Bananenliga

Es wäre ja nicht das erste Mal, dass in Österreichs Fußball sportliche Erfolge durch illegale Machenschaften erzielt worden wären. Wir erinnern uns an Sturm, GAK und Wacker Innsbruck, deren Vereinsführungen Meistertitel ergaunert haben und diese Titel nicht zurückgeben mussten; nicht zu vergessen der LASK in einer Nebenrolle. Das erstaunt umso mehr, als die jeweiligen Verlierer diese Titel hätten einfordern können, das aber nicht getan haben; möglicherweise eine Folge der Stimmenverhältnisse oder der uns weniger bekannten Regeln in der Bundesliga. Stattdessen hat man sich in der Liga darauf beschränkt, die Bedingungen für eine Lizenz zu verschärfen.

Diese Entscheidungen in der Vergangenheit sagen uns, dass man in Österreich Titel ergaunern kann, ohne Gefahr zu laufen, die Trophäen zurückgeben zu müssen. Die Vereinsverantwortlichen müssen sich zwar Gerichtsverfahren stellen, aber seitens der Liga müssen sie keine Sanktionen erwarten; die Titel und die damit verbundenen finanziellen Vorteile werden von keinem der Verlierer infrage gestellt.

Fall SV Mattersburg

Der SV Mattersburg hat alljährlich die Hälfte seines Budgets, etwa 5 Millionen Euro, aus Sponsorverträgen lukriert. Das ist schon beachtlich, kein anderer Verein der „Kleinen“ konnte so viele Sponsorgelder aufbringen.

Der größte Teil dieser Sponsorsumme stammte aber von der Commerzialbank Mattersburg. Es gab auch andere Sponsoren aber deren Sponsorsummen waren vergleichsweise unbedeutend. Den Lizenzgutachtern der Bundesliga wäre eine solche Unsymmetrie natürlich aufgefallen, dass nämlich eine kleine burgenländische Bank mit einem solchen Top-Sponsoring bei einem Fußballverein einsteigt, und sie hätten sicher genauer nachgefragt.

Um diesen großen Geldfluss von der Commerzialbank zu verschleiern, wurde durch Manipulation der Sponsorsummen die Rolle der Commerzbank heruntergespielt. Ihre eigentliche Sponsorsumme wurde stark reduziert, einige Sponsorverträge (Energie Burgenland) sollen mit viel höheren Summen verbucht worden sein als sie tatsächlich wert waren, andere Sponsorverträge (Wüstenrot) sollen frei erfunden gewesen sein. Jahrelang. Das Geld für das Scheinsponsoring soll aus fingierten Krediten der Commerzialbank stammen. Der eigentliche Geldfluss wurde verschleiert, und daher erhielt man von der Bundesliga eine Lizenz und konnte sich viele Jahr lang in der obersten Spielklasse halten. Hätte man die realen Zahlen eingesetzt, wäre klar geworden, dass die Commerzialbank der Hauptgeldgeber war und dieser Sponsorbetrag wäre bei der Bundesliga als unrealistisch hoch aufgefallen. Bericht DerStandard.

In der Bundesliga ist es derzeit egal, von wo Geld für den Fußball kommt. Sie ist da in guter Gesellschaft, die letzte oberstinstanzliche Entscheidung zugunsten von Manchester City liegt ganz auf dieser Linie. Im Artikel „Waffengleichheit im Fußball“ wird die Beliebigkeit der Geldquelle infrage gestellt, und es wird verlangt, dass nur Geld, dass durch Fußball erwirtschaftet wurde, auch im Vereinsbudget aufscheinen darf.

So ist es aber derzeit nicht und es spricht also derzeit nichts dagegen, dass jemand in Fußball investiert, allerdings sollte er das Geld dazu auch besitzen, was aber im Fall der Commerzialbank nicht der Fall war. Es ist wie ein Klein-RedBull „ich leiste mir einen Fußballverein“, aber mit illegaler Geldbeschaffung.

Im Falle des SV Mattersburg geht es nicht um Titel, aber es geht um den Abstieg und damit auch um Wettbewerbsverzerrung durch Betrug. Wenn also der SV Mattersburg in der Vergangenheit Gelder unrechtmäßig erhalten hat, dann mussten dafür andere Vereine absteigen, und dann ist das so ähnlich wie mit einem ergaunerten Titel: es gibt rückwirkend offenbar keine Konsequenzen.

Der Bundesliga geht es allein darum, ob der Spielbetrieb für die kommende Saison gesichert ist. Ob das Geld „stinkt“, also von wo es letztlich kommt, scheint der Bundesliga ziemlich egal zu sein. Darauf deutet das Interview eines Mitglieds des Senat 5 hin.

Was den interessierten Beobachter verblüfft, ist das Angebot der Bundesliga an den SV Mattersburg, einem Verein, der offenbar die Prüfer bei der Bundesliga jahrelang über die wahre Einnahmequelle getäuscht hat, jetzt dazu eingeladen wird, ein neues Konzept vorzulegen, so, als wäre das alles nicht passiert. Würde also Mattersburg einen Investor aus dem Hut zaubern – Gerüchte gibt es genug – wären alle diese Machenschaften der Vergangenheit egal?

Mir fällt diese Vorkommnisse in Vergangenheit und Gegenwart kein anderer Begriff ein als „Bananenliga“, wobei weniger die Akteure der Bundesliga das Problem sind, denn sie handeln nach Regeln, die von den teilnehmenden Vereinen festgelegt worden sind; Regeln, denen ausreichend klare Konsequenzen zu fehlen scheinen, weil diese theoretisch jeden Verein treffen könnten.

Alles in Allem stellen wir ein Totalversagen der Prüfer fest, allen voran der TPA. Aber auch die Prüfer der Bundesligisten dürften vieles aus jahrelanger Gewohnheit einfach ohne Kontrolle übernommen haben. „Same procedure as every year.“

Links

1.8.2020

31.7.2020

30.7.2020

29.7.2020

Waffengleichheit im Fußball

Zusammenfassung

In diesem Beitrag wird verlangt, dass der Fußball wieder zu dem werden soll, zu dem er ursprünglich angetreten ist. er soll die Sehnsucht der Menschen nach Siegen und Titel in einem fairen Wettbewerb erfüllen und nicht die Eitelkeit oder Gewinnsucht Einzelner befriedigen. Es wäre nicht allzu schwer, einen solchen Zustand in Österreich herzustellen.

ManCity-Liverpool 5:0

Als außenstehender Beobachter kann man in England die Brieftasche des Eigentümers als Vergleichsmaß für die Spielstärke heranziehen und sich fragen, ob es die 22 Milliarden von Mansour bin Zayed Al Nahyan (Eigentümer von Manchester City) waren, die heute gegen die mickrigen 1,4 Milliarden von John Henry (Eigentümer von Liverpool) 5:0 gewonnen haben oder ob es ein verständlicher Motivationseinbruch des bereits jetzt feststehenden englischen Meisters war, der für das überraschend deutliche Ergebnis sorgte.

