Asymmetrie

Die Spielfreude unserer Mannschaft unterliegt in dieser Saison einer auffälligen Asymmetrie, die ganz gegen die sonstigen statistisch erhobenen Erfahrungswerte gerichtet ist, auch gegen die der eigenen Fußballgeschichte. In der Folge werden daher die historischen Daten aller Bewerbspiele von Rapid mit den Daten der aktuellen Saison verglichen.

Heim- und Auswärtserfolg

Frühere Ergebnisse

In 2006 Heimspielen hat Rapid das Ergebnis S,U,N=1321,345,340 und daher 4408 Punkte oder 2,2 Punkte pro Spiel und in 1925 Auswärtsspielen das Ergebnis S,U,N=847,445,633 und daher 2986 Punkte oder 1,55 Punkte pro Spiel erzielt. Rapid hat also traditionell eine große Heimstärke und erreicht bei Heimspielen um 0,6 Punkte mehr als bei Auswärtsspielen. 

Laufende Saison

Die Homepage des „Klub der Freunde“ zeigt uns die Ergebnisse der laufenden Saison jeweils in getrennten Tabellen für Heim- und Auswärtsspiele auf der Seite http://klubderfreunde.at/rapid/rapid-i/liga-tabelle-runde/. Das Ergebnis präsentiert sich so:

Tabelle bei Heimspielen

Tabelle bei Auswärtsspielen

In 15 Heimspielen hat Rapid das Ergebnis S,U,N=7,5,3 und daher 26 Punkte oder 1,73 Punkte pro Spiel und in 14 Auswärtsspielen das Ergebnis S,U,N=6,5,3 und daher 23 Punkte oder 1,64 Punkte pro Spie erzieltl. Rapid hat also derzeit eine nur leichte Heimstärke und erzielt bei Heimspielen nur um 0,1 Punkt mehr als bei Auswärtsspielen.

Dass Rapid in der Heimtabelle weiter hinten liegt eben daran, dass andere Vereine eine bessere Heimstärke aufweisen als Rapid. 

Erste und zweite Halbzeit

Grundsätzlich wissen wir, dass mit Fortschreiten des Spiels mehr Tore fallen. Diesem Umstand verdanken wir auch das Einklatschen der Rapid-Viertelstunde, denn durch eine besondere Anstrengung in der letzten Spielphase kann es gelingen, den müde gewordenen Gegner niederzuringen. Diese Beobachtung gilt nicht nur für Rapid, sondern für alle Fußballmannschaften. 

Weil Halbzeitergebnisse im Allgemeinen nicht untersucht werden, musste ich die Halbzeitergebnisse aus den Tabellen herausrechnen. Von den 3.931 Pflichtspielen sind nur bei 3.661 Spielen die jeweiligen Halbzeitergebnisse bekannt. 

Frühere Ergebnisse

Wie wäre das Spiel ausgegangen, wenn man das Ergebnis der ersten oder der zweiten Halbzeit allein gewertet hätte? Um die Sache etwas einfacher zu machen, wurden die Punkte berechnet, weil man dazu nur eine Maßzahl benötigt.

Das Ergebnis ist wie folgt:

             S      U     N   Punkte
Halbzeit 1 1.597  1.246  818  6.037  
Halbzeit 2 1.766  1.087  808  6.385
Gesamt     2.040   743   878  6.863

Das Ergebnis zeigt deutlich, dass die zweite Halbzeit die stärkere der beiden Halbzeiten ist. Interessant ist weiters, dass die Punktezahl des Gesamtergebnisses deutlich über dem der beiden Halbzeiten allein ist. Das kann man leicht am letzten Spiel in Mattersburg erklären. Die erste Halbzeit wurde 4:1 gewonnen, die zweite Halbzeit 0:1 verloren. Insgesamt war es aber ein Sieg. Es liegt an der taktischen Einstellung nach einem erfolgreichen Zwischenstand, dass dann eben ein Gang zurückgeschaltet wird oder eben umgekehrt, bei einem Rückstand der Turbo gezündet wird.

Laufende Saison

Tabelle der ersten Halbzeit

Tabelle der zweiten Halbzeit

Das Ergebnis ist wie folgt:

             S      U     N   Punkte
Halbzeit 1  14     12     3   54  
Halbzeit 2   7     13     9   34
Gesamt      13     10     5   49

Aus dieser Auswertung erkennen wir, dass es im historischen Vergleich untypisch ist, dass die erste Halbzeit für das Gesamtergebnis mehr verantwortlich ist als die zweite. In der heurigen Saison gibt aber die erste Halbzeit den Ton an, aber das genau umgekehrte Ergebnis hätten wir erwartet. Diese dramaturgische Einlage eines Schluss-Furioso ist es aber, das das Publikum mit nach Hause nehmen will, nicht einen Zittersieg gegen St. Pölten. 

Diagnose

Unser geliebtes Rapid lässt wichtige Tugenden vermissen:

  • Die für einen guten Saisonerfolg sehr wichtige Heimstärke ist nicht gegeben. Der Erfolg bei Heim- und Auswärtsspielen ist derzeit nahezu gleich. Als Zuschauer haben wir das Gefühl, dass wir im Allianz-Stadion noch nicht wirklich angekommen sind und das trotz bester Bedingungen für alle Beteiligten. Möglicherweise ist die fehlende Heimstärke gar nicht auf einen Mangel unserer Mannschaft, sondern auf die große Motivation der Gegner im schönsten Stadion Österreichs zurückzuführen.
  • Die für Rapid typische Stärke in der zweiten Halbzeit hat sich ins Gegenteil verkehrt. Die erste Halbzeit dominiert derzeit das Endergebnis. Das sieht man sowohl an der Tabelle als auch konkret an den beiden letzten Spielen gegen Mattersburg und St. Pölten und ebenso an zahlreichen Spielen, bei denen in der ersten Halbzeit ein respektabler Vorsprung herausgespielt wurde, der dann in der zweiten Halbzeit verspielt wurde. Das dürfte nicht an konditionellen Problemen liegen, sondern entweder an einem fehlenden Motivationsschub in der Pausenansprache des Trainers oder an einer grundsätzlich mangelhaften Einstellung, deren Ursachen aber im Unklaren liegen. Wie schlecht man allerdings beraten sein kann, wenn man der Forderung der Tribüne nach einem anderen Trainer folgt, wissen wir ja aus leidvoller Erfahrung aus dem Vorjahr. 

Die Trainer-Falle

Unser Trainer Gogo war im Vorjahr die richtige Trainer-Lösung in einer verzwickten Situation. Und er hat die Ergebnisse stabilisiert. Mit etwas Glück wäre mehr möglich gewesen, aber gewisse Schwächen sind auch ohne den Glücksfaktor gegeben und die obigen Zahlen zeigen eventuell an, wo man „drehen“ muss.

Wenn man die Meinung des Publikums einholt, ist deren Antwort meist eine sehr einfache: man will einen anderen Trainer. 

Aber wie käme es dazu?

Ein Trainerwechsel wird wohl nach den Erfahrungen des Vorjahrs wohl nur bei dringendem Handlungsbedarf vorgenommen. 

Zum Beispiel bei anhaltendem Misserfolg. Vorzeitiges Ausscheiden aus dem Cup und Nicht-Erreichen des internationalen Startplatzes. Das würde zwar dem Publikumswunsch zur Folge haben aber wer will das schon? Doch niemand!

Wenn aber die Ergebnisse gut sind, wir im Cup weiterkommen und den dritten Platz in der Tabelle halten können, dann wäre es doch weder fair noch notwendig, eine Änderung anzupeilen, oder?

Daher wäre es unsere vordringliche Verpflichtung, die Mannschaft und den Trainer zu unterstützen und nicht ihn auszupfeifen!

Wir sitzen also in einer Art Zwickmühle. Wollen wir, dass der Trainer geht, müssen die Ergebnisse schlecht sein. Das wollen wir natürlich nicht und daher bleibt er, was auch wieder nicht nach unserem Geschmack ist. Ganz ähnlich sind die Ergebnisse und die Reaktionen darauf. Man gewinnt Spiele, die man früher eher verloren hätte, dennoch ist das Publikum unzufrieden, weil man das Dilemma geradezu spürt, dass die Ergebnisse einen Zustand festigen, den man nicht haben will. Daher könnte auch der Charakter der Spiele so unklar sein und zwischen sehr guten Spielphasen und eher bedenklichen Spielphasen schwanken. Es scheint, als könne sich auch die Mannschaft nicht so recht entscheiden, ob sie nun den Trainer will oder nicht will. 

Nehmen wir an, eine Mannschaft kommt mit ihrem Trainer nicht mehr aus, und es gibt genug Beispiele, sicher auch bei Rapid, in denen das der Fall war. Fußball ist keine sehr demokratische Angelegenheit; im Gegenteil erscheint das System sehr hierarchisch und autoritär zu sein. Spieler haben in der Trainerfrage keine Rolle. Sie bekommen den Trainer vorgesetzt und keiner von ihnen wird um seine Meinung über den alten oder den neuen Trainer gefragt. Ob diese Vorgangsweise gescheit ist, bezweifle ich. Da man es aber so pflegt (die letzten Trainerwechsel bei Rapid spielten sich genau so ab), muss man damit rechnen, dass ein Unbehagen bei der Mannschaft, das nicht in Gesprächen geteilt werden kann, einen Einfluss auf die Spielweise haben wird. Die Mannschaft spielt gegen den Trainer. Nicht, dass ein einzelner Spieler das so ausdrücken würde. Aber der Spielstil zeigt es. Ich frage mich daher, bei welchen Spielen oder Spielsituationen oder eben dann Ergebnissen man einen solchen unbewussten Protest der Spieler beobachten kann. Ist es zum Beispiel die Lustlosigkeit eines Philipp Schobesberger, der vielleicht weniger als andere als Soldat seinem Job nachkommt sondern schon allein wie er sich bewegt zum Ausdruck bringt, dass er unter diesen Bedingungen nicht spielen will. Ein ähnlicher Spieler wäre Marco Arnautovic. Bei seinem vorigen Trainer bei Westham wurde er wegen Lustlosigkeit ausgepfiffen, unter dem neuen Trainer hat er sich zum Erfolgsgaranten gesteigert. Marco ist kein Soldat, der Befehle unreflektiert ausführt. Mein Eindruck von ihm ist, dass er wenig Anpassungsbereitschaft hat und er Unbehagen mit einer Situation im Spiel sehr deutlich zum Ausdruck bringt. Vielleicht ist unser Philipp ein ähnlicher Indikator für eine Missstimmung?

Wenn wir nach Favoriten schauen oder zur Nationalmannschaft können wir uns des Eindrucks nicht erwehren, dass in beiden Fällen der Erfolg unter dem alten Trainer stark nachgelassen hat und dass dafür das Vertrauen zwischen Trainer und Mannschaft verantwortlich war. Ist es nicht schade, dass man erst nach massiven Misserfolgen der Mannschaft auf ein Problem aufmerksam wird? Der Grund ist nach meiner Ansicht die geringe Einbeziehung der Spieler in solche Entscheidungsprozesse. 

Auf-Und-Ab des Erfolgs

Einen klaren Aufwärtstrend kann man an der Fieberkurve des Erfolgs unserer Mannschaft nicht erkennen. Nach einem ziemlich durchschnittlichen Start kam ein hoffnungsvolles „Zwischenhoch“, das aber von einem Einbruch im dritten Viertel abgelöst wurde. Wie sich der jetzige sanfte Anstieg entwickeln wird, entscheidet wohl das Schicksal unseres Trainers.

Wer kennt sie nicht, die „Entscheidungsfragen“ bei Prüfungen. Wenn man als Prüfling an so einem Punkt angelangt ist, liegen Erfolg oder Misserfolg in der Hand einer einzigen Frage; und im Falle des Trainers hängt letztlich alles am Ergebnis eines bestimmten Spiels. 

Der Herz sagt ja, das Hirn rechnet Punkte! Wer gewinnt?

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Wir verstehen den Zufall nicht

Der Mensch sucht auch im Sinnlosen nach Sinn. Dazu kreiert er Hypothesen, die ihm die Dinge erklären. Und auch wenn diese Erklärungen ganz falsch sind, hält er daran fest, umso mehr als es sich um tradiertes, also seit Kindertagen tief verwurzeltes, Verhalten handelt. 

Sinnsuche: „Der Mensch ist ein Wesen auf der Suche nach einem Sinn“ (Viktor Frankl) Man hat Probanden beauftragt herauszufinden, wie man zwei Tasten betätigen muss, um bei einem Glücksspielautomaten maximalen Erfolg zu haben. Die Probanden kamen alle auf eine Lösung, wenn auch alle zu einer anderen. Die richtige Antwort wäre aber gewesen, dass es gar keinen Zusammenhang gibt, denn die Tasten standen in keiner Weise mit dem Glücksspiel in Verbindung.

Hypothesen: In einem eindrucksvollen Experiment mit Publikum im Wiener Stadtsaal zeigte Elisabeth Oberzaucher (Science Busters), wie leicht man auf esoterische und andere Behauptungen hereinfallen kann und es besser wäre, den Dingen auf den Grund zu gehen – oder eben zu schweigen, wenn man es nicht weiß. Ein Holzbalken wurde auf einem Tisch ausbalancierter und war in Schwebe. Die linke und rechte Saalhälfte wurde aufgefordert, mit tiefen beziehungsweise mit hohen Tönen zu summen. Nach wenigen Augenblicken neigte sich der Balkan auf die Seite der hohen Töne. Prompt gab es auch diesbezügliche Theorien des Publikums, die mit „Resonanz“ und „Schalldruck“ zu tun hatten; Erklärungen zwar, aber alle nicht richtig, denn im Holzbalken befand sich eine zähe Flüssigkeit, die sich nach dem Austarieren des Holzbalkens im Inneren verteilt hat und daher den Balken nach einigen Augenblicken zum Kippen brachte. 

Was hat das mit Fußball zu tun?

Alles!

Wir wollen es einfach nicht wahrhaben, dass Dinge auch einmal ohne konkrete Ursache nicht so verlaufen, wie wir uns das vorstellen. (Sinnsuche) Wenn wir dann darunter leiden, dass Spiele nicht gewonnen oder gar verloren werden, dann erfinden wir die tollsten Ursachen für die sich zufällig ergebenden Torfolgen, die zu unseren Ungunsten ausfallen. (Hypothesen)

Es ist ein schmaler Grat zwischen Sieg und Niederlage, besonders, wenn – wie im modernen Fußball – die Ausbildung der Spieler und Trainer auf einem gleichmäßig hohen Niveau erfolgt. Wie ein Spiel dann schließlich endet, entscheiden nicht die erworbenen Fähigkeiten allein, denn der Zufall spielt eine wichtige Rolle, wenn nicht die Hauptrolle.

Ich weiß, dass viele diese Meinung nicht teilen. 

Es gibt jene, die nach 2 Punkten in drei Spielen so ziemlich alle Beteiligten schuldig sprechen und es selbstverständlich immer schon gewusst haben, dass vom Präsidenten abwärts und diesen auch gleich eingeschlossen so ziemlich alle unwürdig sind, für Rapid zu arbeiten. Eine Art Kollektivschuld. Und im Grunde sind diese Anschuldigungen nichts anderes als Ausdruck von Hilflosigkeit. Es kommt mir so vor, als würde man auf See in einem Unwetter dem Kapitän und der Mannschaft die Kompetenz absprechen und meinen, man selbst wüsste, wie man das Steuerrad zu drehen habe, damit das Schiff nicht kentert. Dabei kann man aber als Landratte nicht einmal Backbord und Steuerbord unterscheiden. 

Es gibt jene, die meinen, so ein Tor zu schießen, das wäre doch keine Sache, man muss es nur wirklich wollen. 

Und dabei wäre doch alles so einfach. Hätten wir auch nur eine der Chancen gegen die Admira verwerten können, wäre nicht gegen Sturm Aluminium – wie so oft in diesem Jahr – im Weg gestanden usw., wir würden über alles andere lachen.

Aber es ist nicht so. Und niemand kann diese Zufälligkeiten erklären, weil sie eben solche sind. Man muss sie nicht weiter deuten, jedenfalls nicht als einen Ausdruck von Unfähigkeit, denn genauer als exakt an die Stange kann man einen Ball nicht platzieren und dort soll er ja auch hin. Ein solcher Schuss ist ein Zeichen von höchster Präzision, nicht von Unvermögen.

