Liverpool Football

Dieser Bericht bezieht sich auf den Besuch des Meisterschaftsspiels von Everton FC gegen Southampton in Liverpool. Für mich ist bei diesen Groundhoppings das Spiel selbst fast nur Nebensache, viel interessanter ist, wie in England Fußball gelebt wird. Aber das ist eine sehr persönliche Sicht, denn wer am Flughafen Wien als Groundhopper Richtung England abhebt, wird ziemlich oft mit Roland Holziger, dem Autor der Rapid-Chronik 1999 zusammentreffen, der diese Fahrten nicht nur als Amateur-Soziologe, sondern als echter Verehrer des englischen Fußballs antritt. Wir sind Roland jetzt schon zum zweiten Mal auf diese Weise begegnet. Rolands Ziel war diesmal Edinburgh, unseres war Liverpool. Wir waren eine neunköpfige Gruppe, aber nur zwei waren an Fußballthemen interessiert: Florian und  Franz.

Musik- und Fußballstadt Liverpool

Unsere eigentliche Absicht war, eine Zeitreise in unsere eigene Vergangenheit, in die Zeit der 1960er Jahre anzutreten, als wir, Albert, Franz, Fritz, Gerhard und Karl in einer Band gespielt haben. Die folgenden zwei Bilder sollen das veranschaulichen:

1969, 5-Uhr-Tee in der Tenne, Annagasse (heute ein Mäc)

2018, vor der Beatles Statue in Liverpool

Unser Ziel waren vor allem die Wirkungsstätten der Beatles. Wen das interessiert, kann sich hier die Bilder dazu ansehen. Achtung, es sind ca. 900.

In diesen 1960er-Jahren war Liverpool das Epizentrum der Popmusik. Wenn man die Stadt heute besucht, nehmen wir nur mehr die Nachwirkungen dieser Zeit wahr, denn wenn auch der Cavern-Club noch unverändert existiert und dort immer noch während des ganzen Tags Musik gemacht wird, hat das Geschehen eher einen musealen Charakter.

Aber auch für den Fußball waren die 1960er Jahre außerordentlich erfolgreich. Für den Liverpool FC waren es goldene Jahre, getragen vom charismatischen Trainer Bill Shankly, der Liverpool zum Rekordmeister machte, ähnlich wie Dionys Schönecker es für Rapid geschafft hat. Und daher ist dieser Bill Shankly ebenso wie sein Wiener Vorläufer als Bronzestatue vor dem Anfield-Stadion verewigt. Über diesen Startrainer später mehr.

Doch während die Musikwelt von Liverpool durch andere Zentren abgelöst wurde, deutet der Fußball in Liverpool nach dem Neubau der West-Tribüne und durch das Engagement von Jürgen Klopp an, dass man sowohl national als auch international wieder ganz vorne mit dabei ist. Immerhin hat Liverpool im Vorjahr das CL-Finale erreicht und ist in der angelaufenen Saison an der Tabellenspitze.

Krieg und Fußball

Schauen wir einmal in die Anfänge des Fußballs in die Zeit des Ersten Weltkriegs, als einander Deutsche und Briten in Frankreich gegenüberstanden. Wer kennt sie nicht, die Erzählungen über die Unterbrechungen der Kampfhandlungen als Soldaten beider Armeen zu einem improvisierten Fußballspiel zusammentrafen. Festgehalten wurden diese Begebenheiten im Wikipedia-Artikel „Weihnachtsfrieden„. In Liverpool wurde diesen bemerkenswerten Geschichten ein Denkmal gesetzt. Am Gelände der im Zweiten Weltkrieg zerbombten und als Mahnmal konservierten Ruine der St. Lukes Church steht das Denkmal „Truce“, das an Fußballspiele zwischen den Soldaten der Kriegsparteien im Ersten Weltkrieg erinnert.

In der Zeit des Ersten Weltkriegs war Fußball in Deutschland und Österreich ein ganz neues Phänomen, während es in England schon 60 Jahre lang betrieben wurde. Dieses Denkmal zeigt, welche Bedeutung, die Engländer dem Fußball zuschreiben. Die vielen Analogien zwischen Fußball und Krieg lassen vermuten, dass Fußball einen Krieg abstrahiert, einen Krieg, bei dem aber niemand zu Schaden kommt und im Gegenteil durch den Abbau von Aggressionen im Publikum dazu beiträgt, schlimmere Konflikte zu vermeiden. Zu viel der Ehre für den Fußball? Ich glaube nicht!