In der englischen Premier League sind alle Clubs im mehr oder weniger Eigentum eines Magnaten, Tycoons, Oligarchen, Scheichs… Liste In dieser Liga haben also alle den „Zaubertrank“. Die Budgets der Vereine können von deren Eigentümer – je nach Finanzbedarf – viel höher sein als es dem üblichen Geschäftsgang von Fußballvereinen entspricht.

Warum tun die das?

Wir kennen diese Typen nicht, wir können nur vermuten. Ein banaler kaufmännischer Grund könnte sein, dass das insgesamt defizitäre Fußballgeschäft den Gewinn im Sinne einer Steuerersparnis verringert. Es kann sein, dass der Verein zum Werbeträger der eigenen Marke wird. Was soll man überhaupt mit so viel Geld tun?

Schließlich sind wir es selbst, die den neuen Eigentümern durch unsere eigene Sucht nach Titel die Tür zur Beherrschung der Vereine öffnen.

Jene Superreichen, die es schaffen, einen Verein ganz nach oben zu pushen, sind Teil eines Sandkastenspiels, dem wir, das zahlende Publikum, wie vom dritten Rang des Kolosseums zuschauen dürfen.

Die Sehnsucht nach einer normalen Fußball-Welt

Der Chancenlosigkeit der meisten europäischen Ligen gegenüber den 4-5 großen macht es verständlich, dass sich Anhänger in den kleinen Ligen nach dem „Football old style“ sehnen.

Österreichische Ungleichheit der besonderen Art

Während man in dem ansonsten sehr geschätzten englischen Fußball von einer Art Waffengleichheit sprechen kann, weil eben alle Vereine über Fremdmittel verfügen, die im Fußballgeschäft allein nicht verdient werden können, herrscht in Österreich zwischen den Vereinen eine Ungleichheit der besonderen Art. Ähnlich sind die Verhältnisse in Frankreich.

In der österreichischen Bundesliga gibt es mit RB einen Verein der Art „koste es was es wolle“, wobei in diesem Zusammenhang „Verein“ wohl nicht die richtige Bezeichnung ist. In einem Bericht von 90minuten.at werden 150 Mitglieder von Red Bull Salzburg genannt. Auf der Seite von transfermarkt.at gar nur Null Mitglieder.

Alle anderen Vereine mühen sich damit ab, um aus dem vorhandenen Interesse des Werbemarkts das Geld zum Überleben zu erwirtschaften. Alle Vereine müssen schwere Entscheidungen für das wirtschaftliche Überleben und gegen den sportlichen Erfolg treffen. Wir wissen zum Beispiel nicht, wie es um die Finanzen von Rapid bestellt ist; bei dieser Größe kann bald das Licht ausgehen, und wir werden ja sehen, ob man nicht Spieler abgeben wird müssen, nur um den Betrieb aufrecht erhalten zu können.

Alles das braucht der Serienmeister nicht kalkulieren. Entscheidungen dieser Art kennt man dort nicht.

Fairness

Die Entdeckung des Sports im 19. Jahrhundert erscheint wie die Erfüllung der Sehnsucht nach Gerechtigkeit in einer ansonsten ungerechten Welt. In der Welt des Sports gilt das eigene Können, der eigene Fleiß, die eigene Motivation. Einheitliche Regeln für alle ermitteln den Besten oder die Beste.

Dass wir diesem Wettbewerb millionenfach folgen können, ist eine Folge der jüngeren Technikgeschichte.

Ein Sportbetrieb musste immer schon zunächst wirtschaftlich erfolgreich sein, um überhaupt von sportlichen Erfolgen träumen zu können. Aber der Aspekt der Wirtschaftlichkeit dürfte bis in die Mitte des 20: Jahrhunderts noch von geringerer Bedeutung gewesen sein. Mit zunehmendem Publikumsinteresse über Medien, stieg auch der Finanzierungsanteil durch Werbung. Aber das alles ist ja noch Teil eines fair anmutenden Wettbewerbs. Mehr Werbung, mehr Zuschauer, mehr Fernsehminuten, mehr Einnahmen.

Diese Mechanismen werden aber durch die neuen Besitzverhältnisse in Vereinen völlig durcheinander gebracht. Es ist ganz gleichgültig, ob in Salzburg jemand wirbt oder nicht wirbt, das Geld ist einfach da. Das aber widerspricht diesem ursprünglichen Gedanken der Fairness völlig. Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Meistertitel und dem Ausmaß an Zuspruch seitens der Werbewirtschaft, weil die gar nicht gebraucht wird. Meistertitel dienen nicht zur Erfüllung der Sehnsucht des Publikums nach solchen Titeln, sie dienen nur der Aufrechterhaltung einer Marketinglüge.

Marktwerte

Im Schnitt hat ein österreichischer Fußballspieler einen Marktwert von 756.000 Euro. Aufgeschlüsselt nach Vereinen schwankt der durchschnittliche Spielerwert zwischen 256.000 € (Tirol), 923.000 € (Rapid) und 3.680.000 € (RB). Genauer zeigt es diese Grafik. (Daten aus Transfermarkt)

Zahlenwerte aus Transfermarkt.at

Spielergehälter

Um einen Spieler mit dem dreieinhalbfachen Marktwert eines Spielers von Rapid in Österreich zu halten, bedarf es auch entsprechend höherer Spielergehälter. Als Außenstehende können wir diese Gehälter nur schätzen. Wenn wir auch nicht die genaue Höhe dieser Gehälter kennen, die Verhältnisse der Gehälter werden dieser Grafik folgen.

Wir sind die besten!

Die Interviews der Spieler und Trainer von RB hören sich an, als wäre es tatsächlich ihre eigene Leistung gewesen, die den neuerlichen Titelgewinn ermöglicht hat. Mitnichten!

Einerseits haben sie zwar nicht unrecht, dass jeder von ihnen Spitzenfußballer ist. Allerdings ist es der Gehalt, der sie zusammenhält, und es ist ein Gehalt, der nicht durch ihre eigene Leistung erwirtschaftet wurde. Sollten diese SPieler zufällig bei eine, Verein gelandet und hätte sie dort den Titel geholt, wären diese Spieler nach der Erringung des Meistertitels in alle Winde zerstreut, so wie das bei anderen Mannschaften, die nicht das nötige Kleingeld haben, die Spieler zu halten, auch der Fall ist.

Auch wenn es einem der Verfolger punktuell gelingt, RB zu überholen, ist das nur eine Eintagsfliege, denn die Spieler, denen das gelingt, folgen in der darauf folgenden Saison „dem Ruf des Goldes“.

Konzern statt Verein

In Österreich ist der Gegner Nummer 1 nicht ein Verein wie andere. Abgesehen von den finanziellen Möglichkeiten, Spieler halten zu können, hat RB ein ganzes Netzwerk von Zwiegstellen gegründet: Salzburg, Liefering, Leipzig, Ghana, Brasilien, NewYork. (siehe https://sports.bwin.com/de/news/infografiken/red-bull-imperium-salzburg-leipzig-new-york)

Das Netzwerk bietet Spielern Ausbildung im Heimatland, Aufstiegschancen, höhe Gehälter, beste Bedingungen. Das Imperium reduziert das Risiko von Transferflops und reduziert die Abwanderungstendenz der Spieler.

