Abschiedsabend Andy Marek

Am Samstag, 15. Februar lud Rapid die Fanklubleiter zu einem Abschiedsabend für Andy Marek ein.

Wir sind immer mit großer Freude zu den Veranstaltungen von Rapid gefahren, doch an diesem Samstag war es anders. Die Stimmung war gedämpft, erwartete uns doch ein sehr wehmütiger Abend. Doch war anders. Wir hörten spannende Erzählungen rund um Rapid. Schließlich hat uns Andy mit seiner Zuversicht und seinem Optimismus und dem großen Vertrauen in seine Nachfolger den Abschied leichter gemacht als wir das noch am Nachmittag gedacht haben.

Die Mitgliederversammlungen im März und April sind abgesagt. Am Montag 18. Mai begrüßen wir um 19:00 Martin Bruckner, Michael Krammer, Gerry Wilfurth (Gäste willkommen). Wenn Du als Nichtmitglied teilnehmen möchtest, rufe bitte 0677-1899 5070 (Franz).

Das Programm war wie folgt:

  • Ein Danke in vielen Bildern von Christoph Peschek
  • Eine eineinhalbstündige Erzählung über Erlebnisse bei Rapid, vorgetragen von Andy Marek
  • Eine Diskussionsrunde mit Andy Marek, Christoph Peschek, Gerhard Niederhuber und Oliver Pohle
  • Eine Führung von Andy Marek in der Sonderausstellung
  • Abendessen von Buffet
  • Übergabe von Geschenken der Fanklubs an Andy Marek
  • Lieder, komponiert, gesungen und an der Gitarre begleitet von Andy Marek

Zum ersten Mal erfuhren wir, wie die stetige Entwicklung vom Stadionsprecher zum Angestellten und Klubserviceleiter bis zum heutigen Großbetrieb verlaufen ist. Dass wir das alles erleben durften, verdanken wir der damaligen Tageszeitung „Täglich Alles“, in der Andy Marek – damals auf der Suche nach einem Job – das Inserat gelesen hat, dass Rapid einen Stadionsprecher sucht. Hätte er an diesem Tag die Zeitung nicht gelesen oder hätte er die Anzeige übersehen…

Foto von Andys erstem Arbeitstag, beim Tag der offen Tür (Foto: Sabine Karl)

Und er war sechs Jahre nur Stadionsprecher, also praktisch ein Taglöhner ohne feste Anstellung. Erst 1998 bekam er das Angebot einer festen Stelle, und daraufhin verkaufte er seine 8 Modegeschäfte mit immerhin 50 Angestellten und nahm die Stelle als Fanklubleiter an. Seine Bedingung an seinen Nachfolger war, dass der die 50 beschäftigen Damen weiter beschäftigen sollte.

Aus den vielen, vielen Erzählungen hier einige Highlights, die ich bisher nicht gekannt habe:

