Zeit- und Scharmittelwert.

Jede Fußball-Saison wird in einer zeitlichen Folge gespielt. Es liegt in der Natur der Sache, dass wir die 36 Spiele einer Saison nicht gleichzeitig spielen können. Das hat wieder zu Folge, dass alle Randbedingungen jedes Spiels andere sind und es ist nicht immer Rapid, wenn auch „Rapid“ draufsteht. Dazu kommt, dass aufeinanderfolgende Spiele nie ganz unabhängig sind, was aber beim realen Zufall nicht so ist. Für den reinen Zufall gibt es das vorige Spiel nicht und jedes Spiel wäre von allen anderen unabhängig.

Nehmen wir an,…

…wir könnten eine Mannschaft klonen und hätten dann zwei völlig identische Teams. Jetzt ließen wir diese gleich starken Teams gegeneinander spielen. Was meint ihr, was das Ergebnis sein wird? Ein Unentschieden? Vielleicht zufällig, ja aber es wird sich von den sonstigen Spielergebnissen praktisch gar nicht unterscheiden lassen. Einer gewinnt, der andere verliert; manchmal gibts es ein Unentschieden.

Könnten wir eine Mannschaft neun Mal klonen und würden wir mit diesen identischen Mannschaften eine Meisterschaft spielen, dann hätten wir am Saisonende einen Meister und einen Absteiger und das, obwohl wir die Spieler geklont haben.

Mehr noch. Wenn wir zehn (nicht geklonte) Mannschaften nach ihrer Stärke reihen und dann eine Meisterschaft spielen lassen. Glaubt nicht, dass die stärkste Mannschaft in jeder Saison Meister wird. Das liegt am Zufall und der gleichzeitig geringen Anzahl von 36 Spielen, die jede Mannschaft absolviert, die natürlich nicht – wie wir schmerzhaft in den letzten Wochen erfahren mussten – immer so ausgehen, dass der Stärkere gewinnt.

Dass sich unser Trainer so gegen de Zufall stellt, ehrt ihn. Denn er sagt, dass es nur an seiner Arbeit läge, ob das Team gewinnt. Er kommt damit aber allmählich in einen Erklärungsnotstand und diese Zeilen sollen ihn unterstützen – ein bisschen wenigstens.

Ein Spiel dauert 90 Minuten, eine Saison 36 Runden.

Das genau sind die Gründe, warum wir es nicht zulassen können, dass sich der Zufall so richtig entfalten kann.

Hätten wir beliebig lange Zeit für ein Spiel oder für eine Saison, könnte uns eine zufällige Krise ganz egal sein, so, wie uns egal sein könnte, dass wir nach 90 Minuten hinten liegen oder dass Schiedsrichterentscheidungen zu unseren Ungunsten gefallen sind. Hätten wir länger Zeit, wir müssten uns keine Sorgen darüber machen, wer schließlich gewinnt. Rapid natürlich!

Die zeitlichen Beschränkungen des Spiels und der Saison bedeutet, dass wir nicht genug Zeit haben, um die Wirkung ambitionierter Konzepte abwarten zu können. Die Leistungskurve zeigt dramatisch nach unten und nur der Zufall kann Damir retten, so wie er ihn und uns da hineinmanövriert hat. Denn es kann durchaus sein, dass im Prinzip alles richtig gemacht wurde, es aber dennoch nicht zum unmittelbaren Erfolg kommt. Zufall kennt keine Gründe, denn sonst wäre es keiner.

Der Zufall im Detail

Beobachtet einmal, Mikroszenen in einem Fußballspiel. Wie es da oft durch Unvorhersagbares dazu kommt, dass sich eine Situation zum Vorteil des gegnerischen Teams entwickelt, obwohl die eigene Absicht eine ganz andere war. Niemand kann diese Dinge in einem Training vorwegnehmen, sie passieren einfach. Auch Berisha kann seinen Freistoß nur in einem kleinen Teil von Schussversuchen in dieser Präzision wiederholen.

Wir zufällig ist das Ergebnis eines Fußballspiels?

Sehr! Und das kommt daher, dass nur wenige Tore fallen. Gerade dieser Umstand stärkt die Möglichkeit, dass auch einmal das offensichtlich schwächere Team siegen kann. Würde man die Torquote (etwa durch eine Regeländerung) erhöhen, dann würden Fußballspiele weniger attraktiv werden. Zwar würden wir uns zunächst über mehr Tore freuen aber das erkaufen wir durch die höhere Vorhersagbarkeit und dadurch sinkt das Interesse am Spiel.

Wie kann das Ergebnis zufällig sein, wo doch so viel trainiert wird?

Man kann viele Manöver absolvieren und auch bei den Manövern gibt es „Tote“. Aber wir alle wissen, dass ein Manöver kein Krieg ist. So ist das auch beim Fußball. Man kann alles üben aber das tut der Gegner auch. Wie sich dann die Dinge im „Krieg des Fußballspiels“ entwickeln, kann nicht trainiert werden. Es kommt zu einem unglücklichen Elfer – wie in Graz – und wegen der geringen Torquote kann eine Mannschaft das nicht so ohne Weiteres wegstecken. Und schon siegt – wieder einmal – das eigentlich schwächere Team.

Wann fallen Tore?

Tore fallen zwischen dem Anpfiff und dem Schlusspfiff des Schiedsrichters. All zu viel mehr kann man dazu nicht sagen. Eine Kleinigkeit vielleicht doch: die Torhäufigkeit nimmt mit zunehmender Spielzeit stetig zu und ist tatsächlich am Ende des Spiel, also in der Rapid-Viertelstunde, am größten. Das haben die Zuschauer schon sehr früh instinktiv erkannt. Zum Leidwesen der treuen Rapidler muss man aber ergänzen, dass das natürlich nicht nur für Rapid gilt sondern für alle Fußballmannschaften. Nur hat Rapid in der Frühzeit der Fußballs einige Male in den Schlussminuten spektakulär gewonnen, dass man diese Eigenschaft von Fußballspielen mit Rapid in Verbindung gebracht hat.

Aus statistischer Sicht verhalten sich die Torzeitpunkte wie radioaktiver Zerfall; sie folgen einer Poisson-Verteilung. Das sagt uns überhaupt nichts über ein einzelnes Tor. Niemand kann das voraussagen, Und weil man es eben nicht kann – schließlich muss es ja gar nicht fallen – fällt man sich nach einem solchen fußballerischen Elementarereignis um den Hals, weil man instinktiv das Glück spürt, das uns allen in diesem Moment widerfahren ist. Und Spieler, die sich für dieses Ziel körperlich extrem einsetzen, zeigen uns das in den Freudenknäuel am Spielfeldrand, dass es genau so ist: es ist ein Glück.

Glück auf hohem Niveau

Wenn es also nur Glück ist, warum trainieren die Spieler?

Es ist nicht Glück im Sinne eines Münzwurfs für dessen Ausführung man keinerlei Qualifikation braucht. Um in einer Mannschaft stehen zu dürfen, bedarf es der Anstrengung ganzer Familien, einem Kind eine Fußballerausbildung zu ermöglichen, den bedingungslosen Einsatz, die Fitness und Cleverness und natürlich den sehr bedeutenden Umstand, vom Trainer aufgestellt zu werden. Erst dann darf man am Roulette-Tisch des Fußballs Platz nehmen und sein Glück in einem Torschuss versuchen. Und wie wir alle wissen, besteht ein Spiel in erster Linie aus Fehlern; aus zahllosen Versuchen, einen solchen Torschuss abzugeben. Und alle diese Versuche scheitern am Gegner, der man manchmal auch selbst ist. Und die Seltenheit, das Glück dieses fußballerischen Elementarereignisses ist das Wesen des Fußballs.

Tore, die man nicht schießt, kriegt man!

Wie wahr! Und warum ist das so? Das liegt an den Parametern der Poissonverteilung. Der Unterschied zweier Mannschaften liegt in ihrer Fähigkeit Tore zu schießen und anderseits Gegentore zu verhindern. Diese beiden Eigenschaften kann man als Wahrscheinlichkeiten aus dem Verlauf einer Saison ableiten. Nehmen wir an, dass eine Mannschaft eine Torquote von 2.0 hat und der Gegner nur die Hälfte, also 1.0. Das aufgrund dieser Zahlen erwartbare Ergebnis wäre ein 2:1 für das stärkere Team. Leider bedeuten diese Zahlen aber keine Sicherheiten sondern nur Wahrscheinlichkeiten und es heißt nicht, dass man in jedem Spiel zwei Tore schießt. Diese Zahl 2.0 ergibt sich nur aus der Beobachtung eines langen Zeitraums. Wenn eine durchaus starke Mannschaft mit der Torquote 2.0 eine Torflaute hat und eben während der aktuellen Spielzeit zufällig kein Tor erzielt, muss das ja für die andere Mannschaft nicht zutreffen und sie geht mit einem Sieg nach Hause.

Schießt man also selbst kein Tor, ändert das nichts daran, dass auch ein schwächerer Gegner seine Chancen vorfindet. Richtigerweise müsste der Spruch lauten: Jede Mannschaft hat Chancen, ein Tor zu erzielen; aber nur Chancen.

Warum sind Tore, Siege und Titel zufällig?

Die allereinfachste Antwort darauf ist: „weil man darauf wetten kann!“. Und wetten kann man nur auf Ereignisse, deren Ausgang unbekannt ist und Zufälligkeiten unterliegt, die nicht vorhersagbar sind.

Tore, Siege und Titel  sind nicht zufällig wie Spiele am Roulette, weil man einen enormen Aufwand betreiben muss, um überhaupt ein solches Spiel betreiben zu können. Das Niveau ist also hoch; extrem hoch sogar. Aber dort, auf diesem Nievau ist die Entscheidung zwischen Sieg und Niederlage extrem zufallsgesteuert.

Starke Mannschaften haben eine hohe Torquote als schwächere. Aber das gibt keine Gewissheit für den Sieger aus einer solchen Begegnung.

Verdientes Tor? Verdienter Sieg? Verdienter Titel?

Beobachten wir uns doch einmal selbst. Ist es nicht sonderbar, dass sich die ganze Welt gegen uns verschworen haben sollte und alle anderen davon profitieren? Ich will nicht bestreiten, dass es solche Effekte gibt, dass zum Beispiel Schiedsrichter aus vielleicht sogar unbewussten Gründen den jeweiligen Platzhirsch bevorzugen (Bayern Dusel). Aber als Sieger muss man auch das verkraftet haben. Und dass eine Mannschaft trotz dieser (vielleicht vermeintlichen) Benachteiligungen Meister wird, schließt nicht aus, dass der Zufall kräftig mitgemischt hat und man ein durchaus „unverdienter“ Meister ist. Aber wie uns das egal wäre, oder nicht?

An diesem Umstand bemerkt man sehr schön, dass man kein Problem damit hat, eine Benachteiligung anderer zu akzeptieren, die man selbst vorher für sich noch vehement abgelehnt hat.

Fußball, nichts als Zufall?

Natürlich gibt es beim Fußball zahllose trainierte, reproduzierbare Elemente, vom Doppelpass bis zu Standardsituationen. Und solange eine Mannschaft wenig Eigenfehler macht (Beispiel Bayern München), schaut das Spiel reproduzierbar aus, weil sich die ballsichere Mannschaft spielerisch vom Gegner fern halten kann.

Aber diese Ballsicherheit hat in der Nähe des gegnerischen Strafraums ihre Grenzen, weil sich dort die Räume verengen. Dann beginnt das Unvorhersagbare sein Werk.

Spielt nun Rapid gegen Untersiebenbrunn, dann ist der Leistungsunterschied so groß, dass es eine einseitige Angelegenheit sein wird. Wenig Zufall im Spiel, das Ergebnis ist in höchstem Maß voraussagbar. Das ist auch der Grund, warum zu einem Spiel Rapid-Untersiebenbrunn nicht viele Zuschauer kommen, denn man weiß, wie das Spiel endet; mit einem Sieg von Rapid. Nur die Anzahl der Tore ist eine kleine Unbekannte.

Bei etwa gleich starken Gegnern schaut die Sacher aber ganz anders aus. Beide sind bestens trainiert, haben einen Kader aus talentierten Spielern, wurden vom Trainerteam gut vorbereitet, das Stadion ist daher voll. Hier entfaltet der Zufall all seine Pracht. Hier spielt es eine wesentliche Rolle, wie der Schiedsrichter pfeift, jeder kleine Fehler kann zur Katastrophe führen, weil wir wissen, dass nur wenig Tore fallen.

Auf dem Niveau ähnlich starker Mannschaften herrscht also Zufall pur. Wenn wir die Austria als einen gleichrangigen Gegner akzeptieren, dann müssen wir nur mehrere Spiele aufeinander folgen lassen (das geht zwar real nicht, aber stellen wir uns das vor). Nur ganz selten wird sich ein Spiel im Ergebnis wiederholen. Jedes dieser aufeinanderfolgenden Spiele wird einen anderen Charakter haben und eine andere ganz eigene Dramatik. Und weil das eben so ist, herrscht hier der Zufall in allerhöchstem Maß, trotz allergrößter Professionalität.

Schuld im Fußball

Beobachtet die Bewertung von Spielern in den Zeitungen. Spitzenspiele enden oft nicht 4:0. Meist hat der Sieger mit nur einem Tor Vorsprung die Nase vorn. Aber er ist der Sieger. Das bewirkt in den Köpfen der Redakteure, das man diesen Sieg in ihrer Bewertung sehen muss und gleich haben alle Spieler bessere Noten. Wäre dieses eine Tor nicht gefallen aber das Spiel ansonsten völlig gleich, ergibt sich ein anderswie subjektives Bild; jedenfalls sind die Bewertungen gleich um einen Grad schlechter.

Dasselbe gilt für Meistermannschaften oder gar Weltmeister. Diese kollektive Leistung wird auf jeden einzelnen Spieler übertragen. „In dieser Mannschaft spielen vier Weltmeister!“, hörte man Kommentatoren sagen, als ob der Titel hier, in diesem konkreten Spiel irgendeine Auswirkung haben würde. Aber er färbt ab und er steigert des Wert der Spieler.

Fußball ist ein Fehlerspiel

In einem konkreten Spiel passieren eigentlich laufend Fehler. Fußball ist ein Fehlerspiel. Die unangenehmsten Fehler führen zu einem Gegentor, alle anderen dazu, dass das Publikum je nach Vorliebe für den einen oder anderen Spieler Schuldzuweisungen ausspricht.

Wird verloren, dann beginnt die Selbstzerfleischung, die alsbald vom Spieler auf den Trainer überspringt und danach nicht selten in der Führungsetage endet.

Wird gewonnen, wird jede Schuld vergessen und die Helden werden gefeiert. Aber die Fehler sind dieselben, sie habe nur nicht zu einer Niederlage geführt.

Fazit

Ja, es kann sein, dass alles, was wir erleben (besser erleiden) nichts als Zufall ist. Und es gilt dieses Fußballbonmot, das Sepp Herberger zugeschrieben wird:

„Warum geht man auf den Fußballplatz?“, „Weil man nicht weiß, wie es ausgeht!“

Die Teilnahme am fußballerischen Alltag lässt uns in die Zufallsfalle tappen.

  • dass wir Zufall einerseits als Grund nicht zulassen wollen, weil eine Serie eben einen Grund haben muss – meinen wir;
  • daraus ergibt sich die Diskussion über mögliche Ursachen und Maßnahmen, wo gar keine solchen vorhanden sind und nur der Zufall regiert.

Wir neigen zum Überinterpretieren von Beobachtungen. Wir vermuten, dass diese oder jene Handlung (der Spieler des Trainers) für eine Niederlage verantwortlich war und dass man das hätte mit besserem „Material“ abwenden können. Menschen können nicht akzeptieren, dass auch eine Negativserie zufällig sein kann.

Den Trainer-Effekt kann es geben. Wenn aber von vielen beobachteten Trainerwechseln einige diesen Effekt zeigen und einige nicht, dann bedeutet das noch lange nicht, dass man im Negativ-Fall den falschen Trainer geholt hat. Trainer sind auch nur Nutznießer eines zufälligen Siegs, so wie sie oft zu unrecht in einer Krise gekündigt werden.

Dass heißt nun nicht, dass man nichts tun muss, wenn eine fußballerische Krise am Nervenkostüm rüttelt, denn im Gegensatz zum Zufall haben wir nicht unendlich lang Zeit um auf die langfristige Gerechtigkeit zufälliger Erfolge zu warten.

Fußball ist wie das Leben; die Zeit zum Experimentieren ist endlich.

Schließlich sollten wir den Titel etwas ändern und sagen: „Tore, Siege und Titel sind Zufallsprozesse; aber auch hohem Niveau“,

Das Bild

Das Bild am Anfang stellt die Ballbewegung innerhalb von sechs Minuten nach dem Anstoß nach einem Tor und dem nächsten erfolgreichen Torschuss dar.Europameisterschaft 1996, England-Niederlande, entnommen aus dem Buch von John Wesson.

Die Feldherrn am Trainerhügel wollen System und Reproduzierbarkeit. Durch die Anwesenheit des Gegners regiert aber das Chaos.

Lektüre

  • Florian Aigner; Der Zufall, das Universum und Du; Brandstätter; 2016
  • Metin Tolan; Manchmal gewinnt der Bessere; Piper; 2011
  • John Wesson; Fußball, Wissenschaft mit Kick; Elsevier; 2006

 

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Fußball im Nationalsozialismus

Unter der Patronanz von

  • buechereien wien
  • tipp 3
  • fairplay
  • ballesterer

diskutierten (vlnr)

  • Walter Iber (Steiermark)
  • Johann Skocek (DerStandard)
  • Georg Spitaler (ballesterer, Moderator)
  • Berhard Hachleitner (Sportklub)
  • Dietrich Schulze-Marmeling (Deutschland)
  • Laurin Rosenberg (Rapid, Kurator Rapideum)
  • d15a3097

zuerst am Podium und dann mit den mehr als 60 Gästen in der Hauptbibliothek über Fußball im Nationalsozialismus.

Es ging um die Haltung der Vereinsführungen in den 1920er Jahren, wo von Vereinen berichtet wurde, die einen expliziten Arierparagrafen in ihren Statuten aufgenommen hatten und auch von solchen, die das zwar nicht hatten aber dennoch keine Juden in ihren Reihen duldeten (Beispiel Sportklub).

Berichtet wurde über eine Austria, deren Vorstand sich überwiegend aus Juden zusammengesetzt hat und die allesamt entweder geflohen sind oder vernichtet wurde. Über die kurzfristige Umbenennung der Austria in „Ostmark“ und über die Verklärung von Matthias Sindelar durch Friedrich Torberg in dessen Gedicht.