Aus dieser Ungleichheit der Finanzierungsmöglichkeiten entstand im Laufe der Jahre ein derartiges Übergewicht, dass die Liga zu einem langweiligen Schauspiel ausgeartet und lediglich die Frage interessant ist, wer der Zweite ist, denn der erste Platz ist praktisch nach dem Saisonstart bereits vergeben.

Alles für eine Marketinglüge

Das Ziel eines Fußballvereins ist es, Titel für seine Anhängerschar zu holen. Normalerweise. Bei RB ist das aber nicht so. RB hat gar kein Interesse an Fans. Das Ziel des Projekts ist einzig und allein der Beweis einer Werbelüge durch eine Vielzahl sportlicher Projekte. Es wäre gleichgültig, ob in Wals-Siezenheim Zuschauer sitzen oder nicht, es ist egal, ob sich Anhänger vom Verein abwenden. Es ist überhaupt nicht beabsichtigt, Anhänger an den Verein zu binden; es geht nur darum mit einem sportlichen Titel eine andere Marke zu stärken. Und dieses Motiv ist nicht ein Begleitmotiv, sondern das Hauptmotiv.

Und daher ist RB kein Fußballverein im herkömmlichen Sinn. Es dient nicht dem Publikum sondern einer Marke.

Fußball wird also instrumentalisiert und daher sollte sich der Fußball wehren.

Langeweile statt Spannung

Der Erfolg ist ein „Vogerl“ und das „Vogerl“ verweilt nicht nur auf einem Baum.

Fußball auf dem Niveau von Fußballvereinen ist deshalb so interessant, weil auch der kleinere Erfolg haben kann. In der Geschichte alter Fußballvereine sind zwei Meistertitel in Folge etwas ganz Besonders. Acht Titel in Folge hat es noch nie gegeben, weil die Kräfteverhältnisse im Bereich des klassischen Fußballs keine solchen Dominanzen erlauben.

Diese Unvorhersagbarkeit von Toren, Siegen und Titel ist es, die Fußball interessant machen. Wenn es einmal soweit ist wie derzeit in Österreich, wo es keine Frage ist, wer Meister wird, sondern nur, mit wie vielen Punkten Abstand, wo es keine Frage ist, wer gewinnt, sondern nur mehr wie hoch, dann beginnt Fußball seinen Sinn zu verlieren, weil die Hoffnung, die jeder Anhänger ins Stadion mitbringt, zunichte gemacht wird.

Durch Quersubventionierung werden die Kräfteverhältnisse zugunsten eines Vereins so verschoben, dass es nicht mehr um Sieg oder Niederlage geht, sondern nur darum, wie viele Tore der Dominator erzielt. Für Zuschauer wird es langweilig. Das Spiel, das für ein breites Publikum erfunden wurde, artet zu einem Spiel der Reichen aus, bei dem Publikum zugelassen wird. Man hat als Zuschauer das Gefühl der Manipulation und soll eventuell einem Meister huldigen, von dem man weiß, dass nur fremderwirtschaftetes Geld diese Dominanz ermöglicht.

Kann man was dagegen tun?

Am Anfang wäre es einfach gewesen. Damals 2005 als RB ins Geschäft einstieg, war schon klar, dass hier kein klassischer Fußballverein ensteht, sondern eine Firma mit ganz anderen Absichten als andere Vereine sie haben. Man hätte damals einfache Regeln einführen können, die definieren, was denn so ein Fußballverein sein soll und unter welchen Bedingungen man sich unterstützend beteiligen kann.

Aber dass ein Verein in die Liga kommt, der nicht am Werbemarkt mitnascht, war für die Verantwortlichen anscheinend zu attraktiv. Ob sie das heute auch so entscheiden würden?

Das Problem ist, dass Fußballvereine zu einem Bewerb antreten, um für ihre Anhänger Meister zu werden, RB aber einer Marketingaussage zur Wahrheit verhelfen will, dass nämlich ein wertloses Getränk Flügel verleiht. Würde RB sich in die Reihe der Interessenten an Fußballwerbung einreihen, könnte es einen Verein über eine Schriftzug am Trikot sponsern oder die Liga zu einer RB-Liga machen. Stattdessen macht RB ihren Spielern glauben, dass sie um einen Meistertitel kämpfen, stattdessen vermehren sie den Wert einer Limonadenfabrik.

Nun hat auch die Aufschrift „Wien Energie“ diesen Zweck, aber eben nur in einem Ausmaß, das einen vertretbaren Werbeaufwand in einem Energieunternehmen darstellt. Werbeetats sind ja nicht beliebig groß und sie sind knapp kalkuliert.

Die Lösung im Sinne von mehr Fairness ist einfach – zumindest für uns „Milchmädchenrechner“, es muss klarer definiert sein, was ein Fußballverein ist und was kein Fußballverein ist. RB ist kein Fußballverein und hat auch nicht Probleme eines solchen Vereins zu überwinden und daher sollte er auch nicht in einem Wettbewerb von Fußballvereinen teilnehmen.

An einer Bundesliga-neu dürften nur Vereine teilnehmen, die solche sind. Es gibt weder eine Beteiligungsmöglichkeit am Vereinseigentum also auch keine 50%+1-Aktien-Regel wie in Deutschland, noch gibt es Schenkungen, die sich in einem Sponsoring verstecken, also etwa eine Phantasiesumme für einen Trikot-Sponsor. Werbung ist natürlich zulässig und Teil des Wettbewerbs, aber ihre Summen dürfen ein ortsübliches Ausmaß nicht überschreiten.

Dass so etwas gar nicht so unüblich in einem regulierten Wettbewerb ist, kann man auch an der Förderung politischer Parteien sehen, wo man eine Förderobergrenze eingezogen hat, die dann relativ plump auch ausgenutzt wurde. Und genau mit diesen Problemen müsste sich dann die Liga auch auseinandersetzen. Derzeit muss sie ja offenbar nur darauf schauen, dass ein Verein ausreichend dotiert ist. Dann müsste sie auch darauf achten, ob Obergrenzen bei den Einnahmen nicht überschritten werden.

Obergrenzen können durchaus großzügig bemessen sein, sollte ein potenter internationaler Konzern bei einem Verein als Sponsor anklopfen, weil ihm das neue österreichische Modell imponiert, sollte für ein solches Engagement „Luft nach oben“ sein. Aber es sollte eben nicht möglich sein, den heimischen Markt monopolhaft zu dominieren.

Wie kommt man zu einer solchen Liga?

Ganz einfach, man löst die bisherige Bundesliga auf und gründet eine neue mit diesen geänderten Voraussetzungen.

Nun kann man einwenden, dass ein solches Modell eine Art Lex „Rapid“ ist, würde sie doch die Nummer Zwei schlagartig (wieder) zur Nummer Eins machen.

