Wie sich teure Transfers rechnen können

Wie sich teure Transfers rechnen können

Seit wir 2007 beim Besuch des Viertelfinales Manchester United-AS Roma dem damals 23-jährigen Cristiano Ronaldo bei seinen zwei Toren zum 7:1 zugeschaut haben, sind wir von diesem Ausnahme-Athleten ziemlich begeistert.

Szenen mit Cristiano Ronaldo (Wikipedia,
Анна Нэсси, Angerey, Ray Booysen, Austin Osuide, Sdo216, Jan SOLO, Cris Deahr)

Gleichzeitig fragen sich Fans in aller Welt, ob denn Spieler ihr Geld auch wert sind; ihre Gage und die Transfersummen, die für sie bezahlt werden.

Betrachten wir allein diesen Transfer von Cristiano Ronaldo von Juventus zu Manchester United, den Transfer eines 36-jährigen Spielers, dessen Karriereende absehbar ist, dessen Popularität aber ungebrochen ist. Wie kann es sein, dass der alternde Christiano Ronaldo um 25 Millionen Euro den Verein wechselt, aber Mario Sonnleitner in einem vergleichbaren Alter keinen weiteren Vertrag bei Rapid bekommt und zu Hartberg wechseln muss?

Wiener Realitäten

Rapid gehört zu jenen mittelständischen Ausbildungsvereinen, die auf eine positive Transferbilanz angewiesen sind. Das Verkaufspotential eines Spielers ist wichtiger als seine Erfahrung oder Spielstärke. Der Markenwert eines Spielers ist von untergeordneter Bedeutung, vielleicht mit Ausnahme von Steffen Hofmann. Mario Sonnleitner wurde ein Opfer dieser kaufmännischen Notwendigkeit. Auch wenn einige Hundert Trikots mit dem Aufdruck „Mario Sonnleitner“ verkauft werden würden und Mario eine treue Fangemeinde hat, ist das allein kein ausreichendes Motiv für seine Vertragsverlängerung, weil er nicht mehr am Spielermarkt vermittelbar wäre, und diese Einnahmen braucht Rapid; dringend; einen Yusuf Demir pro Jahr, das wär’s!

Andere Größenordnung

Nach einem Bericht in Sport1 vom 27. August soll der Transfer von Cristiano Ronaldo etwa 25 Millionen gekostet haben.

In den ersten 12 Stunden seit Verkaufsbeginn am Samstag 4.9. wurden 380.000 Trikots verkauft. (Manchester United hat 150.000 Mitglieder.) Damit ist das CR-7-Trikot schon nach diesen 12 Stunden das meistverkaufte Trikot in der gesamten Premier League-Geschichte und spielte allein in den ersten 12 Stunden 38 Millionen Euro ein.

Der Transfer hat sich schon gerechnet, obwohl Cristiano Ronaldo in der Quarantäne auf seinen ersten Einsatz wartet. Der emotionale Wert dieses Transfers übersteigt den sportlichen.

Links

Berichte und Bilder im Tagebuch

Nachtrag

Aus dem Kreis der Leser stammt der Hinweis, dass möglicherweise ein mehr oder weniger großer Anteil der Einnahmen an den Trikot-Hersteller Adidas geht. Bei Bayern-München wäre das so, und es hätte etwas mit der Eigentümerschaft von Adidas an dem Verein zu tun.

Geld und Fußball III

Geld und Fußball III

Als Rückblick auf die vergangene Saison wurde in Geld und Fußball II gezeigt, wie sehr der sportliche Erfolg den finanziellen Möglichkeiten folgt. Zufallsbedingt gibt es natürlich Abweichungen von der Regel. Aber wie man die Dinge auch dreht, der österreichische Meister wird mit großer Wahrscheinlichkeit immer RB sein und das, wegen seiner vergleichsweise unerschöpflichen Möglichkeiten.

Kritik an der Kritik

Ich bekam eine nicht untypische Rückmeldung auf den Artikel Geld und Fußball II : „RB würde das Geld gut einsetzen, und die Spieler von RB würden immer bis zum Umfallen rennen.“ Wem diese Interpretation hilft, die Wettbewerbsverzerrung zu ertragen, der kann sie gerne anwenden. Hätte ich nicht in vielen Jahren bei Rapid tolle Menschen kennengelernt…, als neutraler Beobachter einer Sportart mit einer derartigen Ungleichheit der Chancen, würde ich dem Fußball der Spielart „Österreichische Bundesliga“ den Rücken kehren.

Hier wird der Frage nachgegangen, wie man wieder fairen Wettbewerb in der österreichischen Bundesliga herstellen kann, denn derzeit ist es nicht die Frage, ob RB Meister wird, sondern nur, mit wie vielen Punkten Abstand der Titel gewonnen wird.

Was ist dieses RB?

Um die Vereinskonstruktion von RB besser zu verstehen, vergleichen wir sie mit Rapid.

Sportklub Rapid (Verein) und SK Rapid GmbH

Der Verein SK Rapid, ZVR 843 293 761, wird vertreten durch Martin Bruckner (Präsident), Mag. Nikolaus Rosenauer (Vizepräsident), Mag. Philip Newald (Finanzreferent), Stefan Singer (Finanzreferent-Stv.) (Die letzte personelle Veränderung ist im Vereinsregister noch nicht eingetragen worden.). Die SK Rapid GmbH, (FN 56977 s) ist in 100%igem Eigentum des Vereins, Geschäftsführer Christoph Peschek, Zoran Barisic.

Rapid hat eine große Zahl von Sponsoren und Partnern, die im jährlich erscheinenden Rapid-Branchenbuch präsentiert werden. die wichtigsten Partner sind:

Wien Energie, Allianz, OMV, Puma, Admiral, Wiener Zucker, Gösser, Varta, Jeep, sky, Bundesliga, Kinderzukunft

Die Geschäftszahlen werden in einem jährlichen Jahresbericht publiziert. Der jährliche Umsatz liegt in der Größenordnung von 30-40 Millionen, was ungefähr dem Wert der Mannschaften entspricht.

Red Bull Salzburg (Verein) und FC Red Bull Salzburg GmbH

Der Verein Red Bull Salzburg, ZVR 909 741 108, wird vertreten durch Harald Lürzer (Vorstandvorsitzender), Univ. Prof. Dr. Herbert Resch (Vorstandsmitglied), KR Franz Rauch (Vorstandsmitglied). Die FC Red Bull Salzburg GmbH (FN 452749 h) ist in 100%igem Eigentum des Vereins, Geschäftsführer ist Stephan Reiter.

Die wichtigsten Partner sind:

Rauch, A1, Audi, Nike, Admiral, Raiffeisen, Wiener Städtische, Steigl, Mastercard, Salzburg, Thalheim, HCS, GAS, offset, Prepress, Krautgartner, sky, Bundesliga

Wir kennen zwar die Geschäftszahlen nicht so genau wie die von Rapid, kennen aber den Mannschaftswert, und da diese Zahlen in etwa derselben Größenordnung liegen, können wir das Jahresbudget auf etwa 130 Millionen Euro schätzen. (Stand Juli 2021, transfermarkt.at)

Schon allein an der Nichtpräsenz des Vereinsvorstands von RB in der Öffentlichkeit und bei sportlich-kaufmännischen Entscheidungen kann man den Scheincharakter der Vereinskonstruktion bei RB erahnen.


Formal sind diese beiden Konstruktionen gleich, es gibt einen Verein, dem eine GmbH gehört, die den Sportbetrieb leitet und auf die Einnahmen schaut.

Doch bleibt im Falle der FC Red Bull Salzburg GmbH dem interessierten Betrachter verborgen, auf welchem Weg, dieses Budget zustande kommt. Man kann sich nicht vorstellen, dass die genannten Partner der FC Red Bull Salzburg GmbH für diese Summe verantwortlich zeichnen. Und weil das eben nicht klar deklariert ist, muss man annehmen, dass in dieser Partnerliste vergessen wurde, den Hauptgeldgeber, nämlich die Getränkefirma „Red Bull GmbH“ mit Sitz in Fuschl am See anzugeben. Ob nun diese wichtigste Finanzierungsquelle ein Sponsoring mit einer astronomischen Summe betreibt oder ob sie mit einer ähnlichen Summe die Verwendung des geschützten Namens „Red Bull“ im Vereinsnamen und dem Namen der GmbH sponsert – oder beides, bleibt uns verborgen, jedenfalls wird die GmbH mit Fremdgeld dotiert; mit Geld aus Gewinnen, die nicht im Zuge des Fußballgeschäfts erwirtschaftet wurde. Dieses Sponsoring beruht also nicht auf einem gegenseitigen Interesse, sondern entspringt allein dem Interesse der Red Bull GmbH das Prinzip „Geld spielt Fußball“ durch so hohe Finanzmittel anzuwenden, bis eben das Ziel, die Teilnahme an den europäischen Bewerben nicht mehr von einem mehr oder weniger unverlässlichen Wettbewerb und damit auch dem Zufall überlassen bleibt, sondern dieser Zufall durch eine extreme finanzielle Überlegenheit möglichst ausgeschaltet ist.

Fußball in Corona-Zeiten

Die Selektion von Spielern nach ihren fußballerischen Qualitäten erfordert eben einen Griff in die Geldbörse. Während die Mitbewerber wegen des coronabedingten Einnahmen-Entfalls durch die Stadionschließungen nur ablösefreie Spieler verpflichten können – bei Rapid sind es Jonas Auer, Kevin Wimmer und Marco Grüll, rüstet RB seine Mannschaft mit 35,15 Millionen auf – Philipp Köhn 0,4, Kamil Piatovski 5, Jérôme Onguéné 3,5, Bryn Okoh 1, Bernado 4, Gideon Mensah 2,5, Daouda Guindo 0,7, Kilian Ludewig 1,5, Darko Todorovic 0,7, Mamady Diambou 0,5, Symson Tijani 0,35, Nicolás Capaldo 5, Maurits Kjaergaard 3, Benjamin Sesko 5, Chukwubuike Adamu 2, also insgesamt 35,15 Millionen Euro, mehr als das Jahresbudget von Rapid in guten Jahren. Klar, Zuckerwasser wurde auch in den Corona-Zeiten getrunken, daher gibt’s bei RB keine Finanzierungsprobleme. (Einige der Neuzugänge kommen von Liefering, doch da man dort auch wieder nachkaufen muss, wird die Summe insgesamt etwa stimmen.)

Und Österreich?

Und wie viele Österreicher waren dabei? Richtig, keiner! Die österreichische Liga wird lediglich als willfähriges Vehikel benutzt, um noch mehr vom Zuckerwasser zu verkaufen. RB spielt Fußball, um die Gewinne in der Getränkebranche zu erhöhen. Für den dazu erforderlichen Erfolg wird mit praktisch unbegrenztem Einsatz jede Konkurrenz mit Leichtigkeit übertroffen und damit sogar der Zufall, der wichtigste Verbündete der Underdogs, übertölpelt.

Man fragt sich, welchen Nutzen der österreichische Fußball von der Teilnahm von RB eigentlich hat. Betrachten wir einmal die Spieler der U21-Nationalmannschaft für die EM-Qualifikation und ihre Stammvereine: 7 Rapid; 3 Austria; 2 Admira, Sturm; 1 Chelsea, Liefering, St. Gallen, Düsseldorf, Nice, Kapfenberg, LASK, RB, Ried, Tirol, Werder Bremen, Wolfsberg. Von 26 Spielern kommt einer von RB und einer von Liefering – aber 7 von Rapid.

Und in der Nationalmannschaft für die WM-Qualifikation ist es nicht unähnlich: 3 Hoffenheim, LASK; 2 Frankfurt, Mönchengladbach, Rapid, Wolfsburg; 1 Augsburg, Basel, Leverkusen, München, Freiburg, Leipzig, Lorient, Luzern, Mainz, RB, Schalke 04, Stuttgart, Union Berlin, Watford, Werder Bremen. Von 29 Spielern kommt einer von RB.

Der Grund ist offensichtlich; RB ist auf die Förderung über Fernsehgelder durch einen einzuhaltenden Österreicher-Anteil nicht angewiesen und verzichtet „großzügig“ darauf und kauft daher praktisch ausschließlich Legionäre und Österreicher nur, wenn es zufällig passt oder einen Gegner schwächt.

Gemessen an der Spielstärke müsste RB das Gros an Spielern für die Nationalmannschaften stellen, doch ist Nachwuchsarbeit nicht das Ziel von RB, sondern der Titelraub – solange es sich die Konkurrenten der Liga gefallen lassen.

Feindliche Übernahmen

Noch im Februar wurde spekuliert, dass RB den niederländischen Verein Alkmaar übernehmen könnte (heute), doch der dortige Verband hat erklärt, dass eine solche Übernahme nach ihren Regeln nicht möglich sei (transfermarkt).

Dieses Beispiel zeigt uns, dass man sehr wohl definieren kann, was ein Fußballverein sein darf und was nicht. Der niederländische Verband hatte zwar bei seiner Entscheidung den Vorteil, dass er den Einfluss von RB auf eine Meisterschaft am Beispiel von Österreich und Deutschland sehen konnte. Man hat also in den Niederlanden aus den Fehlern der anderen gelernt. Es ist uns aber unbenommen, auch selbst aus den eigenen Fehlern der Vergangenheit zu lernen, also die Entscheidung aus 2005, als man RB mit offenen Armen in der Bundesliga aufnahm, zu revidieren, weil sie dem österreichischen Fußball nicht guttut.

Die Teilnahme einer Mannschaft aus dem RB-Imperium in einer Liga erinnert an die früheren Staatsfußballer in kommunistischen Staaten, weil auch dort Fußball durch Dotierung mit Staatsgeld künstlich beliebig konkurrenzfähig gemacht wurde. Bei RB ist das ebenso, nur ist das Ziel nicht allein Prestige sondern Gewinn.

Unerlaubte Einnahmequellen

In den letzten Monaten wurde bekannt, dass ein Mitbewerber in der österreichischen Bundesliga gegen die Regelung des TPO (Third Party Ownership) verstoßen würde. Im Tagebuch wurde im Rahmen des Fanklubtreffens im Mai darüber berichtet. Damals berichtete NEWS über diese Art von Geschäften und im Mai wurden dann der Vizepräsident des LASK von der Bundesliga für einige Zeit suspendiert. Als juristischer Laie verstehe ich das so, dass man unerlaubte Einnahmen von außerhalb des üblichen Vereinsgeschäfts lukriert. Vereinfacht gesagt gibt es in den Satzungen eines Vereins klar definierte Einnahmenposten, andere Einnahmequellen sind dagegen nicht vorgesehen und wie im Beispiel des LASK ist die Beteiligung an Transfers mit Fremdspielern nicht zulässig. Die erlaubten Geldquellen sind (aus den Satzungen von Rapid): Mitgliedsbeiträge, Veranstaltungen, Sponsoren, Förderungen, Spenden, Kapitalgesellschaften, Fernsehgelder, Sonstiges. Unter „Sonstiges“ dürfte aber nicht Beliebiges verstanden werden, vielmehr gibt es an dieser Stelle Richtlinien der Bundesliga. Der Kurier berichtete in diesen Tagen über Ermittlungen der FIFA gegen den Präsidenten des LASK, und dort geht es eben um solche unerlaubte fremde Geldquellen.

Wenn diese Geldquellen aber im Sinne des fairen Wettbewerbs illegal sind, dann hilft uns nichts, wenn Funktionäre suspendiert werden, dann muss man diese Geldquellen abdrehen.