Vielen Nicht-Fußballinteressierten wird der Stellenwert, der in der Presse den Fußballberichten eingeräumt wird, nicht gefallen, könnte man doch das Papier für Wichtigeres verwenden. Doch was ist wichtiger? Könnte es nicht dereinst so sein, dass man strittige Entscheidungen auf der Grundlage des Ergebnisses von Fußballspielen trifft und nicht in Form kriegerischer Auseinandersetzungen? Dazu müsste diese Art der Entscheidungsfindung so ernst genommen werden wie das bei Anhängern von Fußballvereinen der Fall ist. Beim Abschnitt über Bill Shankly und Didi Kühbauer wird das noch einmal zur Sprache kommen.

Merseyside Derby

Liverpool gehört zu jenen Regionen, die gleich zwei Fußballvereine in die oberste Spielklasse entsenden. Die meisten  Liverpool-Groundhopper haben das Anfield Stadion als Ziel und nur wenige verirren sich in den Goodison Park des Everton FC. Als ich mir die wechselvolle Geschichte der Everton FC und seines Stadions, dem Goodison Park durchgelesen habe, finde ich, dass der Everton FC eigentlich DER englische Vorzeige-Verein ist und dem Liverpool FC um nichts nachsteht. Er kann zwar nicht auf so viele Titel zurückblicken aber die Seite Everton Firsts zeigt, auf wie viele fußballerische Meilensteine dieser Traditionsverein gesetzt hat.

Das Derby in Liverpool wird auch als „Meseyside Derby“ bezeichnet. Merseyside ist der dem Festland zugewendete größere Teil der Stadt. Die Fähre über den Fluss wurde 1965 im Lied „The Ferry cross the Mersey“ von Gerry & the Peacemakers verewigt. Der Song wird auch bei Touren mit der Fähre angestimmt.

Beide Stadien liegen im Norden des Stadtzentrums und sind nur durch den Stanley-Park getrennt.

Das Anfield-Stadion liegt im Stadtteil Anfield (2). Goodison Park liegt interessanterweise in Walton (8) und nicht in Everton (11). Ursprünglich (1879) gab es nur einen Verein, den Everton FC, und dieser Verein spielte in Anfield. Nach einem Zerwürfnis innerhalb des Vereins entstand der neue Verein Liverpool FC aus dem Everton FC. Dieser neue Verein Liverpool FC blieb in Anfield und der Everton FC übersiedelte 1892 in den Goodison Park.

Und so ist das Stadion „Goodison Park“ in die typische Liverpooler Reihenhauslandschaft eingebettet:

Rot markiert ist die Kirche St.Lukas, die die Nordwestecke des Stadions vollständig ausfüllt und die auf eine Bindung des Everton FC zur anglikanischen Kirche hindeutet. In der Anfangszeit des Fußballs hat man den Räumen in den Ecken des Stadions noch wenig Beachtung geschenkt und daher war es damals nicht störend, wenn sich dort eine Kirche befand. Das Rätsel der Kirche wird etwas später aufgelöst. Was das Bild aber deutlich zeigt, dass es durch die große Nähe zu den Häuserreihen keine Ausbaumöglichkeiten gibt. Da ist auch der Grund, warum sich Everton seit vielen Jahren um einen neuen Standort bemüht. Wir werden aber am Ende des Beitrags sehen, dass es auch anders geht.

Bill Shankly

Bill Shankly schaffte es, 1962 den Liverpool FC aus der Zweitklassigkeit in die damalige First Division zu führen, holte mit den Reds 1964, 1065, 1966, 1973 und 1974 nationale Titel und 1973 den UEFA-Pokal. Wie er das geschafft hat, beantwortet er selbst durch sein Credo: „Im Sozialismus, an den ich glaube, arbeitet jeder für den anderen und alle bekommen einen Teil des Gewinns. So sehe ich Fußball, so sehe ich das Leben.“ Und das deckt sich ganz gut mit den Worten, die Dionys Schönecker zugeschrieben werden: „Gemeinsam. Kämpfen. Siegen.“ und „Wer zusammenhält, gewinnt.“

Dieses Credo des Bill Shankly findet man auf einem ziemlich abgelegenen Abfallcontainer an der Rückseite des Stadions:

1913 ist das Geburtsjahr von Bill Shankly. Ich frage mich, wie dieser Erfolgstrainer die heutige Welt des kommerziellen Fußballs gesehen hätte. Ob das, was in den 1960er Jahren noch ein Erfolgsrezept war, auch heute noch funktionieren könnte?

Ernst nehmen!

