Rapid – Steffen & Friends – Rapid-Tagebuch
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Die sind gar nicht so verrückt
23. Juli 2018
Stammtisch
27. Juli 2018

2:4 (2:2), 25.300, Mag. Harald Lechner

Was war das für ein magischer Abend! Zu außergewöhnlich war der Anlass, dass nämlich ein Spieler 16 Jahre bei demselben Verein verbringt und noch dazu in so einem außergewöhnlichen Status des Kapitäns, als dass man so ein Ereignis wiederholen könnte. Ich habe einen solchen Abend noch nicht erlebt und so etwas wird sich vermutlich nicht mehr wiederholen.

Ankündigung: Mitgliederversammlung am 27.8.2018. Unsere Gäste: Deni Alar, Christoph Haas, Dejan Ljubicic, Marvin Potzmann. Gäste sind willkommen! Wenn Du teilnehmen möchtest und nicht ortskundig bist, rufe bitte 0677- 1899 5070 (Franz).

Eine Chance sehe ich aber doch, bedenkt man die Gründe für Steffens Karriere bei Rapid. Bei ihm war es die Bindung an Kinder und Familie, die ein solches Fußball-Wunder ermöglicht hat. Und wenn das der Schlüssel zu einer längeren Bindung einer Fußballers an einen Verein ist, dann ergeht hiermit die Einladung an alle bodenständigen Mädeln, einen der heutigen Shooting-Stars an die Angel zu nehmen und an Rapid zu binden! „Los geht’s“, wie Andy Marek gerne sagt!

Hans Krankl hat einmal in einem Interview gesagt, dass sich jeder Spieler bei den heutigen Besucherzahlen zerfetzen müsste für den Verein und die Fans und dass das eben zu wenig der Fall wäre.

Ja, die Zeiten haben sich geändert. Man hat auch zu Zeiten von Hans Krankl gefeiert aber gemessen an den heutigen Zuschauerzahlen und dem seit seinen Tagen entwickelten Fan-Support war der damalige Zuspruch dem Massen eben geringer. Das alles ist in den Zeiten des Rapid-Klubservice entstanden. Er werden viel weitere Bevölkerungsschichten angesprochen. Gar nicht auszudenken, wie sich die Zuschauerzahlen entwickeln würden, wenn auch nur ein Teil der Erfolgs früherer Jahrzehnte zurückkehren würde.

Einerseits erkennen wir leicht in anderen Bereichen den Kitsch, auf den Käufer hereinfallen, fallen aber natürlich selber darauf rein, einfach, weil wir betroffen sind. So titelte laola1.at „Himmel weint, Fußballgott hört auf“ und die Krone „Tränen und vier Tore von Hofmann bei Mega-Abschied“. Vieles war inszeniert, vieles passierte zufällig und machte die Show perfekt.

An den Eingängen wurden Steffen-Masken verteilt. Insgesamt 26.000 Masken waren aufgelegt. Bei Spielbeginn wurden sie dann aufgesetzt, um Steffen gleichzeitig mit der Choreografie zu überraschen.

Schon im Spiel des „Special Needs Team“ gegen das Team „Kicken ohne Grenzen“ stand es bis kurz vor dem Ende 0:0 mit Vorteilen für die Gäste und es ist in den Schlussminuten doch gelungen, das Spiel noch mit 2:0 zu gewinnen. Es war schön zu sehen, wie die beiden Teams diese große Öffentlichkeit genossen haben und auch der Fanblock auf die Verabschiedung perfekt eingegangen ist.

Dass Steffens Töchter im Ensemble der Volksoper aktiv sind, ist bekannt, dass aber zufällig Carousel im aktuellen Programm steht mit dem wohl berühmtesten Lied „You’ll never walk alone“, das zu dieser Verabschiedung bestens passt, ist auch so einer dieser kitschigen Zufälle, die man nicht planen kann. Steffens Töchter sangen diese Hymne begleitet von weiteren Sängern des Volksopern-Ensembles.

Schon eher geplant war das von Schmiedl & Slama komponierte und vorgetragene Lied „Steffen Hofmann Fußballgott“, das ebenfalls den Rührungsfaktor um ein paar Grad nach oben getrieben hat. Hier ein Bild der YouTube-Seite von Max Schmiedl:

Und dann das Wiedersehen mit all den Größen vergangener Tage, die alle unter Nennung aller ihrer Verdienste für Rapid einzeln aufs Feld kamen und stürmisch begrüßt wurden unter dem Oberkommando des Meistertrainers Pacult. Die Ansage der einzelnen Spieler wurde als Audio-Datei konserviert. Steffen & Friends spielte in den neuen Auswärtsdressen und jedes Trikot war korrekt mit den historischen Rückennummern und den jeweiligen Namen versehen. Die Freunde waren: Payer (22. Novota, 46. Novota, 62. L. Maier); Dober (46. Trimmel, 62. Sturm), Eder (22. M. Hiden, 62. Pichler), Patocka (46. Feldhofer, 62. Valachovic), Katzer (22. Garics, 70. Hargreaves); Heikkinen (22. Kulovits, 62. A. Hofmann), Hlinka (22. R. Wagner, 46. Bönig); Boskovic (22. Alar, 62. Jancker); S. Hofmann, Hoffer (46. Salihi), Korkmaz (46. Kincl);

Bevor es schließlich losging, noch eine Ehrung für den ältesten Rapidler aus Retz, Otto Filipsky, der in einigen Wochen seinen 106. Geburtstag feiern wird. Auch auf Ivica wurde nicht vergessen, Ivica nahm an dem Spiel in der Ehrenloge von Rapid teil.