Weiters stellt sich die Frage, wie „legal“ in diesem Sinne die Schenkungen der Red Bull GmbH (Getränke) an die FC Red Bull Salzburg GmbH (Sport) zu bewerten sind. „Schenkungen“ deshalb, weil man in seriösem Sponsoring sehr gut feststellen kann, welchen Wert die Verwendung eines Namens oder die Werbung im Stadion haben kann. Und alles, was über diese ortsüblichen Preise auffällig hinausgeht, müsste im Rahmen der Lizenzvergabe der Bundesliga als unseriös abgelehnt werden können. So genau schaut man da aber nicht hin (wie man in den jahrelangen unerkannten unrealistischen Einnahmen des SV Mattersburg sehen kann).

Es wäre also relativ einfach, seriösen Wettbewerb in der österreichischen Bundesliga herzustellen, indem man bei der Lizenzvergabe Obergrenzen für seriöses Sponsoring festlegt. Wenn das mit den bestehenden Satzungen der Bundesliga nicht funktioniert, dann muss man eben die bestehende Bundesliga auflösen und eine neu mit geänderten Bedingungen gründen.

Lex RB

In vielen Sportarten kommt es vor, dass es Perioden gibt, in denen ein Einzelner oder eine einzelne Mannschaft unüberwindbar ist. Solche Situationen reduzieren das Interesse des Publikums an dieser Sportart und die Hüter der Regeln versuchen herauszufinden, was den Vorsprung des Dominators kleiner machen kann und passen dann das Regelwerk so an, dass die Chancen auf Erfolg für alle Mitbewerber wieder einigermaßen gleich sind.

Im Fußball sind der Schlüssel zum Erfolg das Geld und die Geldquellen. Ob der Einsatz von Fremdgeld, also Geld, das nicht durch den Betrieb eines Fußballvereins erwirtschaftet wird, sondern das anderswo verdient wird, ist eine wirtschaftlich-ethische Frage. Eine solche Quersubventionierung wird in anderen Bereichen als eine unerlaubte Markverzerrung verboten. Wenn eine Liga wie die österreichische eine solche Finanzierungsform zulässt, dann können wir die Folgen sehen und können uns überlegen, ob wir das weiterhin so haben wollen oder ob nicht besser wäre, die Betriebsbedingungen eines Fußballvereins genauer zu definieren.

Eine rein organisatorische Maßnahme hat die Liga im Rahmen der Ligareform ja schon beschlossen, nämlich die Punkteteilung am Ende des Grunddurchgangs. Damit eben die Übermacht von RB nicht gar so groß ist, wird im abschließenden Bewerb der Meistergruppe praktisch neu begonnen. Dass man die Punkte des Grunddurchgangs nicht überhaupt löscht und bei Null zu zählen beginnt, dürfte ein Kompromiss zugunsten von RB gewesen sein.

Lizenzvergabe

Aus den Fehlern der Vergangenheit lernend (siehe erkaufte Meistertitel von GAK, Sturm und Tirol) schaut die Bundesliga genau, ob die kommende Meisterschaft bei jedem Verein ausreichend ausfinanziert ist. Es geht also darum, ob genug Geld da ist und ob die Angaben nicht zu risikohaft sind.

Was man aber weniger im Auge hat – und vielleicht gibt es dafür für keine Regel – ist die Höhe der verschiedenen Budgetposten. Es zeigte sich schon beim Konkurs des SV Mattersburg, dass – wenn schon nicht die FMA, dann wenigstens die Prüfung der Lizenzvergabe – man übersehen hat zu prüfen, ob die Sponsorsummen der Mattersburger Lokalbank in dieser Höhe realistisch sind. Man hat sich dabei – vielleicht ähnlich wie die Prüfer der FMA – darauf verlassen, dass in den vergangenen Jahren ja auch alles geklappt hat.

Die Bundesliga hat direkte Einsicht in die Größenordnungen der Sponsorgelder. Ein Hauptsponsor wie etwa die Wien Energie bei Rapid muss bei der gegebenen Reichweite, einen ortsüblichen Preis für diese Werbung bezahlen. Bei weniger populären Vereinen wird dieser Betrag geringer sein; aber egal, Marketingfachleute wissen diese Größenordnungen zu bestimmen.

Und dann gibt es da einen Verein RB und eine GmbH wie RB (Sport), die in ihrem Budget vom Hauptsponsor RB (Getränke) Summen erhält, die in keiner Weite marktkonform sind. Das sind Schenkungen und damit praktisch ein verdeckter Besitz an einem formal gemeinnützig agierenden Verein. Denn ohne diese Dotierungen gibt es den Verein nicht, zumindest nicht in der heute üblichen Form. Dazu kommt, dass die Publikation der Sponsoren auf der RB-Homepage fehlerhaft ist, weil der Hauptsponsor und Quasi-Eigentümer RB (Getränke) in keine Weise genannt wird, will man doch dem Publikum einen ganz normalen Fußballverein vortäuschen, der mit dem Sponsoring der Rauch-Fruchtsäfte und Audi-Automarke ein mehr als 100-Millionen-Euro-Budget aufstellt.

Betroffenheit

Den kleinen Vereinen der Bundesliga und auch allen Vereinen der zweiten Liga ist das alles nicht ganz so wichtig, denn die finden sich eher in der Rolle überhaupt ein ausreichendes Budget auf die Beine zu stellen. (Beim gestrigen Spiel von Ried gegen die Austria konnte man sehen, welchen Aufwand ein solcher Verein betreiben muss. In vier Reihen, die sich um das ganze Kamera-Blickfeld ziehen, werben die Partner von Ried; zwei Reihen am Dach, zwei Reihen an der Bande, davon eines als LED-Werbeband.)

Nur die österreichischen Groß-Klubs haben Interesse daran, die Wettbewerbsungleichheit zu beenden, den dahinter folgenden Vereinen kann es egal sein, wer österreichischer Meister ist.

Aber weil die Bundesliga aus allen diesen kleinen und großen Vereinen zusammengesetzt ist, ist es schwierig, in einer solchen Frage einen Mehrheitsbeschluss zu bekommen. Diese kleineren Vereine brauchen ein klares Motiv, damit auch für sie ein solcher Auffassungsunterschied „Was genau darf ein Fußballverein und was nicht“ langfristig ein Vorteil ist. Ein solcher Vorteil wäre, dass auch ihre eigenen Chancen gleichermaßen steigen. Ein anderer könnte sein, dass die Großen den Kleinen mehr Fernsehgeld zugestehen, ebenfalls eine Maßnahme, die zu einer Verflachung des Trends „Mehr Geld, mehr Punkte“ und damit wieder zu mehr Chancen für die Kleineren führt.

Eine Liga ohne RB

Als Ergänzung zu der Grafik im Beitrag Geld und Fußball II wurde eine weitere Grafik erstellt, in der RB aus dem Wettbewerb entfernt wurde. Die Folgen:

  • der Wert der Liga sinkt von 340 auf 194 Millionen Euro
  • der durchschnittliche Mannschaftswert sinkt von 28 auf 18 Millionen Euro
  • der Trend „mehr Geld mehr Punkte“ verflacht sich deutlich. Erinnern wir uns: je flacher die Trendlinie verläuft, desto weniger Einfluss hat das Budget
  • der Wert der Nationalmannschaft verändert sich nicht, weil RB nur einen sehr kleinen Beitrag leistet, das FIFA-Ranking der Nationalmannschaft ändert sich nicht
  • die österreichischen UEFA-Punkte nehmen ab, weil der bisherige Punktegewinn von RB wegfällt, aber nicht zur Gänze, weil ja ein andere Verein an diese Stelle tritt. Österreich fällt im UEFA-Ranking zurück.
  • In Österreich herrschen dann etwa Verhältnisse wie in der Schweiz oder in Holland.

Ungleicher Kampf

Niemand würde auf die Idee kommen, in Kampfsportarten einen Weltergewichtler gegen einen Fliegengewichtler antreten zu lassen. Beide können Weltmeister werden, aber jeder nur in seiner Gewichtsklasse.

Beim Fußball ist das nicht unähnlich: Vereine ähnlicher „Gewichtsklasse“ finden sich in einer Liga mit einem einheitlichen Reglement wieder. Dieses Reglement hat mit den finanziellen Möglichkeiten der Vereine zu tun. Alle haben die Chance, Meister werden zu können, jeder aber in seine Liga (=“Gewichtsklasse“).

Wenn nun – wie in der Schweiz oder in Holland – alle Vereine in einer Spielklasse im Teich derselben Einnahmequellen fischen, sind die Bedingungen für alle gleich.

Wenn nun – wie in England – alle Vereine durch Fremdgeld quersubventioniert werden, und alle sind damit einverstanden, dann ist das auch einigermaßen fair. In England verfügen alle Vereine über den „Zaubertrank“ durch potente Eigentümer. Siehe auch Beitrag „Was bringen die Reichen?“

Wenn aber – wie in Österreich – ein Verein fremdfinanziert wird und die anderen diese Möglichkeit nicht haben (und das auch nicht dem hierorts üblichen Vereinsmodell entspricht), dann herrscht keine Waffengleichheit und der Wettbewerb ist extrem verzerrt. Es spielen Mannschaften verschiedener „Gewichtsklassen“ gegeneinander.

Der Mittelwert der Mannschaftswerte einer österreichischen Bundesliga-Mannschaft (mit Ausklammerung von RB) liegt bei 18 Millionen Euro. Die Mannschaft von RB hat den 8-fachen Wert dieses österreichischen Durchschnitts. RB hat den vierfachen Mannschaftswert der unmittelbaren finanziellen Verfolger Rapid und LASK – oder – nahezu soviel wie die gesamte restlichen Mannschaften zusammen.

Bereits im Beitrag „Geld und Fußball“ wurde gezeigt, dass im Vergleich europäischer Ligen RB den größten finanziellen Vorsprung gegenüber dem Rest der Liga hat. Eigentlich hätte man vermutet, dass es in England solche Unterschiede gibt, wo sich ein Öl-Milliardär des dortigen Meisters bemächtigt hat, doch in England ist der Vorsprung des Meisters auf das Mittel der restlichen Liga nur etwa 150%, weil auch alle anderen Vereine über einen Geldgeber verfügen, sodass sich wieder ein einigermaßen nachvollziehbarer sportlicher Wettbewerb ergibt. In Österreich ist dagegen dieser Unterschied der finanziellen Leistungsfähigkeit Meister zum Rest der Liga 650%.

Die Rolle von RB in Österreich

Kurz gefasst kann man sagen, dass RB den Zusammenhang zwischen Geld und Fußball ausnutzt, um sich den Meistertitel zu erkaufen. Damit man dabei auch den allgegenwärtigen Zufall überwindet, wird nicht nur mehr, sondern viel mehr Kapital eingesetzt, ein Vielfaches dessen, das im Fußballgeschäft verdient werden kann. Das dazu erforderliche Kapital stammt aber nicht aus dem Fußballgeschäft, sondern aus fremden Quellen. Und das ist eigentlich ein Umstand, der im Falle des LASK von der Bundesliga als unzulässig betrachtet wird.

Das Motiv von Red Bull ist es nicht, den Fußballfans einen Traum zu erfüllen, das Motiv ist allein, dem Getränkekonzern zu mehr Gewinn zu verhelfen.

„Football is for you and me, Not for fucking industry.“

Die Mannschaftswerte in England und der Wert der Mannschaft von RB können nicht mit den Mitteln eines klassischen Fußballvereins erwirtschaftet werden, weil die Einnahmen durch die Rahmenbedingungen – egal ob in England oder in Österreich – natürliche Obergrenzen haben. Die Mannschaft von RB ist daher quersubventioniert, ähnlich wie das etwa die Airlines der Golfstaaten sind.

Vereine, die sich im Besitz (oder im Quasi-Besitz) einer Person oder einer Institution befinden, verfügen über zusätzliche Gelder, die allen anderen Mitbewerbern nicht zur Verfügung stehen, weil das Konstrukt „Verein“ dann nur mehr am Papier besteht, und mehr oder weniger trickreich umgangen wird. Wenden nun alle Vereine einer Liga ein solches Eigentümerkonzept an, ist eine gewisse Waffengleichheit gegeben – wie in England. In Österreich ist das aber nicht der Fall, weil nur einer der Vereine, eben RB, Mittel von außerhalb des fußballerischen Einnahmenspektrums einsetzt.

Möglicherwiese war man damals, 2005, der Meinung, dass ein Verein, der sich aus dem Werbeteich der Fußballsponsoren heraushält, eine Bereicherung, weil der Werbekuchen für alle anderen verbleibt. Und in den Anfangsjahren hatten die Mitbewerber auch noch eine Chance. Doch im Laufe der Jahre wurde aus einem Fußballverein ein Fußballkonzern, der sich auf mehrere Länder erstreckt, eine Konstruktion, die mit Mitteln und Methoden arbeitet, die allen anderen Vereinen definitionsgemäß nicht zur Verfügung stehen.

Diese Ungleichheit der Mittel führte zu der ziemlich langweiligen Situation, dass man in Österreich nicht über den Meistertitel diskutiert, sondern nur über die Plätze dahinter. Wenn der Bundesliga Fairness im Wettbewerb am Herzen liegt, müsste man diese Konstellation verändern.

Was ein Fußballverein ist, muss in größerer Klarheit formuliert werden, Sponsoring kann nicht willkürliche Beträge einbringen, sondern muss mit ortsüblichen Werten eine Begrenzung erfahren.

Niemand würde auf die Idee kommen, Kampfsportler verschiedener Gewichtsklassen gegeneinander antreten zu lassen, und auch im Fußballsport war das ursprünglich so, denn die Einteilung in hierarchische angeordnete Ligen bildet so etwas wie „finanzielle Gewichtsklassen“ ab. Daher sind also Begegnungen des Oberhauses mit unterklassigen Vereinen im Rahmen der Vorbereitung oder im Rahmen des Cups meist eine klare Sache.

Während sich der holländische Verband gegen eine Übernahme eines Vereins durch RB erfolgreich zur Wehr gesetzt hat, kann RB hierzulande den Sportbetrieb nach Belieben zugrunde richten.

Literatur

Die finanzielle Überlegenheit von RB hat sogar Einzug in akademische Arbeiten gefunden, die sich fragen, ob nicht das Modell RB ein Vereinskonzept für die Zukunft wäre:

  • Maximilian Gross, Erfolg durch finanzielle Überlegenheit – Das Vereinskonzept für die Zukunft? Eine Analyse anhand eines Beispiels des FC Red Bull Salzburg. Eine Bachelorarbeit aus 2014 an der Hochschule Mittweida (westlich von Dresden).

Titelbild

Das Titelbild soll symbolisieren, dass der österreichische Fußball durch Bullen in arge Bedrängnis geraten ist. Dabei wurde nicht das Logo von RB verwendet – damit könnte man Problem bekommen, sondern ein gemeinfreies Symbolbild für „Stier“.

„Die Bullen verzerren den österreichischen Fußball“

Links

Nachtrag

Diskussionsbeitrag von Erich Hartmann@facebook

Lieber Franz, danke für die Mühe die du dir bei der Recherche der Artikelserie „Geld und Fußball“ gemacht hast. Inhaltlich gebe ich dir im großen und ganzen recht und ich bin prinzipiell deiner Meinung. Trotzdem möchte ich zwei Kritikpunkte anmerken:

1. nimmst du für die Berechnung des eingesetzten Kapitals bzw. des Budgets den Marktwert der Spieler her. Das ist aber nicht ganz richtig. Denn dieser gibt ja nur den hypothetisch zu erzielenden Transferertrag eines Spielers wider und hat nichts mit dem eingesetzten Kapital zu tun. So haben wir z. B. für Kara gerade mal 500.000,- bezahlt, er steht aber mit einem Wert von 3 Mio in der Budgetaufstellung. Umgekehrt haben wir seinerzeit 2,5 Mio für Mocinic bezahlt, der hatte aber letztendlich einen Marktwert von 0. Theoretisch könnte eine Verein eine Mannschaft von 100 Mio Marktwert haben, aber nahezu nichts dafür investiert haben, weil er z.B. eine so gute Nachwuchsarbeit hat. Andererseits kann eine Mannschaft einen rel. geringen Marktwert trotz Mio-Investitonen haben, weil sie lauter „Rohrkrepierer“ verpflichtet hat. (Tendenziell trifft das auf die Austria unter Stronach zu.) Wir müssten also tatsächliche Budgetzahlen haben, um einen Vergleich Ged zu Erfolg seriös erstellen zu können. (Da wir diese aber, wie du ja auch geschrieben hast, von RB nicht haben ist das natürlich schwer.)