Im Bezug auf die Arbeitseinstellung meinte er: „Es gibt Leute, die denken, Fußball sei eine Frage von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann Ihnen versichern, dass es noch sehr viel ernster ist.“ Sollte Euch das zweite Zitat überzogen vorkommen, erinnere ich an ein Interview von Andy Marek mit Didi Kühbauer am 8. Jänner 2018 aus Anlass des 119. Jahrestages der Gründung von Rapid, in der Didi die Duelle mit dem Lieblingsgegner Austria und seinem damaligen Gegenspieler Andi Ogris als einen an die existenziellen Grenzen gehenden Kampf bezeichnet hat. (Vollständiger Bericht siehe: „119 Jahre Rapid“. Leider hatte damals die Austria die bessere Mannschaft.) Ob es nun um Fußball geht oder etwas anderes, das wir tun; wir sollten es so ernst nehmen als ginge es um Leben und Tod – oder noch ernster.

Friendly Derby

Es hat uns gewundert, dass wir Everton-Anhänger in „voller Kriegsbemalung“ vor dem Anfield-Stadion, also dem Stadion von Liverpool FC beobachten konnten und sie in keiner Weise behelligt wurden. Das könnte ich mir in Wien nicht vorstellen. Dass das in Liverpool möglich ist, hat den Grund, dass dieses Merseyside-Derby traditionell sehr friedlich verläuft und als „Friendly Derby“ bezeichnet wird. Entsprechend fair (aber auch eher langweilig) ist der Support der Mannschaften durch ihre Anhänger. Vielleicht hängt es aber auch mit der gemeinsamen Vergangenheit der beiden Vereine zusammen und damit, dass eben ihre Anhängerschaft aus demselben Holz geschnitzt sind.

Everton FC

In Österreich ist Liverpool FC der populärere Verein, wohl wegen seiner vielen Meistertitel, und man kann Liverpool daher gut mit Rapid vergleichen.

Der ältere Verein ist aber der Everton FC, gegründet 1878, und auch er hat beachtliche Erfolge zu verbuchen, die bei uns nur weniger bekannt sind. Der Everton FC ist der historisch erfolgreichste Verein in England und hat nur zwei Saisonen nicht in der obersten Spielklasse gespielt. Zahlreiche andere Meilensteine wurden vom Everton FC gesetzt, wie zum Beispiel eine für die damaligen Verhältnisse einmalige Anlage des Stadions „Goodison Park“ und viele weitere Highlights, wie zum Beispiel den ersten Besuch eines Monarchen (König Georg V) in einem Fußballstadion 1913. Als ich das gehört hatte, dachte ich gleich daran, ob sich unsere eigene Geschichte nicht völlig anders entwickelt hätte, wäre das unserem damaligen Staatsoberhaupt, dem Kaiser Franz Josef, auch eingefallen. Aber zu so etwas reichte es nicht, der alte Herr war Neuem gegenüber nicht besonders aufgeschlossen.

Der Spitzname des Goodison Park Stadions ist „The Grand Old Lady“, denn die Anlage geht schon auf das Jahr 1892 zurück und die dortigen Tribünen sind nicht mit den heutigen Architekturen vergleichbar. Das Stadiondach der Tribünen ist weit nach unten gezogen und man sieht von den oberen Sitzreihen praktisch nur das Spielfeld wie durch ein Guckloch. Das hat auch den Vorteil, dass bei Sonnenschein nur die ersten Sitzreihen der Nord- und Ostseite von der Sonne beschienen werden, alle anderen Sitzreihen werden durch das tiefe Stadiondach beschattet. Hier ein Blick von den oberen Sitzreihen der Haupttribüne. Trotz Nachmittagssonne sind nur die ersten Reihen von der Sonne beschienen, alle weiter oben liegenden Sitzplätze liegen im Schatten. Allein die konstruktionsbedingten Stützen beeinträchtigen etwas die Sicht.

Man stelle sich vor, man würde bei Rapid noch immer auf der Pfarrwiese spielen! Bundesligatauglich wäre diese Anlage wohl nicht. Umso bemerkenswerter ist, dass der Goodison Park ohne wesentliche Veränderungen bis heute bespielbar ist.

Religion und Fußball

In den Gründerjahren der englischen Fußballvereine hat auch die Religionszugehörigkeit eine gewisse Rolle gespielt. Beide Liverpooler Fußballvereine gehen auf eine Methodistische Gemeinde in Anfield zurück. Aber ansonsten sind die Anhänger in Liverpool nicht so religiös „gepolt“ wie das etwas in Glasgow der Fall ist.

