Hauptversammlung

Welchen Einfluss das Ergebnis des Spiels gegen Sturm auf die Wahl gehabt hat, wissen wir nicht. Peter Linden meinte in seinem Blog, dass nur ein Sieg der Liste Bruckner geholfen hätte, ein Unentschieden oder eine Niederlage aber der Liste Schmid. Das Ergebnis war denkbar knapp und Bruckners Sieg wohl auf den „Klubzwang“ der Ultras zurückzuführen, der Wunsch der titelhungrigen Mitglieder nach Veränderung war groß. Wenn aber die Ursachen für den fehlenden Erfolg bei uns selbst liegen, wie es Herbert Kretz bei seinem tollen Eingangsstatement postuliert hat, dann würden wir mit Veränderungen im Verein vielleicht gar an den falschen Schrauben drehen.


Das alles war aber an diesem Abend zweitrangig, sogar, wer von beiden Listen schließlich das Rennen gemacht hat, denn alles war überschattet von der Nachricht von Andy Marek, dass er seine Tätigkeit bei Rapid krankheitsbedingt beenden muss. Dieses Aus wird uns in den nächsten Jahren noch viel mehr beschäftigen als die Frage, wer Präsident ist, denn bisher galt die Regel: „Präsidenten kommen und gehen, doch was Rapid wirklich ausmacht, ist seine Stimme, ist Andy Marek. Und jetzt wird das anders. Ihn zu ersetzen ist nicht möglich, und die Gestaltung der Zeit nach Andy Marek wird eine wirkliche Herausforderung sein, vielleicht bereits ein Teil der Brücke, die man gedenkt nach der Wahl zu bauen.

Wir wünschen allen Lesern des Tagebuchs ein schönes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches Rapid-Jahr 2019.
Die nächste Mitgliederversammlung findet im Februar statt. Genaueres wird an dieser Stelle bekanntgegeben.

Alle Rapid-Anhänger können eine Geschichte darüber erzählen, wie sie zu Rapid gekommen sind. Unsere war eng mit dem charismatischen und uns damals unbekannten Sprecher verbunden.

Das erste Mal

An das „Erste Mal“ erinnert man sich gut und gerne, bei uns war es der 28.4.2001, als wir das erste Mal ein Spiel in Hütteldorf besucht haben. Florian las das Rapid-Magazin, die Gemeinde Wien spendierte damals anlässlich der 100-Jahr-Feier des Vereins – mit etwas Verspätung – ein neues Dach und der Block titelte daher „24 Joar Wind und Schnee, doch für uns woas immer schee.“ Das Spiel gegen den LASK endete 6:0, gespielt haben unter anderen Michael Hatz, Ladi Maier, Dejan Savicevic, Roman Wallner und Andi Ivanschitz, der Trainer war Ernst Dokupil. Auffälligster Akteur für uns: der Stadionsprecher. Wir kannten noch nicht einmal seinen Namen, doch dass hier eine besondere Atmosphäre herrscht, das merkte man trotz der nur 4.000 Zuschauer. In Sachen „Fußballzuschauer“ waren wir schon versiert, hatten wir doch in dieser Saison alle Stadien der Bundesliga besucht, nur eben nicht Hütteldorf. Hier fühlten wir uns sofort persönlich angesprochen. Es war nicht einfach eine Ansage, die wir hörten, der Mann sprach mit uns und lud uns ein, dieser Gemeinschaft anzugehören. und wir sind seiner Einladung gefolgt.

Und seit diesem Tag folgen wir mit zunehmender Intensität der Stimme Rapids. Es hat noch Jahre der schrittweisen Annäherung gebraucht, bis wir – auch durch einen schönen Zufall – zu Abonnenten geworden sind. Unser Tombola-Los am Tag der offenen Tür wurde gezogen und wir gewannen ein Abo für die Südtribüne. Seither zähle ich etwa 3.500 Bilder von Andy Marek ich in meiner Sammlung, so viel wie sonst von keiner anderen Person mit Ausnahme von Florian.

Andy, der Rapid-Turbo

Bei seiner Abschiedsrede sagte Michael Krammer sinngemäß, dass es nicht die sportlichen Erfolge waren, die den Höhenflug von Rapid bewirkten, sondern dass es die kontinuierliche Arbeit von Andy Marek war, die das ermöglich hat.

2012 erstellte anlässlich von Andys Fünfziger eine Grafik aus Zahlen der Bundesligaseite. Die Grafik zeigt Zuschauerzahlen. Die blaue aufsteigende Linie ist der Trend der Zuschauerzahlen seit 1990. Die braune Kurve ist der Zuschauerschnitt der Bundesliga.

Zwar haben die Titel die Zuschauerzahlen punktuell ansteigen lassen, doch konnte Rapid den Zuwachs bei den Heimspielen halten während der Bundesligatrend nach abwärts gezeigt hat.