  • Als Christoph Peschek begann, in seine Rolle als Geschäftsführer hineinzuwachsen und mit dem für ihn immer schon als Idol gewesenen Andy Marek nunmehr zusammenarbeiten durfte, fiel der Satz: „Dem Andy wird’s wahrscheinlich eh wurscht sein, wer unter ihm Geschäftsführer is.“
  • Christoph ließ nicht unerwähnt, dass Andy neben dem uns allen vertrauten, freundschaftlichen und konzilianten auch ein anderes Gesicht haben konnte, dann nämlich, wenn es um die Vertretung der Interessen von Rapid gegenüber Behörden und der Bundesliga ging und er bei wenig engagierten Gesprächspartnern einfach die Sitzung verließ und damit Christoph in die Lage versetzte, nicht so recht zu wissen, ob er solidarisch auch den Platz räumen oder doch eher bleiben soll.
  • Man kennt doch Andy Marek auch von der Moderation der Rapid-Viertelstunde. Bei diesen Sendungen hält Andy Moderationskarten in der Hand, und der Zuschauer mutmaßt, dass auf diesen Karten eine Abfolge der Verlautbarungen stünde, die ihm ein Redaktionsteam vorbereitet hat. Die Wahrheit ist, dass die Karten einerseits das Bild beleben, weil die Hände immer in Bewegung sind und dadurch die Aufnahme sehr dynamisch wirkt, andererseits aber steht auf den Karten nichts – gar nichts.
Moderationskarten als Dekor und dynamisierendes Element
  • Ich habe selbst erlebt, mir welcher Präzision und Wortgewandtheit Andy eine solche Aufnahme erledigt und zwar bei der Enthüllung des Gedenksteins auf der Schmelz, bei der das legendäre Foto von Alfred Körner entstand, den Robert Racic auf einer Rodel zum Auto bringt. Die uns von Filmszenen bekannten Zusammenbrüche der Regisseure, nach dem oftmaligen Wiederholen einer Szene, gibt es bei Andy nicht. Eine Aufnahme genügt, dann ist die Ansage „im Kasten“.
  • Gerhard Niederhuber erzählte von einem Spiel, in den 1980er Jahren, an dem ein Meistertitel fixiert wurde. es könnte der 29. Titel im Jahr 1988 gewesen sein, als der damalige Stadionsprecher die feiernden Fans nach 20 Minuten nach Hause geschickt hat, weil das Stadionlicht abgedreht werden musste. Damals hat man die Fanbetreuung noch klein geschrieben.
  • Die Qualität von Andys, der jeweiligen Situation perfekt angepasste Stadionansage, sprach sich in der Liga bald herum, und man trat an ihn heran, das Cupfinale 1993 gegen Wacker Innsbruck zu moderieren, allerdings mit der Auflage, dass es unparteiisch erfolgen müsste. Das Cupfinale gegen Wacker Innsbruck wurde 1:3 verloren und Andy sprach die Schlussworte, als eine kleine Gruppe im Sektor B einen Sprechchor anstimmte, der klang wie „Marek raus“. Der verdatterte Andy wusste nicht recht, wie ihm geschieht, und er meinte, dass es das wohl gewesen war mit der Karriere als Stadionsprecher, also sich dann aber herausstellte, dass nicht „Marek raus“ sondern „Starek raus“ skandiert wurde, denn Gustl Starek war der damalige Trainer.
  • Es ist ein Markenzeichen seine Stadionansagen geworden, dass nach Führungstoren von Rapid die dialogische Ansage kommt: „Tor für Rapid! Neuer Spielstand, Rapid;“, „vier!“, „Austria:“, „null“- „Danke“, „bitte!“. Es wird auch in anderen Stadien kopiert, doch erreicht es nirgendwo „Seines Meisters Stimme“. Aber auch Andy hat diese Ansage übernommen und zwar vom Sprecher von 1860 München beim Spiel am 4. 11. 1997 als man in München 1:2 verlor.