Dass man das nicht befürchten muss, dafür sorgt der Wettbewerb und die historische Erfahrung. Wir müssen nur die Folge der Meistertitel der letzten 50 Jahre hernehmen, um zu sehen, das Rapid keineswegs eine solche Rolle eingenommen hat.

Eine solche Bundesliga-neu bedeutet nicht automatisch, dass aus einem Serienmeister RB ein Serienmeister Rapid werden würde, weil die Unterschiede zwischen den Vereinen viel geringer sind, als die derzeitigen Unterschiede zu RB. Wie man an der obigen Grafik sieht, gibt es keinen gravierenden Unterschied zwischen dem Mannschaftswert von Rapid und des LASK. Dagegen übersteigt der Mannschaftswert von RB den von Rapid um 300 Prozent.

Würden die kleinen Vereine mitmachen?

Die kleinen Vereine bilden die Mehrheit in der Bundesliga und ohne begleitende Maßnahmen werden sie einer solchen Umstrukturierung wohl nicht zustimmen, denn ihnen kann es egal sein, wer Meister wird, weil ihre eigene Chance auf einen Titel zu gering ist. Aber man könnte sie für eine solche Bundesliga-neu gewinnen, wenn man ihnen dafür eine flache Verteilung der Fernsehgelder zubilligt. Derzeit gibt es ja einen Verteilungsschlüssel, der verschiedene wünschenswerte Kriterien wie Publikumszuspruch oder Österreicher-Anteil bewertet.

Würde der ÖFB so eine neue Ordnung begrüßen?

Das Ziel eines Landesverbandes ist auch eine möglichst hohe Positionierung im europäischen Ligensystem. Dass Österreich in der kommenden Saison von Platz 12 startet, ist schon beachtlich und zu einem großen Teil auf die Erfolge von RB zurückzuführen. Eine Obergrenze bei der Finanzierung von Vereinen würde diesen Höhenflug jäh abbremsen.

Wenn das Investitionsvolumen in die Liga sinkt, wird der ÖFB in dieser Frage wohl in Opposition gehen. Und das würde auch der Haltung der UEFA und FIFA in Finanzierungsfragen von Fußballklubs entsprechen. Dort stößt sich auch niemand daran, dass längst das Kapital bestimmt, wer die Titel holt und Spieler zu Marionetten, Vereine zu abhängigen Handlangern und Zuschauer werden.

So eine Rückkehr zu „Football old style“ hätte eben auch ihren Preis.

Corona und Fußball

Wer hätte gedacht, dass unsere Auswärtsfahrt nach Wolfsberg am 15.3. die letzte für lange Zeit werden würde. Und die nächste Auswärtsfahrt nach Salzburg war auch schon in Planung. Der Salzburg-Fanbus war am Freitag, 13.3. bald nach dem Verkaufsstart ausverkauft. Am Montag 17.3. kauften wir voller Optimismus noch unsere Karten, am Dienstag wurde dieser Vorverkauf gestoppt. Am Freitag verkündete die Regierung, dass sich jetzt alles ändern werde im Land.

Fußballspiel Zero

Am 19. Februar stieg im Mailänder San Siro das Champions-League-Spiel zwischen Atalanta Bergamo und dem FC Valencia. Heute sind die Epidemiologen sicher: die Partie mit 44.000 Zuschauern verstärkte die Ausbreitung des Coronavirus in der Region massiv. (stern.de vom 23.3.2020)

Von Mäusen und Elefanten

Heute ist es unwichtig, ob der Rapid-Kapitän verlängert oder wer Meister wird. Die Frage, wann überhaupt wieder Fußball gespielt werden kann, überragt alles andere. Doch eine zweite Frage gesellt sich dazu und zwar die, ob der Profifußball diese Krise überhaupt überleben wird.

Wenn in der Savanne längere Zeit Dürre herrscht, wird es für die dort lebenden Tiere eng, besonders für jene mit einem großen Nahrungsbedarf. Und so sonderbar das auch ist, das kleine Nagetier Maus hat in dieser Situation größere Überlebenschancen als der unbesiegbar scheinende Elefant. Große Tiere könne nur bei einem ausreichend stabilen Nahrungsangebot überleben.

Admira-Geschäftsführer Drabek hat am 16.3. Christoph Peschek angegriffen, weil sich Rapid Sorgen um den massiven Einnahmen-Ausfall macht und bezeichnete das als „Einzelinteresse“. (Bericht vom 16.2.2020 in laola1 und anderen Medien). Man sieht, die Rollen sind verteilt. Der Elefant möge sich nicht beklagen, die Maus finde ja auch ihr Auslangen in der ausgetrockneten Landschaft. Ein Elefant weniger wäre für die Geier ein gefundenes Fressen.

Glücklicherweise ist ein moderner Betrieb kein unflexibler Elefant. Ein Betrieb kann für einige Zeit in eine Art Winterstarre verfallen, dabei die Kosten auf ein Minimum reduzieren und – vor allem – kann ein Betrieb mit solidarischer Unterstützung des Staates rechnen. Aber Profi-Fußball-Vereine sind Betriebe mit „besonderen Bedürfnissen“.

Alle Anhänger des Fußballsports stellen sich bei den Ablöse- und Gehaltssummen der Topspieler immer wieder die Frage, ob denn Menschen einen solchen Wert haben können, der für sie bezahlt wird. Und die Antwort ist: ja, denn das Geld ist vorhanden, und es wird nur in die Spieler investiert. Die Summen wären zwar nicht gar so hoch, wenn nicht auch noch reiche Eigentümer die Preisspirale nach oben anheizen würden, aber Bayern München zeigt, dass man auch ohne Investor mithalten kann.

Das Motto der Rapid-Geschäftsführung, alle Einnahmen wieder dem Fußballbetrieb zuzuführen, ist allen Fußballvereinen gemeinsam. Und da diese Einnahmen wegen der hohen Popularität beachtlich sind, fließen die erwirtschafteten Gelder in diese 20-30 Spieler und das Trainerteam. Gewinne, die als Dividende an die Eigentümer ausgeschüttet werden, sind ja nicht vorgesehen. Gewinn, das ist der sportliche Erfolg.

Wenn Betriebe geschlossen werden müssen, kann der Betrieb, unterstützt durch den Staat, diese Kosten des Stillstands, also laufende Betriebskosten, Kredit- und Steuerzahlungen sowie Löhne weiterzahlen. Und bei den Löhnen erfand der Staat ein Kurzarbeitsmodell, das sehr attraktiv ist und den Betrieben einen raschen Neustart und den Beschäftigten den Arbeitsplatz sichert. Allerdings bezieht sich dieses Modell auf „normale“ Arbeitnehmer, also solche mit klassischen Arbeitnehmerverträgen. Verträge von Fußballprofis werden durch dieses Kurzarbeitsmodell nicht bedient.

