Rapid II-FAC

2:3 (1:1)

Nach der ausgeglichenen ersten Halbzeit dachten wir auf einen möglichen Punktgewinn, weil man technisch zwischen den beiden Teams keinen allzu großen Unterschied bemerkt hat. Doch durch einen Doppelschlag durch den 30-jährigen Routinier Marco Sahanek in der zweiten Halbzeit wurde diese Hoffnung begraben. Der Anschlusstreffer fiel zu spät durch einen schweren Abwehrfehler des FAC.

Interessant ist die Kapitänsrotation. War beim letzten Spiel Melih Ibrahimoglu der Schleifenträger, war es bei diesem Spiel Lukas Sulzbacher.

Ambiente

750 Zuschauer fanden sich bei herrlichem Fußballwetter in der Allianz-Arena ein. Eine schöne Kulisse für die Spieler von Rapid II.

Weil man ihn auf seinem Arbeitsplatz auf der West-Tribüne nicht so gut sieht, möchte ich unseren Stadionsprecher, Roman Dallamassl durch ein Bild aus seiner Facebook-Seite vorstellen.

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GRÜNZEUG-614

GRÜNZEUG, INFORMATIONSBLATT DES KLUBS DER FREUNDE DES S.C.RAPID (GEGRÜNDET 1951); 48. JAHRGANG / September 2020 / Nr. 614 / Versand 31.8.2020

CORONA, CORONA, CORONA… TROTZDEM: IN EIGENER SACHE!

Nach dem unseres Erachtens überragenden Abschluss, der ohne viele Stützen angetretenen Rapid-B-Elf müssen wir leider mit einer Bitte um Beachtung vor unsere Mitglieder treten: Manchen Exemplaren der vorliegenden Nummer liegen ein Zahlschein über eventuell noch offene Mitgliedsbeiträge bei, für deren umgehende Begleichung sich unser Kassier herzlichst bedankt. Sollte der jeweilige Rückstand bereits bezahlt worden sein, möge der Zahlschein als gegenstandslos betrachtet werden. Erstens, weil Corona zumindest bisher alles andere denn als gegenstandslos betrachtet werden kann und zweitens, weil Gerhard Niederhuber, der Obmann plus Redakteur darauf hofft, seine nicht gerade unerhebliche Krankheit überwunden zu haben, könnten die weiteren Nummern unseres Informationsblattes endlich wieder im ursprünglichen Zustand und Umfang
erscheinen! Irgendwann… Und dass uns in diesem unglaublichen Sommer 2020 nur die allerwenigsten Mitglieder
verlassen haben!!!

WAS CORONA ERLAUBTE

Als der Verfasser den „Göttlichen Heiland“ nach dreiwöchigem Aufenthalt wegen eines Schlaganfalls (besten Dank an Frau Christine Ibesich, unsere „Grünzeug“-PC-Schreiberin, für die weitaus mehr als lediglich Genesungswünsche umfassende Betreuung sowohl inner- als auch außerhalb des Spitals!) verließ, um wieder so halbwegs ins Leben einzutreten, war dieses
alsbald noch beschissener als vor dem Insult am 27.6.

Stichwort: Corona! Ohne dem Ergebnis der Vorstandssitzung vom 31.8. vorzugreifen: Wie auch immer die „chinesische Seuche“ (O-Ton US-Präsident Trump) verlaufen wird, ein normales Jahr wird 2020 weiterhin nie mehr zu nennen sein; natürlich auch im Fußball nicht.

SCR-Kapitän Stefan Schwab hat sich nach sechs „berührenden“ Jahren in Hütteldorf erstens um einen Stammhalter vermehrt und wenig später nach Griechenland, ein noch schwerer als Österreich leidendes Corona-Land, abgesetzt. Kühbauer auf die Frage, wer Schwab ersetzen könnte: „Keiner.“ Viel Glück bei PAOK Saloniki, Schwabi! Gleiches gilt auch für Tobias
Knoflach
sowie Stephan Auer, allerdings wissen wir bei der Abfassung dieses Artikels noch nicht, wo die beiden tätig sein werden.

Apropos Kühbauer: Der Trainer, unter dem Rapid mit durchwegs schrumpfendem Personal einen Zugang zur CL-Qualifikation schaffte, wird sich auch ohne den umtriebigen Kapitän durchsetzen, jedenfalls ist das mit den vielen Youngsters durchaus denkbar! Obwohl von denen viele in der 2. Mannschaft aktiv sein werden, zumal die ja erstmals in dieser Spielklasse vertreten wird – keine Corona-Folge, sondern nur eine von jahrzehntelangen kriminellen Umtrieben rund um Mattersburgs „Gönner“ Martin Pucher und dessen Bank. Damit die 2. Liga wieder mit 16 Klubs starten konnte, wurde am 13.8. dem Antrag der Bundesliga vom ÖFB-Präsidium stattgegeben. Und das nach dem mit Sicherheit besten Jahr in der Geschichte von Rapid II! Macht es gut, Burschen. Und dass ihr es könnt, haben die Jungrapidler um Leo Greiml bereits mehrfach bewiesen.

Zurück zur „Ersten“: Vor dem Test gegen Draßburg war ein Rapidler positiv getestet worden, und am 6.8. gab es einen zweiten „Fall“, weshalb das Camp in Tatzmannsdorf abgebrochen wurde. Siehe hiezu unter „Splitter“!

SPLITTER

Unsere Homepage ist in einer auch für Smartphones geeigneten Version online (http://klubderfreunde.at). Mitglieder können sich auf der Homepage unter „Tagebuch“-„Tagebuch als Newsletter“ tagesaktuelle Berichte zu verschiedensten Themen rund um Rapid per Mail zusenden lassen. Wir bitten Euch, die Seiten kritisch anzusehen. Eure Hinweise können uns helfen, das Angebot zu verbessern.

Im Rahmen des burgenländischen Trainingslagers gab es am 1.8. ein 4:1 (3:1) in DRASSBURG (Kara 2, Knasmüllner, Kitagawa), bevor es wegen des zweiten Coronafalles einen Abbruch gab.

Zwischendurch: Trotz allem (und trotz frauenfeindlichen Transparenten vorm Hartberg-Match!) und trotz Corona steigerte sich Rapids Sympathisanten-Gruppe auf den höchsten Wert gegenüber des Vorjahres: plus 6 Prozent. Zwischen jungen Fans (16 bis 29 Jahre) gaben 52 Prozent Rapid als ihren Herzensklub an, und in Wien waren es insgesamt 63 (FAK: 10 Prozent).

Schützenfest gegen SCF OPAVA mit miserabler erster und völlig anderer zweiter Halbzeit am 12.8. in Bad Erlach: 5:3 (0:2). Da stand es bis Minute 52 0:3, bevor Greiml, Kitagawa, Kara (2) und Knasmüllner die Partie grundlegend änderten.

Dalibor Velimirovic fehlte: Er erlitt in Draßburg Risse des vorderen Kreuzbandes und des Meniskus im linken Knie. Lion Schuster, ebenfalls ein Hütteldorfer Eigengewächs, bleibt bis 2023 dortselbst.

Wegen, eh klar, Corona gibt es in der Quali nur ein Spiel, welches in Runde 2 am 26.8. beim kroatischen Vizemeister Lokomotiva Zagreb stattfinden soll – oder sollte? In Anbetracht der dortigen Zahlen sprach Österreichs Regierung
am 16.8. eine Reisewamung nach Kroatien aus. Wie das in zwei Wochen aussieht, weiß kein Mensch…

Am 15.8. wurde SLOVAN LIBEREC (Tschechiens Fünfter) im Allianz Stadion klar mit 3:0 (2:0) besiegt, Tore: Kara, Greiml, Fountas. Natürlich fand auch dieses Spiel ohne Zuschauer statt.

Quasi noch viel weniger gab es am 19.8. auch in Hütteldorf: Dieser letzte Test vorm Auftritt in Zagreb verlief dermaßen geheim, dass von ihm nicht mehr als das Resultat bekannt wurde: 7:0 (2:0) gegen die OÖ JUNIORS aus der 2. Liga.

Etwas klarer verlief der bisher einzige Zugang: Tormann Bernhard Unger zählt 21 Jahre, kam vom Konkursklub SV Mattersburg und unterschrieb bis Sommer 2022.

Ob Taxi Fountas auch in Zukunft für den SCR aktiv sein wird, das brachte den so ruhigen Zoki Barisic fast zum Rasen: Das Management des Griechen bietet ihn via Social Media europaweit an, als wäre er ein Artikel auf dem Basar. Dennoch gab es laut Zoki kein konkretes Angebot.

Rapid II startet zwischen 11. und 13.9. in Liefering in die 2. Liga.

