Admira-Rapid

3:4 (0:3)

Wie sehr kann man seine Anstrengungen reduzieren, wenn man 3:0 in Führung liegt?

Dass dieses Spiel praktisch gewonnen war, wussten wir in der Pause alle. Entsprechend unaufgeregt waren auch die Pausengespräche. Und so wie wir das wussten, wussten es auch die Spieler. Eine Kabinenpredigt des Trainers war wohl wegen des Spielstands nicht nötig, und so wurde dann auch gespielt. Ball halten und glauben, das würde gegen die Admiraner genügen, oder -wie es Zuschauer ausdrücken: „die Mannschaft hörte auf, Fußball zu spielen“.

Doch so, wie es in der ersten Halbzeit in fünf Minuten gelungen war, den Halbzeitstand von 3:0 einzustellen, genügten der Admira neun Minuten, um den Ausgleich zu erzielen.

Dazu beigetragen haben die zur Gewohnheit werdenden Unsicherheiten des Tormanns beim 2. und 3. Gegentor, die wir allen meinen zu sehen, nur nicht das Trainerteam. Helge meint, dass das Festhalten an einem fixen Einsertormann dessen Sicherheit erhöht. Doch scheint das Gegenteil der Fall zu sein.

Aber einen Lichtblick haben wir: Aliou Badji! Aliou hatte 13 Einsäte und erzielte 4 Tore. Aber in den bisherigen Spielen war er nur im Schnitt nur eine Halbzeit im Einsatz. Heute war sein erstes Spiel, das er in der vollen Länge bestritten hat. Und es gab – neben den beiden Toren auch sehenswerte Dribblings und Vorlagen, die uns für die Zukunft hoffen lassen.

Ein Glück, dass es die 67. Minute, ein Glück, dass es Christopher Dibon gibt, zu dem sich der Ball nach einem Corner zufällig verirrt hat und der den Endstand von 4:3 fixiert hat.

Blick auf das Saisonfinale

Es stehen noch drei schwere Spiele am Programm und es zeichnet sich derzeit ab, dass Rapid und Mattersburg die beiden ersten Plätze belegen werden und dann auch das Halbfinale bestreiten, wobei der Erstplatzierte Heimrecht haben wird. Gewinnt Rapid das Duell, dann gibt es ein Finale gegen den Fünftplatzierten der Meistergruppe. Das wäre derzeit die Austria, aber die Mannschaften liegen knapp beisammen.

Für die Spieler, die das Finale bestreiten müssen, wird das eine extrem anstrengende Woche, denn sie werden in 8 Tagen vier Spiele zu bestreiten haben, egal, wer auch immer in dieses Finale kommt.

Sa 25.5. 32. Runde
Di 28.5. Halbfinale
Do 30.5. Finale-1
So 02.6. Finale-2

Für den Kassier werden die zwei Heimspiele (wenn Rapid die Qualirunde gewinnen sollte) eine kleine Entschädigung für den Rückgang an Zuschauerzahlen sein.

Schiedsrichter

Wir erlebten mit Walter Altmann einen neuen Schiedsrichter. Dieser Neuling distanzierte seinen Kollegen in der Runde gegen Hartberg deutlich durch seine unauffällige Spielleitung. Mehr von dieser Sorte, bitte!

Besucherzahlen

3.800 Besucher verirrten sich in die Südstadt. Im Grunddurchgang waren es noch 5.200. Zwar herrschte bei Rapid ein gewisser Cup-Frust, doch dieser Rückgang der Zuschauerzahlen ist auch bei den bisherigen Runden spürbar:

Herbst  Frühjahr
14.600 11.600 H Admira
7.665 7.412 A Innsbruck
18.200 12.300 H Mattersburg
5.038 5.912 A Altach
5.030 4.000 A Hartberg
12.700 13.100 H Hartberg

Nur das Heimspiel gegen Hartberg und das Auswärtsspiel gegen Altach war in der Qualifikationsgruppe besser besucht, bei allen anderen Spielen gab es einen Rückgang der Zuschauerzahlen.

Ambiente

Nach der gemütlichen Anfahrt staunten wir nicht schlecht, als wir die abgerissenen Gebäude des Einkaufsparks in der Südstadt gesehen haben.

Der Zutritt zum Stadion war ein Problem. Die Kamera sei zu groß, meinte der Ordner. Dass ich seit zehn Jahren zu jedem Spiel mit der Kamera gehe, war kein Argument. Was eigentlich das Ausschluss-Kriterium wäre, wusste er nicht. Auch die vorgezeigte Bestätigung von Rapid war nicht hilfreich, zu groß sei eben zu groß.

Also musste ich mit meinem „Joker“, einem Presseausweis eine Akkreditierung ausfassen und wurde danach eingelassen. Damit hätte ich dann im ganzen Stadion herumlaufen dürfen, was ich aber natürlich nicht gemacht habe.

In den Bestimmungen des ÖFB steht, dass professionelle Fotokameras nicht mitgeführt werden dürfen und dazu verwendet man folgendes Symbol:

Das Bild zeigt deutlich, was man nicht will: dass jemand mit einem Teleobjektiv auf der Tribüne sitzt. Das ist aber bei meiner Kamera nicht der Fall.

