Rapid II – Lafnitz

2:3 (1:0)

Was für eine unglückliche Niederlage! Rapid II dominierte über weite Strecken das Spiel und ließ die Routiniers von Lafnitz alt aussehen – was sie ja aus der Sicht des Altersschnitts unserer Mannschaft auch sind. Rapid II begann fulminant. Marco Fuchshofer erzielte in der ersten Minute ein Tor nach einem Corner. Danach folgte Power-Play von Rapid II mit zahlreichen Chancen, doch es blieb bis zur Pause beim 1:0, nicht zuletzt dank der Paraden des gegnerischen Tormanns. Nur zwei Minuten nach der Pause folgte der Ausgleich. In der 70. Minute ging Lafnitz nach einem Elfmeter in Führung und Rapid II rannte ab dem Zeitpunkt erfolglos gegen die Abwehrreihen an. Erst in der 90. Minute gelang Marco Fuchshofer der Ausgleich zum 2:2. Prima, einen Punkt gerettet – wäre da nicht die Nachspielzeit. Praktisch im Gegenzug erzielten die Lafnitzer den Siegestreffer.

Kapitän war Lukas Sulzbacher.

Lafnitz Rapid II (Quelle Transfermarkt)
25,8    19,5     Jahre Durchschnittsalter
 4       4,8     Millionen Kaderwert

Ambiente

Das Wetter präsentierte sich von der schönsten Seite, der angekündigte Sturm war nicht allzu stark. Etwa 400 Zuschauer sorgten für gute Heimspielstimmung und spendeten für jede gelungene Szene Applaus. Die Spieler wurden auch stürmisch verabschiedet, ihr Einsatz war wirklich bemerkenswert.

Neue Besen

Seit ich Spiele von Rapid besuche, habe ich immer eine Kamera mit. In der Liste der verbotenen Gegenstände von Rapid sind ein Fotoapparat oder eine Videokamera nicht angeführt, daher wird man sie wohl mitnehmen dürfen. Die Liste der verbotenen Gegenstände des ÖFB zählt Fotoapparate auch nicht auf, aber in §4 findet sich eine Liste der explizit erlaubten Gegenstände und dort steht unter Punkt c., dass mitgenommen werden dürfen „Funktionsfähige Fotoapparate, Film- und Videokameras oder sonstige Bild- und Tonaufzeichnungsgeräte (inkl. Batterien oder Akku)„. Man meint also, dass die Mitnahme eines Fotoapparats kein Problem wäre. Und in den ersten 15 Jahren mit Rapid gab es auch keine – bis in die „Neuen Zeiten des Allianz-Stadions“. Plötzlich befinden wenig sachkundige Ordner, dass mein Fotoapparat zu groß sei. Auf die Frage, wo denn das stehe, muss es genügen, dass der Ordner das eben meint.

Da evident ist, dass wir diese Fotos nicht kommerziell nutzen, alle Bilder allen Interessenten im Rahmen dieses Tagebuchs frei zur Verfügung stellen, war es damals, 2016, kein Problem, von Rapid eine Bestätigung zu bekommen, die es „Franz Fiala“ erlaubt, die Kamera mitzunehmen. Im Laufe der vielen Spiele wird man bei den Ordnern bekannt und muss die Bestätigung nicht mehr vorweisen.

Rapid II ist in die 2. Liga aufgestiegen, was wir alle sehr genießen, weil das Spiel am Hauptfeld sowohl für die Spieler als auch für uns Zuschauer ein viel besseres Fußballerlebnis bietet als die triste Umgebung auf West 1 – Mattersburg-Konkurs sei Dank! Die Ordner-Crew dürfte in der 2. Liga eine ganz andere sein, denn mein Erscheinen mit der Kamera und einem Transparent beim Spiel gegen den FAC war für die Crew von Securitas eine Herausforderung. Der zuerst kontrollierende Ordner traute sich meinen Zutritt nicht zu entscheiden und übergab an einen mit Sprechfunk und Telefon ausgerüsteten Ordner. Die Hierarchie nahm kein Ende, denn erst der dritte Ordner nahm sich meiner schriftlichen Erlaubnis an. Er war in dieser Sache ganz genau. Er stellte fest, dass die Kamera ein klein wenig anders ausschaut als die am Bild – und das stimmte auch, denn die dort abgebildete Kamera ist durch intensiven Gebrauch kaputt gegangen und wurde durch ein Nachfolgemodell ersetzt. Misstrauisch geworden, prüfte er, ob der in der Bestätigung aufgedruckte Name mit dem Namen auf meinem Personalausweis übereinstimmt. Dann stellte er fest, dass diese Bestätigung schon einige Jahre alt war. Die Telefone glühten. Schließlich gab es einen Gnadenakt, ich durfte ausnahmsweise mit der Kamera eintreten, müsse aber das nächste Mal eine Bestätigung mit aktuellem Datum vorweisen können.

Doch da war noch das Transparent. Das ginge gar nicht, Transparente wären nicht erlaubt. Erst nach Intervention des Rapid-Clubservice (Danke!) durfte ich nach etwa 20 Minuten passieren.

Eine aktuelle Bestätigung habe ich von Helmut Mitter problemlos bekommen.

Heute, beim Spiel gegen Lafnitz dachte ich an eine Wiederholung des Theaters, doch weit gefehlt. Dieselbe Belegschaft aber ein anderer Ordner. Er schaute auf die Kamera, passt; er entfaltete das Transparent, passt! Darf passieren. Ich ging mit meiner Eintrittskarte durch die Sperre und wollte schon zu meinem Platz gehen, kommt doch der Ober-ober-Ordner von der letzten Woche, der sich den alten Deppen gemerkt hat und verlangte die aktualisierte Genehmigung. Nach dem Tonfall zu schließen wird er erwartet haben, dass ich keine habe, und er war ein bisschen verblüfft, dass ich ihm das aktualisierte Dokument zeigen konnte.

Der ganze Aufwand war aber umsonst – wenigstens für dieses Spiel, denn der Herr Fotograf hat – wieder einmal – vergessen, eine Chipkarte einzusetzen. Die ersten 10 Aufnahmen gingen daher ins Leere, danach musste das Handy als Ersatz herhalten.

Ich finde, dass der ganze Vorgang in Ordnung war, weil man sieht, dass die Ordner die Zutrittskontrollen ernst nehmen. Keiner der Ordner war irgendwie unangenehm, doch ob man mit einer Kamera ins Stadion darf, hängt eher von einer persönlichen Einschätzung des Ordners ab und nicht von einer irgendwo abgedruckten Vorgabe. Wenn etwas zu groß ist, dann müsste es doch dafür eine Regel geben, die man überprüfen kann.

Rapidviertelstunde-237

Viele Details über Rapid II mit Statements von Martin Hiden, Gerry Wilfurth, Roman Dallamassl, Mario Römer, Robert Racic, Gerhard Höckner, Anita Dercz und Steffen Hofmann findet man in der aktuellen Ausgabe der Rapid-Viertelstunde; das Titelbild zu diesem Tagebucheintrag mit dem Jubel nach dem Auswärtssieg gegen Dornbirn auch. Link zum Video.

Das neue Auswärtstrikot

Die Erkrankung des Tagebuchautors ist nicht etwas, das wie eine Grippe vorüber geht, die Ärzte im Spital müssen immer wieder Chemie „nachfüllen“ – mit nicht immer angenehmen Nebenwirkungen. Heute hatte ich noch „Ausgang“, morgen geht es wieder los: Sonntag Coronatest, Montag Quarantäne, Dienstag bis Freitag Chemie in den Franz nachfüllen.

Als ich vor etwa 20 Jahren erstmals im Hanappi-Stadion war, wusste ich noch nicht, welche Folgen das haben würde. Es dauerte einige Jahre bis ich fachlich Fuß gefasst habe und einige weitere Jahre bis Florian und ich im Kreis der Rapidler angekommen sind.

Dass Rapid eine Familie ist, wird immer wieder betont; Marktingsprech – könnte man meinen, doch dem ist nicht so. Am Freitag kam der Briefträger mit einem kleinen Paket. In einem sehr freundschaftlichen Begleitbrief drückte Christoph Peschek die Hoffnung aus, dass das mitgeschickte Auswärtstrikot die Genesung beschleunigen möge. Ja, das tut es. Das Sich-nicht-der-Krankheit-sondern-dem-gewöhnlichen-Alltag-hingeben ist ein Teil der Genesungsstrategie. Mit großer Freude trug ich heute das neue Trikot „10 FIALA“ und hoffe, noch viele Spiele in der grün-weißen Familie miterleben zu dürfen!

Bildergalerie

Links

Imagine

Imagine

Gläubige, bitte nicht weiterlesen, es könnte Eure Gefühle verletzen. – oder – Was John Lennon mit David Alaba nicht gemeinsam hat.

The Beatles Story

Wenn Du das Beatles-Museum „The Beatles Story“ in Liverpool betrittat, erwartet Dich eine chronologische Abfolge der Stationen der Beatles, beginnend in Hamburg, im Cavern Club usw. Am Ende kommt man in einen Salon in weiß mit einem weißen Klavier. Im Hintergrund spielt und singt John Lennon seine berühmte Botschaft vom Frieden: „Imagine“ YoutTube-Video. Als ich erstmals in diesem Museum war, war ich allein in diesem Zimmer und konnte nicht aufhören, dieses Lied zu hören.

Eigentlich stammt diese Episode des weißen Zimmers schon aus der Zeit nach den Beatles, aus der John&Yoko-Periode, sie dient aber als krönender Abschluss des Beatles-Museums. Die frühere Version 2007 dieses Zimmers war eindrucksvoller, weil man sich in einem abgeschlossenen Raum befand; heute leitet diese Szene in eine Cafeteria über und daher kann man diese Stimmung nicht mehr so einfangen. Money, money, money…

Dieses Lied ist eine ergreifende Vision einer Welt ohne Religion, ohne Himmel und Hölle.

Übersetzung

Stell dir vor, es gäbe kein Himmelreich,
Es ist ganz einfach, wenn du es versuchst.
Keine Hölle unter uns,
über uns nur der Himmel.

Stell dir vor, alle Menschen
leben nur für das „Heute“.

Stell dir vor, es gäbe keine Länder,
es ist nicht so schwer, zu tun.
Nichts, wofür es sich zu töten oder sterben lohnt,
und auch keine Religion.

Stell dir vor, alle Menschen,
leben ihr Leben in Frieden.

Du wirst vielleicht sagen, ich sei ein Träumer,
aber, ich bin nicht der Einzige.
Ich hoffe, eines Tages wirst auch du einer von uns sein,
und die ganze Welt wird wie eins sein.

Stell dir vor, es gäbe keinen Besitz mehr.
Ich frage mich, ob du das kannst.
Keinen Grund für Gier oder Hunger,
Eine Menschheit in Brüderlichkeit.

Stell dir vor, alle Menschen,
teilen sich die Welt.

Du wirst vielleicht sagen, ich sei ein Träumer,
aber, ich bin nicht der Einzige.
Ich hoffe, eines Tages wirst auch du einer von uns sein,
und die ganze Welt wird wie eins sein.

11. Oktober 1971, John Lennon (Übersetzung)

Lied der Lieder

Wenn mich wer nach dem Lied der Lieder fragt, ist meine spontane Antwort „Imagine“ von John Lennon. Gleichzeitig fällt es mir schwer, durch diese Auswahl die Hunderten anderen wunderschönen Lieder in eine zweite Reihe stellen zu müssen, aber dieser ewigen Sehnsucht nach Frieden Ausdruck zu verleihen, ist in dieser schlichten Art, Text und Musik betreffend, kaum je anderswo gelungen.

„Imagine“ hat auf YouTube 175 Millionen Aufrufe.

Natürlich sind bei „RollingStone.com“ die beiden Top-Hits „Like a Rolling Stone“ von Bob Dylan und erst an zweiter Stelle (1) „Satisfaction“ von den Meistern selbst. Danach aber kommt bereits „Imagine“ von John Lennon auf Platz drei einer ewigen Bestenliste von 500 Liedern. Man sieht, die gegenseitige Anerkennung ist groß. Natürlich gibt es viele andere Rankings, die diese Reihung anderswie vornehmen; Imagine ist aber immer vorne mit dabei, in dieser Frage ist man sich ziemlich einig.

Das Lied ist zwar musikalisch ganz anders einzuordnen als etwa Schillers „Ode an die Freude“ in der Vertonung von Ludwig van Beethoven aber in seiner Breitenwirkung würde ich es wohl noch über das Meisterwerk der Klassik stellen, einfach weil es nicht nur Eliten, sondern wirklich alle Menschen unabhängig von ihrer Vorbildung gleichermaßen erreicht.

FIFA und die Religionen

Ob die FIFA dieses Lied mitgedacht hat als sie verfügt hat, dass keine religiösen Symbole auf den Fußballplätzen erwünscht sind?