Wir neigen alle dazu, Vergangenes zu verklären. Immer wieder denke ich an Spiele mit Zoki zurück, die uns besser gefallen haben, verdrängen aber, dass wir vor zwei Jahren gleich zwei Mal zu Hause gegen die Admira kläglich gescheitert sind, dass wir im Februar 2016 alle drei laufenden Bewerbe verspielt haben und dass damals die Stimmen gegen den Trainer nicht so feindselig waren wie heute.

Nehmen wir an, Rapid und Sturm sind sportlich gleichwertige Teams. Dann ist das Ergebnis offen. Das Ergebnis ist zufällig. Wenn eines der Teams Vorteile durch die Qualität der Spieler hat (Kaderwert), dann ändert sich die Siegwahrscheinlichkeit zugunsten dieses Teams. Wenn daher Rapid gegen die Admira spielt, ist Rapid der Favorit. Aber das ändert nichts daran, dass ein Klärungsversuch in der letzten Minute auch einmal ins eigene Tor gehen kann. 

Es ist, als würde man mit einem leicht auf die 6 gezinkten Würfel spielen. Es kommen alle Zahlen, nur die 6 kommt ein bisschen häufiger. Ja, aber bei einem einzelnen Spiel weiß man das nicht, das bemerkt man erst nach 20 Spielen. Und hier liegt auch das Problem: wir haben nicht so viel Zeit, das auch wirklich zu erleben. Würden wir so lange warten, sind wir vielleicht schon abgestiegen; nicht weil wir gar so schlecht spielen, nein, weil der Zufall unerbittlich sein kann.

Es kommen zwei schwere Spiele auf uns zu; LASK und Ried. (Bei Ried plädiere ich für eine Verschiebung um 14 Tage, weil wir mit Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt rechnen müssen und der Zeitpunkt für die Cupspiele nicht so wichtig ist.) Wenn sich das Drama von vor zwei Jahren wiederholt, rutschen wir auf den 5. Platz zurück und scheiden im Cup aus. Wie sagt der Slogan: „Alles ist möglich!“

Du spielst Roulette und es kommt: rot – rot – rot – rot – rot – rot – ? Und was kommt jetzt? Es wäre Zeit – meinst Du, dass einmal schwarz kommt und Du setzt auf schwarz. Aber es kommt rot! Es ist wie verhext. Leider unterstützen Tageszeitungen die Meinung, man könne dem Zufall ein Schnippchen schlagen. Die Krone publiziert die Häufigkeit alle Lottozahlen und die Lottospieler meinen, eine Zahl, die schon lange nicht an der Reihe war, müsse nun endlich wieder einmal gezogen werden. Es wird aber keine Regel verletzt, wenn es auch in den nächsten 10 Runden nicht der Fall ist. 

Und weil das niemand versteht (sonst wäre es kein Zufall), aber niemand auf die zufällige Trendwende warten kann, müssen die Vereinsverantwortlichen irgendwann handeln, auch wenn diese Entscheidung nicht unbedingt rational ist. 

Diese geringen Erfolge – auch wenn sie tatsächlich rein zufällig wären – haben leider die fatale Konsequenz, dass sie auf die zum Erfolg verdammten Akteure zurückwirken und tatsächlich ihre Motivation untergraben können. Wenn man die ganze Woche hart an etwas arbeitet und das Tor gelingt nicht und man kassiert umgekehrt eines durch einen Eigenfehler, dann wird man zunehmend mutlos, das kann ich mir gut vorstellen. Mir passiert das nicht! Wenn mir etwas nicht gelingen will, kann ich mehr Zeit in das aktuelle Projekt investieren und Dinge so oft korrigieren, bis sie einer gewünschten Qualität entsprechen.

Genau das können Spieler nicht. Sie haben keine Zeit für weitere Versuche. Nach 90 Minuten ist Schluss. Sie haben ihre Leistung gebracht, waren aber glücklos. Die Reaktion des Sportdirektors zeigt auch eine gewisse Nervosität, unter der wir alle leiden. Dass er sich dazu hinreißen ließ, Philipp Schobesberger zu kritisieren, das kann ich nicht verstehen. Natürlich wollte Philipp dem Siebenhandl den Ball zwischen die Beine spielen aber der ist auch ein alter Hase und hat damit gerechnet. So ist das eben im Spiel mit einem ebenbürtigen Gegner. 

Glück des Tüchtigen?

Es kommt vor, dass Trainer mit ihrer Mannschaft einen Höhenflug erleben. Man freut sich und meint, das sei deshalb, weil eben die eigene Arbeit durch Siege belohnt wird. Das stärkt das Selbstvertrauen und lässt das Interesse erfolgloser Teams an den Akteuren steigen. 

Was aber, wenn Siege (oder Titel) eben einfach „passiert“ sind? Dann ziehen die Verantwortlichen die falschen Schlüsse! Sie schließen vom Erfolg eines Trainers auf dessen Qualifikation. (Siehe Abwerbung von Josef Hickersberger durch den ÖFB und von Damir Canadi durch Rapid).

Und genauso müssen umgekehrt ein paar erfolglose Spiele nicht gleich bedeuten, dass die Akteure ungeeignet sind.

Fußball ist ein Spiel und kein Hundertmeterlauf

Wir können die Goldmedaillen von Marcel Hirscher nicht gut mit Meistertiteln vergleichen. Marcel ist eine außergewöhnliche Begabung, ein Lionel Messi unter den Schifahrern. Er unterliegt aber den Zufälligkeiten des Lebens ebenso. Wäre er zum Beispiel an einer Grippe erkrankt, wäre es nichts mit den Goldenen und er wäre trotzdem der Beste. 

Eine Disziplin, bei der es auf ein bestimmte Leistung ankommt, genügt es, der Schnellste zu sein, einen gegebenen Gegenstand möglichst weit zu werfen, den eigenen Körper möglichst hoch oder weit zu bewegen. Das ist im Fußball nicht der Fall. Wir können das auch daran ablesen, dass es keinen Sinn macht, Fußballer zu dopen. Das Doping hilft nämlich nichts, wenn der Ball an die Stange geht. Daher ist Doping im Fußball auch kein Thema.

Fußball misst keine Leistung. Fußball misst den zufälligen Umstand eines Torerfolgs. Damit dieser passieren kann, muss eine gewisse Leistungsfähigkeit, Technik und Begabung (Liganiveau) vorhanden sein und diese Fähigkeiten sind in den verschiedenen Mannschaften sicher ganz verschieden verteilt. Würde es immer die Summe diese Eigenschaften sein, die den Ausschlag für einen Sieg ergeben, niemand würde sich Fußballspiele anschauen. Und genau deshalb, spielt der Zufall eine ganz wesentliche Rolle, weil er stärker ist als alles, was wir an Vorbereitung in einen Saison und in ein Spiel investieren können – zumindest bei Vereinen auf Augenhöhe. 

Ein geplant herausgespieltes Tor darf – aus der Sicht des Gegners – nicht passieren. Wenn es dennoch gelingt, muss wirklich alles passen. Ein gut geplanter Angriff mit genau einstudierten Spielzügen ist herrlich anzuschauen. Aber er ist sehr selten. Wie viele erfolglose Szenen müssen wir erleiden, bis ein solches Meisterstück passiert! 

Die meisten Tore sind auch gar nicht herausgespielt. Sie passieren durch eine ungeplante Verkettung von Ereignissen. Wäre der zufällig zu Boli gelangte Ball und dessen Weitschuss beim Spiel gegen Sturm in die Wolken gegangen, wen hätte es gewundert, es hätte zu dem gepasst, was wir immer schon über unser Team gedacht haben.

Ein Fußballspiel ist wie ein Glücksspiel mit drei möglichen Ausgängen, die aber nicht gleich wahrscheinlich sind, weil alle Investitionen die Wahrscheinlichkeiten verschieben aber insgesamt nichts an dem zufälligen Charakter des Ergebnisses ändern. Wie groß diese Zufallskomponenten sind, wissen wir aus liga-übergreifenden Cupspielen, die den Underdog das eine oder andermal lachen sehen. Nicht oft, aber es kommt vor; so wie ein auf die Sechs gezinkter Würfel auch nicht immer auf die Sechs fällt.

Auch Titel sind Zufall

Titel passieren oft wie ein Stochertor, dass eben bei einem Team in einer Saison alles passt, wenige Verletzte zu beklagen sind und das Glück mitspielt. Ein dann stattfindender Erfolgslauf wirkt dann dem Zufall entgegen, indem er zusätzliche Motivatoren freisetzt, die bei durchschnittlichem Erfolg nicht gegeben sind. Meist entstehen aber Meistertitel wenn ein Team zu einer bestimmten Zeit gegenüber allen anderen aus irgendeinem Grund auszeichnet, zum Beispiel eine einmalige Konstellation begabter Spieler oder viel Geld, um solche Spieler kaufen und halten zu können.

Dass also Salzburg Serienmeister ist, widerspricht der Zufälligkeit von Titeln nicht, weil der Spielwürfel auf eine geradezu unanständige Art mit eine 100 Millionen-Budget gezinkt ist und es daher kein Wunder ist, wenn diese Truppe alle anderen hinter sich lässt.

Das Feng-Shui der Veränderungen

Wenn es im Fußball talwärts geht und die Gründe sind nicht festzumachen (ausgenommen die vielen Teamchefs, die das dennoch ganz genau zu wissen glauben), wird oft eine unsichtbare Reißleine gezogen und der Trainer ersetzt. Oft hilft das auch! Es kann aber dieselbe Wirkung sein, die sich nach einer Feng-Shui-Beratung und umgestellter Wohnungseinrichtung einstellt. Eine Veränderung, die sich auf die eigene Psyche auswirkt, und tatsächlich etwas bewirkt. Aber es war mehr die Veränderung, die gut getan hat  und weniger die vorher ungeeignete Aufstellung der Wohnungseinrichtung. 


Zum Titel

Franz Lackner, Bischof in Salzburg, meinte am 20. Jänner, „Ich verstehe Gott zuweilen nicht“. Bei „Gott“ dürfte er ja Spezialist sein, im Leben dagegen weniger. Es würde genügen, sich etwas mehr mit der Welt auseinander zu setzen – und wenn es nur die des Fußballs ist – er würde rasch merken, dass nicht alles einen Grund hat und dass da niemand sonst die Finger im Spiel hat als Gott Zufall.

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Cuprunde wetterbedingt verschieben

Die Wetterprognose für die kommende Woche kündigt für den Westen Wiens Nachttemperaturen von -13 Grad und in Graz von bis zu -19 Grad an.

Wien-Weidlingau

Graz

Gestern berichtete die Kleine Zeitung über eine „längere Eiszeit“ in der kommenden Woche mit Nachttemperaturen bis unter -20 Grad. Da sich zu den tiefen Temperaturen auch noch Wind dazugesellt, macht die Temperaturen noch weniger erträglich.

Bei solchen Bedingungen beginnt es am Fußballplatz ungemütlich zu werden, ganz egal, in welcher Rolle. 

Eine Rückfrage bei Andy Marek hat ergeben, dass er meine Befürchtungen teilt, dass es aber in dieser Sache keine Hoffnung gibt, dass der ÖFB einlenken könnte. Wahrscheinlich wäre es zuviel verlangt, dass der ORF sein Programm ändert, denn einen anderen Grund kann ich nicht so recht erkennen.

Die Austragung der Spiele der kommenden Cuprunde schaden angesichts der zu erwartenden Temperaturen den Spielern, dem Publikum und auch dem Cup-Bewerb. 

Wie ist es in der Regionalliga?

Da die Regionalliga nicht so seltsam unflexible Partner hat, ist es dort überhaupt kein Problem, die komplette 19. Runde des kommenden Wochenendes wetterbedingt abzusagen. Bericht Rapid

Wie ist es in Deutschland?

In Deutschland dürfte das dortige Fußballregelwerk schon etwas ausgefeilter sein, denn dort gibt es eine Minus-15-Grad-Regel, die Spielabsagen unter derartigen Bedingungen rechtfertigt: Siehe Bericht vom 2.2.2012, allerdings läge das dort im Ermessen der Schiedsrichter.

Die einschlägige Regel findet sich bei „zusätzlichen Erläuterungen des DFB“ (Zitat aus weltfußball.at): Fußball soll bei Temperaturen ab minus 15 Grad, bei starkem Wind ab Temperaturen von minus 10 Grad nicht mehr gespielt werden. Bei starker Kälte muss der Schiedsrichter auf die angemessene Bekleidung der Beteiligten achten.

Wir könnten ja ein Bisschen von der ansonsten so angesehenen deutschen Fußballkultur in unser Regelwerk miteinfließen lassen. 

Ein Appell

Im Sinne der Gesundheit aller Beteiligter plädiere ich für eine Verschiebung der kommenden Cuprunde um 14. Tage. 

Sollte die Wetterlage bei den Verantwortlichen nicht Berücksichtigung finden, sollte man an tribünen- und stadionübergreifende Aktionen gegen die Verantwortlichen denken, die zwar im Fernsehen durch deren Kameraführung nicht zu sehen sein werden, über die aber in den sonstigen Medien durchaus berichtet werden würde; und ausnahmsweise wären einmal nicht nur Rapidler im Fokus.


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Dramaturgie eines Fußballspiels

Ein Fußballspiel bietet Spannung von der ersten Minute an. Der Verlauf ist statistisch – also in der großen Zahl betrachtet – keineswegs gleichförmig. Vielmehr nimmt die Zahl der Aktionen Fouls, Karten, Tore, Gegentore, Einwechslungen während eines Spiel zu. Um diese Dinge zu quantifizieren, unterteilen wir das Spiel in Abschnitte zu je einer Viertelstunde und daher gibt es sechs solcher Abschnitte. 

Die Seite Fußballösterreich bietet uns auf ihrer Statistikseite eine ganz tolle Statistik für diese Abschnitte und zwar zusammenfassend für alle Ligen in Österreich. Was auf der Seite fehlt, ist der Hinweis, auf wie viele Spiele und auf welchen Zeitraum sich diese Statistik bezieht aber das können wir leicht ermitteln. Es geht bei dieser Seite immer um den laufenden Bewerb also um alle Spiele seit Saisonbeginn. Und aus einer Abschätzung aus dem Vorjahr („Weißt Du wieviel Sternlein stehen?“) wissen wir, dass es insgesamt etwa 130.000 Spiele sind.  Hier sieht man die Auswertungen von Fußballösterreich in einer Tabelle:

Wenn wir nun diese Statistik grafisch darstellen, erhalten wir folgendes Bild:

Diese Grafik zeigt 

  • Wechsel (blau, ca. 130.000 Spiele)
  • Gelbe Karten (gelb, ca. 130.000 Spiele)
  • Gelb-Rote Karten (orange, ca. 130.000 Spiele)
  • Rote Karten (rot, ca. 130.000 Spiele)
  • Tore (grün, dünn, oben, ca. 130.000 Spiele)
  • Tore Rapid (grün dick, gesamt 10.122 Tore, seit 1900)
  • Tore Rapid (eigene und Gegentore) (dunkelgrün, gesamt 59, Saison 2017/18)
  • Tore Rapid eigene (hellgrün, gesamt 31, Saison 2017/18)
  • Tore Rapid Gegentore (schwarz, gesamt 28, Saison 2017/18)

Die Darstellung erfolgt in einem logarithmischen Maßstab, um die verschiedenen Größenordnungen auf einem Diagramm darstellen zu können. Das hat aber zur Folge, dass die Unterschiede der einzelnen Viertelstunden nicht ganz so deutlich sind wie in absoluten Zahlen. Wenn also im Diagramm eine Linie auch nur gering ansteigt, darf man das nicht vernachlässigen.

Alle dargestellten Größen nehmen im Verlauf des Spiels zu.

Einwechslungen

Bei den Einwechslungen (blau) sieht man eine sprunghafte Zunahme in der zweiten Halbzeit.

Verwarnungen

Schiedsrichter gehen es gemütlich an, zunächst nur mit Ermahnungen. Das sieht man deutlich  am Verlauf der Gelben Karten. Dass die Gelb-Roten Karten im Verlauf des Spiels stärker ansteigen, liegt auf der Hand, weil das zweite Vergehen zeitlich später erfolgt. 

Tore

Den geringsten Anstieg verzeichnen die Tore und der Verlauf der Torhäufigkeit pro Viertelstunde ist bei den Toren der laufenden Saison (grün, dünn, oben) ganz ähnlich wie der aus den historischen Spielen von Rapid (grün, dick, Mitte). Die „Rapid-Viertelstunde“ ist bei den aktuellen Spielen deutlicher ausgeprägt als bei den historischen Rapid-Spielen.

Die folgende Tabelle zeigt die 10.122 Tore in den sechs Abschnitten für alle Rapid-Bewerbspiele seit Beginn der Aufzeichnungen:

Es gibt eine Unterteilung in alle Spiele, Siege, Unentschieden und Niederlagen und in jeder Kategorie werden alle Tore, die eigenen Tore und die Tore des Gegners getrennt ausgewertet. 