Mit dem Heimspiel gegen Admira mit Neuzugang Maierhofer am 13.9. begann Rapid I das Rennen um die Meisterschaft. Dass z.B. Sturm Graz in einem Stadion für 15.000 Zuschauer ebenfalls 10.000 davon empfangen darf, sorgt für Kopfschütteln; jedenfalls dürfen 10.000 Anhänger wie Schachfiguren im Allianz-Stadion Platz nehmen, erst danach dürfen sie ihre Masken von Nase und Mund nehmen. Viel Spaß, auch beim Erwerb der bis Jahresende gültigen Tickets!

Nach 26-jährigem Zusammenwirken mit „Ottakringer“ hat Rapid mit dem (ebenfalls grün-weißem) Marktführer „Gösser“ einen neuen Partner.

Test am 22.9.: SCR II – Traiskirchen 0:2.

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„Grünzeug“ im Tagebuch

  • Vorige Ausgabe: GRÜNZEUG-613
  • Hier findest Du alle GRÜNZEUG-Ausgaben, die im Rapid-Tagebuch erschienen sind (seit Ausgabe 577) 
  • Alle Ausgaben des GRÜNZEUG seit den 1970er Jahren stehen unseren Mitgliedern oder Fußballhistorikern auf Anfrage im PDF- Format zur Verfügung

Rapid II-Juniors OÖ

1:1 (1:1)

Nach der empfindlichen 0:3 Niederlage gegen Liefering in Grödig hatte man im Publikum schon ein bisschen Sorge, ob Rapid II diese neue Herausforderung in der 2. Liga bewältigen kann. Und es begann auch nach einem sehenswerten Distanzschuss der Juniors mit einem Rückstand. Doch die Sicherheit im Spiel von Rapid II stieg mit Fortdauer des Spiels. Der Rückstand wurde aufgeholt, und mit ein bisschen Glück wäre auch ein Sieg möglich gewesen.

Der frühere Kapitän von Rapid II, Elias Felber, der bereits ein ganzes Jahr beim FAC Erfahrung in der 2. Liga gesammelt hat, hätte fast das Siegestor erzielt – 10 Zentimeter haben gefehlt. Kapitän war bei diesem Spiel Melih Ibrahimoglu, der seine Qualitäten bei mehreren Aktionen unter Beweis stellen konnte.

Was einem Zuschauer auffällt, ist der Unterschied in der Zusammensetzung der Spieler zwischen Rapid und den Juniors. Während bei Rapid mit Ausnahme von Mateo Barac ausschließlich Spieler aus dem eigenen Nachwuchs stammen, haben sich die Juniors deutlich verstärkt, etwa durch Enrique Wild (Winterthur), Hyun-seok Hong (Korea), Mamoudou Karamoko (Wolfsburg) und Jan Boller (Leverkusen). Ob auch Rapid II solche Verstärkungen brauchen wird?

Ambiente

Das Spiel auf dem Hauptfeld war für Zuschauer und Spieler gleichermaßen ein Erlebnis, erstmals Stimmung bei einem Spiel von Rapid II. Mit 500 Zuschauern kamen fast drei Mal so viele Zuschauer wie bei einer der bisherigen Regionalliga-Begegnungen.

#einfachleiwand

Die Stadt Wien wirbt mit #einfachleiwand. Woher aber kommt das wienerische Wort „leiwand“? Wien war im Mittelalter ein Handelsknoten für Leinen. Die Händler trafen sich beim damaligen Bürgerspital und tätigten ihre Geschäfte. Das Bürgerspital hatte als einzige Wiener Institution das Braurecht. Das dort ausgeschenkte Bier wurde durch die Nähe zum Leinwandhandel „Leinwandbier“ genannt, und von diesem Begriff leitet sich das Wienerische „leiwand“ ab.

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Während Rapid II mit dem Brustsponsor „blinz-blank“ aufläuft, hatte Kapitän Melih als einziger den Brustsponsor BTW. Großartig das Engagement von Jochen Lehner und seinem Eisenstädter Haydnbräu.

Etwas zu groß…

…geraten ist die zweite Auflage der Zeman-Kappen.

Am Vormittag noch die letzte Blutabnahme, am Nachmittag in der Rekordmeisterbar bei der ersten „Dosis“ Gösser-Bier, verordnet durch den Arzt, „trinken Sie viel“. Er sagte aber auch, ich soll mich vor der Sonne schützen, doch in der Eile vergaß ich mein Schirmkapperl und brauchte Ersatz. Die neue hellgraue Zeman-Schirmkappe schien mit gerade recht, doch die Passform der Einheitsgröße lässt zu wünschen übrig. Niemandem passt sie, auch den „Großkopferten“ nicht. Mein türkischer Änderungsschneider wird das hoffentlich irgendwie hinkriegen.

Gent-Rapid

2:1 (1:0)

Es wäre möglich gewesen! Andy Marek hätte beim „Auswärtsspiel in Hütteldorf“ vielleicht den besseren Riecher gehabt und Yusuf schon in der Halbzeit eingesetzt, denn Kelvin war bei diesem Spiel keine große Stütze. Der Kopfball von Leo Greiml in der Schlussminute ging nur knapp am Tor vorbei, aber so ist eben Fußball. Die Enttäuschung war bei allen groß. Und doch fragt man nach möglichen Ursachen.

Peter hat es auf den Punkt gebracht. Im Vorfeld hieß es doch, die Mannschaft könne unbeschwert spielen, denn das wichtige Etappenziel der EL-Gruppe war ja erreicht. Und so ist es dann vielleicht in den Köpfen: „wir sind ja schon dort, wo wo sein sollen“ und die letzte Motivation fehlt. Aber vielleicht gibt es auch andere Gründe:

Gent Rapid
  31    31 Kadergröße
  20    10 Legionäre
  26,1  24,6 Durchschnittsalter [Jahre]
  12     4 Nationalspieler
 +16,6   0 Transferbilanz [Millionen €]
  80    32 Kaderwert [Millionen €]

Diese Zahlen beziehen sich auf den gesamten Kader und genaugenommen müsste man beim Durchschnittsalter die Spieler der Startaufstellung auswählen. Mein Eindruck war, dass die Genter Spieler um wenigstens zwei Jahre reifer gewirkt haben. Man kann sich in Belgien offenbar mehr Legionäre leisten und kauft diese Spieler auch auf höherpreisigen Märkten. Es ist einfach mehr Geld da. Die Mannschaft steht bei der Nationalmannschaft mit 12 Spielern (4 Rapid) höher im Kurs.

Auf zu den nächsten Aufgaben, und hoffentlich bleibt die Mannschaft zusammen!

Ambiente

In Zeiten von Corona bot das „Auswärtsspiel in Hütteldorf“ mit den Gästen Patrick Jovanovic und Raimund Hedl sowie den Moderatoren Andy und Lukas Marek eine unterhaltsame und gleichzeitig informative Einstimmung in das Spiel über den Facebook-Kanal von Rapid. Das obligatorische Quizspiel, zusammengestellt aus dem Rapid-Archiv, ist gar nicht so einfach, auch nicht für die ganz alten Hasen! Alle Teile dieser Veranstaltung und auch das Spiel selbst in voller Länge gibt es auf Rapid-TV.

Bilder vom Auswärtsspiel in Hütteldorf (Bilder Erich)


Hier endet der (Kurz)bericht über das Gentspiel. Für die Ereignisse im Spital wollte ich keinen eigenen Beitrag verfassen, daher hier bitte nur weiterlesen, wenn es jemanden interessiert.

Ambiente-1

Ich selbst habe das Spiel im Spital mitverfolgt und bedanke mich bei allen, die mir per Telefon, SMS, Mail, WhatsApp, Messenger und Facebook so viel Positives übermittelt haben. Wen es interessiert, hier die Fortsetzung des Krankenberichts, Teil 1 beginnend am Donnerstag, 10.9.

Neues vom Franz*)

Seit meinem ersten Bericht über die Einlieferung in die Urologie hat sich Einiges getan und für einen Anfänger in Sachen „Spital“ war alles ziemlich dramatisch. Nach der Biopsie der Blase und Entfernung des Katheters begann sich die Krankheit erst so richtig zu entfalten mit täglichen Steigerungsraten.

Diagnose: Probenentnahmen aus der Blase ergeben am Donnerstag, dass überall im Körper vergrößerte Lymphknoten (=Lymphome) bestehen. Diese Lymphome sind teilweise sehr groß und drücken umliegende Organe ab, zum Beispiel Venen und ein ganz besonderes „Luder“ drückte auf den Harnleiter der rechten Niere und diese war daher „gestaut“. Würde man nichts unternehmen, wäre die Niere bald kaputt und man müsste sich einer lebenslangen Dialysebehandlung unterziehen. Wegen des offensichtlich sehr raschen Wachstums des Lymphoms war Eile in jeder Hinsicht geboten.