Man tritt mit der Aktion „Respect“ gegen Rassismus auf, zu einer Aktion gegen sonstige weltanschaulichen Bekundungen hat es nicht gereicht, man untersagt aber den Spielern religiöse Symbolik – ahndet aber Verstöße nicht.

UEFA.Aktin „Respekt2; Bild aus 2012, Hanappi-Stadion (Fiala)

Wer kennt sie nicht, die tolerierten Bekreuzigungen vor Spielbeginn und bei Einwechslungen, wobei man auch gleich an dem flüchtigen Kreuzzeichen die römischen von den orthodoxen Christen unterscheiden kann. Wer erinnert sich nicht an Gerson, der sich vor Spielbeginn mit seinem Gott am Rasen unterhalten hat.

Guimarães Ferreira Junior Gerson, 11,11,2012 gegen WAC (Bild: Fiala)

Der Torjubel, der seht oft mit einem Blick zum Himmel begleitet ist, was wohl so viel heißt, dass der jeweilige Schutzengel seine Arbeit gut getan hat. Ein Wettbewerb der Götter mit den Spielern als Marionetten.

Jesus liebt David

Unser Parade-Fußballer David Alaba macht es noch deutlicher. Er machte auf die Bedeutung des Glaubens für sein Leben mehrfach in der Öffentlichkeit aufmerksam. Als Motto gibt er aus: „Meine Kraft liegt in Jesus!“

Ich frage mich dann immer, warum dieser ach so tolle Gott sich nicht mehr um den Pascal kümmert, der mit einer schweren Krankheit im Spital liegen muss. Offenbar ist des Gottes Kraft ganz in den Muskeln des David verbraucht worden, für Pascal blieb nicht viel übrig! Da muss man schon Theologie studiert haben, um das zu kapieren, fragt sich nur, welche? Es gibt ja so viele „wahre“!

Oder ist die Antwort ganz einfach: wer die falsche Kirche hat, dem hilft dieser Gott nicht, den liebt er nicht: Alaba gehört wie seine Familie zur protestantischen Freikirche der Siebenten-Tages-Adventisten. Das sind die Guten!

Ist das nicht ein ziemlich unaufmerksamer Gott, dieser Jesus? Er kümmert sich um die Tüchtigen, die anderen lasst er ånglánt. Übrigens ein Jahrhunderte altes Modell der Evengelikalen und Calvinisten, dass sich das Gottgefällige durchsetzt und die anderen selber Schuld an ihrem Schicksal sind. Der „amerikanische Traum“, der so ziemlich jeden Raub an der Gesellschaft rechtfertigt. Anderswie kann man sich ja auch die Jahresgage eines Alaba nicht erklären, man muss sich ja geradezu zu den gottgefälligen Auserwählten zählen und sich das Paradox des Reichtums schönreden.

Dieses Jesus-Transparent von Alaba erscheint wie ein Deal: „Du hilfst mir, der beste Fußballer der Welt zu sein, und ich verhelfe Dir zu mehr Popularität bei denen mit der falschen Lehre“.

Wer hätte gedacht, dass nach Renaissance, Humanismus, Aufklärung, nach dem durch Darwin begrabenen Gott und zwei Weltkriegen, Kicker wieder beginnen, die Geister von früher, deren Wirkungen wir in Geschichtsbüchern studieren können und die wir auch heute noch miterleben können (erspart mir die Zitate) ausgraben und versuchen in der Welt zu verbreiten.

Sollte man das hier herauslesen, dann stimmt es: ich mag diese Religiosi nicht, wenn sie fundamentalistisch werden, weil ihre Geisteshaltung gegen jede Vernunft, Aufklärung und Toleranzbemühung gerichtet ist. Auf der Bühne caritativ, hinter der Bühne missionarisch und mit den Mächtigen paktierend. Der auserwählte Fußballer, das auserwählte Volk. Hier ein Zitat aus einem der Lieder von Reinhard Mey: „Sei wachsam“ (1996) mit der Textstelle: „Der Minister nimmt den Bischof in den Arm: ‚Halt Du sie dumm, ich halt sie arm.'“

Nur Ronaldo ist er selbst. „Meine Kraft liegt in mir“ will er wohl mit seinem wuchtigen Auftreten nach einem Torerfolg sagen, und er ist wirklich ein beeindruckender Athlet.

Ein Ziel für alle?

Die Muskeln sind gewachsen, der Geist ist der von gestern.

Zur Ehrenrettung des David muss gesagt werden: „die Täter sind immer die Eltern“. Aber die Eltern sollten den Mut aufbringen, ihre Kinder nicht zu indoktrinieren, und die Kinder sollten die Kraft mitbringen, unzeitgemäße Eigenarten der Eltern zu erkennen und zu überwinden, dazu sind ja schließlich Leben und Tod evolutorisch entstanden, damit wir auf eine sich verändernde Umwelt reagieren können.

Insbesondere, wenn junge Menschen in so prominente Positionen wie die eines Spitzenfußballers katapultiert werden, müssen sie Verantwortung übernehmen für das, was sie sagen. Sie sind nicht irgendwer im Biergarten, sie haben eine außergewöhnliche Popularität und damit eine außergewöhnliche Verantwortung.

Ist nicht die Botschaft von John Lennon etwas, das wir alle unterschreiben könnten, ganz egal welche Geisteshaltung das jeweilige Elternhaus vorgegeben hat?

Vielleicht wären auch die Vereine gefordert, den Spielern der Jugendmannschaften so etwas wie Ethikunterricht angedeihen zu lassen, nicht den in Österreich angedachten, natürlich einen für alle, weil die jungen Spieler eben das Potenzial haben, mit vergleichsweise bescheidener Bildung hohe Popularitätswerte zu erreichen. Das archaische und unreflektierte Weltbild der Elterngeneration wirkt dann in sonderbaren Jesus-Botschaften auf uns Anhänger zurück.

Aber gleich beim einfachen Beispiel von „Imagine“ zeigt sich, dass der Text wohl nicht bei allen Fußballschülern gleichermaßen akzeptiert werden wird, denn wer kennt sie nicht nicht, die Nationalbewussten, die allein bei der Zeile „stell Dir vor es gibt keine Länder“ in eine Sinnkrise stürzen.



Damit hier nicht nur Negativbeispiele genannt werden, erinnere ich an die Karriere und das soziale Engagement unseres Jahrhundertfußballers Steffen Hofmann, der seine ganze Popularität in den Dienst der Gesellschaft stellt und für jene da ist, die unsere Hilfe dringend brauchen.

Sooo muss Verantwortung!

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Dieser Tagebucheintrag entstand nach einem ziemlich nostalgischen Liedernachmittag in der Einsamkeit eines Spitals. Sonderbarerweise sind es Endzeitlieder, die einen da besonders berühren, aber weil man ja positiv denken soll, wie alle einfühlsame Botschaften, die mich erreicht haben, ausgedrückt haben, stieß ich auf das visionäre „Imagine“. Und der verhaltensauffällige Alaba passte als Kontrapunkt zu dieser Vision ganz gut dazu.

Bananenliga

Es wäre ja nicht das erste Mal, dass in Österreichs Fußball sportliche Erfolge durch illegale Machenschaften erzielt worden wären. Wir erinnern uns an Sturm, GAK und Wacker Innsbruck, deren Vereinsführungen Meistertitel ergaunert haben und diese Titel nicht zurückgeben mussten; nicht zu vergessen der LASK in einer Nebenrolle. Das erstaunt umso mehr, als die jeweiligen Verlierer diese Titel hätten einfordern können, das aber nicht getan haben; möglicherweise eine Folge der Stimmenverhältnisse oder der uns weniger bekannten Regeln in der Bundesliga. Stattdessen hat man sich in der Liga darauf beschränkt, die Bedingungen für eine Lizenz zu verschärfen.

Diese Entscheidungen in der Vergangenheit sagen uns, dass man in Österreich Titel ergaunern kann, ohne Gefahr zu laufen, die Trophäen zurückgeben zu müssen. Die Vereinsverantwortlichen müssen sich zwar Gerichtsverfahren stellen, aber seitens der Liga müssen sie keine Sanktionen erwarten; die Titel und die damit verbundenen finanziellen Vorteile werden von keinem der Verlierer infrage gestellt.

Fall SV Mattersburg

Der SV Mattersburg hat alljährlich die Hälfte seines Budgets, etwa 5 Millionen Euro, aus Sponsorverträgen lukriert. Das ist schon beachtlich, kein anderer Verein der „Kleinen“ konnte so viele Sponsorgelder aufbringen.

Der größte Teil dieser Sponsorsumme stammte aber von der Commerzialbank Mattersburg. Es gab auch andere Sponsoren aber deren Sponsorsummen waren vergleichsweise unbedeutend. Den Lizenzgutachtern der Bundesliga wäre eine solche Unsymmetrie natürlich aufgefallen, dass nämlich eine kleine burgenländische Bank mit einem solchen Top-Sponsoring bei einem Fußballverein einsteigt, und sie hätten sicher genauer nachgefragt.

Um diesen großen Geldfluss von der Commerzialbank zu verschleiern, wurde durch Manipulation der Sponsorsummen die Rolle der Commerzbank heruntergespielt. Ihre eigentliche Sponsorsumme wurde stark reduziert, einige Sponsorverträge (Energie Burgenland) sollen mit viel höheren Summen verbucht worden sein als sie tatsächlich wert waren, andere Sponsorverträge (Wüstenrot) sollen frei erfunden gewesen sein. Jahrelang. Das Geld für das Scheinsponsoring soll aus fingierten Krediten der Commerzialbank stammen. Der eigentliche Geldfluss wurde verschleiert, und daher erhielt man von der Bundesliga eine Lizenz und konnte sich viele Jahr lang in der obersten Spielklasse halten. Hätte man die realen Zahlen eingesetzt, wäre klar geworden, dass die Commerzialbank der Hauptgeldgeber war und dieser Sponsorbetrag wäre bei der Bundesliga als unrealistisch hoch aufgefallen. Bericht DerStandard.

In der Bundesliga ist es derzeit egal, von wo Geld für den Fußball kommt. Sie ist da in guter Gesellschaft, die letzte oberstinstanzliche Entscheidung zugunsten von Manchester City liegt ganz auf dieser Linie. Im Artikel „Waffengleichheit im Fußball“ wird die Beliebigkeit der Geldquelle infrage gestellt, und es wird verlangt, dass nur Geld, dass durch Fußball erwirtschaftet wurde, auch im Vereinsbudget aufscheinen darf.

So ist es aber derzeit nicht und es spricht also derzeit nichts dagegen, dass jemand in Fußball investiert, allerdings sollte er das Geld dazu auch besitzen, was aber im Fall der Commerzialbank nicht der Fall war. Es ist wie ein Klein-RedBull „ich leiste mir einen Fußballverein“, aber mit illegaler Geldbeschaffung.

Im Falle des SV Mattersburg geht es nicht um Titel, aber es geht um den Abstieg und damit auch um Wettbewerbsverzerrung durch Betrug. Wenn also der SV Mattersburg in der Vergangenheit Gelder unrechtmäßig erhalten hat, dann mussten dafür andere Vereine absteigen, und dann ist das so ähnlich wie mit einem ergaunerten Titel: es gibt rückwirkend offenbar keine Konsequenzen.

Der Bundesliga geht es allein darum, ob der Spielbetrieb für die kommende Saison gesichert ist. Ob das Geld „stinkt“, also von wo es letztlich kommt, scheint der Bundesliga ziemlich egal zu sein. Darauf deutet das Interview eines Mitglieds des Senat 5 hin.

Was den interessierten Beobachter verblüfft, ist das Angebot der Bundesliga an den SV Mattersburg, einem Verein, der offenbar die Prüfer bei der Bundesliga jahrelang über die wahre Einnahmequelle getäuscht hat, jetzt dazu eingeladen wird, ein neues Konzept vorzulegen, so, als wäre das alles nicht passiert. Würde also Mattersburg einen Investor aus dem Hut zaubern – Gerüchte gibt es genug – wären alle diese Machenschaften der Vergangenheit egal?

Mir fällt diese Vorkommnisse in Vergangenheit und Gegenwart kein anderer Begriff ein als „Bananenliga“, wobei weniger die Akteure der Bundesliga das Problem sind, denn sie handeln nach Regeln, die von den teilnehmenden Vereinen festgelegt worden sind; Regeln, denen ausreichend klare Konsequenzen zu fehlen scheinen, weil diese theoretisch jeden Verein treffen könnten.

