Sparta-Rapid

Sparta-Rapid

2:0 (1:0), Generali Arena, früher Letná-Stadion), Bobby Madden (SCO)

Die Mitgliederversammlungen sind bis auf Weiteres abgesagt. Auskunft: 0677-1899 5070 (Franz).

Dass der Sieg von Sparta grundsätzlich in Ordnung geht, darüber dürfte es keinen Zweifel geben. Wie schon im Bericht vom Hinspiel erwähnt, kann man bei Sparta mehr in Fußball investieren, und das konnte man an der körperlichen, technischen und auch taktischen Überlegenheit der Prager auch sehen.

Dennoch; mit ein bisschen Glück und – in diesem Fall – mit Hilfe eines VAR hätte man diese beiden Tore eventuell nicht bekommen.

Beim ersten Tor waren sich die Spezialisten im Studio auch nach einigen Wiederholungen nicht einig, ob tatsächlich ein Foul von Strebinger vorlag. Und im Strafraum fällt man halt leicht um – als Stürmer.

Das zweite Tor entstand nach einem Foul im Mittelfeld an einem Rapidler, das aber der Schiedsrichter übersehen hat. Der VAR würde aber die Szene bis zum Ballgewinn zurückverfolgen und hätte dieses Foul eventuell als solches erkannt.

Und jetzt haben wir sie wieder, die „Krankheit“ aus dem Nahen Osten. Für Rapid wenigstens eine Gelegenheit, sich für das blamable Ausscheiden aus 2008 zu revanchieren.

Bilder

links vlnr.: Gerry Wilfurth, Robert Racic, Stefan Singer, Michaela Dorfmeister, Martin Bruckner
rechts oben vlnr.: Hannes Schmid, ?, Charly Wendtner, Hermann Angerer, ?
rechts unten: Blick auf das Stadion

Historisches

Es wäre verlockend gewesen, nach Prag zu reisen, insbesondere wegen persönlichen Beziehung zur Gegend des Stadions Letná. Der Autor Franz gehört nämlich zu der Volksgruppe der Wiener Tschechen und in diesem Zusammenhang gibt es über das Stadion Letná Persönliches zu berichten.

Man muss vorausschicken, dass in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als sich die nationalen Identitäten gebildet haben, die Tschechen sich vor allem über die körperliche Ertüchtigung der gesamten Bevölkerung definiert haben; vom Kind bis zum Greis, alle haben selbstverständlich geturnt und in Wien ist das heute noch so. Egal, welcher politischen Richtung man sich zugehörig gefühlt hat, jede hatte und hat einen Turnverein. (Linke: DTJ: Dělnická Tělovýchovná Jednota=Arbeiterturnverein, Katholische: Orel (=Adler), Nationale: Sokol=Falke). Meine ganze Verwandtschaft war Mitglied beim Sokol aber kurioser Weise auch bei des Sozis (České srdce=Tschechisches Herz).

Der Verein Sokol versteht sich als eine Organisation aller weltweit verstreuten Tschechen und veranstaltet Treffen mit einem gemeinsamen Schauturnen. Bis zur Zeit des Kalten Krieges waren diese Treffen meist in Prag auf der Letná, Danach aber wegen des kommunistischen Regimes immer außerhalb der Tschechoslowakei, mehrere Male in Wien (1956, 1962 am Vorläufer vom Horr-Platz, sowie 1982 im Hanappi-Stadion!) aber auch in Zürich (1986) und Paris (1990). Einen Eindruck von der Dimension dieser frühen Turnfeste gibt folgendes Bild aus dem Jahr 1932 vom Stadion Letná:

Das größte Turnfest der Welt ! Das Sokolfest in Prag. Alle 5 bis 6 Jahre treffen sich die in dem Sokol-Verband zusammengeschlossenen Frauen und Männer zu einem Turnfest bei welchem mitunter 30 bis 40 000 Teilnehmer zusammenkommen. Blick in das Prager Stadion während der Massenfreiübungen der Sokols. Von Bundesarchiv, Bild 102-13621A / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5481121

Und an diesem letzten Schauturnen auf der Letná 1948, vor der Schließung der Grenzen zum Westen durch die Kommunisten, habe ich kurioserweise auch teilgenommen, zwar noch nicht geboren, aber meine Mutter hat – wie viele andere Wiener Tschechinnen auch – bei dieser Veranstaltung im Juli 1948 als Turnerin teilgenommen. Im November 1948 wurde ich dann geboren.

Ich habe den Eindruck, als hätte sich diese tschechische Spezialität des kollektiven Turnens und der intensiven Teilnahme am Vereinsleben in Wien bis zum heutigen Tag geradezu konserviert. Es bildet einen wesentlichen Teil des Zusammenhalts dieser Volksgruppe. Alle Vereine hier gehen ohne Namensänderung auf ihre Gründer im 19. Jahrhundert zurück. Die Tschechen in Wien haben etwas von den Amish-People in den USA.

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