Meine erste Vorstellung, dass nach der Diagnose periodische Chemotherapien mit ungewissem Ausgang folgen würden, war zwar im Prinzip richtig, berücksichtigte aber nicht das Zerstörungswerk, das die Lymphome bereits im Körper angerichtet haben.

Symptome: Aus der Atemnot bei Anstrengung wurde zunehmend eine generelle Atemnot, auch im Ruhezustand; Flüssigkeit, die nicht ausgeschieden werden konnte staute sich im Körper (Lunge, Arme Beine, Augen); Atmen nur auf der rechten Seite liegend möglich.

Alles sagen sie Dir ja nicht, die Ärzte. Einerseits aus psychologischen Gründen aber auch aus didaktischen Gründen – man versteht alles höchstens modellhaft. Meine erste Station, die Urologie, diente eigentlich nur zur Diagnose. Die Gewebsentnahme war schon einige Tage vorbei und man wartete dringend auf das Ergebnis der Laboruntersuchung. Wegen der Atemnot schickte man mich nicht nach Hause und ich war einige Tage fast behandlungsfrei im Spital. Im Laufe dieser Tage vergrößerte sich die Atemnot immer mehr, Schlafen in der Nacht gab’s nicht.

Am Donnerstag früh, 10.9. 10:00 war der Laborbefund da, der Primararzt kam – ein Tiroler übrigens – erklärte, dass es sich um ein Lymphom handle, gegen das man sofort vorgehen müsse und dann wurde es eilig, sehr eilig. Es ging um 11:00 unverzüglich in die Onkologie auf ein Isolierzimmer, denn bei diesen Überstellungen müssen immer Coronatests gemacht werden.

Alle, die in mein Zimmer kamen, mussten Schutzkleidung tragen. Der Oberarzt erklärte mir, dass die Art der Chemotherapie von der Art des Lymphoms abhängig sei und dabei bis zu 80 Arten unterschieden werden. Daher war es eben notwendig, das genaue Laborergebnis zu kennen, um die richtigen Maßnahmen zu setzen.

Man wartete das Ergebnis des Coronatests nicht ab und verpasste mir gleich um 12:00 die ersten drei Infusionen: Cortison, Wasser und danach Chemie. Das alles war nur eine Vorstufe mit halber Dosis. Die erfahrene Krankenpflegerin war ob der Eile auch etwas verwirrt, denn normalerweise wartet man einfach das Corona-Testergebnis ab, es kam dann am Abend. Der Test war negativ und ich wurde auf ein Zweibettzimmer zum Dauerpatienten Kurt verlegt.

So, als würden sich alle Venen vor den zu erwartenden Stichen in Sicherheit bringen wollen, veränderte sich die Hautoberfläche auffällig, die Venen gingen in Deckung, Oft musste mehrmals ein Zugang gesucht werden.

Mein Allgemeinzustand war so, dass ich nur im Liegen konnte. Kaum stand ich auf, bekam ich Probleme beim Atmen. Mein Erklärungsmodell war immer noch jenes, das ich vom Lungenfacharzt mitgebracht hatte, das fehlende Hämoglobin kann den Sauerstoff der Lunge nicht ausreichend weiterleiten.

Um das Blutbild war man auch gleich sehr besorgt, eine Punktierung des Rückenmarks stand am Freitag am Programm. Da ich diese Prozedur schon einmal schmerzhaft in einer Ambulanz erlebt habe, hatte ich Panik, doch es sollte ganz anders kommen. Ein junger Arzt aus Siebenbürgen hatte in dieser Sache Erfahrung. Ohne eine Schmerzempfindung entnahm er aus dem Beckenknochen einen zwei Zentimeter langen Bohrkern, das Analyseergebnis wird in einer Woche erwartet.

Freitag und Samstag waren durch genau festgelegte Folgen von Cortison, Wasser, Antibiotika und Chemie geprägt. Keine Chemo-Flasche wurde verabreicht ohne eine Kontrolle des Namens und des Geburtsdatums.

Da die Chemie alle schnellwachsenden Zellen angreift, tut sie das auch in den Schleimhäuten des Rachens und um in diesem Bereich Entzündungen zu vermeiden, spült man nach den Mahlzeiten den Rachenraum man Glandomed mit Orangengeschmack.

Die Chemie ist so aggressiv, dass eine undichte Stelle beim Einlass in die Vene den ganzen Arm verätzen kann. Glücklicherweise ist das bei mir nicht passiert. Damit die Konzentration im Blut nicht zu groß werden kann, werden die Infusionen genau dosiert.

Ob und was dieses Chemo wirklich bewirkt, kann ich jetzt noch nicht sagen, weil ich noch keinerlei Nebenwirkungen bemerke.

Aber eine ständige Nebenfront macht mir laufend zu schaffen, die Atemnot. Beim Versuch, durch die Station zu gehen, gab ich am halben Weg auf und ging keuchend in mein Bett zurück. In der Nacht wirkte sich das so aus, dass ich nicht schlafen konnte, bestenfalls ruhen und das nur auf der rechten Seite liegend; links oder am Rücken ging gar nichts, keine Luft. Wenn die Lunge in „Flachatmung“ übergeht, reicht der Sauerstoff nicht aus und man schnappt nach Luft und kann daher nicht einschlafen.

Diese Liegeunsymmetrie habe ich schon jahrelang, allerdings nicht mit dieser nach Luft ringenden Begleiterscheinung. Natürlich wusste das Ärzteteam darüber Bescheid. Man wartete die letzte Chemo-Flasche ab. Am Samstag sind die Ambulanzen nicht besetzt. Das Lungenröntgen wurde nur für mich in Betrieb genommen. Das Bild zeigte einen Grauschleier, nur geht der nicht so einfach mit dem Weißen Riesen weg.

Die Ärzte bereiteten mich auf einen weiteren Eingriff vor, eine Punktierung der Lunge. Aber ich hätte doch gar nichts an der Lunge meinte ich, denn das hatte der Lungefacharzt festgestellt. Ja, aber das wäre vor zwei Wochen gewesen, die Situation habe sich aber dramatisch verschlechtert. Man ist Passagier. Samstag geht nichts mehr, aber Sonntag. Wieder wird eine Ambulanz hochgefahren, wieder ist ein junger Arzt am Werk, wieder mit sehr viel Einfühlungsvermögen und Routine.

Mein Bett wird von einem erfahrenen Team von der Onkologie zur Ambulanz gefahren. Eine gemütliche „Jugo“-Partie und einer, der wegen seiner verdächtigen violetten Haarfarbe nicht so recht dazugepasst hat. Tatsächlich, ein Austrianer. Ich konnte mich mit ihm unterhalten, über die neue Saison, die neuen Abos. Und siehe da, trotz seines unverkennbaren Aussehens eines treuen Fans war er sehr verantwortungsbewusst. Nein, heuer nimmt er kein Abo, das wäre viel zu riskant für seinen Beruf im Spital, er würde kein Risiko eingehen und sich die Spiele nur am Fernseher anschauen. Hut ab, violetter Freund!

Die Ambulanz war völlig leer, nur das kleine Team war da. Alle für den Eingriff erforderlichen Dinge, die ich in der Aufregung gar nicht wahrgenommen habe, werden aus sterilen Behältnissen entnommen, einmal verwendet und dann entsorgt. Ängste waren völlig unbegründet, der Eingriff erfolgt im Sitzen und am Rücken, ich weiß also nicht, was die drei wirklich gemacht haben. Man muss sich aber vorstellen, dass ich immer keuchend geatmet habe. Es wird einfach ein Loch zwischen die Rippen gebohrt und über einen Schlauch Flüssigkeit abgesaugt. Im Zuge der Behandlung wurde das Atmen leichter und leichter. Fast zwei Liter Flüssigkeit wurden mir in wenigen Minuten aus der Lunge entfernt, und dass ich diese Zeilen schreiben kann, verdanke ich dieser Behandlung, denn vorher war sogar das Sitzen am Tisch sehr beschwerlich.

Wie neu geboren kam ich auf die Station zurück, alle Atemnot war verschwunden.

Warum das Wasser in die Lunge gekommen ist, hat folgenden Grund, den ich immer wieder bei den Visiten höre: meine rechte Niere sei gestaut. Man hätte bei der Biopsie versucht, den Harnkanal zur Blase zu öffnen, das sei aber nicht gelungen. Es bestand daher die Gefahr, dass die Niere irgendwann unter diesem Stress so beeinträchtigt wird, dass man zum Dialysepatienten wird. Das wollte man aber mit allen Mitteln zu verhindern versuchen.

Und von wo kommt diese Stauung? Das wieder hängt mit dem Lymphom zusammen, das sich in diesem Bereich ausgebreitet hat und den Harnleiter abdrückt und den Harntransport beeinträchtigt und das eben durch die Chemotherapie zurückgedrängt werden soll. Vorläufig aber sei seine schädigende Wirkung schon so weit fortgeschritten, dass eben die rechte Niere nicht mehr funktioniert.