Alles in Allem stellen wir ein Totalversagen der Prüfer fest, allen voran der TPA. Aber auch die Prüfer der Bundesligisten dürften vieles aus jahrelanger Gewohnheit einfach ohne Kontrolle übernommen haben. „Same procedure as every year.“

Links

1.8.2020

31.7.2020

30.7.2020

29.7.2020

Die Besten der Bundesliga 2019/20

Der Klubpräsident, der Manager und der Trainer jedes Vereins sollten eine Wertung abgeben. Die Bundesliga hat die Fragebögen ausgewertet:

Bester Schiedrichter

  1. Lechner
  2. Altmann
  3. Eisner
  4. Harkam
  5. Ciochirca

Bester Trainer

  1. Marsch
  2. Schopp
  3. Kühbauer
  4. Pastoor
  5. Ismael

Bester Tomann

  1. Schlager
  2. Stankovic
  3. Kofler
  4. Siebenhandl
  5. Swete

Bester Spieler

  1. Szoboszlai
  2. Weissman
  3. Daka
  4. Haaland
  5. Liendl

Anmerkungen

Dass nur ein „Bester Spieler“, nicht aber Verteidiger, Mittelfeldspieler zur Wahl standen, schmälert die Leistung der Verteidigung gegenüber den Offensivkräften. Rapid ist nur durch Trainer Kühbauer vertreten.

Links

Waffengleichheit im Fußball

Zusammenfassung

In diesem Beitrag wird verlangt, dass der Fußball wieder zu dem werden soll, zu dem er ursprünglich angetreten ist. er soll die Sehnsucht der Menschen nach Siegen und Titel in einem fairen Wettbewerb erfüllen und nicht die Eitelkeit oder Gewinnsucht Einzelner befriedigen. Es wäre nicht allzu schwer, einen solchen Zustand in Österreich herzustellen.

ManCity-Liverpool 5:0

Als außenstehender Beobachter kann man in England die Brieftasche des Eigentümers als Vergleichsmaß für die Spielstärke heranziehen und sich fragen, ob es die 22 Milliarden von Mansour bin Zayed Al Nahyan (Eigentümer von Manchester City) waren, die heute gegen die mickrigen 1,4 Milliarden von John Henry (Eigentümer von Liverpool) 5:0 gewonnen haben oder ob es ein verständlicher Motivationseinbruch des bereits jetzt feststehenden englischen Meisters war, der für das überraschend deutliche Ergebnis sorgte.

In der englischen Premier League sind alle Clubs im mehr oder weniger Eigentum eines Magnaten, Tycoons, Oligarchen, Scheichs… Liste In dieser Liga haben also alle den „Zaubertrank“. Die Budgets der Vereine können von deren Eigentümer – je nach Finanzbedarf – viel höher sein als es dem üblichen Geschäftsgang von Fußballvereinen entspricht.

Warum tun die das?

Wir kennen diese Typen nicht, wir können nur vermuten. Ein banaler kaufmännischer Grund könnte sein, dass das insgesamt defizitäre Fußballgeschäft den Gewinn im Sinne einer Steuerersparnis verringert. Es kann sein, dass der Verein zum Werbeträger der eigenen Marke wird. Was soll man überhaupt mit so viel Geld tun?

Schließlich sind wir es selbst, die den neuen Eigentümern durch unsere eigene Sucht nach Titel die Tür zur Beherrschung der Vereine öffnen.

Jene Superreichen, die es schaffen, einen Verein ganz nach oben zu pushen, sind Teil eines Sandkastenspiels, dem wir, das zahlende Publikum, wie vom dritten Rang des Kolosseums zuschauen dürfen.

Die Sehnsucht nach einer normalen Fußball-Welt

Der Chancenlosigkeit der meisten europäischen Ligen gegenüber den 4-5 großen macht es verständlich, dass sich Anhänger in den kleinen Ligen nach dem „Football old style“ sehnen.

Österreichische Ungleichheit der besonderen Art

Während man in dem ansonsten sehr geschätzten englischen Fußball von einer Art Waffengleichheit sprechen kann, weil eben alle Vereine über Fremdmittel verfügen, die im Fußballgeschäft allein nicht verdient werden können, herrscht in Österreich zwischen den Vereinen eine Ungleichheit der besonderen Art. Ähnlich sind die Verhältnisse in Frankreich.

In der österreichischen Bundesliga gibt es mit RB einen Verein der Art „koste es was es wolle“, wobei in diesem Zusammenhang „Verein“ wohl nicht die richtige Bezeichnung ist. In einem Bericht von 90minuten.at werden 150 Mitglieder von Red Bull Salzburg genannt. Auf der Seite von transfermarkt.at gar nur Null Mitglieder.

Alle anderen Vereine mühen sich damit ab, um aus dem vorhandenen Interesse des Werbemarkts das Geld zum Überleben zu erwirtschaften. Alle Vereine müssen schwere Entscheidungen für das wirtschaftliche Überleben und gegen den sportlichen Erfolg treffen. Wir wissen zum Beispiel nicht, wie es um die Finanzen von Rapid bestellt ist; bei dieser Größe kann bald das Licht ausgehen, und wir werden ja sehen, ob man nicht Spieler abgeben wird müssen, nur um den Betrieb aufrecht erhalten zu können.

Alles das braucht der Serienmeister nicht kalkulieren. Entscheidungen dieser Art kennt man dort nicht.

Fairness

Die Entdeckung des Sports im 19. Jahrhundert erscheint wie die Erfüllung der Sehnsucht nach Gerechtigkeit in einer ansonsten ungerechten Welt. In der Welt des Sports gilt das eigene Können, der eigene Fleiß, die eigene Motivation. Einheitliche Regeln für alle ermitteln den Besten oder die Beste.

Dass wir diesem Wettbewerb millionenfach folgen können, ist eine Folge der jüngeren Technikgeschichte.

Ein Sportbetrieb musste immer schon zunächst wirtschaftlich erfolgreich sein, um überhaupt von sportlichen Erfolgen träumen zu können. Aber der Aspekt der Wirtschaftlichkeit dürfte bis in die Mitte des 20: Jahrhunderts noch von geringerer Bedeutung gewesen sein. Mit zunehmendem Publikumsinteresse über Medien, stieg auch der Finanzierungsanteil durch Werbung. Aber das alles ist ja noch Teil eines fair anmutenden Wettbewerbs. Mehr Werbung, mehr Zuschauer, mehr Fernsehminuten, mehr Einnahmen.

Diese Mechanismen werden aber durch die neuen Besitzverhältnisse in Vereinen völlig durcheinander gebracht. Es ist ganz gleichgültig, ob in Salzburg jemand wirbt oder nicht wirbt, das Geld ist einfach da. Das aber widerspricht diesem ursprünglichen Gedanken der Fairness völlig. Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Meistertitel und dem Ausmaß an Zuspruch seitens der Werbewirtschaft, weil die gar nicht gebraucht wird. Meistertitel dienen nicht zur Erfüllung der Sehnsucht des Publikums nach solchen Titeln, sie dienen nur der Aufrechterhaltung einer Marketinglüge.

Marktwerte

Im Schnitt hat ein österreichischer Fußballspieler einen Marktwert von 756.000 Euro. Aufgeschlüsselt nach Vereinen schwankt der durchschnittliche Spielerwert zwischen 256.000 € (Tirol), 923.000 € (Rapid) und 3.680.000 € (RB). Genauer zeigt es diese Grafik. (Daten aus Transfermarkt)

Zahlenwerte aus Transfermarkt.at

Spielergehälter

Um einen Spieler mit dem dreieinhalbfachen Marktwert eines Spielers von Rapid in Österreich zu halten, bedarf es auch entsprechend höherer Spielergehälter. Als Außenstehende können wir diese Gehälter nur schätzen. Wenn wir auch nicht die genaue Höhe dieser Gehälter kennen, die Verhältnisse der Gehälter werden dieser Grafik folgen.

Wir sind die besten!

Die Interviews der Spieler und Trainer von RB hören sich an, als wäre es tatsächlich ihre eigene Leistung gewesen, die den neuerlichen Titelgewinn ermöglicht hat. Mitnichten!

Einerseits haben sie zwar nicht unrecht, dass jeder von ihnen Spitzenfußballer ist. Allerdings ist es der Gehalt, der sie zusammenhält, und es ist ein Gehalt, der nicht durch ihre eigene Leistung erwirtschaftet wurde. Sollten diese SPieler zufällig bei eine, Verein gelandet und hätte sie dort den Titel geholt, wären diese Spieler nach der Erringung des Meistertitels in alle Winde zerstreut, so wie das bei anderen Mannschaften, die nicht das nötige Kleingeld haben, die Spieler zu halten, auch der Fall ist.

Auch wenn es einem der Verfolger punktuell gelingt, RB zu überholen, ist das nur eine Eintagsfliege, denn die Spieler, denen das gelingt, folgen in der darauf folgenden Saison „dem Ruf des Goldes“.

Konzern statt Verein

In Österreich ist der Gegner Nummer 1 nicht ein Verein wie andere. Abgesehen von den finanziellen Möglichkeiten, Spieler halten zu können, hat RB ein ganzes Netzwerk von Zwiegstellen gegründet: Salzburg, Liefering, Leipzig, Ghana, Brasilien, NewYork. (siehe https://sports.bwin.com/de/news/infografiken/red-bull-imperium-salzburg-leipzig-new-york)

Das Netzwerk bietet Spielern Ausbildung im Heimatland, Aufstiegschancen, höhe Gehälter, beste Bedingungen. Das Imperium reduziert das Risiko von Transferflops und reduziert die Abwanderungstendenz der Spieler.

Aus dieser Ungleichheit der Finanzierungsmöglichkeiten entstand im Laufe der Jahre ein derartiges Übergewicht, dass die Liga zu einem langweiligen Schauspiel ausgeartet und lediglich die Frage interessant ist, wer der Zweite ist, denn der erste Platz ist praktisch nach dem Saisonstart bereits vergeben.

Alles für eine Marketinglüge

Das Ziel eines Fußballvereins ist es, Titel für seine Anhängerschar zu holen. Normalerweise. Bei RB ist das aber nicht so. RB hat gar kein Interesse an Fans. Das Ziel des Projekts ist einzig und allein der Beweis einer Werbelüge durch eine Vielzahl sportlicher Projekte. Es wäre gleichgültig, ob in Wals-Siezenheim Zuschauer sitzen oder nicht, es ist egal, ob sich Anhänger vom Verein abwenden. Es ist überhaupt nicht beabsichtigt, Anhänger an den Verein zu binden; es geht nur darum mit einem sportlichen Titel eine andere Marke zu stärken. Und dieses Motiv ist nicht ein Begleitmotiv, sondern das Hauptmotiv.

Und daher ist RB kein Fußballverein im herkömmlichen Sinn. Es dient nicht dem Publikum sondern einer Marke.

Fußball wird also instrumentalisiert und daher sollte sich der Fußball wehren.

Langeweile statt Spannung

Der Erfolg ist ein „Vogerl“ und das „Vogerl“ verweilt nicht nur auf einem Baum.

Fußball auf dem Niveau von Fußballvereinen ist deshalb so interessant, weil auch der kleinere Erfolg haben kann. In der Geschichte alter Fußballvereine sind zwei Meistertitel in Folge etwas ganz Besonders. Acht Titel in Folge hat es noch nie gegeben, weil die Kräfteverhältnisse im Bereich des klassischen Fußballs keine solchen Dominanzen erlauben.

Diese Unvorhersagbarkeit von Toren, Siegen und Titel ist es, die Fußball interessant machen. Wenn es einmal soweit ist wie derzeit in Österreich, wo es keine Frage ist, wer Meister wird, sondern nur, mit wie vielen Punkten Abstand, wo es keine Frage ist, wer gewinnt, sondern nur mehr wie hoch, dann beginnt Fußball seinen Sinn zu verlieren, weil die Hoffnung, die jeder Anhänger ins Stadion mitbringt, zunichte gemacht wird.

Durch Quersubventionierung werden die Kräfteverhältnisse zugunsten eines Vereins so verschoben, dass es nicht mehr um Sieg oder Niederlage geht, sondern nur darum, wie viele Tore der Dominator erzielt. Für Zuschauer wird es langweilig. Das Spiel, das für ein breites Publikum erfunden wurde, artet zu einem Spiel der Reichen aus, bei dem Publikum zugelassen wird. Man hat als Zuschauer das Gefühl der Manipulation und soll eventuell einem Meister huldigen, von dem man weiß, dass nur fremderwirtschaftetes Geld diese Dominanz ermöglicht.

Kann man was dagegen tun?

Am Anfang wäre es einfach gewesen. Damals 2005 als RB ins Geschäft einstieg, war schon klar, dass hier kein klassischer Fußballverein ensteht, sondern eine Firma mit ganz anderen Absichten als andere Vereine sie haben. Man hätte damals einfache Regeln einführen können, die definieren, was denn so ein Fußballverein sein soll und unter welchen Bedingungen man sich unterstützend beteiligen kann.

Aber dass ein Verein in die Liga kommt, der nicht am Werbemarkt mitnascht, war für die Verantwortlichen anscheinend zu attraktiv. Ob sie das heute auch so entscheiden würden?

Das Problem ist, dass Fußballvereine zu einem Bewerb antreten, um für ihre Anhänger Meister zu werden, RB aber einer Marketingaussage zur Wahrheit verhelfen will, dass nämlich ein wertloses Getränk Flügel verleiht. Würde RB sich in die Reihe der Interessenten an Fußballwerbung einreihen, könnte es einen Verein über eine Schriftzug am Trikot sponsern oder die Liga zu einer RB-Liga machen. Stattdessen macht RB ihren Spielern glauben, dass sie um einen Meistertitel kämpfen, stattdessen vermehren sie den Wert einer Limonadenfabrik.