Es wurde beschrieben, dass Hakenkreuzfahnen und Hitlergruß zum festen Ritual von Sportveranstaltungen gehört haben und dass man sich – berufend auf die Doktrin der Opferrolle – von dieser Symbolik nach dem Krieg distanziert hat. Erst die Aufarbeitung durch eine Historikerkommission hat es ermöglicht, dass heutzutage auch das Foto mit Hitlergruß der Rapid-Meistermannschaft 1941 neben dem neutralen Foto gezeigt wird.

Man hat beschrieben, dass in den Vereinen des Nachkriegsösterreich sich auch die als Nazis bekannten Sportfunktionäre wieder an der Sportorganisation beteiligt wurden.

Und selbstverständlich wurde auch über Erfahrungen über die aktuelle Lage in den Stadien berichtet. Darüber dass die Austria mit den extremistischen Randgruppen trotz ausgesprochener Stadionverbote nicht zurecht kommt und auch, dass bei Rapid durch die stillschweigende Übereinkunft, dass Politik nichts im Stadion zu suchen hätte, die extremen Gruppen nicht denselben Einfluss haben.

Meine Interpretation ist, dass die Capos von Rapid als Ziel immer einen großen, mächtigen Block vor Augen hatten, was sich aber mit extremen Kerngruppen nicht bewerkstelligen lässt, weil deren Ideologie neue Gruppen eher abschreckt.

Schon die Vereinigung der Gruppen in der der Bezeichnung „Block-West“ ist ein integrativer Schritt, der überhaupt erst durch die bewusste Ausblendung der Politik möglich war und der Block auch für die restlichen Stadiongäste mehr Magnet wurde denn Gegner.

Auch die aufopfernde Tätigkeit des Fanbetreuers Andy Marek, der stets die Integration wessen auch immer vor eine Trennung gestellt hat, erzeugte eine sehr hohes Zusammengehörigkeitsgefühl bei Rapid.

Diese Situation bei Rapid ist aber das Ergebnis intensiver Fanarbeit seiten des Vereins und seitens der Fans selbst. 2005 wäre zum Beispiel die Choreografie „Deutscher Meister 1941“ mit der klaren Distanzierung vom Naziterror nicht möglich gewesen, wie Laurin Rosenberg erklärt hat.

Dass sich die Blöcke der Austria und von Rapid mit „Rapid Verrecke“ und „Schwuler FAK“ begrüßen, zeigt – was die Rapid-Seite betrifft, dass sich das Leitbild noch nicht bis zu den Fußballliteraten durchgesprochen hat. Beide Sprüche zeigen, dass weder die Vergangenheit aufgearbeitet wurde, noch die Errungenschaften der Toleranz, die ja im Leitbild von Rapid so klar erfasst ist, bei den Fans angekommen ist. Möglicherweise ist es aber so, dass die Fans während eines solchen Derbys auf ihre Kinderstube vergessen, um in einen längst vergessenen Modus umzuschalten, den sie nach dem Spiel – hoffentlich –  wieder vergessen.

Eine tolle Veranstaltung des ballesterer! Diese Veranstaltungen sind kostenlos. Man bekommt ein Freigetränk, gespendet vom Hausherrn.

Links

 

 

 

 

 

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Systematik der Rückennummern

Nachdem Max Entrup die Rückennummer 99 ausgefasst hat, es aber dazu, außer der leichteren Erkennbarkeit, keinen besonderen Grund gibt, schlage ich etwas mehr System in der Nummerierung der Spieler vor.

Einige Spieler bei Rapid haben Rückennummern, die einen Rückschluss auf ihre Position zulassen: 1 Ján Novota, 3 Christoph Schößwendter, 10 Louis Schaub und 9 Matej Jelic. Aber alle anderen Nummern zeigen keinerlei Systematik und das ist auch nicht möglich, weil es dazu kein Konzept gibt.

Man muss sich daher derzeit die Zuordnung zwischen Nummer und Spieler wie ein Gedicht merken, das keinerlei Reim hat.

Nummer 17? Wer ist das? Bei Rapid gehts ja noch, den Chritopher Dibon merke ich mir mittlerweile aber wer ist das dann bei Salzburg, Austria oder Sturm? Keine Ahnung!

Mein Vorschlag ist, dass man die Nummern nach Gruppen vergibt, die etwas mit der Position des Spielers zu tun haben. Kleinere Zahlen hinten, größere Zahlen vorne. Endziffer 0-4 linke Seite, Endziffer 5-9 rechte Seite, (oder gerade Ziffer linke Seite, ungerade Ziffer rechte Seite).

Je defensiver ein Spieler eingesetzt ist, desto kleiner die Ziffer der Zehnerstelle.

Hier ein Beispiel für die Nummerngruppen

 1.. 9 Torleute
10..14 Innenverteidiger links
15..19 Innenverteidiger rechts
20..24 Außenverteidiger links
25..29 Außenverteidiger rechts
30..34 Defensives Mittelfeld links
35..39 Defensives Mittelfeld rechts
40..44 Offensives Mittelfeld links
45..49 Offensives Mittelfeld rechts
50..54 Flügelstürmer links
55..59 Flügelstürmer rechts
60..64 Mittelstürmer links
65..69 Mittelstürmer rechts

Wenn man also einen Zwanziger sieht, weiß man sofort, dass es ein Außenverteidiger ist. Auch sieht man, ob eventuell die Seiten gewechselt wurden.

Wenn die links-rechts-Zuordnung weniger zutreffend ist (zum Beispiel im defensiven oder offensiven Mittelfeld), kann man auf diese Gruppierung verzichten und einfach nur die ersten Nummern in der Zehnergruppe 3 und 4 vergeben.

Mit einem solchen System könnte man sich bei unbekannten Gegnern besser orientieren, wie Spieler mit einer taktischen Position sich am Spielfeld bewegen.

Man kann jede Position 5-fach besetzen und dennoch sind alle Spieler dieser Position eindeutig zuzuordnen.

Natürlich kann man auch ein anderes System entwickeln aber egal, wie es ausschaut, es wäre besser als das derzeitige Nummern-Chaos.

Aktuelle Nummerierung der Spieler von Rapid im Vergleich mit der „Nummerierung neu nach Position“

 1  1 Novota
 3 10 Schößwendter
 4 20 Schrammel
 6 12 Sonnleitner
 7 50 Schobesberger
 8 33 Schwab
 9 60 Jelić
10 43 Nutz
10 55 Schaub
11 40 Hofmann
13 62 Kvilitaia
15 31 Grahovac
16 45 Malicsek
17 15 Dibon
18 42 Szántó
20 16 HofmannM
21  3 Knoflach
22 25 Pavelic
23 56 Traustason
24 29 Auer
26 30 Močinić
27 44 Kuen
28 64 Tomi
29 41 Murg
30 11 Wöber
30  2 Strebinger
34 61 Joelinton 
37  4 Gartler
99 63 Entrup

Rapid-Spieler geordnet nach der neuen Nummerierung.

 1  1 Novota             Tormänner
30  2 Strebinger
21  3 Knoflach
37  4 Gartler
 3 10 Schößwendter       Innenverteidiger
30 11 Wöber
 6 12 Sonnleitner
17 15 Dibon
20 16 HofmannM
 4 20 Schrammel          Außenverteidiger
22 25 Pavelic
24 29 Auer
26 30 Močinić            defensives Mittelfeld
15 31 Grahovac
 8 33 Schwab
11 40 Hofmann            offensives Mittelfeld
29 41 Murg
18 42 Szántó
10 43 Nutz
27 44 Kuen
16 45 Malicsek
 7 50 Schobesberger
23 56 Traustason
10 55 Schaub
 9 60 Jelić              Stürmer
34 61 Joelinton 
13 62 Kvilitaia
99 63 Entrup
28 64 Tomi

Warum Rapid die Rückennummern in der nächsten Saison so ändern sollte?

  • Man erkennt die Spielerposition an der Rückennummer. Insbesondere vorteilhaft bei weniger bekannten Mannschaften.
  • Es gibt ausreichend (Nummern)Spielraum für neue Spieler.
  • Das Spiel wird für den Zuschaer verständlicher.
  • Es ist ein innovatives Konzept, das eine bedeutende Änderung im Fußball auslösen könnte – ausgehend von Rapid, natürlich.
  • Keine Kosten, große Wirkung!

Mannschaftsaufstellung nach Position (aktuelle Nummerierung)

spieler

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Der Höhenflug von CR7

Kaum jemand polarisiert so stark wie unsere Fußballstars es tun, allen voran Cristiano, Lionel oder – für uns Österreicher – Marco. Mansche mögen sie, andere hassen sie. Wie sie wirklich sind, wissen wir eigentlich nicht, wir kennen nur das Bild, das die Medien von ihnen zeichnen.

Stell Dir vor, Dein Name stünde auf einmal in allen Zeitungen und alle rund um Dich bewundern etwas an Dir und Du kannst Dich praktisch nicht mehr frei bewegen, ohne dass jemand um ein Foto oder Autogramm fragt. Dein Konto ist chronisch im Plus und Du brauchst professionelle Hilfe, um die Geldflüsse zu regeln – vor allem die Einnahmen. Wie kann man in einem solchen Szenario derselbe bleiben?

Jeder verarbeitet das anders. Lionel kapselt sich ab, wirkt bescheiden – und hinterzieht gleichzeitig mit Hilfe seiner Familie Millionen. Ronaldo verwandelt sich in die Kunstfigur CR7 und richtet alle seine Handlungen danach aus, der Öffentlichkeit diese Figur vorzuspielen und deren Wert zu steigern. Mich erinnert CR7 an Falco, den jeder kennt, aber nur Wenige kennen den Hans Hölzl dahinter. Aber es geht auch anders, oder, wie Marco es auszudrücken pflegt: „i kaun Dei Lebn kaufn“. Da hat es doch jemanden ganz nach oben in den Geldadel katapultiert ohne dass auch gleichzeitig seine Sozialisierung diesem atemberaubenden Aufstieg hätte folgen können.

Ronaldos Ruhm und Reichtum sollen Anlass sein, zu überlegen, woher das alles kommt.

2007

Florian und ich verfolgen den Werdegang dieses CR7 seit seinen Anfängen bei Manchester. Wir unternahmen 2007 eine Osterreise in die Midlands und buchten bereits im Jänner ein Ligaspiel in Old Trafford am Osterdienstag (probier‘ das einmal in Österreich). Wie es dem Zufall gefällt, wurde dieses Ligaspiel auf später verschoben und stattdessen musste Manu an diesem Dienstag im Viertelfinale der Champions-League gegen AS Roma antreten. Wir konnten die Karten vom Ligaspiel auf diesen Kracher mit einer Aufzahlung umbuchen und erlebten eine durchschnittliche Hospitality-Bewirtung (wer mehr will, muss mehr zahlen) in der RedBar, gemeinsam mit vielen Roma-Fans, die keine anderen Karten mehr bekommen haben. Die Ausgangslage war, dass AS Roma das Spiel in Rom mit 3:1 gewonnen hatte und sich berechtigte Hoffnungen auf einen Aufstieg gemacht hat. Aber es kam anders. Manu gewann 7:1 mit zwei Ronaldo-Toren. Dieses Schlüsselspiel wird auch in der Ronaldo-Biografie in der Wikipedia erwähnt. Ronaldo wurde danach als erster Portugiese zum Fußballer des Jahres in England gewählt und sein Aufstieg zum Weltstar begann. Und wir waren dabei. Kein Wunder, dass wir diesen Fußballer mehr als andere medial verfolgen.

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Bild vom 10.4.2007 CR7 beim Aufwärmen vor dem Spiel Manchester United-AS Roma CL-Viertelfinale. 7:1 für Manu, 2 Ronaldo-Tore. Aufnahmeabstand ca. 80 Meter.

2016

Heuer wollte es das Los, dass Österreich mit Portugal in eine Gruppe gelost wurde. Ein weiterer Zufall war, dass das Spiel Österreich-Portugal gerade auf Florians Geburtstag fiel und wir eine gemeinsame Fußballfahrt zu diesem Spiel unternommen haben und Florian die Gelegenheit hatte, sein Idol wieder einmal live zu sehen.

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Bild vom 18.6.2016. CR7 beim Aufwärmen vor dem Spiel Portugal-Österreich 0:0. (X = Ronaldo)

Die Achtung vor unseren österreichischen Kickern ist in diesem Spiel gestiegen, weil es dem späteren Europameister Portugal inklusive Ronaldo nicht gelungen ist, Österreich zu besiegen. Sogar einen Elfer hat der Meister verschossen.

So müssen sich Altacher fühlen, wenn sie Rapid ohne Sieg nach Hause schicken.

Von Cristiano zu CR7

In diesen Jahren ist unsere Beziehung zum Superstar etwas abgekühlt. Wegen seiner theatralischen Auftritte ist unsere frühere Verehrung einer eher nüchternen und fast schon distanzierten Betrachtung gewichen. Als Fußballer ist er top, aber die Vermarktung der Marke CR7 gefällt uns weniger.

Der öffentliche Ronaldo ist dieser CR7, das Bild, das er von sich zeichnet, der private ist weitgehend unbekannt, auch wenn er sich hin und wieder mit seiner „ganz normalen“ Familie darstellt. Nichts in diesen Dimensionen ist „normal“.

Spendenfreudig

Viele werden einwenden, dass ja dieser CR7 viele Sozialprojekte fördert, wie zum Beispiel im folgenden Facebook-Eintrag (unmittelbar nach der EURO) gezeigt wird:

cr7spendet

Ja, ist schön von ihm! Aber nicht schöner als eine 200-Euro-Spende von einem von uns.
 
Bitte mitrechnen und vergleichen.
Was braucht der Mensch zum Leben? Das Minimum in Österreich liegt irgendwo bei 15.000,- Euro pro Jahr, gegeben durch die Mindestsicherung. Ich selbst verfüge über etwa 30.000,- Euro und davon bleibt nichts übrig. Ein Urlaub ist da nicht dabei aber einige Auswärtsfahrten mit Rapid als Urlaubsersatz.
CR7 hat einen geschätzten Jahresverdienst von 42 Millionen Euro (->Links). Ronaldo bleibt nach Abzug durchschnittlicher Lebenshaltungskosten praktisch genau so viel am Konto, nämlich 42 Millionen. (Seine 21 Automobile zähle ich nicht zu Lebenshaltungskosten.)
Wenn Ronaldo 275.000 Euro spendet, dann sind das etwa 0,6 Prozent seines Jahresverdiensts. 
 
0,6 Prozent meines Jahreseinkommens wären 180 Euro. Viele von uns spenden daher durchschnittlich eben so viel wie Ronaldo, viele auch mehrin Relation natürlich. Ich spende 120,- Euro an die Caritas und ebenso viel an die Wikipedia und natürlich an Ján unseren grün-weißen Augustin-Verkäufer.
Wo liegt der Unterschied? 
Der Unterschied ist, dass 180 Euro für jeden von uns ein nicht zu vernachlässigender Betrag sind. Es ist etwa so viel wie ein Abo für Mitglieder auf der Südtribüne im neuen Stadion. Es ist ein wesentlicher Faktor in unserer Beziehung zu Rapid. Weil unsere Spende das Einkommen schmälert, das wir zum Leben brauchen und wir es anderswo einsparen müssen, aber reiche Menschen wie Ronaldo nicht.
Daher leistet jeder von uns, der 0,6 Prozent seines Jahreseinkommens spendet viel mehr als Ronaldo.

Ronaldo wird durch die Spende sogar reicher!

Wie das? Das funktioniert so: der „Gehalt“ von Ronaldo als Fußballspieler ist etwa 12 Millionen Euro pro Jahr. Der Rest sind Einnahmen aus Werbeverträgen. Die Höhe eines Werbevertrags hängt aber von der Popularität des Protagonisten Ronaldo ab. Mit jeder Pose am Fußballfeld, mit jedem Tor, mit jedem Titel und mit jedem (inszenierten) Auftritt steigt der Wert der Marke CR7. Wenn nun Ronaldo 0,6 Prozent seines Jahreseinkommens spendet, dann tut er das nicht so wie Du und ich anonym, per Zahlschein; nein, er macht das mit großem Bahnhof in Form eines Auftritts an einem publikumswirksamen Augenblick, zum Beispiel am Ende der EURO. Das bringt ihm Hunderttausende „Gefällt mir“ in Facebook ein und die Bezeichnung „Ehrenmann“. Und ganz nebenbei steigt der Werbewert der Marke CR7. Beim nächsten Werbevertrag kann er die durch diese Spende gestiegene Popularität so viel mehr verlangen, dass diese Spende eine gewinnbringende Investition ist.
Die eigentliche Bedeutung dieser publikumswirksamen Spendenaktionen liegt also in der Stärkung der Marke „Ronaldo“. Daher wird die Spende auch medial kommuniziert.
Wenn Ronaldo 0,6 Prozent seines Jahreseinkommens spendet, applaudiert der Fan; wenn das einer von uns tut, dann ist das zwar eine vergleichbare Leistung aber es ist egal. Übrigens erbringen 1.400 Personen, die ebenso 0,6 Prozent ihres Jahreseinkommens spenden, dieselbe Spendenleistung wie Ronaldo.
Ronaldo kann für all das nichts. Es ist eine Eigenschaft der Wirtschaft, dass öffentliche Bekanntheit einen Werbewert nach sich zieht. Auch wenn Ronaldo exakt dieselbe Absicht beim Spenden hat wie Du und ich, wirkt sich das bei ihm anders aus.

Ronaldo als Rapid-Fan?

Schauen wir, was Ronaldo in Relation aufwenden müsste, um einen ähnlich hohen Einsatz aufzubieten wir ein engagierter Fan bei Rapid das tut.
Rapid ist ein gemeinnütziger Verein. Jeder Anhänger, der sich zum „harten Kern“ der Anhänger zählt, und „alles mit Rapid mitmacht“, leistet für seinen Verein eine ganze Menge. Leider kommen die größten Beträge für die Reisen nur zu einem kleinen Teil dem Verein zugute. Ein Beispiel mit autobiografischen Zügen:
  100,- Euro Mitgliedschaft
  400,- Euro Abo
  200,- Euro weitere Heimspiele
2.000,- Euro Auswärtsfahrten international
2.000,- Euro Auswärtsfahrten inland
  200,- Euro Fanartikelkauf
------------
4.900,- Euro
Das ist natürlich nur eine Überschlagsrechnung. Vermutlich geben manche Fans auch noch mehr aus. Dieser Betrag sind etwa 17 Prozent des ursprünglich erwähnten Jahreseinkommens von 30.000,- Euro. In der heurigen Saison kommt auch noch die Konsumation im Stadion dazu, denn die floss in den letzten Jahren in die lokale Gastronomie.
Was müsste ein CR7 tun, um dieselbe Leistung zu erbringen wie es ein Hardcore-Fan gegenüber Rapid erbringt?
Damit ein CR7 in diese Dimensionen vordringt, müsste er immerhin 7 Millionen pro Jahr aufwenden. Er investiert natürlich schon solche Summen, etwa in sein Hotelprojekt oder in seinen Fahrzeugpark. Aber wie gesagt, nicht in ein ideelles Projekt wir das ein Rapid-Fan tut.
Bei allen diesen Vergleich müssen wir bedenken, dass die 30.000,- Euro eines Durchschnittsverdieners am Jahresende praktisch weg sind und daher die 20 Prozent Ausgaben für Rapid einen wesentlichen Anteil am Haushalt haben und daher andere Aktivitäten wie eben einen Urlaub verunmöglichen, während es bei Ronaldo ziemlich egal ist, wie viel er wem spendet. Das hat überhaupt keinen Einfluss auf sein Leben. Und wie wir gesehen haben, investiert er diese wesentlichen Vermögensanteile nicht – wie ein Fan – in ein gemeinnütziges Projekt sondern ausschließlich in persönliche Projekte.