Sportminister Werner Kogler hat in einer der ersten Pressekonferenzen zu den Unterstützungsmaßnahmen ergänzt, dass natürlich auch Sportvereine unterstützt werden, die ihre laufenden Kosten nicht bezahlen können – im Bildbericht wurde der SK Breitenfurt vorgestellt, schloss aber auch gleichzeitig die Stützung des Fußball-Profibetriebs aus.

Wie jeder andere Betrieb kann ein Fußballverein sein Personal in Kurzarbeit schicken und bekommt den größten Teil der Kosten ersetzt. Aber der Profibetrieb hat – anders als Produktionsbetriebe – durch die weiterlaufenden Spieler- und Trainergehälter enorme laufende Personalkosten bei gleichzeitigem Entfall aller Einnahmen. Und dieser Umstand setzt Fußballvereine mit einem Profibetrieb unter einen besonderen Druck, der eine existenzielle Dimension hat. Und je größer der Wert der Mannschaft und deren Lohnkosten sind, desto früher droht das finanzielle Aus.

Daher sind die Elefanten in diesem Gewerbe mehr gefährdet als die Mäuse.

Solidarität

Ob alle Profifußballvereine diese Krise überstehen werden, weiß man derzeit noch nicht, dass es aber ungemütlich wird, das zeigen erste Berichte aus Deutschland. Am 20.3. zitiert der Kurier Zoran Barisic: „Es geht darum, den Fortbestand von Rapid zu sichern“. Eine Solidarisierung aller am Fortbestand von Rapid Interessierter wird nötig sein.

Solidaritätsbeitrag des BlockWest

Der eindringliche Aufruf des Blocks an alle seine Mitglieder, zu Hause zu bleiben und der Vordruck für die Nachbarschaftshilfe (siehe Rapidviertelstunde-218) sind schon eindrucksvolle Beispiele von Solidarität, die sogar das sonst offen zu Schau gestellte Kriegsbeil gegenüber der Obrigkeit begraben lässt – für die Dauer der Krise, versteht sich;-)

Solidaritätsbeiträge der Profis

Das, was in „Friedenszeiten“ als Marktwert eines Spieler gehandelt wurde und auf dem auch die Gehälter aufbauten, dürfte derzeit wie eine Aktie ins Bodenlose fallen. So wie der Handel an Börsen punktuell ausgesetzt wird, dürften Transfers in diesen Tagen schwierig werden. Freiwilliger Gehaltsverzicht der Spieler wird wohl ein Solidaritätsbeitrag sein müssen. In Deutschland werden darüber hinaus Geisterspiele als Überlebensmittel angedacht.

Solidaritätsbeiträge der Anhänger

Wenn ich in meine Geldbörse blicke, schaut das nicht so aus, als könnte ich Rapid helfen, aber solche wie mich gibt es viele. Und wenn auch derzeit der Weg in den Fanshop verunmöglicht wird, der Online-Fanshop ist jederzeit geöffnet und ein Osterset (oder Gleichwertiges um 100,- Euro) ergibt schon eine Menge – wenn alle es tun! Wenn 10.000 Fans aus Solidarität ein Osterset kaufen, ist das immerhin eine Million.

Bitte kaufen, bitte kaufen, bitte kaufen Augustin Osterset! (frei nach Ján Klimeš), den grün-weißen Augustin-Verkäufer)

Solidaritätsbeiträge der Abonnenten und Mitglieder

Rapid-Mitglieder sollten wegen der nicht stattfindenden Spiele nicht streiten. Wie heißt es doch immer: „Rapid gehört seinen Mitgliedern“, und als Eigentümer müssen wir versuchen, den Kahn über Wasser zu halten.

Solidaritätsbeiträge der Investoren

Ende des Jahres steht die erste Rückzahlung für die 5-jährigen Rapid-Investoren an. Und das bedeutet für Rapid eine zusätzliche Belastung und die sich’s leisten können, könnten in einer solidarischen Aktion diese Rückzahlung auf ein späteres Jahr hinausschieben, also in einer gemeinsamen Aktion aus einer 5-jährigen eine 7-jährige, aus einer 7-jährigen eine 9-jährige und aus einer 9-jährigen eine 11-jährige Investition machen.

Feind

Derzeit ist es keine Frage, wie das nächste Spiel wohl ausgeht, heute fragen sich die Fußball-Interessierten, wann wohl überhaupt das nächste Spiel und das nächste mit Publikumsbeteiligung stattfinden wird. Die Optimisten reden vom Mai, Fachleute sagen, dass es den Fußball, wie wir ihn gekannt haben, im heurigen Jahr überhaupt nicht geben wird können (Virologe des Hamburger Instituts für Tropenmedizin, 20.3.2020 stern.de). Wie wir am Beginn dieses Artikels gehört haben, wird vermutet, dass das Fußballspiel Atalanta Bergamo gegen Valencia einen wesentlichen Einfluss auf die starke Verbreitung des Virus in Norditalien hatte. Man wird seitens der Regierungen sicher nicht zulassen, dass ein Erfolg im Kampf gegen das Virus – das wären also sinkende Infektionszahlen – durch Massenveranstaltungen gleich wieder zunichte gemacht wird. Die Freigabe von Massenveranstaltungen wird erst ganz am Ende des Tunnels stehen. Olympia wird abgesagt und in Hütteldorf würde gleichzeitig Fußball gespielt werden? Kaum vorstellbar!

Der Grund für diese lange Dauer der Epidemie ist unsere Art, die Ausbreitung der Krankheit durch Isolationsmaßnahmen zu bekämpfen. Wir erreichen dadurch zwar ein Abflachen der Kurve, aber der Preis ist eine längere Dauer. Aber warum dauert es länger?

Die strichlierte horizontale Linie symbolisiert die Grenze unseres Gesundheitssystems. Die beiden Flächen (rot und blau) sind gleich.

Herdenimmunität

Über Boris Johnson wird berichtet, dass er auf die „Herdenimmunität“ vertraut hätte. Man machte es ihm zum Vorwurf, dass er die Dinge einfach laufen lässt (rote Kurve oben) – mit einem gewissen Schutz für die Alten. Nun haben aber auch wir – mangels Impfstoff – kein anderes Konzept als eben diese Herdenimmunität, denn erst, wenn ein ausreichend großer Teil der Bevölkerung erkrankt und wieder genesen (und dadurch immunisiert) sein wird, hat eine Neuerkrankung keine Verbreitungsmöglichkeit mehr, das Virus wäre dann besiegt. Genaugenommen findet das Virus keinen Wirt mehr, weil alle bereits immun sind. Die „Herde“ entspricht der Fläche unter der Kurve. Bei COVID-19 müssen das etwa 60% der Bevölkerung sein bei Masern 90%, weil Masern eine höhere Reproduktionsrate hat.

Sowohl der rote also auch der blaue Verlauf betreffen einen großen Teil der Bevölkerung, doch die strichlierte Linie deutet die Kapazität des Gesundheitssystems an. Mit dem blauen Verlauf können alle schwerer Erkrankten behandelt werden, im roten Verlauf blicken wir auf kriegsähnliche Zustände wie sie teilweise aus Oberitalien gemeldet werden.