Man kann die Tore auch in einem Ein-Minuten-Intervall auswerten und bekommt dann folgenden Verlauf: 

 

Man beachte den Ausreißer in der 90. Minute, der durch die Ereignisse in der Nachspielzeit hervorgerufen wird, die alle in der 90. Minute summiert sind. 

Auch die Tore der laufenden Saison lassen sich in dieser Grafik gut darstellen, wenn man auch durch ihre geringe Zahl mit der Interpretation vorsichtig sein muss. Nach meiner Ansicht zeigt der Verlauf das, was wir als Zuschauer empfinden, das aber der Trainer bestritten hat, nämlich, dass Rapid in dieser Saison zu Einbrüchen in der zweiten Halbzeit neigt, denn tatsächlich zweit die Kurve der geschossenen Tore in der zweiten Halbzeit einen Einbruch. Es ist wegen der wenigen erfassten Tore statistisch bedeutungslos aber wenn wir das Spiel erleben, dann ist es das konkrete Ereignis, das wir empfinden (also eben die Torflaute in der zweiten Halbzeit) und nicht die hübsch begradigte Statistik über sehr viele Spiele.

„Der Sechs-Achtel-Takt eines Fußballspiels“

Man sieht aus den Kurven, dass die Dramatik des Spiels gegen Ende zunimmt, egal, ob man es an der Zahl der Verwarnungen oder Tore misst. Die Rapid-Viertelstunde kann man bei allen Fußballspielen beobachten. Nur hat der Rapid-Anhang diese Eigenschaft des Spiels schon in der Frühzeit des Fußballs erkannt und ihm auch einen Namen gegeben. 


Wer ein Musikinstrument erlernt, weiß, dass man im Sechs-Achtel-Takt das erste Achtel stark und das vierte Achtel etwas schwächer betont. Beim Fußballspiel betont man die einzelnen Achtel mit zunehmender Stärke und beendet das letzte Achtel als eine hoffentlich furiose Rapid-Viertelstunde. 

Zahlen zur Grafik

  WECHSEL GELB GELB-ROT ROT TORE TORE-RAPID RAPID 2017/18 +
Min.  1 – 15 647 2529 5 52 9335 1447 1 0 1
Min. 16 – 30 1717 6460 59 105 10263 1574 8 6 2
Min. 31 – 45 2331 10721 193 167 11407 1525 10 7 3
Min. 46 – 60 21016 10897 352 193 11315 1783 13 8 5
Min. 61 – 75 28053 13622 663 305 11728 1819 12 3 9
Min. 76 – 90 30666 18405 1480 648 15010 1974 15 7 8

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Gedenkjahr 2018

Dieses Jahr 2018 wird voll von Gedenken sein. Bei Rapid werden die Ultras ihr 30-jähriges Bestehen feiern, aber auch der Tagebuchautor, wird rund an Jahren; 70. In erster Linie wird der Staat dem Ende des Endes des Ersten und des Beginns des Zweiten Weltkriegs gedenken, sowie der Gründung der Republik vor 100 Jahren.

Fast wichtiger erscheinen mir aber die Gedenken an das Konzil von Konstanz vor 600 Jahren und den Beginn des 30-jährigen Kriegs vor 400 Jahren sowie der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vor 70 Jahren. Warum? Eigentlich dachten wir – zumindest in der Städten, dass man im Sinne eines friedlicheren Zusammenlebens Religion zunehmend klein oder zumindest kleiner schreiben könnte und diese Spielart einer weltanschaulichen Interessensgemeinschaft allmählich dem Strom der Geschichte übergeben werden könnte. Doch mit den Neu-Österreichern aus den verschiedensten Weltregionen ist religiös motiviertes Handeln wieder zu einem aktuellen Thema geworden. Und daher sind Erinnerungen an das, was Religion in der Lage ist, Menschen anzutun, wichtig, um unser Zusammenleben auch von einem allgemeineren Standpunkt zu betrachten.

Am Weg zu einer Offenen Gesellschaft

Eine „geschlossene Gesellschaft“ gibt die Weltanschauung vor, egal ob durch Religion oder durch einen sonstigen „starken Mann“. Viele fühlen sich in solchen Gesellschaften wohl, bieten sie doch eine gewisse Geborgenheit – aber nicht für alle, denn sie fordern auch gleichzeitig Anpassung – von allen.

Mit dem Auftreten von Jan Hus vor 600 Jahren und Martin Luther vor 400 Jahren und den Reaktionen der damals geschlossenen Gesellschaft, wurde auf dramatische Weise gezeigt, wie geschlossene Gesellschaften sind. Dass wir uns heute auf einem Weg zu einer Offenen Gesellschaft bewegen können, verdanken wir auch diesen sehr leidvollen historischen Meilensteinen. Wer sich – wie Jan Hus oder später Giordano Bruno – dem Weltanschauungsdiktat widersetzte, wurde beseitigt. Dass der Kaiser Karl V. am Reichstag in Worms Martin Luther als „vogelfrei“ entließ, bereute er zeitlebens.

Was macht die Offene Gesellschaft aus?

Der Begriff der „Offenen Gesellschaft“ geht auf Karl Popper*) zurück. Kurz gefasst beschreibt Sir Charles die Funktionsweise einer demokratischen Ordnung, mit dem Ziel, Regierungen auf friedliche Weise „loswerden“ zu können. Die Grundlage der Offenen Gesellschaft sind die Menschenrechte, aus 1948 die im Artikel 18 die Freiheit der Weltanschauung sichern, gleichzeitig im Artikel 21, „sich friedlich zu versammeln“ und Artikel 22 „sich frei zusammenzuschließen“. In einer solchen Gesellschaft darf man sich zu beliebigen Gruppen zusammenschließen. Zwischen Gruppierungen für Weltanschauung, Partei, Verein (auch Fußballverein) sollte (zumindest in einer Idealvorstellung) kein grundsätzlicher Unterschied bestehen.

Diese Freiheit bekommt man aber nicht geschenkt; ihr Preis ist die Toleranz, die von uns, die wir jeder in einer bestimmten Weltanschauung sozialisiert wurden, gegenüber allen anderen aufzubringen haben, damit ein friedliches Miteinander möglich wird. Es ist nicht immer einfach, die oft (aus der eigenen Position empfundenen) skurrilen Behauptungen anderer Ideologien zu ertragen, erinnern wir uns nur einmal an die Anhänger der Austria Wien:-) Allein die gleichzeitige Existenz vieler Weltanschauungen ist Kritik an jeder einzelnen von ihnen und daher muss jede von ihnen Kritik zulassen und darf nicht erwarten, dass der Staat besondere Rücksicht auf sie nimmt.

Dass wir heute einer zunehmend „Offenen Gesellschaft“ (gemeint ist nicht die Rechtsform OG sondern die Weltanschauung)  angehören, ist einerseits ein Feature, anderseits verlangt es uns ab, dass wir diese Gesellschaftsform in unseren Handlungen und Reaktionen immer wieder bestätigen und uns in Erinnerung rufen, warum diese Gesellschaftsform gerade für ein Land mit starker Migration so wichtig ist, und was die Grundlage dafür ist, dass so verschiedene Gruppen friedlich nebeneinander existieren können.

Nach den Idealvorstellungen einer Offenen Gesellschaft haben Gruppierungen keine zusätzlichen Privilegien. Wir wissen zwar, dass das – gerade in Österreich – nicht gegeben ist, denken wir nur etwa an die Konkordate, muslimische Schulen und andere Sonderstellungen, aber wir sind ja auch erst auf dem Weg zu einer Offenen Gesellschaft.

Was also eine Gruppierung und ihr Weltbild nicht hat, ist ein besonderer Schutz gegenüber Kritik. Ideen dürfen – zumindest nach den Vorstellungen dieses Gesellschaftsmodells – beliebig kritisiert werden dürfen. Es geht dabei nicht um einzelne Personen, da würden Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Wenn aber der Rapid-Block einen seiner Sprüche aus den unteren Schubladen skandiert, mag das zwar nicht unseren Geschmack treffen aber es darf gesagt werden, weil es eine Idee kritisiert aber nicht eine Person.

Toleranz und Kritik

Einerseits wird von jedem Einzelnen von uns Toleranz gegenüber den Ideen anderer abverlangt. Wir teilen die Meinung der meisten anderen Ideologien in keiner Weise und es ist geradezu anstrengend, deren Existenzrecht zu tolerieren. Aber es muss sein, damit ein friedliches Miteinander möglich wird. Die Ideen anderer zu tolerieren, bedeutet ja nicht, dass man sie billigen muss – und das soll man auch nicht. Im Gegenteil, wir haben aufgrund des Artikels 19  der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte mit der Meinungsfreiheit das Recht und – wie mir scheint – sogar die Pflicht, uns unpassend erscheinende Ideen durch geeignete Argumentation zu kritisieren, weil eine Duldung fast einer Art Bankrotterklärung dieses Ansatzes zu einer Offenen Gesellschaft wäre.

Man kann daraus ableiten, dass wir eine solche funktionierende Gesellschaft vieler gleichrangiger Ideen nicht geschenkt bekommen, sondern sie immer wieder ausverhandeln müssen, vielleicht auch in der Hoffnung, dass jene Ideen überbleiben, die dieses Gesellschaftsmodell stützen, die also als Präambel zu ihren Satzungen eine Formel verwenden wie: „Es gibt viele Götter und wir müssen sie alle tolerieren.“

Fußballerische Kurzformel: Es darf beliebig viele Fußballvereine geben, jede Form verbaler Kritik von allen Seiten ist erlaubt und muss von allen Seiten ertragen werden – sofern es sich auf die Idee der Gruppe und nicht auf die Person bezieht.

Der Preis für diese „Freiheit der Gruppenbildung“ ist der Umstand, dass Ideen keinen „Ideenschutz“ beim Staat einfordern können und daher im Sinne der freien Meinungsäußerung kritikfähig sein müssen. Das Recht zur Kritik in Form der Meinungsfreiheit ist das Gegengewicht zur „Last“ der Toleranz.

Wie „offen“ ist unsere Gesellschaft?

Beim Fußball können wir das Gruppenverhalten sehr gut beobachten, weil die Anhänger der jeweiligen „Weltanschauung“ der Einfachheit halber mit einer Farbkennzeichnung versehen sind. Vielleicht ist das Verhalten der Fußballfans sogar ein geeigneter Gradmesser für die Offenheit einer Gesellschaft.

Bei unserer Auswärtsfahrt nach Leverkusen bestaunten wir das tolle Stadion (jetzt haben wir selber ein noch schöneres; wer hätte das damals gedacht) und nutzten die Gelegenheit zu einem Rundgang. Dabei gerieten wir ungewollt in  den Fansektor der Heimmannschaft. Ein Ordner wurde auf unsere Rapid-Schals aufmerksam und beeilte sich, uns aus der Gefahrenzone wieder zurück zu unseren Plätzen zu dirigieren, etwas, was zum Beispiel in Hütteldorf gar nicht möglich ist. Besucher der Ost-Tribüne können gar nicht in den Rapid-Fansektor gelangen, ein „Raubtiergitter“ trennt die Bereiche. Eine tolerante und gleichzeitig kritikfähige Gesellschaft braucht solche Gitter nicht. Man ist in Leverkusen offenbar schon etwas weiter am Weg, eine Offene Gesellschaft zu leben als das in Hütteldorf der Fall ist. Allerdings wissen wir auch von Regelungen, die es gar nicht erlauben, dass Besucher mit den Farben der Gastmannschaft den allgemeinen Sektor betreten dürfen.

Stolpersteine

Der Weg zur Offenen Gesellschaft enthält viele Stolpersteine. Die Akzeptanz der Menschenrechte ist durchaus nicht weltweit gegeben. Was in unseren Breiten fast schon als selbstverständlich angenommen wird, gilt in weiten Teilen der Welt nicht. Die Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam verwendet zwar im Titel das Wort „Menschenrechte“, allerdings handelt es sich hier um die Etablierung der Scharia als Rechtsgrundlage.

Aus der Formel, „Kritik als Gegengewicht zur Toleranz“ ergibt sich zwangsweise, dass es so etwas wie einen Blasphemie-Paragrafen nicht geben sollte. Wie eine Art „juristischer Blinddarm“ existieren aber Blasphemieparagrafen immer noch. Während in England und in den nordischen Ländern solche Gesetze abgeschafft wurden, gibt es sie noch in Deutschland, der Schweiz und in Österreich; hierzulande als §188 „Herabwürdigung religiöser Lehren“ und $189 „Störung einer Religionsübung“. Vielleicht warten wir nur auf einen geeigneten Anlass, um sie endgültig zu streichen, wie etwa gerade gestern der Paragraf der „Majestätsbeleidigung“ in Deutschland.

Wie wenig weltanschaulich gefestigt unsere Politiker sein können, zeigt das Beispiel der Verhüllung antiker Nackstatuen bei einem Besuch des iranischen Präsidenten in Italien oder die Diskussion über die Mohammed-Karikaturen. Voreilender Gehorsam gegenüber Regeln anderer Weltanschauungen schwächt den Selbstwert einer Offenen Gesellschaft.

Zum Jahreswechsel werden wir aber ausreichend durch verschiedene Berichte daran erinnert, welche Werte wir hier in Österreich und Europa aktiv vertreten müssen, wenn wir nicht wieder in ein Zeitalter der Geschlossenheit oder wenigstens eines mit einem „starken Mann“ abgleiten wollen.

Am 30.12. berichtete der Spiegel (und viele andere Medien), dass in Ägypten etwa 900 Nichtgläubige zur Gefahr fürs Land erklärt worden sind. Als Grund wurde von den Regierungsstellen angegeben, dass durch die Ungläubigen die abrahamitischen Religionen beleidigt werden; Blasphemie also. Ägypten ist ein Beispiel für eine Nicht-Offene Gesellschaft. Aber Ägypten sei weit weg, könnte man meinen, das betreffe uns nicht. Leider stimmt das nicht, denn durch Zuwanderung aus diesen Ländern begegnen wir solchen Standpunkte vermehrt auch hierzulande.

Am 27.12. berichten die Medien über einen Vorfall in Bosnien, bei dem unser Jungstar Dejan Ljubicic mit einem befreundeten Spieler Bierflaschen gegen die Wand einer Mosche geworfen hat. Das wurde vom Spieler auch zugegeben. Bei den Berichten ist nicht ganz klar, wofür die zu erwartenden „strengen Strafen“ gelten; für den entstandenen Sachschaden oder dafür, dass der beschädigte Gegenstand eine Moschee war. Was wäre gewesen, wenn es sich um ein anderes Gebäude gehandelt hätte? Also um Dein oder mein Haus oder um die Geschäftsstelle eines (nicht gerade befreundeten) Fußballklubs oder um ein Geschäft? Wäre das dann auch in den Zeitungen gestanden, oder betrifft die Aufregung den Umstand, dass es sich um eine Moschee gehandelt hat? So ganz klar positioniert sich keiner der Berichte. Fredy Bickel sagt, man müsse die Tat „aufs Schärfste“ verurteilen.

Der erste Bericht zeigt, wie Religionen in einem Staat zur Norm werden können, der sich alle zu unterwerfen haben. Ein Blick in unsere Geschichte wie in unserem Gedenkjahr 2018 ist also genau so gut mit einem Blick nach Ägypten zu vergleichen. Der zweite Bericht zeigt, dass Religionen auch in unseren Breiten eine besondere Stellung genießen und Kritik an ihnen in unerlaubter Weise dramatisiert wird.

Aufs Schärfste verurteilen

Unsere Fußballstars stehen auf einem Podest, auf das wir sie gehoben haben und wir alle erwarten uns Vorbildwirkung für alle ohne Podestplatz, allen voran der Verein.

In der Interpretation, wann ein Elfmeter zu pfeifen ist und wann nicht, gibt es einerseits „die Absicht“ und dann die „unnatürliche Handbewegung“ oder „Hand zum Ball“. Wie soll man bloß feststellen, ob etwas absichtlich gemacht wurde. Die Entscheidung folgt daher heute eher der Interpretation der Bewegung als der noch subjektiveren Beurteilung der Absicht. (Außer bei Rapid, dort ist es egal, bei Rapid wird jedes Handspiel als Elfer gepfiffen:-)

Wie will man also feststellen, ob jemand religiös motiviert Flaschen auf ein Gebetshaus wirft oder ob das betroffene Gebäude zufällig ein Gebetshaus war? Man kann das nicht, außer der Flaschenwerfer erklärt uns das. Er erklärt es uns indirekt, indem er meint, er würde dem dortigen Muslimverein Geld spenden. Hätte er dem REWE-Konzern gespendet, wenn er die Flaschen auf eine Billa-Filiale geworfen hätte?