Was ist der Wert eines Fußballers?

Wer über die Superstars spricht, kommt nicht um die Frage herum, ob die denn ihr Geld wert sind und warum sie so viel kosten. Oft hört man, man solle diese Transfersummen beschränken. Aber wer soll das tun? Und mit welchem Recht?

Kann ein Fußballer 12 Millionen pro Jahr Wert sein? Oder spielt dieser Fußballer doppelt so gut als ein anderer, der 6 Millionen verdient?

Für einen Fußballfan gibt es nur eine Ideologie: ein Titel muss her, koste es was es wolle. Und wenn das mit einem Spieler um 12 Millionen möglich wird, dann war er uns das wert. Wenn nicht, wars ein Reinfall. Und genau dieses „koste es was es wolle“ ist es, das die Kosten für gute Spieler so explodieren lassen.

Du kannst einen beliebigen bürgerlichen Beruf haben. Immer wird es jemanden geben, der das, was Du machst besser macht, schneller macht und eventuell auch etwas mehr verdient als Du selbst. Aber keiner in diesen Niederungen wird so reich werden wie Ronaldo es ist. Warum? Weil uns niemand bei der Arbeit zuschaut und damit Werbewert generiert. Aber viele träumen davon, reich zu sein – und spielen Lotto.

Unsere Gesellschaft (zumindest die große Masse) ist ziemlich ausgeglichen aber es gibt so etwas wie die Liga der Superreichen. Wir alle können dort nicht hingelangen – jedenfalls nicht durch Arbeit und Fleiß – aber wir investieren in Fußball, in ein Spiel, das es ermöglicht, indirekt dort oben zu stehen. Nicht wir, sondern der von uns favorisierte Verein ist es, der mit unserer Hilfe einmal ganz oben stehen soll – und wir mit ihm.

Und weil wir so viele sind, die das wollen und weil wir alle die Spiele besuchen, die Fernsehübertragungen anschauen, Fanbekleidung kaufen, weil durch unsere große Zahl das Interesse der Werbewirtschaft steigt, sind die Vereine reich.

Aber eigentlich sind ja bei jedem Verein nur etwa 25 Spieler und der Trainerstab zu finanzieren. Und es findet ein Wettbewerb um die besten Spieler statt, wie in einer Auktion im Dorotheum. Man kann Glück haben und eine Rarität günstig bekommen, nur weil zufällig kein anderer Interessent mitbietet. Man kann aber auch ganz daneben liegen und viel zu viel bezahlen. Und je mehr Geld verfügbar ist, desto länger kann ein bietender Verein an der Spielerbörse mit anderen mithalten.

Der Wert eines Spielers ist der, den jemand bereits ist, für ihn zu bezahlen. Nicht mehr und nicht weniger. Und diese Begehrlichkeit wächst mit mit der Zahl der Anhänger und mit dieser Zahl das Budget. Je größer das Budget eines Vereins ist, desto mehr Wert hat auch dessen Team. Warum? Weil alles Geld in dieses Team investiert wird. Ob das Team auch gleichzeitig eine höhere Klasse hat, ist eine andere Frage. Das kann sein, wenn der Sportdirektor und die Spielerbeobachter die Spieler richtig einschätzen. Aber man kann sich irren.

Und wer den Ronaldo will, muss bis zum Schluss mitbieten, dann wenn alle anderen schon ihren Abnehmer gefunden haben und nur mehr die Reichsten der Reichen am Bietertisch sitzen.  Und wie viel der Gewinner der Auktion aufbieten muss, bestimmt derjenige, der ebenfalls fast bis zum Schluss mitgeboten hat. Der Sieger der Auktion bekommt mit diesem 100 Millionen einen der besten Spieler der Welt. Würden aber nur halb so viele Fans Fußballspiele besuchen, dann wäre es derselbe Ronaldo aber man würde ihn um 50 Millionen bekommen, einfach weil nicht mehr Geld da ist.

Schließlich könnte auch sein, dass auf einer Wiese im Marchfeld ein außergewöhnlich begabter Spieler kickt aber niemand entdeckt ihn. Interessant war das Interview mit David Alaba als er erzählte, wie es bei ihm war als er durch einen Motorschaden fast das entscheidende Probetraining zum Einstieg in die Akademie verpasst hätte. Es ist sich gerade noch ausgegangen und er hat Karriere gemacht.

Wer bestimmt den Marktwert?

Wenn wir es als Rapid mit einer unbekannten Mannschaft zu tun bekommen, dann ist das Erste ein Vergleich der Marktwerte auf Transfermarkt. Bei TORPEDO-BELAZ ZHODINO sind es 4 Millionen und bei Rapid 25 Millionen. Man könnte meinen, Rapid wäre 6mal so „gut“. Hier ist große Vorsicht geboten, denn diese Zahl hängt davon ab, in welchem „Auktionshaus“ man das Personal einkauft.

Unter der Annahme, dass das eher isolierte Weißrussland hauptsächlich im Inland auf der Suche nach Spielern ist, schlage ich vor, diese Zahlen durch eine zweite Zahl, nämlich das BIP pro Kopf zu relativieren. Daraus ergibt sich:

  • 8:50 BLR:AUT BIP
    4:25 BLR:AUT Marktwert

Es ist also kein Wunder, wenn in Weißrussland weniger Geld in die Vereinskasse fließt, weil man dort weniger reich ist. Die Relation der Kaderwerte entspricht ganz genau der Relation der Bruttoinlandsprodukte pro Kopf. In Weißrussland kauft man auf einem anderen Spielermarkt ein, auf dem Spieler billiger sind. Sie müssen auch nicht in einem Hochpreisland wie Österreich leben. Beide Vereine sind also wertberichtigt durchaus auf Augenhöhe trotz des großen Unterschiedes der absoluten Zahlen.

Fußballvereine investieren in Erfolg

Ganz im Gegensatz zu unserem eigenen Leben ist jenes eines Fußballers ein Leben ohne Netz. Es ist geradezu ein perfektes Abbild einer Gesellschaft ohne soziale Absicherung. Es gibt ein paar, die ganz oben stehen, es gibt viele lokale Größen und ein Heer von Verlierern, die sich in den unteren Ligen tummeln. Sie alle haben es versucht, in dieser Disziplin ganz nach oben zu kommen und sind eigentlich alle gescheitert. Schlecht ausgebildet und schlecht vorbereitet auf den Übergang zu einem Zivilberuf.

Was ist Dein Beruf? Bist Du Büroangestellter, Redakteur, Mistkübler, Verkäufer, Kellner oder Koch? Egal, es wir immer bessere in Deinem Beruf geben. Aber honoriert wird das in der Regel nicht. Der Vorteil der Einheitsbezahlung: ein Unternehmen wird viel leichter berechenbar, weil man die Personalkosten kennt. Du bekommst Sicherheit, das Unternehmen Planbarkeit. Mit einem solchen festen Beruf verzichten wir auf die theoretische Möglichkeit des Reichtums zugunsten einer langfristigen Sicherheit.

Stell Dir vor, Deine Firma hätte einige Millionen Gewinn pro Jahr und würde dieses Geld unter den Angestellten verteilen. Toll nicht? (Achtung, gilt auch bei ebenso großen Verlusten!) Aber das passiert nicht. Das Geld wird in in der Regel zum Teil durch die Aktionäre/Eigentümer abgeschöpft und zum anderen Teil investiert.

Ein Fußballverein hingegen, investiert den kompletten Überschuss in diese etwa 30 Personen, Fußballer und Trainer. Es bleibt nichts über. Gewinne gibt es nicht, nur sportliche Erfolge; wenn Tore fallen, Spiele und Titel gewonnen werden.

[An dieser Stelle könnte man sich ein Beteiligungsmodell zwischen Anhängern und Verein vorstellen. Der Verein erwirtschaftet ein jährliches Vermögen, das entweder in Spieler investiert oder an die Mitglieder ausgezahlt wird. Wenn – wie im Falle von Real – der Verein auf die Idee kommt, 100 Millionen für einen Spieler zu investieren, könnten die beteiligten Mitglieder mitbestimmen, ob man das auch machen soll oder nicht etwa die Hälfte an die Mitglieder ausschüttet. Durch ein solches Modell könnte man diesem derzeit nahezu ungebremsten Preisanstieg mit einem entgegengerichteten Interesse begegnen. Beide, Verein und Mitglieder entscheiden, wo es lang geht. Aus diesem Beteiligungsmodell können vielleicht auch gleichzeitig mehr Mitglieder gewonnen werden, weil ihr Einsatz in den Verein – je nach sportlichem Erfolg aus zurückfließen kann. Insbesondere könnten Mitglieder von Retortenklubs durch ein Beteiligungsmodell anderer Vereine bewogen werden, die Fahnen zu wechseln, was das Interesse der Superreichen an Fußballklubs schwächen könnte, denn wer will schon zu einem Fußballspiel, bei dem niemand zuschaut, außer vielleicht die Gästefans.]

Von Zwergen und Riesen

Zwischen den Zwergen in der Bundesliga wie Altach und Mattersburg und den Top-Klubs RB, Rapid und Austria klaffen finanzielle Welten. (Link) Beim Umsatz ein Faktor 15 zwischen Altach und RB.

Und der Unterschied ist, dass eben RB in einem anderen „Geschäft für Fußballer und Trainer“ einkauft als das Altach tun kann. Altach kauft bei „Hofer“ und RB beim „Meinl am Graben“. Aber die Anzahl der Kalorien pro Leberkässemmel ist dieselbe. Sicher, die Waren am Graben sind besonders ausgewählt, manche Sachen schmecken vielleicht ein bisschen besser aber sonst gibt es keinen Unterschied.

Auch im Fußball hilft es nicht viel, „Rapid“ zu sein, wenn man dann nicht einmal gegen Altach gewinnen kann. Weil eben die Kicker nicht so viel mehr können als sie mehr kosten.

Ronaldo rechnet sich

Es scheint irrwitzig zu sein, für einen Spieler 100 Millionen Euro auszugeben wie seinerzeit Real Madrid für Ronaldo. Wenn man aber die jährlichen Erlöse aus den Merchandising-Produkten betrachtet, dann ist das möglicherweise für Real sogar ein einträgliches Geschäft. Link

Wert kontra Können

Geradezu skurril mutete das Gespräch zwischen den Experten des ORF bei einem der Spiele der EURO an, bei dem sinngemäß gesagt wurde, dass die 40 Millionen, die ein Spieler mehr Wert wäre als ein anderer, durch die dargebotene Leistung auch gerechtfertigt wäre. Allen Ernstes wurde das dort so gesagt. Die Unterschiede im Kaufpreis deuten nur auf eine unterschiedlich hohe Begehrlichkeit hin, nicht auf einen bedeutenden Klassenunterschied.

Es wird schon so sein, dass der um 40 Millionen teurere Spieler gewisse Qualitäten hat, die ihn in einer Qualitätsreihung vor andere Spieler stellt. Aber die sich dann aus dieser ziemlich subjektiven Einschätzung ergebenden gigantischen Kaufpreise ergeben sich aus der geringen Anzahl von Spielern in dieser Leistungsklasse und der gegenüberstehenden großen Nachfrage potenter Vereine mit gefüllter „Kriegskasse“, eine Kasse, die wir Jahr für Jahr auffüllen.

Wenn man einen Spieler begehrt, der ein bisschen besser spielt, muss man nicht ein bisschen mehr zahlen. Man muss aberwitzig mehr bezahlen, weil man nicht der einzige Käufer ist, das Angebot beschränkt und der Erwartungsdruck groß sind.

Und Gott ist Mensch geworden

Wir wissen nicht, was alles hätte sein können, wenn Ronaldo mitgespielt hätte, in diesem Finale gegen Frankreich. Bei seiner Verletzung hat niemand mehr auf Portugal gesetzt, speziell angesichts der großen Überlegenheit der Franzosen. Es kann aber sein, dass allein dieser Qualitätsverlust bei den Portugiesen ein „jetzt erst recht“-Gefühl erzeugt hat oder ein „wir machen das für Dich, Ronaldo“-Gefühl. Auffällig ist, dass die erste Spielphase den Franzosen gehört hat aber mit längerer Spieldauer die Portugiesen immer sicherer wurden. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass Frankreich kein Tor gelungen ist und dadurch die schwächere Mannschaft mehr Selbstvertrauen getankt hat und wer es bis zur 70. Minute ohne Gegentor schafft, der kann es auch bis zur 90. Minute ohne Gegentor schaffen.

Mich erinnert der Ausfall von Ronaldo an die Ausfälle unseres Kapitäns Steffen Hofmann bei Rapid. Allein seine Anwesenheit am Feld gibt der Mannschaft Sicherheit, die dann plötzlich fehlt. Auch heuer ist das gleich zu Saisonbeginn wieder der Fall aber wir wollen doch hoffen, dass unser Team schon so gefestigt ist, dass uns das nichts mehr ausmacht. (Es war schon einem in einem Spiel gegen Ried als der schon sehnsüchtig erwartete Steffen in seinem damals ersten Spiel nach der München-Pause unter Zellhofer für Rapid aufgelaufen und prompt wurde das Spiel 1:2 verloren.)

Jeder will Europameister werden aber keiner hat es vor dem Bewerb so deutlich ausgesprochen wie Ronaldo. Dann liegt er da, verletzt und unfähig weiter zu spielen. Die Tränen sind echt. Weg ist der Nimbus des Torjägers und er ist nicht mehr in der Lage, höher als alle anderen zu springen, um Tore zu schießen. Heruntergestoßen vom Olymp des Fußballstars. Er ist nicht mehr dieser kraftvolle CR7, nein es ist nur mehr Cristiano himself.

Eigentlich hat man bei seiner Verletzung die Felle für Portugal schon davon schwimmen sehen. Doch anders als andere Spieler, die nach einer Auswechslung mehr oder weniger gelangweilt auf der Ersatzbank sitzen, bekommt Portugal in der zweiten Hälfte mit Ronaldo einen zweiten Coach, der die Mannschaft allein durch seine Anwesenheit an der Linie vorwärts treibt.

Ich hatte den Eindruck, als erlebten wir hier Ronaldo selbst und nicht diese Kunstfigur der heldenhaften Posen, die wir sonst von seinen Auftritten gewohnt sind.

Durch diese unglückliche Verletzung ist Ronaldo für mich zum Held des Spieles geworden, obwohl er im Spiel nur wenige Ballkontakte hatte. Er ist in dieser Tragik Mensch geworden, einer von uns, und von seinem Star-Olymp abgestiegen. Man konnte mit ihm mitfühlen, was in allen anderen Situationen eher nicht der Fall war.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ronaldo nicht als Fußballer des Jahres gekrönt wird, auch wenn er im Finale der EURO nicht mehr mitgewirkt hat.

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Bild von Ruben Ortega – Wikimedia Commons, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48550566


Abschließend fällt mir dazu eine Szene aus „My Fair Lady“ ein, in der Eliza sagt, dass eine Prinzessin nicht jemand ist, der sich so bezeichnet, sondern der, den man so behandelt.

Links

Der ursprüngliche Link zur Information über Ronaldos Vermögen existiert leider nicht mehr (http://www.vermoegen.org/cristiano-ronaldo-vermoegen/) aber Patrick aus Linz hat uns dazu eine aktuelle Quelle genannt:

Danke, Patrick!

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Gegen die Abseitsregel

Die Torarmut der Vorrunde der aktuellen EURO ist der Anlass, eine Regel in Frage zu stellen, die für diese geringe Anzahl von Toren mit verantwortlich ist: die Abseitsregel.

Was ist das Abseits?

Ein Abseits ist eine Stellung eines Angreifers, bei der sich zwischen ihm und dem gegnerischem Tor weniger als zwei gegnerische Spieler befinden aber nicht der Spielball. Ein Angreifer darf dort zwar stehen (passives Abseits) aber er darf nicht aktiv ins Spiel eingreifen. Genau wird das Abseits in der Wikipedia erklärt. (Bild Wikipedia)

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Vereinfacht gesagt, ist es einem Stürmer nicht erlaubt ist, sich vor das gegnerische Tor zu stellen und sich den Ball zuspielen zu lassen. Sich hinter die gegnerischen Linien zu postieren und auf einen „langen Ball“ zu warten, gilt – salopp gesagt – als unsportlich und daher wird diese Spielsituation als Vergehen geahndet und der Ballbesitz geht durch einen Freistoß zum Gegner über.

Historisches

Das „Abseits“ war immer schon Begleiter der Fußballspiels. In den Anfängen war die Abseitsregel viel restriktiver als sie es heute ist. Hintergrund war die damalige Auffassung von Fairness. Es galt als unsportlich, Tore kampflos (nur über einen zugepassten Ball) zu erzielen. Im Laufe der Entwicklung des Fußballsports wurde aber die Abseitsregel in ihrer Wirksamkeit reduziert. Bis heute. Immer wieder.

Schauen wir zunächst, wie sich unsere heutige Abseits-Regel entwickelt hat.

1863 Nur Rückpässe nach hinten sind erlaubt

Am Anfang des Fußballs, bis 1866, war jeder Spieler, der sich vor dem jeweils Ballführenden befand, im Abseits und daher durfte er nicht angespielt werden. Man musste jeden Verteidiger aus eigener Kraft überwinden und durfte Pässe nur nach hinten spielen.

1866 „Drei-Spieler-Regel“ für Abseits statt der bis dahin geltenden Rückpassregel

Pässe in den Angriff waren also nunmehr erlaubt aber nur solange noch drei Spieler bis zum gegnerischen Tor gestanden sind, also in der Regel der Tormann und zwei Feldspieler.