2. Der zweite Kritikpunkt ist aber viel bedeutender: Dein Artikel kommt, 3 bis 4 Jahre zu spät. Die RB-Investitionsphase in Form von Quersubventionierungen durch den Getränkekonzern ist dort längst vorbei. Alleine in den letzten 3 Jahren haben die Dosen laut Transfermarkt.at ein Transferplus von insgesamt 150 Mio erzielt. Da rechnet sich der Betrieb und das Budget bereits von ganz alleine. Leider.


ad 1: Ja, das ist vollkommen richtig, doch stehen uns andere Zahlen als die Marktwerte nicht zur Verfügung, weil Rapid mit seinem jährlichen Geschäftsbericht die transparente Ausnahme ist. Vergleich 2019/20 Rapid: Umsatzerlöse 31.351.586,-, Marktwert ca. 37.000.000,-

ad 2: Wenn man einmal von seinem reichen Besitzer tolle Spieler als eine Art Startkapital geschenkt bekam, kann man sie leicht nach einem Wertzuwachs teuer verkaufen. Damit also RB Verein und GmbH in die Lage kommen solche Transfergeschäfte zu tätigen, musste der Eigentümer viele Jahre lang Lehrgeld zahlen und seine Unterstützung auf jenes Niveau heben, die jetzt den sportlichen Wettbewerb einseitig werden lässt (2005-2012, in dieser Zeit konnten die anderen Vereine noch mithalten, danach war es Schluss).

Das wichtigste scheint mir aber das Motiv zu sein, dass RB von allen anderen Vereinen unterscheidet: die Erfolge der diversen RB-Sportabteilungen habe nur ein Ziel, nämlich dem Spruch „RB verleiht Flügel“ zu bewahrheiten. Solange das mit einem Logo am Helm von Schispringern geschieht, ist das auch weiter kein Problem, Werbung eben, aber RB besitzt deshalb keinen Verein von Schifahrern.

Fußball verkauft seinen Anhängern Emotionen. Das ist das Ziel. RB spielt uns nur vor, dass das ein Ziel wäre. Tatsächlich ist bei RB der Zuschauer nur ein Störfaktor, wie in Blick auf die Anzahl der Mitglieder in Deutschland und Österreich zeigt.

Deutschland (Statista.de)

293.000 Bayern
154.000 Dortmund
111.559 Köln
 93.150 Mönchengladbach
 91.116 Frankfurt
 71.500 Stuttgart
 27.800 Hertha
 36.990 Union Berlin
 27.462 Leverkusen
 25.000 Freiburg
 21.500 Wolfsburg
 19.070 Augsburg
 13.200 Mainz
 14.198 Bielefeld
 13.000 Bochum
 10.425 Hoffenheim
  2.550 Greuter Fürth
    750 Leipzig

Österreich

Die Informationen über die Gebarung der Vereine und über die Zahl der Mitglieder ist in Österreich weit weniger transparent als das in Deutschland der Fall ist. Soeben ist das Bundesliga-Journal für die laufende Saison eingelangt. In diesem Journal sind viele Bilder aber wenig Informationen über die Vereine, natürlich auch keine Mitgliederzahlen zu finden. Bei RB sind Mitglieder offenbar nicht erwünscht. Zwar gibt es Fanklubs aber eine Mitgliedschaft beim Verein RB ist laut dortiger Homepage nicht vorgesehen. Mitgliederzahlen findet man aber bei weltfussball.at -> Info.

10.000 Rapid
 2.500 Sturm
   800 RB
   400 Hartberg
   300 Admira
keine Angabe Altach, Austria, Austria Klagenfurt, LASK, Ried, WAC, Wattens

Geld und Fußball

Geld und Fußball

Dass fußballerischer Erfolg mit dem Kapitaleinsatz in Zusammenhang steht, wurde in den Beiträgen „Liga und ,Nati'“ -I, -II, -III und -IIII ausführlich für alle europäischen Ligen und Nationalmannschaften dargestellt. Jetzt soll es darum gehen, wie sich dieser Zusammenhang innerhalb einer Liga fortsetzt. Ausgewählt wurden England (ENG) und Österreich (AUT) sowie alle Ligen rund um Österreich, also Deutschland (GER), Tschechien (CZE), Slowakei (SVK), Ungarn (HUN), Slowenien (SLO), Italien (ITA) und Schweiz (SUI).

So wie eine finanziell stärkere Liga mehr UEFA-Punkte erspielt, ist es auch bei den Vereinen so. Statistisch wird also der Verein mit der besten finanziellen Ausstattung auch Meister.

Die folgenden Diagramme zeigen den Zusammenhang zwischen dem Wert Mannschaft (Y-Achse) und den in der Meisterschaft erspielten Punkten pro Spiel. Vereine oberhalb der Trendlinie investieren mehr als für die Punkte erwartbar ist, Vereine unterhalb erreichen mir weniger Kapital mehr. Die Ligen wurden nach dem durchschnittlichen Wert einer Mannschaft gereiht.
Die Y-Achse zeigt den Mannschaftswert in Millionen € im logarithmischen Maßstab, die X-Achse zeigt die erspielten Punkte pro Spiel.

Ligen im Vergleich

Finanzielle Überlegenheit des Meisters

Für die Charakterisierung der finanziellen Überlegenheit der Meistermannschaft wurde folgende Formel angewendt:

MehrwertMeister = (WertMeister - WertMittelRest)/WertMittelRest [%]
  • WertMeister ist der Wert der Mannschaft des finanzstärksten Vereins.
  • WertMittelRest ist der durchschnittliche Wert einer Mannschaft ohne die Meistermannschaft

Von allen hier verglichenen Ligen ist die finanzielle Überlegenheit der Meistermannschaft in Österreich am größten. Der Wert der Meistermannschaft übersteigt den mittleren Wert aller anderen Mannschaften um das 6,5-fache.

Interessant ist auch, dass in England eine solche Überlegenheit nicht besteht, weil dort alle Vereine durch Quersubventionierung aus fremden Quellen finanziert werden.

Sportliche Überlegenheit des Meisters

Jetzt stellen wir die Frage, wie groß die sportliche Überlegenheit des Meisters im Vergleich zum Durchschnitt der Liga ist.

Überlegenheit = (PMax - PRest)/PRest [%]
  • PMax ist die durchschnittliche Punktezahl der Mannschaft des finanzstärksten Vereins.
  • PRest ist die durchschnittliche Punktezahl einer Mannschaft ohne die Meistermannschaft

Den geringsten sportlichen Vorsprung haben die Meistermannschaften in Slowenien und England, den höchsten jene in Tschechien und Österreich.

Links

Liga und ‚Nati‘ IIII

Liga und ‚Nati‘ IIII

Egal, ob es das Kolosseum im alten Rom oder die Fußballstadien in den modernen Metropolen ist: die dortigen Wettkämpfe widerspiegeln die Art, wie die Gesellschaft tickt. In diesem Beitrag werden daher gesellschaftsrelevante Größen mit dem fußballerischen Erfolg eines Landes verglichen.

Der Erfolg wurde für die Ligen an den UEFA-Punkten gemessen und und für die Nationalmannschaften an den FIFA-Punkten. Folgende Maßzahlen wurden untersucht:

  • Bevölkerung
  • Bruttoinlandprodukt (BIP)
  • Bruttoinlandprodukt pro Kopf (BIP)
  • Wirtschaftsfaktor Fußball (Wert der Mannschaften/BIP)
  • GINI-Index Einkommensverteilung
  • GINI-Index Vermögensverteilung
  • HD-Index (Human Development Index)

Alle europäischen Länder werden hinsichtlich dieser Maßzahlen und dem fußballerischen Erfolg in einem XY-Diagramm als Punktwolke eingetragen. Durch diese Punkte wurde eine Trendlinie gezeichnet, die es erlaubt, einen Zusammenhang aufzuzeigen. Verläuft diese Trendlinie horizontal, gibt es keinen Zusammenhang.

Alle Punkte unterhalb der Trendlinie kennzeichnen ein Land, das eine höhere fußballerische Bewertung erreicht als es der betreffenden Maßzahl dem Trend folgend entspricht, ein Punkt oberhalb der Trendlinie kennzeichnet ein Land, das mit dieser Maßzahl mehr an fußballerischen Erfolg erreichen könnte.

Bevölkerungszahl

Man weiß auch ohne eine grafische Darstellung, dass bevölkerungsreiche Länder fußballerisch erfolgreicher sind. Aber mit der folgenden Grafik kann man lernen, die einzelnen Länder besser einzuschätzen.

Je größer das Land, desto leistungsfähiger der dortige Fußball.

Liechtenstein, Zypern, Gibraltar, Färöer… erreichen einen viel höheren UEFA-Punktezahl als es der Größer der Bevölkerung entspricht. Russland, Türkei, Polen, Irland… erreichen eine zu geringe UEFA-Punktezahl. Österreich erzielt um deutlich mehr UEFA-Punkte als es seiner Einwohnerzahl entspricht.

Färöer, Island, Andorra, Montenegro… erreichen einen viel höheren FIFA-Punktezahl als es der Größer der Bevölkerung entspricht. Russland, Kazachstan, Mazedonien, Azerbaidschan… erreichen eine zu geringe FIFA-Punktezahl. Österreich erzielt um etwa 20 FIFA-Punkte mehr als es seiner Einwohnerzahl entspricht.

Bruttoinlandsprodukt

Mehr noch als die Bevölkerungszahl ist das Bruttoinlandsprodukt ein brauchbarer Indikator für die Einschätzung der fußballerischen Leistungsfähigkeit. Weil eben der Zusammenhang noch signifikanter ist als der Einfluss der Bevölkerungszahl, verlaufen auch die Trendlinien steiler.

Je größer die Wirtschaftskraft eines Landes, desto leistungsfähiger der dortige Fußball.

Zypern, Färöer, Gibraltar, Liechtenstein, Serbien, Liechtenstein… erreichen eine höhere UEFA-Punktezahl als es dem Bruttoinlandsprodukt entspricht. Irland, Finnland, Polen, Wales… erreichen einen geringere UEFA-Punktezahl als es dem Bruttoinlandsprodukt entspricht

Färöer, Montenegro, Mazedonien, Albanien, Bosnien, Serbien, Kroatien… erreichen eine höhere FIFA-Punktezahl als es dem Bruttoinlandsprodukt entspricht. Kazachstan, Israel, Russland, Deutschland… erreichen eine geringere FIFA-Punktezahl als es dem Bruttoinlandsprodukt entspricht.

Österreich liegt bei den UEFA-Punkten exakt im erwartbaren Bereich; bei den FIFA-Punkten könnte Österreich – gemessen an seiner Wirtschaftskraft – etwa besser dastehen.

Bruttoinlandsprodukt pro Kopf

Um eine von der Bevölkerungszahl unabhängige Kenngröße für wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu bekommen, bezieht man das BIP auf die Bevölkerungszahl und erhält das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf.

Es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem BIP pro Kopf und dem Erfolg im Fußball.

Fußball als Teil der Wirtschaft

Der Fußball eines Landes wird multidimensional finanziert, zum Beispiel durch Ticketing, Merchandising, Werbung, Fernsehen usw., und Fußball ist ein Teil einer Volkswirtschaft. Die folgenden Grafiken zeigen, den Anteil des Fußballs an der Gesamtwirtschaft in Promille. Der Fußball wird durch den Wert aller Klubs der höchsten Spielklasse und durch den Wert der Nationalmannschaft dargestellt, die Wirtschaft durch das BIP. Die Relation wird in Promille angegeben.

Es gibt keinen allzu deutlichen Zusammenhang zwischen fußballerischem Erfolg und dem Anteil des Fußballs an der Wirtschaft. Dass der Anteil des Fußballs an der Gesamtwirtschaft in England sehr hoch ist, überrascht weniger. Interessant ist dagegen, dass dieser Anteil auf den Färöern und in Montenegro, Zypern und Portugal ähnlich hoch ist.

Ebenfalls überraschend ist der geringe Anteil an der Wirtschaft in Nordirland, Wales und Finnland.

Österreich liegt – wie so oft – im Mittelfeld und unter der Trendlinie, könnte also durchaus mehr in seinen Fußball investieren.

Gini-Index

Der Gini-Index ist eine Zahl, die zum Ausdruck bringt, wie gleichmäßig eine bestimmte Größe auf eine Bevölkerung verteilt ist. Ist der Gini-Index 1 (oder 100%) ist diese Größe im Besitz einer einzigen Person (eine Art König); ist der Gini-Index 0 (0%) besitzen alle Menschen gleich viel.

Wir untersuchen die Verteilung der Einkommen und der Vermögen und ob diese einen Einfluss auf den fußballerischen Erfolg haben.

Vorweg: die Einkommen sind fairer verteilt als dir Vermögen.

Gini-Index der Einkommen

Die Fragestellung ist, ob die Verteilung der Einkommen einen Einfluss auf den fußballerischen Erfolg hat.

Die durch den Gini-Index beschriebene Einkommensverteilung zeigt keinen Einfluss auf das Fußballgeschehen. Am ehesten könnte man schließen, dass mit zunehmender Ungleichverteilung der fußballerische Erfolg leicht zunimmt. Interessant ist auch die sehr ausgeglichene Einkommensverteilung bei unseren Nachbarn Tschechien und Slowakei und die Ungleichverteilung in Israel und Türkei. Das ist aber nur für dortigen Gesellschaften und für die gefühlte Lebensqualität von Bedeutung, nicht aber für den Fußball.

Österreich gehört eher zu den Ländern mit einer gleichmäßigen Verteilung der Einkommen.

Gini-Index der Vermögen

Die Fragestellung ist, ob die Verteilung der Vermögen einen Einfluss auf den fußballerischen Erfolg hat.

Einen sonderbaren Zusammenhang zeigt die Trendlinie der Vermögensverteilung: je ungleicher sich die Vermögen in einem Land verteilen, desto mehr Erfolg hat das Land im Fußball. Der Trend ist nicht sehr ausgeprägt aber immerhin.

Österreich gehört eher zu den Ländern mit einer ungleichmäßigen Verteilung der Vermögen.

HD-Index

Im „Index der menschlichen Entwicklung“ oder „Wohlstandsindikator“ (HDI, Human Development Index) werden mehrere Kennzahlen einer Gesellschaft zusammengefasst. Das sind das BIP pro Kopf, die Lebenserwartung, die Ausbildung und in einer Variante auch die Gleichverteilung des Einkommens. Eine einzige Zahl, die einen Staat charakterisiert.

Der Zusammenhang zwischen dem HDI und dem fußballerischen Erfolg ist nicht all zu ausgeprägt, ein leichter Trend ist zu erkennen. Höher entwickelte Länder spielen besseren Fußball.

Österreich gehört zu den am höchsten entwickelten Ländern, ist aber nicht in der Spitzengruppe Norwegen, Schweiz, Irland, Island, Schweden, Niederlande, Deutschland, Finnland dabei. Aber gleich danach kommt auf Platz 12 Österreich. Zum Vergleich: Österreich liegt im europäischen UEFA-Ranking auf Platz 10 und im weltweiten FIFA-Ranking für Nationalmannschaften auf Platz 15 (UEFA-Zone). Unsere Liga erreicht also etwas mehr Punkte als es dem HDI entspricht, das Nationalteam ist um einige Ränge schlechter.