Gewalt in der Gesellschaft ist abzulehnen. Das Werfen von Gegenständen, egal wohin, ist nicht zu tolerieren. Aber es ist darüber hinaus ohne weitere Bedeutung, ob die Gegenstände in meinen Garten, in einen gegnerischen Fansektor oder auf ein Gebetshaus fallen. Aus dem jeweiligen „Zielgebiet“ erwächst keine größere Strafe als für das „Werfen von Gegenständen und der Gefährdung von Menschen“; egal ob es eine Kirche, eine Moschee oder ein Supermarkt ist, weil eben Weltanschauungen Kritik aushalten müssen.

Gruppenverhalten – individuelle Schuld

Hätte Dejan die Flaschen geworfen, wenn er allein gewesen wäre? Ich meine, dass er das ziemlich sicher nicht getan hätte. Das war auch schon beim letzten Platzsturm der Fall und bei sonstigen Anlässen, bei denen Einzelne unter dem Einfluss der Gruppe handeln. Dejan war mit einem Freund unterwegs und bereits in so kleinen Gruppen entwickeln sich Haltungen, die nur durch die Existenz der Gruppe zu erklären sind und daher ist Dejans Aussage „Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist“, durchaus nachvollziehbar. Der Täter ist immer auch die Gruppe, auch wenn sie nur sehr selten zur Rechenschaft gezogen werden kann. Glücklicherweise gibt es aber die juristische Neuschöpfung des Landfriedensbruch-Paragrafen.

Das Ereignis zeigt uns auch, wie wichtig Religion für junge Leute sein kann und dass man daher auch verstehen kann, dass die FIFA keine große Freude mit einem religiösen Outing am Spielfeld hat.

Die Täter sind immer die Eltern

Junge Menschen, die kaum der elterlichen Obhut entschlüpft sind, zeigen in ihrem unabgeschliffenen Verhalten noch sehr deutlich, welche Werte in ihren Familien zählen. „Jesus liebt mich“, meint David Alaba. Aber der Satz „Es gibt keine religiösen Kinder sondern nur Kinder religiöser Eltern“ ist sehr schwerwiegend und zeigt, wie wichtig es für Eltern wäre religiöse Erziehung in Offenen Gesellschaften etwas weniger wichtig zu nehmen, denn Kinder nehmen die Botschaften der Eltern sehr ernst – wie wir sehen.

Was wäre also das Wichtigste, das wir unseren Kindern für ein gedeihlichen Nebeneinander von Ideen mit auf den Lebensweg geben können? Es ist nicht die Vermittlung der eigenen Weltanschauung sondern die Einsicht, andere Weltanschauungem tolerieren zu müssen; nicht sie zu akzeptieren, denn die Kritik am Boden der Meinungsfreiheit muss möglich sein. Vor dieser Aufgabe stehen alle in irgendeiner Form Erziehungsbeauftragten, beginnend beim Kindergarten.

Auch am Fußballplatz ist das so. Die wichtigste Regel ist die, dass Gewalt gegen Anhänger und Spieler der jeweils gegnerischen Mannschaft außerhalb des eigenen Handlungsspielraums stehen müssen. Dass wir noch nicht so weit sind, das zu verinnerlichen, sehen wir am Unterschied zwischen der Bauweise der Stadien in Leverkusen und Hütteldorf. Aber wir sind auf einem guten Weg, vielleicht schaffen wir das auch noch.

Auf ein friedvolles Zusammenleben 2018 auf der Grundlage einer Offenen Gesellschaft!

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Motivforschung

Zu ergründen, warum Menschen Fußballspiele besuchen, ist die Sache von Soziologen. Aus Anlass dieses letzten Spiels gegen Altach und der Kommentare danach, war es mir ein Anliegen, als Nicht-Soziologe (und daher gut zum dritten Motiv passend) drei Motive zu nennen.

  • Liebe und Hass für dieselbe Sache
  • Wichtigkeit des Kleinen Mannes
  • Gewicht von Urteilen

Liebe und Hass

Es ist eigenartig, dass Menschen, die jedes Spiel von Rapid besuchen, sehr oft wild über Spieler und Trainer herfallen. Der Rat, man möge doch zu einem anderen Verein wechseln, kommt nicht gut an. Dieses Nörgeln (positiv ausgedrückt) ist offenbar Teil des Wiener Fußballherzens. Aber woher kommt das?

Die Protagonisten des Fußballs versuchen sich als Motivforscher und publizieren „111 Gründe, den SK Rapid zu lieben“, wo dann zum Beispiel zu lesen steht „Weil mit Richard Kuthan die Goalgetter-Tradition Rapids begonnen hat „.

Liebe also dafür, weil es bei Rapid Goalgetter gibt! Das ist es also!

Und was hat diese Liebe in einem konkreten Fall wie dem Spiel gegen Altach für eine fatale Wirkung?

Kaum ist einmal kein „Kuthan“ am Spielfeld, kippt die Liebe vor dem Spiel in Hass nach dem Spiel; in Hass auf die Trainer, den Vorstand und die Spieler. Die wenig hilfreichen Tiraden als Frustabbau kennt jeder, meist ist man ja selbst davon betroffen. Liebe und Hass dürften zwei Seiten derselben Sache sein.

Bild von pixabay.com

Wenn aber jemand nun diesen anlassbezogenen Hass nicht empfindet, liebt er dann seinen Verein nicht genug?

Kleiner Mann, ganz groß

Der Ärger über nicht geschossene Tore ist vereint uns alle, denen Rapid am Herzen liegt. Aber die Urteile darüber fallen sehr verschieden aus.

Die Frage, wie das Gebotene zu bewerten ist, erregt die Gemüter; sowohl in der Kunst, als auch am Fußballplatz. Im ersten Zorn über ein verlorenes Spiel arten die Kommentare aus. Es scheint, als würde Fußball das Innerste der Menschen ans Tageslicht befördern, wie es Thomas von Kempen (14.Jhdt) auf den Punkt bringt: „Wie jeder in seinem Inneren ist, so ist sein Urteil über äußere Dinge.

Ob man eine Vernissage, ein Konzert, ein Theater oder ein Fußballspiel besucht: man spricht darüber. Und der Zuschauer schlüpft dabei in eine interessante Rolle. Er ist zwar in allen diesen Aufführungen nicht „vom Fach“, auch dann nicht, wenn er sich – so wie wir Fußballzuschauer – in die Sache vertieft. Dennoch hat er immer auch in Urteil „bei der Hand“.

Wie diese Urteile ausfallen, das wissen wir. Ein sehr auffälliges Beispiel sind Meinungen über Schüttbilder von Hermann Nitsch, im Bild auf einem Parkhaus im 2. Bezirk, nahe dem Happel-Stadion.

Von MaclemoEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Ein Fußballspiel macht den Zuschauer zum Richter über Wahr und Falsch; er wird zum wichtigsten Juror über das Geschehen – wenigstens für die 90 Minuten des Spiels.

Der Kleine Mann neigt – mangels tieferer Einsichten – zur Marginalisierung des Gebotenen – egal ob in der Kunst oder im Fußball. Diese Abwertung der Maler zu „Schmierfinken“ und der Spieler zu „unfähigen Ostbahnkickern“ erhöht den Kleinen Mann zum eigentlichen Chef, der er ansonsten nicht ist.

Erst wenn Spieler und Trainer vor und nach dem Spiel unabhängig vom jeweiligen Ergebnis gesehen werden, hat man eine Chance, den Gründen für Sieg oder Niederlage auf den Grund zu gehen – und erst dann zu urteilen, wenn es unbedingt sein müsste.

Fredy Bickel hat bei der Generalversammlung die Kündigung von Damir Canadi als einen sehr bitteren Moment geschildert und letztlich ohne eigentlich zu urteilen. Weil für die letztlich Verantwortlichen ein Urteil im Sinne von „guter Trainer“, „schlechter Trainer“ nicht hilfreich ist, wenn es um das Überleben des Vereins geht. Und dass Canadi Qualitäten hat, das hat er vor Rapid und nach Rapid bewiesen.

Welches Urteil hat Gewicht?

Urteilen dürfen und sollen natürlich alle, dazu sind öffentliche Aufführungen aller Art schließlich da, wichtig ist aber das Gewicht, das ein solches Urteil hat, das es zum richtigen Urteil macht. Marc Aurel meint dazu:„Man muss erst so manches gelernt haben, ehe man über die Handlungsweise eines anderen richtig urteilen kann.“ Man sieht am Zeitalter der Zitate, dass es sich um ewige Themen der Menschheit handelt.

Bild von pixabay.com

Ob daher ein Schüttbild Kunst ist oder eine Mannschaft Bundesliganiveau hat, das können in letzter Konsequenz nur jene richtig bewerten, die eben „vom Fach“ sind: studierte Künstler, ausgebildete Trainer und Fußballer. Regelkunde allein, wie sie etwa bei einem Fernseh-Moderator durchaus gegeben ist, reicht nicht aus, und daher werden Gespräche immer auch mit einem wirklichen Fachmann, einem Analytiker geführt, auch wenn dessen Diktion oft nicht ahnen lässt, dass er wirklich „der Fachmann“ ist. Zufällig ist auch der gerade Geehrte, Ernst Happel, so ein kontroversieller Typ. Dass seine Sprache an den Kaffeehaustisch gepasst hat, weniger aber ins Studio, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass er den Fußball verinnerlicht hat wie kein Zweiter. Auch Toni Polster, der statt der 40 GB aus dem Geschenkkarton steigt, passt in dieses gestrige Schema. Dagegen ist Helge Payer einer der jüngeren Generation,  der beide Bühnen perfekt beherrscht, die der Medien und die des grünen Rasens.

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Mindeststandards

In den Lizensierungsbestimmungen der Bundesliga wird darauf hingewiesen, wie vorteilhaft es für die Klubs wäre, ein gut ausgestattetes Stadion zu haben, also zum Beispiel steht im Punkt 7.3 „Vorteile für Klubs“, dass Komfort ein wichtiges Element sei, große Menschenmassen ins Stadion zu locken.

Ja, schön wär’s wenn, aber keinerlei Verpflichtung zu irgendwas. Lauter Kann-Bestimmungen.

Als Besucher der Stadien bemerkt man solche Bemühungen der Kundenfreunlichkeit nicht an allen Fronten. Und auch die Bundesliga optimiert diese Kundenorientierung nicht für den zahlenden Zuschauer als Kunden sondern eher für den (noch mehr) zahlenden Medienpartner und Sponsor als Kunden.

An den Beispielen der Fixierungen, des Ticketing und der Stadiongemütlichkeit soll das illustriert werden.

Fixierungen

Wir sind es gewohnt, Spiele mehrere Wochen im Voraus zu planen. Die Fixierungen der Bundesliga können mit dem Planungshorizont von Privatpersonen leider nicht mithalten, denn die Spieltermine werden nur vier Wochen im Voraus festgelegt. Wenn aber jemand zum Beispiel den Zug zur Anreise wählt, dann muss er – um einen günstigen Tarif zu bekommen – früh buchen, und die lakonische Angabe „Samstag“ ist für den ÖBB-Ticket-Shop zu wenig. Da man solche Details bei der Bundesliga nicht kennen dürfte, hier ein Beispiel für die Preisgestaltung einer Zugfahrt nach Graz:

Wenn man keine Sparschiene erwischt, weil man zu spät dran ist, dann wird das ein teures Vergnügen!

Ob die Ausschaltung des ORF in der kommenden Saison eine Verbesserung bringen wird? Da dem Privatsender noch mehr Geld abverlangt wird, kann man das jetzt schon bezweifeln, das Fernsehen wird das Geschehen weiterhin diktieren, vielleicht noch mehr als bisher.

Ticketing

Das Ticketing findet in dem Lizensierungshandbuch keine Erwähnung, ist aber eine Schnittstelle, die ein erstes Bild von der Kundenorientierung eines Vereins zeichnet. Die Art, wie beim SVM Mattersburg oder beim LASK Karten verkauft werden, sind durch die Nicht-Erwähnung irgendeines Mindeststandards im Lizensierungshandbuch  durch die Bundesliga indirekt legitimiert, nicht aber durch den Wunsch, man solle irgendwelche „Zuschauermassen“ durch ein besseres Service anlocken.

Fall Mattersburg

Über die (Un-)art, wie in Mattersburg Eintrittskarten verkauft werden, wurde in diesem Tagebuch schon genug geschrieben (Hier). Man kann in Mattersburg Karten nur vor Ort kaufen und dann nur am Freitag vor dem Spiel. Es gibt ein Zusendeservice per Nachnahme, das aber immer wieder versagt, weil Karten nicht rechtzeitig ankommen und dann mühsam reklamiert werden müssen. Außerdem ist der Service sehr teuer.

Wir leben immerhin im 21. Jahrhundert, das Internet ist allgegenwärtig, natürlich auch im Ticketing und die Buchungstechnik des Online-Ticketing sollte nach der Meinung des Schreibers Eingangsvoraussetzung für einen Bundesliga-Verein sein. Nach diesem „Fiala“-Kriterium scheidet Mattersburg bei einer Lizensierung schon einmal aus und muss diese Hausaufgabe nachholen. Und das ist nicht allzu schwer, denn alle anderen Vereine können das. Es geschieht aber nicht, weil die Bundesliga nicht auf den Kunden schaut, so wie sie das von den Vereinen in ihrem Handbuch fordert.

Dass man das „Modell Mattersburg“ noch überbieten kann, war bis heute nicht vorstellbar, aber schauen wir weiter zum LASK:

Fall LASK

Am kommenden Samstag, den 18. November ist das Auswärtsspiel gegen den LASK und heute ist Dienstag, 14. November. Erst heute, vier Tage vor dem Spiel ist es für einen neutralen Besucher möglich, Karten zu erwerben. Auf der Seite des LASK-Ticketing stand bis heute 10:00 Uhr, dass der Ticket-Shop eben um 10:00 öffnen würde.

Das ist aber nicht der Fall. Um 10:00 (bis jetzt um 13:00) ist hier zu lesen:

Das heißt: keine Karten für Besucher aus Wien! Wäre das vorher bekannt gewesen, wäre Gregor nur wegen der Karten nach Pasching gefahren, so aber hat man die Wiener durch Desinformation ausgetrickst. Es gibt keine Karten!

Diese Strategie, künstlicher Verknappung von Sitzplätzen durch Wahl eines kleinen Stadions und dazu solche Vorverkaufsmätzchen sind also das, was die Bundesliga „Komfort, ein wichtiges Element“ nennt und von dem der LASK glaubt, sportliche Vorteile für die eigene Mannschaft herausschlagen zu können.

Dass es also erlaubt ist, dass ein Verein das genaue Gegenteil von dem macht, das die Bundesliga von ihm erwartet (Kundenorientierung) und das solche Umstände in den Lizensierungsbestimmungen gar keine Erwähnung finden, zeigt, dass man sich um die Kunden eigentlich nicht so viel kümmert als man es an anderen Stellen vorgibt.

Wir wollen aber nicht unerwähnt lassen, dass es auch sehr positive und nachahmenswerte Beispiele gibt:

Fall Rapid

Schauen wir einmal zu Rapid. Bei Rapid kann man für alle Spiele der laufenden Saison Karten erwerben, auch wenn der konkrete Spielzeitpunkt noch nicht feststeht. Das hat mit Kundenfreundlichkeit zu tun und kann bestens als Weihnachtsgeschenk verwendet werden. Man schenkt keinen Gutschein sondern bereits eine Eintrittskarte zu einem konkreten Spiel. Das funktioniert also in Hütteldorf genau so wie in Deutschland oder England.

Fall St. Pölten

Aber das ist nicht nur bei Rapid so, auch beim SKN St. Pölten konnte man für alle Heimspiele bis Dezember Tickets buchen, auch für das letzte Auswärtsspiel des Jahres am 16. Dezember gegen Rapid. Im Bild sieht man, dass man die Karten bereits kaufen kann, obwohl der Termin noch nicht fixiert ist.

Und wir haben diese Möglichkeit auch genutzt und haben eine Besonderheit in St. Pölten gebucht, die man als eine Art „VIP des kleinen Mannes“ bezeichnen kann, den Egger Biercorner.

Gemütlichkeit

Die Bundesliga empfiehlt, dass Vereine auf das Ambiente achten sollen, um den Besuchern den Aufenthalt so gemütlich wie möglich zu machen (sinngemäß).