1907 Abseits nach Einwurf
1907 Kein Abseits in der eigenen Spielhälfte
1907 Kein Abseits nach Abstoß oder Eckstoß
1920 Kein Abseits beim Einwurf

Wenn wir diese drei Regelergänzungen zusammenfassend betrachten, erkennt man eine Lockerung der Abseitsregel nach Standardsituationen. Man muss sich fragen, warum man das so entschieden hat.

Nach meiner Ansicht ist der Grund, dass bei einer Standardsituation sich alle Spieler positionieren können und der Verteidiger auf eine Abseitsstellung des Angreifers eingehen kann und ohne Zeitdruck etwas dagegen unternehmen kann, man ihm also nicht auch noch zusätzlich die Abseitsstellung als Vorteil einräumen muss.

Es ist nicht ganz konsequent, dass die Abseitsregel nicht auch bei Freistößen ausgesetzt wurde. Der Grund dürfte sein, dass bei einem Freistoß nicht noch ein zusätzlicher Vorteil für die angreifende Mannschaft geschaffen werden sollte.

1925 Änderung der Abseitsregel von einer „Drei-Spieler-Regel“ auf eine „Zwei-Spieler-Regel“

Diese Regeländerung brachte uns das Spiel, das wir heute kennen. Im Hintergrund stand wohl die Absicht, den Angriff weiter zu begünstigen und mehr Tore zu ermöglichen. Tatsächlich fielen (bei Rapid) in dieser Zeit ab den Zwanziger Jahren pro Spiel 4 Tore und mehr. Das war eine Folge der gelockerten Abseitsregel.

Wenn man die Tendenz der Auswirkung dieser Regel betrachtet, dann stellt man fest, dass diese Regel im Laufe der Entwicklung des Fußballs an Schärfe verloren hat. War es am Anfang des Fußballs überhaupt verboten, Pässe nach vorne zu spielen, wurde daraus eine Regel, die besagt, dass die letzte Verteidigungslinie vor dem Torwart gewissermaßen „aus eigener Kraft“ zu überwinden ist und nicht durch einen Pass auf einen im Raum vor dem Tormann stehenden Angreifer.

1990 Keine Abseitsstellung, wenn Verteidiger und Stürmer auf derselben Höhe sind

Man sieht an dieser Spezifikation, dass man versucht, Tore zu begünstigen und den Angreifern den einen oder anderen Vorteil einzuräumen.

Man kann vielleicht sogar sagen, dass die Schärfe der Abseitsregel die Menge der Tore regelt. Je weniger Tore fallen, desto mehr muss man die Abseitsregel „entschärfen“.

Wie viele Tore fallen?

Es gibt mächtige Datenbanken von Fußballspielen, mit denen man die Anzahlt der Tore genauer beschreiben kann. Wir haben hier nur die Tore von Spielen von Rapid aber das sind auch ziemlich viele, nämlich fast 10.000 und die folgende Grafik zeigt die Tore pro Saison seit 1911:

tore

Wir sehen, dass ab den 1920er Jahren die Anzahl der Tore gegenüber den Anfängen zugelegt hat, wohl eine Folge der Änderung der Abseitsregel im Jahr 1925. Diese hohe Anzahl von Rapid-Toren von etwa 4 (und darüber)  pro Spiel hielt bis in die 1960er Jahre an. Wenn man unsere Legenden erzählen hört, dann kann man diesen Umstand der hohen Torquote aus ihren Erzählungen nachvollziehen; aber auch den Umstand, dass man damals als Rapid deutlicher gewonnen hat, weil mehr Tore gefallen sind.

Heute ist die Anzahl der Tore pro Spiel auf zwei (und darunter) gefallen.

Ein Grund dafür dürfte sein, dass die Verteidiger immer besser gelernt haben, diese Regel zu ihrem Vorteil auszunutzen und den Stürmer in eine „Abseitsfalle“ zu locken und dann auf einen aufmerksamen Linienrichter zu hoffen. Diese Abseitsfalle war schon in den 1960er-Jahren bei Rapid unter dem Stopper Walter Glechner im Einsatz und wurde in den 1970er Jahren bei Ajax Amsterdam perfektioniert.

Auch die 3-Punkte-Regel ist für die geringere Anzahl von Toren verantwortlich. Damals, 1995 sollte mit drei (statt zwei) Punkten für einen Sieg die damals weit verbreitete salomonische „Punkteteilung“ bekämpft werden. Man hoffte auf mehr Tore und mehr eindeutige Ergebnisse.

Aber es ist genau das Gegenteil davon eingetreten, denn an die Stelle der Motivation für die Angreifer, das Spiel für sich zu entscheiden, tendierten die Mannschaften eher zu einer Verstärkung der Defensive, um sich ja kein Tor einzufangen und mit einem gelegentlichen Konter das Spiel zu eigenen Gunsten zu entscheiden. Knapp aber gewonnen. Der „Catenaccio“ war geboren.

Man kann das auch bei den Spielen von Rapid nachvollziehen, allerdings ist für ein allgemeine Aussage die Anzahl der Spiele zu klein.

Gemessen an 100 Spielen vor und 100 Spielen nach 1995 fielen vorher 3.2 Tore pro Spiel und nach 1995 nur mehr 2.8 Tore, das entspricht ziemlich genau den internationalen Werten. Link.

Aber sogar von den Torquoten der 1990er Jahre sind wir heute weit entfernt, Rapid liegt derzeit bei etwa 2.

Das liegt daran, dass die Verteidigung gegenüber den Angreifern durch die Handhabung der Abseitsregel immer mehr im Vorteil ist. Der Verteidiger bestimmt mit seiner Position am Spielfeld die höchste Position der Angreifer und der Linienrichter unterstützt ihn dabei. Man hat diese Position durch die Regel-Ergänzung im Zweifel (gleiche Höhe) kein Abseits zu werten, etwas abgeschwächt, wenn man aber die Entscheidungen mit den Fernsehbildern vergleicht, wird diese Regel gefühlsmäßig eher für den Verteidiger ausgelegt.

Dabei wird die Regel in den meisten Fällen nur formal angewendet; einen entscheidenden Vorteil für den Angreifer gibt es gar nicht. Meist sind das Zentimeterentscheidungen.

Eine weitere moderne Regelspezifizierung ist die, dass für ein Abseits der Zeitpunkt der Ballabgabe wesentlich ist und nicht, ob dem Stürmer aus seiner Position ein Vorteil erwächst. Es passiert daher sehr häufig, dass ein Stürmer aus dem Abseits zurück, hinter letzte Verteidigungslinie zurückläuft aber ein Pass dennoch als Abseits gewertet wird, weil er eben bei der Ballabgabe im Abseits stand.

Den Erzeugern der Regel (IFAB) muss man zugute halten, dass der Schiedsrichter und sein Team für die Exekution einer Regel eine klare Entscheidungsgrundlage brauchen und dafür ist eben der Zeitpunkt der Ballabgabe gut geeignet obwohl in manchen Situationen das zu skurrilen Entscheidungen führt.

Ich möchte an dieser Stelle einen Vergleich mit dem Skisport bringen: wenn ein Fahrer ein Tor nicht korrekt passiert, kann er durch Zurückgehen diesen Fehler rückgängig machen. Er hat zwar viel Zeit verloren aber in manchen Fällen, wie zum Beispiel bei der Kombination, kann es doch noch für Weltcuppunkte reichen.

Beim Fußball bedeutet eine Abseitsstellung einen unerlaubten Vorteil eines Stürmers gegenüber dem Verteidiger, weil er durch seine Stellung näher zum Tor steht, ohne sich diese Stellung erkämpft zu haben. Wenn nun aber der Stürmer diesen Vorteil durch Zurücklaufen hinter den letzten Verteidiger aufgibt, also keinen Vorteil mehr hat, dann ist es sinnlos, ihn eines Abseits-Vergehens zu beschuldigen, weil er ja seine Stellung aufgibt und – so wie der Skifahrer – den Fehler rückgängig macht.

Was haben wir stattdessen?

Es wird in den meisten Abseitsentscheidungen in Fernsehbildern darüber diskutiert, ob der Angreifer sein Bein um einige Zentimeter zu weit vorne hatte und wenn ja, wird der Angriff abgepfiffen. Die Regel aus dem Jahr 1990, dass im Zweifel für den Angreifer zu pfeifen ist, kann man nur selten erleben und wenn, dann wird sie von dem Kommentator gleich dazu benutzt, zu bemerken, dass da doch der Stürmer etwas weiter vorne war, eine Situation, die der Linienrichter beim besten Willen nicht sehen konnte; das ist physiologisch unmöglich. Das Wacheln des Linienrichters wird durch ein im Nachhinein ermitteltes Zeitlupenbild beurteilt; sehr unfair gegenüber dem Linienrichter.

Was bewirkt eigentlich die Abseitsregel?

Die Wirkung dieser Regel war immer schon, dass weniger Tore fallen als ohne diese Regel fallen könnten.

Ist das gut?

Ja, das ist das Wesen des Fußballs und die Abseitsregel hat einen wesentlichen Anteil daran. Wenige Tore geben dem schwächeren Team eine realistische Chance, zu gewinnen und genau das ist interessant, denn wenn immer der Stärkere gewinnen würde, müsste man sich das Spiel ja nicht unbedingt anschauen. Es ist gerade das Ungewisse, das Fußballspiele so spannend macht.

Es gibt dazu Studien, die das Fußballspiel mit dem Handballspiel vergleichen und sich fragen, warum Handball nicht die Popularität des Fußballs erreicht. Ein Grund ist, dass beim Handball ungleich mehr Tore fallen. Nach wenigen Runden ergibt sich beim Handball in der Tabelle ein Oberhaus und ein Unterhaus und ein Spiel zwischen zwei Teams dieser Zonen ist viel leichter vorhersagbar als das beim Fußball der Fall ist; beim Handball gewinnt mit größerer Sicherheit das spielstärkere Team.

Wenn aber nur mehr weniger als zwei Tore pro Spiel fallen ist auch die Rolle des Schiedsrichters eine immer bedeutendere, weil er ein Spiel im Alleingang entscheiden kann. Und das darum, weil es für den Angreifer immer schwieriger wird, Tore zu erzielen.

Warum wurde aber die Abseitsregel so oft verändert?

Nach meiner Ansicht waren die Veränderungen das Ergebnis der Entwicklung dieses Sports. Je professioneller Spieler ausgebildet wurden und sich den taktischen Auflagen folgen konnten, desto besser konnten sie auf die Aktionen der Gegner reagieren und desto besser konnten Verteidiger auf die Aktionen der Stürmer eingehen und daher konnte man die Abseitsregel schrittweise abbauen, weil die Verteidiger auch ohne diese Unterstützung erfolgreich Angriffe abwehren konnten.

Man hat daher schon früh typische Standardsituationen nach Abstoß und Einwurf und Stellungen innerhalb der eigenen Hälfte aus der Abseitsregel ausgenommen, weil die Verteidiger sich die Stellung der Stürmer in Ruhe anschauen und sich darauf einstellen können. Warum daher die Abseitsregel nach einem Freistoß immer noch gilt, ist eigentlich unlogisch.

Es kommt im modernen Spiel kaum und eher nur zufällig vor, dass ein Stürmer sich in einer Position befindet, in der er wegen seiner Abseitsstellung einen klaren Vorteil gegenüber dem Verteidiger hat. Ist nämlich der Stürmer zum Beispiel ganz deutlich innerhalb der gegnerischen Hälfte nach dem letzten Verteidiger, dann kümmert sich der Verteidiger gar nicht um ihn, weil er weiß, dass er den Ball nicht annehmen kann. Der Verteidiger verlässt sich in diesem Fall voll auf den Linienrichter.

Ist dagegen der Stürmer auf der Höhe der letzten Verteidigungslinie, dann spielen die Verteidiger oft auf „Abseitsfalle“, indem sie zum Zeitpunkt der Ballabgabe etwas völlig Unlogisches tun, in dem sie sich einen Schritt vom eigenen Tor wegbewegen, um den Stürmer ins Abseits zu stellen, in dem dieser vorher gar nicht war. Manchmal geht die Rechnung auf, manchmal „schläft“ aber einer der Verteidiger und die Abseitsfalle misslingt.

Die Regel wird also etwas pervertiert, denn ein Schritt ist ja kein bedeutender Vorteil des Stürmers aber wird zu einem eher formalen Grund für den Linienrichter, den Angriff abzubrechen.

Würde es also diese Regel nicht geben, wären solche taktische Mätzchen nicht möglich und der Verteidiger müsste sich auf sein Hauptgeschäft, die Verteidigung konzentrieren und nicht auf ein taktisches Manöver.

Mehr oder weniger Einflussnahme durch den Schiedsrichter?

Wir Zuschauer empfinden ein Spiel ohne viele Spielunterbrechungen als interessanter als umgekehrt und Schiedsrichter, die das Spiel „laufen lassen“, tun dem Spiel oft gut. Wenn es also eine Möglichkeit gibt, die Anzahl der Spielunterbrechungen ohne Qualitätsverlust zu reduzieren, müsste das ein Vorteil für den Fußball sein.

Nehmen wir an, in einem Spiel würden 8 Abseitsentscheidungen geahndet, dann sind das 8 Spielunterbrechungen, die ohne Abseitsregel nicht erfolgen würden.

Man hat ein bisschen den Eindruck, als wären die verteidigende Mannschaft und die Linienrichter durch diese Regel gegen die Angreifer „verbündet“.

Würden ohne die Abseitsregel mehr Tore fallen?

Ich behaupte „ja“, aber nicht viel mehr. Immerhin genug mehr, um das Spiel interessanter zu machen, vielleicht so wie in der 50er Jahren.

Schauen wir einmal eine gewöhnliche Corner-Situation an. Wenn die angreifende Mannschaft alle Spieler im Strafraum versammelt, tritt der Schütze den Corner allein. Stellt aber die angreifende Mannschaft einen zusätzlichen Spieler zur Cornerfahne, um eine zusätzliche Abspielvariante zur Hand zu haben, wird dieser zweite Mann automatisch durch einen der Verteidiger gedeckt, was den Vorteil des Angreifers kompensiert.

Ich will mit dieser Szene illustrieren, dass jede taktische Maßnahme des Angreifers auch gleichzeitig eine taktische Reaktion des Verteidigers zu Folge hat und sich daher Vor- und Nachteil der jeweiligen Situation ausgleichen.

Genau so wäre es beim Abseits.

Wenn die Verteidigung nicht mit einem Abseitspfiff rechnen kann, dann positioniert sie sich zum offensivsten Stürmer und muss diesem Spieler aktiv begegnen ohne sich auf eine Abseitsfalle verlassen zu können.

Moderne Verteidiger hätten wahrscheinlich mit einem abseits stehenden Stürmer kein Problem.

Die Rolle von Verteidigung und Sturm dreht sich um

Derzeit bestimmen die Verteidiger, wo ein Stürmer regelkonform stehen kann. Stehen sie „hoch“, also etwa auf der Mittellinie, zwingen sie den Stürmer auch auf diese Höhe, laufen aber bei kleinen Unachtsamkeiten Gefahr, sich einen gefährlichen Konter einzufangen.

In einem abseitsfreien Spiel kann sich der Stürmer hinstellen, wohin immer er will. Die Reaktion wird sein, dass er von ein oder zwei Verteidigern begleitet wird. Das ist auch heute der Fall, nur bestimmen die Verteidiger diese Position, ohne Abseits aber der Stürmer.

Schiedsrichter entscheidet das Spiel

Fußballspiele sind torarm. Wir wissen, dass das dem Fußball gut tut. Was wir aber gar nicht wollen, dass ein Ergebnis durch eine Schiedsrichterentscheidung zustande kommt. Bei Fouls wird man natürlich den Schiedsrichter immer brauchen aber die Abseitsentscheidung könnte man ihm getrost abnehmen.

Die Linienrichter müssen unablässig diese eine Szenerie des Abseits im Auge behalten. Sie stehen auf der Höhe des letzte Mannes und müssen gleichzeitig mit dem Auge zum abspielenden Spieler schielen. Dieses Kunststück ist physiologisch ohnehin undurchführbar und es ist erstaunlich, wie oft Linienrichter dennoch mit ihrer Entscheidung richtig liegen.

Die Entscheidung pro oder kontra Outeinwurf oder pro oder kontra Foul ist für den weiteren Spielverlauf weit weniger gravierend als ein abgepfiffener Angriff wegen eines Abseits, oft sogar wegen eines vermeintlichen Abseits, wie dann im Nachhinein eine Kamera aufdeckt.

Was ändert sich am Spiel?

Das Spiel wird weniger oft unterbrochen; das steht fest. Es wird flüssiger und dadurch spannender.

Derzeit bestimmen die Verteidiger, wo ein Stürmer stehen kann. Der Rest ist eine Art gegenseitige Überrumpelungstaktik, in der entweder die Verteidiger durch eine Abseitsfalle oder der Stürmer durch einen Start zum richtigen Zeitpunkt die Situation für sich entscheidet.

Ohne Abseits gibt es kein Taktieren für die Verteidiger. Wo immer der Stürmer steht, man muss mit ihm rechnen und kann ihn nicht in eine taktische Falle locken.

Die Linienrichter, die derzeit hauptsächlich diese eine Situation im Auge haben müssen, können sich ohne Abseitsregel mehr auf das Spiel konzentrieren. Eventuell könnte der Linienrichter den Torrichter zu Gänze ersetzen, weil er nicht auf Ballhöhe sein muss und bei Torraumsituationen auch im Torraum präsent sein könnte.

Fallen mehr oder weniger Tore?

Ob durch den Wegfall der Abseitsregel mehr oder weniger Tore fallen würden, kann man nicht wirklich voraussagen. Für eine Zunahme spricht, dass kein Angriff aufgrund einer Stellung angepfiffen werden muss. Dagegen spricht, dass Verteidiger nicht taktieren können (und dadurch manchmal selbst in eine Falle laufen, weil nicht alle Verteidiger den entscheidenden Schritt nach vorne gleichzeitig ausführen und ihnen der Stürmer entwischt) und sich dadurch ausschließlich auf die Verteidigung einer Situation konzentrieren müssen und nicht auf das taktische Gegenteil, die Abseitsfalle.

Die Zeit ist reif für einen Fußball ohne Abseits

Die Abseitsregel wurde im Laufe der Jahrzehnte immer etwas zurückgenommen. Unser heutiges Spiel wird im wesentlichen durch die Abseitsregel aus dem Jahr 1925 geprägt, flankiert durch die Abfederungen, dass es bei Einwürfen, in der eigenen Hälfte, nach Ausschüssen und einem Corner keine Abseitsstellung gibt.

Warum ist das so? Man kann da nur vermuten.