Links

Rapidviertelstunde-188

Inhalt

  • Stimmen nach dem Cupfinale (Stefan Schwab, Didi Kühbauer, Andrei Ivan, Christoph Knasmüllner)
  • Rapid österreichischer FIFA-Cup-Sieger (Mario Viska)
  • Liga-Vorschau auf die Admira
  • Vorschau auf den 8. Rapidlauf
  • Vorschau Mythos-Ausstellung (Laurin Rosenberg)
  • Gedenkstein für St. Hanappi (Christoph Peschek, Alfred Körner, Didi Kühbauer, Michael Krammer, Werner Walzer, Raimund Hedl, Steffen Hofmann)

Bilder

Alle Folgen

RB-Rapid (Cupfinale)

2:0 (2:0)

Bei der Rückfahrt mit dem Bus Nummer 5 hatte man den Eindruck, also würde nie ein Cupfinale stattgefunden haben, so als wäre die Stätte, die man gerade verlassen hat eine Art Alesia*), an das man nicht erinnert werden möchte und daher auch nicht mehr darüber spricht. Die Stimmung war überraschend entspannt, man plauderte über den Alltag, nicht mehr über den Fußball.

Das war aber bei den Hinfahrt ganz anders.

Unser Bus war ein bunt durchgemischter Haufen Rapidler. Es waren Mütter mit Kindern dabei, ein Deutscher, die meisten wohl mit Karten für die Fantribüne und wir, mit Karten für die Osttribüne. Und es begann auch ganz zivilisiert, doch alles mitgebrachte Bier wurde schon bei der Hinfahrt ausgetrunken, mit der Folge, dass die Gesänge im Bus an Lautstärke zunahmen und zwar indirekt proportional zum Abstand zu Klagenfurt und entwickelten sich am Südring zu einem kleinen Inferno. Man konnte im Bus erleben, wie der Druck zur Teilnahme am allgemeinen Gesang aufgebaut wird. Alle müssen singen, laut muss es sein. Mitgegangen, mitgesungen.

Busse sollten vor der Zulassung immer eine Fahrt mit Rapid-Fans bestehen müssen. Insbesondere werden die Fenster dabei auf ausreichende Festigkeit geprüft. Auch ein „wer nicht hüpft, der ist ein Bulle“ war einer der Bus-Belastungstests.

Gesungen wurde das gesamte Rapid-Brevier, angereichert durch eine interessante Kreation nach der Melodie von Bella ciao, dem Lied der italienischen Partisanen im Zweiten Weltkrieg. Der sarkastische Rapid-Text: „SK Rapid im Abstiegsplayoff und wir holen den Pokal“. Der Fanblock hat das Lied dann auch im Stadion angestimmt, obwohl wir schon 0:2 im Rückstand waren.

Eine Facebook-Nachricht vom nicht mitgereisten Marcel will auch nicht vergessen werden. Wir sollen uns in Klagenfurt benehmen, sonst schreibt der Boulevard am Montag, die Rapid-Fans hätten den Wörthersee ausgetrunken.

Die Chance des Schwächeren

Das Wichtigste am Fußball ist Chance, die der Schwächere hat. Diese Chance lockt die Massen an. Der Grund, dass eine solche Chance besteht, ist die geringe Anzahl von Toren, die erzielt werden, in Kombination mit der Unplanbarkeit des Geschehens.

Allerdings änderte sich dieser Charakter mit dem zunehmenden Einfluss des Kapitals. Das kann man an den Siegern der Championsleague ablesen, die immer aus dem Kreis derselben Verdächtigen kommen und auch an der Dominanz eines Krösus in einem Ligabetrieb wie zum Beispiel in Frankreich und Österreich (wenn auch hierzulande in kleineren Dimensionen).

Beim Einstieg von RedBull in der Bundesliga hat man den Geldgeber noch mit offenen Armen aufgenommen. Jetzt, nach 14 Jahren RedBull in der Liga könnte sich deren Teilnahme rächen und zwar könnte das Interesse am Fußball generell zurückgehen, weil die Anhänger der anderen Vereine keine Erfolgschancen sehen.

Das Verhältnis der Rapid- und der RB-Fans im Stadion könnte so etwa 10:1 gewesen sein. Würden die Menschen nur wegen des Siegens kommen, dann müsste das Fanverhältnis gerade umgekehrt sein. Das Wichtige am Fußball sind offenbar nicht die Siege am Feld sondern die Freundschaften auf den Rängen, die überhaupt nur durch den Fußball enstehen können. Fußball ist ein Katalysator für Beziehungen zwischen Menschen, die ohne ihn nicht bestehen könnten.

Links

*) Alesia war der Ort an dem Caesar die gallische Armee unter Vercingetorix belagerte und den gallischen Fürsten gefangen nahm. Und die Gallier verdrängen die Existenz dieses Ortes und sprechen lieber von Gergovia, bei dem die Gallier siegreich waren.