Bananenliga

Es wäre ja nicht das erste Mal, dass in Österreichs Fußball sportliche Erfolge durch illegale Machenschaften erzielt worden wären. Wir erinnern uns an Sturm, GAK und Wacker Innsbruck, deren Vereinsführungen Meistertitel ergaunert haben und diese Titel nicht zurückgeben mussten; nicht zu vergessen der LASK in einer Nebenrolle. Das erstaunt umso mehr, als die jeweiligen Verlierer diese Titel hätten einfordern können, das aber nicht getan haben; möglicherweise eine Folge der Stimmenverhältnisse oder der uns weniger bekannten Regeln in der Bundesliga. Stattdessen hat man sich in der Liga darauf beschränkt, die Bedingungen für eine Lizenz zu verschärfen.

Diese Entscheidungen in der Vergangenheit sagen uns, dass man in Österreich Titel ergaunern kann, ohne Gefahr zu laufen, die Trophäen zurückgeben zu müssen. Die Vereinsverantwortlichen müssen sich zwar Gerichtsverfahren stellen, aber seitens der Liga müssen sie keine Sanktionen erwarten; die Titel und die damit verbundenen finanziellen Vorteile werden von keinem der Verlierer infrage gestellt.

Die Mitgliederversammlungen sind bis auf Weiteres abgesagt. Auskunft: 0677-1899 5070 (Franz).

Fall SV Mattersburg

Der SV Mattersburg hat alljährlich die Hälfte seines Budgets, etwa 5 Millionen Euro, aus Sponsorverträgen lukriert. Das ist schon beachtlich, kein anderer Verein der „Kleinen“ konnte so viele Sponsorgelder aufbringen.

Der größte Teil dieser Sponsorsumme stammte aber von der Commerzialbank Mattersburg. Es gab auch andere Sponsoren aber deren Sponsorsummen waren vergleichsweise unbedeutend. Den Lizenzgutachtern der Bundesliga wäre eine solche Unsymmetrie natürlich aufgefallen, dass nämlich eine kleine burgenländische Bank mit einem solchen Top-Sponsoring bei einem Fußballverein einsteigt, und sie hätten sicher genauer nachgefragt.

Um diesen großen Geldfluss von der Commerzialbank zu verschleiern, wurde durch Manipulation der Sponsorsummen die Rolle der Commerzbank heruntergespielt. Ihre eigentliche Sponsorsumme wurde stark reduziert, einige Sponsorverträge (Energie Burgenland) sollen mit viel höheren Summen verbucht worden sein als sie tatsächlich wert waren, andere Sponsorverträge (Wüstenrot) sollen frei erfunden gewesen sein. Jahrelang. Das Geld für das Scheinsponsoring soll aus fingierten Krediten der Commerzialbank stammen. Der eigentliche Geldfluss wurde verschleiert, und daher erhielt man von der Bundesliga eine Lizenz und konnte sich viele Jahr lang in der obersten Spielklasse halten. Hätte man die realen Zahlen eingesetzt, wäre klar geworden, dass die Commerzialbank der Hauptgeldgeber war und dieser Sponsorbetrag wäre bei der Bundesliga als unrealistisch hoch aufgefallen. Bericht DerStandard.

In der Bundesliga ist es derzeit egal, von wo Geld für den Fußball kommt. Sie ist da in guter Gesellschaft, die letzte oberstinstanzliche Entscheidung zugunsten von Manchester City liegt ganz auf dieser Linie. Im Artikel „Waffengleichheit im Fußball“ wird die Beliebigkeit der Geldquelle infrage gestellt, und es wird verlangt, dass nur Geld, dass durch Fußball erwirtschaftet wurde, auch im Vereinsbudget aufscheinen darf.

So ist es aber derzeit nicht und es spricht also derzeit nichts dagegen, dass jemand in Fußball investiert, allerdings sollte er das Geld dazu auch besitzen, was aber im Fall der Commerzialbank nicht der Fall war. Es ist wie ein Klein-RedBull „ich leiste mir einen Fußballverein“, aber mit illegaler Geldbeschaffung.

Im Falle des SV Mattersburg geht es nicht um Titel, aber es geht um den Abstieg und damit auch um Wettbewerbsverzerrung durch Betrug. Wenn also der SV Mattersburg in der Vergangenheit Gelder unrechtmäßig erhalten hat, dann mussten dafür andere Vereine absteigen, und dann ist das so ähnlich wie mit einem ergaunerten Titel: es gibt rückwirkend offenbar keine Konsequenzen.

Der Bundesliga geht es allein darum, ob der Spielbetrieb für die kommende Saison gesichert ist. Ob das Geld „stinkt“, also von wo es letztlich kommt, scheint der Bundesliga ziemlich egal zu sein. Darauf deutet das Interview eines Mitglieds des Senat 5 hin.

Was den interessierten Beobachter verblüfft, ist das Angebot der Bundesliga an den SV Mattersburg, einem Verein, der offenbar die Prüfer bei der Bundesliga jahrelang über die wahre Einnahmequelle getäuscht hat, jetzt dazu eingeladen wird, ein neues Konzept vorzulegen, so, als wäre das alles nicht passiert. Würde also Mattersburg einen Investor aus dem Hut zaubern – Gerüchte gibt es genug – wären alle diese Machenschaften der Vergangenheit egal?

Mir fällt diese Vorkommnisse in Vergangenheit und Gegenwart kein anderer Begriff ein als „Bananenliga“, wobei weniger die Akteure der Bundesliga das Problem sind, denn sie handeln nach Regeln, die von den teilnehmenden Vereinen festgelegt worden sind; Regeln, denen ausreichend klare Konsequenzen zu fehlen scheinen, weil diese theoretisch jeden Verein treffen könnten.

Alles in Allem stellen wir ein Totalversagen der Prüfer fest, allen voran der TPA. Aber auch die Prüfer der Bundesligisten dürften vieles aus jahrelanger Gewohnheit einfach ohne Kontrolle übernommen haben. „Same procedure as every year.“

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