Verachtung der Gäste

Dass man in Altach, Mattersburg, Wolfsberg und Südstadt im Gästesektor den Launen des Wetters voll ausgesetzt ist und dass man auch nach vielen Jahren seitens der Bundesliga nichts unternommen hat, etwas in dieser Angelegenheit zu bewegen, ist auch so ein Missstand, dem man sich weniger widmet als den Fernsehverträgen.

Das Lizensierungshandbuch schreibt, dass man im Stadion „Bildschirme und Lautsprecher“ aufstellen soll. Und das geschieht auch. In Mattersburg in Form des SVM-Café und bei Rapid durch Bildschirme hinter den Tribünen.

Fall Mattesburg

Man steht vor dem Spiel vor dem gemütlichen SVM-Cafe und wäre „konsumationswillig“ und wäre auch neugierig, ein gerade laufendes Fußballspiel zu sehen. Es sind alle da: die Security, die BilleteurInnen, das Schankpersonal – aber das SVM Cafe ist geschlossen. Erst 90 Minuten vor Spielbeginn wird es geöffnet und man fühlt sich irgendwie nicht gut behandelt. Man will nicht ins Stadion, man will nur ins Café, das an Spieltagen einfach nicht früher öffnet, obwohl gerade an Spieltagen Bedarf besteht, das anderntags aber sehr wohl geöffnet hat.

Fall Rapid

Neues Stadion, überall  Monitore, überall Lautsprecher – so wie es sich gehört; aber hören kann man nichts. Der die Lautsprecher eingestellt hat, muss das eventuell im menschenleeren Stadion gemacht haben, denn wenn man bei einem Bier die Pressekonferenz verfolgen wollte, muss man Lippenleser sein, hören tut man nichts.

Fairerweise muss man sagen, dass das ein Jammern auf hohem Niveau ist, denn dass es in einem Stadion Monitore für Zuschauer gibt, ist anderswo ohnehin unbekannt.

Hier eine Tonaufzeichnung von einer Pressekonferenz nach dem Spiel am 22.7. 2017 (Rapid-Mattersburg)

Fall St. Pölten

In St. Pölten hat man sich etwas sehr Gemütliches einfallen lassen: in der linken Ecke auf der Seite der Haupttribüne kann man All-Inklusive-Tickets kaufen. 45,- Euro pro Ticket und Essen und Trinken sind frei. Ich finde, dass diese Lösung nachahmenswert ist und man könnte mit dem Prinzip dieses „Egger-Bier-Corners“ auch in anderen Stadien die oft leeren Ecken füllen.

Zusammenfassung

Die Bundesliga schätzt die Großkunden mehr als das „Kleinvieh“. Die Sorge um den Stadionbesucher überlässt die Bundesliga den Vereinen und gibt gute Ratschläge. Die Mindeststandards, die den Zuschauer betreffen, beschränken sich auf die verpflichtenden Waschräume, alles andere ist optional und liegt im Ermessen der Vereine.

Wir, die Zuschauer würden uns erwarten, dass die Bundesliga an dieser Front ebenso verbindliche Standards vorschreibt, wie sie das zum Beispiel bei der Finanzgebarung macht. In der kommenden Saison wird es für solche unbefriedigenden Zustände für die Vereine Abschläge bei den Fernsehgeldern geben. Werden diese aber auch ausreichen, um die Veranstalter kundenfreundlichen handeln zu lassen?

Nach meiner Ansicht müsste die Bundesliga bei offensichtlichen Nachteilen für Zuschauer als ihr Anwalt gegen den veranstaltenden Verein auftreten. Dass Vereine versuchen, einen fairen Wettbewerb am Rasen durch einen unfairen Wettbewerb am Rücken der Zuschauer abzuhalten, ist dem Fußballsport nicht zuträglich.

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Weißt Du wieviel Sternlein stehen?

Gestern war eine Sitzung von Historikern in der Bundesliga. Das Thema war ein virtuelles Museum. Wir begrüßten erstmals einen Gast des ÖFB, Franz Hansbauer.

Während unsere Gruppe versucht, in der Vergangenheit Spannendes zu entdecken, ist auch die Gegenwart vollen Überraschungen.

Unsere Anhänger neigen dazu, die Fußball-Organisationen gering zu schätzen, aber als ich Einblicke in den Arbeitsumfang eines verantwortlichen Administrators bekam, dem nur wenige Personen zur Seite stehen, war das zumindest ebenso überraschend. Es ist eine unglaubliche Verwaltungsleistung, Fußball österreichweit zu administrieren. Überzeugt Euch selbst:

Schätzt Euer Verständnis vom Fußball, die Antworten kommen weiter hinten:

  • Wie viele Ligen gibt es in Österreich?
  • Wie viele Leistungsniveaus gibt es im Österreichischen Fußball?
  • Wie viele Fußballvereine gibt es in Österreich?
  • Wie viele Mannschaften gibt es?
  • Wie viele Spiele werden in Österreich pro Jahr absolviert?

Da ich die Zahlen nicht geglaubt habe, wollte ich das überprüfen. Der erste Schritt war eine Abschätzung der Anzahl der Vereine in Österreich. Es gibt dazu eine fantastische Seite in der Wikipedia, die alles zeigt, nur keine Summen bildet und das wollen wir hier nachholen:

Die ersten vier Leistungsstufen sind jedem von uns vertraut. Die Anzahl der Vereine ist 208 gemäß folgender Struktur:
10 Bundesliga
10 Erste Liga
16 Regionalliga Ost
16 Regionalliga Mitte
16 Regionalliga West
16 Wiener Stadtliga
16 Landesliga Niederösterreich
16 Landesliga Burgenland
16 Landesliga Steiermark
14 Landesliga Oberösterreich
16 Landesliga Kärnten
14 Landesliga Vorarlberg
16 Landesliga Tirol
16 Landesliga Salzburg

Das sind also jene Vereine, die im Fokus der Aufmerksamkeit interessierter Zuschauer stehen, die in der Presse Erwähnung finden. Aber das ist nur ein kleiner Teil (nur 10 Prozent!) im Ligensystem des österreichischen Fußballs, denn jetzt geht’s erst richtig los. Ich kürze die Recherche ab (siehe beiliegende Excel-Tabelle)

Anzahl der Vereine

Es gibt im heurigen Jahr 2145 Vereine in 8 bis 10 Leistungsstufen (je nach Bundesland). Interessant ist, dass diese 10. Leistungsstufe in Vorarlberg erreicht wird.

Anzahl der Mannschaften

Schätzen wir nun die Anzahl der Mannschaften pro Verein mit 8, etwa wie U6, U8, U10, U12, U14, U16, U18, Kampfmannschaft. Das ergibt die unglaubliche Zahl von ca. 18.000 Mannschaften. Es sind etwas weniger, nämlich 17.000 Mannschaften, also gibt es pro Verein etwa 7,5 Mannschaften.!

Anzahl der Spiele

Zuerst die Anzahl der Ligen. Es gibt in Österreich 156 Ligen in bis zu 10 Leistungsstufen.

Nehmen wir als wichtigsten Vertreter die 14er Liga, in der es 26 Runden gibt und in jeder Runde 7 Spiele, das ergibt 182 Spiele pro Saison.

166 * 182 * 8 = 241.696 Spiele

Es fehlen natürlich CupSpiele und andere Spiele außerhalb des Ligensystems aber so ungefähr stimmt das. Laut ÖFB ergeben sich etwa 250.000 Spiele pro Saison!

Und das will administriert werden.

Administration

Jedes Spiel, egal von in der Bundesliga oder in der 10. Leistungsstufe, egal ob Profis oder Schülerliga wird genau gleich protokolliert. Etwa eine Stunde vor Spielbeginn werden vom Schiedsrichterteam und den verantwortlichen Funktionären die Mannschaftsaufstellungen erfasst und über Handy direkt in die Datenbank hinter der Seite „fussballösterreich.at “ eingegeben. Mit der Bestätigung des Schiedsrichters wird das Spiel in der Datenbank erfasst.

Nach dem Spiel protokolliert der Schiedsrichter die Vorkommnisse wie Tausch, Karten, Tore, Nachspielzeit und besondere Vorkommnisse und diese Daten werden ebenfalls vollelektronisch im System abgebildet.

Fertig! 250.000mal pro Jahr,  und das seit Saison 2007/08, archiviert in der Seite http://www.fussballoesterreich.at/. (Ich selbst habe dieser Seite nicht recht getraut, weil im Impressum steht „FOESV Fußballösterreich Spielbetriebs und Vermarktungs GmbH“ und nicht etwa OeFB.

Eine unglaubliche Datenmenge, die hinter dieser Seite steckt. Im Vergleich: meine eigene Seite verwaltet lediglich 4.000 Spiele, fussballoesterreich.at dagegen 250.000; pro Jahr! Das sind etwa 2.5 Millionen seit Bestehen der Seite!

Würden wir diese Spiele eines nach dem anderen ablaufen lassen, Tag und Nacht, wäre das Ende erst nach 43 Jahren erreicht.

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Rechenfehler sind immer möglich, sind aber für die ungefähre Gesamtzahl ohne Bedeutung.

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Kommerz und Kapital: Kapituliert der Fußball?

ballesterer, Club 2×11, Hauptbibliothek, Fairplay und tipp3 luden zur Podiumsdiskussion in der Hauptbibliothek am Urban Loritz Platz. Mona Müller (w24) moderierte die Runde:

vlnr:
Hans Peter Trost, ORF-Sportchef; Michael Wulzinger, Journalist (Der Spiegel) und Autor (Football Leaks); Mona Müller (w24); Markus Kraetschmer, Vorstand FK Austria Wien, Bundesliga-Vizepräsident; Oliver Prudlo, Vereinigung der Fußballer & Ex-Bundesligaprofi

Die Beteiligten gaben Einblicke in die Problematik der Finanzierung von Fußball in einer Zeit, in der sich die „wirklich Reichen“ dieses (für sie) Wirtschaftszweiges annehmen, teils aus Profitabsicht, teils zur Befriedigung persönlicher Eitelkeiten „von Scheich bis Oligarch“. Die Preisspirale dreht sich scheinbar unaufhaltsam nach oben und erfordert immer weitere Interessenten, die das System mit Geld speisen.

Die Rolle der Spielevermittler wurde an extremen Beispielen dargestellt. Da es nur relativ wenige dieser Vermittler gäbe, die dann bei der Preisbildung allergrößtes Interesse an steigenden Preisen haben und bei einem Transfer ihre Provisionen sowohl vom Käufer, Verkäufer als auch vom Spieler selbst kassieren und das in einer ziemlich unanständigen Höhe.

Aber nicht nur die Spielervermittler, auch die Spieler selbst drehen an der Spirale nach oben, weil sie sehr oft nicht dem sportlichen Erfolg folgen sondern dem Geld – wie man dem Beispiel von Anthony Modeste sehen kann, der bei seinem neuen Arbeitgeber in China ein Vielfaches von dem bekommt, das er bei Köln verdient hat.

Ebenso ist bei allen Diskussionsbeiträgen die Rolle der „Schurkenstaaten“ angeklungen, die es ermöglichen, dass Gewinne an den nationalen Steuerbehörden vorbeigeschummelt werden.

Das Geschäft besteht aus dem Einkauf billiger aber talentierter Spieler, ihrer Ausbildung und Verkauf. Beispiel Sadio Mané. RB verfünffacht seinen Preis, Southhampton verdoppelte ihn und Liverpool verdreifacht ihn gerade. Aber um in dieser Spirale mitbieten zu können, muss man auch den einen oder anderen Flop miteinkalkulieren, etwas, was bei RB kein Problem ist, bei den sonstigen „Groß“-klubs in Österreich aber ruinös sein kann.

Diese extreme Preisspirale kommt daher, dass Geld in einem fast beliebigen Ausmaß zur Verfügung steht; einerseits durch das ungebrochene Interesse der Anhängerschaft anderseits durch die angelockten Geldgeber des Großkapitals.

Es sind die enormen Preissteigerungen von Spielern, die es zu einem Top-Verein schaffen. Was es allein bringt, von Österreich in eine andere Liga zu gehen, zeigen die Wertsteigerungen bei Transfers ins Ausland. Ein Spieler kann sich natürlich nicht von einem Tag auf den anderen in seiner Art Fußball zu spielen so dramatisch verändern als es die Marktwerte umschreiben. Als Beispiel hier der Marktwertverlauf zweier Abgänge der letzten Saison:

Beide hatten 2017 nicht einen Leistungssprung sondern haben nur ihren Arbeitgeber gewechselt.

Und in diesem Wettbewerb, wer denn der Reichste von allen sei, steigen die Preise in astronomische Höhen. Dass die Preise für begehrte Spieler jenseits der Hundert-Millionen-Grenze liegen müssen, liegt allein schon daran, dass ein durchschnittlicher Premier-League-Club allein aus den Fernseheinnahmen mit etwa 140 Millionen Euro rechnen kann, mehr als alle österreichischen Bundesliga-Vereine im gesamten Vertragszeitraum von vier Jahren erlösen. Einen Spieler um 100 Millionen könnte ein solcher Verein fast selbst „stemmen“. Und wer sich nun einen Barcelona-Kicker einbildet muss, deutlich über diese Grenze hinausgehen.

Wir haben gehört, dass in den Spielerverträgen der spanischen Fußballer astronomische Ablösesummen festgeschrieben sind und diese im Falle von Neymar auch tatsächlich bezahlt wurden.

Als Beobachter aller dieser „Blasen“ wundere ich mich, dass man sich über diese Preisanstiege und Gewinne wundert. Fußball ist ein Geschäft, das die Massen begeistert, ähnlich wie es Bühnenstars können, die ebenso ein Millionenpublikum anziehen. Das System lebt von ständigen Wertsteigerungen, die ein ständig wachsendes Interesse erfordern. Das Interesse wird von allen Beteiligten hoch gehalten, vor allem auch durch die Medien, und man lässt nichts unversucht, „die Wüste zu begrünen“, d.h. die Frohbotschaft des Sports in Gegenden zu tragen, die dafür praktisch nicht geeignet sind und nur die Eitelkeit der Geldgeber befriedigt, in diesem Spiel an vorderster Front dabei sein zu dürfen.

Der klassische, europäische Weg wäre, in den interessierten Ländern eine Fußballinfrastruktur auf breiter Basis einzurichten (Ligensystem, Breitensport usw.) und dann versuchen aus eigener Kraft im Zirkus der Großen mitzumischen. Aber dieser Weg ist nicht etwas, was den Scheichs in Katar und den anderen Superreichen vorschwebt, denn das sind Prozesse, die man als Einzelner unter Umständen gar nicht erlebt.

Es waren sicher mehrere in der Zuhörerschaft, die diesen Entwicklungen eine klare Absage erteilen und den Fernseher bei Übertragungen internationaler Spiele einfach abdrehen und keinen Vertrag nur wegen der Übertragung der Bundesliga abschließen. Leider sind aber diese Einzelnen noch die Ausnahme und die Gewinnspirale kann sich munter nach oben drehen.

Alles, was man bei Fußball erlebt, ist eigentlich nur ein Abbild der Vorgänge in allen Wirtschaftszweigen und der Gesellschaft. Das öffentliche Interesse am Fußball macht die Vorgänger transparenter, aber alles das kommt auch in anderen Wirtschaftszweigen eben so vor, nur ist es eben nicht so offen gelegt.

Bis jemand kommt und sagt: „das sind ja nur Fußballspiele“ und sich die Blase beginnt zu verkleinern, wenn sie nicht ohnehin zerplatzt. Das könnte zum Beispiel passierten, wenn das Füllhorn des Erdölreichtums zu versiegen beginnt oder ein anderen Massenphänomen die derzeitigen Bedürfnisse der Anhänger auf bessere Art befriedigt.

Mein Tipp ist, dass es eines gesellschaftlichen Umbruchs bedarf, der das Recht auf schrankenlosen Besitz ohne jegliche gesellschaftliche Mitverantwortung einschränkt.

Der Auslöser für diese Diskussion war aber das neu erschienene Buch von Rafael Buschmann und Michael Wulzinger, die eine riesige Datenmenge betreffend Geschehnisse rund um Fußballerverträge und deren Hintergründe aufgearbeitet haben.  Beachtet bitte auch die Webseiten, die über diese „Fußball Leaks“ berichten.

Die Veranstaltung war sehr gut besucht, jeder Teilnehmer bekam einen Getränkegutschein, eine lokale Bücherei bot Bücher zum Verkauf an, Ausgaben des ballesterer konnte man kostenlos mitnehmen.