Zusammenfassung

Diese Zusammenhänge zwischen einigen gesellschaftsrelevanten Kenngrößen und dem fußballerischen Erfolg sind eine Dokumentation der Behauptung, dass Fußball ein Abbildung der Gesellschaft in einem Spiel ist. Wer immer auch der Gegner am Platz ist, hinter ihm steht die ganze Eigenart eines anderen Landes.

Bei allen Statistiken gilt, dass sie uns viel über die Vergangenheit aber nichts über das jeweils nächste Spiel sagen. Kommt aber ein Gegner auf uns zu, können uns die Zahlen helfen, seine fußballerische Leistungsfähigkeit einzuschätzen.

Unser erster Gegner in der EM-Gruppe C wird Nordmazedonien sein und es ist bereits ein Schlüsselspiel, das gewonnen werden sollte, will man die Gruppenphase überstehen.

Österreich hat noch nicht allzu oft gegen Nordmazedonien gespielt. Zwei Siege, Gesamttorverhältnis 8:2. Die Spiele waren Bewerbspiele aus der letzten EM-Qualifikation. Mit diesen zwei Spielen ist statisch nicht viel auszusagen, weil im Fußball der Zufall eine sehr große Rolle spielt.

Mit seinem Sieg gegen Deutschland in der WM-Qualifikation hat aber die dortige Mannschaft aufhorchen lassen. Die letzten vier Spiele hat Nordmazedonien nicht verloren.

Österreich liegt im FIFA-Ranking auf Platz 23, Nordmazedonien auf Platz 62. Betrachtet man die Bevölkerungszahl, das BIP und den HDI ist Österreich klarer Favorit.

Was wir aber nicht unterschätzen sollten – und DJ Ötzi hat es bei seinem Interview mit Franco Foda angesprochen – unsere Spieler singen die Bundeshymne mit zu wenig Empathie und das könnte ein Zeichen sein, dass die Spieler (allesamt Legionäre) weniger Nationalstolz mitbringen als ein junges Land, dessen Bürger noch viel Aufbauarbeit vor sich haben und für die der Kampf für ihre Farben ein wichtiger Teil ihrer Identität ist.

Links

Titelbild aus Pixabay, ergänzt durch den Fußball.

Liga und ‚Nati‘ III

Liga und ‚Nati‘ III

Im Beitrag „Liga und ‚Nati'“ betrachteten wir den Zusammenhang zwischen den FIFA-Punkten einer Nationalmannschaft und den UEFA-Punkten, den einer Liga. Im Beitrag „Liga und ‚Nati‘ II“ wurde der Wert von Nationalmannschaften dem Wert der Vereinsmannschaften gegenüber gestellt. Jetzt werden diese beiden Zusammenhänge verknüpft und wir versuchen, die Frage „Spielt Geld Fußball?“ zu beantworten:

Spielt Geld Fußball?

Wir können diese Frage auch ganz ohne Zahlen beantworten; nicht durch ein konkretes Spiel, denn wie man weiß, kann im Fußball immer auch der Schwächere das Spielglück auf seiner Seite haben und gegen einen unschlagbar scheinenden Gegner erfolgreich sein. Wie sonst könnten die Erzählungen entstanden sein, die an glorreiche Fußballspiele erinnern wie zum Beispiel das Rückspiel von Rapid gegen Sporting Lissabon 1996 oder die Spiele von Rapid gegen Aston-Villa usw.

Wenn man aber die Spiele in großer Zahl betrachtet, dann wendet sich das Blatt rasch zugunsten der finanzkräftigeren Vereine. Statistisch gesehen spielt Geld natürlich Fußball. Das letzte Jahrzehnt hat uns Rapidlern schmerzlich gezeigt, dass man mit ausreichendem Kleingeld eine Liga nach Belieben dominieren kann. Die Frage ist also mehr jene, wie man dieses Spiel der Großen mit dem Fußball unterbinden kann. Das wird in einem anderen Beitrag zu besprechen sein.

FIFA-Punkte

Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Wert einer Mannschaft und dem Erfolg, den man der FIFA-Weltrangliste ablesen kann? Dazu stellen wir die Werte der Nationalmannschaften zu den Punktezahlen der FIFA-Weltrangliste in Relation.

Während der Wert der Nationalmannschaft zwischen 10 und 1000 Millionen € schwankt (Faktor 100), bewegen sich gleichzeitig die FIFA-Punkte im Bereich von 1150 bis 1750, das sind etwa 600 Punkte Unterschied zwischen der stärksten Nationalmannschaft (Belgien) und der (punktemäßig) schwächsten (Weißrussland). Um die Größenordnungen der Werte grafisch darstellen zu können, benötigt man eine logarithmische Skala.

Zuerst erfassen wir alle Nationalmannschaften und deren FIFA-Punkte in einer zusammenhanglosen Punktwolke. Man sieht auf den ersten Blick, dass hier ein Zusammenhang besteht zwischen dem Wert auf der X-Achse und dem Wert auf der Y-Achse: mehr Geld (X) bedeutet mehr Punkte (Y). Nun kann man durch dieses Gebilde eine Linie ziehen, die so etwas wie eine Schwerlinie und damit eine Gesetzmäßigkeit für die Punktwolke darstellt.

Natürlich sind die Mannschaften nicht alle auf der Linie; wären sie es, wäre Fußball langweilig, weil berechenbar. So aber kann im einzelnen Spiel alles passieren, wenn auch nicht alles mit derselben Wahrscheinlichkeit. Daher zeigen die Punkte nur einen Trend, der durch die Trendlinie beschrieben wird.

Ziemlich genau dem Trend folgen die Teams der Slowakei, Ukraine, von Polen, Italien Portugal und England. Mannschaften unter der Trendlinie erreichen weniger Punkte als es ihrem Marktwert entspricht; Mannschaften über der Trendlinie erreichen mit weniger Kapitaleinsatz einen höheren FIFA-Rang. Mit dem Wert der österreichischen Nationalmannschaft könnte man also einen etwas höheren FIFA-Rang erwarten.

Der Gewinner ist Belgien. Die belgische Nationalmannschaft erreicht mit einem ähnlichen Kapitaleinsatz wie das Nachbarland Niederlande um 200 FIFA-Punkte mehr und führt damit die FIFA-Weltrangliste an.

Wie viele FIFA-Punkte kann eine Mannschaft mit gegebenem Wert erzielen?

Das beantwortet die Formel der Trendlinie:

FIFA = 101*ln(WERT) + 976

Beispiel Österreich

Die österreichische Nationalmannschaft hat einen Wert von 321 Mio. € und müsste daher „wenn Geld Fußball spielt“ 101*ln(321)+976 = 1.559 FIFA-Punkte haben. Tatsächlich hat Österreich etwas weniger, 1.523 Punkte. Passt!

Welche Wertsteigerung braucht ein Land, um 100 FIFA-Punkte aufzuholen?

Wenn also Österreich 100 FIFA-Punkte aufholen soll, muss der Wert der Nationalmannschaft steigen:

FIFA = 101*ln(WERT) + 976       (-)
FIFA+100 = 101*ln(WERT1) + 976 (+)
------------------------------
100 = 101 (ln(WERT1)-ln(WERT))
ln(WERT1)-ln(WERT1) = 100/101
ln(WERT1) = 100/101 + ln(WERT)
WERT1 = exp(100/101 + ln(WERT))

WERT... derzeitiger Wert der Nationalmannschaft
WERT1...Erforderlicher Wert für 100 zusätzliche FIFA-Punkte
WERT1 = exp(100/101 + ln(321)) = 864 Millionen € 

Österreichs Liga müsste also mehr Spieler des Typs „Alaba & Co“ in den großen Ligen platzieren und dabei sind die Vereine, vor allem aber auch der ÖFB und die Bundesliga gefordert. Mehr und bessere Ausbildung, mehr und bessere Infrastruktur, für einen höheren Stellenwert von Fußball sorgen, um den Werbewert zu steigern.

Underdogs

Natürlich gibt es sie, die Underdogs, die mit vergleichsweise geringerem Einsatz einen hohen FIFA-Rang erreichen als es ihrem Mannschaftswert entspricht. Das sind etwa Belgien, Nordirland, Island, Serbien, Frankreich oder Dänemark.

Umgekehrt gibt es auch Mannschaften mit einem hohen Mannschaftswert und einem gleichzeitig unterdurchschnittlichen FIFA-Rang. Dazu zählen Kosovo, Kazachstan, Slowenien, Schottland aber auch Deutschland.

Aber nach der Euro schaut vieles wieder anders aus und diese Zeilen und Zahlen werden neu zu schreiben sein.

UEFA-Punkte

So, wie das bei der FIFA-Weltrangliste für die Nationalmannschaften errechnet wurde, kann man das auch für das UEFA-Landesranking anwenden. Hier muss man aber entscheiden, ob man als Wertmaß den durchschnittlichen Mannschaftswert einer Liga oder den gesamten Wert einer Liga verwendet. Im Diagramm wird der Gesamtwert der Liga verwendet, weil eine einzelne Mannschaft nicht an dem UEFA-Ranking teilnehmen kann. Bei der Berechnung der Punkte eines Landes spielt die Anzahl der teilnehmenden Mannschaften eine wichtige Rolle.

Wegen des großen Wertebereichs der UEFA-Punkte wurde auch für die y-Achse eine logarithmische Skalierung gewählt.

Das Diagramm zeigt in ziemlich entmutigender Weise die extreme Dominanz der Ligen mit dem größten (Fremd-)Kapitaleinsatz England und Spanien und auch den uneinholbaren Abstand zwischen den Top-Ligen und dem großen Rest.

Wie viele UEFA-Punkte kann ein Land mit gegebenem Wert der Liga erzielen?

Das beantwortet die Formel der Trendlinie:

UEFA = 12*ln(WERT) - 36

Beispiel Österreich

Die österreichische Bundesliga hat einen Wert von 358 Mio. € und müsste daher „wenn Geld Fußball spielt“ 12*ln(358)-36 = 34,6 UEFA-Punkte haben. Tatsächlich hat Österreich 35,8 Punkte, liegt also sehr genau auf dem zu erwartenden Wert der Trendlinie.

Welche Wertsteigerung braucht eine Liga, um 10 UEFA-Punkte aufzuholen?

UEFA = 12*ln(WERT)-36      (-)
UEFA+10 = 12*ln(WERT1)-36 (+)
-------------------------
10 = 12 (ln(WERT1)-ln(WERT))
ln(WERT1)-ln(WERT) = 10/12
ln(WERT1) = 10/12 + ln(WERT)
WERT1 = exp(10/12 + ln(WERT))

WERT... derzeitiger Wert der Liga
WERT1...Erforderlicher Wert für 10 zusätzliche UEFA-Punkte

Nehmen wir also an, dass Österreich 10 UEFA-Punkte aufholen will. Die gewünschte Punktezahl ist 35+10 = 45.

Dann müsste der Wert aller Mannschaften der Liga auf

WERT1 = exp(10/12 + ln(358)) = 824 Millionen € 

steigen.

Um das zu erreichen, gibt es mehrere Möglichkeiten: Anwerbung von Investoren, die für die Differenz von 466 Millionen € aufkommen, also etwa drei weitere „Mateschitz“, mit allen unerwünschten Nebenwirkungen. Das wäre der englische Weg.

Als zweite Möglichkeit fällt mir ein, die Betriebsbedingungen für Fußballvereine (viel) stärker zu reglementieren; und das nicht nur in Österreich, sondern europa- und weltweit. (Das ist so erfolgversprechend wie weltweite Steuergerechtigkeit.)

Es gibt dazu Ansätze wie das „Financial Fair Play“, doch was nützt es, wenn man dann einen als „unfair“ entlarvten Verein wie Machester City über irgendeine Hintertür doch wieder an den Bewerben teilnehmen lässt. In unseren Breiten wird die Eigentumspflicht der Vereine mit der Formel 50%+1 beschrieben. Gleichzeitig wird eine Konstruktion wie die von Red Bull als „Verein“ in der Gemeinschaft von Fußballvereinen zugelassen. Wie soll man das verstehen?

Noch eine dritte Möglichkeit ist nicht ganz utopisch, insbesondere, wenn der Klimawandel uns alle zu ungewöhnlichen Aktivitäten zwingen wird. Unsere Fußballwelt widerspiegelt in ihrer Art lediglich das umgebende Wirtschaftssystem, ähnlich wie die Spiele im antiken Kolosseum die römische Welt abstrahiert haben. In unserem Wirtschaftssystem, ist ein kleiner Teil der Menschen für einen großen Teil der CO2-Belastung verantwortlich, ähnlich ungleich wie auch die Vermögen ungleich verteilt sind. Möglicherweise werden wir uns diese Freizügigkeit nicht ewig leisten können. Und wenn sich das Wirtschaftssystem ändern wird, wird sich auch die Welt des Fußballs verändern – hoffentlich zum Besseren.

Seien wir ehrlich: wenn wir es mit dem Klimawandel ernst meinen, müssen wir alles hinterfragen, was unseren Alltag ausmacht. Es wird an neuen Steuermodellen gebastelt, die uns in dieser Richtung motivieren sollen.

Bei der kommenden Europameisterschaft ist der UEFA ein Negativ-Bespiel der Extraklasse gelungen, wenn man die Veranstaltung aus der Sicht des Klimaschutzes betrachtet. Wenn tatsächlich Fans mit ihrer Mannschaft mitreisen wollen, dann sind sehr viele Flugkilometer angesagt. Österreich spielt seine Gruppenspiele in Bukarest, Amsterdam und dann wieder in Bukarest. Bei den anderen Mannschaften wird es nicht besser sein. Und es fliegt ja nicht nur die Mannschaft, es fliegen auch Tausende Fans von Spiel zu Spiel. Vielleicht ist ja der Punkt nicht mehr so weit, dass übergeordnete Klimaschutz-Gesetze den internationalen Fußball in unserer heutigen Form verunmöglichen. Beispiel: Keine Auswärtsfans bei internationalen Spielen. Weiters ist auch denkbar, dass jeder Person nur ein bestimmtes Kontingent für Flugreisen zur Verfügung steht; alles, was darüber hinaus geht, wird (wie ein Luxusgut) besteuert.

Das alles kann eventuell zukünftig Änderungen in der Wirtschaft und damit auch im Fußball herbeiführen.

Links

Liga und ‚Nati‘ II

Liga und ‚Nati‘ II

Im Beitrag „Liga und ‚Nati‘“ wurden die europäischen Ligen und Nationalmannschaften aufgrund ihrer Punkteausbeute verglichen. Jetzt soll es um den Wert dieser Mannschaften gehen.

Der Wert einer Mannschaft kann durch die Wertesumme der einzelnen Spieler beschrieben werden. Die Seite transfermarkt.at bietet eine gute Vergleichsmöglichkeit für die Mannschaftswerte und darauf bezieht sich der folgende Artikel.

Wert einer durchschnittlichen Ligamannschaft

Die Zahlen stammen aus der Seite „Alle Wettbewerbe Europas“ von transfermarkt.at.

Der Gesamtwert einer Liga wurde durch die Zahl der an der Liga beteiligten Mannschaften dividiert, was einen durchschnittlichen Wert einer Mannschaft dieser Liga ergibt.