Zwei Spruchbänder leiteten die Choreografie ein: „The one and only – Danke für alles“ und „Danke dem Fußballer und Menschen Steffen Hofmann“.

Es gab seitens der Fangruppierungen Geschenke für Steffen, die dieser vor Spielbeginn entgegennahm. Einen besonderen Schlusspunkt bildete der Abschluss, als Steffen gebeten wurde, sich umzudrehen und die Pixel-Choreografie „Danke Steff“ über der ganzen Südtribüne zu lesen war.

Kleiner Hinweis des Beobachters: Das „Danke“ wäre besser lesbar, wenn der Schriftzug weiß statt schwarz dargestellt gewesen wäre aber die Hersteller werde sich das im Nachhinein auch gedacht haben.

Aber damit nicht genug,  bei Spielbeginn wurde ein fast 20 Meter hohes Porträt von Steffen vor der Tribüne hochgezogen und leitete dieses geschichtsträchtige Spiel ein.

Den offenen Brief von Steffen stelle ich an das Ende dieses Berichts.

Der Ankick erfolgte durch Ehrenpräsident Edlinger (er holte Steffen Hofmann zu Rapid) und Präsident Krammer begleitet von Moritz, Steffens Sohn, der schließlich der eigentliche Ankicker war.

Rapid hat an nichts gespart und mit Mag. Harald Lechner den prominentesten Schiedsrichter geholt, den der ÖFB zu bieten hat. Mag. Harald Lechner hat bisher 10 Parteien für Rapid geleitet und seine Bilanz ist aus der Sicht von Rapid mit 5 Siegen, 2 Unentschieden und 3 Niederlagen insgesamt positiv.  Der Grund, warum es nur 10 Spiele sind, ist, dass Schiedsrichter Lechner Wiener ist und daher – wie Schiedsrichter Grobelnik –  nur das Wiener Derby aber keine anderen Begegnungen mit Bundesländermannschaften leiten darf. Aber auch Schiedsrichter Lechner hat nur eine Partie im Allianz-Stadion mit mehr Zuschauern erlebt, die Niederlage vom 23. Oktober 2016 mit 26.000 Zuschauern. Mit 25.300 Zuschauern zählt dieses Abschiedsspiel zu den am besten besuchten Spielen im Allianz-Stadion überhaupt, und die sind:

26200 27.11.2016 sturm
26100 23.04.2017 austria
26000 06.08.2017 austria
26000 23.10.2016 austria
25600 04.02.2018 austria
25300 26.11.2017 rb
25300 28.08.2016 rb

Keines dieser Spiele wurde übrigens von Rapid gewonnen. Das ist übrigens ein statistisches Merkmal von Spielen mit hoher Zuschauerzahl, unter dem Motto: „Sag mir die Zuschauerzahl und ich sage Dir, wer gewinnt.“

In der Pause sahen wir ein Video mit den 11 Lieblingstoren von Steffen Hofmann.

Dass in diesem Spiel Rapid gegen Steffen&Friends Steffen Hofmann alle vier Tore geschossen hat, ist auch so ein Kitschfaktor und kann so nicht geplant gewesen sein, denn dazu sind zu viele Bälle so knapp neben das Tor gegangen, dass auch andere Spieler Torschützen hätten werden können, aber wenn’s lauft, mit dem Kitschig-sein, dann lauft’s.

Eine sonderbare Durchsage ließ uns aufhorchen, denn sie war direkt an Schiedsrichter Lechner gerichtet. Andy Marek teilte mit, dass das Team Steffen Hofmann & Friends mit 12 statt nur 11 Feldspielern am Platz steht. Da weder Trainer Pacult noch der Schiedsrichter Lechner darauf reagierten und ich rasch nachgezählt hatte, musste es wohl einen besonderen Grund haben und der wurde uns klar, als langsam begonnen wurde, das Stadionlicht abzudrehen. 11 Minuten vor Ende des Spiels war es klar, dass Steffen jetzt gehen wird. Und so war es auch; die Kamera verfolgte Steffens letzen Weg in die Kabine und wir hörten seine Abschiedsworte an sein Publikum über die Lautsprecher. „Danke und Servus“

Inzwischen war es ganz finster geworden, nur die Handy-Taschenlampen gaben ein schwaches Licht.