Dennoch ist es auffallend, dass im Goodison Park Stadion des Everton FC eine Art Symbiose zwischen Kirche und Fußball besteht, befindet sich doch genau in der nordwestlichen Stadionecke die evangelische St.Lukas-Kirche.

Rechts von der Kirche sieht man die Westtribüne und genau an der Rückseite der Kirche ist die Nordtribüne angeschlossen.

Weil wir Kirchen in der Regel als alte Bauwerke einschätzen und Fußballstadien als ein jüngeres Phänomen, kann man den Eindruck haben, als wäre das Stadion so gebaut worden, dass die Kirche genau in diese Ecke passt, Aber es war genau umgekehrt. Der Grundstein zur Kirche wurde im Gründungsjahr von Rapid gelegt, also 1899, und zu diesem Zeitpunkt war das Stadion bereits „eingeweiht“ und in seinem siebenten Bestandsjahr. Es hat also die Kirche das Fußballrevier erobert, um ihre Anliegen besser an die Zielgruppe „Fußallfan“ bringen zu können, und tatsächlich gibt es an Matchtagen die Aktion „Teas for Fans“, bei der die Fans zu kostenlosen Getränken in der Kirche eingeladen werden. Vielleicht bliebt ja einer „hängen“!

Verbesserungsvorschlag: Aktion „Beer for Fans“.

Mit dem Bus nach Everton

Was den Österreicher gleich wundert, ist der Umstand, dass der Bus 19, der von Stadtzentrum nach Everton verkehrt, zwei Stunden vor Spielbeginn nicht voll mit Everton-Fans ist. Wir scheinen die einzigen gewesen zu sein, die beim Goodison-Park aussteigen wollten. Das heißt aber nicht, dass wir dort allein waren, denn die Gegend um das Stadion ist abgesperrt und voll von blau bekleideten Anhängern.

Der Bus gab uns auch andere Rätsel auf. Es dauerte mindestens fünf Minuten bis der letzte Fahrgast den Bus durch die einzige Tür (!) betreten hat. Der Grund: jeder einzelne von ihnen hat bar bezahlt. Kein einziger hatte eine Zeitkarte. Zum Vergleich: der „Balkan-Express 14A“ am Keplerplatz hat drei Türen und niemand zahlt beim Fahrer, alle haben eine Netzkarte. Warum das in Liverpool nicht genau so ist, verstehen nur die Engländer, die wollen das so.

Rund um das Stadion

Etwa zwei Stunden von Spielbeginn trafen die Mannschaftsbusse ein. Der von Southampton wurde von den Fans nicht beachtet, der von Everton wurde begeistert umlagert.

So präsentiert sich die Haupttribüne des Goodison Park Stadions:

Zwei Dinge sind bemerkenswert:

Der Leitspruch des Everton FC im Wappen auf der Stirnseite des Stand „Nil satis nisi optimum“, was soviel heißt wie „Nur das Beste ist gut genug“. Interessant ist auch die Bilderreihe, die rund um das ganze Stadion läuft und die alle Meilensteine seit der Gründung des Vereins zeigt. Wir haben das auch gleich kontrolliert und tatsächlich findet sich im Abschnitt um das Jahr 1980 die Erinnerung an das Europacup-Finale zwischen dem Everton FC und Rapid, das leider 3:1 für Everton endete:

Dass dieses Stadion 1892 eröffnet wurde, und heute im Grunde noch genau so betrieben wird, ist auch im konservativen England eine Besonderheit. Die blaue Außenhaut dient zur äußeren Behübschung, im Stadion selbst, ist alles so wie vor 120 Jahren.

An mehreren Stellen rund um das Stadion gibt es typische Kioske für Everton-Devotionalien:

So ein englisches Stadion ist im Prinzip ein Kasten mit winzigen Eingangstüren; und gibt es viele davon. Hier ein Blick auf die Turnstiles, die man passieren muss:

Vor diesen Drehkreuzen steht ein freundlicher Steward, kontrolliert die Karten uns ersucht mich freundlich, den Rucksack zu öffnen. Dann fällt ihm meine Kamera auf und ich ahne schon, was er kontrollieren will: ob das Objektiv abnehmbar ist. Nein, ist es nicht! Als leidgeprüfter Groundhopper verwende ich in England und Deutschland ausschließlich eine Kompaktkamera mit festem Objektiv. Und das war auch diesmal wichtig. Florian wurde überhaupt nicht kontrolliert. Diese Kontrollen sind in österreichischen Stadien wesentlich genauer. In England kennt man offenbar sein Publikum und vertraut den Besuchern.