Was tun? Ärzte sind erfinderisch. Würde man nichts tun und darauf hoffen, dass die Chemotherapie den Harnkanal irgendwann wieder freigibt, kann das für die Niere zu spät sein. Also bastelt man dem Patienten einen vorläufigen künstlichen Ausgang bei der beschädigten Niere. Und wieder wird Mensch angebohrt. Im Ultraschall wird die Niere lokalisiert, ein Loch dorthin gebohrt und ein Schlauch eingeführt, der den Harn nach außen ableitet. Ja, dann hat man einen ständigen Begleiter, eine Art Beule als Abdichtung des Abflusses und ein Sackerl fürs Lulu, wenn man das so sagen darf. Mit dieser Maßnahme wird der Stau in der Niere abgeleitet, das Wasser in der Lunge wird sich hoffentlich nicht wieder ansammeln. Die Niere wird durch die Ableitung geschützt und in der Zwischenzeit kann die Chemotherapie ihre Wirkung entfalten und das Lymphom verkleinern, womit dann – hoffentlich – der Harnkanal wieder frei werden kann. Nach einiger Zeit kann man den Notausgang wieder entfernen.

Der Eingriff war für Montag Nachmittag geplant, aber es kam ganz anders. Montag Vormittag stand der mich begleitende Oberarzt neben meinem Bett und verkündete höchst erfreut, dass man den künstlichen Nierenausgang nicht benötigen wird, weil sich die Nierenwerte im Blutbild bereits während des Wochenendes soweit verbessert hätten, dass man jetzt schon auf die Wirkung der Chemotherapie setzen kann.

Das Programm wurde also kurzfristig geändert: kein Nierenausgang, dafür Chemo Phase 1, volles Programm (doppelte Menge im Vergleich vom Vorphase). Ziel: Nieder mit dem Feind, dem Lymphom.

Was soll man da sagen, manchmal hat man eben auch Glück.

Eine Kleinigkeit bleibt noch, denn im Sitzen neigen die Beine noch dazu, sich immer noch etwas mit Flüssigkeit zu füllen. Dagegen hilft Füße hochlagern und die Tablette „Lasix“. Allerdings muss man danach einen halben Tag zu Hause bleiben, so viel Flüssigkeit kann man da im 20-Minuten-Takt verlieren,

Eineinhalb Tage noch, dann geht es nach am Freitag 18.9. nach fast drei Wochen Spitalsaufenthalt nach Hause. Eine kleine Hausübung muss ich täglich ausführen, nämlich muss ich mir weiße Blutkörperchen in den Oberschenkel spritzen. Man lernt eben nie aus.

Und siehe da, als ob die Venen die Botschaft mit dem „Nachhausegehen“ mitgehört hätten, sie sind wieder da. Offenbar haben die Maßnahmen schon so gut gegriffen, dass sich der Körper erholt hat. Auch die Hautfarbe beginnt das gespenstische Grau weder abzulegen.

Nach drei Wochen wird es die nächste Phase der Chemotherapie mit einem weiteren dreitägigen Spitalsaufenthalt geben. In dieser Zeit werden sich die Blutwerte durch die aggressive Chemie (unerwünscherweise) verschlechtern wie sich die Lymphome (erwünschterweise) zurückbilden – hoffentlich. Das wird wegen dem dann sinkenden Hämoglobinwert wieder Atemnot zur Folge haben und gleichzeitig könnte die Anfälligkeit gegen Infektionen steigen. In diesem Zusammenhang ist unser derzeit gemeinsamer Feind, das Coronavirus, eine kleine Hilfe, weil alle Menschen aufgefordert sind, Masken zu tragen und Abstand zu halten und daher werden auch die saisonalen Schnupfen- und Grippeviren abgehalten.

Spital, Ort der Integration

Dieses und andere Spitäler würden nicht funktionieren, gäbe es sie nicht; die zahlreichen Menschen mit Migrationshintergrund, die das Gesundheitswesen am Laufen halten. Ich versuche immer zu erraten, von wo die mich gerade behandelnden Menschen stammen. Und das ergibt tatsächlich ein sehr buntes Bild. Temesvar, Zagreb, Belgrad, Bratislava, Brno. Was ich anfangs etwas vermisst habe, waren Moslems, die einen sehr großen Bevölkerungsanteil in Wien stellen, doch auch hier wurde ich fündig, es gibt sie. Sehr gewissenhaft. Aber noch zu wenig.

Das Klima, das auf allen diesen Abteilungen herrscht, ist eigentlich schon ein Teil des Heilungsprozesses. Man bewundert die Logistik, die Hygienemaßnahmen, das perfekte Zusammenspiel der verschiedenen Zuständigkeitsebenen und die enorme Expertise des Ärzteteams; man ist (dankbarer) Passagier.

Man ist wie in einem Hotel, man kann zwischen drei Menüs auswählen, es gibt Obst, Fruchtsäfte, Tee, Kaffee. Ich plädiere für sechs Sterne, allerdings muss man einen Stern wegen der dauernden „Sticheleien“ abziehen. Und doch gibt es einen wichtigen Unterschied zu einem Hotel. Das Hotel will seine Gäste halten, das Spital will sie wieder gesund nach Hause schicken.

Dank an das Team der Onkologie im KFJ, Station D!

Und damit die Patienten trotz der guten Behandlung auch gehen, gibt es hier kein Bier.

Daher werden wir am Samstag das familiäre Wiedersehen im Schweizerhaus bei einem Krügel Budweiser, einer Prager Kuttelflecksuppe (dršťková polévka) und Rohscheiben feiern, einem Hauch von Freiheit nach dem „Hotel“ Spital. Ihr werdet fragen, warum denn keine Stelze? Nun, das hat mit Nostalgie zu tun. Eine meiner „Mütter“ – ich hatte gleich vier, alle Wiener Tschechinnen – verwendete viel Zeit auf die aufwändige Zubereitung dieser Suppe und der kleine František war zu dieser Köstlichkeit immer eingeladen. Schweizer Haus und Panoramaschenke bieten diese Spezialität heute noch an.

*)
„Neues vom Franz“ ist der Titel eines Kinderbuchs von Christine Nöstlinger aus der „Franz“-Serie. Wir hatten alle diese Bücher. Und es sind nicht nur Kinderbücher, sie unterhalten Erwachsene gleichermaßen.

Imagine

Imagine

Gläubige, bitte nicht weiterlesen, es könnte Eure Gefühle verletzen. – oder – Was John Lennon mit David Alaba nicht gemeinsam hat.

The Beatles Story

Wenn Du das Beatles-Museum „The Beatles Story“ in Liverpool betrittat, erwartet Dich eine chronologische Abfolge der Stationen der Beatles, beginnend in Hamburg, im Cavern Club usw. Am Ende kommt man in einen Salon in weiß mit einem weißen Klavier. Im Hintergrund spielt und singt John Lennon seine berühmte Botschaft vom Frieden: „Imagine“ YoutTube-Video. Als ich erstmals in diesem Museum war, war ich allein in diesem Zimmer und konnte nicht aufhören, dieses Lied zu hören.

Eigentlich stammt diese Episode des weißen Zimmers schon aus der Zeit nach den Beatles, aus der John&Yoko-Periode, sie dient aber als krönender Abschluss des Beatles-Museums. Die frühere Version 2007 dieses Zimmers war eindrucksvoller, weil man sich in einem abgeschlossenen Raum befand; heute leitet diese Szene in eine Cafeteria über und daher kann man diese Stimmung nicht mehr so einfangen. Money, money, money…

Dieses Lied ist eine ergreifende Vision einer Welt ohne Religion, ohne Himmel und Hölle.

Übersetzung

Stell dir vor, es gäbe kein Himmelreich,
Es ist ganz einfach, wenn du es versuchst.
Keine Hölle unter uns,
über uns nur der Himmel.

Stell dir vor, alle Menschen
leben nur für das „Heute“.

Stell dir vor, es gäbe keine Länder,
es ist nicht so schwer, zu tun.
Nichts, wofür es sich zu töten oder sterben lohnt,
und auch keine Religion.

Stell dir vor, alle Menschen,
leben ihr Leben in Frieden.

Du wirst vielleicht sagen, ich sei ein Träumer,
aber, ich bin nicht der Einzige.
Ich hoffe, eines Tages wirst auch du einer von uns sein,
und die ganze Welt wird wie eins sein.

Stell dir vor, es gäbe keinen Besitz mehr.
Ich frage mich, ob du das kannst.
Keinen Grund für Gier oder Hunger,
Eine Menschheit in Brüderlichkeit.

Stell dir vor, alle Menschen,
teilen sich die Welt.