  • Legendär auch der Vorschlag der Fanszene, den Preis für ein Jahresabo auf der West mit 1.000,- Schilling festzulegen. Was vorerst als illusorischer und viel zu niedriger Preis angesehen wurde, stellte sich nach der Entscheidung für diesen Preis als die Sensation schlechthin heraus. Denn die Fantribühne war in kurzer Zeit bis auf den letzten Platz ausverkauft und nur wenige Restkarten gelangten in einer Verlosung in der nächsten Saison in den Verkauf; die tollen Choreografien, Gesänge und sonstigen Aktionen des Blocks übten eine große Anziehungskraft auf junge Besucher aus.
  • Es war nach einer riesigen Pressekonferenz im Hotel Hilton, bei dem die ganze europäische Sportpresse anwesend war. Lothar Matthäus erschien erstmals in Hütteldorf zum Dienstantritt und das mit mit einem nagelneuen BMW X5. Nachdem er den damaligen Zeugwart Ramhapp als solchen identifiziert hatte, gab er ihm den Auftrag, seinen Wagen zu waschen. Dieser meldete das Verlangen bei Andy Marek etwa mit den Worten, ob der Neue „wo angrennt“ wäre. Nun das hat Andy dem Lothar nicht 1:1 weitergeleitet und erklärte Ivica die Situation. Ivica sah das eher pragmatisch und machte das Beste daraus. Er nutzte den BMW X5 zu einer Autowaschfahrt aus, Fenster runter gekurbelt, Ellbogen rausgestreckt, Radio aufgedreht. Nach der Besprechung sucht Lothar seinen Wagen und Andy muss ihn beruhigen, der Wagen sei „in Arbeit“, als Ivica vergnügt von seiner Autowaschfahrt zurückkommt. Wieder eines der unlösbar scheinenden Probleme planiert.
  • Als die Fanszene anlässlich eines Heimderbys an Andy mit dem Wunsch herantrat, für eine Choreografie Gasflaschen für das Aufblasen von Luftballons in den Block mitnehmen zu dürfen, schien dieses Projekt unmöglich realisierbar zu sein. Andy versuchte es dennoch, erklärte dem Magistratsbeamten, dass man damit große Luftballons aufblasen wolle, und es gelang, die Genehmigung wurde erteilt. Erst bei der Heimfahrt wurde Andy bewusst, was der Block damit plant, nämlich ein Transparent auf den helium-gefüllten Ballons hochzuziehen, die dann während des ganzen Spiels zu sehen sein würden. Gleich rief er bei den Organisatoren an und rang ihnen das Versprechen ab, dass auf dem hochgezogenen Transparent nicht „Tod und Hass dem FAK“ stehen würde – wie er vermutet hat, Bei Spielbeginn traute er sich gar nicht hinzuschauen und fragte den neben ihm stehenden Clemens Pieber, ob dort „Tod und Hass dem FAK“ steht. Als dieser verneinte, drehte er sich erleichtert um und las „Viola merda“.
  • Wir alle kennen das eine oder andere Highlight der Pressekonferenzen von Peter Pacult. In der Zeit als Peter Klingelmüller beim ÖFB beschäftigt war, leitete Andy Marek die Pressekonferenzen. Um Peter Pacult den Einstieg in die Fragerunden zu erleichtern, stellte er ihm die ersten Fragen selbst und meist waren die Journalisten damit auch zufrieden. Bei der dritten derartigen Konferenz äußerte Peter Pacult aber gegenüber Andy die Bitte, ihn dieses Mal nicht zu fragen. Er leitete darauf hin ohne große Vorreden die Pressekonferenz mit den Worten ein: „Gibt es Fragen?“. Nachdem die verblüfften Journalisten etwa 10 Sekunden kein Frage stellten, stand Peter Pacult auf, und verließt wortlos den Raum.
  • Bei der Auswärtsfahrt nach Hamburg musste Andy den örtlichen Behörden zunächst erklären, was ein Corteo ist, und als schon die Fans in großer Zahl versammelt waren, führte ihn sein deutscher Begleiter über eine Nebenstraße, die Herbertstraße am Corteo vorbei. Und in dieser Straße hörte er gefühlt 300 Mal „Seavas Andy“ rufen, Rufe von – selbstverständlich nur aus rein touristischer Neugierde sich hier in die Rotlichtzone verirrten – Rapid-Fans.