Nun hat auch die Aufschrift „Wien Energie“ diesen Zweck, aber eben nur in einem Ausmaß, das einen vertretbaren Werbeaufwand in einem Energieunternehmen darstellt. Werbeetats sind ja nicht beliebig groß und sie sind knapp kalkuliert.

Die Lösung im Sinne von mehr Fairness ist einfach – zumindest für uns „Milchmädchenrechner“, es muss klarer definiert sein, was ein Fußballverein ist und was kein Fußballverein ist. RB ist kein Fußballverein und hat auch nicht Probleme eines solchen Vereins zu überwinden und daher sollte er auch nicht in einem Wettbewerb von Fußballvereinen teilnehmen.

An einer Bundesliga-neu dürften nur Vereine teilnehmen, die solche sind. Es gibt weder eine Beteiligungsmöglichkeit am Vereinseigentum also auch keine 50%+1-Aktien-Regel wie in Deutschland, noch gibt es Schenkungen, die sich in einem Sponsoring verstecken, also etwa eine Phantasiesumme für einen Trikot-Sponsor. Werbung ist natürlich zulässig und Teil des Wettbewerbs, aber ihre Summen dürfen ein ortsübliches Ausmaß nicht überschreiten.

Dass so etwas gar nicht so unüblich in einem regulierten Wettbewerb ist, kann man auch an der Förderung politischer Parteien sehen, wo man eine Förderobergrenze eingezogen hat, die dann relativ plump auch ausgenutzt wurde. Und genau mit diesen Problemen müsste sich dann die Liga auch auseinandersetzen. Derzeit muss sie ja offenbar nur darauf schauen, dass ein Verein ausreichend dotiert ist. Dann müsste sie auch darauf achten, ob Obergrenzen bei den Einnahmen nicht überschritten werden.

Obergrenzen können durchaus großzügig bemessen sein, sollte ein potenter internationaler Konzern bei einem Verein als Sponsor anklopfen, weil ihm das neue österreichische Modell imponiert, sollte für ein solches Engagement „Luft nach oben“ sein. Aber es sollte eben nicht möglich sein, den heimischen Markt monopolhaft zu dominieren.

Wie kommt man zu einer solchen Liga?

Ganz einfach, man löst die bisherige Bundesliga auf und gründet eine neue mit diesen geänderten Voraussetzungen.

Nun kann man einwenden, dass ein solches Modell eine Art Lex „Rapid“ ist, würde sie doch die Nummer Zwei schlagartig (wieder) zur Nummer Eins machen.

Dass man das nicht befürchten muss, dafür sorgt der Wettbewerb und die historische Erfahrung. Wir müssen nur die Folge der Meistertitel der letzten 50 Jahre hernehmen, um zu sehen, das Rapid keineswegs eine solche Rolle eingenommen hat.

Eine solche Bundesliga-neu bedeutet nicht automatisch, dass aus einem Serienmeister RB ein Serienmeister Rapid werden würde, weil die Unterschiede zwischen den Vereinen viel geringer sind, als die derzeitigen Unterschiede zu RB. Wie man an der obigen Grafik sieht, gibt es keinen gravierenden Unterschied zwischen dem Mannschaftswert von Rapid und des LASK. Dagegen übersteigt der Mannschaftswert von RB den von Rapid um 300 Prozent.

Würden die kleinen Vereine mitmachen?

Die kleinen Vereine bilden die Mehrheit in der Bundesliga und ohne begleitende Maßnahmen werden sie einer solchen Umstrukturierung wohl nicht zustimmen, denn ihnen kann es egal sein, wer Meister wird, weil ihre eigene Chance auf einen Titel zu gering ist. Aber man könnte sie für eine solche Bundesliga-neu gewinnen, wenn man ihnen dafür eine flache Verteilung der Fernsehgelder zubilligt. Derzeit gibt es ja einen Verteilungsschlüssel, der verschiedene wünschenswerte Kriterien wie Publikumszuspruch oder Österreicher-Anteil bewertet.

Würde der ÖFB so eine neue Ordnung begrüßen?

Das Ziel eines Landesverbandes ist auch eine möglichst hohe Positionierung im europäischen Ligensystem. Dass Österreich in der kommenden Saison von Platz 12 startet, ist schon beachtlich und zu einem großen Teil auf die Erfolge von RB zurückzuführen. Eine Obergrenze bei der Finanzierung von Vereinen würde diesen Höhenflug jäh abbremsen.

Wenn das Investitionsvolumen in die Liga sinkt, wird der ÖFB in dieser Frage wohl in Opposition gehen. Und das würde auch der Haltung der UEFA und FIFA in Finanzierungsfragen von Fußballklubs entsprechen. Dort stößt sich auch niemand daran, dass längst das Kapital bestimmt, wer die Titel holt und Spieler zu Marionetten, Vereine zu abhängigen Handlangern und Zuschauer werden.

So eine Rückkehr zu „Football old style“ hätte eben auch ihren Preis.

Orden für Aufdecker?

Es ist ein unverhältnismäßig kalter Freitag, der 17. Mai 2019, Rapid II verliert im Schwechater Stadion gegen Mauerwerk 2:0. Im Publikum wird über ein Video gesprochen, das in den darauffolgenden Tagen die österreichischen Politlandschaft auf den Kopf stellt und uns wohl noch Jahre beschäftigen wird. Der Öffentlichkeit ist es ziemlich egal, wer das Video gedreht hat und warum, die Empörung über das Sittenbild zweier Politiker überwiegt die Detailfragen. Der eigentliche Gottseibeiuns des Geschehens, der Politiker, wird uns mit seiner zweifelhaften Moral noch lange beschäftigen.

Ziemlich genau ein Jahr später, am 14.5.2020 berichtet die Bundesliga über ein Video, das unerlaubtes Training beim LASK zeigt. Die Verhandlung vor dem Strafsenat führt (vorläufig) zu einem Abzug von 6 Punkten und nunmehr zu Tabellenplatz 2 für den LASK. Auch dieser Umstand wird uns noch lange beschäftigen. Der Öffentlichkeit ist es ziemlich egal, wer das Video gedreht hat und warum, die Empörung über das Sittenbild der LASK-Führung überwiegt die Detailfragen. Der eigentliche Gottseibeiuns des Geschehens, der LASK-Präsident, wird uns mit seiner zweifelhaften Einstellung zum Sport noch lange beschäftigen.

In beiden Fällen liegt vieles im Dunkeln, zum Beispiel die Herstellung des Videos und die Motivation dazu.

Von nicht befolgten Befehlen

Maria-Theresien-Orden
(Bild Wikipedia)

Beim Militär ist ein Befehl so etwas wie ein gesprochenes Gesetz. Darüber nachdenken und dann anders zu handeln ist nicht erwünscht und kann gefährlich sein. Sich also einem Befehl zu widersetzen ist keine gute Idee.

In den Zeiten der Monarchie gab es den berühmten Maria-Theresien-Orden für eine besondere Art von Tapferkeit im Krieg. Ausgezeichnet wurden Offiziere – genaugenommen – dafür, dass sie gegen den Wortlaut eines Befehls gehandelt haben – und damit Erfolg hatten. Der Originalwortlaut ist „…Waffentaten, die ein Offizier von Ehre hätte ohne Tadel auch unterlassen können“.

Der Wappen im Orden ist mit dem Schriftzug FORTITUDINI (=Der Tapferkeit) umschlungen.

Nicht jeder, der einen Befehl anderswie ausgeführt hat, bekam auch einen Orden, es hätte auch eine Kugel sein können, der Unterschied lag im Erfolg oder Misserfolg der Aktion.

Die Verweigerung des „Trümmerbefehls“ vom 23. August 1944 (Paris sollte den Alliierten nur als Trümmerfeld in die Hände fallen) durch den Stadtkommandanten von Paris Dietrich von Choltitz bewahrte die Stadt vor Zerstörung.

Von gebrochenen Gesetzen

Im zivilen Alltag regeln Gesetze das Miteinander und es ist erstaunlich, wie gut das trotz aller individuellen Bedürfnisse funktioniert. Als es Gesetz wurde, Masken zu tragen, dann machten wir das, und es war ermutigend, wie gut die Umsetzung der ungewohnten Regeln gelungen ist und wie es uns als Kollektiv gelungen ist, die Verbreitung des Virus einzudämmen.

Manchmal ist aber die Einhaltung von Gesetzen und Regeln für betroffene Personen so unerträglich, dass sie von ihnen nicht mehr eingehalten werden und dass die Zivilgesellschaft – anders als vielleicht Justizbehörden dafür Verständnis zeigt. Die in einer Grauzone der Legalität operierenden Whistleblower unserer Tage erweisen der Zivilgesellschaft einen großen Dienst – wenn sie Erfolg haben.

In der Regel sind es Journalisten, die sich investigativ betätigen. Im Erfolgsfall erhalten sie dafür Publizistikpreise – wie zum Beispiel Alfred Worm 1981 den Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis für die Aufdeckung des AKH-Skandals.

Die Ausforschung von Sachverhalten durch Journalisten und ihre Informanten wird nicht immer legal sein, doch eine eventuelle Straftat verwandelt sich in eine Auszeichnung – im Erfolgsfall.

Whistleblower informieren die Öffentlichkeit über Vorgänge, die sie in ihrer beruflichen Funktion geheimhalten müssten. Es stehen einander also eine Straftat und öffentliches Interesse gegenüber. Kronzeugen wird bei einer der Auflärung dienlichen Aussage eine Strafminderung zugesichert. Das Rechtswesen bewertet Straftaten, die zur Aufdeckung anderer, möglicherweise größerer Straftaten führen, also entsprechend.

Cui bono (Wem nützt es?)

Die Motivforschung bei Straftaten ist ein wichtiges Element bei ihrer Aufklärung. Das auf Cicero zurückgehende Zitat Cui bono (Wem nützt es?) spielt dabei eine wichtige Rolle. Aber die Antwort auf diese Frage kann auch in die Irre führen. Einerseits ist diese Frage durchaus hilfreich bei der Ausforschung der Motive. Anderseits kann es auch der Ausgangspunkt von Verschwörungstheorien sein, wenn nämlich zwischen Ereignissen ein Zusammenhang hergestellt wird, der aber gar nicht besteht.

Wenn jemand von der Corona-Krise profitiert – zum Beispiel die Hersteller von Schutzmasken oder Impfstoffen – dann ist er nicht a priori auch der Verursacher der Pandemie. Auch dafür haben die Lateiner einen passenden Spruch parat: Cum hoc ergo propter hoc (Fehlschluss durch Scheinkausalität). Man muss also bei der Ursachenforschung mit „Cui bono“ immer auch im Auge behalten, dass ein beobachteter Zusammenhang auch rein zufällig sein kann.

Aktueller Anlass

Das Ibiza-Video vom Mai 2019 und das Video von unerlaubten Trainings beim LASK vom Mai 2020 haben eine verblüffende Ähnlichkeit (wenn auch nicht dieselbe Dimension) und berühren die hier skizzierten Aspekte. Wir können uns also die Fragen stellen

  • Wem nützen diese Videos?
  • Wer hat sie mit welchem Motiv angefertigt?
  • Gibt es Hintermänner?
  • Wollen wir diese Dinge angesichts der Erkenntnisse überhaupt wissen?
  • Sind die kompromittierten Personen in ihren Ämtern tragbar?
  • Sollten erfolgreiche Aufdecker nicht mehr Anerkennung bekommen?

…und den unbekannten Kameramännern einen Orden im Namen der zivilen Fußball-Community verleihen.

PS: Bitte bei der Einordnung der hier publizierten Artikel immer auf den Autor schauen. Die Artikel in diesem Tagebuch stammen bisher von Gerhard Niederhuber (Obmann des „Klub der Freunde des S.C.Rapid“, Verfasser des Grünzeug) und Franz Fiala (alles andere). Während Gerhard Niederhuber die Meinung des Vorstands des „Klub der Freunde“ vertritt, sind die anderen Artikel eine persönliche Sicht auf das Fußballgeschehen.

