Mister Rapid II

Die Wikipedia nennt Dionys Schönecker „Mister Rapid“. Die NÖN titelt „Mister Rapid, Andy Marek, hört auf“. Rapid kann nunmehr auf zwei „Mister Rapid“ verweisen. Was diese beiden verbindet – würde der Apotheker Edlinger sagen – zeigt folgender Text.

Dionys Schönecker

Dionys Schönecker, 1938

Über Dionys Schönecker muss nicht viel gesagt werden. Rapid verdankt seiner Ära 12 Meistertitel und damit das Alleinstellungsmerkmal „Rekordmeister“, daneben 3 Cup- und einen Mitropacutitel. Seine Bronzestatue steht vor dem Block West, sein Bild ziert Fahnen des Blocks. Sein Leitspruch „Wer zusammenhält, gewinnt“ ist die Grundlage des „Rapidgeists“. In der Schrift „Elfmal Meister“ wird Dionys Schönecker auf Seite 10 als „Die Seele Rapids“ abgesprochen. Aus der Festschrift „40 Jahre Rapid“ aus 1939 stammt das nebenstehende Bild. Dieses Bild ist die Grundlage für den Trikot-Entwurf weiter hinten.

In früheren Jahren, als also Geld nicht die heutige Rolle gespielt hat. wären Top-Spieler – sofern sie die Wahl hatten – gerne zu Rapid gekommen. Heute folgen sie dem Geld und damit ist auch die frühere Dominanz am Spielfeld nicht mehr gegeben. Wie man es trotz fehlender Titel schafft, die Herzen der Menschen zu gewinnen, zeigte uns Andy Marek.

Andy Marek präsentiert die Mannschaft des SK Rapid Tag der offenen Tür, 9. Juli 2011

Andy Marek

Auch über Andy Marek muss nicht viel gesagt werden, er ist nicht nur Mister Rapid, auch Mister Niederösterreich oder Mister Waldviertel. Das nebenstehende Bild ist wegen dem typischen Kapperl aus dem Fanshop und Andis Handwerkszeug, dem Miro für den Trikot-Entwurf (eiter hinten) verwendet worden.

Anders als Dionys, ist Andy nicht unmittelbar für den Sport verantwortlich, aber Andy hat Rapid eine gesicherte Zukunft bereitet, indem er den Verein für Mitglieder geöffnet und Hütteldorf zu einem Publikumsmagneten gemacht hat. Die Mitglieder von Rapid sind ein wichtiges Standbein für die Finanzierung des Sportbetriebs. Der Zuschauer wurde zum Wirtschaftsfaktor, denn wir, die Mitglieder, sind bereits der zweitgrößte Sponsor im Verein.

Ohne Andy Marek könnte man sich die Entwicklung der Zuschauerzahlen bei Rapid ähnlich wie jene der Austria vorstellen, das wird eine spätere Grafik zeigen.

Andy Marek hat seit 1992 nachgeholt, was der Verein seit den 1960er-Jahren versäumt hat.

Für die Zukunft von Rapid sind die Titel des Dionys Schönecker ebenso wichtig wie der Publikumszuspruch, den wir Andy Marek zu verdanken haben.

In der Festschrift 1919 wird die damals 20-jährige Vereinsgeschichte in „Altertum“, „Mittelalter“ und „Neuzeit“ eingeteilt. Heute erscheint uns die Ära des Dionys Schönecker als „Altertum“ und er selbst als der „Mister Rapid des Altertums“, und Andy Marek als der „Mister Rapid der Neuzeit“.

Mitgliederverein

Wir kennen heute unsere Geschichte besser als irgendeine Generation vor uns. Wir haben ein Leitbild, das uns hilft, die richtigen Entscheidungen zu treffen und interne Konflikte zu lösen. Wir sind ein Mitgliederverein. Letzteres hat Michael Krammer bei seinem Amtsantritt 2013 in Abgrenzung zu den Eigentümer-, Investor- und Marketing-Vereinen betont und seither ist Rapid um 10.000 Mitglieder gewachsen.

Nun war Rapid immer schon ein Mitgliederverein, der aber jahrzehntelang exklusiv und für die breite Masse geschlossen war. Laurin Rosenberg berichtete bei der Hauptversammlung 2019 über eine Mitgliederversammlung im Jahr 1969. Damals zählte man 123 anwesende Mitglieder. Und die waren handverlesen. Man brauchte die Fürsprache anderer Mitglieder, wollte man in diesem illustren Zirkel aufgenommen werden. Die damalige konservative Vereinsstruktur und das Anfangs zu große Stadion dürften die wesentliche Bremsen für wirtschaftlichen Erfolg gewesen sein.

Das eher Zugeknöpfte an Rapid war auch 1951 die Ursache für die Gründung des „Klub der Freude des S.C. Rapid“, der das Bedürfnis der Anhänger nach einer größeren Nähe zu den aktiven Rapidlern erfüllt hat. Der „Klub der Freunde des S.C. Rapid“ war etwa das, was wir heute als Klubservice kennen. Jeder konnte Mitglied werden. Der Verein veranstaltete Weihnachtsfeiern für den Nachwuchs und für die Kampfmannschaft, Auswärtsfahrten, oft mehrtägige. Und in Notzeiten half der Verein sogar dem Rapid-Kassier mit Geldspenden aus.