Beispiel Österreich

Wert der Liga: 358,45 Millionen €
Zahl der Mannschaften: 12
Durchschnittlicher Wert einer Mannschaft: 29,9 Millionen Euro

Dieser ziemlich hohe Wert kommt natürlich durch die Mannschaft von RB zustande, die allein einen Wert von 152 Millionen € darstellt. Rapid liegt mit einem Mannschaftswert von 40 Millionen fast im Durschnitt der Liga. Würde RB nicht an der Liga teilnehmen, wäre der durchschnittlich Wert einer Mannschaft 18,8 Millionen €.

Mit diesem durchschnittlichen Mannschaftswert liegt Österreich gerade an der Grenze zu den größeren Ligen.

Grafik: Wert einer durchschnittlichen Ligamannschaft

<3 Millionen €

GIB, SMR, NIR, IRL, FRO, WAL, AND, LUX, ISL, EST, LTU, MLT, KOS, MNE

<10 Millionen €

FIN, LAT, MDA, MKD, GEO, ARM, ALB, BIH, BLR, SVK, SLO, AZE, BUL, NOR, KAZ, ISR, CYP

<30 Millionen €

HUN, SRB, SWE, ROU, POL, CZE, DEN, GRE, SCO, SUI, CRO, UKR, AUT

< 100 Millionen €

TUR, BEL, NED, RUS, POR

<300 Millionen €

FRA, ESP, ITA, GER

>300 Millionen €

ENG

Wert der Nationalmannschaft

Die Zahlen stammen aus der Seite „Die wertvollsten A-Nationalmannschaften“ von transfermarkt.at.

Eine Nationalmannschaft hat immer einen höheren Wert als eine durchschnittliche Liga-Mannschaft, weil sie eine Auslese der besten Spieler ist, deren Marktwert in der Regel ihrer fußballerischen Qualität folgt.

Grafik: Wert einer Nationalmannschaft

<30 Millionen €

BLR, AZE, ARM, BUL, LUX, KAZ, CYP, NIR, ISL, GEO

<100 Millionen €

ISR, BIH, FIN, KOS, MKD, ALB, MNE, ROU, HUN, IRL, SRB, GRE

<300 Millionen €

SVK, SLO, WAL, CZE, RUS, UKR, SWE, NOR, SCO, POL, SUI

<1000 Millionen €

DEN, AUT, TUR, CRO, NED, BEL, ITA, POR, ESP, GER

>1000 Millionen €

FRA, ENG

(Wert ‚Nati‘) / (Wert Liga)

Weil eine Nationalmannschaft eine Auslese der besten Spieler ist und diese Spieler meist auch den höheren Wert haben, ist die Nationalmannschaft immer wertvoller als eine der Mannschaften in der Liga. Wenn also der Wert einer Nationalmannschaft zwei bis drei Mal höher ist als die einer durchschnittlichen Ligamannschaft, dann ist das eine solche Auswahl einer heimischen Liga.

Wenn aber die Spieler eines Landes in besser zahlenden Ligen spielen, steigt damit der Spielerwert stark an. Wenn der Teamchef sein Team mit solchen Spielern verstärkt oder – so wie das bei Österreich der Fall ist – praktisch ausschließlich mit Legionären bestückt, kann der Wert der Nationalmannschaft auch bedeutend höher sein.

Der Multiplikator, um den die Nationalmannschaft wertvoller ist als ein durchschnittliches Team der heimischen Liga, ist ein Hinweis darauf, wie große der Anteil von Spielern ist, die in den größeren Ligen spielen.

Mehrwert einer Nationalmannschaft

<3 (Keine Legionäre)

BUL, KAZ, AZE, CYP, BLR

<10 (Wenige Legionäre)

ENG, ITA, RUS, GER, ESP, ARM, GRE, ISR, FRA, ROU, UKR, HUN, GEO, TUR, SRB, BIH

<30 (Viele Legionäre)

AUT, NED, LUX, ISL, SUI, SCO, CZE, POR, CRO, BEL, FIN, ALB, DEN, MKD, POL, SWE, KOS, SVK, SLO, MNE

<100 (Sehr viele Legionäre)

NOR, NIR, IRL

>100 (Extrem)

WAL

Ob nun wirklich „viele Legionäre“ am Nationalteam beteiligt sind oder nur einige Spieler mit einem großen Marktwert, kann man nicht genau sagen. Österreich hat einen gefühlt 100%igen Anteil an Legionären, rangiert aber in der oberen Tabelle unter „viele Legionäre“. Das heißt also, dass die Spieler zwar in fremden Ligen spielen aber nicht am dort höchsten Wertniveau gereiht sind.

Alles zusammen

Man kann alle diese Zahlen in einer Grafik zusammenfassen. Die Datenpunkte kennzeichnen den Wert der Liga (X-Achse) und den Wert der Nationalmannschaft (Y-Achse). Die 45°-Gerade „Nati=Liga“ kennzeichnet Nationalmannschaften, die denselben Wert wie eine durchschnittliche Ligamannschaft hat. Auf dieser Linie liegt daher kein Datenpunkt.

Die nächsten Linien sind der zehnfache und der hundertfache Wert einer durchschnittlichen Ligamannschaft.

Grafik: Wer der Nationalmannschaft und Wert einer mittleren Ligamannschaft

Der Wert der Österreichischen Nationalmannschaft liegt etwa auf dieser Linie, der Wert der Nationalmannschaft ist etwa zehnmal höher als der Wert einer Ligamannschaft in der obersten Liga in Österreich.

Extrem ist die Situation in Wales. Die dortige Liga ist eine kleine Liga, aber Fußballer aus Wales spielen bevorzugt in der Premier-League und steigern daher den Wert der Nationalmannschaft auf das 147-fache einer durchschnittlichen Liga-Mannschaft in Wales.

Links

Ist der Fußball noch zu retten?

Büchereien Wien, ballesterer, fairplay Initiative und tipp3 präsentieren

Club 2×11 – die Fußballdiskussion

Spiel der Supermächte: Ist der Fußball noch zu retten?

Montag, 7. Juni 2021, 19:30 Uhr

Vor-Ort und Live-Online-Veranstaltung, Online-Zugang über club2x11.at oder direkt über youtube.com/buechereienwien/live

Als in der Nacht zum 19. April 2021 zwölf der weltweit umsatzstärksten Fußballklubs aus England, Italien und Spanien angekündigt hatten, eine Super League zu gründen, erhielten die protestierenden Fans Unterstützung von ungewohnter Seite. UEFA-Chef Aleksander Čeferin zeigte sich empört über „diesen Nonsens eines Projekts, das auf Gier basiert“ und so „Fans und Gesellschaft ins Gesicht spuckt“. Noch am gleichen Tag besiegelte das Exekutivkomitee der UEFA eine Reform der Champions League, die durch ein Liga-System höhere Einnahmen für mehr Teilnehmer lukrieren soll.

Vier Tage vor dem Eröffnungsspiel der EURO 2021 diskutiert der Club 2 x 11, ob ausschließlich Geld den europäischen Profifußball regiert, ob zwischen offenem Größenwahn und offenkundiger Heuchelei Platz für die Ideale des Sports bleibt und von wem sich Fußballverbände abhängig machen sollten.

Podium

  • Antonia Hagemann, Geschäftsführerin von SD Europe > per Video zugeschaltet
  • Jörg Jakob, Chefredakteur des kicker > per Video zugeschaltet
  • Georg Pangl, ehem. Generalsekretär der European Leagues > vor Ort
  • Gernot Zirngast, Vorsitzender der Vereinigung der Fußballer > vor Ort

Moderation: Mareike Boysen, ballesterer > vor Ort

Live-Übertragung via https://youtube.com/buechereienwien/live

Für den Besuch unserer Veranstaltungen gilt die 3G-Regel. Für den gesamten Aufenthalt und auch während der Veranstaltung ist eine FFP2-Maske zu tragen.

Eine Ticket-Reservierung ist möglich auf: https://ticket.wien.gv.at/M13STB/.

Bananenliga

Es wäre ja nicht das erste Mal, dass in Österreichs Fußball sportliche Erfolge durch illegale Machenschaften erzielt worden wären. Wir erinnern uns an Sturm, GAK und Wacker Innsbruck, deren Vereinsführungen Meistertitel ergaunert haben und diese Titel nicht zurückgeben mussten; nicht zu vergessen der LASK in einer Nebenrolle. Das erstaunt umso mehr, als die jeweiligen Verlierer diese Titel hätten einfordern können, das aber nicht getan haben; möglicherweise eine Folge der Stimmenverhältnisse oder der uns weniger bekannten Regeln in der Bundesliga. Stattdessen hat man sich in der Liga darauf beschränkt, die Bedingungen für eine Lizenz zu verschärfen.

Diese Entscheidungen in der Vergangenheit sagen uns, dass man in Österreich Titel ergaunern kann, ohne Gefahr zu laufen, die Trophäen zurückgeben zu müssen. Die Vereinsverantwortlichen müssen sich zwar Gerichtsverfahren stellen, aber seitens der Liga müssen sie keine Sanktionen erwarten; die Titel und die damit verbundenen finanziellen Vorteile werden von keinem der Verlierer infrage gestellt.

Fall SV Mattersburg

Der SV Mattersburg hat alljährlich die Hälfte seines Budgets, etwa 5 Millionen Euro, aus Sponsorverträgen lukriert. Das ist schon beachtlich, kein anderer Verein der „Kleinen“ konnte so viele Sponsorgelder aufbringen.

Der größte Teil dieser Sponsorsumme stammte aber von der Commerzialbank Mattersburg. Es gab auch andere Sponsoren aber deren Sponsorsummen waren vergleichsweise unbedeutend. Den Lizenzgutachtern der Bundesliga wäre eine solche Unsymmetrie natürlich aufgefallen, dass nämlich eine kleine burgenländische Bank mit einem solchen Top-Sponsoring bei einem Fußballverein einsteigt, und sie hätten sicher genauer nachgefragt.

Um diesen großen Geldfluss von der Commerzialbank zu verschleiern, wurde durch Manipulation der Sponsorsummen die Rolle der Commerzbank heruntergespielt. Ihre eigentliche Sponsorsumme wurde stark reduziert, einige Sponsorverträge (Energie Burgenland) sollen mit viel höheren Summen verbucht worden sein als sie tatsächlich wert waren, andere Sponsorverträge (Wüstenrot) sollen frei erfunden gewesen sein. Jahrelang. Das Geld für das Scheinsponsoring soll aus fingierten Krediten der Commerzialbank stammen. Der eigentliche Geldfluss wurde verschleiert, und daher erhielt man von der Bundesliga eine Lizenz und konnte sich viele Jahr lang in der obersten Spielklasse halten. Hätte man die realen Zahlen eingesetzt, wäre klar geworden, dass die Commerzialbank der Hauptgeldgeber war und dieser Sponsorbetrag wäre bei der Bundesliga als unrealistisch hoch aufgefallen. Bericht DerStandard.

In der Bundesliga ist es derzeit egal, von wo Geld für den Fußball kommt. Sie ist da in guter Gesellschaft, die letzte oberstinstanzliche Entscheidung zugunsten von Manchester City liegt ganz auf dieser Linie. Im Artikel „Waffengleichheit im Fußball“ wird die Beliebigkeit der Geldquelle infrage gestellt, und es wird verlangt, dass nur Geld, dass durch Fußball erwirtschaftet wurde, auch im Vereinsbudget aufscheinen darf.

So ist es aber derzeit nicht und es spricht also derzeit nichts dagegen, dass jemand in Fußball investiert, allerdings sollte er das Geld dazu auch besitzen, was aber im Fall der Commerzialbank nicht der Fall war. Es ist wie ein Klein-RedBull „ich leiste mir einen Fußballverein“, aber mit illegaler Geldbeschaffung.

Im Falle des SV Mattersburg geht es nicht um Titel, aber es geht um den Abstieg und damit auch um Wettbewerbsverzerrung durch Betrug. Wenn also der SV Mattersburg in der Vergangenheit Gelder unrechtmäßig erhalten hat, dann mussten dafür andere Vereine absteigen, und dann ist das so ähnlich wie mit einem ergaunerten Titel: es gibt rückwirkend offenbar keine Konsequenzen.

Der Bundesliga geht es allein darum, ob der Spielbetrieb für die kommende Saison gesichert ist. Ob das Geld „stinkt“, also von wo es letztlich kommt, scheint der Bundesliga ziemlich egal zu sein. Darauf deutet das Interview eines Mitglieds des Senat 5 hin.

Was den interessierten Beobachter verblüfft, ist das Angebot der Bundesliga an den SV Mattersburg, einem Verein, der offenbar die Prüfer bei der Bundesliga jahrelang über die wahre Einnahmequelle getäuscht hat, jetzt dazu eingeladen wird, ein neues Konzept vorzulegen, so, als wäre das alles nicht passiert. Würde also Mattersburg einen Investor aus dem Hut zaubern – Gerüchte gibt es genug – wären alle diese Machenschaften der Vergangenheit egal?

Mir fällt diese Vorkommnisse in Vergangenheit und Gegenwart kein anderer Begriff ein als „Bananenliga“, wobei weniger die Akteure der Bundesliga das Problem sind, denn sie handeln nach Regeln, die von den teilnehmenden Vereinen festgelegt worden sind; Regeln, denen ausreichend klare Konsequenzen zu fehlen scheinen, weil diese theoretisch jeden Verein treffen könnten.

Alles in Allem stellen wir ein Totalversagen der Prüfer fest, allen voran der TPA. Aber auch die Prüfer der Bundesligisten dürften vieles aus jahrelanger Gewohnheit einfach ohne Kontrolle übernommen haben. „Same procedure as every year.“

Links

1.8.2020

31.7.2020

30.7.2020

29.7.2020

Waffengleichheit im Fußball

Zusammenfassung

In diesem Beitrag wird verlangt, dass der Fußball wieder zu dem werden soll, zu dem er ursprünglich angetreten ist. er soll die Sehnsucht der Menschen nach Siegen und Titel in einem fairen Wettbewerb erfüllen und nicht die Eitelkeit oder Gewinnsucht Einzelner befriedigen. Es wäre nicht allzu schwer, einen solchen Zustand in Österreich herzustellen.

ManCity-Liverpool 5:0

Als außenstehender Beobachter kann man in England die Brieftasche des Eigentümers als Vergleichsmaß für die Spielstärke heranziehen und sich fragen, ob es die 22 Milliarden von Mansour bin Zayed Al Nahyan (Eigentümer von Manchester City) waren, die heute gegen die mickrigen 1,4 Milliarden von John Henry (Eigentümer von Liverpool) 5:0 gewonnen haben oder ob es ein verständlicher Motivationseinbruch des bereits jetzt feststehenden englischen Meisters war, der für das überraschend deutliche Ergebnis sorgte.

In der englischen Premier League sind alle Clubs im mehr oder weniger Eigentum eines Magnaten, Tycoons, Oligarchen, Scheichs… Liste In dieser Liga haben also alle den „Zaubertrank“. Die Budgets der Vereine können von deren Eigentümer – je nach Finanzbedarf – viel höher sein als es dem üblichen Geschäftsgang von Fußballvereinen entspricht.

Warum tun die das?

Wir kennen diese Typen nicht, wir können nur vermuten. Ein banaler kaufmännischer Grund könnte sein, dass das insgesamt defizitäre Fußballgeschäft den Gewinn im Sinne einer Steuerersparnis verringert. Es kann sein, dass der Verein zum Werbeträger der eigenen Marke wird. Was soll man überhaupt mit so viel Geld tun?

Schließlich sind wir es selbst, die den neuen Eigentümern durch unsere eigene Sucht nach Titel die Tür zur Beherrschung der Vereine öffnen.

Jene Superreichen, die es schaffen, einen Verein ganz nach oben zu pushen, sind Teil eines Sandkastenspiels, dem wir, das zahlende Publikum, wie vom dritten Rang des Kolosseums zuschauen dürfen.