Du wirst vielleicht sagen, ich sei ein Träumer,
aber, ich bin nicht der Einzige.
Ich hoffe, eines Tages wirst auch du einer von uns sein,
und die ganze Welt wird wie eins sein.

11. Oktober 1971, John Lennon (Übersetzung)

Lied der Lieder

Wenn mich wer nach dem Lied der Lieder fragt, ist meine spontane Antwort „Imagine“ von John Lennon. Gleichzeitig fällt es mir schwer, durch diese Auswahl die Hunderten anderen wunderschönen Lieder in eine zweite Reihe stellen zu müssen, aber dieser ewigen Sehnsucht nach Frieden Ausdruck zu verleihen, ist in dieser schlichten Art, Text und Musik betreffend, kaum je anderswo gelungen.

„Imagine“ hat auf YouTube 175 Millionen Aufrufe.

Natürlich sind bei „RollingStone.com“ die beiden Top-Hits „Like a Rolling Stone“ von Bob Dylan und erst an zweiter Stelle (1) „Satisfaction“ von den Meistern selbst. Danach aber kommt bereits „Imagine“ von John Lennon auf Platz drei einer ewigen Bestenliste von 500 Liedern. Man sieht, die gegenseitige Anerkennung ist groß. Natürlich gibt es viele andere Rankings, die diese Reihung anderswie vornehmen; Imagine ist aber immer vorne mit dabei, in dieser Frage ist man sich ziemlich einig.

Das Lied ist zwar musikalisch ganz anders einzuordnen als etwa Schillers „Ode an die Freude“ in der Vertonung von Ludwig van Beethoven aber in seiner Breitenwirkung würde ich es wohl noch über das Meisterwerk der Klassik stellen, einfach weil es nicht nur Eliten, sondern wirklich alle Menschen unabhängig von ihrer Vorbildung gleichermaßen erreicht.

FIFA und die Religionen

Ob die FIFA dieses Lied mitgedacht hat als sie verfügt hat, dass keine religiösen Symbole auf den Fußballplätzen erwünscht sind?

Man tritt mit der Aktion „Respect“ gegen Rassismus auf, zu einer Aktion gegen sonstige weltanschaulichen Bekundungen hat es nicht gereicht, man untersagt aber den Spielern religiöse Symbolik – ahndet aber Verstöße nicht.

UEFA.Aktin „Respekt2; Bild aus 2012, Hanappi-Stadion (Fiala)

Wer kennt sie nicht, die tolerierten Bekreuzigungen vor Spielbeginn und bei Einwechslungen, wobei man auch gleich an dem flüchtigen Kreuzzeichen die römischen von den orthodoxen Christen unterscheiden kann. Wer erinnert sich nicht an Gerson, der sich vor Spielbeginn mit seinem Gott am Rasen unterhalten hat.

Guimarães Ferreira Junior Gerson, 11,11,2012 gegen WAC (Bild: Fiala)

Der Torjubel, der seht oft mit einem Blick zum Himmel begleitet ist, was wohl so viel heißt, dass der jeweilige Schutzengel seine Arbeit gut getan hat. Ein Wettbewerb der Götter mit den Spielern als Marionetten.

Jesus liebt David

Unser Parade-Fußballer David Alaba macht es noch deutlicher. Er machte auf die Bedeutung des Glaubens für sein Leben mehrfach in der Öffentlichkeit aufmerksam. Als Motto gibt er aus: „Meine Kraft liegt in Jesus!“

Ich frage mich dann immer, warum dieser ach so tolle Gott sich nicht mehr um den Pascal kümmert, der mit einer schweren Krankheit im Spital liegen muss. Offenbar ist des Gottes Kraft ganz in den Muskeln des David verbraucht worden, für Pascal blieb nicht viel übrig! Da muss man schon Theologie studiert haben, um das zu kapieren, fragt sich nur, welche? Es gibt ja so viele „wahre“!

Oder ist die Antwort ganz einfach: wer die falsche Kirche hat, dem hilft dieser Gott nicht, den liebt er nicht: Alaba gehört wie seine Familie zur protestantischen Freikirche der Siebenten-Tages-Adventisten. Das sind die Guten!

Ist das nicht ein ziemlich unaufmerksamer Gott, dieser Jesus? Er kümmert sich um die Tüchtigen, die anderen lasst er ånglánt. Übrigens ein Jahrhunderte altes Modell der Evengelikalen und Calvinisten, dass sich das Gottgefällige durchsetzt und die anderen selber Schuld an ihrem Schicksal sind. Der „amerikanische Traum“, der so ziemlich jeden Raub an der Gesellschaft rechtfertigt. Anderswie kann man sich ja auch die Jahresgage eines Alaba nicht erklären, man muss sich ja geradezu zu den gottgefälligen Auserwählten zählen und sich das Paradox des Reichtums schönreden.

Dieses Jesus-Transparent von Alaba erscheint wie ein Deal: „Du hilfst mir, der beste Fußballer der Welt zu sein, und ich verhelfe Dir zu mehr Popularität bei denen mit der falschen Lehre“.

Wer hätte gedacht, dass nach Renaissance, Humanismus, Aufklärung, nach dem durch Darwin begrabenen Gott und zwei Weltkriegen, Kicker wieder beginnen, die Geister von früher, deren Wirkungen wir in Geschichtsbüchern studieren können und die wir auch heute noch miterleben können (erspart mir die Zitate) ausgraben und versuchen in der Welt zu verbreiten.

Sollte man das hier herauslesen, dann stimmt es: ich mag diese Religiosi nicht, wenn sie fundamentalistisch werden, weil ihre Geisteshaltung gegen jede Vernunft, Aufklärung und Toleranzbemühung gerichtet ist. Auf der Bühne caritativ, hinter der Bühne missionarisch und mit den Mächtigen paktierend. Der auserwählte Fußballer, das auserwählte Volk. Hier ein Zitat aus einem der Lieder von Reinhard Mey: „Sei wachsam“ (1996) mit der Textstelle: „Der Minister nimmt den Bischof in den Arm: ‚Halt Du sie dumm, ich halt sie arm.'“

Nur Ronaldo ist er selbst. „Meine Kraft liegt in mir“ will er wohl mit seinem wuchtigen Auftreten nach einem Torerfolg sagen, und er ist wirklich ein beeindruckender Athlet.

Ein Ziel für alle?

Die Muskeln sind gewachsen, der Geist ist der von gestern.

Zur Ehrenrettung des David muss gesagt werden: „die Täter sind immer die Eltern“. Aber die Eltern sollten den Mut aufbringen, ihre Kinder nicht zu indoktrinieren, und die Kinder sollten die Kraft mitbringen, unzeitgemäße Eigenarten der Eltern zu erkennen und zu überwinden, dazu sind ja schließlich Leben und Tod evolutorisch entstanden, damit wir auf eine sich verändernde Umwelt reagieren können.

Insbesondere, wenn junge Menschen in so prominente Positionen wie die eines Spitzenfußballers katapultiert werden, müssen sie Verantwortung übernehmen für das, was sie sagen. Sie sind nicht irgendwer im Biergarten, sie haben eine außergewöhnliche Popularität und damit eine außergewöhnliche Verantwortung.

Ist nicht die Botschaft von John Lennon etwas, das wir alle unterschreiben könnten, ganz egal welche Geisteshaltung das jeweilige Elternhaus vorgegeben hat?

Vielleicht wären auch die Vereine gefordert, den Spielern der Jugendmannschaften so etwas wie Ethikunterricht angedeihen zu lassen, nicht den in Österreich angedachten, natürlich einen für alle, weil die jungen Spieler eben das Potenzial haben, mit vergleichsweise bescheidener Bildung hohe Popularitätswerte zu erreichen. Das archaische und unreflektierte Weltbild der Elterngeneration wirkt dann in sonderbaren Jesus-Botschaften auf uns Anhänger zurück.

Aber gleich beim einfachen Beispiel von „Imagine“ zeigt sich, dass der Text wohl nicht bei allen Fußballschülern gleichermaßen akzeptiert werden wird, denn wer kennt sie nicht nicht, die Nationalbewussten, die allein bei der Zeile „stell Dir vor es gibt keine Länder“ in eine Sinnkrise stürzen.



Damit hier nicht nur Negativbeispiele genannt werden, erinnere ich an die Karriere und das soziale Engagement unseres Jahrhundertfußballers Steffen Hofmann, der seine ganze Popularität in den Dienst der Gesellschaft stellt und für jene da ist, die unsere Hilfe dringend brauchen.

Sooo muss Verantwortung!