Der „Sieg“ besteht nicht darin, dass man sich Erkrankung erspart, sondern darin, dass man eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindert. Auch die blaue Kurve zielt auf eine Herdenimmunität ab, doch durch restriktive Maßnahmen werden nur kleinere Wachstumsraten zugelassen, damit eben das Gesundheitssystem nicht zusammenbricht. Es dauert dadurch aber länger, bis möglichst viele – hoffentlich mit wenigen Nebenwirkungen – erkrankt und wieder genesen sind.

Leider bedeutet das nicht Gutes für den Fußball, denn die Fußballpause wird dadurch deutlich länger. Beachtet, dass wir uns erst ganz am Anfang der Kurve befinden – hoffentlich der blauen – und erst wenn sich keine Zuwächse mehr zu beobachten sein werden, haben wir die Hälfte dieses Prozesses hinter uns. Und derzeit ist das noch überhaupt nicht abzusehen.

Dunkelziffer

Bei den paar Tausend Erkrankten, die wir heute zählen schaut das eher wie ein endloser Prozess aus bis alle „durch“ sind. Dabei kommt uns aber die Dunkelziffer der Erkrankung zu Hilfe, denn die liegt zwischen 5 und 50 (so genau weiß das niemand). (Meldungen in der ZIB 2 am 23.3.2020 und im Kurier vom 20.3.2020). Je höher die Dunkelziffer – das sind also Personen, die infiziert sind, das aber nicht bemerken und dennoch Überträger sind – desto größere Teile der Bevölkerung werden angesteckt und sind nach ihrer Genesung immunisiert.

Prognose

Beachtet die Meldungen im Fernsehen. Prognosen hört man wenige. Nicht, dass man keine Modelle dafür hätte, aber eine Publikation dieser Modelle wäre für die meisten sehr deprimierend. Dabei sind Prognosen gerade bei so gut beschreibbaren Phänomenen wie dem einer Epidemie durchaus möglich. Man kann sich aber gut an den Absagen anderer Veranstaltungen orientieren, was uns in den nächsten Monaten im Fußball erwartet: Formel 1, Olympia usw.

Verlauf der positiv Getesteten in Österreich.
Ein geradliniger Verlauf bedeutet einen gleichmäßig exponentiellen Anstieg der Fallzahlen.

Wir beobachten die Fallzahlen bereits seit 27 Tagen, dem ersten Auftreten des Virus am 26.2.2020. Am 16.3. starteten unsere gemeinsamen Bemühungen zur „Abflachung der Kurve“. Heute, eine Woche danach, können wir tatsächlich eine leichte Verflachung feststellen, einen Stillstand der Zunahme sieht man aber noch nicht. Am Freitag, 20.3. erstellte ich eine Prognose (blaues Bild) ausgehend von den Zahlen des Gesundheitsministeriums auf https://info.gesundheitsministerium.at. Der Maßstab der Darstellung in logarithmisch, weil sich exponentielle Anstiege in dieser Darstellung als Geraden abbilden. Daher sind Änderungen der Zuwachsraten durch Krümmungen der Testwerte gut sichtbar. Am 20.3. wurde diese Gerade mit drei Wachstumsraten bis zum Palmsonntag verlängert. rot: 30% Zuwachs pro Tag, gelb 20% Zuwachs pro Tag und grün: 10% Zuwachs pro Tag.

Heute, am 24.3., ist die weiße Linie der Fallzahlen bereits etwas weiter gewandert und man würde schätzen, dass die Fallzahl am Palmsonntag eher über der 10.000-er Marke liegen wird, weil die Fallzahlen derzeit über der grünen 10%-Linie zu liegen kommen. Wenn aber unsere Bemühungen auch in der laufenden Woche die ansteigende Gerade weiter nach unten biegen, könnten wir unter der 10.000er-Marke in der Osterwoche ankommen.

Solange diese Kurve ansteigt, haben wir das Maximum noch nicht erreicht. Es könnte sein, dass das am Ostersonntag der Fall sein wird, aber es muss nicht sein. Und auch wenn, wäre das erst der halbe Weg. Seien wir also optimistisch, und meinen wir, dass es aber Ostersonntag wieder bergab gehen könnte. Dafür gibt es auch noch ein zweites Merkmal und das sind die Genesenen, die heute noch gar keine Rolle spielen aber in drei Wochen kann das schon anders ausschauen. Mit steigender Zahl an Genesenen verflacht nämlich die Kurve weiter, weil uns nicht die insgesamt Infizierten sondern die tatsächlich Erkrankten interessieren. Aber zu Ostern werden wir schon 46 Tage mit dem Virus befasst gewesen sein und erst dann beginnt – hoffentlich – der Abstieg und der wird wenigstens ebenso lang dauern, also bis 28.5.2020.

Was wir damit noch nicht erreicht haben dürften, ist die Herdenimmunität, denn die erfordert bei der Reproduktionsrate des COVID-19-Virus von etwa 2,5-3,5, dass etwa 70% der Bevölkerung erkranken müssen. Daher wird der ganze Prozess immer wieder von vorne beginnen und wieder abklingen, wenn auch bei Weitem nicht so stark. Echte Entspannung wird sich erst einstellen, wenn ein Impfstoff gefunden werden wird. Also auch wenn diese hohen Infektionszahlen vorbei sein werden, gibt es noch lange keinen Alltag und es wird lange dauern, jedenfalls viel länger als ein paar Wochen, bis wir uns wieder im Stadion werden treffen können.

Dass Bundesliga-Spiele im Mai stattfinden, könnte sein, allerdings bestenfalls als Geisterspiele. Verbündete des Fußballs könnten die Schulen sein, die ja auch für den Jahresabschluss und die Mature öffnen sollen. Für uns Zuschauer wird es in dieser Saison wohl keinen Stadionbesuch mehr geben. (Weiter Hinweise über den Verlauf siehe Link weiter hinten).

Die Chinesen haben es doch auch geschafft!

Nehmen wir an, wir machen es den Chinesen nach. Der erste Fall in China wurde am 19.1.2020 gemeldet. Am 8.4.2020 wird man in Wuhan wieder zum Alltag zurück kehren. Das sind 80 Tage mit dem Virus. Übertragen auf Österreich bedeutet das: am 26.2.2020 wurde in Österreich der erste Fall gemeldet, am 16.5.2020 kehrt wieder die Normalität ein.

Aber wir sind keine Chinesen! Unsere Gesellschaften sind sehr verschieden. Die Maßnahmen, die in China getroffen worden sind, sind in unseren Breiten schwer vorstellbar. Im „Weltjournal“ wurde eine Reportage über die Situation in Peking gezeigt. Es herrschte ein totales und durch zivile Blockwarte überwachtes Ausgehverbot mit Absperrungen vor den Eingängen zu den Wohnblocks. Die Wohngebiete wurden durch Botendienste versorgt. Alle Einwohner wurden und werden durch Handy-Apps verfolgt, und im Infektionsfall werden alle Kontaktpersonen automatisch identifiziert und danach unter Quarantäne gestellt. Gebrauchtes Bargeld wird gereinigt und danach 14 Tage lang nicht ausgegeben. Uvam.

