Fuhrpark

Die Begehrlichkeit des Publikums nach Titeln ist so groß, dass die Preise für Kicker jene für die größten Werke der Kunstgeschichte erreichen.

Die Top-Spieler in Europas Ligen sind begnadete Ballkünstler, das ist kein Zweifel. Dass sie dafür aber so viel Geld bekommen, wird von den meisten Anhängern abgelehnt, weil man meint, sie würden das nicht wert sein. Aber das wieder bestimmt ein Markt und bei einer Sache versagt der Markt nie, bei der Bestimmung des Werts einer Sache. Und der Wert hängt davon ab, wie viel Geld den Käufern zur Verfügung steht. Diese Beträge stellt die große zahlungswillige Öffentlichkeit – also wir selbst – zur Verfügung, oft noch mit zusätzlichem Fremdkapital potenter Eigentümer. Und die Fußballvereine investieren alle Einnahmen wieder in den Sport, also immer in dieselben etwa 30 Kicker. Die Vereine müssen keine Abwägung zwischen einer Dividende und Investitionen treffen. Also ja, die Spieler haben diesen Wert, weil jemand bereit ist – wir, diesen Preis zu bezahlen.

Wir wünschen allen Lesern des Tagebuchs ein schönes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches Rapid-Jahr 2019.
Die nächste Mitgliederversammlung findet im Februar statt. Genaueres wird an dieser Stelle bekanntgegeben.

Können wir aussteigen? Ja, jederzeit, wir müssen nur das Sky-Abo zurückgeben. Kollektiv. Alle. Europaweit. Weltweit. Dann wäre der Spuk vorbei. Aber Fußball hat für seine Anhänger eine drogenähnliche Wirkung, man kann nicht genug davon kriegen, und daher wird sich der Spielermarkt nicht so schnell ändern.

Wir können an dieser Stelle gleich überlegen, ob es ethisch überhaupt vertretbar ist, einzelnen Menschen so viel Geld zur freien Verfügung zu überlassen, wenn wir gleichzeitig sehen, was damit geschieht. Das betrifft natürlich nicht nur den Fußball. Ob es also nicht so sein müsste, dass mit zunehmendem Vermögen auch eine zunehmende Mitverantwortung für die Gesellschaft gefordert werden muss, wie immer man diese dann formuliert. Steuern, die eben diese Verpflichtung sein könnten, werden – wie wir aus den Biografien der Akteure entnehmen können – gerne durch abenteuerliche Finanzkonstrukte hinterzogen und sind in der Regel viel zu gering.

Schauen wir einmal, was mit unseren Investitionen in den Fußball gemacht wird, vergleichen wir den Fuhrpark von zwei der ganz Großen:

Cristiano Ronaldo (Bild Wikipedia)

Ronaldos Fuhrpark

  • Mercedes-AMG GLE (115.000 Euro)
  • Range Rover Sport SVR (158.000 Euro)
  • Porsche 911 Turbo (250.000 Euro)
  • Lamborgini Aventador LP 700-4 (313.000 Euro)
  • Ferrari 599 GTO (317.000 Euro)
  • Ferrari F12 TdF (636.000 Euro)
  • Bugatti Veyron (2.300.000 Euro)
  • Bugatti Chiron (2.860.000 Euro)

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass Ronaldo trotz dieses eigenartigen Hangs zu extrem teuren Fahrzeugen auch für soziales Engagement bekannt ist, wobei aber auch das Motto „Tue Gutes, und rede darüber“ mitschwingt und die Marke CR7 durch das Engagement möglicherweise mehr an Wert gewinnt als das Engagement kostet.

Sadio Mané (Bild Wikipedia)

Manets „Fuhrpark“

Achtung, das folgende Zitat wurde in dieser Form im Internet verbreitet, und war eigentlich der Anlass für diesen Artikel, aber dieses Zitat ist ein Fake, wie Erich dankenswerterweise erkannt hat:

[FAKE]
„Wozu sollte ich 10 Ferraris, 20 Uhren oder zwei Flugzeuge haben wollen? Ich habe schwere Zeiten überlebt, habe barfuß Fußball gespielt, hatte keine Ausbildung. Aber heute kann ich meinem Volk helfen, Schulen, Stadien zu bauen und Kleidung und Nahrung zu kaufen. Ich ziehe es vor, zurückzuzahlen, was mir das Leben beschert hat.“
[/FAKE]

Die Suche nach einem Spieler mit diesen Persönlichkeitsmerkmalen ist also noch nicht zu Ende.

Links

Erwähnungen von Ronaldo im Tagebuch

Ergänzung

Erich schreibt, dass ich da auf einen Fake hereingefallen bin: „Das Mané Zitat kursiert zur Zeit zwar durchs Internet,ist aber ein Fake. Mané hat u. a. einen Audi RS8, einen Bentley Continental, einen Land Rover Sports (und ein schönes Louis Vuitton Tascherl) usw.“ Hier eine Ansicht davon.

Ich gestehe, dass mir ein solches Verhalten echt imponiert hätte. Und wahrscheinlich war ich damit genau die richtige Zielgruppe für den Autor des Fake. Der aufkeimende Optimismus, dass es doch Menschen geben könnte, die ihr überschüssiges Geld sinnvoll verwenden, ist damit auch begraben.

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