Links

Dieser Tagebucheintrag entstand nach einem ziemlich nostalgischen Liedernachmittag in der Einsamkeit eines Spitals. Sonderbarerweise sind es Endzeitlieder, die einen da besonders berühren, aber weil man ja positiv denken soll, wie alle einfühlsame Botschaften, die mich erreicht haben, ausgedrückt haben, stieß ich auf das visionäre „Imagine“. Und der verhaltensauffällige Alaba passte als Kontrapunkt zu dieser Vision ganz gut dazu.

Rapid-Admira

4:1 (2:0)

Mich erinnerte das Spiel unmittelbar an jene Zeit, in der Rapid immer eine gefühlte Überlegenheit zeigte, trotz dieser Feldüberlegenheit nicht immer gewann, es aber drei Mal zum Vizemeister gereicht hat. Ich hatte bei diesem Spiel das Gefühl, dass es unser sportliches Duo Didi und Zoki geschafft hat, an diese Zeiten nicht nur anzuknüpfen, sondern darüber hinaus eine sehr flexible Spielanlage zu entwickeln, die sich am jeweiligen Gegner und der Situation orientiert.

Es ist aber die Frage, ob der heutige Gegner Admira geeignet war, diese Tugenden aufzuzeigen. Mich erinnert dieses Spiel auch – wie so oft – an den Band 1 von Asterix, in dem die Römer meinen, den Zaubertrank zu besitzen und dabei diesen Umstand an einem sehr kleinen Stein messen. Die Ernüchterung folgt auf dem Fuße und das könnte „buffalo“-Gent sein. Doch für so naiv wie die karikierten Römer müssen wir unser Trainerteam nicht halten, die werden schon darauf schauen, dass wir auch gegen Gent die richtige Einstellung auf den Platz bringen.

Im Vorfeld wurden seitens der Admira viele Hoffnungen in das Stürmerduo MaierHoffer gesetzt, und einmal hätten die beiden tatsächlich fast zugeschlagen, denn nur die Latte rettete Rapid von einem Gegentreffer. Ansonsten fiel der Major eher durch Fouls auf, die allein durch sein großes Gewicht für den jeweiligen Gegner sehr schmerzhaft sein können.

Auch fragt man sich, was wohl gewesen wäre, wenn der eine oder andere hoffnungsvolle Spieler – wie eben die beiden genannten oder auch Louis Schaub und andere – sich zu einer Legende bei Rapid und nicht zu einem Bankerldrucker am Abstellgleis im Ausland entwickelt hätten.

Ist es nicht ein großer Wert, dass trotz Abgang von Stefan Schwab und ohne weitere Transfers es gelungen ist, das Team zusammenzuhalten und durch viele junge Spieler eine breite, verlässliche Spielerbasis zu schaffen? Man machte aus der Corona-Not eine Tugend, die sich sehen lassen kann. Eine hoffnungsvolle Botschaft an alle Nachwuchstalente von Rapid II. Um 120 Euro gibt es das Jahresabo für Rapid II. Außer bei einer Corona-Totalsperre hat man bei Rapid II die Chance, tatsächlich alle Spiele sehen zu können.

Ambiente

Bei der Zahl „10.000“ wird einem Beobachter schlecht, vor so wenig Verständnis der Politiker für die Probleme der Fußballvereine. Eine bedeutend fairere Lösung wäre es doch gewesen, dass man in Veranstaltungen – so wie übrigens bei den Salzburger Festspielen – einfach jeden zweiten Platz freigehalten hätte? Dann wären die Kräfteverhältnisse zwischen den Vereinen gleich geblieben. So aber trifft Rapid diese Beschränkung außergewöhnlich härter als die anderen Mitbewerber. Und auch wenn jetzt jemand meint, man müsse diese Obergrenze noch weiter nach unten bewegen, hätte man in einem wettbewerbsneutralen Modell gesagt: „nur ein Viertel der Gesamtkapazität“ und es wäre wenigstens im Wettbewerbsinn fair gewesen. So aber treffen diese Maßnahmen immer nur Rapid, und der Mitbewerb lacht sich ins Fäustchen.

Auch ist das Argument, dass größere Veranstaltungen automatisch auch steigende Fallzahlen bedeuten, durch die Salzburger Festspiele längst widerlegt.

Der Tagebuchautor konnte das Spiel nur über Sky-X mitverfolgen. Gleich zwei Ex-Rapidler kommentierten das Spiel und auch das nachfolgende Spiel LASK-Austria. Es waren Hans Krankl und Andy Herzog. Ausnahmsweise waren die Kommentare durchaus wohlwollend. Schmunzeln musste ich als in der Pause des Spiels in Linz eine Zusammenfassung des Rapid-Spiels gebracht wurde und die Besprechung des laufenden Spiels eher zweitrangig war. Man sieht an diesen Details und aus der eigentlich sehr unausgewogenen Auswahl der Experten, welches Gewicht Rapid bei den Medien hat.

Noch vor Spielbeginn erreichten mich zwei Bilder von Dominik (Tornados), und ich füge hier meinen Facebook-Text ein: „Als ich dieses Transparent der Tornados sah, war ich ein paar Minuten nicht ansprechbar. Danke an Dominik, Martin, Walter, Gerhard und die Vielen, die ich nicht namentlich kenne, die einen Außenstehenden und oft auch Kritiker als einen von Ihnen adoptiert haben.“ Danke auch an Hannes und Florian für ihre Eindrücke vom Spiel.

Wegen der seht eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten hier im Spital, müssen die Links entfallen und werden später an dieser Stelle eingesetzt. Krankenberichte werden jeweils nach einer weiteren Behandlungsetappe folgen. (Erster Krankenbericht) Und es wird viele geben, etwa in einmonatigen Abständen, jeweils nach der nächsten Chemotherapie. Und die vorläufige Entlassung am Dienstag bedeutet nichts. Stellt Euch vor, gemeinsam mit mir sind viele andere – sagen wir 100 – auch von so einem Tumor befallen. Unser gemeinsames Schiff sinkt, aber es gibt nur Rettungsboote für 60. Und niemand weiß, wer diese 60 sind.

Ich bedanke mich für die außerordentlich vielen und einfühlsamen Wünsche, die mich über Telefon, SMS, Mail, WhatsApp, Messenger und Facebook erreicht haben. Als Osttribünen-Sitzer ist man nicht wirklich in einen Verband eingebunden wie das im Block der Fall ist. Dass man mir aber das Gefühl gegeben hat, dieser großartigen Rapid-Familie und sogar einer Block-Gruppierung angehören zu dürfen, ist eine große Ehre für mich. Daaanke!

Ausfälle

Einerseits leidet der Fußball im Allgemeinen und Rapid im Besonderen unter dem Corona-Virus, und es fühlt sich an, als hätte bisher die Fußballmaschine die beiden Fußballkommentatoren Gerhard Niederhuber und seinem Grünzeug und Franz Fiala und seinem Tagebuch bei Gesundheit gehalten. Vielleicht durch den Wegfall des „Motors“ hat es beide Autoren „erwischt“ und beide sind im Spital gelandet. Gerhard Niederhuber ist wieder zu Hause, beim Tagebuchautor liegt dieser Zeitpunkt noch in weiter Ferne.

Die bisherigen 11 Tage im KFJ dienten ausschließlich der Diagnostik. Morgen wird es ernst und die Chemotherapie kann in der Onkologie beginnen. Ausgang ungewiss.

Mit einer bescheidenen portablen EDV-Ausrüstung kann der tägliche Pressespiegel weiterhin gesendet werden, Berichte sind schwieriger und werden wohl länger ausfallen.

Einen Bericht über die Erkrankung wurden an Freunde gesendet aber dabei wurde doch die eine oder andere Adresse vergessen. Daher hole ich das hier nach und sende den Text vom Samstag auch im Tagebuch:

Liebe Freunde!

Ich bin kein großer Redner, aber schreiben tu ich gern, und wir sind alle in einem Alter, wo Erkrankungen jederzeit möglich sind. Ich möchte mir mit diesem Bericht selbst ein bisschen Klarheit verschaffen und mir die eigene Ohnmacht in solchen Fragen von der Seele schreiben. Es ist kein Endbericht, keineswegs, es ist ja noch nicht einmal klar, was genau der Fall ist. Außerdem kann man in Sachen des Lebens selbst keine Endberichte schreiben, man muss das vorher machen. Also jetzt.

Sollten es noch ein paar Jahre werden, die mir die Ärzte ermöglichen, freut das natürlich, und wenn nicht, ist doch eine Verabschiedung netter als ein Partezettel im Briefkasten.

Ich hatte einfach das Bedürfnis, diese für mich so überraschenden und existenziellen Erlebnisse, die den Alltag von einem Tag auf den anderen auf den Kopf stellten, mitzuteilen. Dass ich Euch das alles schreibe, soll auch einen Preis haben. Wenn ich da wieder draußen bin, reden wir übers Wetter, über Primzahlen, über den PC oder über Fußball. Aber wenn ich in der nächsten Zeit mit einer Glatze herumlaufen werde, möchte ich nicht dasselbe immer wieder erzählen.