Viele dieser Maßnahmen sind bei uns nicht vorstellbar, aber sie haben in ihrer Radikalität bewirkt, dass im April in Wuhan wieder ein Alltag einkehren kann. Eine Bewegungsfreiheit in unserem Sinn wird in China aber auch im April nicht gegeben sein. Um sich bewegen zu dürfen, benötigt man eine Gesundheitsbestätigung, die am Handy eingetragen ist und die natürlich auch überwacht werden kann. Wegen dieser Ungleichheit der Systeme dürfen wir nicht so optimistisch sein, dass in 80 Tagen alles vorbei sein wird. Es wird länger dauern.

Und auch wenn Geschäfte längst wieder offen sein werden; Menschenansammlungen werden das Letzte sein, was die Behörden erlauben werden, denn diese Ansammlungen trugen sowohl in Italien (SanSiro), in Spanien (internationaler Frauentag) und Österreich (Wintertourismus) stark zur Verbreitung bei.


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Wer sich grundsätzlich mit dieser Thematik befassen will, dem empfehle ich die Studie von Tomas Pueyo mit dem Titel „Der Hammer und der der Tanz“ (Wie die nächsten 18 Monate aussehen könnten. Man erkennt, dass die deutsche Version eine automatische Übersetzung ist), in ein Word-Dokument umgewandelt von meinem Freund Robert.

Ungleiche Welten

Da kommen Spieler aus dem Olymp des europäischen Fußballs nach Wien und sagen, dass sie einen solchen Rasen nicht gewöhnt wären, Spieler einer Mannschaft mit 300 Millionen € Umsatz und einem Mannschaftswert von 600 Mio € , also 10-20 mal des Mannschaftswerts von Rapid.

Wir wissen aber, wie viel der Verein in die Rasenverbesserung investiert hat und wie dringend das Geld sicher anderswo hätte verwendet werden können.

Diese Unterschiede waren nie so groß wie heute. Und daher sind auch historische Vergleiche nicht gerade angebracht.

Top-20-Fußballvereine der Welt

Der Umstand, dass Rapid mit Inter gegen einen der Top-20-Vereine gespielt hat, ist doch bemerkenswert. Nach einer Publikation von Deloitte hat keiner dieser Vereine unter 200 Millionen Euro Umsatz und verfügt über eine Mannschaft, deren Marktwert etwa 50% über dem Umsatz liegt.

Auffällig ist, dass die Marktwerte der Mannschaften nicht stetig den Budgets folgen. Das dürfte daran liegen, dass man die Entwicklung der Spieler schwer voraussagen kann. Verletzungen, Abgänge, Formkurve, Tabellenplatz des Teams, das alles wirkt sich auf den Marktwert der Spieler aus und ist größeren Schwankungen unterworfen als das Budget.

Untersucht man den Zusammenhang zwischen dem UEFA-Platz und dem Budget findet man große Unterschiede. Alle Vereine über der Linie erreichen mit einem „vergleichsweise“ niedrigeren Budget einen besseren Platz und bei den Vereinen unter der Linie ist es genau umgekehrt.

Während in dieser Top-20-Gruppe die Budgets zwischen 200 und 800 Millionen (1:4) schwanken, liegen die Vereine im Bereich 1…87 und nicht – wie man vermuten könnte 1..20.

Besonders die Ausreißer nach unten, also AC Milan, Inter, Everton und WestHam sind interessant, die im UEFA-Ranking sogar hinter Rapid liegen. Dazu muss man wissen, dass die beiden italienischen Vereine zwei, bzw. drei Jahre lang nicht im internationalen Bewerb vertreten waren und daher weniger Punkte sammeln konnten. Wegen der sehr ausgeglichenen Ausschüttung der Fernsehgelder bei englischen Klubs, kann jeder Verein in der Premier-League mit einem 200 Millionen-Euro-Budget rechnen. 100 Millionen kommen aus den Fernsehgeldern und die anderen 100 Millionen von den sonstigen Einnahmen. Und diese Einnahmen hängen wenig von internationalen Begegnungen ab. Westham und Everton spielten seltener internaional und daher sind sie im UEFA-Rankung weiter unten.

Insgesamt zeigt uns die Streuung, dass auch mit viel Geld sich die Plätze „an der Sonne“ nicht automatisch einstellen und das ist auch der Grund, warum Fußball so populär ist.

Österreichische Bundesliga

In der österreichischen Bundesliga werden kleinere Semmeln (bei uns gibt’s keine „Brötchen“) gebacken. Schon allein die Mitteilungsfreude ist in der Liga nicht sehr ausgeprägt. Höchst selten verirrt sich eine Statistik in eine Zeitung, jedenfalls nicht mit einem aktuellen Datum.

In Österreich haben die Fernsehgelder, um die gerade gerungen wird, nur bei den kleinen Vereinen einen großen Einfluss auf das Budget, und auch nur dann, wenn man sie gleichmäßig verteilen würde. Es ist aber in ganz Europa üblich, verschiedene Leistungsschlüssel anzuwenden.

Würde RB in einer großen Liga angehören,.wäre das Rose-Team automatisch unter den europäischen Top-20-Teams, weil die finanzielle Grundausstattung mit 100 Millionen Umsatz gegeben ist und die Fernseheinnahmen vernachlässigbar sind.

RB das mit Abstand reichste Team. Die folgende Vierergruppe, Rapid, Austria, LASK und Sturm ist so etwas wie das Mittelfeld im Budget-Ranking.

Die beiden folgenden Diagramme bringen Kaderwert (entspricht etwa dem Budget) und die Platzierung in Zusammenhang. Es gilt, dass die Vereine links von der Trendlinie eher überdurchschnittlich und jene rechts von der Trendlinie unterdurchschnittlich abschneiden.

Zunächst das Saisonergebnis des Vorjahres, Austria unter Wert geschlagen, Sturm dagegen schneidet besser ab,

Hier folgt die Situation Ende Februar 2019. LASK, St.Pölten und Wolfsberg gehören zu den Gewinnern, Rapid und Austria zu den Verlieren.

Nach dem Wunder vom Sonntag gegen RB hofft die ganze Rapid-Familie auf eine Wiederholung am kommenden Samstag gegen St.Pölten.

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Kommerz und Kapital: Kapituliert der Fußball?

ballesterer, Club 2×11, Hauptbibliothek, Fairplay und tipp3 luden zur Podiumsdiskussion in der Hauptbibliothek am Urban Loritz Platz. Mona Müller (w24) moderierte die Runde:

vlnr:
Hans Peter Trost, ORF-Sportchef; Michael Wulzinger, Journalist (Der Spiegel) und Autor (Football Leaks); Mona Müller (w24); Markus Kraetschmer, Vorstand FK Austria Wien, Bundesliga-Vizepräsident; Oliver Prudlo, Vereinigung der Fußballer & Ex-Bundesligaprofi

Die Beteiligten gaben Einblicke in die Problematik der Finanzierung von Fußball in einer Zeit, in der sich die „wirklich Reichen“ dieses (für sie) Wirtschaftszweiges annehmen, teils aus Profitabsicht, teils zur Befriedigung persönlicher Eitelkeiten „von Scheich bis Oligarch“. Die Preisspirale dreht sich scheinbar unaufhaltsam nach oben und erfordert immer weitere Interessenten, die das System mit Geld speisen.