Spiele der Meistergruppe

Mi 3. Jun 20:30RB – Rapid: Liga, Meistergruppe,  1. Runde, Red Bull Arena; Geisterspiel, sky, ORF-1; Bundesliga: Spielbericht · EwkiL: Spielbericht · Weltfußball: Spielbericht
So 7. Jun 19:30Rapid – Sturm: Liga, Meistergruppe, 2. Runde, Allianz-Stadion; Geisterspiel, sky; Bundesliga: Spielbericht · EwkiL: Spielbericht · Weltfußball: Spielbericht
Mi 10 Jun 20:30LASK – Rapid: Liga, Meistergruppe, 3. Runde, Waldstadion; Geisterspiel, sky; Bundesliga: Spielbericht · EwkiL: Spielbericht · Weltfußball: Spielbericht
So 14 Jun 17:00Rapid – WAC: Liga, Meistergruppe, 4. Runde, Allianz-Stadion; Geisterspiel, sky, ORF-1; Bundesliga: Spielbericht · EwkiL: Spielbericht · Weltfußball: Spielbericht
Mi 17 Jun 18:30Hartberg – Rapid: Liga, Meistergruppe, 5. Runde, Stadion Hartberg, Geisterspiel, sky
Bundesliga: Spielbericht · EwkiL: Spielbericht · Weltfußball: Spielbericht
So 21 jun 17:00Rapid – Hartberg: Liga, Meistergruppe, 6. Runde, Allianz-Stadion, Geisterspiel, sky, ORF-1. Bundesliga: Spielbericht · EwkiL: Spielbericht · Weltfußball: Spielbericht
Mi 24 Jun 20:30Rapid – RB: Liga, Meistergruppe, 7. Runde, Allianz-Stadion, Geisterspiel, sky, ORF-1. Bundesliga: Spielbericht · EwkiL: Spielbericht · Weltfußball: Spielbericht
So 28 Jun 19:30Sturm – Rapid: Liga, Meistergruppe, 8. Runde, Merkur-Arena, Geisterspiel, sky. Bundesliga: Spielbericht · EwkiL: Spielbericht · Weltfußball: Spielbericht
Mi 1 Jul 20:30Rapid – LASK: Liga, Meistergruppe, 9. Runde, Allianz-Stadion, Geisterspiel, sky, ORF-1. Bundesliga: Spielbericht · EwkiL: Spielbericht · Weltfußball: Spielbericht
So  5 Jul 17:00WAC – Rapid: Liga, Meistergruppe, 10. Runde Wolfsberg; Geisterspiel, sky. Bundesliga: Spielbericht · EwkiL: Spielbericht · Weltfußball: Spielbericht

Babyelefant

Fußball strukturiert unser Leben.

Angesichts der Corona-Krise gehen dem Fußball bald die Themen aus, man könnte fast sagen, der Lebensnerv. Nur die allwöchentliche Rapidviertelstunde ist eine Erinnerung an bessere Zeiten. Und auch die hartgesottensten Anhänger müssen an den Wochenenden ungewohnten Dingen nachgehen. Die Fialas entdecken die Stadt, ihre Umgebung, und wir werden darin bestätigt, dass wir nicht nur Anhänger des besten Fußballklubs der Welt sind – so wie das auch beim Heimfilmabend im Anschluss an das unglücklich verlorene Finale einer der Fans im Interview ausgedrückt hat – sondern dass wir auch in einer der lebenswertesten Städte der Welt leben.

Dass wir alle eine Fortsetzung des Spielbetriebs herbeisehnen, ist klar. Aber die Rahmenbedingungen sprechen eher gegen eine Fortsetzung des Ligabetriebs – auch in Form von Gesterspielen – und gegen volle Zuschauerränge natürlich sowieso. Es sei denn, die Bundesliga schafft es, dem Gesundheitsminister akzeptable Bedingungen vorzuschlagen.

Bei einem Termin im Gesundheitsministerium wurde folgendes vereinbart:
„Hinsichtlich der Quarantänemaßnahmen wurde festgehalten, dass positiv getestete Personen und deren Kontaktpersonen in Quarantäne müssen.“

Regel und Ausnahmen

Regel: Babyelefant

Der Fortsetzung des Spielbetriebs steht die Abstandsregel entgegen, nach der ein Babyelefant zwischen zwei Personen Platz haben soll, natürlich auch zwischen Fußballspielern. Daher findet derzeit auch der Trainingsbetrieb in Kleingruppen statt.

Laut Wikipedia ist der Babyelefant bei der Geburt ohne Rüssel tatsächlich gerade einen Meter groß. Und der soll in jeder Alltagssituation zwischen zwei Personen passen. Wenn diese Distanz eingehalten wird, sind Ansteckungen unwahrscheinlich. Aber es gibt Ausnahmen:

Ausnahme 1: Schutzkleidung

Da aber gewisse persönliche Dienstleistungen wie zum Beispiel in der Pflege und der Medizin, nicht möglich wären, kann diese Regel durch das Tragen von Schutzkleidung umgangen werden.

Ausnahme 2: PCR-Test mit Quarantänepflicht

Und wenn eine Schutzkleidung nicht möglich ist, müssen such die Akteure einem PCR-Test unterziehen. Ist dieser Test negativ, können sie Körperkontakt haben. Die Sache hat allerdings einen Haken, denn wenn beim nächsten Test jemand positiv getestet wird, werden in einem Contact Tracing (Rückverfolgung von Infektionsketten) die Kontaktpersonen der letzten Tage erfasst, und diese Personen müssen sich dann in Quarantäne begeben.

Ausnahme 3: Quarantänebetrieb

Einige wichtige Institutionen wie zum Beispiel die Energieversorger und das Fernsehen haben einen schichtweisen Betrieb unter Quarantänebedingungen eingeführt, der sicherstellt, dass eine kasernierte Besatzung den Betrieb störungsfrei aufrecht erhalten kann – auch ohne die ansonsten geltende Abstandsregel.

Fußball und Kunst

Die seltsamen Parallelen zwischen Fußball und Kunst waren immer schon für einen Artikel gut, und wenn dieser Artikel nur dazu gedient hätte, meinem ungläubigen Fußballfreund Arnold diese Gemeinsamkeiten aufzuzählen. Dass ein Virus dieses gemeinsame Schicksal so verschiedener Welten aufzeigt. ist fast schon kitschig dramatisch.

Fußball und darstellende Kunst befinden sich in einer seltsamen Allianz, denn beide leben von großen Zuschauerzahlen und beide benötigen in der Darstellung körperliche Nähe der Akteure und beides widerspricht der Abstandsregel mit dem Babyelefanten. Wendet man die Ausnahme 2 „PCR-Test“ an, besteht die Gefahr, dass eine Ansteckung diagnostiziert wird und dadurch der Betroffene und mit ihm alle Kontaktpersonen in Quarantäne gehen müssen. Beim Fußball bedeutet das praktisch das vorzeitige Saisonende für den betroffenen Verein, und – wenn in der unmittelbaren Vergangenheit ein Spiel stattgefunden hat, was bei englischen Wochen der Fall wäre – auch des gegnerischen Vereins.

Aus diesem Dilemma scheint es keinen Ausweg zu geben, außer eben dieses Risiko auf sich zu nehmen und als Vorsichtsmaßnahme die betroffenen Akteure zu einer extremen Isolation zu verpflichten. Aber allein durch unvermeidbare familiäre Kontakte wird auch dadurch das Risiko nicht auf Null reduziert.

Christian Ebenbauer hat in einem Interview von Russischem Roulette gesprochen, das man bei Durchführung der Playoffs eingehen würde. Aber wie wahrscheinlich wäre ein solcher Abbruch?

Wie groß ist das Risiko eines Abbruchs?

Das Folgende ist eine „Milchmädchenrechnung“, der für alle Österreicher eine gleiche Chance auf Infektion zugrunde legt. Das ist in der Realität nicht der Fall. Wer allein zu Hause lebt, kann nicht angesteckt werden. Auch nicht jemand, der die Abstandsregeln einhält und Menschenansammlungen meidet. Spieler werden dazu angehalten, sich so zu verhalten.

Dagegen sind Menschen in Arbeitsprozessen oder mit Kundenkontakt deutlich mehr exponiert. Sicher gehören auch Fußballspieler mit ihren zahlreichen Terminen im Fernsehen und bei Sponsoren zu diesem exponierten Personenkreis.

Alles das wird hier nicht betrachtet, alle sollen dieselbe Wahrscheinlichkeit zur Ansteckung haben, und daher das Ergebnis höchstens als Anhaltspunkt zu betrachten.

An einem Tag

An einem Tag werden in Österreich zwischen 50 und 100 Neuinfektionen registriert, sagen wir 80. Die Wahrscheinlichkeit, dass man einer dieser Betroffenen ist, ist sehr gering: 80/8000000 = 0,00001 oder 0,01 Promille.

In 60 Tagen

Die Spiele der Bundesliga wären für den Zeitraum Juni-Juli geplant, also für 60 Tage.

In einem Zeitraum von 60 Tagen gibt es ca. 6000 Infektionen, sagen wir 8.000 (die Fallzahl wird wegen der aktuellen Lockerungen zunehmen). Die Wahrscheinlichkeit, sich in diesem Zeitraum zu infizieren, liegt bei etwa 1 Promille.

Menschengruppen

Betrachtet man eine Gruppe von Menschen, dann addieren sich die Wahrscheinlichkeiten der Einzelpersonen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand aus einer dreiköpfigen Familie in 60 Tagen infiziert liegt daher bei 3 Promille. Diese Personen müssen bei der Ansteckung eines Einzelnen Familienmitglieds in Quarantäne, um die Infektionskette zu unterbrechen.

Bundesliga Playoff

Wie ist das beim Fußball?

In zwei Monaten (Juni und Juli) sollen die restlichen Spiele der Bundesliga gespielt werden. Es gibt 12 Teams. Die Kadergröße eines Teams sei 25. Die betroffene Personengruppe umfasst 300 Personen (25×12). Die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine irgendeine Person dieser Gruppe in einem Zeitraum von 60 Tagen ansteckt, liegt bei 300 Promille oder 30 Prozent.

Wenn nun Spieler durch besonders disziplinierte Umgangsformen das 60-tägige Ansteckungsrisiko von 1 Promille senken, würde das natürlich die geschätzten 30 Prozent ebenso stark absenken, aber ein Restrisiko bleibt dennoch.

Ausweg: Quarantäne

Ein Ausweg könnte sein, dass man die Spieler – ähnlich wie das bei RB-Leipzig praktiziert werden wird (Bericht Bild-Zeitung) – in einer Quarantäne kaserniert, ähnlich wie das beim ORF und den Wiener Netzen der Fall war. Eine solche drastische Einschränkung der Lebensart könnte die Geisterspiele realistischer machen, weil natürlich die Ansteckungswahrscheinlichkeit – zumindest theoretisch – auf Null reduziert werden könnte.

Aber auch wenn eine solche Abwicklung gelingen könnte, wäre das höchstens eine Lösung für den Rest der Saison aber kein realistisches Modell für die zukünftige Meisterschaft.

Ein historischer Rückblick

Die Auswirkungen der spanischen Grippe in Österreich 1918 waren verheerend. Die Wiener Zeitung berichtet in einem Nachdruck von 900 Toten in einer Woche im Oktober 1918 und insgesamt 6500 Toten zwischen 1918 und 1920.

Es ist bemerkenswert, dass man damals ganz ähnliche Maßnahmen wie heute getroffen hat, also zum Beispiel Schulschließungen, aber so konsequent, dass man auch den Fußballbetrieb eingestellt hätte, war man damals nicht.

Links

Corona und Fußball

Wer hätte gedacht, dass unsere Auswärtsfahrt nach Wolfsberg am 15.3. die letzte für lange Zeit werden würde. Und die nächste Auswärtsfahrt nach Salzburg war auch schon in Planung. Der Salzburg-Fanbus war am Freitag, 13.3. bald nach dem Verkaufsstart ausverkauft. Am Montag 17.3. kauften wir voller Optimismus noch unsere Karten, am Dienstag wurde dieser Vorverkauf gestoppt. Am Freitag verkündete die Regierung, dass sich jetzt alles ändern werde im Land.

Fußballspiel Zero

Am 19. Februar stieg im Mailänder San Siro das Champions-League-Spiel zwischen Atalanta Bergamo und dem FC Valencia. Heute sind die Epidemiologen sicher: die Partie mit 44.000 Zuschauern verstärkte die Ausbreitung des Coronavirus in der Region massiv. (stern.de vom 23.3.2020)

Von Mäusen und Elefanten

Heute ist es unwichtig, ob der Rapid-Kapitän verlängert oder wer Meister wird. Die Frage, wann überhaupt wieder Fußball gespielt werden kann, überragt alles andere. Doch eine zweite Frage gesellt sich dazu und zwar die, ob der Profifußball diese Krise überhaupt überleben wird.

Wenn in der Savanne längere Zeit Dürre herrscht, wird es für die dort lebenden Tiere eng, besonders für jene mit einem großen Nahrungsbedarf. Und so sonderbar das auch ist, das kleine Nagetier Maus hat in dieser Situation größere Überlebenschancen als der unbesiegbar scheinende Elefant. Große Tiere könne nur bei einem ausreichend stabilen Nahrungsangebot überleben.

Admira-Geschäftsführer Drabek hat am 16.3. Christoph Peschek angegriffen, weil sich Rapid Sorgen um den massiven Einnahmen-Ausfall macht und bezeichnete das als „Einzelinteresse“. (Bericht vom 16.2.2020 in laola1 und anderen Medien). Man sieht, die Rollen sind verteilt. Der Elefant möge sich nicht beklagen, die Maus finde ja auch ihr Auslangen in der ausgetrockneten Landschaft. Ein Elefant weniger wäre für die Geier ein gefundenes Fressen.