Bitte auch keine Tipps, ich bin in bester medizinischer Betreuung.

Dass ich heute, am Samstag Kalbfleisch bekomme und als Nachspeise ein Fru-Fru wie in Kindertagen, dass ich einen Panoramablick über Wien von Hütteldorf bis zum Hauptbahnhof habe, wäre allein schon berichtenswert. Ein kleiner Schönheitsfehler ist, dass ich die diese Zeilen vom 4. Stock der Urologie im KFJ schreibe.

Noch vor 10 Tagen war ich in Bratislava, um die aktuelle Ausgabe der PCNEWS abzuholen und zu versenden, doch danach verschlechterte sich meine Leistungsfähigkeit von Tag zu Tag.

Die bereits seit zweieinhalb Jahren – auch hier im KFJ – in Untersuchung befindliche Grunderkrankung ist ein sich ständig verschlechterndes Blutbild. Die Hämatologen haben aber nichs von Leukämie gesagt, vielmehr suchten sie nach der Ursache vom Blutverlust und das mit dem vollen Programm also Ganzkörper-Ultraschall, Gastroskopie, Coloskopie, alles ohne Ergebnis. Auch eine Punktierung brachte keinen Aufschluss über die mögliche Ursache der Blutbildveränderung. Da mir das Blutbild aber keine Beschwerden verursacht hat, änderte sich am Alltag gar nichts.

Dann kam der Juli 2020. Und etwa in Monatsmitte fiel mir spontan das Lied „Brüderlein fein“ ein, mit der Zeile „es muss geschieden sein“. Nie hatte ich mich alt gefühlt, doch mit dem Juli 2020 schien sich die Jugend ziemlich abrupt zu verabschieden.

Ich bekam Bauchschmerzen, etwa in der Periodizität 2 Tage Schmerzen, 1 Tag schmerzfrei. Es fühlte sich an wie ein permanenter Harndrang. Ich tippte auf alles Mögliche, wegen der Großflächigkeit der Schmerzen auch auf Nierensteine. Bei Niere fiel mit ein, das es gut wäre, viel zu trinken, und ich tat das dann auch und trank etwa zwei Liter zusätzlich, mit der Folge, dass ich vor Schmerzen nicht schlafen konnte. Wasser, dass sich normalerweise ganz natürlich wieder verflüchtigt, blieb vollständig im Körper – wie die Waage bestätigte. Mein Verdacht wurde auf eine volle Harnblase gelenkt, die aus irgendeinem Grund nicht entleert werden konnte. Damit ging ich zur Hausärztin und die schickte mich mit der Frage „Harnverhalt“ zur Urologie. Und die schickten mich wieder nach Hause, denn die Harnblase sei leer, doch die Schmerzen waren da. Man empfahl mir ein paar Mexalen zu nehmen, was ich ohnehin tat, um etwas schlafen zu können.

Bei einem meiner Besuche im KFJ wegen der Blutwerte ist im Juli der Wert für das Hämoglobin auf 10 gesunken (normal wäre 13-17). Da der diensthabende Arzt nicht sonderlich beunruhigt war, war ich es auch nicht.

Ab Mitte August stellte ich eine früher nie gekannte Atemnot beim Stiegensteigen und einfachen Tätigkeiten fest. Die Selbsteinschätzung war, dass es etwas mit dem Herzen zu tun haben könnte und ich meldete mich bei einem Herzspezialisten an, der mir empfahl, vorher zu einem Lungentest zu gehen. Das tat ich auch. Ich wählte als Wiener Tscheche die Ordination am Wienerberg geführt von Frau Dr. Vesely („Lustig“). Der behandelnde Arzt war ein Dr. Kos („Amsel“). Ich habe beide befragt, aber keiner der beiden wusste um die Bedeutung ihrer Namen. Aber bei der Lunge kannten sie sich aus. Es bestand kein Lungenfehler. Aber Dr. Kos hat mir einen wertvollen Hinweis gegeben als er meinen Blutbefund sah. Das Hämoglobin transportiert den von der Lunge erzeugten Sauerstoff. Ist zu wenig Hämoglobin da, wird auch zu wenig Sauerstoff verfügbar gemacht und man fühlt sich als wäre man auf einem Fünftausender; auch dort bekommt man zu wenig Luft.

Mein endlich vom Urlaub zurückgekehrter Urologe stellte eine verhärtete Prostata mit Verdacht auf einen bösartigen Tumor fest. Er erstelle einen professionellen Befund und schickte mich damit wieder auf die Urologische Ambulanz, und ich ging auf dieselbe, die mich schon einmal nach Hause geschickt hat. Diesmal war eine gewissenhafte Ärztin am Werk, die die Diagnose des Urologen bestätigte. Sie verpasste mir gleich für den nächsten Tag (!) eine Computertomografie für den ganzen Bauchraum. Das war am vorigen Freitag.

Wir besuchten am Wochenende noch den Silbersee bei Kritzendorf und die Umrundung des kleinen Gewässers machte mir – ebenso wie der nachfolgende Einkauf – erhebliche Schwierigkeiten.

An dieser Stelle muss ich anmerken, dass die im Juli beobachteten Bauchschmerzen verschwunden waren und bis heute sind. Ob sie überhaupt irgendwie mit der Erkrankung zusammenhängen, weiß ich nicht, weil ich sie in ähnlicher Form auch schon im vergangenen Jahr hatte, sie aber im Zuge der Darmentleerung vor der Coloskopie wieder verschwunden sind.

Die Befundbesprechung war am Montag. Die ersten Worte des diensthabenden Arztes waren: „Können’s gleich dableiben?“ Er erklärte darüber hinaus, dass sich der Tumor schon an vielen anderen Stellen eingenistet hat, wie zum Beispiel in den Lymphknoten und der Leber, dass also zum Beispiel eine Strahlentherapie für den Prostata-Tumor allein nicht sinnvoll wäre, man muss alles auf einmal „angreifen“. Dazu müsse man aber wissen, welcher Art dieser Tumor ist, da gäbe es viele Möglichkeiten.

Ich holte mir noch meinen PC von zu Hause – und gut war’s, denn damit kann ich jetzt diesen Brief schreiben – dafür habe ich die Schlapfen vergessen…

Zuerst hieß es das KFJ, Kaiser Franz Josef Spital oder auch Triesterspital, dann bis 2020 SMZ Süd und jetzt nennt man es Klinik Favoriten. Die Anlage empfindet man verwirrend, weil die Gebäude in einem Winkel von 45° zu neuen Haupteinfahrt angelegt sind. Der frühere Haupteingang ist geschlossen, aber ich habe noch zwei Erinnerungsbilder von der damaligen Cafeteria, die Speisekarte und das junge Kaiserpaar Sisi und Franz. Damals, im 19. Jhdt. wurde es als Epidemie-Spital errichtet und damals wäre man froh gewesen, mehr gegen die Blattern und Pocken machen zu können. Heute verweigern viele die Impfung. Der Grund dürfte sein, dass wir keine Pockenkranken kennen und daher meinen, dass uns das alles nichts anginge. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Klinik_Favoriten

Ich kam in die Abteilung 42 im vierten Stock. Da war doch was mit dieser Zahl 42? Ja, das ist die berühmte Antwort auf eh alles, die ein Computer nach langwierigen Berechnugen im Roman „Per Anhalter in der Galaxis“ ausgibt. Mein isoliertes Einzelzimmer 14 schaute nach Westen. Nach dem negativen Corona-Test wurde ich verlegt und ich dachte, jetzt kommst in ein Massenquartier. Weit gefehlt! Ich bekam das Zimmer mit der Nummer 7, wieder ein Einzelzimmer. Dieses Zimmer wurde wahrscheinlich für besondere Patienten angelegt oder makabrerweise für Patienten mit weniger guten Aussichten, damit sie wenigstens auf den letzten Stationen eine gute Aussicht auf Wien haben mögen.

Fensterfronten nach Nord und West, je ca. 3 Meter hoch und 8 Meter lang. Schaue ich rechts, sehe ich die Hauptbahnhof-City, also die Gegend, wo ich wohne. Schaue ich nach vorne, sehe ich etwa das AKH; das Fernheizwerk Spittelau, meine frühere Arbeitsstätte, das TGM, die Votivkirche, im Vordergrund den Esterhazy-Flakturm, im Hintergrund die Hausberge mit unserer Lieblingswanderung vom Leopoldsberg zum Kahlenberg und runter nach Nussdorf. Schaue ich aber nach links, sehe ich das Schloss Wilhelminenberg, den Flötzersteig, die Schwegler-Kirche und ganz links unsere zweite Heimat Hütteldorf.

Mein Outfit: blaues Nachthemd.