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Ein Fußballtag

So ein Rapid-Heimspiel ist eine Ganztagsbeschäftigung. Hier ein Gedächtnisprotokoll des Tagesablaufs beim Admira-Heimspiel:

Vormittag

09:00 Der Vormittag gehört Aufräumungsarbeiten. Beispielsweise wird die letzte Ausgabe der Rapidviertelstunde archiviert. Seit ein paar Folgen hat sich das interne Format geändert und ich schreibe einen Fehlerbericht an Gunther, den Projektleiter der Sendung, damit seine Techniker einen kleinen Fehler auf der Webseite beheben können. Weiters werden Termine und neue Meldungen der Rapid-Homepage in der Datenbank aufgenommen.

10:00 Ein Werbezettel für den „Klub der Freunde“ wird entworfen und 200 A5-Blätter ausgedruckt und zugeschnitten.

Mittagessen

11:00 Heute ist Nudeltag und ich bin der „Koch“; besser gesagt, ich lasse kochen – beim China-Kiosk und beim Anker am Hauptbahnhof.

Fahrt zum Spiel

13:00 Ich habe für den Klub der Freunde die Aufgabe übernommen, ein Transparent zu befestigen und muss daher bereits bei der Stadionöffnung im Stadion sein. Später wird es schwieriger, weil sich das Transparent hinter der letzten Sitzreihe befindet und dann die Sitze schon belegt sind. Außerdem verteile ich vor jedem Spiel Informationen über den Klub der Freunde auf den Stehtischen auf Ost und Nord.

Wenn man sich an die stündlichen Abfahrtszeiten des S80 hält, kommt man zu vollen Stunde in Hütteldorf an. Ich fahre um 13:34 ab, Florian kommt eine Stunde später nach.

Am Hauptbahnhof treffe ich Mario, einen sehr engagierten jungen Mann, der nicht nur selbst viele Spiele besucht, sondern einen enormen Freundeskreis hat. Alle diese Freundinnen und Freunde motiviert er, auch zu Rapid zu kommen. Mario will mir ein Cola schenken, aber ich muss das Cola ablehnen, weil ich es nicht ins Stadion mitnehmen kann. Beim Einsteigen in die S80 schenkt er es „Marcel Wien“. Ich kenne Marcel aus Facebook. Johann, Marios Vater, ist heute auch beim Spiel, kommt aber ebenfalls eine Stunde später. Gesehen haben wir uns daher nicht, aber eine Facebook-Botschaft ist sich ausgegangen. Johann hat meine Freundschaftsanfrage in Facebook bestätigt.

Aber Mario hat auch zwei Bekannte dabei: Michaela und ihre Tochter (?). So genau weiß ich das nicht. Ich gebe Michaela meine Werbeblätter für den „Klub der Freunde“ und lade sie für unsere Mitgliederversammlung am Montag, 13. November ein. Es stellt sich heraus, dass Michaela den Klub schon kennt und mit unserem Cafetier Peter Novotny befreundet ist.

In der Schnellbahn begrüßen wir auch einen prominenten VIP-Gast: Roland Nickles mit Frau und Sohn. Ich kenne sie von gemeinsamen Auslandsfahren mit Rapid. Roland ist erfolgreicher Geschäftsmann in der Donaustadt und in dieser Funktion auch Sponsor bei Stadlau. Er erzählt über organisatorische Schwierigkeiten beim nächsten Gegner von Rapid II am Sonntag. Wir Zuschauer sehen nur die Tabelle, und dass Stadlau den vorletzten Platz einnimmt, etwas, was es in den vergangenen Jahren nicht gegeben hat. Ohne die Details zu kennen, merkt man also, dass sich Probleme der Vereinsführung auch auf das Spielgeschehen auswirken.

Vor dem Spiel

14:00 Am Bahnhof Hütteldorf trennen sich unsere Wege und ich gehe ins Stags Head, um Peter und Janine zu begrüßen, die mit ziemlicher Sicherheit am ersten Nichtrauchertisch ihr Mittagessen verzehren. Auch hier verteile ich meine Werbemittel für den Klub der Freunde. Wir besprechen einen geänderten Spieltermin. Peter hat eine Karte für das Sturm-Spiel gekauft und auf der Karte steht als Beginnzeit 18:30. Doch das Spiel findet schon um 16:00 statt. Wenn man bereits einen Zugsitzplatz gebucht hat, sind solche Verschiebungen weniger lustig. Es wird Zeit, wieder einmal einen Brief an die Bundesliga zu schreiben. Die Bundesliga glaubt nämlich, mit der jetzigen Art der Terminfestsetzung kundenfreundlich zu sein. Eigentlich sollte die Bundesliga als Vertreter des Stadionpublikums auftreten. Stattdessen lässt sie sich die Spieltermine von den Fernsehsendern diktieren und noch dazu ziemlich kurzfristig. Für Leute, die wie Peter ihre Fahrten rechtzeitig planen, um bei der Bahn einen günstigen Tarif zu bekommen, ist die Terminfestsetzung einfach zu knapp. Ich verabschiede mich von Peter und Janine und beeile mich, rechtzeitig zur Stadioneröffnung um 14:30 zu kommen.

14:30 Mein Transparent wird durchgewunken. Gleich nach dem Eingang begrüßt mich Stefan Kjaer. Stefan steht hinter der tollen Homepage von Rapid, und wenn ich mich recht erinnere ist er auch der Ideengeber zur Mitgliedschaft „Mein leben lang“. Bei unserer letzten Begegnung – ich glaube es war beim Doppelpass  – erwähnte ich, dass die Rapid-Seite sehr professionell gemacht wäre, dass aber einige Elemente, zum Beispiel ein RSS-Feed, fehlen würden. Stefan hat sich diese Anmerkungen in einem unsichtbaren Notizheft aufgeschrieben und hat sich sofort daran erinnert und mich darauf angesprochen. Er sagte, dass es den RSS-Feed zwar noch nicht gibt, dass ich aber erst am 12. November Geburtstag hätte. Stefan hat sich doch tatsächlich aus der Mitgliederdatenbank herausgesucht, wer ihn da kontaktiert hat. Er kennt also meinen Namen und mein Geburtsdatum, weiß, was wir damals gesprochen haben und hat das auch an seine Techniker weitergeleitet. Ich war ziemlich sprachlos und werde an dieser Stelle darüber berichten, was es mit diesen „RSS-Feeds“ auf sich hat. Danke jedenfalls jetzt schon dafür!

Mein Job ist es, das Transparent vom „Klub der Freunde“ anzubringen und weil sich das Transparent vor den Sitzen in der letzten Reihe befindet, bemühe ich mich, als Erster dort oben zu sein. Die Montage dauert etwa 20 Minuten. Dann gehe ich daran, etwa 200 Ankündigungen für die Mitgliederversammlung des „Klub der Freunde“ auf den Stehtischen auf der Nord- und Ost-Tribüne aufzulegen. Dabei treffe ich – wie schon seit vielen Jahren – den Security-Beauftragten – Josef Kloiber. Josef wohnt auf der Nachbarstiege in unserem Haus. Er ist als pensionierter Krankenpfleger sehr gesundheitsbewusst. Josef arbeitet immer noch geringfügig für Securitas. Ich gebe ihm auch einen unserer Flugblätter des „Klub der Freunde“, allerdings wird das nicht viel helfen, denn Josef ist Austrianer und derzeit nicht „gut drauf“. Kein Wunder! Dann folgt eine kleine Verschnaufpause.

15:00 Im Auftrag von Christoph, der wegen einer privaten Verpflichtung erst später kommen kann, soll ich noch zwei Ausgaben des Block-West-Echo besorgen. Das ist nicht ganz einfach, weil die Behörde veranlasst hat, dass man das Raubtiergitter zwischen dem Block-West und dem Rest des Stadions schließen muss. Was das bei einem Spiel gegen die Admira für einen Sinn haben soll, kann uns niemand erklären. Ich musste einen Ordner bemühen, der wieder den Verkäufer im Block West motivieren musste, sich an das Raubtiergitter zu begeben, bis ich schließlich die Ausgabe – fast wie einen Kassiber  – aus dem Block-West  herausschmuggeln konnte.

Dieser kleine Ausflug hat sich gelohnt, denn Christopher Dibon kam gerade in Begleitung von Robert Racic und signierte mir sowohl die beiden Ausgaben des Block West Echo als auch eine Autogrammkarte. Ein sehr seltenes Erlebnis, hier im Block-Ost. Danke Robert!.

Nachdem nun die „Pflicht“ erledigt ist, kann ich an die Terrasse der Osttribüne gehen, um den Einlauf der Mannschaft mitzuerleben. Dabei begrüße ich Familie Schrabauer aus Wieselburg, Arnold aus Simmering, Andi mit seinen beiden Söhnen sowie Karl Deix. Karl testet meine Rapid-Affinität und fragt „Woast bei den Derbys?“. Nein ich war nicht, ich war in der Rekordmeisterbar, habe ich gestanden. So viele Levels kann man in einem Computerspiel gar nicht zurück fallen, als ich in diesem Moment in der Einschätzung von Karl abgestiegen bin.

15:30 Da sehe ich aber schon schon Florian, der bei Joe und seinem Sohn Patrick steht. Joe und mich verbinden schon sehr viele Jahre beruflicher Weiterbildung. Schon vor 20 Jahren beteiligte sich Joe an Seminaren, die ich – damals noch im TGM – geleitet habe. Heute ist Joe immer noch Mitglied bei unserem Computer-Club. Sein Sohn Patrick ist aktiver Fußballer in der Region Marchfeld und ich habe die beiden zu diesem Spiel gegen die Admira eingeladen. Joe kritisiert Vorkommnisse bei den Prater-Derbys, aber so ganz einfach, wie das die Außenstehenden wahrnehmen, ist die Sache insgesamt nicht. Jedenfalls habe ich mir vorgenommen, dass wir dieses Thema einmal bei einem Bier besprechen. Den beiden hat das Spiel und die Stimmung gut gefallen, vielleicht werden wir sie bald wieder im Stadion sehen.

Wir treffen Gregor, mit dem wir schon einige sehr gemütliche Fahrten unternommen haben und mit dem wir auch wieder nach Pasching fahren werden. Gregor haben wir bei unserem ersten  Fanklubtreffen als „EwkiL:Rapid“ im Sektor E des Happel-Stadions kennen gelernt. Der Zufall wollte es, dass wir einem Tisch gewählt haben, an dem auch Christoph und Gregor, die Obmänner von „Grün-Weiß Distel“ gesessen sind, und seither ist es für uns ein großes Vergnügen, mit den beiden zu plaudern und gemeinsame Auswärtsfahrten zu unternehmen.

Ein Zuschauer nagt an einem Riesenkuchen, und wir holen uns ebenfalls eine solche Ration beim Snack-Eck und essen sie bei einem der Stehtische. Im Besucherstrom erkennen wir Franz Herynek. Franz kennen wir schon seit vielen Jahren noch aus den Zeiten des Hanappi-Stadions. Aber dieses neue Stadion hat die früheren Gemeinschaften zerrissen und man muss erst das frühere Selbstverständnis wieder herstellen und an die Zeit von „damals“ anknüpfen. Wir nehmen uns vor, dass wir uns wieder einmal – wie früher – vor dem Spiel zu einem Plausch treffen.

Am Weg zu unseren Sitzplätzen treffen wir Jasmin-Louise vom Klub der Freunde und sie berichtet uns voll Begeisterung von ihren Derby-Erlebnissen. Jasmin, ebenfalls vom Klub der Freunde, können wir nur aus der Ferne zuwinken.

15:50 Auf den Sitzplätzen eingelangt, begrüßen wir unsere Sitznachbarn Andreas Schieder mit seinem Sohn Max. Sie sind sehr freundlich und ich versuche ihnen zu vermitteln, was es mit diesem „Klub der Freunde“ auf sich hat und gebe ihnen auch einen Einladung zu unserer Mitgliederversammlung. Ich zeige ihnen noch ein sehr schönes Bild, das Ilona bei letzten Heimspiel von der Nordtribüne gemacht hat. Unsere „Gärtner“ Josef und Peter sind nicht auf ihren Plätzen, sie sind wohl auf ihren VIP-Plätzen in der Röhre. Julian, ein ganz treuer Rapid-Fan, bringt mir die Stadion-Zeitung vom Auswärts-Derby. Ich werde es am Abend einscannen und zu unserer digitalen Sammlung geben. Und noch ein alter Bekannter kommt uns besuchen, der „Grüne Franz“ aus Purgstall. Er berichtet, dass er an diesem Tag bereits das Spiel seines Heimatvereins Purgstall besucht hat. Wie immer vor einem Spiel kommt Margit vom Klub der Freunde und begrüßt uns. Wir vereinbaren, dass wir versuchen werden, gemeinsam ein Mailversandproblem bei ihrem Tablet zu beheben.

Das Spiel

16:00 Das Spiel beginnt und man interpretiert das Geschehen, ärgert sich und freut sich, je nach Spielsituation. „Hinein“ geht vorbei und grüßt uns aus alter Gewohnheit. Seine lauten „Hinein“-Rufe  vor Freistößen und Cornern sind legendär. Abgenommen hat er! Er holt Nachschub für die Kehle.

Nach dem Spiel

18:00 Das Spiel ist aus, wir harren aus, bis alle Zuschauer die Tribüne verlassen haben, darunter Michael und Michaela. Wir begeben uns dann in die letzte Reihe und bauen das Transparent ab. Danach nutzen wir die Gelegenheit, im Stadion bei einer Leberkässemmel die Pressekonferenz zu verfolgen. Dass man dort wegen schlecht eingestellter Lautsprecher praktisch nichts verstehen kann, wäre Stoff für einen weiteren Artikel.

Fahrt nach Hause

19:25 Jetzt aber nichts wie nach Hause! Unsere S80 fährt um 19:37, das schaffen wir. Wir sind nicht allein. Thomas vom Klub der Freunde, ebenfalls ein Favoritner, setzt sich zu uns und wir freuen uns gemeinsam über den quasi perfekten Monat Oktober. Die S80 ist eine perfekte Verbindung zum Hauptbahnhof und dann sind es nur noch ein paar Schritte nach Hause „zum Rapport“, um zu berichten, was denn alles los war, beim Spiel und rund um das Spiel.

Jetzt ruft Christian an und beschwert sich, warum wir nicht im Stags Head eingekehrt sind. Es stimmt, aber man muss das natürlich vorher vereinbaren. Nächstes Mal.

Heimweg

20:00 Wir – Florian und Franz – diskutieren in der Fußgängerzone über das Spiel, über unser Stürmer und mitten in der Favoritner Nacht tönt eine Stimme: „Seavas Franz“.

Wir wohnen zwar in Favoriten, dass uns aber jemand auf der nächtlichen Favoritenstraße grüßt, das ist schon eine Überraschung. Dazu muss ich ausholen: nach irgendeinem Spiel im Vorjahr fuhren wir am Hauptbahnhof mit der Rolltreppe als uns jemand gefragt hat, ob wir die „Fialas“ wären. Ja, das wären wir! Christian mit seiner Frau und ihrem Sohn Pascal kannten uns von unserem Newsletter.  Sie wären Mitglieder beim Stehtisch Grün-Weiß. Sie luden uns auf ein Bier im Columbusbräu ein und seit dieser Zeit fühlten wir uns fast ein bisschen als assoziierte Mitglieder beim Stehtisch Grün-Weiß. Thomas, der Obmann, ist Kellner im Gasthaus „Engelhart“. Wenn Du einmal Sehnsucht nach Wiener Küche hast, besuche dieses Gasthaus in der Karolinengasse in Wien 4., etwa in der Mitte zwischen den Stationen U1-Taubstummengasse und U1-Hauptbahnhof. Das ist auch der offizielle Treffpunkt des „Stehtisch“. Wir waren schon einige Male bei ihm.

„Seavas Franz“ ist OK – wenn es im Stadion ist, aber in Favoriten? Christian hat seinem früheren Stammlokal, dem Columbsbräu den Rücken gekehrt und gastiert derzeit im „Bernado“, einer kleinen Bar am Rande vom Columbus-Platz. Und dort zahlt er die erste Runde. Wir folgen seinem Beispiel und schließen uns mit einer Runde Nuss an. Wie viele Achterln es schließlich insgesamt waren, kann ich nicht mehr genau sagen. Es war jedenfalls eine lustige Runde von Rapidlern, die manchmal auch durch anpassungsfähige Austrianer verstärkt wird.

Besonders interessant für Rapid-Amateur-Soziologen war Christians Sohn Matthias aus Rostock (ja, moderne Patchwork-Familien können kompliziert sein). Matthias lebt schon seit zehn Jahren in Österreich. Trotz seiner unüberhörbaren deutschen Herkunft ist er mit dem Wiener Fußball als Rapid-Fan verbunden und erinnert an die Migrantenfamilie aus den Buch/Bühnenstück „Cordoba, das Rückspiel“ von Florian Scheuba, erwähnt im Beitrag „Integration am Fußballplatz“.