Glücklicherweise ist ein moderner Betrieb kein unflexibler Elefant. Ein Betrieb kann für einige Zeit in eine Art Winterstarre verfallen, dabei die Kosten auf ein Minimum reduzieren und – vor allem – kann ein Betrieb mit solidarischer Unterstützung des Staates rechnen. Aber Profi-Fußball-Vereine sind Betriebe mit „besonderen Bedürfnissen“.

Alle Anhänger des Fußballsports stellen sich bei den Ablöse- und Gehaltssummen der Topspieler immer wieder die Frage, ob denn Menschen einen solchen Wert haben können, der für sie bezahlt wird. Und die Antwort ist: ja, denn das Geld ist vorhanden, und es wird nur in die Spieler investiert. Die Summen wären zwar nicht gar so hoch, wenn nicht auch noch reiche Eigentümer die Preisspirale nach oben anheizen würden, aber Bayern München zeigt, dass man auch ohne Investor mithalten kann.

Das Motto der Rapid-Geschäftsführung, alle Einnahmen wieder dem Fußballbetrieb zuzuführen, ist allen Fußballvereinen gemeinsam. Und da diese Einnahmen wegen der hohen Popularität beachtlich sind, fließen die erwirtschafteten Gelder in diese 20-30 Spieler und das Trainerteam. Gewinne, die als Dividende an die Eigentümer ausgeschüttet werden, sind ja nicht vorgesehen. Gewinn, das ist der sportliche Erfolg.

Wenn Betriebe geschlossen werden müssen, kann der Betrieb, unterstützt durch den Staat, diese Kosten des Stillstands, also laufende Betriebskosten, Kredit- und Steuerzahlungen sowie Löhne weiterzahlen. Und bei den Löhnen erfand der Staat ein Kurzarbeitsmodell, das sehr attraktiv ist und den Betrieben einen raschen Neustart und den Beschäftigten den Arbeitsplatz sichert. Allerdings bezieht sich dieses Modell auf „normale“ Arbeitnehmer, also solche mit klassischen Arbeitnehmerverträgen. Verträge von Fußballprofis werden durch dieses Kurzarbeitsmodell nicht bedient.

Sportminister Werner Kogler hat in einer der ersten Pressekonferenzen zu den Unterstützungsmaßnahmen ergänzt, dass natürlich auch Sportvereine unterstützt werden, die ihre laufenden Kosten nicht bezahlen können – im Bildbericht wurde der SK Breitenfurt vorgestellt, schloss aber auch gleichzeitig die Stützung des Fußball-Profibetriebs aus.

Wie jeder andere Betrieb kann ein Fußballverein sein Personal in Kurzarbeit schicken und bekommt den größten Teil der Kosten ersetzt. Aber der Profibetrieb hat – anders als Produktionsbetriebe – durch die weiterlaufenden Spieler- und Trainergehälter enorme laufende Personalkosten bei gleichzeitigem Entfall aller Einnahmen. Und dieser Umstand setzt Fußballvereine mit einem Profibetrieb unter einen besonderen Druck, der eine existenzielle Dimension hat. Und je größer der Wert der Mannschaft und deren Lohnkosten sind, desto früher droht das finanzielle Aus.

Daher sind die Elefanten in diesem Gewerbe mehr gefährdet als die Mäuse.

Solidarität

Ob alle Profifußballvereine diese Krise überstehen werden, weiß man derzeit noch nicht, dass es aber ungemütlich wird, das zeigen erste Berichte aus Deutschland. Am 20.3. zitiert der Kurier Zoran Barisic: „Es geht darum, den Fortbestand von Rapid zu sichern“. Eine Solidarisierung aller am Fortbestand von Rapid Interessierter wird nötig sein.

Solidaritätsbeitrag des BlockWest

Der eindringliche Aufruf des Blocks an alle seine Mitglieder, zu Hause zu bleiben und der Vordruck für die Nachbarschaftshilfe (siehe Rapidviertelstunde-218) sind schon eindrucksvolle Beispiele von Solidarität, die sogar das sonst offen zu Schau gestellte Kriegsbeil gegenüber der Obrigkeit begraben lässt – für die Dauer der Krise, versteht sich;-)

Solidaritätsbeiträge der Profis

Das, was in „Friedenszeiten“ als Marktwert eines Spieler gehandelt wurde und auf dem auch die Gehälter aufbauten, dürfte derzeit wie eine Aktie ins Bodenlose fallen. So wie der Handel an Börsen punktuell ausgesetzt wird, dürften Transfers in diesen Tagen schwierig werden. Freiwilliger Gehaltsverzicht der Spieler wird wohl ein Solidaritätsbeitrag sein müssen. In Deutschland werden darüber hinaus Geisterspiele als Überlebensmittel angedacht.

Solidaritätsbeiträge der Anhänger

Wenn ich in meine Geldbörse blicke, schaut das nicht so aus, als könnte ich Rapid helfen, aber solche wie mich gibt es viele. Und wenn auch derzeit der Weg in den Fanshop verunmöglicht wird, der Online-Fanshop ist jederzeit geöffnet und ein Osterset (oder Gleichwertiges um 100,- Euro) ergibt schon eine Menge – wenn alle es tun! Wenn 10.000 Fans aus Solidarität ein Osterset kaufen, ist das immerhin eine Million.

Bitte kaufen, bitte kaufen, bitte kaufen Augustin Osterset! (frei nach Ján Klimeš), den grün-weißen Augustin-Verkäufer)

Solidaritätsbeiträge der Abonnenten und Mitglieder

Rapid-Mitglieder sollten wegen der nicht stattfindenden Spiele nicht streiten. Wie heißt es doch immer: „Rapid gehört seinen Mitgliedern“, und als Eigentümer müssen wir versuchen, den Kahn über Wasser zu halten.

Solidaritätsbeiträge der Investoren

Ende des Jahres steht die erste Rückzahlung für die 5-jährigen Rapid-Investoren an. Und das bedeutet für Rapid eine zusätzliche Belastung und die sich’s leisten können, könnten in einer solidarischen Aktion diese Rückzahlung auf ein späteres Jahr hinausschieben, also in einer gemeinsamen Aktion aus einer 5-jährigen eine 7-jährige, aus einer 7-jährigen eine 9-jährige und aus einer 9-jährigen eine 11-jährige Investition machen.

Feind

Derzeit ist es keine Frage, wie das nächste Spiel wohl ausgeht, heute fragen sich die Fußball-Interessierten, wann wohl überhaupt das nächste Spiel und das nächste mit Publikumsbeteiligung stattfinden wird. Die Optimisten reden vom Mai, Fachleute sagen, dass es den Fußball, wie wir ihn gekannt haben, im heurigen Jahr überhaupt nicht geben wird können (Virologe des Hamburger Instituts für Tropenmedizin, 20.3.2020 stern.de). Wie wir am Beginn dieses Artikels gehört haben, wird vermutet, dass das Fußballspiel Atalanta Bergamo gegen Valencia einen wesentlichen Einfluss auf die starke Verbreitung des Virus in Norditalien hatte. Man wird seitens der Regierungen sicher nicht zulassen, dass ein Erfolg im Kampf gegen das Virus – das wären also sinkende Infektionszahlen – durch Massenveranstaltungen gleich wieder zunichte gemacht wird. Die Freigabe von Massenveranstaltungen wird erst ganz am Ende des Tunnels stehen. Olympia wird abgesagt und in Hütteldorf würde gleichzeitig Fußball gespielt werden? Kaum vorstellbar!

Der Grund für diese lange Dauer der Epidemie ist unsere Art, die Ausbreitung der Krankheit durch Isolationsmaßnahmen zu bekämpfen. Wir erreichen dadurch zwar ein Abflachen der Kurve, aber der Preis ist eine längere Dauer. Aber warum dauert es länger?

Die strichlierte horizontale Linie symbolisiert die Grenze unseres Gesundheitssystems. Die beiden Flächen (rot und blau) sind gleich.

Herdenimmunität

Über Boris Johnson wird berichtet, dass er auf die „Herdenimmunität“ vertraut hätte. Man machte es ihm zum Vorwurf, dass er die Dinge einfach laufen lässt (rote Kurve oben) – mit einem gewissen Schutz für die Alten. Nun haben aber auch wir – mangels Impfstoff – kein anderes Konzept als eben diese Herdenimmunität, denn erst, wenn ein ausreichend großer Teil der Bevölkerung erkrankt und wieder genesen (und dadurch immunisiert) sein wird, hat eine Neuerkrankung keine Verbreitungsmöglichkeit mehr, das Virus wäre dann besiegt. Genaugenommen findet das Virus keinen Wirt mehr, weil alle bereits immun sind. Die „Herde“ entspricht der Fläche unter der Kurve. Bei COVID-19 müssen das etwa 60% der Bevölkerung sein bei Masern 90%, weil Masern eine höhere Reproduktionsrate hat.

Sowohl der rote also auch der blaue Verlauf betreffen einen großen Teil der Bevölkerung, doch die strichlierte Linie deutet die Kapazität des Gesundheitssystems an. Mit dem blauen Verlauf können alle schwerer Erkrankten behandelt werden, im roten Verlauf blicken wir auf kriegsähnliche Zustände wie sie teilweise aus Oberitalien gemeldet werden.

Der „Sieg“ besteht nicht darin, dass man sich Erkrankung erspart, sondern darin, dass man eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindert. Auch die blaue Kurve zielt auf eine Herdenimmunität ab, doch durch restriktive Maßnahmen werden nur kleinere Wachstumsraten zugelassen, damit eben das Gesundheitssystem nicht zusammenbricht. Es dauert dadurch aber länger, bis möglichst viele – hoffentlich mit wenigen Nebenwirkungen – erkrankt und wieder genesen sind.

Leider bedeutet das nicht Gutes für den Fußball, denn die Fußballpause wird dadurch deutlich länger. Beachtet, dass wir uns erst ganz am Anfang der Kurve befinden – hoffentlich der blauen – und erst wenn sich keine Zuwächse mehr zu beobachten sein werden, haben wir die Hälfte dieses Prozesses hinter uns. Und derzeit ist das noch überhaupt nicht abzusehen.

Dunkelziffer

Bei den paar Tausend Erkrankten, die wir heute zählen schaut das eher wie ein endloser Prozess aus bis alle „durch“ sind. Dabei kommt uns aber die Dunkelziffer der Erkrankung zu Hilfe, denn die liegt zwischen 5 und 50 (so genau weiß das niemand). (Meldungen in der ZIB 2 am 23.3.2020 und im Kurier vom 20.3.2020). Je höher die Dunkelziffer – das sind also Personen, die infiziert sind, das aber nicht bemerken und dennoch Überträger sind – desto größere Teile der Bevölkerung werden angesteckt und sind nach ihrer Genesung immunisiert.

Prognose

Beachtet die Meldungen im Fernsehen. Prognosen hört man wenige. Nicht, dass man keine Modelle dafür hätte, aber eine Publikation dieser Modelle wäre für die meisten sehr deprimierend. Dabei sind Prognosen gerade bei so gut beschreibbaren Phänomenen wie dem einer Epidemie durchaus möglich. Man kann sich aber gut an den Absagen anderer Veranstaltungen orientieren, was uns in den nächsten Monaten im Fußball erwartet: Formel 1, Olympia usw.

Verlauf der positiv Getesteten in Österreich.
Ein geradliniger Verlauf bedeutet einen gleichmäßig exponentiellen Anstieg der Fallzahlen.

Wir beobachten die Fallzahlen bereits seit 27 Tagen, dem ersten Auftreten des Virus am 26.2.2020. Am 16.3. starteten unsere gemeinsamen Bemühungen zur „Abflachung der Kurve“. Heute, eine Woche danach, können wir tatsächlich eine leichte Verflachung feststellen, einen Stillstand der Zunahme sieht man aber noch nicht. Am Freitag, 20.3. erstellte ich eine Prognose (blaues Bild) ausgehend von den Zahlen des Gesundheitsministeriums auf https://info.gesundheitsministerium.at. Der Maßstab der Darstellung in logarithmisch, weil sich exponentielle Anstiege in dieser Darstellung als Geraden abbilden. Daher sind Änderungen der Zuwachsraten durch Krümmungen der Testwerte gut sichtbar. Am 20.3. wurde diese Gerade mit drei Wachstumsraten bis zum Palmsonntag verlängert. rot: 30% Zuwachs pro Tag, gelb 20% Zuwachs pro Tag und grün: 10% Zuwachs pro Tag.

Heute, am 24.3., ist die weiße Linie der Fallzahlen bereits etwas weiter gewandert und man würde schätzen, dass die Fallzahl am Palmsonntag eher über der 10.000-er Marke liegen wird, weil die Fallzahlen derzeit über der grünen 10%-Linie zu liegen kommen. Wenn aber unsere Bemühungen auch in der laufenden Woche die ansteigende Gerade weiter nach unten biegen, könnten wir unter der 10.000er-Marke in der Osterwoche ankommen.