Die Sehnsucht nach einer normalen Fußball-Welt

Der Chancenlosigkeit der meisten europäischen Ligen gegenüber den 4-5 großen macht es verständlich, dass sich Anhänger in den kleinen Ligen nach dem „Football old style“ sehnen.

Österreichische Ungleichheit der besonderen Art

Während man in dem ansonsten sehr geschätzten englischen Fußball von einer Art Waffengleichheit sprechen kann, weil eben alle Vereine über Fremdmittel verfügen, die im Fußballgeschäft allein nicht verdient werden können, herrscht in Österreich zwischen den Vereinen eine Ungleichheit der besonderen Art. Ähnlich sind die Verhältnisse in Frankreich.

In der österreichischen Bundesliga gibt es mit RB einen Verein der Art „koste es was es wolle“, wobei in diesem Zusammenhang „Verein“ wohl nicht die richtige Bezeichnung ist. In einem Bericht von 90minuten.at werden 150 Mitglieder von Red Bull Salzburg genannt. Auf der Seite von transfermarkt.at gar nur Null Mitglieder.

Alle anderen Vereine mühen sich damit ab, um aus dem vorhandenen Interesse des Werbemarkts das Geld zum Überleben zu erwirtschaften. Alle Vereine müssen schwere Entscheidungen für das wirtschaftliche Überleben und gegen den sportlichen Erfolg treffen. Wir wissen zum Beispiel nicht, wie es um die Finanzen von Rapid bestellt ist; bei dieser Größe kann bald das Licht ausgehen, und wir werden ja sehen, ob man nicht Spieler abgeben wird müssen, nur um den Betrieb aufrecht erhalten zu können.

Alles das braucht der Serienmeister nicht kalkulieren. Entscheidungen dieser Art kennt man dort nicht.

Fairness

Die Entdeckung des Sports im 19. Jahrhundert erscheint wie die Erfüllung der Sehnsucht nach Gerechtigkeit in einer ansonsten ungerechten Welt. In der Welt des Sports gilt das eigene Können, der eigene Fleiß, die eigene Motivation. Einheitliche Regeln für alle ermitteln den Besten oder die Beste.

Dass wir diesem Wettbewerb millionenfach folgen können, ist eine Folge der jüngeren Technikgeschichte.

Ein Sportbetrieb musste immer schon zunächst wirtschaftlich erfolgreich sein, um überhaupt von sportlichen Erfolgen träumen zu können. Aber der Aspekt der Wirtschaftlichkeit dürfte bis in die Mitte des 20: Jahrhunderts noch von geringerer Bedeutung gewesen sein. Mit zunehmendem Publikumsinteresse über Medien, stieg auch der Finanzierungsanteil durch Werbung. Aber das alles ist ja noch Teil eines fair anmutenden Wettbewerbs. Mehr Werbung, mehr Zuschauer, mehr Fernsehminuten, mehr Einnahmen.

Diese Mechanismen werden aber durch die neuen Besitzverhältnisse in Vereinen völlig durcheinander gebracht. Es ist ganz gleichgültig, ob in Salzburg jemand wirbt oder nicht wirbt, das Geld ist einfach da. Das aber widerspricht diesem ursprünglichen Gedanken der Fairness völlig. Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Meistertitel und dem Ausmaß an Zuspruch seitens der Werbewirtschaft, weil die gar nicht gebraucht wird. Meistertitel dienen nicht zur Erfüllung der Sehnsucht des Publikums nach solchen Titeln, sie dienen nur der Aufrechterhaltung einer Marketinglüge.

Marktwerte

Im Schnitt hat ein österreichischer Fußballspieler einen Marktwert von 756.000 Euro. Aufgeschlüsselt nach Vereinen schwankt der durchschnittliche Spielerwert zwischen 256.000 € (Tirol), 923.000 € (Rapid) und 3.680.000 € (RB). Genauer zeigt es diese Grafik. (Daten aus Transfermarkt)

Zahlenwerte aus Transfermarkt.at

Spielergehälter

Um einen Spieler mit dem dreieinhalbfachen Marktwert eines Spielers von Rapid in Österreich zu halten, bedarf es auch entsprechend höherer Spielergehälter. Als Außenstehende können wir diese Gehälter nur schätzen. Wenn wir auch nicht die genaue Höhe dieser Gehälter kennen, die Verhältnisse der Gehälter werden dieser Grafik folgen.

Wir sind die besten!

Die Interviews der Spieler und Trainer von RB hören sich an, als wäre es tatsächlich ihre eigene Leistung gewesen, die den neuerlichen Titelgewinn ermöglicht hat. Mitnichten!

Einerseits haben sie zwar nicht unrecht, dass jeder von ihnen Spitzenfußballer ist. Allerdings ist es der Gehalt, der sie zusammenhält, und es ist ein Gehalt, der nicht durch ihre eigene Leistung erwirtschaftet wurde. Sollten diese SPieler zufällig bei eine, Verein gelandet und hätte sie dort den Titel geholt, wären diese Spieler nach der Erringung des Meistertitels in alle Winde zerstreut, so wie das bei anderen Mannschaften, die nicht das nötige Kleingeld haben, die Spieler zu halten, auch der Fall ist.

Auch wenn es einem der Verfolger punktuell gelingt, RB zu überholen, ist das nur eine Eintagsfliege, denn die Spieler, denen das gelingt, folgen in der darauf folgenden Saison „dem Ruf des Goldes“.

Konzern statt Verein

In Österreich ist der Gegner Nummer 1 nicht ein Verein wie andere. Abgesehen von den finanziellen Möglichkeiten, Spieler halten zu können, hat RB ein ganzes Netzwerk von Zwiegstellen gegründet: Salzburg, Liefering, Leipzig, Ghana, Brasilien, NewYork. (siehe https://sports.bwin.com/de/news/infografiken/red-bull-imperium-salzburg-leipzig-new-york)

Das Netzwerk bietet Spielern Ausbildung im Heimatland, Aufstiegschancen, höhe Gehälter, beste Bedingungen. Das Imperium reduziert das Risiko von Transferflops und reduziert die Abwanderungstendenz der Spieler.

Aus dieser Ungleichheit der Finanzierungsmöglichkeiten entstand im Laufe der Jahre ein derartiges Übergewicht, dass die Liga zu einem langweiligen Schauspiel ausgeartet und lediglich die Frage interessant ist, wer der Zweite ist, denn der erste Platz ist praktisch nach dem Saisonstart bereits vergeben.

Alles für eine Marketinglüge

Das Ziel eines Fußballvereins ist es, Titel für seine Anhängerschar zu holen. Normalerweise. Bei RB ist das aber nicht so. RB hat gar kein Interesse an Fans. Das Ziel des Projekts ist einzig und allein der Beweis einer Werbelüge durch eine Vielzahl sportlicher Projekte. Es wäre gleichgültig, ob in Wals-Siezenheim Zuschauer sitzen oder nicht, es ist egal, ob sich Anhänger vom Verein abwenden. Es ist überhaupt nicht beabsichtigt, Anhänger an den Verein zu binden; es geht nur darum mit einem sportlichen Titel eine andere Marke zu stärken. Und dieses Motiv ist nicht ein Begleitmotiv, sondern das Hauptmotiv.

Und daher ist RB kein Fußballverein im herkömmlichen Sinn. Es dient nicht dem Publikum sondern einer Marke.

Fußball wird also instrumentalisiert und daher sollte sich der Fußball wehren.

Langeweile statt Spannung

Der Erfolg ist ein „Vogerl“ und das „Vogerl“ verweilt nicht nur auf einem Baum.

Fußball auf dem Niveau von Fußballvereinen ist deshalb so interessant, weil auch der kleinere Erfolg haben kann. In der Geschichte alter Fußballvereine sind zwei Meistertitel in Folge etwas ganz Besonders. Acht Titel in Folge hat es noch nie gegeben, weil die Kräfteverhältnisse im Bereich des klassischen Fußballs keine solchen Dominanzen erlauben.

Diese Unvorhersagbarkeit von Toren, Siegen und Titel ist es, die Fußball interessant machen. Wenn es einmal soweit ist wie derzeit in Österreich, wo es keine Frage ist, wer Meister wird, sondern nur, mit wie vielen Punkten Abstand, wo es keine Frage ist, wer gewinnt, sondern nur mehr wie hoch, dann beginnt Fußball seinen Sinn zu verlieren, weil die Hoffnung, die jeder Anhänger ins Stadion mitbringt, zunichte gemacht wird.

Durch Quersubventionierung werden die Kräfteverhältnisse zugunsten eines Vereins so verschoben, dass es nicht mehr um Sieg oder Niederlage geht, sondern nur darum, wie viele Tore der Dominator erzielt. Für Zuschauer wird es langweilig. Das Spiel, das für ein breites Publikum erfunden wurde, artet zu einem Spiel der Reichen aus, bei dem Publikum zugelassen wird. Man hat als Zuschauer das Gefühl der Manipulation und soll eventuell einem Meister huldigen, von dem man weiß, dass nur fremderwirtschaftetes Geld diese Dominanz ermöglicht.

Kann man was dagegen tun?

Am Anfang wäre es einfach gewesen. Damals 2005 als RB ins Geschäft einstieg, war schon klar, dass hier kein klassischer Fußballverein ensteht, sondern eine Firma mit ganz anderen Absichten als andere Vereine sie haben. Man hätte damals einfache Regeln einführen können, die definieren, was denn so ein Fußballverein sein soll und unter welchen Bedingungen man sich unterstützend beteiligen kann.

Aber dass ein Verein in die Liga kommt, der nicht am Werbemarkt mitnascht, war für die Verantwortlichen anscheinend zu attraktiv. Ob sie das heute auch so entscheiden würden?

Das Problem ist, dass Fußballvereine zu einem Bewerb antreten, um für ihre Anhänger Meister zu werden, RB aber einer Marketingaussage zur Wahrheit verhelfen will, dass nämlich ein wertloses Getränk Flügel verleiht. Würde RB sich in die Reihe der Interessenten an Fußballwerbung einreihen, könnte es einen Verein über eine Schriftzug am Trikot sponsern oder die Liga zu einer RB-Liga machen. Stattdessen macht RB ihren Spielern glauben, dass sie um einen Meistertitel kämpfen, stattdessen vermehren sie den Wert einer Limonadenfabrik.

Nun hat auch die Aufschrift „Wien Energie“ diesen Zweck, aber eben nur in einem Ausmaß, das einen vertretbaren Werbeaufwand in einem Energieunternehmen darstellt. Werbeetats sind ja nicht beliebig groß und sie sind knapp kalkuliert.

Die Lösung im Sinne von mehr Fairness ist einfach – zumindest für uns „Milchmädchenrechner“, es muss klarer definiert sein, was ein Fußballverein ist und was kein Fußballverein ist. RB ist kein Fußballverein und hat auch nicht Probleme eines solchen Vereins zu überwinden und daher sollte er auch nicht in einem Wettbewerb von Fußballvereinen teilnehmen.

An einer Bundesliga-neu dürften nur Vereine teilnehmen, die solche sind. Es gibt weder eine Beteiligungsmöglichkeit am Vereinseigentum also auch keine 50%+1-Aktien-Regel wie in Deutschland, noch gibt es Schenkungen, die sich in einem Sponsoring verstecken, also etwa eine Phantasiesumme für einen Trikot-Sponsor. Werbung ist natürlich zulässig und Teil des Wettbewerbs, aber ihre Summen dürfen ein ortsübliches Ausmaß nicht überschreiten.

Dass so etwas gar nicht so unüblich in einem regulierten Wettbewerb ist, kann man auch an der Förderung politischer Parteien sehen, wo man eine Förderobergrenze eingezogen hat, die dann relativ plump auch ausgenutzt wurde. Und genau mit diesen Problemen müsste sich dann die Liga auch auseinandersetzen. Derzeit muss sie ja offenbar nur darauf schauen, dass ein Verein ausreichend dotiert ist. Dann müsste sie auch darauf achten, ob Obergrenzen bei den Einnahmen nicht überschritten werden.

Obergrenzen können durchaus großzügig bemessen sein, sollte ein potenter internationaler Konzern bei einem Verein als Sponsor anklopfen, weil ihm das neue österreichische Modell imponiert, sollte für ein solches Engagement „Luft nach oben“ sein. Aber es sollte eben nicht möglich sein, den heimischen Markt monopolhaft zu dominieren.

Wie kommt man zu einer solchen Liga?

Ganz einfach, man löst die bisherige Bundesliga auf und gründet eine neue mit diesen geänderten Voraussetzungen.

Nun kann man einwenden, dass ein solches Modell eine Art Lex „Rapid“ ist, würde sie doch die Nummer Zwei schlagartig (wieder) zur Nummer Eins machen.

Dass man das nicht befürchten muss, dafür sorgt der Wettbewerb und die historische Erfahrung. Wir müssen nur die Folge der Meistertitel der letzten 50 Jahre hernehmen, um zu sehen, das Rapid keineswegs eine solche Rolle eingenommen hat.

Eine solche Bundesliga-neu bedeutet nicht automatisch, dass aus einem Serienmeister RB ein Serienmeister Rapid werden würde, weil die Unterschiede zwischen den Vereinen viel geringer sind, als die derzeitigen Unterschiede zu RB. Wie man an der obigen Grafik sieht, gibt es keinen gravierenden Unterschied zwischen dem Mannschaftswert von Rapid und des LASK. Dagegen übersteigt der Mannschaftswert von RB den von Rapid um 300 Prozent.

Würden die kleinen Vereine mitmachen?

Die kleinen Vereine bilden die Mehrheit in der Bundesliga und ohne begleitende Maßnahmen werden sie einer solchen Umstrukturierung wohl nicht zustimmen, denn ihnen kann es egal sein, wer Meister wird, weil ihre eigene Chance auf einen Titel zu gering ist. Aber man könnte sie für eine solche Bundesliga-neu gewinnen, wenn man ihnen dafür eine flache Verteilung der Fernsehgelder zubilligt. Derzeit gibt es ja einen Verteilungsschlüssel, der verschiedene wünschenswerte Kriterien wie Publikumszuspruch oder Österreicher-Anteil bewertet.

Würde der ÖFB so eine neue Ordnung begrüßen?

Das Ziel eines Landesverbandes ist auch eine möglichst hohe Positionierung im europäischen Ligensystem. Dass Österreich in der kommenden Saison von Platz 12 startet, ist schon beachtlich und zu einem großen Teil auf die Erfolge von RB zurückzuführen. Eine Obergrenze bei der Finanzierung von Vereinen würde diesen Höhenflug jäh abbremsen.

Wenn das Investitionsvolumen in die Liga sinkt, wird der ÖFB in dieser Frage wohl in Opposition gehen. Und das würde auch der Haltung der UEFA und FIFA in Finanzierungsfragen von Fußballklubs entsprechen. Dort stößt sich auch niemand daran, dass längst das Kapital bestimmt, wer die Titel holt und Spieler zu Marionetten, Vereine zu abhängigen Handlangern und Zuschauer werden.

So eine Rückkehr zu „Football old style“ hätte eben auch ihren Preis.

Corona und Fußball

Wer hätte gedacht, dass unsere Auswärtsfahrt nach Wolfsberg am 15.3. die letzte für lange Zeit werden würde. Und die nächste Auswärtsfahrt nach Salzburg war auch schon in Planung. Der Salzburg-Fanbus war am Freitag, 13.3. bald nach dem Verkaufsstart ausverkauft. Am Montag 17.3. kauften wir voller Optimismus noch unsere Karten, am Dienstag wurde dieser Vorverkauf gestoppt. Am Freitag verkündete die Regierung, dass sich jetzt alles ändern werde im Land.