Der blaue Pfeil links unten markiert den Einstig von Andy Marek bei Rapid. Ein Kuriosum dieser Jahre war, dass die Auswärtsspiele von Rapid besser besucht waren als die Heimspiele, aber mit Andys Einstieg hat sich das umgedreht. Beachtet auch den Zuschaueranstieg nach Gründung des Rapid-Klubservice 2001. Niemand kann uns sagen, wo Rapid ohne diesen kleinen blauen Pfeil heute stünde aber als Interpret dieser Zahlen erlaube ich mir zu behaupten, dass dieses Mehr an Zuspruch, das eben Rapid vom Mitbewerb unterscheidet, die Handschrift von Andy Marek trägt.

Abschiedsvortrag Michael Krammer

Die Abschiedsrede von Michael Krammer war eines jener rhetorischen Highlights, die wir in Zukunft vermissen werden.

Wertschätzung, Lernbereitschaft, Inklusion und Dankbarkeit, das waren die Zutaten der Präsidentschaft Krammer und obwohl dabei keine Titel gewonnen werden konnten, sind hier Maßstäbe gesetzt worden, an denen jedes folgende Präsidium gemessen werden muss.

Besonders hervorgehoben werden sollen die bisher nicht öffentlich ausgesprochenen Dankesworte von Michael Krammer an Zoki für seine Aufbaujahre in der Jugend und seine drei sehr erfolgreichen Trainerjahre bei der Kampfmannschaft.

Erfolg kann man nicht versprechen!

Ich finde, dass das Versprechen von Erfolg ein Widerspruch in sich ist, oder wie die Lateiner sagen eine contradiction in adiecto. Man könnte auch sagen „Erfolg is a Vogerl“. Wenn Verletzungen, Zentimeter, Schiedsrichter(fehl)entscheidungen, Spielereinkäufe und sonstige Unwägbarkeiten für Tor, Sieg und Titel, also für Erfolg, die entscheidenden Faktoren sind, dann sind eben Tore, Siege und Titel nicht planbar. Es ist so, wie Christoph Peschek seit seinem Amtsantritt nicht müde wird zu erklären, dass es die Aufgabe des Vereins ist, alles zu tun, um die Wahrscheinlichkeit für Tore, Siege und Titel zu erhöhen, aber ob sie dann stattfinden, allein das weiß niemand, so wie niemand weiß, wie am kommenden Sonntag das Spiel gegen den LASK ausgehen wird.

Nehmen wir an, Du möchtest Deine Kinder erfolgreich sehen – wobei es hier viel komplexer als im Fußball ist, den Erfolg zu definieren. Was kannst Du tun? Du vermittelst den Kindern (D)ein Weltbild, Du wählst die für sie passende Ausbildung, unterstützt sie ideell, materiell und beratend und Du widmest ihnen Zeit. Das alles kannst Du tun, aber ob sich Erfolg einstellt, den Du Dir vorstellst, das kann Dir niemand garantieren. Auch wenn Du alles – nach Deiner Ansicht – richtig gemacht hast. Allein wir wissen es nicht, man kann Erfolg nicht planen.

Dass man Erfolg aber versprechen kann und die erfolgshungrigen Mitglieder das glauben, ist ein Phänomen, das nun schon ziemlich alt und uns aus der Tagespolitik vertraut ist.

Eine Ultras-Präsidentschaft

Der Block war keineswegs so geschlossen wie das in seinem Statement „für Bruckner“ zum Ausdruck gebracht wurde. Man kann das von Gesprächen mit Block-West-Stehern ableiten aber mehr noch an der Parteinahme von Sabine Karl und Roland Kresa für die Liste Schmid.

Roland Schmid hat angeklopft…

… und das nicht leise. Ein denkbar knappes Ergebnis von der Ultras Gnaden brachte Martin Bruckner den Sieg. Ob ein Roland Schmid bei einer zukünftigen Wahl aufzuhalten sein wird, werden die Ergebnisse am Platz bestimmen und wohl auch die Art, wie Andy Mareks Rolle in Zukunft ausgefüllt wird, denn der Umgang mit den Rapid-Anhängern trug seine Handschrift.

Wahlmodus

Die bisherigen Präsidentschaftswahlen bei Rapid waren immer nur die Bestätigung einer Vorauswahl des Wahlkomitees durch die Mitglieder. Ob bei diesem eher formalen Akt alle Mitglieder anwesend waren, war egal. Die Präsidentenrolle hatte damals auch noch nicht die heutige Attraktivität.

Wenn sich diese Praxis der Kampfabstimmung fortsetzt, sollte man die Art der Wahl überdenken. Rapid ist kein Kleingartenverein, bei dem die Mitglieder tatsächlich alle die Möglichkeit haben, dabei zu sein. Denn dass Rapid-Mitglieder an einem Montag aus allen Bundesländern zu einer Präsidentschaftswahl nach Wien anreisen, kann man nicht verlangen. Das hat zur Folge, dass nur ein wirklich „harter Kern“, also Wiener, die dem Verein auch nahe stehen, jene Mitglieder sind, die wählen, aber Mitglieder in den Bundesländern aber eher nicht.

Würde man daher die derzeitige Wahl durch die Anwesenden durch eine Briefwahl oder eine elektronische Wahl (zum Beispiel über die Rapid-App) erwägen, an der sich viel mehr Mitglieder beteiligen könnten, würde das Ergebnis ein ganz anderes gewesen sein.

Links

Bei den Bildern findet sich auch ein Audio.Mitschnitt der Hauptversammlung.

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