Wieder daheim

22:00 Stadionzeitung einscannen, Daten vom Spiel in die Datenbank eintragen, Rapid-Berichte rund um das Spiel in die Meldungsdatenbank aufnehmen, Bilder auf die Festplatte kopieren, nachbearbeiten und auf OneDrive publizieren. Bericht über das Spiel beginnen aber es ist schon 01:00, daher schnell noch die Pressemeldungen des Tages erfassen und als Newsletter versenden. Der restliche Bericht und der Versand des Newsletters wird am Sonntag erledigt.


Man muss vorausschicken, dass in der Zeit, als wir begannen, Spiele von Rapid zu besuchen, wir viele Jahre niemanden im Stadion gekannt haben. Damals hatte ich berufsbedingt ohnehin sehr viele Begegnungen an einem Tag, aber mit der Pensionierung war das mit einem Mal Geschichte.

In diesem Bericht über einen Spieltag kommen ca. 30 Personen vor, die wir durch das konsequente Besuchen der Spiele von Rapid im Laufe der Jahre kennen lernten durften. Hier werden die wichtigsten abgebildet:

Katalysator Fußball

Wer von Euch einen Hund hat, wird den Umstand kennen, dass Hundebesitzer allein durch die Anwesenheit des Hundes viele Gleichgesinnte kennen lernen. Funktioniert natürlich auch mit Kleinkindern oder auch mit einem speziellen Interessengebiet, etwa wie Fußball. Aber beim Fußball ist die Vielfalt der Kontakte ziemlich einmalig.

Fußball schlägt Brücken zu Menschen, denen man im Alltag nie begegnen würde. Manchmal habe ich den Eindruck, als wäre Fußball überhaupt nur deswegen so populär. Ein Fußballspiel bringt Menschen zusammen, die ohne dieses Element „Fußball“ nie zusammen kommen würden. Das Spiel ist ein Katalysator der Brücken zwischen Welten schafft.

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Einladung zur Podiumsdiskussion

Der Club 2×11, gemeinsam mit Büchereien Wien, ballesterer, fairplay Initiative und tipp3 laden zur Podiumsdiskussion

Kommerz und Kapital: Kapituliert der Fußball?

Mittwoch, 8. November 2017 19:30, freier Eintritt
Hauptbücherei, Urban-Loritz-Platz, 3. Stock

Im Sommer 2017 brachen alle Transferrekorde im Fußball, von Marko Arnautovic bis Neymar. In den großen Ligen sprudelt globales Kapital, der Besitz europäischer Klubs ist ein Prestigeprojekt für die reichsten Männer der Welt. Mit der boomenden chinesischen Liga gibt es einen neuen Mitbieter für Stars. Auch der Fernsehmarkt ist durch Streaming, Mobildienste und das Ende des analogen Zeitalters im Umbruch, und TV-Rechte werden zu Höchstpreisen gehandelt.

Was bedeuten diese Entwicklungen für den österreichischen Markt? Wie reagieren Vereine, Liga und TV-Anbieter? Wer profitiert von der neuen Fußballwelt – und wer sind die Verlierer?

Podiumsdiskussion mit

Markus Kraetschmer, Vorstand FK Austria Wien, Bundesliga-Vizepräsident
Oliver Prudlo, Vereinigung der Fußballer & Ex-Bundesligaprofi
Hans Peter Trost, ORF-Sportchef
Michael Wulzinger, Journalist (Der Spiegel) und Autor (Football Leaks)

MODERATION: Mona Müller (W24)


Ein Diskussion in Wien über ein Fußballthema ohne einen Vertreter von Rapid, das ist weniger als eine halbe Sache. Nicht, dass Rapid in einer so allgemeinen Frage eine völlig andere Position als Vereinsvertreter haben würde. Aber die Fronten zwischen Kommerz und Tradition scheint ja nirgendwo so angespannt zu sein wie bei Rapid. Für mich als Rapid-Anhänger wäre es interessant gewesen zu hören, ob es Unterschiede in den Standpunkten der beiden Großvereine gibt. Jede dieser Veranstaltung hätte mehr Gewicht und mehr Akzeptanz, wenn sie „proporz“mäßig immer auch von Vertretern der Großklubs beschickt werden würde. So werden wir uns mit den Ausführungen des Vorstands der Austria begnügen müssen.


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Rapid-Kalender

Von wo bekommst Du die Rapid-Termine? Aus der Zeitung? Von der Homepage? Von Bekannten? Wie hältst Du die Termine aktuell? Brauchst Du nur die Termine der Kampfmannschaft oder eventuell auch die Termine von Rapid II oder der sonstigen Rapid-Veranstaltungen?

In diesem Beitrag wird beschrieben, wie Du Dich um die Rapid-Termine nicht mehr kümmern musst, denn Du kannst sie immer automatisch auf Deinem Handy-Kalender eingeblendet bekommen.

Alles hier bezieht sich auf Android-Handies. iPhones funktionieren sicher ganz ähnlich.

Kurzanleitung

Hintergrundinformation

Die meisten Handy-User tragen wichtige Termine in ihrem Handy-Kalender ein. Oft ist aber die Handhabung nicht so, wie sich das der Hersteller (hier Google) vorgestellt hat.

Wie funktioniert ein Handy-Kalender?

Auf jedem Android-Handy befindet sich zumindest eine vorinstallierte Kalender-Anwendung, nämlich die von Google. Darüber hinaus kann es auch noch eine vom Handy-Hersteller geben oder viele weitere, die man über den Play Store installieren kann. Wir sprechen hier nur vom Google-Kalender, denn der ist auf allen Android-Handys gleich.

Das folgende Bild zeigt die Wochendarstellung des Google-Kalenders im Breitformat

Das folgende Bild zeigt dieselbe Woche im Hochformat.

Der Unterschied dieser beiden Darstellungen sind die drei Striche links oben in der Hochformat-Darstellung. Und über die drei horizontale Striche links oben kommt man zu den Einstellungen.

Und erst jetzt sieht man am Logo, dass es sich um den Google-Kalender handelt. Im unteren Drittel sieht man das Google-Konto „franz.fiala.cc@gmail.com“ mit dem dieser Kalender verbunden ist.

Über das Plus-Zeichen in den oberen Bildern kann man neue Termine anlegen und hier zeigt sich dann auch eine wesentliche Eigenschaft dieses Kalenders: Aktiviert man über das rote Plus-Zeichen den Dialog zur Eingabe eines neuen Termins, sieht man dort in der Voreinstellung „Termine(franz.fiala.cc@gmail.com)“

Aktiviert man dieses Feld, kommt man zu einer weitere Auswahl, in der man sich wünschen kann, in welchen von vielen möglichen Kalendern man den neuen Termin eintragen will:

In diesem Beispiel gibt es zusätzlich zum Kalender „Termine“ (=“franz.fiala.cc@gmail-com“), „Fiala“ und „florian.fiala.cc@gmail.com“ und danach noch „Phone“.

Eine Kalender-Anwendung am Handy verwaltet daher mehrere Kalender gleichzeitig und unterscheidet diese durch Farben. Alle diese weiteren Kalender kommen von der Desktop-Version des Kalenders, den man unter https://calendar.google.com über einen Browser aufrufen kann. Dort kann man einerseits besondere Kalender anlegen (Beispiel „Fiala“, das sind Termine, die die ganze Familie betreffen) oder man bekommt Schreibzugriff zu einem befreundeten Kalender (Beispiel „florian.fiala.cc@gmail.com“).

Am Anfang, wenn daher das Handy erstmals mit einem Google-Konto eingerichtet wurde, sieht man nur die beiden Optionen „Termine“ und „Phone“. Hätte man das Handy ohne ein Google-Konto eingerichtet, gibt es überhaupt nur „Phone“. (Man kann ein Android-Handy auch ohne einen solchen Google-Account installieren, aber das ist nicht empfehlenswert.)

Wählt man „Phone“ wird der Termin nur lokal am Handy sichtbar sein; wählt man „Termine“ (=“franz.fiala.cc@gmail-com“), wird der Termin über die Google-Adresse auch am PC über die Browser-Anwendung „Google Kalender“ sichtbar.

Kalender am PC

So schaut die Oberfläche des großen Bruders eines Handy-Kalenders aus, den man über https://calendar.google.com/ erreicht:

Man sieht im Abschnitt „Meine Kalender“ die von mir angelegten Kalender und darunter unter „Weitere Kalender“ jene Kalender, zu denen ich sonst noch Lese- oder Schreibzugriff habe. Und genau in diesem Punkt „Weitere Kalender“ kann man externe Kalender einbinden. Man klickt auf den kleinen Pfeil rechts von „Weitere Kalender“ und wählt dort „Über URL hinzufügen“.

Diese Möglichkeiten in der PopUp-Box sind:

  1. Weitere Kalender hinzufügen
  2. Über URL hinzufügen
  3. Kalender importieren

Mit (1) wird ein neuer Kalender angelegt. Mit (2) kann man einen Kalender verknüpfen, von dem man die Internet-Adresse kennt. Mit (3) kann man einen Kalender importieren, Bei diesem Import wird man gefragt, in welchen Kalender man diesen neuen Kalender hinzufügen will. Hier sollte man immer einen Kalender angeben, den man vorher wie unter (1) angelegt hat und der sonst keine Daten enthält.

Für uns wichtig ist lediglich die Funktion (2) „Über URL hinzufügen“, denn die Rapid-Homepage und die Homepage des „Klub der Freunde des S.C. Rapid“ bieten solche Internet-Kalender an, die sich zum Verknüpfen eignen.

Wozu braucht man dann die Auswahl (1) und (3)?

Nehmen wir folgende Anwendung: Du verwaltest Termine für einen Verein und möchtest diese von Dir editierten Termine den anderen Vereinsmitgliedern bekannt machen. Dann legst Du mit der Auswahl (1) einen neuen Kalender an und gibst dort Deine Termine ein und ergänzt oder editierst sie bei Bedarf. Deinen Vereinskollegen teilst Du den Kalendernamen ein, den Du unter „Einstellungen“ findest und die können Deinen Kalender verknüpfen, ganz ähnlich wie wir das für den Rapid-Kalender gleich sehen werden.

Die Option (3) „Kalender importieren“ fügt die Daten des externen Kalenders in einen bestehenden Kalender ein aber es gibt keine weitere Verbindung zwischen den beiden Kalendern und daher muss man nach diesem Import alle eventuellen Änderungen selbst vornehmen.

Man verwendet daher die Option (2) „Über URL hinzufügen“ und gibt zum Beispiel http://klubderfreunde.at/kalender.aspx?out=ics ein. Der voreingestellte Name ist bei diesem Kalender „Rapid&Öfb“.

Mit dieser Eingabe werden alle zukünftigen Rapid-Termine sofort im Kalender sichtbar. Wie’s der Teufel haben will, ist die Farbe nicht selten violett. Daher gleich einmal die Farbe ändern!

Kalender am Handy

Wie kommt nun dieser Kalender auf das Handy? Ausgangspunkt ist wieder die hochformatige Darstellung des Kalenders mit dem Drei-Horizontale-Striche-Symbol. Dieses klickt man an und scrollt ganz nach unten zum Punkt „Einstellungen“. Klickt man „Einstellungen“ an, kommt man wieder zu einer Liste der verschiedenen Kalender, allerdings sind hier die Farbsymbole quadratisch. An dieser Stelle sollte der neue Kalender „Rapid&ÖFB“ aufscheinen. Ist das nicht der Fall, geht man wieder zur hochformatigen Darstellung des Kalenders zurück und wählt dort rechts oben das Drei-Punkte-Symbol und „Aktualisieren“. Dann sollte es aber klappen und die Rapid-Termine sind am Handy angekommen.

 

 

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Gerechtigkeit im Fußball

Im Bild Schiedsrichter Robert Schörgenhofer mit seinen Assistenten beim Aufwärmen vor dem Spiel gegen die Admira in der Südstadt.

Gleich mehrmals kam nach dem Spiel gegen die Admira das Thema „Schörgenhofer“ zur Sprache und wer Rapid-Anhänger ist, der weiß, man spielt nicht nur gegen den Gegner sondern auch gegen einen Schiedsrichter, bei dem man meist den Eindruck hat, als wäre er mit dem Gegner im Bunde. Diesen Eindruck kann man leider an Zahlen nicht so gut ablesen, wie wir gleich sehen werden. Aber man kann sehr gut vergleichen, welchen Erfolg wir bei welchem Schiedsrichter haben. (Übrigens sollte fairerweise gesagt werden, dass natürlich die jeweils gegnerische Mannschaft denselben Eindruck hat, und auch, dass es sich mit diesem Eindruck besser leben lässt, wenn man gewinnt.)

Die folgenden Schlüsse basieren auf einer ewigen Schiedsrichter-Statistik, die die zuletzt aktiven Schiedsrichter in einem Vergleich darstellt. Interaktive Schiedsrichter-Vergleichstabelle. Grün: Sieg, Gelb: Unentschieden, Rot: Niederlage

Hier ist dieselbe Tabelle in Punkte umgerechnet:

Schiedsrichter Spiele Punkte Spiele*Pkte
Drachta Oliver Mag. 33 2,1 68,0
Eisner Rene 31 1,5 47,1
Grobelnik Gerhard Ing. 8 1,5 12,0
Hameter Markus 11 1,6 18,0
Harkam Alexander 35 1,5 53,9
Heiß Andreas 4 3,0 12,0
Jäger Christopher 8 2,4 19,0
Kolleger Andreas 7 2,3 16,0
Lechner Harald, Mag. 9 1,6 14,0
Muckenhammer Dieter 14 1,5 21,0
Ouschan Dominik 20 1,8 36,0
Schörgenhofer Robert 47 1,7 80,8
Schüttengruber Manuel 19 1,6 30,0
Weinberger Julian 1 3,0 3,0
1,9
gewichtete Punkte 247 1,7 431,0

Die durchschnittliche Punktezahl, die wir erreichen, gemittelt über alle Schiedsrichter ist 1,9. Wir müssen aber bedenken, dass manche Schiedsrichter nur wenige und manche sehr viele Spiele leiten. Daher muss man die durchschnittliche Punktezahl des Schiedsrichters mit der Anzahl der Spiele gewichten. (Spalten „Spiele“, „Summe“). Dann ergibt sich eine durchschnittliche Punktezahl von 1,7. Bezüglich dieser Zahl können wir nun die einzelnen Schiedsrichter „bewerten“.

„Böse“ Schiedsrichter sind also rot, „gute“ sind grün hinterlegt. Schiedsrichter Schörgenhofer belegt die goldene Mitte, weil seine Spiele exakt dem Mittelwert entsprechen. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, weil er die meisten Spiele, nämlich 47 geleitet hat und daher das gewichtete Mittel diesem Wert sehr nahe ist.

Solltet Ihr also bei einem Spiel die Möglichkeit haben, den Schiedsrichter selbst bestimmen zu können, wählt Drachta, Heiß, Jäger, Kollegger, Ouschan oder Weinberger.

Leider ist aber das Leben kein Wunschkonzert und beim nächsten Spiel gegen Sturm wird Manuel Schüttengruber an der Pfeife sein, der uns mit 1,6 noch weniger Punkte beschert als der zuletzt kritisierte Robert Schörgenhofer mit 1,7.

Bitte aber diese Zahlen nicht allzu ernst zu nehmen.

  • Je weniger Spiele ein Schiedsrichter geleitet hat, desto mehr können diese mittleren Punktezahlen nach oben oder unten abweichen. Julian Weinberger hat überhaupt erst ein Spiel geleitet. Sein Punktemittel von 3,0 schaut daher ziemlich ideal aus, aber wie gesagt, es war nur ein Spiel. Je weniger Spiele ein Schiedsrichter geleitet hat, desto weniger kann etwas man über eine „Tendenz“ sagen.
  • Weiters müsste man noch berücksichtigen, ob nicht bei Cup- oder Risikospielen jeweils andere Schiedsrichter zum Einsatz kommen und sich dadurch ihre Statistik verbessert (Cup-Spiele) oder verschlechtert (Liga-Spiele).
  • Beispielsweise pfeift Gerhard Grobelnik nur das Wiener Derby und daher ist das keine Mischung verschieden anspruchsvoller Gegner sondern es sind durchwegs schwierige Spiele, die im Schnitt weniger Punkte bescheren als andere. Daher erreicht Rapid auch bei Grobelnik nur 1,5 Punkte pro Spiel. Daraus darf aber nicht auf irgendwelche „Tendenzen“ geschlossen werden, weil seine Spiele eben „schwierige“ Spiele sind und daher eben aus diesem Grund weniger Punkte einbringen.