Fußballspiel Zero

Am 19. Februar stieg im Mailänder San Siro das Champions-League-Spiel zwischen Atalanta Bergamo und dem FC Valencia. Heute sind die Epidemiologen sicher: die Partie mit 44.000 Zuschauern verstärkte die Ausbreitung des Coronavirus in der Region massiv. (stern.de vom 23.3.2020)

Von Mäusen und Elefanten

Heute ist es unwichtig, ob der Rapid-Kapitän verlängert oder wer Meister wird. Die Frage, wann überhaupt wieder Fußball gespielt werden kann, überragt alles andere. Doch eine zweite Frage gesellt sich dazu und zwar die, ob der Profifußball diese Krise überhaupt überleben wird.

Wenn in der Savanne längere Zeit Dürre herrscht, wird es für die dort lebenden Tiere eng, besonders für jene mit einem großen Nahrungsbedarf. Und so sonderbar das auch ist, das kleine Nagetier Maus hat in dieser Situation größere Überlebenschancen als der unbesiegbar scheinende Elefant. Große Tiere könne nur bei einem ausreichend stabilen Nahrungsangebot überleben.

Admira-Geschäftsführer Drabek hat am 16.3. Christoph Peschek angegriffen, weil sich Rapid Sorgen um den massiven Einnahmen-Ausfall macht und bezeichnete das als „Einzelinteresse“. (Bericht vom 16.2.2020 in laola1 und anderen Medien). Man sieht, die Rollen sind verteilt. Der Elefant möge sich nicht beklagen, die Maus finde ja auch ihr Auslangen in der ausgetrockneten Landschaft. Ein Elefant weniger wäre für die Geier ein gefundenes Fressen.

Glücklicherweise ist ein moderner Betrieb kein unflexibler Elefant. Ein Betrieb kann für einige Zeit in eine Art Winterstarre verfallen, dabei die Kosten auf ein Minimum reduzieren und – vor allem – kann ein Betrieb mit solidarischer Unterstützung des Staates rechnen. Aber Profi-Fußball-Vereine sind Betriebe mit „besonderen Bedürfnissen“.

Alle Anhänger des Fußballsports stellen sich bei den Ablöse- und Gehaltssummen der Topspieler immer wieder die Frage, ob denn Menschen einen solchen Wert haben können, der für sie bezahlt wird. Und die Antwort ist: ja, denn das Geld ist vorhanden, und es wird nur in die Spieler investiert. Die Summen wären zwar nicht gar so hoch, wenn nicht auch noch reiche Eigentümer die Preisspirale nach oben anheizen würden, aber Bayern München zeigt, dass man auch ohne Investor mithalten kann.

Das Motto der Rapid-Geschäftsführung, alle Einnahmen wieder dem Fußballbetrieb zuzuführen, ist allen Fußballvereinen gemeinsam. Und da diese Einnahmen wegen der hohen Popularität beachtlich sind, fließen die erwirtschafteten Gelder in diese 20-30 Spieler und das Trainerteam. Gewinne, die als Dividende an die Eigentümer ausgeschüttet werden, sind ja nicht vorgesehen. Gewinn, das ist der sportliche Erfolg.

Wenn Betriebe geschlossen werden müssen, kann der Betrieb, unterstützt durch den Staat, diese Kosten des Stillstands, also laufende Betriebskosten, Kredit- und Steuerzahlungen sowie Löhne weiterzahlen. Und bei den Löhnen erfand der Staat ein Kurzarbeitsmodell, das sehr attraktiv ist und den Betrieben einen raschen Neustart und den Beschäftigten den Arbeitsplatz sichert. Allerdings bezieht sich dieses Modell auf „normale“ Arbeitnehmer, also solche mit klassischen Arbeitnehmerverträgen. Verträge von Fußballprofis werden durch dieses Kurzarbeitsmodell nicht bedient.

Sportminister Werner Kogler hat in einer der ersten Pressekonferenzen zu den Unterstützungsmaßnahmen ergänzt, dass natürlich auch Sportvereine unterstützt werden, die ihre laufenden Kosten nicht bezahlen können – im Bildbericht wurde der SK Breitenfurt vorgestellt, schloss aber auch gleichzeitig die Stützung des Fußball-Profibetriebs aus.

Wie jeder andere Betrieb kann ein Fußballverein sein Personal in Kurzarbeit schicken und bekommt den größten Teil der Kosten ersetzt. Aber der Profibetrieb hat – anders als Produktionsbetriebe – durch die weiterlaufenden Spieler- und Trainergehälter enorme laufende Personalkosten bei gleichzeitigem Entfall aller Einnahmen. Und dieser Umstand setzt Fußballvereine mit einem Profibetrieb unter einen besonderen Druck, der eine existenzielle Dimension hat. Und je größer der Wert der Mannschaft und deren Lohnkosten sind, desto früher droht das finanzielle Aus.

Daher sind die Elefanten in diesem Gewerbe mehr gefährdet als die Mäuse.

Solidarität

Ob alle Profifußballvereine diese Krise überstehen werden, weiß man derzeit noch nicht, dass es aber ungemütlich wird, das zeigen erste Berichte aus Deutschland. Am 20.3. zitiert der Kurier Zoran Barisic: „Es geht darum, den Fortbestand von Rapid zu sichern“. Eine Solidarisierung aller am Fortbestand von Rapid Interessierter wird nötig sein.

Solidaritätsbeitrag des BlockWest

Der eindringliche Aufruf des Blocks an alle seine Mitglieder, zu Hause zu bleiben und der Vordruck für die Nachbarschaftshilfe (siehe Rapidviertelstunde-218) sind schon eindrucksvolle Beispiele von Solidarität, die sogar das sonst offen zu Schau gestellte Kriegsbeil gegenüber der Obrigkeit begraben lässt – für die Dauer der Krise, versteht sich;-)

Solidaritätsbeiträge der Profis

Das, was in „Friedenszeiten“ als Marktwert eines Spieler gehandelt wurde und auf dem auch die Gehälter aufbauten, dürfte derzeit wie eine Aktie ins Bodenlose fallen. So wie der Handel an Börsen punktuell ausgesetzt wird, dürften Transfers in diesen Tagen schwierig werden. Freiwilliger Gehaltsverzicht der Spieler wird wohl ein Solidaritätsbeitrag sein müssen. In Deutschland werden darüber hinaus Geisterspiele als Überlebensmittel angedacht.

Solidaritätsbeiträge der Anhänger

Wenn ich in meine Geldbörse blicke, schaut das nicht so aus, als könnte ich Rapid helfen, aber solche wie mich gibt es viele. Und wenn auch derzeit der Weg in den Fanshop verunmöglicht wird, der Online-Fanshop ist jederzeit geöffnet und ein Osterset (oder Gleichwertiges um 100,- Euro) ergibt schon eine Menge – wenn alle es tun! Wenn 10.000 Fans aus Solidarität ein Osterset kaufen, ist das immerhin eine Million.

Bitte kaufen, bitte kaufen, bitte kaufen Augustin Osterset! (frei nach Ján Klimeš), den grün-weißen Augustin-Verkäufer)

Solidaritätsbeiträge der Abonnenten und Mitglieder

Rapid-Mitglieder sollten wegen der nicht stattfindenden Spiele nicht streiten. Wie heißt es doch immer: „Rapid gehört seinen Mitgliedern“, und als Eigentümer müssen wir versuchen, den Kahn über Wasser zu halten.

Solidaritätsbeiträge der Investoren

Ende des Jahres steht die erste Rückzahlung für die 5-jährigen Rapid-Investoren an. Und das bedeutet für Rapid eine zusätzliche Belastung und die sich’s leisten können, könnten in einer solidarischen Aktion diese Rückzahlung auf ein späteres Jahr hinausschieben, also in einer gemeinsamen Aktion aus einer 5-jährigen eine 7-jährige, aus einer 7-jährigen eine 9-jährige und aus einer 9-jährigen eine 11-jährige Investition machen.

Feind

Derzeit ist es keine Frage, wie das nächste Spiel wohl ausgeht, heute fragen sich die Fußball-Interessierten, wann wohl überhaupt das nächste Spiel und das nächste mit Publikumsbeteiligung stattfinden wird. Die Optimisten reden vom Mai, Fachleute sagen, dass es den Fußball, wie wir ihn gekannt haben, im heurigen Jahr überhaupt nicht geben wird können (Virologe des Hamburger Instituts für Tropenmedizin, 20.3.2020 stern.de). Wie wir am Beginn dieses Artikels gehört haben, wird vermutet, dass das Fußballspiel Atalanta Bergamo gegen Valencia einen wesentlichen Einfluss auf die starke Verbreitung des Virus in Norditalien hatte. Man wird seitens der Regierungen sicher nicht zulassen, dass ein Erfolg im Kampf gegen das Virus – das wären also sinkende Infektionszahlen – durch Massenveranstaltungen gleich wieder zunichte gemacht wird. Die Freigabe von Massenveranstaltungen wird erst ganz am Ende des Tunnels stehen. Olympia wird abgesagt und in Hütteldorf würde gleichzeitig Fußball gespielt werden? Kaum vorstellbar!

Der Grund für diese lange Dauer der Epidemie ist unsere Art, die Ausbreitung der Krankheit durch Isolationsmaßnahmen zu bekämpfen. Wir erreichen dadurch zwar ein Abflachen der Kurve, aber der Preis ist eine längere Dauer. Aber warum dauert es länger?

Die strichlierte horizontale Linie symbolisiert die Grenze unseres Gesundheitssystems. Die beiden Flächen (rot und blau) sind gleich.

Herdenimmunität

Über Boris Johnson wird berichtet, dass er auf die „Herdenimmunität“ vertraut hätte. Man machte es ihm zum Vorwurf, dass er die Dinge einfach laufen lässt (rote Kurve oben) – mit einem gewissen Schutz für die Alten. Nun haben aber auch wir – mangels Impfstoff – kein anderes Konzept als eben diese Herdenimmunität, denn erst, wenn ein ausreichend großer Teil der Bevölkerung erkrankt und wieder genesen (und dadurch immunisiert) sein wird, hat eine Neuerkrankung keine Verbreitungsmöglichkeit mehr, das Virus wäre dann besiegt. Genaugenommen findet das Virus keinen Wirt mehr, weil alle bereits immun sind. Die „Herde“ entspricht der Fläche unter der Kurve. Bei COVID-19 müssen das etwa 60% der Bevölkerung sein bei Masern 90%, weil Masern eine höhere Reproduktionsrate hat.

Sowohl der rote also auch der blaue Verlauf betreffen einen großen Teil der Bevölkerung, doch die strichlierte Linie deutet die Kapazität des Gesundheitssystems an. Mit dem blauen Verlauf können alle schwerer Erkrankten behandelt werden, im roten Verlauf blicken wir auf kriegsähnliche Zustände wie sie teilweise aus Oberitalien gemeldet werden.

Der „Sieg“ besteht nicht darin, dass man sich Erkrankung erspart, sondern darin, dass man eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindert. Auch die blaue Kurve zielt auf eine Herdenimmunität ab, doch durch restriktive Maßnahmen werden nur kleinere Wachstumsraten zugelassen, damit eben das Gesundheitssystem nicht zusammenbricht. Es dauert dadurch aber länger, bis möglichst viele – hoffentlich mit wenigen Nebenwirkungen – erkrankt und wieder genesen sind.

Leider bedeutet das nicht Gutes für den Fußball, denn die Fußballpause wird dadurch deutlich länger. Beachtet, dass wir uns erst ganz am Anfang der Kurve befinden – hoffentlich der blauen – und erst wenn sich keine Zuwächse mehr zu beobachten sein werden, haben wir die Hälfte dieses Prozesses hinter uns. Und derzeit ist das noch überhaupt nicht abzusehen.

Dunkelziffer

Bei den paar Tausend Erkrankten, die wir heute zählen schaut das eher wie ein endloser Prozess aus bis alle „durch“ sind. Dabei kommt uns aber die Dunkelziffer der Erkrankung zu Hilfe, denn die liegt zwischen 5 und 50 (so genau weiß das niemand). (Meldungen in der ZIB 2 am 23.3.2020 und im Kurier vom 20.3.2020). Je höher die Dunkelziffer – das sind also Personen, die infiziert sind, das aber nicht bemerken und dennoch Überträger sind – desto größere Teile der Bevölkerung werden angesteckt und sind nach ihrer Genesung immunisiert.

Prognose

Beachtet die Meldungen im Fernsehen. Prognosen hört man wenige. Nicht, dass man keine Modelle dafür hätte, aber eine Publikation dieser Modelle wäre für die meisten sehr deprimierend. Dabei sind Prognosen gerade bei so gut beschreibbaren Phänomenen wie dem einer Epidemie durchaus möglich. Man kann sich aber gut an den Absagen anderer Veranstaltungen orientieren, was uns in den nächsten Monaten im Fußball erwartet: Formel 1, Olympia usw.

Verlauf der positiv Getesteten in Österreich.
Ein geradliniger Verlauf bedeutet einen gleichmäßig exponentiellen Anstieg der Fallzahlen.

Wir beobachten die Fallzahlen bereits seit 27 Tagen, dem ersten Auftreten des Virus am 26.2.2020. Am 16.3. starteten unsere gemeinsamen Bemühungen zur „Abflachung der Kurve“. Heute, eine Woche danach, können wir tatsächlich eine leichte Verflachung feststellen, einen Stillstand der Zunahme sieht man aber noch nicht. Am Freitag, 20.3. erstellte ich eine Prognose (blaues Bild) ausgehend von den Zahlen des Gesundheitsministeriums auf https://info.gesundheitsministerium.at. Der Maßstab der Darstellung in logarithmisch, weil sich exponentielle Anstiege in dieser Darstellung als Geraden abbilden. Daher sind Änderungen der Zuwachsraten durch Krümmungen der Testwerte gut sichtbar. Am 20.3. wurde diese Gerade mit drei Wachstumsraten bis zum Palmsonntag verlängert. rot: 30% Zuwachs pro Tag, gelb 20% Zuwachs pro Tag und grün: 10% Zuwachs pro Tag.

Heute, am 24.3., ist die weiße Linie der Fallzahlen bereits etwas weiter gewandert und man würde schätzen, dass die Fallzahl am Palmsonntag eher über der 10.000-er Marke liegen wird, weil die Fallzahlen derzeit über der grünen 10%-Linie zu liegen kommen. Wenn aber unsere Bemühungen auch in der laufenden Woche die ansteigende Gerade weiter nach unten biegen, könnten wir unter der 10.000er-Marke in der Osterwoche ankommen.

Solange diese Kurve ansteigt, haben wir das Maximum noch nicht erreicht. Es könnte sein, dass das am Ostersonntag der Fall sein wird, aber es muss nicht sein. Und auch wenn, wäre das erst der halbe Weg. Seien wir also optimistisch, und meinen wir, dass es aber Ostersonntag wieder bergab gehen könnte. Dafür gibt es auch noch ein zweites Merkmal und das sind die Genesenen, die heute noch gar keine Rolle spielen aber in drei Wochen kann das schon anders ausschauen. Mit steigender Zahl an Genesenen verflacht nämlich die Kurve weiter, weil uns nicht die insgesamt Infizierten sondern die tatsächlich Erkrankten interessieren. Aber zu Ostern werden wir schon 46 Tage mit dem Virus befasst gewesen sein und erst dann beginnt – hoffentlich – der Abstieg und der wird wenigstens ebenso lang dauern, also bis 28.5.2020.