Doch mit dem Einstieg von Andy Marek vollzog sich ein kontinuierlicher Wandel im Selbstverständnis des Mitgliedervereins „Rapid“. Agenden, die bisher der „Klub der Freunde“ inne hatte, sind nach und nach vom wachsenden Mitgliederverein Rapid übernommen worden. Insbesondere wurde die Mitgliedschaft bei Rapid für alle geöffnet. Jürgen Hartmann hat beim Geburtstagsabend im Jänner 2019 erzählt, dass er sich in seinen ersten Jahren bei Rapid immer wieder um eine Mitgliedschaft beworben hat, aber erst mit dem Einstieg von Andy Marek erhielt er sie.

Andys erstes Spiel gegen den Sportklub

Es war an einem Tag der offenen Tür 1992 als der damalige Geschäftsführer Franz Binder jun. den Bewerber um den vakanten Posten des Stadionsprechers eingeladen hat, diese Rolle probeweise zu übernehmen. Die Generalprobe hat geklappt und am 24.7.1992 moderierte Andy das erste Heimspiel der Saison 1992/93 gegen den Sportklub vor 6.000 Zuschauern. Etwa 600 weitere Heimspiele sollten folgen, die Andy ohne Ausnahme bis zu seinem Ausscheiden bei Rapid moderiert haben wird. Noch genau zwei Spiele dürfen wir mit Andy erleben: das Derby am 8.12. und das Spiel gegen Wattens am 15.2.

Um die Bedeutung der Arbeiten von Andy Marek besser zu verstehen, wollen wir Zahlen sprechen lassen.

Titelvergleich

Für Rapid ist die Relation zum Stadtrivalen von besonderer Bedeutung, weil man praktisch im selben Teich der Fußballinteressierten und Sponsoren fischt.

Titel von Rapid und Austria in der Bundesliga

Betrachten wir daher zunächst den sportlichen Erfolg der Wiener Vereine. In der folgenden Grafik sieht man 11 Meistertitel von Rapid (R) und 19 der Austria (A) in den letzten 60 Jahren:

 RAAAR  RRAA     A AAAARRAAARR  AAA  R      A RA R   A 
 |....:....|....:....|....:....|....:....|....:....|....:....|
 1960      1970      1980      1990      2000      2010      2020

Für das rekord-verwöhnte Rapid ist das ein mageres Ergebnis, verglichen mit den 22 Meistertiteln in den 50 Jahren davor. Rapid hat an der Wende von Vereinsfußball zum Wirtschaftsfußball, die man vielleicht in den 1960er-Jahren ansetzen kann, „die Überfuhr verpasst“. Unser Stadtrivale scheint diese Transformation besser verkraftet zu haben, sei es, weil man dort die potenteren Sponsoren hatte, sei es, weil weniger Kosten für die Stadion-Infrastruktur angefallen sind. Denn wie wir aus den Geschichten rund um die Entstehung des Hanappi-Stadions wissen, fehlte dort immer schon ein VIP-Bereich und waren eventuell die Kosten für den Betrieb im Vergleich mit den anfangs geringen Zuschauerzahlen zu groß. Erst ab etwa 2000 stiegen die Zuschauerzahlen an und machten das Stadion wirtschaftlicher bespielbar.

Titel von 1992 bis heute

13 Salzburg 
 4 Austria
 3 Innsbruck
 3 Rapid
 3 Sturm
 1 GAK

Zählt man die Meistertitel in der Ära Andy Marek liegt Rapid ex aequo mit Sturm und Innsbruck am dritten Platz. Wäre die Zahl der Titel allein die treibende Kraft für die Zuschauerzahlen im Stadion, müssten die Zuschauerzahlen bei der Austria deutlich höher sein (es kommen dort noch viele Cupsiege dazu).

Bis in die 1990er Jahre gab es zwischen den beiden Wiener Vereinen eine Art Kopf-an-Kopf-Rennen um die Gunst des Publikums. Manchmal war bei den Zuschauerzahlen die Austria voran, manchmal war es Rapid. Ein Titelgewinn hatte nur einen kleinen Einfluss auf die Zuschauerzahlen.

Zuschauermittelwert pro Spiel zwischen 1974 und 1991

Austria    Rapid
6.119      6.832 

Auch seit 1992 gab es für die Austria mehr Titel als für Rapid, aber mit dem Kopf-an-Kopf-Rennen bei den Zuschauerzahlen war es seit dem Amtsantritt von Andy Marek vorbei. 2002/03 war die letzte Saison, bei dem die Zuschauerzahl am Verteilerkreis über der in Hütteldorf lag. Seit 2007 liegt Rapid konstant an erster Stelle in der Publikumsgunst. Und wir wissen, dass es am Erfolg nicht liegen kann, denn der ist inzwischen in Salzburg zu Hause.