Dass nach Ausschüssen, einem Corner und nach Outeinwürfen keine Abseitsstellung gegeben ist,  könnte man so interpretieren, dass es sich um „ruhende Bälle“ handelt und die verteidigende Mannschaft genug Zeit hat, sich auf die Situation einzustellen und es daher ein bisschen sonderbar wäre, dass diese No-Na-Situation auch schon ein Abseits nach sich ziehen würde.

Nach meiner Ansicht wäre das auch nach einem Freistoß der Fall – ist es aber nicht. Auch ein Freistoß ist eine Art definierter Spielbeginn, auf den sich alle Beteiligten gut einstellen können, bei der sie also nicht taktieren müssen.

Etwas mehr Tore würden uns gut tun

Der Fußball lebt von den Toren. Gibt es einmal ein 0:0, mag dieses durchaus spannend sein, ein 2:2 wäre uns als Zuschauer lieber. Dass ein wenig mehr Tore irgendwas verschlechtern, kann ich nicht sehen, denn vor 50 und 80 Jahren zählte man doppelt so viele Tore und die Fußballwelt war damals auch in Ordnung.

Die derzeitige Konzeption stärkt eindeutig die spielschwächere Mannschaft in einem diskussionswürdigen Ausmaß. Man hatte 90 Jahre Zeit, mit dieser Abseitsregel zu leben und im Laufe der Jahrzehnte hat die Anzahl der Tore stetig abgenommen, weil die Fußballstrategen die Abseitsregel immer besser für Verteidigungszwecke auszunutzen verstehen.  Es wäre an der Zeit, dass wieder einmal dem Angreifer mehr Räume gegeben werden und man wieder mehr Tore sieht im Fußball.

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Neue Fußballregeln

Ab 2. Juni 2016, also gerade rechtzeitig zur EM, gibt es 95 neue Regeln oder abgeänderte Regeln. Hier die wichtigsten:

  • Bei Notbremse im Strafraum gibt es Elfmeter und Gelbe Karte (statt Rot, Platzverweis und Elfmeter)
  • Es ist dem Stürmer nicht erlaubt, bei einem Elfmeter komplett abzustoppen. Tut er es doch, gibt es Gelb und Freistoß für den Gegner. Eine solche Regel gab/gibt es schon in einem deutschen Bewerb.
  • Der Schiedsrichter kann einen Vorteil nur mit einer Hand anzeigen (statt bisher mit zwei Händen)
  • Ein Einwurf muss beidhändig erfolgen, eine Stützhand ist nicht erlaubt.
  • Beim Ankick darf der Ball auch nach hinten gespielt werden.
  • Trinkpausen sind nunmehr Teil des Regelwerks, müssen aber in der Nachspielzeit eingerechnet werden.
  • Spieler darf nach Verletzung am Feld bleiben, wenn die Behandlung nicht mehr als 20 Sekunden dauert.
  • Sichtbare Unterhosen müssen dieselbe Farbe wie das Trikot. Bei mehrfarbigen Trikots muss die gewählte Farbe einheitlich sein.
  • Bei einer Roten Karte vor Anpfiff darf die Mannschaft dennoch mit 11 Spielern beginnen.
  • Wurde ein Schuh verloren, darf der Spieler bis zur nächsten Unterbrechung ohne Schuh weiterspielen.

Weiters wurde bekannt, dass an den Vorbereitungen für den Video-Beweis gearbeitet wird.

Links

Es gibt zwar einiges ÖFB-Material zum Download aber ein Regelwerk speziell für den österreichischen Fußball konnte ich nicht finden.

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Mit der Kamera im Stadion

Ich bin ein Amateurfotograf und dokumentiere unsere Erlebnisse mit Rapid sowohl in Form kleiner Geschichten aber auch in Bildern. Die Bilder haben keinen kommerziellen Hintergrund und können von jedermann weiterverwendet werden. Man findet die Bilder hier.

Seit ich Spiele besuche, kommt es immer wieder vor, dass man bei den Stadionkontrollen nicht vorbei kommt. Wenn man den Ordner oder den Supervisor nicht überzeugen kann, muss man die Kamera in einem Depot abgeben oder eben nach Hause gehen. Zweiteres ist auch schon vorgekommen, wie mir Christian in seiner Mail schreibt.

Kleine Kameras sind nie ein Problem

Kein Ordner wird uns zurückweisen, wenn wir mit einem Handy oder mit einer Pocket-Kamera unterwegs sind. Aber je größer das Gehäuse, desto öfter wird man hören die Kamera wäre „zu groß“. Das ist ein sehr subjektives Kriterium des jeweiligen Ordners, der seine Aufgabe genau nimmt und dazu ist er ja da. Er stellt sich vor, dass jemand das Riesending als Wurfgeschoß benutzt und das wäre tatsächlich gefährlich, und das ist auch schon vorgekommen.

Wer aber das Fotografieren ernster nimmt, landet bald bei einer größeren Kompaktkamera oder bei einer Spiegelreflex und dann beginnen auch die Probleme.

Objektive kann man werfen

Ganz am Beginn unserer „Fußballkarriere“, am 1.9.2000 fand das Länderspiel gegen den Iran statt (es war das Abschiedsspiel für Toni Polster) und ich habe von diesem Spiel keine Bilder, weil die Kamera während des Spiels in einem Container aufbewahrt werden musste. In den Monaten vor dem Spiel gab es nämlich einen Vorfall, dass ein Fotograf aus Zorn über das Geschehen am Spielfeld ein Objektiv von seiner Kamera geschraubt hat und auf das Spielfeld geworfen hat. Darauf hin wurden kurze Zeit Spiegelreflexkameras verboten.

Heute darf man eine Spiegelreflexkamera in Österreich mitnehmen, meist aber nur mit einem Objektiv, damit sich das nicht wiederholt.

Kameras in Deutschland

Wir näherten uns dem Fußballgeschehen immer mehr an und stellten bei den Auslandsfahrten nach Deutschland fest, dass man dort etwas genauer schaut. Die Regel ist etwa folgende: Spiegelreflexkameras dürften generell verboten sein. Manchmal hatte der Ordner den Auftrag auf die Brennweite zu schauen. Alles über 100 mm wäre ein Tele und daher nicht zugelassen. Der Grund dürfte der Schutz der professionellen Fotografen sein, die verhindern wollen, dass Leute wir ich ihnen das Geschäft abgraben.

Zunächst zur Brennweite. Bei einem Spiel in Hannover wären wir fast mit der Kompaktkamera abgewiesen worden, weil diese Kameratypen mittlerweile auch schon ziemlich pompös erscheinen. Der Ordner hatte den Auftrag, auf die Brennweite zu schauen und dort stand 4,3-150 mm und er hat gnädig ein Auge zugedrückt, weil ihm als Obergrenze 100 mm genannt wurden. Allerdings bezieht sich diese Angabe 100mm auf das Chipformat eines Kleinbilds (24x36mm). Bei Kompaktkameras ist der Chip um ein Vielfaches kleiner und damit auch die Brennweite. Der Ordner ließ uns mit einem Tele passieren, das gut 650mm eines Kleinbildformats entspricht.

Etwas unprofessionell ist das Argument, dass man mit einer größeren Brennweite einem Profifotografen Konkurrenz machen könnte. Wer, so wie wir, im zweiten Rang des Happelstadions sitzt, ca. 60 Meter von der Mittelauflage, der kann über einen solchen Berufsschutz nur lachen. Diese Bilder sind absolut unverkäuflich.

Das alles ist nicht sehr wichtig, es zeigt aber auf welche Argumentationen man vorbereitet sein muss.

Wir nehmen daher bei Fahrten ins Ausland grundsätzlich nur eine Kompaktkamera mit.

Wie ist das bei Rapid?

Die routinierte Firma Securitas erledigte die Ordnerdienste in der Zeit als das Hanappi-Stadion noch im Gemeindebesitz war. Damals war die Mitnahmen einer Kamera eigentlich nie ein Problem. Einmal ging ich sogar mit mehreren Objektiven ins Stadion, die ich testen wollte.

Mit der Hausübergabe von der Gemeinde an Rapid im Jahr 2013 wurde aber von Rapid eine andere Firma beauftragt. „Neue Besen kehren gut“ und aus war es mit der problemlosen Kamera-Zulassung. Einige Male musste ich mir von den Rapid-Funktionären Hilfe beim Einlass holen. Dann wurde mir empfohlen, mich wegen einer Akkreditierung an die Presseabteilung zu wenden, was ich auch einmal erfolgreich probiert habe und beim Spiel am 2.11.2013 gegen die Admira bekam ich eine universelle Betretungserlaubnis für „Tribüne“, „Pressebereich“ und „Mixed-Zone“. Mir schien die Prozedur für das simple Fotografieren am Sitzplatz dann doch etwas kompliziert und ich bat Clemens Pieber um eine Bestätigung, die besagt, dass ich mit meiner Kamera ins Stadion darf. Bei Rapid-Heimspielen gibt es seither keine Probleme.

Ich würde daher allen Amateurfotografen raten, sich auch so eine Erlaubnis zu besorgen.

Wenn man aber mehr will, benötigt man eine Akkreditierung als Pressefotograf. Die richtige Adresse wäre Günter Bitschnau presse{at}rapid.at.

Auswärtsspiele in der Bundesliga

Es gibt aber auch Auswärtsspiele. Und alles hängt immer von den handelnden Personen ab. Meist wird man durchgewunken (zum Beispiel wenn der betreffende Ordner selbst ein Fotograf ist und ihm die Kamera nicht besonders auffällt), manchmal gibt es aber punktuelle Auflagen und man steht schon wieder bei einem Container und gibt die Kamera ab.

Bei einer unserer Fahrten nach Wolfsberg im Dezember 2014 war wieder einmal bei einem Ordner Endstation. Da las ich bei einem Fenster „Presse-Akkreditierung“. Man hat ja immer einen Presseausweis dabei. Ich zeigte den vor und konnte problemlos mit der Kamera ins Stadion. Man hätte mit der Berechtigung sogar aufs Spielfeld können aber das war nicht einmal meine Absicht. Hier ist der Bericht mit der damaligen Akkreditierungskarte und dem Presseausweis.

Die Frage ist, wie man zu so einem Presseausweis kommt. Bei mir ist das insofern einfach, als ich selbst eine Zeitung herstelle und aus diesem Titel alljährlich einen solchen Ausweis beim Kuratorium für Presseausweise beantrage. Es gibt aber auch andere Vereine, die berechtigt sind, solche Bestätigungen auszustellen.

Spiele des ÖFB

Länderspiele unterliegen anderen Zulassungsbedingungen und es kam immer wieder vor, dass ich mit der Kamera nicht eingelassen wurde. Im September des Vorjahres beim Spiel gegen Moldawien war es wieder soweit, meine Kamera wurde deponiert. Ich kramte auf der Webseite des ÖFB und wurde  fündig, denn in den ÖFB-Sicherheitsrichtlinien steht: „Funktionsfähige Fotoapparate, Film- und Videokameras oder sonstige Bild- und Tonaufzeichnungsgeräte (inkl. Batterien und Akkus) sind explizit gestattet.“

Mit diesem Argument wandte ich mich brieflich an den ÖFB und es wurde mit tags darauf bestätigt, dass ich eine Spiegelreflexkamera mitnehmen darf. Nur „große Objektive“ wären nicht erlaubt. Gut, das gibt wieder einen Interpretationsspielraum aber wahrscheinlich meint man die Super-Teleobjektive, die man bei den Profis am Spielfeldrand beobachten kann.

Mit dieser Mail im Gepäck habe ich bisher alle Ordner-Einwände überwunden, meist muss man sich das mit dem Supervisor ausmachen aber schließlich wird man eingelassen.

Empfehlung

Für Heimspiele von Rapid empfehle ich, sich eine Bestätigung seitens des Clubservice (2013-08 Rapid Fiala_Franz Kameraerlaubnis) zu besorgen. Für Spiele des ÖFB sollte die ausgedruckte Bestätigung (2015-09-08 Kraus_Heimo FialaFranz Genehmigung) gemeinsam mit der Anfrage (2015-09-07 Fiala_Franz ÖFB Anfrage Kamera mit Posteingangsstempel des ÖFB) genügen.

Man braucht die Bestätigung nur selten aber dann ist sie nützlich. Nützlich ist auch, wenn man freundlich zu den Ordnern ist; sich aufregen ist kontraproduktiv.

 

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Was bringen die Reichen?

Kurzantwort

In der englischen Liga gewinnt ein Verein mit einem Geldgeber durchschnittlich 3 Plätze in der Tabelle.

Anlass

Gestern wurde Leicester-City wegen des Unentschieden im Montags-Spiel zwischen Chelsea und Tottenham vorzeitig englischer Meister und mit ihm unser Paradelegionär Christian Fuchs. Wir gratulieren.

Wer ist Leicester City?

Wir sehen Leicester City gerne als eine Art „Robin Hood“ des englischen Fußballsports, als einen kleinen Verein, der sich gegen die großen durchgesetzt hat.

Aber genau genommen steht der Klub in derselben Reihe der Klubs, die einem jener Superreichen gehören, die sich einen Fußballklub als eine Art privates Gesellschaftsspiel leisten. Im Fall von Leicester City heißt er halt nicht Roman Abramovich sondern Vichai Srivaddhanaprabha, einer der reichsten Thailänder.

Die Seite ran.de listet die 10 reichsten Clubbesitzer in England auf. Ab etwa 1,5 Milliarden Vermögen ist man dabei. Hier die Liste, beginnend beim reichsten. Gleichzeitig sieht man auch den aktuellen Tabellenrang.

Mia € Rang Verein Besitzer Land
28 4 Manchester City Mansour bin Zayed Al Nahyan Abu Dhabi
7,4 9 FC Chelsea Roman Abramovich RUS
6,9 2 Tottenham Hotspur Joe Lewis GB
5,6 3 FC Arsenal Stan Kroenke
4,9 17 Newcastle United Mike Ashley
4,2 5 Manchester United Familie Glazer USA
3,4 18 AFC Sunderland Ellis Short IRE
2,6 7 FC Southampton Katharina Liebherr CH
2 1 Leicester City Vichai Srivaddhanaprabha Thailand
1,4 8 FC Liverpool John Henry

Wie man sieht, ist Fußballspiel in England dem einfachen Verein von früher längst entwachsen. Es geht nicht mehr darum, ob man einen Geldgeber hat, sondern darum, wie viel dieser „let spring“. Ohne Geldgeber geht da offenbar gar nichts mehr. Es spielt nicht mehr Herz gegen Geld – wie wir das gerne sehen würden – sondern Geld gegen noch mehr Geld.

Und was bringt das große Geld?

Das Mittel aller Platzierungen in der englischen 20er-Liga ist Platz 10,5.
(1+2+3+4+…20)/20 = 10,5

Nehmen wir nun jene 10 Vereine mit einem reichen Besitzer und schauen an, wo deren Vereine im Mittel in der Tabelle platziert sind. Wir erhalten Platz 7,4.
(4+9+2+3+17+5+18+7+1+8)/10=7,4

Daraus folgt, dass man mit viel Geld in der englischen Liga im Schnitt etwa 3 Plätze gewinnt; Sunderland und Newcastle wären somit ohne Geld statistische Abstiegskandidaten.

Aber einen deutlichen Trend, dass mehr Geld auch einen besseren Tabellenplatz bedeutet, kann man in dieser Saison nicht ableiten.

 

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An die Unzufriedenen

Wir hören oft, dass die Ergebnisse von Rapid die Folge von „Unfähigkeiten“ der Akteure wären, und das käme anderswo nicht vor. (So hört sich das bei den Zuschauern an.)

Nachdem in den Sozialen Netzen Spieler und Trainer von Rapid nach dem Unentschieden in Wolfsberg (nach 2:0 Führung zur Pause) wieder einmal schlecht weggekommen sind, kann ich es mir nicht verkneifen, nach diesem Fußballfest vom Donnerstag (Liverpool-Dortmund 4:3) eine Parallele zu ziehen:

Schaut Euch einmal folgendes Bild an:

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Es ist der Torjubel nach dem frühen Tor in Wolfsberg durch Tomi.

Wer hätte bei dem Pausenstand von 2:0 für die Auswärtsmannschaft noch an ein Erfolgserlebnis der Heimmannschaft geglaubt? Dieses Gefühl hatten nicht nur die Zuschauer.  Spieler und Trainer von Rapid und Dortmund haben das wahrscheinlich auch so empfunden. Und Hier wie Dort war man sicher auf der Hut und Hier wie Dort hat es nichts genützt. Man entkommt diesem Gefühl, dass man schon „durch“ ist, nicht. Und dieses kollektive Verständnis einer Situation hat wahrscheinlich mehr Einfluss auf das Geschehen, als man es glauben würde.

Weder im Lavanttal noch an der Anfield Road hätte das jemand geglaubt. Aber die Unwägbarkeiten des Fußballs machen das möglich.

Und nach Abpfiff waren die Spieler von Dortmund am Donnerstag genau so fassungslos wie die Spieler von Rapid am Samstag.

Ich schlage vor, weder die einen noch die anderen zu beschimpfen – wie das leider in unseren Breiten oft geschieht.

Die Leistung besteht – wie wir hoffentlich alle wissen – nicht im Ergebnis, das liegt allein schon das der Definition von „Leistung“.

Ein Tor ist keine Leistung

Leistung ist der Aufwand an Energie in einer bestimmten Zeit. Das ist zum Beispiel das Laufpensum der Spieler oder unser Einsatz bei einem Stadionbesuch. Aber die Spieler würden sich nicht um den Hals fallen, nur weil sie zehn Lauf-Kilometer abgespult haben. Es verfällt ja auch niemand in Euphorie, wenn er sich einen Tag lang für eine Prüfung vorbereitet hat.

Aber schauen wir auf den Tag der Prüfung. Wir haben uns vorbereitet, so gut es möglich war (das war die Leistung) und dennoch kann es jedem von uns passieren, dass er die Prüfung nicht besteht oder aber auch sehr gut besteht. Trotz identischer Vorbereitung.  Das hat viel mit Glück zu tun; mit der Zufälligkeit der Fragenauswahl, mit kleinen Irrtümern bei den Antworten, die als Fehler geahndet oder nicht geahndet werden, mit Nervosität usw.

So ist das auch bei einem Fußballspiel. Eine Mannschaft greift an, bis sich die Gelegenheit zu einem Torschuss ergibt. Aber wir wissen schon aus dem gut reproduzierbaren Training, dass es nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit für einen Erfolg gibt, auch bei Ronaldo.