Wegen dieser „Seiteneffekte“ darf man aus diesen Zahlen also keine voreiligen Schlüsse ziehen. Sie zeigen eher, dass zwischen den Schiedsrichtern gar nicht so große Unterschiede bestehen. Dennoch habe ich Lieblingsschiedsrichter: Es sind Oliver Drachta (2,0) und Dominik Ouschan (1,8) und beide haben schon sehr viele, nämlich zusammen 53 Spiele geleitet, was schon eine gewisse Sicherheit in der Aussage bietet.

Was daher bleibt, ist die Art wie gewisse Details in einem Spiel entschieden werden, die man auch hätte anders entscheiden können. Etwa die Spielunterbrechung  beim Admira-Spiel, die von den Spielern beider Mannschaften abgelehnt wurde. Die Unterbrechung allein wäre ja kein großes Malheur, allerdings wird am kommenden Montag dieselbe Causa noch einmal von dem Strafsenat verhandelt und dann wird es um eine wiederholte  Spielunterbrechnung gehen, die für Rapid sehr schwerwiegend sein kann. Und das hat Schiedsrichter Schörgenhofer gewusst, und da er dem Wunsch der Spieler nicht entsprochen hat, hat er diesen Nachteil für Rapid geradezu absichtlich herbeigeführt.

Gerechtigkeit gibt es nur im Film*)

Eine weitere, immer wieder angemerkte Beobachtung ist die, dass der Rapid-Anhang ungleich fordernder ist als der von Admira oder Mattersburg. Das spürt natürlich auch der Schiedsrichter. Und in dieser Drucksituation muss er den Eindruck des „Unparteiischen“ vermitteln und ist sich gleichzeitig in vielen Situationen viel weniger sicher als es sein Pfiff (oder Nicht-Pfiff) vermittelt.

Diesem Druck unterliegen alle Schiedsrichter gleichermaßen.

Seien wir ehrlich: auch wenn das Abseits gegen den Rapid-Stürmer korrekt gesehen und angezeigt wurde: dem Publikum ist das herzlich egal, es pfeift; gegen die Entscheidung. Und das tut das Rapid-Publikum in praktisch jeder strittigen Situation, und reklamiert die Entscheidung zum eigenen Vorteil.

Glaubt ihr nicht, dass ein Schiedsrichter in seinem ohnehin grundsätzlichen Zweifel sich tendenziell gegen diese „öffentliche Meinung“ stellt, ja geradezu stellen muss, um eben nicht parteiisch zu erscheinen? Ich habe den Eindruck, dass mit stärker werdendem Druck des Publikums ein Schiedsrichter tendenziell gegen die lautstark unterstütze Mannschaft pfeift. Hinweise dazu finden sich im Buch „Der Fußball – Die Wahrheit“ im Abschnitt „Das Publikum zeigt Gelb“. (In einem Experiment wurde gezeigt, dass Schiedsrichter eher auf „Gelb“ entscheiden, wenn gleichzeitig ein hoher Geräuschpegel vorliegt, weil sie mit der Lautstärke die Schwere des Fouls verbinden; unbewusst, natürlich!)

Und die Leistung des Schiedsrichters wird nicht durch das Publikum oder durch die Medien bewertet sondern durch unpublizierte Bewertungstabellen, deren Bewertungsmaßstäbe uns nicht zugänglich sind. Wenn uns als Rapid-Anhänger die Spielunterbrechung beim Admira-Spiel stört, bedeutet sie vielleicht für den Schiedsrichter eine lobende Erwähnung, wer weiß?

*) Titel eines (lesenswerten) Buchs von Robert Taschner.

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Historikertreffen – Bibliotheken

Etwa in jedem Quartal treffen sich bei der Bundesliga Fußball-Historiker mit verschiedensten Zugängen zum Thema Fußball. Manchmal sind es – wie heute – auch informative Treffen.

Mag. Thomas Pöltl lud die Historikergruppe in die Hauptbibliothek am Urban-Loritz-Platz und in sein Reich in die „Bücherei der Raritäten“ in der Zieglergasse 49 ein. Über die Ziele der Fußballsektion im Bereich der Wiener Bibliotheken berichtet der Kurier-Artikel „Der Fußballer und seine Fußballbibliothek“.

Fußball  in der Hauptbibliothek

Wie einfach es ist, in das Reich der Bücher hineinzuschnuppern, zeigt unser Besuch in der Hauptbibliothek.

Man betritt die Bibliothek und solange man kein Buch mitnehmen will, kann man in den Beständen nach Belieben stöbern. Es gibt keine besondere Zugangskontrolle. Wer sich Bücher ausleihen will, zahlt eine Jahresgebühr von 24 Euro und kann damit eine große Zahl von Büchern einen Monat lang ausleihen (und bei Bedarf zwei Mal verlängern) und darüber hinaus auch E-Books im Internet lesen.

Die Hauptbibliothek verfügt über eine große Auswahl an Fußballliteratur auch auf DVD. Darüber hinaus gibt es auch Fußball-Schwerpunkte in anderen Zweigstellen in Wien. Näheres dazu findet Ihr über einen Downloadlink bei unserem letzten Bericht über das Historikertreffen.

Fußball  in der „Bücherei der Raritäten“

Aber die Zentrale der Sammlung von Fußballliteratur befindet sich in der „Bücherei der Raritäten“ in der Zieglergasse 49, wo wir auch sehr seltene alte Bücher finden, etwa die Broschüre, die anlässlich der Eröffnung des Praterstadions 1931 herausgegeben wurde und viele andere bemerkenswerte Druckwerke.

Man sieht: hier hat jemand seinen Traumberuf entdeckt und versucht, die Idee „Fußball“ am Umweg über Bücher zu verbreiten.

45football.com

Ein kleines Detail, das wir bei unserem Besuch kennengelernt haben, ist die Web-Plattform 45football.com. Das ist eine Sammlung von Tonträgern über das Thema Fußball mit Hörproben. Aus Österreich kommen 14 Tonträger, vier von der Wiener Austria, zwei CDs von Rapid, beide von Hans Krankl.

Vielleicht wäre es eine gute Idee für das Marketing-Team von Rapid, dem Sammler Pascal Claude die vielen CDs von Rapid zu schenken und um die Aufnahme in die Sammlung zu ersuchen? (E-Mail: knappdaneben{at}gmail.com)

Das Ordnungsschema der Fußballbibliothek erfahren wir über einen aufgeklebten Hinweis:

Anders als in den öffentlichen Bibliotheken, werden hier in der Zieglergasse keine Werke aussortiert und sind bleibender Teil der Sammlung historischer Fußballbücher.

Wenn jemand aus dem Kreis der Leser Bücher über Fußball besitzt, die nicht mehr benötigt werden, dann bitte nicht in den Altpapier-Container sondern in die Zieglergasse zu Thomas Pöltl bringen.

Links

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Karriereplanung, gibts die?

Hätte jemand am 5. Juni 2016 gefragt, wer ein Jahr später Rapid-Trainer sein würde, niemand hätte es erraten. Damals, am 5. Juni war noch nicht einmal bekannt, dass es Zoki definitiv nicht sein würde.

Aber auch noch mehrere Monate später, sogar noch in der Winterpause hätte niemand voraussagen können, dass der frühere Trainer de ASK Ebreichsdorf diesen Platz einnehmen würde.

Welche dieser letzten vier Trainer-Karrieren war im Sinne einer systematischen Planung voraussagbar? Eine, die von Damir; aber genau diese war ein selten gutes Beispiel wie wenig der Erfolg eines Einzelnen mit dem Erfolg eines Unternehmens zu tun hat.

Erfolgsmenschen im Interview

Neulich war der Tormann von RedBull, Alex Wahlke im Interview, und die Frage war – wie könnte es anders sein – warum RedBull so erfolgreich ist. Und seine Antwort – wie könnte es anders sein – weil man eben besonders fleißig wäre und Extraschichten beim Training eingelegt hätte. Implizit besagt die Antwort, dass eben die Mitbewerber etwas weniger fleißig sind und weniger hart trainieren.

Ohne das wirklich zu wissen – aber die Spieler der Mannschaften weiter unten in der Tabelle strengen sich wahrscheinlich viel mehr an.

Dieses Interview war nur ein Beispiel aus den letzten Tagen zu „Erfolgs-Interviews“. Zum Beispiel liefern die Sendung „Frühstück bei mir“ von Claudia Stöckl oder die Sendung „Seitenblicke“ beliebig viele Beispiele in dieser Richtung. Alle wollen wissen, wie es die Erfolgreichen geschafft haben, dorthin zu kommen, wo sie jetzt stehen.

Erfolg des Teams oder Erfolg des Einzelnen?

Der Erfolg des Teams färbt auf jeden Einzelnen ab und der Einzelne kann leicht auf die Idee kommen, seine eigene Anstrengung wäre die Ursache für den Erfolg.

Das glaubt auch unser Teamchef Marcel Koller, der unbeirrt daran festhält, dass Stefan Stangl (der in der abgelaufenen Saison in sechs (!) Bundesliga-Spielen aufgelaufen ist), im Teamkader zu stehen hat. Und Stefan Stangl ist da kein Einzelfall, es gibt noch viele andere Beispiele seiner gleich gelagerten Einschätzungen.

Der Markt sieht das ein bisschen anders, denn schauen wir einmal auf den Marktwertverlauf von Stefan Stangl (Grafik entnommen aus der Seite Transfermarkt):

Man sieht, wer hier den Marktwert steigert: das ist die Talenteplattform des SK Rapid. Danach geht es bergab. Nicht immer aber sehr oft. Man kann diesen Marktwertverlauf leider auch bei Florian Kainz verfolgen.

Aber das war nur eine Randbemerkung. Was gezeigt werden sollte, dass wir uns über die Leistung eines Einzelnen durch den Erfolg des Teams, dem er angehört täuschen lassen.

Aber es geht auch umgekehrt: Man muss nur das gestrige Spiel gegen St. Pölten und die dazugehörigen Kommentare im Publikum über die Leistung einzelner Rapid-Spieler Revue passieren lassen. Würden diese Kommentare auf die Leistung des Teams zutreffen, könnten wir überhaupt nie gewinnen. Aber das Leistungsmaß des Teams ist nicht das des Einzelnen. Ein gutes Kollektiv verkraftet durchaus einzelne Ausrutscher.

Karriereplanung

Man braucht nur das Wort „Karrierplanung“ in Google eingeben und bekommt jede Menge kostenloser und kostenpflichtiger Tipps, wie man die eigene Karriere richtig plant. Allen diesen Tipps ist gemeinsam, dass suggeriert wird, man könne Karriere planen. Wenn man dieses oder jedes Rezept befolgt, würde der Erfolg nicht ausbleiben.

Ich glaube das nicht!

Es geht bei diesen erstrebenswerten Jobs nicht um Deinen oder meinen. Die meisten von uns sind eingebettet in einen Massenjob der uns oft ein Leben lang begleitet. Es geht hier um besondere Jobs, wie zum Beispiel um den Trainerposten bei Rapid.

Wir haben mit den letzen vier Trainern Zoki, Mike, Damir und Gogo gleich vier verschiedene „Erfolgsmodelle“ kennengelernt, die den Karriereplanungs-Tipps alle widersprechen.

Zoki war ein Aufsteiger aus dem eigenen Haus; eine praktische Lösung solange der Verein kein Geld hatte aber kaum konnte man sich etwas „rühren“, hatte ein solcher Trainer ohne Titel keinen guten Stand – wie wir gesehen haben.

Zokis Qualitäten beim Umgang mit der Mannschaft wurden nicht verstanden. Sein Abgang hat den Beigeschmack von Undankbarkeit. Aber man soll nicht sagen, der Verein wäre nicht lernfähig. Ein Jahr später besann man sich dieser Fehler und entschied sich ganz anders als ein Jahr vorher.

Mike bekam einen Job, weil er jemanden gekannt hat, der ihm den Job vermittelt hat. (Die späteren Lösungen Damir, oder die Lösung Gogo oder auch jede andere zeigen, dass die Aussage „alternativlos“ ziemlich sonderbar war.) Dieser Vorgang war ein in Österreich nicht seltener Karrieresprung – durch Bekanntschaft. Mike hätte sich durchaus behaupten können, war aber so wenig mit der österreichischen Seele im Allgemeinen und mit der grün-weißen im Besonderen vertraut, dass es nicht weiter verwunderlich ist, dass er gescheitert ist.

Damir war der Karrierist wie sich ihn Karriereplaner vorstellen. Er hat beim Hearing überzeugt, es bewährte sich vor einem Gremium, das die Management-Ausdrucksformen kennt und sie in Damirs Präsentation wiedererkannt hat. Aber auch Damir – und wir mit ihm – tappte in die Falle wie auch Marcel Koller, denn er verwechselte seinen persönlichen momentanen Erfolg mit Altach, der durchaus durch Zufälligkeiten oder auch durch Leistungen der anderen Teammitglieder zustande gekommen sein kann, mit der eigenen Leistung. Für diese Interpretation spricht das ziemlich unflexible Festhalten an einem vermeintlich sieg-bringenden System.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Damir aus persönlicher Sicht die Rezepturen der Karriereplanung richtig angewendet hat und damit einen tollen Posten erreicht hat. Aber uns, als Rapid, geht es natürlich nicht um persönliche Erfolge sondern immer nur um den Erfolg der Mannschaft.

Gogo hingegen ist einer von uns; einer aus der großen Masse jener Menschen, die – genau so wie Alex Wahlke von sich gesagt hat – durchaus auch fleißig sind und die – wenn nötig – die eine oder andere Nachtschicht einlegen; Menschen aber – ebenso wie Gogo – im Normalfall nicht für einen Trainerposten bei Rapid angedacht werden.

Es gibt eine interessante Anekdote über Herbert Grönemeyer, die eine wichtige Eigenschaft des nicht planbaren Erfolgs zeigt. Es gibt für alle möglichen Gesangswettbewerbe Vorausscheidungen, in denen „Fachleute“ eine Vorselektion vornehmen. Eine(r) dieser Juroren hat die Schwierigkeit solcher Hearings aufgezeigt. Er meinte, hätte Herbert Grönemeyer versucht, über eine solche Vorentscheidung in das Finale „Deutschland sucht den Superstar“ zu kommen, er wäre mit großer Sicherheit nicht nominiert worden, weil er so ziemlich keines der Kriterien erfüllt, nach denen eine solche Fachjury wertet.

Auch ein Gremium wie das Präsidium eines Fußballvereins, bewertet bei der Trainerauswahl Dinge, die möglicherweise im Tagesgeschäft einer Trainers viel weniger Rolle spielen als man das überhaupt ahnt.

Hätte es damals im Mai 2016 so etwas wie eine Trainerausscheidung gegeben und hätte sich dazu auch Gogo beworben: Hätte er damals eine Chance gehabt? Sicher nicht! Und wir haben es dem außergewöhnlichen Fingerspitzengefühl unseres neuen Sportdirektors Fredy Bickel zu verdanken, dass er sich nicht dazu hat hinreißen lassen, „Geld in die Hand zu nehmen“. Man misst leider einen Sportdirektor daran, welche Geldmengen er in fußballerische Qualität verwandelt. Diesem Handlungsdruck ist seinerzeit Andy Müller unterlegen und daran ist er schließlich gescheitert. Und vielleicht haben wir es sogar einem Zustand der leeren Kassen zu verdanken, dass man nicht so wie im Vorjahr agieren kann.

Wenn Gogo in der kommenden Saison auch nur einigermaßen erfolgreich ist – was wir uns natürlich alle für ihn und für uns wünschen – und wird er einmal gefragt werden, was er zu seinem Erfolg beigetragen hat, wird er vielleicht – ähnlich wie Alex Wahlke – sagen, dass er ein gewissenhafter Arbeiter sei, dass er sich mit den Spielern gut versteht und hart arbeitet. Alles das stimmt aber das trifft wohl für die meisten guten Trainer zu. Aber dort hin zu gelangen, wo es eine gute Bezahlung gibt, Anerkennung für sein Tun und auch Erfolg fürs Ganze, das ist reiner Zufall und nicht Kalkül – wie wir aus den Ereignissen des letzten Jahres gelernt haben sollten. Und was wir allein hoffen können, dass es der Zufall ausnahmsweise gut mit uns gemeint hat und dass Gogo die berühmte Ausnahme von der folgenden Regel ist:

„In Österreich wird jeder das, was er nicht ist.“ (Gustav Mahler)

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