Keine Karten für Auswärtsfans
8. Oktober 2018
Glasgow
9. Oktober 2018

Immer, wenn wir am Flughafen von Andy und Lukas empfangen werden, denke ich die großen organisatorischen Mühen, die unserem stressfreien First-Class-Flug-Erlebnis vorangehen. Alles ist bis ins kleinste Detail geplant, für die Auswahl der Hotels reisen die beiden schon Wochen vor dem Termin in die jeweiligen Städte, um die erforderlichen Transfers und Unterkünfte zu planen. Von all dem bemerken wir nichts. Wenn es dennoch zu Pannen kommt, sind diese für uns nur dann sichtbar, wenn sie uns in einer entspannten Atmosphäre erzählt werden. Das war bei unserer Glasgow-Reise der Fall und ich möchte Euch diese Nacherzählung nicht vorenthalten.

Die kursiv gesetzten Textstellen stammen aus Erzählungen von Andy Marek.


Gäste sind willkommen! Wenn Du teilnehmen möchtest und nicht ortskundig bist, rufe bitte 0677-1899 5070 (Franz).

Randbedingungen

In den Wochen mit internationalen Spielen ist nicht nur Rapid unterwegs. Es werden europaweit Hunderte Flugzeuge gleichzeitig benötigt und das bei einer besonders in Wien eingeschränkten Verfügbarkeit, denn Niki und AirBerlin gibt es in Wien nicht mehr. Diese hohe Nachfrage nach Charter-Flugzeugen und ihre schlechte Verfügbarkeit treiben leider die Preise in die Höhe.

Rapid gehört zu den wenigen großen Fußballvereinen, die für ihre Fans solche Fahrten organisieren, also auch mit Personal des Vereins (und nicht eines Reisebüros) begleiten. Nur mehr Vereine wie Bayern oder Schalke bieten ihren Fans solche Reisen. Alle anderen Fanreisen werden über externe Reisebüros organisiert, erfolgen also unabhängig vom Verein. Rapid bedient sich zwar der Dienste von Intertravel, aber davon merkt der mitreisende Fan praktisch nichts, die Betreuung erfolgt durch Rapid.

Diese großartige Organisation wurde auch von den Vertretern der Rangers bei einem Bankett als „außergewöhnlich“ gelobt, weil sie selbst wissen, wie schwierig es derzeit ist, Charterflugzeuge zu bekommen. In Postings in Sozialen Medien wird berichtet, dass man in Glasgow schon lange nicht so tolle Fans gesehen hat. (Ein bisschen lieber noch wäre uns gewesen, wenn sie dasselbe hätten von einem 1:1 am Platz berichten können – wie damals 1933.)

Details zur Fanreise

Insgesamt waren vier Flieger Richtung Glasgow unterwegs, drei aus Bratislava und einer, der Mannschaftsflieger, aus Wien mit insgesamt 189 (Wien) + 168 (ursprünglich 180) + 180 + 180  (Bratislava) = 717 Personen. Dazu kamen etwa 700-800 Einzelreisende. Viele haben das überaus attraktive Reiseziel dazu benutzt, mehr als nur Glasgow zu besichtigen und haben die Tage vor und nach dem Spiel für andere Unternehmungen genutzt. Etwa berichtet Brucki auf seinem Blog über die Spiele Aberdeen-St.Mirren und Banks O’Dee-Cove Rangers und ergänzt diese durch einen Bericht über Fußballplätze für Breitensport in Aberdeen.

Hoppalas

Einer der drei Flieger, die von Bratislava starteten, hatte ca. 90 Minuten Verspätung. Es wurde uns erzählt, dass die Rapidler während dieser Zeit in einem überheizten Raum praktisch gefangen gehalten wurden, ohne Möglichkeit, diesen Raum zu verlassen; auch keine Toilette war zugänglich. Wenn einer eine Reise tut… (Matthias Claudius, 1740-1815).