Die Rolle der Spielevermittler wurde an extremen Beispielen dargestellt. Da es nur relativ wenige dieser Vermittler gäbe, die dann bei der Preisbildung allergrößtes Interesse an steigenden Preisen haben und bei einem Transfer ihre Provisionen sowohl vom Käufer, Verkäufer als auch vom Spieler selbst kassieren und das in einer ziemlich unanständigen Höhe.

Aber nicht nur die Spielervermittler, auch die Spieler selbst drehen an der Spirale nach oben, weil sie sehr oft nicht dem sportlichen Erfolg folgen sondern dem Geld – wie man dem Beispiel von Anthony Modeste sehen kann, der bei seinem neuen Arbeitgeber in China ein Vielfaches von dem bekommt, das er bei Köln verdient hat.

Ebenso ist bei allen Diskussionsbeiträgen die Rolle der „Schurkenstaaten“ angeklungen, die es ermöglichen, dass Gewinne an den nationalen Steuerbehörden vorbeigeschummelt werden.

Das Geschäft besteht aus dem Einkauf billiger aber talentierter Spieler, ihrer Ausbildung und Verkauf. Beispiel Sadio Mané. RB verfünffacht seinen Preis, Southhampton verdoppelte ihn und Liverpool verdreifacht ihn gerade. Aber um in dieser Spirale mitbieten zu können, muss man auch den einen oder anderen Flop miteinkalkulieren, etwas, was bei RB kein Problem ist, bei den sonstigen „Groß“-klubs in Österreich aber ruinös sein kann.

Diese extreme Preisspirale kommt daher, dass Geld in einem fast beliebigen Ausmaß zur Verfügung steht; einerseits durch das ungebrochene Interesse der Anhängerschaft anderseits durch die angelockten Geldgeber des Großkapitals.

Es sind die enormen Preissteigerungen von Spielern, die es zu einem Top-Verein schaffen. Was es allein bringt, von Österreich in eine andere Liga zu gehen, zeigen die Wertsteigerungen bei Transfers ins Ausland. Ein Spieler kann sich natürlich nicht von einem Tag auf den anderen in seiner Art Fußball zu spielen so dramatisch verändern als es die Marktwerte umschreiben. Als Beispiel hier der Marktwertverlauf zweier Abgänge der letzten Saison:

Beide hatten 2017 nicht einen Leistungssprung sondern haben nur ihren Arbeitgeber gewechselt.

Und in diesem Wettbewerb, wer denn der Reichste von allen sei, steigen die Preise in astronomische Höhen. Dass die Preise für begehrte Spieler jenseits der Hundert-Millionen-Grenze liegen müssen, liegt allein schon daran, dass ein durchschnittlicher Premier-League-Club allein aus den Fernseheinnahmen mit etwa 140 Millionen Euro rechnen kann, mehr als alle österreichischen Bundesliga-Vereine im gesamten Vertragszeitraum von vier Jahren erlösen. Einen Spieler um 100 Millionen könnte ein solcher Verein fast selbst „stemmen“. Und wer sich nun einen Barcelona-Kicker einbildet muss, deutlich über diese Grenze hinausgehen.

Wir haben gehört, dass in den Spielerverträgen der spanischen Fußballer astronomische Ablösesummen festgeschrieben sind und diese im Falle von Neymar auch tatsächlich bezahlt wurden.

Als Beobachter aller dieser „Blasen“ wundere ich mich, dass man sich über diese Preisanstiege und Gewinne wundert. Fußball ist ein Geschäft, das die Massen begeistert, ähnlich wie es Bühnenstars können, die ebenso ein Millionenpublikum anziehen. Das System lebt von ständigen Wertsteigerungen, die ein ständig wachsendes Interesse erfordern. Das Interesse wird von allen Beteiligten hoch gehalten, vor allem auch durch die Medien, und man lässt nichts unversucht, „die Wüste zu begrünen“, d.h. die Frohbotschaft des Sports in Gegenden zu tragen, die dafür praktisch nicht geeignet sind und nur die Eitelkeit der Geldgeber befriedigt, in diesem Spiel an vorderster Front dabei sein zu dürfen.

Der klassische, europäische Weg wäre, in den interessierten Ländern eine Fußballinfrastruktur auf breiter Basis einzurichten (Ligensystem, Breitensport usw.) und dann versuchen aus eigener Kraft im Zirkus der Großen mitzumischen. Aber dieser Weg ist nicht etwas, was den Scheichs in Katar und den anderen Superreichen vorschwebt, denn das sind Prozesse, die man als Einzelner unter Umständen gar nicht erlebt.

Es waren sicher mehrere in der Zuhörerschaft, die diesen Entwicklungen eine klare Absage erteilen und den Fernseher bei Übertragungen internationaler Spiele einfach abdrehen und keinen Vertrag nur wegen der Übertragung der Bundesliga abschließen. Leider sind aber diese Einzelnen noch die Ausnahme und die Gewinnspirale kann sich munter nach oben drehen.

Alles, was man bei Fußball erlebt, ist eigentlich nur ein Abbild der Vorgänge in allen Wirtschaftszweigen und der Gesellschaft. Das öffentliche Interesse am Fußball macht die Vorgänger transparenter, aber alles das kommt auch in anderen Wirtschaftszweigen eben so vor, nur ist es eben nicht so offen gelegt.

Bis jemand kommt und sagt: „das sind ja nur Fußballspiele“ und sich die Blase beginnt zu verkleinern, wenn sie nicht ohnehin zerplatzt. Das könnte zum Beispiel passierten, wenn das Füllhorn des Erdölreichtums zu versiegen beginnt oder ein anderen Massenphänomen die derzeitigen Bedürfnisse der Anhänger auf bessere Art befriedigt.

Mein Tipp ist, dass es eines gesellschaftlichen Umbruchs bedarf, der das Recht auf schrankenlosen Besitz ohne jegliche gesellschaftliche Mitverantwortung einschränkt.

Der Auslöser für diese Diskussion war aber das neu erschienene Buch von Rafael Buschmann und Michael Wulzinger, die eine riesige Datenmenge betreffend Geschehnisse rund um Fußballerverträge und deren Hintergründe aufgearbeitet haben.  Beachtet bitte auch die Webseiten, die über diese „Fußball Leaks“ berichten.

Die Veranstaltung war sehr gut besucht, jeder Teilnehmer bekam einen Getränkegutschein, eine lokale Bücherei bot Bücher zum Verkauf an, Ausgaben des ballesterer konnte man kostenlos mitnehmen.

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