Am Operationstag ändert sich der Dresscode, das Hemd ist rot und ist vorne zu und hinten offen. Eigentlich war das alles keine Operation, sondern nur eine Gewebsentnahme, allein mir hat’s gereicht. Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose, aufwachen tut man mit einem Schlauch in der Harnröhre. Über ein ausgeklügeltes Ventilsystem wird die Blase von außen mit Salzwasser gespült, ich schätze dass es insgesamt 15-20 Liter sind, die den zuerst blutig-roten Harn wieder zur Normalfarbe werden lassen.

Man hat an der Prostata herumgeschnipselt und die Analyse des Tumors wird am Montag in einem multidisziplinär besetzten Gremium besprochen. Im Prinzip geht es um die Art der Chemo-Therapie, die man mir in der Onkologie verpassen wird, ob stationär oder ambulant. Aus den Erzählungen unseres verstorbenen Freundes Ferdinand de Cassan können das auch lange Aufenthalte auf Isolationsstationen sein wegen des heruntergefahrenen Immunsystems und der ohnehin schlechten Blutwerte.

Wenn man dann als gelernter Feigling mit diesen vielen unangenehmen Eingriffen konfrontiert wird, findet man es schade, dass die Eltern das Kind zu wenig indianisch erzogen haben. Wir haben versucht, kleine Wehwehchen bei Florian nicht allzu viel aufzubauschen und mit ihm regelmäßig zum Arzt und besonders auch zum Zahnarzt zu gehen. Der Erfolg kann sich sehen lassen. Florian ist furchtlos und steckt solche Situationen viel besser weg als der Vater.

Die erste Nacht nach dem Eingriff habe ich bestens geschlafen. Die zweite Nacht „woa a schware Partie fia mi“, in 10- bis 20-minütigen Intervallen gab’s allerfeinste Krämpfe, so als wolle der Körper diesen Plastikschlauch loswerden. Aber glücklicherweise sind diese Schläuche jetzt wieder weg und ich kann am Tisch sitzend schreiben.

Damit ich die Prozedur wegen der schlechten Hämoglobin-Werte (von 10 im Juli bereits auf 8 im August gesunken) besser überstehe, bekam ich vor dem Eingriff zwei Blutkonserven, und wahrscheinlich hat das schon sehr geholfen. Derzeit ist es allerdings so, dass ich nach einem normalen Waschgang mich für ein paar Minuten ausruhen muss. Gerade gab es eine Ultraschall-Untersuchung auf Restharn. Der Weg dorthin ca. 30 Meter. Dort angekommen, kann ich nur keuchend sprechen. Auch nach dem Abendessen (zwei Topfenbrote) muss ih mich ausruhen. Ich kann jetzt schon fast durch so einfache Handlungen meinen Hämoglobinwert einschätzen.

Eigentlich hätte ich heute nach Hause gehen können. Da aber meine Schwäche erheblich ist und ich am Montag wieder einrücken werde müssen, habe ich mich entschlossen, das großzügige Angebot des Oberarztes anzunehmen, auch am Wochenende hier bleiben zu können.

Bis zum Juli 2020 war es bei keiner Blutprobe ein Problem, eine Vene anzubohren. Jetzt im August waren alle Venen wie in einem Geheimversteck. Entweder ist das schon die Folge des schlechten Blutbilds oder eines zu geringen Blutdrucks. Einmal stechen war oft zu wenig.

Keiner der Ärzte bis hinauf zum Primar, der auch bei der ersten Visite im Team war, hat die Wörter „Krebs“ oder „Metastasen“ verwendet. Ich fand das bemerkenswert, weil das sind die negativ besetzten Ausdrucksmittel in Medien. Ich nehme an, dass die Sprachregelung im Krankenhaus sehr optimistisch gewählt ist, praktisch auch schon ein Teil der Heilungsprozesses. Man hat bemerkenswerter Weise die Krankenkassen in Gesundenkassen umbenannt und könnte das durchaus bei den Krankenhäusern tun. Die neue Erfindung „Klinikum“ wird zwar von allen Fachleuten zurecht kritisiert, weil ein Klinikum eine universitäre Einrichtung für Ausbildung und Forschung ist, aber immerhin ist das Wort „Krankenhaus“ verschwunden. Hier, an der Triesterstraße nennt man sich gern KFJ, weil dieser Name in der Forschung gut bekannt ist.

Ich finde es sehr professionell, dass niemand irgendwelche Prognosen abgibt, schließlich ist jede Erkrankung sehr individuell. Allein an dem Tempo, mit dem alle Akteure die Sache angegangen sind, kann man ablesen, dass es ernst ist, sehr ernst.

Wäre da nicht das Blutbild mit der Atemnot gewesen, man wäre vielleicht gar nicht auf diese Tumore draufgekommen. Diese kommen aber ohnehin nicht über Nacht, die entwicken sich möglicherweise über Jahre und das völlig unbemerkt und auch dann, wenn man durchaus alle klassischen Vorsorgeuntersuchungen macht. Es ist also anzunehmen, dass ich diese Tumore schon mehrere Jahre herumtrage.

Es gibt ein Indiz dafür und das hat mir eine Ärztin erklärt: Der Laie meint, dass Flüssigkeiten alle zur Niere wandern und über die Harnblase ausgeschieden werden. Daher auch meine Vermutung, ich könnte einen Harnverhalt haben. Nein, sagte sie, es gibt im Bauchlappen (oder so ähnlich) eine Art Verteilzentrum für Flüssigkeiten, das entscheidet, was damit geschieht. Wenn in dieser Schaltzentrale eine Störung vorliegt – zum Beispiel durch einen Tumor, bleibt – so wie in meinem Fall – das Wasser irgendwo vagabundierend im Körper. Da ich diesen Effekt schon länger beobachte, deutet das darauf hin, dass der Krebs sich schon längere Zeit eingenistet hat.

Die Frage ist nun, ob die sinkenden Blutwerte und der Krebs zusammenhängen oder ob es verschiedene Erkrankungen sind. Eine Chemotherapie bekämpft schnell wachsende Zellen, also auch Haare, aber auch Blutzellen. Wenn der Krebs bekämpft wird, zerstört man gleichzeitig auch die Blutzellen und es kommt zu einer Immunschwäche. Wenn aber das Blutbild ohnehin schon „am Boden“ ist, was dann? Dann muss die Therapie auf Isolierstationen stattfinden und kann nicht ambulant erfolgen. Einer der Ärzte meint, dass das Blutbild und die Tumore zusammenhängen. Man bekämpft mit der Chemo beides. Es ist also eine Art Leukämie mit bereits ausgebildeten „Filialen“.

Es schaut so aus, als würde die Onkologie im KFJ zu meinem zweiten Zuhause werden, zumindest in der nächsten Zeit, und man kann sich natürlich fragen, wie lange das so geht, und vor allem, wie lange das gut geht. Da die Ärzte auf solche Fragen eher nicht antworten, habe ich eine andere Frage gestellt: „Weihnachten, geht noch?“ Das hat eine freundliche Ärztin sehr optimistisch und voll Vertrauen in das Können der Ärzte bejaht.

Das KFJ ist keine Privatklinik, sie ist ein Spital des Krankenanstaltenverbundes. Man ist also eine Nummer, irgendwer. Es ist aber erstaunlich, wie positiv die Ausstrahlung aller hier arbeitenden Menschen ist. Von der Reinigung (eine Serbin), den Essensträgern (geschätzt Roma), den Pflegern (Philipinos, auch Inländer), den Ärzten (eine Russin hat mir perfekt die Bluttransfusion verabreicht. Es muss vorher mit einem chemischen Test die Verträglichkeit überprüft werden). Es ist ein bunter Haufen, der wie in einem Uhrwerk die Vorgänge fehlerfrei ablaufen lässt. Tausende Male geübte Vorgänge geben Vertrauen in das Geschehen. Ich habe keine Sonderkasse und ich kann mir auch nicht vorstellen, was dann anders wäre. Ich werde wie ein König behandelt.

Bis hierher kann ich Euch sachlich berichten, wenn es aber um die Prognose geht, dann fällt mir das Schreiben schwer. Ich mach’s daher kurz:

Was passiert mit dem Franz?

Ich werde sicher wieder nach Hause kommen und wir werden noch das eine oder andere gemeinsam erleben. Wer kennt nicht das schöne Lied von STS? Kehren wir die Bedeutung um und meinen statt „Griechenland“ das „KFJ“: „Und irgendwann bleib i dann dort, lass alles liegn und stehn, geh von daheim für immer fort. Darauf geb i dir mein Wort, wieviel Jahr a noch vergehn, irgendwann bleib i dann dort.“

Nun, die klassischen Beerdigungsformen haben wenig Nutzen, ich spendiere daher meinen Körper der Uni: koerperspenden@meduniwien.ac.at

Servus an alle
Franz