Man kann diese Geschichten wohl noch endlos fortsetzen wie an mehreren Stellen des Abends betont wurde, und wer weiß, ein Verlag hat schon bei Andy nachgefragt, ob er bereit wäre, seine Zeit mit Rapid in Buchform zu publizieren.

Ein kleines Rätsel zum Abschluss: Oliver Pohle erschien mit einem tollen grünen Pullover mit den großen Initialen „AM“. Natürlich assoziierte man mit „Andy Marek“. Dann wurde aber auch gerätselt, dass es einfach das KFZ-Kennzeichen von Amstetten sei. Richtig war aber „Aeronautica Militare“.

Es gibt einen Andy Marek Fanschal, ein Trikot und auch einen Trinkbecher mit Andy Marek-Foto zum Sammeln ab dem morgigen Spiel bei den Kiosken.

Geschenkübergabe

Ein Stunde lang stellten sich die Vertreter des Fanklubs bei der Bühne an, um von ihrem scheidenden Idol Abschied zu nehmen, und ihm mit einem Geschenk zu danken. Florian, Franz und Hannes übergaben den Bildband Unsere Zeit mit Andy Marek mit einem einleitenden Teil Andy Marek in Zahlen“.

Rockys Bestürzung über Andys Abschied war groß und echt. Es ging ihm sehr nahe. Und Andy erzählte uns, wie eng die Verbindung von Rocky mit Rapid und besonders mit ihm selbst ist. Es gab einmal ein Testspiel zwischen Groß Siegharts und Rapid. Rocky hatte damals ein Moped.und fuhr damit drei Stunden von Wien ins Waldviertel, um sein geliebtes Rapid und Andy Marek zu sehen. Heldenhaft kann man da nur sagen. Inzwischen hat Rocky ein kleines Auto, aber er würde die Fahrt für sein Rapid und seinen Andy sicher wiederholen.

Die Botschaft

Dass wir dieses Fest miterleben durften, ist eines jener Dinge, die man nur bei Rapid erleben kann und die wir in erster Linie Andys Haltung gegenüber den Fans zu verdanken haben. Andy macht keinen Unterschied zwischen den Fans. Wer immer sich mit einem Anliegen an ihn gewendet hat, Andy versuchte immer, dem Anliegen zu entsprechen. Andy lebte vor, dass Ausgrenzung keine gute Basis für eine große Anhängergemeinschaft sein kann, etwas, an das wir uns immer wieder erinnern müssen, wenn wir uns dabei ertappen, uns selbst als „gute Fans“ zu fühlen und uns über die „bösen Fans“ zu stellen,

Die Nachfolge

Es ist ein bisschen wie bei Heinz Conrads*), Marcel Prawy, Peter Alexander oder Hans Moser. Sie haben sich in den Herzen ihrer Fans einen einmaligen Platz erobert. Sie alle konnten nicht ersetzt werden. Und daher hat man die Nachfolge von Andy auf mehrere Schultern verteilt. Es erinnert etwas an die römischen Triumvirate.

Nach vielen Jahren der (oft strengen) Lehre, übernimmt Lukas das Mikro von seinem Vater. In einem Interview im Standard verglich der Reporter die Übergabe des Mikros von Vater auf Sohn mit den Habsburgern, doch trifft das die Situation nicht. Es ist viel mehr die Übergabe eines Gewerbes von Vater auf Sohn, vielleicht in der Art wie es in früheren Zeiten im Handwerk üblich war. Für diese Aufgabe gibt es keine Berufsbeschreibung bei einer Innung, die Mareks haben sich diesen Beruf für sich entdeckt.

Die unmittelbare Zukunft nach Andy Marek ist also gut überlegt worden, und wir können zuversichtlich sein, dass die Zusammenarbeit der Fans mit Helmut+Robert (Fanbetreuung), Martina (Tickets und Events), Clemens (Merchandising), Lukas (Eventmoderation) und als Klubserviceleiter Mag. Klaus-Peter Aumayr gut funktionieren wird.

Sogar einen Blick in die fernere Zukunft wagt Peter Linden in seinem Blog, in dem er einen Rapid-Präsidenten Andy Marek vielleicht schon 2022 oder 2025 mutmaßt. „Wann kehrt er als Präsident zurück?“

Bildergalerie

Links

  • Einige Audio-Dateien mit Geschichten von Andy und Christoph, Lieder, gesungen und an der Gitarre begleitet von Andy Marek, darunter der Limpfingsblues bei den Bildern zu diesem Abend.

*) Eröffnung Weststadion 1977

Heinz Conrads war übrigens einer von vielen prominenten Rapid-Fans, und damals konnte man als Anhänger keineswegs Mitglied werden. Es bedurfte schon der Unterstützung durch zwei weitere Mitglieder, um dazu gehören zu dürfen. Das war auch ein Grund für die Gründung des „Klub der Freunde“.

Im Fersehbeitrag zur Eröffnung des Weststadions (erst ab 1981 „Hanappi-Stadion“) gab es auch ein Interview mit Heinz Conrads. In diesem Interview wird deutlich, dass man auch damals mit den gebotenen Leistungen nicht immer so ganz zufrieden war, weil man eben gefragt hat, ob sich mit dem neuen Stadion die Qualität der Spiel verbessern werde. Und es hat sich zunächst gar nichts verbessert, denn es hat von 1977 bis 1982 bis zum ersten Meistertitel in dem damals neuen Stadion gedauert. Link zum VIdeo

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