Im Stadion

Eine echte Sensation sind die hölzernen Klappsessel, deren Rückenlehnen im Thonet-Stil gebogen sind. Wenn es Veränderungen gab (im Bild in der ersten Reihe) wurden dort Kunststoff-Sitze eingebaut, sonst sind aber alle Reihen im Originalzustand. Sehenswert!

Kommt die gegnerische Mannschaft zum Aufwärmen aufs Spielfeld,  gibt es überhaupt keine Reaktion, wenn dann die Spieler von Everton kommen, gibt es schwachen Applaus. Bei Spielbeginn werden vom ganzen Stadion Everton-Lieder gesungen und dann ist auch schon Schluss.

Die Choreografie ist ziemlich mickrig und einfallslos…

… und offenbar bei jedem Spiel dieselbe. Bevor dieses Transparent „EVERTON“ aufgezogen wird, hätte man nicht erkennen können, dass das eine Fantribüne ist, weil sich keine der Tribünen schneller füllt oder sich sonst irgendwie organisiert verhält.

Es gibt praktisch ausschließlich spielbezogenen Support. Alles wird beklatscht, auch Rückpässe und auch Outeinwürfe. Es kommt vor, dass die Auswärtsfans von Southampton ein Lied anstimmen, manchmal auch der Everton-Anhang.

Als das Spiel abgepfiffen wird, ist schon ein Viertel der Fans verschwunden, besonders auffällig ist es auf der Fantribüne. Eine Verabschiedung von den Fans gibt es nicht. Man könnte den Eindruck gewinnen, als gäbe es keine besondere Verbindung zwischen den Fans und ihrer Mannschaft. Dem widerspricht aber, dass das Stadion ausverkauft war.

Man muss Engländer sein, um das zu verstehen. Es ist einfach der für uns völlig ungewohnte englische Nicht-Support.

Man muss auch bedenken, dass die Kioske im Stadion unmittelbar nach der Pause schließen. Es gibt daher keinen Anreiz, nach Spielende im Stadion zu verweilen.

Im Stadion herrscht große Disziplin. Dass die Zuschauer aufstehen, wenn es eine brenzliche Situation gibt, dürfte die Stewards ziemlich beunruhigen.

Everton-Southampton

Das Spiel endete 2:1 für Everton und das Publikum war sichtlich zufrieden. Das spielerische Niveau war beachtlich. Unser Eindruck ist, dass Rapid gegen Everton in einem Bewerbspiel keine Chance hätte. Da es sich aber um Fußball handelt, muss diese Einschätzung natürlich nicht stimmen. Denn auch in diesem Spiel war der Sieg von Everton keineswegs eine klare Sache. Southampton verzeichnete einen Stangenschuss und einen nicht verwerteten Sitzer. Alles Dinge, die wir aus eigener Erfahrung mit Rapid nur allzu gut kennen.

Rund um das Anfield-Stadion

Man muss nur den Stanley-Park durchqueren, um vom Goodison Park zur Anfield Road zu gelangen und daher ließen wir es uns nicht nehmen, dem Neubau in der Anfield Road einen Besuch abzustatten. Wir waren schon zwei Mal in Liverpool und beide Male war die Anfield Road unser Ziel. Auch beim Liverpool FC hatte damals ein Stadion-Neubau hohe Priorität, doch es kam anders, man errichtete an der Stelle der historischen Haupttribüne eine gigantische neue Tribüne mit drei Rängen:

Wer die Situation vor diesem Neubau gekannt hat, weiß, dass an der Anfield-Road ebenso wenig Platz für Erweiterungen war wie derzeit beim Goodison Park Stadion. Die Umgebung der Anfield Road präsentierte sich vor etwa 10 Jahren in einem ziemlich verwahrlosten Zustand und die Gemeinde Liverpool hat ganze Häuserzeilen rund um das Stadion abgerissen, um so Platz für den Neubau zu schaffen.

Ein Bericht über Liverpool kann nicht enden, ohne den berühmten Fußballgesang „You’ll never walk alone“ zu erwähnen. Der Titel ist an einem Gittertor an der Rückseite des Anfield Stadions angebracht:

Dass dieses Lied an der Anfield Road vor jedem Spiel gesungen wird, ist einem Zufall zu verdanken. Bei einem der Spiele in der Zeit des Bill Shankly fiel vor einem Spiel die Soundanlage des Stadions aus; genau zu dem Zeitpunkt als dieses Lied gespielt wurde (die Interpreten waren damals Gerry & the Pacemakers, also dieselben, die auch das Lied über die Fähre komponiert haben) und das Publikum sang spontan weiter. Seit diesen Tagen wurde dieses Lied vom Anhang von Liverpool adoptiert.

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