Zuschauermittelwert pro Spiel zwischen 1992 und 2019

Mit dem Einstieg von Andy Marek als Stadionsprecher änderte sich die Relation der Zuschauerzahlen der Wiener Vereine. Rapid konnte die Erfolge bis zum Europacup-Finale sehr gut in Zuwächse an Zuschauern umsetzen. Der sportliche Tiefpunkt im Trainerjahr mit Lothar Matthäus ließ die Zuschauerzahlen kurzzeitig einbrechen.

Austria    Rapid
6.832     12.709 

Der Schlüssel zur Stabilisierung der Zuschauerzahlen auf hohem Niveau war die Gründung des Klubservice im Jahr 1998. Die ersten Mitarbeiter waren: Clemens Pieber, Heimo Kraus und Sonja Pendl.

Heute arbeiten 19+ Personen für das Klubservice: Clemens Pieber, Michal Moser (Allianz Stadion FS mit seinem Team), Patrick Kaiser (Stadioncenter FS mit seinem Team), Nicole Withalm (Fanshop St. Pölten), Eduard Arnold (Lager), Otto Weichselbaumer (Lager), Veronika Haubenwallner (Lager und FS St. Pölten), Hannes Haubenwallner (Lager), Laurin Rosenberg (Rapideum). Fancorner, Events, VIP, Mitglieder, Tickets, Telefon und Empfang: Martina Mosovsky, Birgit Gartner, Robert Racic, Lukas Kain, Christopher Sonnleithner, Gernot Haigl, David Wagner, Mario Bily, Astrid Salzer, Jennifer Faltin

Dieses Team ist die Schnittstelle zu den Mitgliedern, zu den Besuchern, ein Service, das seinesgleichen sucht.

Rapid ist eine Familie

Dieses Motto, „Rapid ist eine Familie“, wird nicht nur plakatiert, es wird gelebt. Und auch wenn es „Bröseln“ gegeben hat wie zum Beispiel beim Platzsturm 2011 oder bei antisemitischen Parolen 2017, ist es immer gelungen nach temporären Ausschlüssen, die Gruppen wieder ins Boot zu holen. In den letzten Jahren ist es gelungen, 10.000 Zuschauer zu Mitgliedern zu machen. Rapid ist zukunftsfit.

Mister Rapid

Wer ist nun „Mister Rapid“? Wir haben deren zwei. Den Begründer des „Rekordmeisters“ und den Begründer des „Mitgliedervereins“. Beide haben vielen Präsidenten gedient:

Dionys Schönecker

Jahre
 1 Karl Palek Obmann 1899
 2 Karl Wiener Obmann 1899-1900
 2 Franz Chytil Obmann 1900-1902
 3 Hermann Gößnitzer Obmann; später Ehrenpräsident 1902-1904
 2 Franz Chwojka Obmann; Präsident 1904-1905
 5 Adolf Waller Präsident; später Ehrenpräsident 1905-1909
 5 Alois Hoisbauer Präsident 1909-1913
 8 Franz Pokorny Präsident 1913-1920
 3 Leo Deutsch Präsident 1920-1922
 4 Willibald Pekarz Präsident; später Ehrenmitglied 1922-1925
 3 Hans Fischer Präsident; später Ehrenmitglied 1925-1927
12 Johann Holub Präsident; später Ehrenpräsident 1928-1939

Andy Marek

Jahre 
 4 Anton Benya Präsident; später Ehrenpräsident 1990-1993
 2 Helmut Böhmert Vizepräsident (geschäftsführend) 1993-1994
 2 Karlheinz Oertel Vizepräsident (geschäftsführend) 1994-1995
 5 Günter Kaltenbrunner Präsident 1995-1999
 3 Peter Weber Vizepräsident (geschäftsführend) 1999-2001
13 Rudolf Edlinger Präsident; später Ehrenpräsident 2001-2013
 7 Michael Krammer Präsident 2013-2019
   Martin Bruckner Präsident ab 2019

Beide haben die Zukunft Rapids gesichert, Dionys durch Titel, Andy durch Öffentlichkeit.

Ich habe versucht darzustellen, dass wir in diesen Jahren mit Andy eine Umwälzung historischer Dimension erlebt haben, und da es uns durch den evolutiven Charakter der kleinen Veränderungen zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist, dass 2.500 Mitglieder zu Wahl des Präsidenten im Stadion erscheinen, behaupte ich, dass wir Andy ebenso viel zu verdanken haben wie Dionys Schönecker.

Mister Rapid im Bild

Wenn der Kummer groß ist, greife ich zur Tastatur und Maus. Obwohl ich weder Journalist, Fotograf, Programmierer oder Grafiker bin, versuche ich mit diesen Handwerken eine Stimmung einzufangen. Und diese heißt „Mister Rapid“.

Die Grafik kommt auf ein T-Shirt und wird bei unserer Mitgliederversammlung am Montag erstmals getragen.

Man kann davon natürlich andere Versionen anfertigen, zum Beispiel kann man Andy allein oder Andy mit einem Foto von sich selbst darstellen, Blickrichtung sollte so wie die von Dionys Schönecker sein. Mail an mich, ich versuche das hinzukriegen.

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