Dem aufopfernden Bemühen, allen mitreisenden Fans optimalen Support zu bieten, kann man aus jedem Satz von Andy Marek ablesen. Man weiß nicht recht, was Andy mehr Kopfzerbrechen bereitet: Organisationsfehler, die den Fan belasten oder eine Niederlage am Spielfeld. So geschehen bei den Tagesfliegern. Eine der drei gebuchten Maschinen mit einem Fassungsvermögen von 180 Personen ist wegen eines technischen Gebrechens ausgefallen. Es gab einen Ersatz, aber nur für 168 Personen. Also musste Andy es 12 dieser Fans erklären, dass sie nicht mitfliegen können. Aber wie ermittelt man die? Jeder der 180 Fans wurde von Andy persönlich kontaktiert (und das kurz vor dem Abflug) und dessen „Frustrationstoleranz“ getestet. Anrufen, Frust testen, „na, Du fährst mit“, anrufen… Aber es ist schließlich gelungen diese 12 Leider-Nicht-Auswärtsfahrer zu ermitteln, wobei zufällige Erkrankungen einzelner Teilnehmer aber auch eine Kompensationszahlung durch die Fluggesellschaft an die abgewiesenen Fans die Entscheidung erleichtert haben.

Anreise

Es ist schon ein ganz besonderes Erlebnis, mit einem Charter-Flug mit der Mannschaft zu einem Spiel zu fliegen, noch dazu zu einem so prominenten Gegner und noch dazu mit einem neuen Trainer. Nach einem gemütlichen Frühstück im Terminal 1, geht es zum Check-In. Fernsehteams stehen „Kamera bei Fuß“ und warten auf die Hoffnung Rapids: Didi Kühbauer. Wir warten brav in der Schlange. Dann kommt er, und die Kameras werden in Anschlag gebracht. Keine Chance, auch nur einen Blick auf den Trainer zu erhaschen, man muss ja auch seine Warteposition wahren. Unsere Neugier muss auch Andy Marek aufgefallen sein. Er kam plötzlich mit einem „kommt mit“ auf uns zu, schob die Presseleute beiseite und verschaffte uns das Bild des Tages: Didi mit Florian.

Neuer Trainer, alter Fan, gemeinsame Hoffnungen. Exklusivfoto, vermittelt durch Andy Marek.

Man muss bedenken, dass Andy weiß Gott andere Sorgen hat als uns ein Foto zu ermöglichen, aber wenn wer fragt, warum Rapid der beliebteste Fußballklub Österreichs ist, kann er aus dieser Szene die Antwort ablesen. Komplettiert wird diese Deutung durch Andys Schilderung einiger seiner Erlebnisse mit dem Fanblock beim Rückflug.

Unsere Airline war die polnische Charterfluglinie „enter air“. Verpflegung gab es nur gegen Bezahlung, aber sowohl die Getränke als auch die Snacks sehr preiswert (Cola 1,50 Euro), jedenfalls günstiger als am Flughafen. Die Maschine war eine Boeing 737-800 für maximal 189 Passagiere. Im voll besetzen Flugzeug war die Mannschaft, die Delegation, die Pressevertreter und die Dreitages-Flieger, davon allein 95 VIP-Gäste. Wir, Arnold, Florian und Franz waren Teil der VIP-Gruppe.

Transfers

Am Flughafen von Glasgow erwartete uns Michael Federspiel, Eigentümer von Internet-Travel und dirigierte uns zu den wartenden Bussen.
Michael Federspiel wird von Elisabeth Nemec unterstützt, die für Rapid alle Flüge plant.

Hotel

Unser Hotel „motel one“ lag exakt am Hauptbahnhof im Herzen der Stadt. Wegen eines Kongresses war Glasgow in diesen Tagen ausgebucht, doch dieses Hotel wurde erst in den letzten Tagen geöffnet und war daher zufällig noch nicht ganz belegt. Ein Glück!

Dass es dieses Hotel überhaupt gibt, liegt wahrscheinlich auch an der etwas anderen Bauordnung in Schottland. Das Hotel grenzt – wie auch viele andere Gebäude – fugenlos an die Gleise der Bahn:

Andy und Lukas sind beim Check-In behilflich.

Die Hotelbar des Hotels hatte 24 Stunden geöffnet; kein Nachteil!

Hier ein Blick in den etwas zu klein geratenen Frühstücksraum:

Autobus-Konvoi zum Stadion

Treffpunkt der Fans war der George-Square im Zentrum von Glasgow. Etwa 1300 Fans mussten von dort ins Stadion gebracht werden. Es wurden 22 Busse organisiert, immer mit einer gewissen Reserve nach oben, weil sich viele Einzelreisende zu dieser Gruppe unangemeldet dazugesellen. Der Fahrpreis von 5,- Euro deckt die Kosten für die Busse gar nicht ab, Rapid schießt hier noch Geld zu.