Solange diese Kurve ansteigt, haben wir das Maximum noch nicht erreicht. Es könnte sein, dass das am Ostersonntag der Fall sein wird, aber es muss nicht sein. Und auch wenn, wäre das erst der halbe Weg. Seien wir also optimistisch, und meinen wir, dass es aber Ostersonntag wieder bergab gehen könnte. Dafür gibt es auch noch ein zweites Merkmal und das sind die Genesenen, die heute noch gar keine Rolle spielen aber in drei Wochen kann das schon anders ausschauen. Mit steigender Zahl an Genesenen verflacht nämlich die Kurve weiter, weil uns nicht die insgesamt Infizierten sondern die tatsächlich Erkrankten interessieren. Aber zu Ostern werden wir schon 46 Tage mit dem Virus befasst gewesen sein und erst dann beginnt – hoffentlich – der Abstieg und der wird wenigstens ebenso lang dauern, also bis 28.5.2020.

Was wir damit noch nicht erreicht haben dürften, ist die Herdenimmunität, denn die erfordert bei der Reproduktionsrate des COVID-19-Virus von etwa 2,5-3,5, dass etwa 70% der Bevölkerung erkranken müssen. Daher wird der ganze Prozess immer wieder von vorne beginnen und wieder abklingen, wenn auch bei Weitem nicht so stark. Echte Entspannung wird sich erst einstellen, wenn ein Impfstoff gefunden werden wird. Also auch wenn diese hohen Infektionszahlen vorbei sein werden, gibt es noch lange keinen Alltag und es wird lange dauern, jedenfalls viel länger als ein paar Wochen, bis wir uns wieder im Stadion werden treffen können.

Dass Bundesliga-Spiele im Mai stattfinden, könnte sein, allerdings bestenfalls als Geisterspiele. Verbündete des Fußballs könnten die Schulen sein, die ja auch für den Jahresabschluss und die Mature öffnen sollen. Für uns Zuschauer wird es in dieser Saison wohl keinen Stadionbesuch mehr geben. (Weiter Hinweise über den Verlauf siehe Link weiter hinten).

Die Chinesen haben es doch auch geschafft!

Nehmen wir an, wir machen es den Chinesen nach. Der erste Fall in China wurde am 19.1.2020 gemeldet. Am 8.4.2020 wird man in Wuhan wieder zum Alltag zurück kehren. Das sind 80 Tage mit dem Virus. Übertragen auf Österreich bedeutet das: am 26.2.2020 wurde in Österreich der erste Fall gemeldet, am 16.5.2020 kehrt wieder die Normalität ein.

Aber wir sind keine Chinesen! Unsere Gesellschaften sind sehr verschieden. Die Maßnahmen, die in China getroffen worden sind, sind in unseren Breiten schwer vorstellbar. Im „Weltjournal“ wurde eine Reportage über die Situation in Peking gezeigt. Es herrschte ein totales und durch zivile Blockwarte überwachtes Ausgehverbot mit Absperrungen vor den Eingängen zu den Wohnblocks. Die Wohngebiete wurden durch Botendienste versorgt. Alle Einwohner wurden und werden durch Handy-Apps verfolgt, und im Infektionsfall werden alle Kontaktpersonen automatisch identifiziert und danach unter Quarantäne gestellt. Gebrauchtes Bargeld wird gereinigt und danach 14 Tage lang nicht ausgegeben. Uvam.

Viele dieser Maßnahmen sind bei uns nicht vorstellbar, aber sie haben in ihrer Radikalität bewirkt, dass im April in Wuhan wieder ein Alltag einkehren kann. Eine Bewegungsfreiheit in unserem Sinn wird in China aber auch im April nicht gegeben sein. Um sich bewegen zu dürfen, benötigt man eine Gesundheitsbestätigung, die am Handy eingetragen ist und die natürlich auch überwacht werden kann. Wegen dieser Ungleichheit der Systeme dürfen wir nicht so optimistisch sein, dass in 80 Tagen alles vorbei sein wird. Es wird länger dauern.

Und auch wenn Geschäfte längst wieder offen sein werden; Menschenansammlungen werden das Letzte sein, was die Behörden erlauben werden, denn diese Ansammlungen trugen sowohl in Italien (SanSiro), in Spanien (internationaler Frauentag) und Österreich (Wintertourismus) stark zur Verbreitung bei.


Link

Wer sich grundsätzlich mit dieser Thematik befassen will, dem empfehle ich die Studie von Tomas Pueyo mit dem Titel „Der Hammer und der der Tanz“ (Wie die nächsten 18 Monate aussehen könnten. Man erkennt, dass die deutsche Version eine automatische Übersetzung ist), in ein Word-Dokument umgewandelt von meinem Freund Robert.

Nachträge

Handy-Ticket

Es gab einen Fehlerbericht über das neue Handy-Ticket, in dem eine dritte App vorgeschlagen wurde, weil die beiden empfohlenen Apps nicht funktionierten. Das stimmt nach wie vor, allerdings nur für den Spezialfall eines HUAWEI MATE 20 pro. Bei anderen Handys, auf denen ich das Handy-Ticket seither installiert habe funktionierten alle empfohlenen Apps einwandfrei, auch bei anderen HUAWEI-Typen.

Der Artikel wurde insofern berichtigt, als dieser Umstand gleich in der Einleitung ergänzt wurde. Vielleicht hilft ja der Text einem anderen Betroffenen, der ein ähnliches Problem hat.

Andy-Wuchtel

Eine Wuchtel, erzählt von Christoph Peschek am Abschiedsabend für Andy, muss ich noch nachtragen.

Man kennt doch Andy Marek auch von der Moderation der Rapid-Viertelstunde. Bei diesen Sendungen hält Andy Moderationskarten in der Hand, und der Zuschauer mutmaßt, dass auf diesen Karten eine Abfolge der Verlautbarungen stünde, die ihm ein Redaktionsteam vorbereitet hat. Die Wahrheit ist, dass die Karten einerseits das Bild beleben, weil die Hände immer in Bewegung sind und dadurch die Aufnahme sehr dynamisch wirkt, andererseits aber steht auf den Karten nichts – gar nichts.

Moderationskarten als Dekor und dynamisierendes Element

Ich habe selbst erlebt, mir welcher Präzision und Wortgewandtheit Andy eine solche Aufnahme erledigt und zwar bei der Enthüllung des Gedenksteins auf der Schmelz, bei der das legendäre Foto von Alfred Körner entstand, den Robert Racic auf einer Rodel zum Auto bringt. Die uns von Filmszenen bekannten Zusammenbrüche der Regisseure, nach dem oftmaligen Wiederholen einer Szene, gibt es bei Andy nicht. Eine Aufnahme genügt, dann ist die Ansage „im Kasten“.

Dieser Text wurde im Beitrag „Abschiedsabend Andy Marek“ nachgetragen.

Ein letztes „Danke-Bitte“

Leider haben wir alle schon ein „Letztes Mal“ bei Begegnungen erlebt, von denen wir aber nicht wussten, dass es das letzte Mal sein würde. Zum Beispiel erlebten wir Alfred Körner ein letztes Mal bei der Hauptversammlung im November 2019.

Bei Andy Marek war es anders, es war ein „Letztes Mal mit Ansage“ und daher habe ich beim letzten Spiel gegen Wattens „das Stadion“ aufgezeichnet und daraus die letzten Erinnerungen festgehalten

Für Hartgesottene gibt es das ganze Spiel zum Nachhören (3h39’16“, 140 MB)

Dieser Text wurde im Beitrag „Rapid-Wattens“ nachgetragen. Die Audio-Files findet man im Bilderordner oder über die obigen Links.

Links

2020

Termine bis zur Gruppenteilung

Di 07 Jän 2020 14:30 Trainingsbeginn
                     Testspiel                       Ernst-Happel-Stadion
Di 14 Jän 2020 18:30 Testspiel Rapid II-Wienerberg   HMI-Arena, Wienerberg
Fr 17 Jän 2020 18:30 Testspiel Rapid II-Zwettl       Ernst-Happel-Stadion 
Sa 18 Jän 2020 14:00 Testspiel Wr.Neustadt-Rapid     Stadion Wr.Neustadt 
Di 21 Jän 2020 18:00 Testspiel Rapid II-Stadl-Paura  Ernst-Happel-Stadion   
Sa 25 Jän 2020 15:00 Testspiel Rapid II-FAC          Ernst-Happel-Stadion  
Sa 25 Jän 2020       Testspiel Rapid-?               Ernst-Happel-Stadion 
Mi 29 Jän 2020       Testspiel Rapid-Odensee         Belek
                     Testspiel Rapid-Vojvodina       Belek
Fr 31 Jän 2020 18:00 Testspiel Vienna-Rapid II       Nachwuchszentrum, Wien 20 
Sa 01 Feb 2020       Testspiel Rapid-?               Belek
Di 04 Feb 2020       Testspiel Rapid-Maribor         Belek
Fr 07 Feb 2020 15:00 Testspiel Rapid II-Horn         Ernst-Happel-Stadion 
Sa 08 Feb 2020       Testspiel Rapid-Senica          Ernst-Happel-Stadion
Fr 14 Feb 2020 18:30 Testspiel Rapid II-Sch./Warth   Ernst-Happel-Stadion   
So 16 Feb 2020 17:00 19. Runde Rapid-Wattens         Allianz-Stadion, letzte Moderation von Andy Marek
So 23 Feb 2020 14:30 20. Runde Hartberg-Rapid        Hartberg, Otto-Gerlitz-Platz 2, 8230, Hartberg
Fr 28 Feb 2020 19:00 17. Runde Rapid II-Traiskirchen West 1
So 01 Mär 2020 17:00 21. Runde Rapid-Mattersburg     Allianz-Stadion
Fr 06 Mär 2020 19:00 18. Runde Neusiedl-Rapid II     Sportzentrum 2, 7100, Neusiedl am See
Sa 07 Mär 2020 17:00 22. Runde WAC-Rapid             Wolfsberg

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Finanzkennzahlen der Bundesligaklubs

Die Bundesliga präsentierte die Finanzzahlen der Bundesligaklubs. In den folgenden Tabellen sind die einzelnen Kenngrößen nach der Größe gereiht.

Die Zahlen sind in Tausend Euro und gelten für die Saison 2018/19 per 30.6.2019. Die Originaldokumente sind am Ende des Berichts zu finden.

Die Platzierung in diesen Tabellen

2 - 3 - 2 - 2 - 2 - 2 - 4 - 2 Rapid
1 - 2 - 5 - 1 - 3 - 3 - 2 - 1 Austria

Bilanzdaten

Anlagevermögen

70.837  Austria
61.248  Rapid
33.349  RB
 6.542  Mattersburg
 5.419  Sturm
 4.530  Altach
 4.416  LASK
 3.644  WAC
 1.929  Admira
 1.198  Hartberg
   546  St. Pölten
   345  Wattens

Umlaufvermögen

32.113  RB
19.192  Austria
10.164  Rapid
 5.969  Mattersburg
 5.687  Sturm
 3.714  LASK
 2.423  Altach
 2.281  St. Pölten
 1.963  Admira
 1.182  WAC
   832  Wattens
   359  Hartberg

Eigenkapital

44.045  RB
15.106  Rapid
 5.978  Mattersburg
 5.362  Sturm
 4.309  Austria
 1.801  Altach
   393  Wattens
   390  WAC
   213  LASK
   -33  Hartberg
  -886  St. Pölten
-1.148  Admira

Fremdkapital

76.175  Austria
45.109  Rapid
24.323  RB
 7.715  LASK
 5.576  Mattersburg
 4.777  Admira
 4.294  Sturm
 3.748  St. Pölten
 2.805  WAC
 2.631  Altach
   832  Wattens
   543  Hartberg

Gewinn- und Verlustrechnung

Erträge

119.061  RB
 50.745  Rapid
 38.763  Austria
 18.940  Sturm
 15.303  LASK
 11.341  Mattersburg
  8.374  St. Pölten
  8.337  WAC
  7.386  Altach
  6.716  Admira
  4.308  Hartberg
  4.017  Wattens

Personal

51.750  RB
22.278  Rapid
14.576  Austria
10.757  Sturm
 7.704  LASK
 7.493  Mattersburg
 5.270  St. Pölten
 4.663  WAC
 4.699  Altach
 4.597  Admira
 2.693  Hartberg
 2.801  Wattens

Jahresergebnis nach Steuern

23.726  RB
 2.286  Austria
 1.252  LASK
   180  Rapid
   101  Wattens
    89  Sturm
    71  Hartberg
    28  Altach
    19  St. Pölten
   -44  Mattersburg
  -141  WAC
  -389  Admira

Agenten und Spielervermittler

1.502  Austria
1.391  Rapid
  967  RB
  859  Sturm
  405  LASK
  179  WAC
  123  Altach
  102  Admira
   79  St. Pölten
   67  Hartberg
   25  Mattersburg
    -  Wattens    

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Kommentare

Krone DerStandard

Rapid analog

Rapidler, besuchst Du den Fancorner, siehst Du dort einige gedruckte Werbekarten, die hier zusammengefasst sind.