Es ist wie beim Würfeln, es gibt vor jedem Wurf (Torschuss) eine vorgegebene Wahrscheinlichkeit, zu reüssieren. Der Unterschied zum reinen Zufall des Würfelns ist aber, dass es – um im Fußball „würfeln“ zu können (also in einem Spiel probieren zu können, ein Tor zu schießen) man vorher eine enorme Leistung hat zeigen müssen, bevor man überhaupt in diese Situation des Torschusses kommt. Und ob dieser Einsatz an Leistung vom König Zufall belohnt wird, das steht sozusagen „in den Sternen“.

Darum ist es eine große Freude, eine Prüfung zu bestehen oder ein Tor zu erzielen! Und daher dieser spontane Torjubel der Spieler und Trainer nach einem Torerfolg. Weil eben der Erfolg keine ausgemachte Sache ist, trotz größter vorangegangener Anstrengung.

Was ist das Tor dann?

Beobachten wir einmal Spieler beim Training. Der Trainer gibt eine Situation vor, die mit einem Torschuss abzuschließen ist. Ohne Gegner. Das Ziel ist immer, ein Tor zu erzielen. Und wie viele der Schüsse fängt der Tormann, wie viele gehen daneben oder an die Stange. Nur ganz wenige Schüsse landen im Tor.

Allein diese Situation „ohne Feindeinwirkung“ zeigt uns, dass nur ein kleiner Teil der zahlreichen Versuche, zum Erfolg führt. Niemand weiß, welcher. Die Wahrscheinlichkeit für ein Tor in einer gegebenen Situation ist sogar unter Übungsbedingungen eher gering.

Ist ein Tor Zufall?

Ja, und nein.

Ja, weil dieser Vorgang des Toreschießens in unvorhersagbarer Weise zum Erfolg führt.
Nein (oder nicht nur), weil man bei diesen Versuchen auf Grund der messbaren Torquote sehr wohl zwischen Laie, Anfänger oder Profi unterscheiden kann. Aber der Umstand der Unwägbarkeit gilt für den Profi genau so wie für den Anfänger, weil er sich immer mit Teams derselben Leistungsstufe misst. Zahlreiche Hoppalas mit den Bestern der Guten zeigen das eindrucksvoll. Und niemand würde auf die Idee kommen, einem Ronaldo oder Messi Unfähigkeit vorzuwerfen, bei Rapid aber schon.

Tore passieren zufällig

Egal, ob Hobbymannschaft oder Profimannschaft; Tore kann man weder planen noch erzwingen, sonst wäre es ein Leichtes, eine einmal gelungen Aktion zu wiederholen. Aber genau das funktioniert nicht, weil alle folgenden Situationen anders sind und wieder dieser Faktor Zufall jeder Planung und Wiederholung einen Riegel vorschiebt.

Es ist unbestritten, dass manche Spieler deutlich mehr Tore schießen als andere aber dem Umstand der Zufälligkeit des Geschehens entkommen auch sie nicht, denn dazu ist der Ball „zu rund“.

Auch unser Sportdirektor dürfte Nachholbedarf im Fußball-1mal1 haben, denn er sagte im Interview vom 12.4. „So etwas wie in Wolfsberg darf nie wieder passieren.“

Man ist im Fußball immer wieder überrascht und das hat mit den Unwägbarkeiten zu tun. Und daher kann man wenig voraussagen. Und ein „nie wieder“ ist vielleicht plakativ für die Kamera aber bereits morgen kann es eine Neuaflage dieses „nie wieder“ geben, denn es ist ein Fußballspiel und keine ausrechenbare Sache. Und das hat nichts mit der Leistung zu tun, die durchaus ansehnlich sein kann, so wie im Lavanttal und auch an der Anfield Road.

Rapid-Viertelstunde vom 15.4. auf W24

  • Chelsea kommt nach Wien
  • Hofmann und Derby-Bilanz
  • Vollfan statt Vollfett-Aktion
  • Ankündigung Greenie-Tag
  • Lauftraining zu gewinnen
  • Prosenik und die „Blues“
  • Fanumfrage zu Chelsea
  • Link zum Video
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Fußballplatz, Ort gelebter Meinungsfreiheit

Wenn uns einmal der Februar, ein Monat der frühen Vorentscheidungen, eingeholt hat, werden wir uns nicht mehr fragen, warum wir am Fußballplatz sind, sondern vielleicht trauern, vielleicht auch uns freuen. Aber jetzt, bei Minusgraden, ist der richtige Zeitpunkt, Grundsatzfragen nachzugehen.

Seit ich Fußballplätze besuche, frage ich mich, warum wohl man im 19. Jahrhundert diese (und viele andere) Sportarten erfunden hat und warum gerade der Fußball eine so große Verbreitung und Popularität erreicht hat. In den Anfängen konnte ja niemand wissen, wohin die Reise geht und dass es einst Stadien mit bis zu Hunderttausend Zuschauen geben würde. Die Gründe, Anhänger eines Fußballvereins zu werden, haben sich erst im Laufe der Zeit zu dem entwickelt, was wir heute erleben.

In dem Buch „111 Gründe, den SK Rapid zu lieben“ von Gregor Labes, Kersten Bogner, Fabian Mosser, Gerald Pichler und Jürgen Zacharias findet man wirklich viele Motive, um auf den Fußballplatz, insbesondere zu Rapid zu gehen. Mein hier konstruiertes Motiv ist ein Motiv hinter den Motiven, eine Art Manifest unserer gesellschaftlichen Ordnung und bezieht sich auf Fußball allgemein (obwohl schon klar sein muss, dass der Wahre nur in Grün-Weiß gespielt wird – oder der in Violett?).

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Ein weiteres Buch hat mir wichtige Hinweise für den Zusammenhang zwischen Fußball und Meinungsfreiheit geliefert. Ich hatte die Gelegenheit bei einem Vortrag des Historikers Heiko Heinisch lauschen zu dürfen. Für mich als Techniker war dieser Vortrag von einer scharfen Logik geprägt wie man sie sonst nur in technischen Dokumentationen oder physikalischen Formeln vorfindet und die ich sich sehr genossen habe. Der folgende Text ist daher stark von den Aussagen des Buchs „Charlie versus Mohammed“ geprägt.

Wir hören bei jedem Spiel die Fangesänge und lesen die Aufschriften auf den Transparenten und das alles ist nicht immer nach unserem Geschmack und bei dem einen oder anderen Sager, hätten wir es lieber, wenn man die Ausrufe, die Transparente unterlassen oder wenigstens anderswie formulieren würde. Und es stellt sich uns oft die Frage in der Form „Derfen’s denn des?“

Bisher hatte ich immer nur diffuse Antworten parat, wie „so lange sich niemand aufregt…“, „die anderen sind ja nicht besser“ oder „wo kein Richter…“ so ähnlich. Aber unter dem Eindruck dieses Vortrags von Heiko Heinisch, kann ich  meine Haltung zu diesen Ausdrucksformen der organisierten Fans präziser formulieren.

  • Seit den Anschlägen von Paris gegen Journalisten (link),
  • seit unser HBP gemeint hat, dass man das nicht tun dürfe, „die religiösen Gefühle unserer muslimischen Mitbrüder- und -schwestern beleidigen“ (link),
  • seit der Herr Papst seinen Sager losgelassen hat, dass eine Beleidigung seiner Mutter eine Antwort mit der Faust zur Folge hätte (link),
  • seit mein Freund Peter sich darüber aufgeregt hat, dass ich mich kraft meiner Zugehörigkeit zur KdfSM (Kirche des fliegenden Spaghettimonsters) über Religionen lustig machen würde und sich das nicht gehört (er ist mit dieser Meinung in bester Gesellschaft, wie man am Vorbild des HBP sieht),
  • seit Aldi, der deutsche Hofer, eine Seife vom Markt genommen hat, weil darauf ein Bild der Haglia Sofia zu sehen war (link),
  • seit Spar sein Halal-Fleisch aus dem Sortiment genommen hat (link),
  • seit sich Religionsgemeinschaften scheibchenweise immer mehr Sonderrechte aneignen (link),
  • seit ich das mitreißende und scharfsinnige Buch von Nina Scholz und Heiko Heinisch „Charlie versus Mohammed, Plädoyer für die Meinungsfreiheit“ gelesen habe…

…hat sich meine Überzeugung von der Richtigkeit und Wichtigkeit der Kritik absurder Weltanschauungen gefestigt und ich besuche seither Fußballspiele noch lieber als vorher.

Was diese Dinge mit Fußball zu tun haben?

Alles!

Fußball, in der Form wie wir ihn erleben, als „Mannschaften mit Anhängern“, die miteinander in Wettbewerb stehen, ist eine Manifestation von Meinungsfreiheit.

Es gibt eine Unzahl von Fußballvereinen. Alle diese Vereine haben das Ziel ganz oben zu stehen. Und ein sommerlicher Voralpen-Cup ist für die teilnehmenden Vereine ebenso bedeutend wie für andere die Champions-League.  Für die Anhänger dieser Vereine gibt es nur eine Wahrheit: die ihres Vereins. Sie dürfen und sollen diese Wahrheit verkünden wann und wo immer sie wollen. Sie dürfen auch – und das ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig – die völlig identischen Ziele des Gegners missachten, verachten und – sofern das nicht persönlich ist – auch beschimpfen und beleidigen; nicht die Personen, die Ideen.

Wenn es also heißt: „wir vernichten Austria Wien“, dann ist das vielleicht nicht gerade zurückhaltend oder rational aber es darf sein. Und natürlich muss auch das Gegenteil möglich sein, wenn es heißt „schwuler SCR“ (na ja, über Geschmack lässt sich streiten). Es geht nicht um den Einzelnen, es geht um die Idee. Und es geht nicht darum, ob die jeweilige Äußerung gefällt oder nicht, sondern darum, dass sie gesagt werden darf.

Ich füge ausdrücklich hinzu, dass sich diese emotionalen Sager auf die Idee eines Fußballvereins beziehen aber nicht auf konkrete Akteure. Leider gehen in der Praxis diese Dinge ineinander über. Aber es ist ein kollektiver Lernprozess, wie ich noch zeigen möchte.

Das Wichtigste am Fußball ist daher nicht, was man selbst als das Wichtigste erachtet, nämlich den eigenen Verein, sondern im Gegenteil: es sind die Gegner. Nur durch ihre Existenz und durch ihre gleich gelagerten Rechte verleihen sie der eigenen Idee eine Existenzberechtigung und Gewicht. Ein Fußballverein ergibt überhaupt erst einen Sinn, wenn es andere Vereine gibt! Und die Idee des eigenen Vereins bekommt erst durch die Stärke des Gegners entsprechendes Gewicht.

Das kann man an den Zuschauerzahlen ablesen. Wenn Rapid gegen Parndorf spielt, kommen 200 Zuschauer, gegen den Lokalrivalen 20.000 und gegen Real Madrid könnte man 200.000 Karten verkaufen. Erst der Gegner gibt einem Verein Bedeutung.

Wir können aus der Beobachtung des Verhaltens von Zuschauern bei Fußballspielen leicht erkennen, wo Parteinahme für den eigenen Verein, für die eigene Idee ihre Grenzen hat. Es ist immer dort, wo Grundrechte des jeweils anderen (als Einzelperson) beschnitten werden. Was also nicht „geht“, ist

  • wie immer geartete Gewalt gegen andere,
  • persönliche Beleidigungen,
  • Sonderrechte (aber auch keine besonderen Benachteiligungen)

Aber Kritik am Gegner, auch wenn sie derb ausfällt, muss möglich sein. Diese, meist kollektiv vorgetragene, Kritik beschneidet in keiner Weise Rechte der Anhänger des kritisierten Vereins. Diese können weiterhin an dem Glauben festhalten, ihr Verein wäre der Größte. Dieses Recht nimmt ihnen ja die vorgetragene Kritik nicht weg. Und das ist bei Religionen ganz genau so.

In der Praxis ist das alles nicht ganz so ideal, wie wir wissen, und daher brauchen wir leider immer auch die Exekutive, sei es im Alltag oder am Fußballplatz aber, wir alle lernen laufend dazu.

Vor einigen Jahren wurden wir beim Versuch, mit der U4 nach Hütteldorf zu fahren, von der Exekutive in der Station Karlsplatz ziemlich energisch vom Bahnsteig vertrieben. Später erkannten wir den Grund: es gab eine komplett violett besetzte U-Bahn-Garnitur und man wollte uns vor Problemen bewahren, weil wir mit unseren grünen Schals unsere Vorstellungen von Fußball zu deutlich zur Schau gestellt haben. Ich habe mich damals gefragt, ob man nicht eher die Randalierer im U-Bahnzug hätte disziplinieren müssen. (Gilt selbstverständlich auch für die genau umgekehrte Farbkonstellation.) Stattdessen folgte das Verhalten der Exekutive eher dem Vorschlag des HBP, dass man die „Gefühle des andersfarbigen Kollektivs nicht verletzen dürfe“, weil die sich dann – mit Recht vielleicht sogar? – zu Wehr setzen würden und die sie kritisierende grün-weiße Idee tätlich angreifen würden?

Bei Fußballspielen findet aus meiner Sicht ein Lernprozess mit dem Ziel statt, jeweils andere Standpunkte als gleichwertig zu akzeptieren. Keiner der Anhänger einer Mannschaft kann sicher sein, dass ein Sieg, also eine Bestätigung seiner Idee, sich in alle Ewigkeit wiederholt. Egal, ob triumphaler Sieg oder erniedrigende Niederlage, es ist die Aufgabe der Anhänger trotz heftigster Emotionen mit diesen Situationen zivilisiert umzugehen. Wenn jemand der Meinung ist, dass das bei manchen Spielen nicht der Fall wäre, dann stimme ich dem durchaus zu aber: man kann es als einen nie enden wollenden Lernprozess betrachten.

Im Sinne dieses Lernprozesses hätte die Exekutive damals in der U-Bahn-Station folgendes tun müssen: sie hätte einige mutige Rapidler in einen violetten Waggon eskortieren sollen. Und im Falle von Aggression, egal von welcher Seite, zeigen sollen, dass das ein No-Go ist. Natürlich gilt dasselbe für die umgekehrte Farbsituation. So aber hat die Exekutive den gewaltbereiten Randalierern im U-Bahn-Zug geradezu Geleitschutz gegeben.

Für mich ist ein Fußballspiel die Erkenntnis, dass es sich trotz oder gerade wegen dieser Konflikte zwischen den Anhängern der beiden Kontrahenten um einen höchst wichtigen Prozess handelt, bei dem immer wieder ausverhandelt wird, dass jeder das Recht hat, seine Meinung zum Ausdruck zu bringen. Im Falle des Fußballs besteht die Kuriosität darin, dass diese konkurrierenden Ideen völlig identisch sind und – (die Anhänger der jeweils wahren Lehre mögen mir das verzeihen) – es geradezu eine Karikatur von gesellschaftlich viel höher bewerteten Ideen wie zum Beispiel der Religionen ist; und ich frage mich, warum diese Religionen einen so wichtigen Vorzug genießen.

Unterschätzt mir den Fußball nicht!

Um wie viel höher diese Religionen moralisch angesiedelt sind, kann man sich durch einen exemplarischen Vergleich von Aussagen ihrer heiligen Bücher vor Augen führen.

Man soll sich also – in der Diktion des HPB – nicht über eine Idee lustig machen, die einem Terroristen, der sich für seine Idee in die Luft sprengt und dabei viele Menschen in den Tod reißt, einer Idee, die ihm 72 Jungfrauen im Paradies verspricht und deren Protagonisten solche Lehren ungestraft verbreiten dürfen, mit dem Ergebnis, dass es doch immer wieder Einzelne gibt, die das Gelernte in die Tat umsetzen. Und es ist offenbar ein ebenso hohes Gut, wenn die männerdominierte Hierarchie der katholischen Kirche das Recht für sich beansprucht, die Regeln in den Schlafzimmern ihrer Mitglieder festzulegen und bei der Festlegung dieser Regeln, die Hauptbetroffenen, die Frauen nicht weiter zu Wort kommen lässt. Und auch diese Idee soll man achten und nicht verächtlich machen dürfen.

Ganz zu schweigen von den unappetitlichen religiös-umrahmten Äußerungen einzelner Stars wie zum Beispiel unseres David Alaba, der sicher ist, dass er seine „Kraft nur Jesus verdankt“ (Aufschrift auf seinem Trikot) und der (oder ein Fan von ihm) unter diesem Titel sogar eine eigene Facebookseite betreibt (link). Dieser Standpunkt ist natürlich sehr praktisch – für die Sieger. Es ist eine weit verbreitete Argumentationslinie, zu behaupten, Gott wäre auf der Seite der Erfolgreichen. Das hat Calvin trefflich in die Welt gesetzt und wurde von den Wohlhabenden eines ganzen Kontinent dankbar aufgegriffen. Dort gilt dann auch der Umkehrschluss, dass die Armen für ihr Schicksal selbst verantwortlich seien, wie zum Beispiel zuletzt Kira Grünberg und Lukas Müller. Na, David, was ist die Haltung Deines Jesus zu diesen beiden tragischen Schicksalen? Waren diese beiden zu wenig mit Jesus verbunden? Wenn ich den Aufdruck auf Deinem T-Shirt richtig deute, ja, selber schuld, hätten sie doch!

Über diese Auswüchse der moralisch so hoch eingeschätzten Religionen darf man sich also nicht lustig machen, weil man damit Gefühle verletzt. Alle diese skurrilen Ideen sind laut unserem HBP sakrosankt und von Kritik frei zu halten. Und wer redet bitte über die Gefühle jener, die diesen abstrusen Ideen nicht nachhängen wollen? Die haben keine „Gefühle“? Diese Rücksichtnahme verleiht den Religionen Sonderrechte, die ihnen im Wettbewerb der Ideen nicht zustehen. Sie müssen sich, wie andere Strömungen auch, Kritik in den besagten Grenzen gefallen lassen, sonst beginnt unser Wertesystem zu bröckeln und gerade das, was wir nicht wollen, eine Parallelgesellschaft mit eigenen Regeln, die sie noch dazu – kraft der Empfehlung des HBP – als Sonderrecht bevorzugt, beginnt, sich zu etablieren.

Das ist genau der Punkt. Es ist das höchste Gut, das wir zu verteidigen haben, nämlich das der Meinungsfreiheit. So, wie es uneingeschränkt erlaubt ist, einer dieser Ideen anhängen zu dürfen, sei es irgend eine der Hunderten Religionen inklusive Rapid und Austria, so ergibt sich daraus unmittelbar der Schluss, dass es jeder Anhänger dieser Ideen ertragen muss, dass es Menschen gibt, die diese seine Idee gar nicht so toll finden, sie missachten und sich sogar darüber lustig machen. Und ja, sie dürfen das.