Was wir damit noch nicht erreicht haben dürften, ist die Herdenimmunität, denn die erfordert bei der Reproduktionsrate des COVID-19-Virus von etwa 2,5-3,5, dass etwa 70% der Bevölkerung erkranken müssen. Daher wird der ganze Prozess immer wieder von vorne beginnen und wieder abklingen, wenn auch bei Weitem nicht so stark. Echte Entspannung wird sich erst einstellen, wenn ein Impfstoff gefunden werden wird. Also auch wenn diese hohen Infektionszahlen vorbei sein werden, gibt es noch lange keinen Alltag und es wird lange dauern, jedenfalls viel länger als ein paar Wochen, bis wir uns wieder im Stadion werden treffen können.

Dass Bundesliga-Spiele im Mai stattfinden, könnte sein, allerdings bestenfalls als Geisterspiele. Verbündete des Fußballs könnten die Schulen sein, die ja auch für den Jahresabschluss und die Mature öffnen sollen. Für uns Zuschauer wird es in dieser Saison wohl keinen Stadionbesuch mehr geben. (Weiter Hinweise über den Verlauf siehe Link weiter hinten).

Die Chinesen haben es doch auch geschafft!

Nehmen wir an, wir machen es den Chinesen nach. Der erste Fall in China wurde am 19.1.2020 gemeldet. Am 8.4.2020 wird man in Wuhan wieder zum Alltag zurück kehren. Das sind 80 Tage mit dem Virus. Übertragen auf Österreich bedeutet das: am 26.2.2020 wurde in Österreich der erste Fall gemeldet, am 16.5.2020 kehrt wieder die Normalität ein.

Aber wir sind keine Chinesen! Unsere Gesellschaften sind sehr verschieden. Die Maßnahmen, die in China getroffen worden sind, sind in unseren Breiten schwer vorstellbar. Im „Weltjournal“ wurde eine Reportage über die Situation in Peking gezeigt. Es herrschte ein totales und durch zivile Blockwarte überwachtes Ausgehverbot mit Absperrungen vor den Eingängen zu den Wohnblocks. Die Wohngebiete wurden durch Botendienste versorgt. Alle Einwohner wurden und werden durch Handy-Apps verfolgt, und im Infektionsfall werden alle Kontaktpersonen automatisch identifiziert und danach unter Quarantäne gestellt. Gebrauchtes Bargeld wird gereinigt und danach 14 Tage lang nicht ausgegeben. Uvam.

Viele dieser Maßnahmen sind bei uns nicht vorstellbar, aber sie haben in ihrer Radikalität bewirkt, dass im April in Wuhan wieder ein Alltag einkehren kann. Eine Bewegungsfreiheit in unserem Sinn wird in China aber auch im April nicht gegeben sein. Um sich bewegen zu dürfen, benötigt man eine Gesundheitsbestätigung, die am Handy eingetragen ist und die natürlich auch überwacht werden kann. Wegen dieser Ungleichheit der Systeme dürfen wir nicht so optimistisch sein, dass in 80 Tagen alles vorbei sein wird. Es wird länger dauern.

Und auch wenn Geschäfte längst wieder offen sein werden; Menschenansammlungen werden das Letzte sein, was die Behörden erlauben werden, denn diese Ansammlungen trugen sowohl in Italien (SanSiro), in Spanien (internationaler Frauentag) und Österreich (Wintertourismus) stark zur Verbreitung bei.


Link

Wer sich grundsätzlich mit dieser Thematik befassen will, dem empfehle ich die Studie von Tomas Pueyo mit dem Titel „Der Hammer und der der Tanz“ (Wie die nächsten 18 Monate aussehen könnten. Man erkennt, dass die deutsche Version eine automatische Übersetzung ist), in ein Word-Dokument umgewandelt von meinem Freund Robert.

Ungleiche Welten

Da kommen Spieler aus dem Olymp des europäischen Fußballs nach Wien und sagen, dass sie einen solchen Rasen nicht gewöhnt wären, Spieler einer Mannschaft mit 300 Millionen € Umsatz und einem Mannschaftswert von 600 Mio € , also 10-20 mal des Mannschaftswerts von Rapid.

Wir wissen aber, wie viel der Verein in die Rasenverbesserung investiert hat und wie dringend das Geld sicher anderswo hätte verwendet werden können.

Diese Unterschiede waren nie so groß wie heute. Und daher sind auch historische Vergleiche nicht gerade angebracht.

Top-20-Fußballvereine der Welt

Der Umstand, dass Rapid mit Inter gegen einen der Top-20-Vereine gespielt hat, ist doch bemerkenswert. Nach einer Publikation von Deloitte hat keiner dieser Vereine unter 200 Millionen Euro Umsatz und verfügt über eine Mannschaft, deren Marktwert etwa 50% über dem Umsatz liegt.

Auffällig ist, dass die Marktwerte der Mannschaften nicht stetig den Budgets folgen. Das dürfte daran liegen, dass man die Entwicklung der Spieler schwer voraussagen kann. Verletzungen, Abgänge, Formkurve, Tabellenplatz des Teams, das alles wirkt sich auf den Marktwert der Spieler aus und ist größeren Schwankungen unterworfen als das Budget.

Untersucht man den Zusammenhang zwischen dem UEFA-Platz und dem Budget findet man große Unterschiede. Alle Vereine über der Linie erreichen mit einem „vergleichsweise“ niedrigeren Budget einen besseren Platz und bei den Vereinen unter der Linie ist es genau umgekehrt.

Während in dieser Top-20-Gruppe die Budgets zwischen 200 und 800 Millionen (1:4) schwanken, liegen die Vereine im Bereich 1…87 und nicht – wie man vermuten könnte 1..20.

Besonders die Ausreißer nach unten, also AC Milan, Inter, Everton und WestHam sind interessant, die im UEFA-Ranking sogar hinter Rapid liegen. Dazu muss man wissen, dass die beiden italienischen Vereine zwei, bzw. drei Jahre lang nicht im internationalen Bewerb vertreten waren und daher weniger Punkte sammeln konnten. Wegen der sehr ausgeglichenen Ausschüttung der Fernsehgelder bei englischen Klubs, kann jeder Verein in der Premier-League mit einem 200 Millionen-Euro-Budget rechnen. 100 Millionen kommen aus den Fernsehgeldern und die anderen 100 Millionen von den sonstigen Einnahmen. Und diese Einnahmen hängen wenig von internationalen Begegnungen ab. Westham und Everton spielten seltener internaional und daher sind sie im UEFA-Rankung weiter unten.

Insgesamt zeigt uns die Streuung, dass auch mit viel Geld sich die Plätze „an der Sonne“ nicht automatisch einstellen und das ist auch der Grund, warum Fußball so populär ist.

Österreichische Bundesliga

In der österreichischen Bundesliga werden kleinere Semmeln (bei uns gibt’s keine „Brötchen“) gebacken. Schon allein die Mitteilungsfreude ist in der Liga nicht sehr ausgeprägt. Höchst selten verirrt sich eine Statistik in eine Zeitung, jedenfalls nicht mit einem aktuellen Datum.

In Österreich haben die Fernsehgelder, um die gerade gerungen wird, nur bei den kleinen Vereinen einen großen Einfluss auf das Budget, und auch nur dann, wenn man sie gleichmäßig verteilen würde. Es ist aber in ganz Europa üblich, verschiedene Leistungsschlüssel anzuwenden.

Würde RB in einer großen Liga angehören,.wäre das Rose-Team automatisch unter den europäischen Top-20-Teams, weil die finanzielle Grundausstattung mit 100 Millionen Umsatz gegeben ist und die Fernseheinnahmen vernachlässigbar sind.

RB das mit Abstand reichste Team. Die folgende Vierergruppe, Rapid, Austria, LASK und Sturm ist so etwas wie das Mittelfeld im Budget-Ranking.

Die beiden folgenden Diagramme bringen Kaderwert (entspricht etwa dem Budget) und die Platzierung in Zusammenhang. Es gilt, dass die Vereine links von der Trendlinie eher überdurchschnittlich und jene rechts von der Trendlinie unterdurchschnittlich abschneiden.

Zunächst das Saisonergebnis des Vorjahres, Austria unter Wert geschlagen, Sturm dagegen schneidet besser ab,

Hier folgt die Situation Ende Februar 2019. LASK, St.Pölten und Wolfsberg gehören zu den Gewinnern, Rapid und Austria zu den Verlieren.

Nach dem Wunder vom Sonntag gegen RB hofft die ganze Rapid-Familie auf eine Wiederholung am kommenden Samstag gegen St.Pölten.

Links

Kommerz und Kapital: Kapituliert der Fußball?

ballesterer, Club 2×11, Hauptbibliothek, Fairplay und tipp3 luden zur Podiumsdiskussion in der Hauptbibliothek am Urban Loritz Platz. Mona Müller (w24) moderierte die Runde:

vlnr:
Hans Peter Trost, ORF-Sportchef; Michael Wulzinger, Journalist (Der Spiegel) und Autor (Football Leaks); Mona Müller (w24); Markus Kraetschmer, Vorstand FK Austria Wien, Bundesliga-Vizepräsident; Oliver Prudlo, Vereinigung der Fußballer & Ex-Bundesligaprofi

Die Beteiligten gaben Einblicke in die Problematik der Finanzierung von Fußball in einer Zeit, in der sich die „wirklich Reichen“ dieses (für sie) Wirtschaftszweiges annehmen, teils aus Profitabsicht, teils zur Befriedigung persönlicher Eitelkeiten „von Scheich bis Oligarch“. Die Preisspirale dreht sich scheinbar unaufhaltsam nach oben und erfordert immer weitere Interessenten, die das System mit Geld speisen.

Die Rolle der Spielevermittler wurde an extremen Beispielen dargestellt. Da es nur relativ wenige dieser Vermittler gäbe, die dann bei der Preisbildung allergrößtes Interesse an steigenden Preisen haben und bei einem Transfer ihre Provisionen sowohl vom Käufer, Verkäufer als auch vom Spieler selbst kassieren und das in einer ziemlich unanständigen Höhe.

Aber nicht nur die Spielervermittler, auch die Spieler selbst drehen an der Spirale nach oben, weil sie sehr oft nicht dem sportlichen Erfolg folgen sondern dem Geld – wie man dem Beispiel von Anthony Modeste sehen kann, der bei seinem neuen Arbeitgeber in China ein Vielfaches von dem bekommt, das er bei Köln verdient hat.

Ebenso ist bei allen Diskussionsbeiträgen die Rolle der „Schurkenstaaten“ angeklungen, die es ermöglichen, dass Gewinne an den nationalen Steuerbehörden vorbeigeschummelt werden.

Das Geschäft besteht aus dem Einkauf billiger aber talentierter Spieler, ihrer Ausbildung und Verkauf. Beispiel Sadio Mané. RB verfünffacht seinen Preis, Southhampton verdoppelte ihn und Liverpool verdreifacht ihn gerade. Aber um in dieser Spirale mitbieten zu können, muss man auch den einen oder anderen Flop miteinkalkulieren, etwas, was bei RB kein Problem ist, bei den sonstigen „Groß“-klubs in Österreich aber ruinös sein kann.

Diese extreme Preisspirale kommt daher, dass Geld in einem fast beliebigen Ausmaß zur Verfügung steht; einerseits durch das ungebrochene Interesse der Anhängerschaft anderseits durch die angelockten Geldgeber des Großkapitals.

Es sind die enormen Preissteigerungen von Spielern, die es zu einem Top-Verein schaffen. Was es allein bringt, von Österreich in eine andere Liga zu gehen, zeigen die Wertsteigerungen bei Transfers ins Ausland. Ein Spieler kann sich natürlich nicht von einem Tag auf den anderen in seiner Art Fußball zu spielen so dramatisch verändern als es die Marktwerte umschreiben. Als Beispiel hier der Marktwertverlauf zweier Abgänge der letzten Saison:

Beide hatten 2017 nicht einen Leistungssprung sondern haben nur ihren Arbeitgeber gewechselt.

Und in diesem Wettbewerb, wer denn der Reichste von allen sei, steigen die Preise in astronomische Höhen. Dass die Preise für begehrte Spieler jenseits der Hundert-Millionen-Grenze liegen müssen, liegt allein schon daran, dass ein durchschnittlicher Premier-League-Club allein aus den Fernseheinnahmen mit etwa 140 Millionen Euro rechnen kann, mehr als alle österreichischen Bundesliga-Vereine im gesamten Vertragszeitraum von vier Jahren erlösen. Einen Spieler um 100 Millionen könnte ein solcher Verein fast selbst „stemmen“. Und wer sich nun einen Barcelona-Kicker einbildet muss, deutlich über diese Grenze hinausgehen.

Wir haben gehört, dass in den Spielerverträgen der spanischen Fußballer astronomische Ablösesummen festgeschrieben sind und diese im Falle von Neymar auch tatsächlich bezahlt wurden.

Als Beobachter aller dieser „Blasen“ wundere ich mich, dass man sich über diese Preisanstiege und Gewinne wundert. Fußball ist ein Geschäft, das die Massen begeistert, ähnlich wie es Bühnenstars können, die ebenso ein Millionenpublikum anziehen. Das System lebt von ständigen Wertsteigerungen, die ein ständig wachsendes Interesse erfordern. Das Interesse wird von allen Beteiligten hoch gehalten, vor allem auch durch die Medien, und man lässt nichts unversucht, „die Wüste zu begrünen“, d.h. die Frohbotschaft des Sports in Gegenden zu tragen, die dafür praktisch nicht geeignet sind und nur die Eitelkeit der Geldgeber befriedigt, in diesem Spiel an vorderster Front dabei sein zu dürfen.

Der klassische, europäische Weg wäre, in den interessierten Ländern eine Fußballinfrastruktur auf breiter Basis einzurichten (Ligensystem, Breitensport usw.) und dann versuchen aus eigener Kraft im Zirkus der Großen mitzumischen. Aber dieser Weg ist nicht etwas, was den Scheichs in Katar und den anderen Superreichen vorschwebt, denn das sind Prozesse, die man als Einzelner unter Umständen gar nicht erlebt.

Es waren sicher mehrere in der Zuhörerschaft, die diesen Entwicklungen eine klare Absage erteilen und den Fernseher bei Übertragungen internationaler Spiele einfach abdrehen und keinen Vertrag nur wegen der Übertragung der Bundesliga abschließen. Leider sind aber diese Einzelnen noch die Ausnahme und die Gewinnspirale kann sich munter nach oben drehen.

Alles, was man bei Fußball erlebt, ist eigentlich nur ein Abbild der Vorgänge in allen Wirtschaftszweigen und der Gesellschaft. Das öffentliche Interesse am Fußball macht die Vorgänger transparenter, aber alles das kommt auch in anderen Wirtschaftszweigen eben so vor, nur ist es eben nicht so offen gelegt.

Bis jemand kommt und sagt: „das sind ja nur Fußballspiele“ und sich die Blase beginnt zu verkleinern, wenn sie nicht ohnehin zerplatzt. Das könnte zum Beispiel passierten, wenn das Füllhorn des Erdölreichtums zu versiegen beginnt oder ein anderen Massenphänomen die derzeitigen Bedürfnisse der Anhänger auf bessere Art befriedigt.

Mein Tipp ist, dass es eines gesellschaftlichen Umbruchs bedarf, der das Recht auf schrankenlosen Besitz ohne jegliche gesellschaftliche Mitverantwortung einschränkt.

Der Auslöser für diese Diskussion war aber das neu erschienene Buch von Rafael Buschmann und Michael Wulzinger, die eine riesige Datenmenge betreffend Geschehnisse rund um Fußballerverträge und deren Hintergründe aufgearbeitet haben.  Beachtet bitte auch die Webseiten, die über diese „Fußball Leaks“ berichten.

Die Veranstaltung war sehr gut besucht, jeder Teilnehmer bekam einen Getränkegutschein, eine lokale Bücherei bot Bücher zum Verkauf an, Ausgaben des ballesterer konnte man kostenlos mitnehmen.

Links