Gleich kam das nächste Problem, ein Anruf seitens der örtlichen Polizei, denn die Busse konnten nicht geschlossen kommen, das ginge verkehrstechnisch nicht, es kommen immer nur fünf Busse und dann nach einer Pause wieder die nächsten. Was zunächst als nachteilig angesehen wurde, stellte sich aber im Nachhinein als ein zufälliger Segen heraus, denn der zugewiesene Fanblock im Stadion konnte nur durch zwei Drehkreuze betreten werden und daher verringerte diese Portionierung der Fans in je 5 Busse das Gedränge beim Eingang. 

Während des Spiels ist Andys Platz der vor der Fantribüne. Seine größte Sorge ist, dass die Dinge aus dem Ruder laufen und es zu Konflikten mit den Ordnern und der Polizei kommt. Dabei sind nicht die organisierten Fangruppen wie Ultras, Lords oder Tornados das Problem, denn die sind alte Hasen und wissen genau, wo die Grenzen zum No-Go verlaufen; es sind vielmehr unorganisierte, meist junge Einzelfahrer, die im Schutze von 1.500 hinter ihnen stehenden Rapidlern als „Kraftverstärker“ meinen, man müsse es den Schotten „zeigen“. Beim 1:0 für Rapid rennen sie an die Bande, so, also wollten sie auf das Spielfeld laufen und werden von pflichtbewussten Ordnern in die Schranken verwiesen, was wieder – in einem Einzelfall – dazu geführt hat, dass einer der Ordner angespuckt wurde, ein No-Go, und das natürlich nicht nur in England. Der Fan wird identifiziert und würde (normalerweise) der Polizei übergeben werden, das Spiel und die Heimfahrt fänden für ihn nicht mehr statt. Andy wirft sich in den Kampf und versucht, die Verhaftung bis nach dem Spiel aufzuschieben. Da kommt ihm ein für uns zwar sehr bitteres, in diesem Fall aber sehr hilfreiches Ereignis zu Hilfe, denn die Rangers gleichen in derselben Minute aus, was die Aufmerksamkeit der Ordner vom Rapid-Fanblock hin zum Fanblock der Rangers verlagert und die Szene irgendwie in Vergessenheit gerät…

Während wir nach dem Spiel bequem zum Hotel gefahren sind und uns ein Abschieds-Bier und einen Abschieds-Whisky in der Bar spendiert haben, begleitete Andy die Tagesflieger zum Flughafen und verabschiedete dort die Fans. Wieder ein Panne, denn einer dieser Flieger hatte eine Verspätung und die Fans mussten eine zusätzliche Stunde Wartezeit in Kauf nehmen.

Heimreise

Dass die Heimreise des Mannschaftsfliegers nicht unmittelbar nach dem Spiel, sondern erst am nächsten Tag erfolgt ist, liegt am Nachtflugverbot in Wien. Die anderen Flüge sind aus diesem Grund am Flughafen Pressburg gestartet und gelandet. Die Lärmbelästigung war aber in beiden Flugvarianten in den Nachtstunden vorhanden, nur halt anderswo. Das erinnert an den heiligen Florian, der zufällig am Spieltag, dem 4. Oktober seinen Gedenktag hatte und an das nach ihm benannte Floriani-Prinzip.

Diese Ereignisse, die uns im Motel One verborgen geblieben sind und die ich Euch hier sinngemäß weitergegeben habe, schilderte uns Andy Marek während des Fluges.


Wenn ich mich an die ersten Versuche, die Texte der Rapid-Lieder zu verstehen, erinnere, die da von „Für mi gibts nur Rapid und sunst nix aunders,, „Egal wos kummt iLebn, Rapid wirds immer gebn“ uvam., berichten, kam mir das ganze irgendwie kitschig vor. Heute ist das ganz anders! Diese große Integrationskraft des Vereins, angetrieben Andy Marek, vereinigt Menschen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen und Interessen unter dem einen „Hut Rapid“. Klar wollen wir alle gewinnen, aber noch wichtiger als der Sieg ist der Zusammenhalt, der durch diese gemeinsamen magischen Erlebnisse mit 50.000 Schotten unter einem Dach, gestärkt wird. Daaanke!

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2 Kommentare

  1. […] Tagebucheintrag über die Reise „Reisebüro Rapid“ […]

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