Jeder erhobene Zeigefinger eines selbst ernannten obersten Moralhüters ist überhaupt nicht angebracht, denn dazu braucht man ihn nicht, denn seine Empfehlung geht in die ganz falsche Richtung, da dieses Recht verfassungsmäßig als unser höchstes Gut gesichert ist und gerade seine geforderte Rücksichtnahme den Grundstein zu Sonderrechten begründet.

Ob wir die Form der Ideenkritik geschmackvoll finden oder nicht, ist damit nicht gemeint. Es geht nur darum, ob sie ausgesprochen, geschrieben, gesungen oder gezeichnet werden darf.

Und gerade dieser Umstand zeigt, wie wichtig es ist, alle diese Ideen, seien sie auch noch so abwegig, einerseits nicht zu unterdrücken aber anderseits auch nicht eine vor der anderen bevorzugen, sei es durch ein Konkordat, das die Gehirnwäsche der Kinder im Zeichen dieser dubiosen Ideen seit den Dreißigerjahren fördert oder durch ein Islamgesetz, von dem vermutet wird, dass die Beschneidung der Knaben indirekt legalisiert und damit dieser Praxis einen Vorrang einräumt, der von anderen Grundrechten bereits als unzulässig genannt wird.

Eine solche Ungleichbehandlung von Ideen durch den Staat scheint auf den ersten Blick beim Fußball nicht gegeben zu sein. Aber mit einer Rückschau auf die Ereignisse, die zum „Westbahnhof-Prozess“ geführt haben, kann man sehen, dass es auch beim Fußball eine verschiedenartige Bewertung der Farben gegeben sein kann.

In einem Konflikt zwischen Anhängern von Rapid und der Austria am Wiener Westbahnhof standen ausschließlich die Rapidler auf der Anklagebank und obwohl sich Richterin und Staatsanwältin über die Motivlage dieser Begegnung im Unklaren waren (siehe Bericht der Presse vom 3.10.2011) wurde kein einziger (!) der Austria-Anhänger auch nur als Zeuge vorgeladen. Und das, obwohl in den Presseberichten deutlich angemerkt wurde, dass das Aggressionspotential bei beiden Seiten gegeben war.

Wandzeitung

Unsere Stadt ist ja an mehr oder weniger freundlichen Meinungsäußerungen nicht gerade arm. Auch die Vertreter der rivalisierenden Fußballklubs schenken einander nichts. Da dieser Beitrag nicht den einen gegen den anderen Verein ausspielen will, beschränken wir uns auf einen gemeinsamen „Feind“, die Politik. So schaut das dann aus:

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Wir können annehmen, dass nicht der Besitzer des Hauses selbst die Schrift angebracht hat, sondern jemand, der sich kein Gewista-Plakat leisten kann aber seinen Unmut dennoch loswerden will. Der Umstand der Schrift auf der Wand ist sicher eine Sachbeschädigung und strafbar. Die Botschaft selbst darf aber sein. Sie ist zwar beleidigend aber durch ihre Unschärfe, Pauschalierung und offensichtliche Unrichtigkeit kann sich kein bestimmter Politiker betroffen fühlen.

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Das ist ein bisschen so wie eine Aufschrift „1312“, die anfangs von der Exekutive als beleidigend und als Delikt empfunden wurde, schließlich aber durch die Unschärfe der Aussage (wie in einem Lernprozess) keine weiteren Folgen für den Träger der Aufschrift zur Folge hat (link). Daher hatte die tolle Choreografie beim letzten Spiel RB-Rapid aus diesem Grunde keine weiteren Folgen.

Auf den Fußballplätzen stehen solche wechselseitigen Beschimpfungen der Hardcore-Fanblocks auf der Tagesordnung. Nicht gerade vornehm drücken sich die Fußballfans aus und es geht hier nicht darum, für diese Töne zu werben.

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Es geht nur um die Frage, ob sie zulässig sind oder nicht. Und genau so, wie der Zugang zu Ideen ein freier ist, steht auch der Kritik dieser Ideen nichts im Wege.

Was im Zeichen des Terrors mit erhobenem Zeigefinger eingemahnt wird, ein falsch verstandener Respekt vor diesen Ideen, wurde eigentlich schon mit der Erfindung des Fußballspiels im 19. Jahrhundert als falsche erkannt.

Es ist gerade der Umstand, dass wir, die oft als „Proleten“ titulierten Fußballplatzbesucher, diese Beleidigungen unserer Idee ertragen lernen ohne – wie der Herr Papst – mit der Faust zurückzuschlagen. Und glaubt es mir, es ist nicht lustig, wenn man die ganze Woche einem sehr wichtigen Spiel, etwa einem Derby entgegenfiebert und so wie bei der letzten dieser Begegnung bis zur Schlussviertelstunde das Spiel offen halten konnte und dann doch noch ein Gegentor kassiert und prompt mit einem hämischen „Auf Wiedersehen“ oder „Wir sind die Nummer Eins in Wien“ (schärfere Sager erspare ich mir hier) von den gegnerischen Fans verabschiedet wird. Aber wir wissen, dass keiner dieser Siege ein endgültiges Urteil ist und die Karten nach neun Runden neu gemischt werden und dann vielleicht wir einen Sieg feiern werden.

Ich frage mich daher, welche dieser Ideen man mehr Beachtung schenken sollte; der Idee der Religionen oder der Idee des Fußballs. Fußball steht für Meinungsfreiheit und Toleranz wie sehr man auch vom jeweiligen Gegner gedemütigt wird. Zurückgeschlagen wird nur am Spielfeld, nicht in der persönlichen Begegnung (zumindest ist das das „Lernziel“).

Und wo genau lehren das die Religionen? Das Oberhaupt der hiesigen Leitkultur fordert im Falle von Beleidigungen das Zurückschlagen mit der Faust. Der Islam macht Nägel mit Köpfen und bringt Kritiker gleich einmal um. Aber das darf man nicht kritisieren, weil man damit irgendwelche dubiosen Gefühle verletzt.

Auf die Fußballplätze mit ihnen, da könnten sie lernen, was es heißt, Beleidigungen auszuhalten!

Mein 112. Grund, den SK Rapid zu lieben ist, dass man hier, Hütteldorf in überspitzter Art Ideen kritisiert und man es darf und weil das die Anhänger der jeweiligen Gegner auch tun dürfen. Das ist die Grundlage einer westlich aufgeklärten Gesellschaft abgebildet in einem Spiel.

Fußballplatz, Ort gelebter Meinungsfreiheit.

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Rapid-Kalender 2016

calendar-greenJetzt, im Winter, ist die richtige Zeit, dass wir uns auf die kommenden Ereignisse im Fußball vorbereiten. Eine dieser Vorbereitungen ist die Pflege des Veranstaltungskalenders.

Es gibt Vieles einzutragen:

  • Spiele von Rapid (Liga, Cup, EL, Training),
  • Rapid II,
  • Nationalmannschaft,
  • Veranstaltungen des SK Rapid und der Fanklubs,
  • Sendetermine von W24,
  • eventuell Geburtstage oder Jahrestage,
  • Abo-Vorverkaufstermine und was sonst noch alles anfällt.

Seit dem Relaunch der neuen Rapid-Homepage gibt es dort einen sehr übersichtlichen Kalender. Aber eigentlich will man nirgendwo nachschauen müssen, das Handy soll uns an die jeweils nächsten Termine erinnern. Automatisch.

Wie macht Ihr das? Schaut Euch einmal diesen Rapid-Kalender an:

Ihr könnt Euch diesen Kalender auf dieser Seite immer tagesaktuell anschauen (das Bild aktualisiert sich automatisch). Man kann zwischen Wochen-, Monats- und Listenansicht umschalten. Alle bekannten Termine sind bis 9. Oktober 2017 eingetragen. Angezeigt werden die Termine 12 Monate im Voraus.

Ihr könnt diesen Kalender aber auch in Eurem Handy anzeigen lassen. Es ist dann nicht mehr notwendig, Terminverschiebungen oder neue Termine einzutragen. Das geschieht automatisch. Sollte einmal ein Termin vergessen worden sein, ruft mich an, das ist gleich repariert. Es wurde bereits einmal eine Anleitung dafür verfasst, aber in diesem Jahr wollen wir diese Fertigkeiten im Rahmen einer Veranstaltung vertiefen.

[WERBUNG CLUBCOMPUTER ON]

Für alle, die wissen wollen, wie dieser Kalender „tickt“ und wie man ihn auf das eigene Handy bekommt, den lade ich zu einer Nicht-Fußball-Veranstaltung am kommenden Dienstag, 12. Jänner ein.

Wir zeigen an diesem Tag die Handhabung von Kalendern im Allgemeinen und die Benutzung solcher verknüpfter Kalender im Besonderen.

Wen das interessiert, kann uns gerne besuchen, wir sind ein Computer-Club mit dem Motto „Wir begleiten Dich in die digitale Zukunft“ Man muss bei uns nicht Mitglied sein, um sich zu informieren.

So schauts bei uns aus:

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Wir zeigen am kommenden Dienstag,

  • wo überall man Kalendern begegnet: in Outlook, auf WebPortalen, am Handy und wie sie zusammenarbeiten,
  • wie man Kalender in Outlook anlegt, importiert, exportiert oder verknüpft,
  • welchen Vorteil eine ActiveSync/Exchange-Verbindung im Zusammenhang mit Kalendern bietet, wie sie bei ClubComputer derzeit angeboten wird,
  • wie man Kalender mit Freunden teilt,
  • wie man selbst Kalender publiziert und andere publizierte Kalender einbindet,
  • wie diese Kalender am Handy erscheinen.

Dienstag, 12. Jänner 2016, ab 18:00, Vortrag ab 19:00
Simmeringer Bier & Kulturschmankerl
Simmeringer Hauptstraße 152, Keller
U3 oder S80-Simmering, 6 oder 71-Fickeystraße
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Von Luftballons und Litfaßsäulen

Jetzt ist die Saure-Gurken-Zeit des Fußballs und das ausgelassene Fest des Jahreswechsels soll der Anlass sein, sich über Extreme im Fußball Gedanken zu machen.

Im Ballesterer 108, Jänner/Februar 2016, sieht man auf Seite 41 eine „Fieberkurve“ der jeweils höchsten Transfersummen zwischen 1995, dem Jahr des Bosman-Urteils und 2015. Die Spitzen sind die Transfers von Zinedine Zidane, Cristiano Ronaldo und Garret Bale. Diese Kurve erinnert sehr an spekulative Kursverläufe der Börse und man fragt sich – ganz ähnlich wie Börsianer – ob das jetzt so weiter gehen wird oder ob es bei diesen ständigen Steigerungen auch einmal zu so etwas wie einer Trendumkehr kommen kann.

3.500 Euro pro Stunde

2014/15 betrug laut „Fussball-Geld.de“ das Gehalt von Franck Ribéry und Mario Götze 12 und von Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger 10 Millionen Euro. Setzen wir eine 40-Stunden-Woche und 8 Wochen Urlaub voraus, ergibt das eine Arbeitszeit von (52-8)*40=1.769 Stunden und daher pro Stunde 6.783 Euro. Da es sich bei den Zahlen um Bruttogehälter handelt, wird man die Hälfte abziehen müssen. Allerdings verdienen auch dann die Spieler in der Stunde mehr als die meisten von uns im ganzen Monat.

795 Euro pro Sekunde

2011 berechnete „Heute“, dass Samuel Eto’o  795 Euro pro Sekunde verdient hätte. (Ganz stimmt die Rechnung nicht, diese Zahl bezog sich auf die Einsatzminuten. Aber ein Spieler wird ja nicht nur für Einsatzminuten sondern auch für die Vorbereitung dazu, die Termine im Auftrag des Vereins und der Sponsoren uvam. bezahlt. Aber auch, wenn man all das einberechnet, sind die Summen völlig außerhalb normalbürgerlicher Vorstellungen.

80 Millionen gerechtfertigt

2009 bezeichnete Ronaldo die Transfersumme von 94 Millionen Euro (80 Millionen Pfund) als „gerechtfertigt“.

Nur im Fußball?

Diese Gehaltsdimensionen und Ablösesummen erinnern an den Verkauf von Kunstwerken, an Managergehälter und an die ungleiche Verteilung des Wohlstands.

Immer, wenn Fußballspieler um riesige Beträge über den Ladentisch gehen, fragen wir uns alle, ob denn dieser Spieler auch um so viel mehr kann, als die Spieler rund um ihn.

Was ist daher der Wert eines Spielers?

Das ist jener Betrag, den jemand bereit ist, für ihn zu zahlen.

Kann dieser Spieler so viel mehr als seine Kollegen?

Diese so begehrten Spieler sind unbestreitbar Könner in ihrem Fach. Aber was diese Gehälter und Ablösesummen betrifft, ist ihr Können nicht das Wesentliche. Wichtig ist ja nur, dass der Spieler dem jeweiligen Käufer diese Summe wert ist. Ich habe einmal gehört, dass die Ablösesumme von Cristiano Ronaldo, die Real Madrid an Manchester gezahlt hat, sich allein durch den weltweiten Vertrieb der Merchandising-Artikel mehr als bezahlt gemacht hat.

Sind teurere Spieler besser?

Sind teurere Produkte besser? Es kann sein, es muss aber nicht sein. Das kann man ja am auch schon an Kleidung beobachten. Kaum ziert ein Krokodil das Leiberl, kostet es auch schon viel mehr. Hat es also ein Spieler geschafft, in eine prominente Mannschaft zu kommen, steigt sein Wert allein durch das Logo des Vereins. Ganz so wie beim Krokodil.

Wie wird der Wert eines Spielers ermittelt?

So wie der Wert anderer (nicht preisregulierter) Waren auch. Aus dem Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage.

Wie relativ doch ein Wert sein kann

Wie viel ist es zum Beispiel wert, gemeinsam mit einem Fußballspieler mit dem Moped einen Ausflug zu unternehmen? Das hängt ein bisschen davon ab, wen man fragt.

  • Wer mit ihm befreundet ist, zahlt dafür gar nichts.
  • Ich wäre überhaupt froh, nicht mitfahren zu müssen.
  • Wer aber dazugehören will, zum Beispiel jene junge Dame, die sich schließlich bei der Versteigerung durchgesetzt hat, muss 4.000,- bei Rapid abgeben, um dabei sein zu können. Dieser Preis wurde nicht seitens Rapid festgelegt, sondern war das Ergebnis einer Auktion.

Bei einem Poker um einen begehrten Spieler ist das nicht viel anders. Es wird nicht publikumswirksam und öffentlich versteigert, sondern es laufen die Telefone zwischen den Bietern und dem abgebenden Verein heiß, vielleicht gibt’s ja auch eine Skype-Konferenz.

Warum sind die Summen so hoch?

Weil genug Geld da ist.

Und es ist dabei belanglos, ob das Geld aus der Portokasse eines Oligarchen oder aus dem Marketingbudget eines Konzerns oder dem unstillbaren Verlangen eines ganzen Landes nach Titeln kommt oder einfach, weil ein Verein erfolgreich ist und auch gut wirtschaftet und eben daher genug Geld hat.

Bei der Auktion der Rapid-Weihnachtsfeier um die Moped-Fahrt mit einem Spieler steigerten nicht Mitglieder wie Du und ich sondern es boten die Bewohner des „ersten Stocks“. Es war also Geld da. Hätten wir, die einfachen Mitglieder geboten, hätte man vielleicht 400 Euro erzielt, aber wenn Geld da ist, (und keine Rolle spielt), sind es eben 4.000 Euro geworden.

Wenn daher Vereine mit großem Budget um Spieler buhlen, dann ist eben viel Geld im Spiel; mehr als bei der Rapid-Weihnachtsfeier. Geld, das wir, die Masse der Anhänger, direkt oder indirekt dem Verein in die Kassa spülen.

Das Geld haben Vereine durch Einnahmen aus Sponsoring, Merchandising, Ticketing und den Verkauf von Fernsehrechten. Und diese Einnahmen können Vereine lukrieren, weil es so viel Interesse am Fußball gibt. Weil die Spiele in den Stadien ausverkauft sind und dadurch die Preise in die Höhe getrieben werden; weil wir brav die Fernseher aufdrehen und damit die Kosten für die Übertragungsrechte steigen und steigen.

Das Fernsehgeld verwaltet und verteilt die UEFA. Mit der bekannten Folge, dass die reichen Vereine durch die Ausschüttungen immer reicher werden und alle anderen sich auf der Popularitätspyramide des Fußballes ziemlich vergeblich abstrampeln aber die Spitze nie erreichen können oder bestenfalls zufällig einmal.

Und diese Spirale dreht sich (derzeit) eher noch nach oben, denn nach unten.

Fußball, eine Blase?

Diese astronomischen Preise machen den Eindruck, als würde es sich um eine Spekulationsblase handeln. Bei diesen Blasen kommt es durch irrationale Gewinnerwartungen zu einem enormen Preisanstieg, bis der Finanzluftballon zerplatzt und viel Geld den Besitzer wechselt.

Die erste historisch belegte Spekulationsblase war die Tulpenzwiebelspekulation von 1637. Schon seit ihrem ersten Auftauchen etwa um 1580 war eine Tulpe in den Niederlanden ein Liebhaberobjekt und die Preise für besondere Sorten stiegen immer wieder in große Höhen. Aber zwischen Dezember 1636 und Februar 1637 stiegen die Preise von Tulpenzwiebeln auf Werte, die ein Vielfaches eines Jahresgehaltes ausmachten. Im Februar 1637 war dann der Spuk vorbei.

Der Preis der Tulpenzwiebeln war nicht (wie beim Fußball) allein wegen der Begehrlichkeit in die Höhe geschnellt, sondern wegen Finanzspekulationen, die diese Preisanstiege angeheizt haben. Als dann aber nach dem 3. Februar 1637 niemand mehr bei den Auktionen mitgezogen hat, fielen die Preise wieder auf ein Normalniveau und viele dieser Tulpenspekulanten verloren oft ihr ganzes Vermögen.

Am Beginn einer Spekulationsblase steht eine Unwahrheit, so wie im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ von H.C. nicht dem, nein, dem anderen (Andersen). Als dann am Ende das Kind fragt, warum denn der Kaiser nackt durch die Gegend spaziert, platzt die Blase. Übertragen auf die Niederlande ist die Frage des Kindes, warum man denn bereit war, für eine ganz normale Zwiebel 2.500 Gulden zu zahlen oder warum man 2008 für Immobilienfonds viel Geld hinlegen sollte, wo doch kein vernünftiger Gegenwert dahinter steckte und eben warum man für einen Fußballspieler 80 Millionen Euro zahlen soll, wo er doch auch nur zwei Beine hat.