Rapid ON EAR

Dieter ist blind. Bei jedem Heimspiel von Rapid begleiten wir Dieter an seinen Platz und holen ihn nach dem Spiel auch wieder ab und fahren mit ihm gemeinsam nach Hause. Viele Details des Spiels, die wir selbst nicht so gut gesehen haben, erfahren wir von Dieter. Manchmal ist die Zeit der gemeinsamen Heimfahrt zu kurz, um alle Aspekte des Spiels zu verarbeiten inklusive der obligaten Seitenhiebe auf den Schiedsrichter.

Dieter „schaut“ ein Spiel an. Kopfhörer sind absichtlich etwas verrutscht, um den Stadionsound mitzuhören.

Der Schlüssel zu Dieters Informationen ist der Service „Bundesliga ON EAR“. Zwei Sprecher kommentieren das Spiel in allen Details speziell für Blinde. Am ehesten können sich das die älteren unter uns vorstellen, wenn sie sich an die spannenden Rundfunk-Kommentare des Heribert Meisel*) erinnern.

Der heutige „Heribert“ heißt Johannes Kloiber-Karner. Johannes hat das Fach Musical an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien studiert und ist Teil des Kommentatoren-Teams bei „Bundesliga ON EAR – das Stadion Radio“. Johannes ist in der Blindenszene besonders populär. weil er auch als Audiodeskripteur bei ORF und ZDF arbeitet. Auch bei Theatervorstellungen, die speziell für Blinde durch eine Audiodeskription begleitet werden, haben wir Johannes schon erlebt.

Johannes bei dem Spiel Rapid-St.Pölten (von der Facebook-Seite)

Die Kommentatoren von Bundesliga ON EAR kommentieren das Spiel von der Pressetribüne und sie haben dazu auch einen Monitor mit dem Fernsehbild vor sich – etwas, das uns Stadionbesuchern fehlt. Daher sind die Kommentatoren besser informiert und können strittige Szenen wegen der Wiederholungen im Fernsehbild besser kommentieren.

Dieter weiß – dank Johannes und uKW 96,5 MHz – mehr über das Spiel als andere Stadionbesucher.

Rapid ON EAR

Man kann diesen Audiokommentar im Allianz-Stadion auf folgende Arten empfangen:

An alle, die normalerweise einen Live-Ticker als Text verfolgen. Aktiviert die Seite der Bundsliga ON EAR oder wählte die Telefonnummer 01-225 0001, dort findet Ihr einen viel besseren Live-Kommentar.

Den Audio-Kommentar gibt es bei Rapid, Austria, RB und Sturm.

Sowohl auf der Webseite als auch in der App sieht man auf der Seite eines Spiels „ON EAR“, wenn es einen Audiokommentar gibt. Start des Audio-Streams mit dem eingeblendeten Audioplayer.

Ticketinformation für Blinde

Blinde können Heimspiele von Rapid kostenlos besuchen, die Begleitperson bezahlt 10 €.

Links

*) Heribert Meisel wurde zum Gegenstand der Promifrage der Sendung „Was gibt es Neues?“ Gestellt hat sie der 92-jährige Hugo Portisch. Sie lautete „Warum wurde eine Ausgabe des Kurier im Jahr 1966 in zwei Versionen gedruckt?“

Heribert Meisel hatte damals eine eigene Kolumne im Kurier. Schwer erkrankt landete er im Krankenhaus uns schrieb auch vom Krankenbett an seiner Kolumne. Unter dem Einfluss von Medikamenten ist ihm sein letzter Artikel aber nicht mehr so gelungen, dass man ihn hätte abdrucken können. Chefredakteur Portisch korrigierte den Artikel in eine druckreife Version, doch da er wusste, dass Heribert diese Kolumne im Spital lesen würde und die Korrekturen bemerkt hätte, legte der Kurier eine zweite Auflage (einige Dutzend Stück) auf, die den Artikel im Originaltext enthalten hat. Und diese zweite Auflage verteilte man im Spital, um den Autor nicht zu kränken.

22 spielen, einer pfeift

Zwei spannende Stunden erlebten wir am 31.10.2019 in der VHS-Penzing – dank eines didaktisch sehr begabten Vortragenden, der es hervorragend geschafft hat, uns einen an sich trockenen Stoff mit Unterstützung durch Videos und vielen Beispielen näher zu bringen. 17 Regeln wurden uns vorgestellt, die es teilweise in sich haben, und wir mussten uns eingestehen, dass wir nicht so regelkundig sind wie wir glauben.

Ich wähle Details aus, ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit. Tatsächlich wurden ziemlich spitzfindige Situationen an Hand von Videos besprochen, die ich mir leider nicht alle gemerkt habe. Bei den Bildern finden auch die Vortragsfolien. Die letzte Folie sind Fragen aus einem Test für Schiedsrichter, mit denen man sein Wissen überprüfen kann.

Die weißen Linien die das Spielfeld markieren und unterteilen sind immer Teil jenes Bereichs, den sie bezeichnen. In einem Video-Beispiel wurde gezeigt, dass ein Fouvergehen auf der Linie einen Strafstoß zur Folge hat

Ein Strafstoß ist übrigens etwas anderes als ein Elfmeter. Strafstöße (Penalty) werden während des Spiels aufgeführt, Elfmeter (Penaltyshootout) gibt es nur beim Elferschießen.

Der Fußball braucht „unmenschliche“ Schiedsrichter, das sind solche, die sich nicht irren, leider aber gilt „Irren ist menschlich“.

Was auch immer ein Schiedsrichter entscheidet: Elf sind dafür, elf dagegen.

Die Fußballregeln werden von der IFAB mit Sitz in Zürich erlassen. Das Gremium besteht aus 8 Personen, 4x FIFA, 1x England, 1x Schottland, 1x Wales und 1x Nordirland. Diese Besetzung geht noch auf Zweiten der absoluten Dominanz der Engländer im Fußball zurück, so etwa vor 110 Jahren. Vorher wurden die Regeln überhaupt nur in England bestimmt.

Müssen 11 Spieler bei einer Mannschaft das Spiel beginnen? Nein! Es müssen mindestens 7 sein. In den unteren Ligen oder in Schülerligen kommt es durchaus vor, dass bei Spielbeginn nicht alle Akteure versammelt sind. Aber es kann auch zu vielen Ausschlüssen kommen. In der 21. Runde der Saison 1936/37 spielte Rapid im Praterstadion gegen die Austria. Das Spiel wurde in der 83. Minute abgebrochen, weil nur mehr 6 Rapidler am Spielfeld waren. Das Spiel wurde 5:0 für die Austria gewertet.

Der Kapitän einer Mannschaft genießt keinen Sonderstatus, er ist für das Verhalten seines Temas verantwortlich und übernimmt die Auslosung bei Spielbeginn.

Kurios kann es werden, wenn fremde Personen in das Spiel eingreifen. Dabei muss man unterscheiden, ob es unbeteiligte Personen sind oder Funktionäre oder Ersatzspieler. In einem Video wurde gezeigt, wie ein Schuss beim Tor vorbeiging, aber ein Funktionär den Ball auf der Linie mit dem Fuß gespielt hat. Hätte er nichts gemacht und den Ball vorbei gelassen, hätte es einfach Abstoß gegeben. So aber gab es Elfmeter. Die vielen anderen Möglichkeiten habe ich mir einfach nicht gemerkt.

Die Ausrüstung der Spieler ist genau geregelt. Die Trikots dürfen zum Beispiel nicht ärmellos sein. Sollte ein Spieler den Schuh verlieren, darf er weiterspielen. Diese Regel ist neu und auf ein Spiel des SKN St.Pölten zurückzuführen, bei dem der Spieler ohne Schuh sogar ein Tor mit dem Socken geschossen hat.

Es wurden alle Handzeichen der Schiedsrichter SR und Schiedsrichterassistenten SRA besprochen. Es ist interessant, dass es eine Reihe von nicht dokumentierten Zeichen gibt, die die Kommunikation zwischen Schiedsrichter und Schiedsrichterassisten SRA betreffen.

Die Bewegungszone eines Schiedsrichters ist eine Diagonale zwischen den Ecken des Strafraums (siehe Bilder). Schiedsrichter betreten den Strafraum kaum.

Ein Schiedsrichter darf eine Entscheidung ändern, wenn zu dem Zeitpunkt das Spiel noch nicht fortgesetzt wurde, danach nicht mehr.

Die verordneten Nachspielzeiten gelten für die jeweilige Halbzeit und können nicht im Nachhinein in der zweiten Halbzeit verrechnet werden („Kompensationsverbot“). Die Nachspielzeit darf auch nicht verkürzt werden („Verkürzungsverbot“). Sollte in den letzten Minuten auf Strafstoß entschieden werden und durch die sich ergebenden Diskussionen auch die Nachspielzeit überschritten werden, muss der Strafstoß dennoch ausgeführt werden.

Man kann aus dem Anstoß direkt ein gültiges Tor erzielen, nicht aber ein Eigentor. in diesem Fall würde auf Eckstoß entschieden werden.

Dass auch Spieler und Teamchefs die Regeln nicht korrekt erklären können, zeigt ein Zitat aus dem Kurier.

Der Abseitsregel wurde weiter Raum gewidmet. Man muss unterscheiden zwischen Abseitsstellung, die an sich noch kein Vergehen darstellt. Wohl aber dann, wenn der Spieler den Ball von der eigenen Mannschaft bekommt oder wenn er den Gegner beeinflusst (also zum Beispiel dem Tormann die Sicht verstellt) oder wenn sich durch die Abseitsstellung einen Vorteil verschafft.

Kein Abseits gibt es bei einem Abstoß, bei Eckstoß und bei Einwurf. Es ist also erlaubt, dass ein Stürmer, der im Abseits steht einen weiten Ball seines Tormanns annimmt.

Ein kurioses Video zeigte einen Einwurf zurück zum eigenen Tormann, bei dem der Ball unglücklich ins Tor rollte. Nach der Regel, dass nach einem Einwurf kein Tor fallen kann, hätte das Spiel mit Eckstoß fortgesetzt werden können. Der Ball wurde aber vom Tormann beim Rettungsversuch berührt und daher wurde das Tor als Eigentor gezählt. Hätte der Tormann gar nichts gemacht, hätte das Tor nicht gezählt.

Beim Strafstoß muss der Schütze klar benannt werden, der Ball muss mit dem Fuß nach vorne gespielt werden und darf vom Schützen kein zweites Mal berührt werden. Ein Antäuschen des Schusses ist unzulässig. Die Spieler müssen sich außerhalb des Strafraums befinden, auf dem Spielfeld, hinter dem Ball. Der Tormann muss mit einem Fuß auf der Linie stehen.

Bei einem Einwurf muss der Spieler beidbeinig entweder außerhalb des Spielfeldes oder mit beiden Füßen auf der Linie stehen. Die gegnerischen Spieler müssen sich 2 Meter von der Seitenoutlinie entfernen.

Schließlich wurde auch über die Schiedsrichterbewertung und die Schiedsrichterbezahlung gesprochen. Schiedsrichter der unteren Ligen können maximal 8,4 Punkte, minimal 6 Punkte erhalten. Unser Vortragender hatte eine Bewertung ganz knapp am möglichen Maximum von 8,4 Punkte, so etwa 8,35. Für die Leitung wichtiger Spieler ist die Maximalnote 9. Die Bewertung eines Schiedsrichters setzt sich aus drei Komponenten zusammen: den Spielbewertungen, den regelmäßigen Regeltests und dem Absolvieren eines regelmäßigen Trainings.

Ein Regionalligaschiedsrichter erhält für die Leitung des Spiels 115 Euro, die Assistenten 70 Euro. In den unteren Ligen gehen diese Beträge auf bis zu 30 Euro zurück.

Abschließend wurde demonstriert, dass auch die Lautstärke des Pfiffs durch die Trillerpfeife über die Schwere eines Vergehens Aufschluss gibt.

Links

Ebenfalls in dieser Reihe der VHS-Penzing waren:

Vortragender

MMag. Michael Heiling ist Betriebswirt und Politikwissenschafter in der Abteilung Betriebswirtschaft in der AK Wien mit den Schwerpunkten Branchenanalysen, Betriebsräteberatung und -ausbildung (insbesondere ArbeitnehmervertreterInnen im Aufsichtsrat in den Branchen Metallindustrie, Bildung/Forschung und Gewerbe) sowie Digitalisierung und Mitbestimmung.

Er betrieb seine Tätigkeit als Schiedsrichter als Ausgleich und in den unteren Ligen. Seit einem halben Jahr macht er das aus familiären Gründen nicht mehr.