Aber allein die kindliche Frage, dass es ja nur ein Fußballspieler wäre, reicht beim Fußball nicht. Und zwar, weil die „Luft“ beim Fußball nicht spekulativ ist; es gibt keine Gewinnerwartung für unbeteiligte Investoren. Oder besser gesagt: bisher waren die großen Transfers immer auch sportlich erfolgreich.

Fußball, eine Litfaßsäule!

Die Preisbildung im Zusammenhang mit der Entlohnung und dem Transfer von Fußballspielern erinnert vielmehr an aufblasbare Litfaßsäulen, wie sie auch von Rapid an den Eingängen eines Veranstaltungsraums verwendet werden.

Im Normalfall, also ohne Luft, passt die Säule in einen Koffer. Das ist ein normaler Spieler abseits vom internationalen Parkett. Durch die Nachfrage (Luftzufuhr) steigt der Preis und die Säule ist hoch. Würde die Nachfrage ausbleiben, schaute das aufgeblasene Objekt ziemlich traurig aus und sänken die Preise von Fußballgrößen wieder auf ihr ursprüngliches Maß.

litfass

Durch den dauernden Nachschub von Luft macht es nichts weiter aus, wenn man eine dieser Litfaßsäulen ansticht und meint (wie das Kind im Märchen) es wäre ja nur heiße Luft, die die Preise nach oben treibt. Wegen des dauernden Luftnachschubs passiert bei kleinen Löschern zunächst gar nichts, denn es gehört zur normalen Funktion der Litfaßsäule, dass oben eine Luftaustrittsöffnung ist.

Nur, wenn die Luft (das Geld) ausbleibt oder wenn das Loch sehr groß ist und unten, kann das der künstlichen Säule etwas anhaben.

Wo Geld ist, sind die Preise hoch

Wo Leute mit dicken Brieftaschen verkehren, steigt der Preis. Man muss sich nur als Favoritner, der es gewöhnt ist, sein Menü beim Duran am Viktor Adler Markt zu kaufen, in die Innere Stadt, nach Kitzbühel oder Zell am See verirren und schon merkt man den Unterschied. Wo betuchte Gäste verkehren, steigen die Preise.

Das wusste auch Gosciny im Asterix-Band 18, „Die Lorbeeren des Cäsar“. Die beiden Gallier wollten in den Palast von Cäsar gelangen und da man bei Cäsars nur beim noblen Sklavenhändler Tifus einkauft, mussten sie sich eben dort als Sklaven anbieten. Und die Preise für die Sklaven von Tifus entsprachen den finanziellen Möglichkeiten seiner betuchten Kunden.

Das passiert natürlich auch, wenn zum Beispiel ein Rapid-Scout in einer unteren Liga gesichtet wird oder wenn sich umgekehrt ausländische Scouts für ein Rapid-Talent interessieren. Dieses Interesse jeweils reicherer Interessenten lässt die Preise sprunghaft steigen.

Fußballer gibt es in allen Preislagen. Wenn Milliardäre einen verspielten Charakter haben und vielleicht als Kinder zu wenig Zuwendung bekommen haben und unbedingt Champions-League-Sieger werden wollen und gleichzeitig ein fußballverrücktes Land als Mitbewerber auftritt, bei dem das Geld keine Rolle spielt, dann steigt der Preis in Regionen, die man als Zuschauer nicht mehr versteht.

Nicht, dass hier bestritten werden soll, dass ein Ronaldo, ein Messi und wie sie sonst alle heißen, nicht begnadete Fußballspieler wären; aber das kommt in allen Disziplinen vor, dass es Ausnahmekönner gibt, die auch zum Beispiel besser entlohnt werden als andere; längst sind es aber nicht solche Unterschiede wie es am Markt der Fußballer der Fall ist.

Nehmen wir einmal an, jemand wäre ein einfacher Büromensch, zum Beispiel ein EDV-Spezialist. Solche EDV-Leute sind sehr universell einsetzbar und sie könnten sowohl bei Rapid, als auch bei Zielpunkt/Billa/Spar oder aber auch bei einer Bank, und auch in der Nationalbank arbeiten. Es sind immer dieselben JobaspirantInnen, ihre Arbeit praktisch auch, nicht aber ihr Gehalt. Bei Rapid zum Beispiel spielt immer auch mit, dass es eine Ehre wäre, für den Verein tätig zu sein. Bei Zielpunkt/Billa/Spar gibt es solche Voraussetzungen weniger. Bei Firmen, die mit Geld handeln, steigt sonderbarer Weise auch der Gehalt für sonst ähnliche Tätigkeiten. Warum? Weil das Geld da ist!

Aber bei allen Ungleichheiten der Entlohnung von Hacklern, die Unterschiede sind nie so groß wie im Fußballgeschäft.

Der Markt der Fußballspieler ist wie eine aufblasbare Litfaßsäule, die durch den Wunsch der Menschen, zu den Siegern zählen zu wollen, gespeist wird.

Solange es also die Marketingstrategie von RedBull ist, Spitzensport zu vereinnahmen, solange Oligarchen keine andere Sorgen haben als Championsleague-Sieger sein zu wollen, nicht zu vergessen die Millionen Fans, die ihren Verein am Podest sehen wollen, solange wird die Litfaßsäule des Erfolgs durch ausreichend (Geld)luft aufgeblasen.

Wir haben es selbst in der Hand, wir selbst sind der Zeremonienmeister, der die Macht hätte, die Luft in der Litfaßsäule des Fußballs zu drosseln. Dazu müssen wir nur den Fußballkanal seltener aufdrehen oder weniger oft ins Stadion gehen. Dann sinken alle diese Einnahmen, Vereine haben weniger Geld und das Ranking der Top-Vereine verschiebt sich zugunsten jener Klubs, deren Geldgeber von diesen Mechanismen nicht so stark abhängen und die nicht von Oligarchen oder Firmenimperien finanziert werden. Dann aber ist es auch nicht mehr ganz so erstrebenswert, Championsleague-Sieger zu sein und Oligarchen, Medien und Marketing entziehen dem Fußball ihre Gunst und wenden sich einem neuen Steckenpferd zu, das dann noch erstrebenswerter ist wie heute der Fußball.

Und die UEFA?

Die UEFA bestimmt durch die Art der Verteilung der Fernseheinnahmen die Regel: „Wo Tauben sind, fliegen Tauben zu“. Reiche Vereine werden immer reicher, weil die Fernsehgelder an die jeweiligen Sieger ausgeschüttet werden. Und um die besten Spieler zu bekommen, muss man in der finanziellen Oberliga spielen. Die Gewinne aus den internationalen Bewerben fließen daher praktisch immer zu denselben Vereinen, die dadurch wieder ein Stück wachsen und es den anderen immer unmöglicher machen, in diesem Konzert der Großen eine Rolle zu spielen.

Logisch? Man kann das auch durchaus anders handhaben.

Es ist das Wesen von Fußball, dass alle großen und erfolgreichen Vereine in ein landesweites Ligensystem mit Hunderten Vereinen eingebettet sind. Die oberste Spielklasse eines Landes beruht auf vielen kleineren Ligen bis hinunter in die letzte „unabsteigbare“ Klasse. Dieses System ist erforderlich, um die Besten der Guten zu ermitteln. Es ist jedem dieser Vereine klar, dass letztlich nur ganz wenige das Land international vertreten, aber ein bisschen stolz darauf können sie alle sein, denn ihre Arbeit ist die Grundlage für die landesweite Fußballbegeisterung und für die Rekrutierung des Nachwuchses für die jeweiligen Top-Ligen eines Landes.

Es wäre daher sicher überlegenswert, zumindest Teile der Erlöse aus den internationalen Spitzenbewerben wieder in die Fußballbasis zu investieren und nicht dieses Geld wieder jenen zu geben, die es alljährlich bis in den Fußball-Olymp eines internationalen Bewerbs geschafft haben. Sieger in einem internationalen Wettbewerb zu sein, ist ohnehin ein toller Lohn, der sich für den Verein durch eine Stärkung der Marke in höheren Sponsoreneinnahmen niederschlägt.

Weniger Ausschüttung an die Spitzenvereine würde geringere Einnahmen der Spitzenklubs bedeuten und das würde wieder die Kapazität zum Mitbieten am Spielermarkt reduzieren und das wieder die Spielergagen senken helfen.

Die Moral bleibt auf der Strecke

Die obige Aussage von Ronaldo (80 Millionen Pfund seien als Ablösesumme gerechtfertigt) zeigt, dass alle zufällig*) zu Reichtum gekommenen Gruppen (Fußballer, Manager, Oligarchen…) sich dessen entledigt haben, was man gemeinhin als Moral versteht. Diese Gesellschaftsschichten haben die Moral, die unsereins zu einer Wertegemeinschaft zusammenschweißt, längst abgelegt und entziehen sich kraft ihres Vermögens möglichst jeder Verpflichtung gegenüber jenen, die ihnen diesen Reichtum ermöglichen, also uns, indem sie sich möglichst einer Besteuerung und auch jeder Verantwortung entziehen.

*) Sollte jemand aus dem Kreis der Leser der Meinung sein, dass Reichtum wohl erworben sein kann, dem empfehle ich die Lektüre des Buchs „Gerechtigkeit siegt“ des Mathematikers der Nation, Rudolf Taschner (Seite  40ff).

Was könnte einen Umschwung bewirken?

Man kann versuchen, innerhalb der Vereinigungen FIFA und UEFA die Regeln wieder einmal zu ändern. Vor zwanzig Jahren wurde es ja auch so verändert, dass eben die heutigen Verhältnisse dabei entstanden sind.

Es kann aber auch sein, dass das ohnehin dann passiert, denn sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ändern, durch:

  • ein äußeres Ereignis, eine Krise
  • ein gesellschaftliches Umdenken und damit ein neues Gesellschaftsspiel (Fußball 2.0) für die Massen
  • wahrscheinlich aber beides in Kombination, ein Prozess also

Bei „Krise“ denke ich nicht an die Krise von 2008 oder etwa 100.000 Asylsuchende im auslaufenden Jahr 2015. Nein, es müsste schon etwas sein, das die Menschen veranlasst, sich nicht mehr so stark dem Fußball zu widmen oder mit dem die Spielregeln generell geändert werden, was sich dann automatisch auch auf Verträge von Fußballern auswirken würde. Es muss ja nicht immer ein Krieg sein. Aus der Fußballgeschichte wissen wir, dass Fußball solche „Kleinigkeiten“ wie einen Krieg ohnehin unbeschadet übersteht. Es müsste schon etwas Gewichtigeres sein.

Der Klimawandel wäre so ein Kaliber. Vor allem, wenn eine seiner Wirkungen die wäre, dass es in den kommenden Jahrzehnten nicht mehr möglich sein wird, dass Massen von Fußballfans quer über den Kontinent reisen (zum Beispiel wegen dann extrem hoher Flugpreise). Dann würden die großen internationalen Bewerbe wegen äußerer Umstände nicht mehr ganz so spektakulär über die Bühne gehen. Auch eine solche Entwicklung würde die Preissteigerungen bei Fußballstars dämpfend einwirken.

Ein Spiegelbild der Gesellschaft

Der Massensport Fußball bildet die Gesellschaft ab, wie das im antiken Rom die Gladiatorenspiele getan haben.

Im Stadion werden Wettbewerbe veranstaltet, die Regeln folgen, wie sie auch in allen anderen Bereichen gelebt werden. Immer gibt es irgendwo ein Ranking, in dem es günstig ist, ganz oben zu stehen; sei es das Wirtschaftswachstum, der Jahresumsatz einer Firma, das BIP eines Landes, der PISA-Test oder der Lebenswert einer Stadt. Der Fußballsport bildet in den verschiedenen Bewerben dieses dauernde Ranking im Spiel ab. Und wenn wir selbst in diesem Spiel nicht ganz oben stehen können, dann soll das wenigstens unser Herzensklub tun, und wir können uns zu einem kleinen Teil als Sieger fühlen.

Wenn uns also diese Millionen an Ablösen und Gehältern nicht gefallen, dann wird es wohl notwendig sein, die Gesellschaft und ihre Handlungsmotivatoren zu verändern. Wenn ein solcher Prozess einmal in Gang gesetzt wird, wird sich zwangsweise auch der Charakter des Spiels ändern, das diese Gesellschaft abbildet.

Dass die Ablösen und Löhne so hoch sind, liegt also an der fast grenzenlosen freien Verfügbarkeit über Geld. Es ist genau so legitim, eine Mindestsicherung mit 800 Euro pro Monat zu bekommen wie dieselbe Summe pro Stunde. Und man kann ein Vermögen besitzen, mit dem man sein Land vor dem Ruin bewahren könnte, es aber keinerlei gesetzliche oder moralische Verpflichtung gibt, das zu tun.

Wir, die Gesellschaft, müssten nur die Regeln geringfügig ändern. Dazu genügt nicht nur ein kleines Alpenland, dazu wäre Solidarität der Staatengemeinschaft vonnöten.

Diese neue Regel könnte lauten, dass mehr Geld auch gleichzeitig mehr Verantwortung für das Ganze zur Folge hat. Es würde nichts am Grundrecht auf Besitz ändern. Aber es ergänzt es in dem Sinn, dass jeder, der im Begriff ist, eine weitere Stufe auf der Erfolgsleiter hinaufzuklettern, sich entscheiden muss, ob er dann bereit ist, dieses Mehr an Verantwortung zu übernehmen. Das gilt für Fußballstars ebenso wie für Zuckerwasserhersteller aber natürlich auch für millionenschwere Fußballklubs oder deren Eigentümer.

Das deutsche Grundgesetz kennt den Passus „Besitz verpflichtet“. Aber dieser Verpflichtung entziehen sich derzeit die Großen einerseits durch ihre große Finanzkraft, die ihnen Möglichkeiten eröffnet, die den eher sesshaften „Kleinen Leuten“ nicht offen stehen. Dass dazu Staaten solidarisch sein müssen, zeigen unzählige Beispiele.

Wenn in früheren Jahrhunderten der Adel praktisch alles besaß und die Bewirtschaftung, ausgehend von König, immer nur geliehen wurde und daher immer brav in einer Hand blieb, so ist das bei den heutigen Oligarchen*) nicht viel anders. Und das gerade in einem Land, in dem vor 100 Jahren die zweite große Revolution gegen dieses System ausgerufen wurde.

Es muss also mehr Moral ins Spiel und es muss das Kapital mehr an Verantwortung übernehmen. Wenn das nämlich der Fall ist, dann darf sich ein Herr Abramovic erst dann mit einem Lieblingsspielzeug Fußball beschäftigen, wenn die Bedürfnisse der Menschen in seiner Region Tschukotka (das ist im äußersten Osten von Russland) das erlauben. Tschukotka ist eine rückständige Region, die die Abramovic-Milliarden beschert hat. Roman Abramovic war zwischen 2000 und 2008 Gouverneur des autonomen Kreises der Tschuktschen (das Land ist zwei Mal so groß wie Deutschland, hat aber nur 50.000 Einwohner) und schaffte es, sein Vermögen in England zu parken. Es konnte sich dadurch der russischen Strafverfolgung entziehen.

„Schurkenstaaten“

Die Griechenlandkrise hätte allein durch Übernahme von Verantwortung durch die reiche Oberschicht beseitigt werden können. Stattdessen ist das Vermögen in einen „Schurkenstaat“ geflossen, der sich keinerlei Solidaritätsverpflichtung bewusst war. Und gemeint ist hier nicht allein Griechenland. Es sind alle Arten von Staatskrisen gemeint, bis hin zu unserem österreichischen Schuldenberg vom mehr als 250 Milliarden Euro.

Ein richtungsweisendes Urteil wurde in den letzten Tagen in Italien gesprochen, das sowohl Apple als auch Google dazu verpflichten wird, die steuerschonenden Firmenkonstruktionen aufzugeben, die in Italien keine Gewinne ausgewiesen haben und diese Gewinne stattdessen in einen unsolidarischen „Schurkenstaat“ verschoben haben.

Und viele betuchte Sportler und Künstler stehen dieser Handlungsweise um nichts nach. Sie wählen ihren Wohnsitz in einem Steuerparadies, um ihren Solidaritätsbeitrag im jeweiligen Heimatland nicht leisten zu müssen.

An dieser gesellschaftlichen „Schraube“ muss man drehen, wenn sich an der Situation der Spielergehälter etwas ändern sollte.

Wer ist also im Fall von Abramovic der „Schurke“? Sind es in diesem und allen anderen Fällen die Länder wie England, Luxemburg, die Schweiz, Irland, die moralbefreit das Parken von Vermögen ermöglichen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie es möglicherweise zustande kam.

Zusammenfassung

Mein Schluss aus diesen Überlegungen ist, dass sich die Preisbildung bei den Gehältern von Fußballern erst dann ändern kann, wenn sich die Gesellschaft verändert und solche Geschäfte wie sie jetzt ablaufen nicht mehr will und daher die Regeln, wie wir zusammenleben wollen, ändert.

Man kann auch sagen, dass man daran arbeiten muss, die Schere zwischen Reich und Arm zu schließen, statt fast schon im Wochenrhythmus in den Nachrichten mitgeteilt zu bekommen, dass das oberste Prozent der Bevölkerung wieder um einige Prozentpunkt mehr an Vermögen besitzt.

Wie weit die Kluft zwischen Arm und Reich (sowohl in der Wirtschaft als auch im Fußball) noch aufgehen muss, damit die Menschen handeln, weiß ich nicht. Anders als bei der Französischen Revolution und später bei der Oktoberrevolution in Russland sind jetzt die Massen sozial abgesichert und nehmen die Ungleichheiten weniger deutlich wahr. „Ein voller Bauch kämpft nicht gern.“ Aber wer weiß, vielleicht zwingen uns die doch deutlich anwachsenden Zahlen von Arbeitslosen ohnehin ein ganz anders Gesellschaftsmodell auf, bei dem das Pendel von der Bevorzugung des Kapitals wieder zu den Arbeitnehmer ausschlagen wird. Finnland ist ein Vorreiter in dieser Frage.

Wie wäre das, wenn die Fußball-Millionäre Verantwortung übernehmen müssten?

Es wäre ein bisschen so, wie Smog-Alarm, bei dem auf einmal nur mehr die Autos mit ungeraden Kennzeichen fahren dürfen. Wenn also ein Staat droht, handlungsunfähig zu werden, weil ihm das Geld ausgeht, würde diese „Verantwortung für das Ganze“ schlagend werden müssen, damit nicht immer nur der Kleine Mann die ganze Last tragen muss. Aber dazu ist viel zwischenstaatliche Solidarität nötig, von der jetzt noch sehr wenig zu sehen ist und die sich erst unter einem äußeren Druck bilden wird können. Vielleicht dann, wenn es in unseren Breiten keinen Schnee mehr gibt und man mehr als zusammenhalten wird müssen, um zu überleben.

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