Rapid und Steffen’s Friends bildetenn ein Spalier vor dem Tunnel und Steffen kam wieder aus der Kabine, eine grüne Fackel in der Hand stand er – solange eben eine solche Fackel brennt – vor dem Block West  und drehte unter anhaltendem Applaus von den Rängen unter den Klängen von „Time to say Goodbye“ seine letzte Runde im Stadion.

Diese Szene des Steffen mit der brennenden Fackel machte den Eindruck, einer extremen Einsamkeit unter 25.000 mitfühlenden Freunden.

Nach dem Wiedereinschalten der Scheinwerfer verabschiedeten sich noch alle Akteure…

…und Steffen drehte noch eine allerletzte Runde.

Ist das nicht eine Parabel auf das Leben? Jeder muss sich verabschieden, egal, wie bedeutend er gewesen sein mag. Und es werden wieder welche kommen, die folgen; nicht genau so wie Steffen, anders, aber sie werden kommen und wir werden sie lieben. Und es zählt letztlich weder die Vergangenheit, noch die Zukunft, es zählt nur das Jetzt

Wir fragen uns, ob es solche Abschiede auch anderswo gibt. Na, bei den Millionen Fußballvereinen wird es wohl welche geben, die es mit Rapid aufnehmen können, aber hier in der Welt des österreichischen Fußballs war dieser Abend wohl etwas Einmaliges, auch im Lichte der 120 Jahre, die Rapid im kommenden Jahr gebührend feiern wird. Wie heißt es in der Rapid-Hymne: „für mi gibt’s nur Rapid und sunst nix anders“.

Das Spiel war eine Werbung für Fußball der Extraklasse, etwas, das es tatsächlich nur bei Rapid zu geben scheint. Es gab keinen Gratis-Eintritt. Man musste dafür bezahlen. Viele sind von weit her angereist. Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass unsere Facebook-Freundin Martina eigens aus Lech am Arlberg zu diesem Abschiedsspiel angereist kam. Sie schreibt: „Bin da, im schönsten Stadion der Welt!“. Dass wir im Laufe vielen Jahre zum Teil dieser großen Gemeinschaft geworden ist hat doch auch etwas Kitschiges. Es genügt ja nicht, irgendein Spiel zu besuchen. Man muss Hunderte Spiele besucht haben und immer wieder mit dem einen oder anderen Nachbarn ein Bier getrunken haben, um irgendwann auch in dieser Gemeinschaft akzeptiert zu werden und nicht in allen Fällen gelingt das, trotz aller Bemühungen.

Dass ich das doch etwas abwertende Wort „Kitsch“ verwendet habe, hatte doch nur den Sinn, dass nicht allzu viele Tränen über die Wangen kullern, weil uns eben alle dieses schmerzliche Abschiedsgefühl ergreift, das hier, beim Abschied eines aktiven Fußballers noch Übungscharakter hat, bevor es dann irgendwann bei jedem von uns Ernst wird.

11 Minuten vor Spielende ging langsam das Licht aus und nur die Handy-Taschenlampen beleuchten das Stadion. Ob wir einen solchen Abend je wieder erleben werden? Der Abschied von Steffen Hofmann wurde von Andy Marek und Rapid auf eine unnachahmliche Weise inszeniert. Praktisch zwei Meistermannschaften zu Gast und vier Tore von Steffen.

Aber es ist ja nur ein Abschied vom Rasen. Wer bei Rapid II dabei ist, wird Steffen in seiner neuen Rolle begleiten können. Wer Steffens weiteren Weg mit Rapid verfolgen will, den laden wir an dieser Stelle ein, die Spiele von Rapid II zu besuchen. Das ist Steffens zukünftige Wirkungsstätte und wir freuen uns schon auf die Spiele der kommenden Saison bei Rapid II. Bei Rapid II kann man schon vorfühlen, wer die Arases, Kostics, Müldürs und Ljubicics von morgen sein werden und Steffen wird uns vielleicht den einen oder anderen Aspekt verraten.

Ambiente

Dass die ÖBB Großereignisse in ihren Planungen berücksichtigt, kann man nicht behaupten. Die S80, der ideale Zubringer nach Hütteldorf aus Transdanubien, Favoriten, Meidling und Speising war total überfüllt. Der Grund: die (auch ansonsten viel) zu geringe Zugfolge (Intervall eine Stunde) und die als Kurzzug geführten Garnituren, nehmen auf Großveranstaltungen keine Rücksicht. Das Wageninnere war voll, also bleibt nur die Plattform und auf dieser Fläche gibt es keine Haltegriffe, nur seitlich bei den Türen gibt es Griffe.

Nun, wen stört das, wenn es zum Abschiedsspiel von Steffen geht!

Die Drängerei im Zug setzte sich in der Keisslergasse fort. Man konnte spüren, dass heute das Stadion voll sein würde, sehr zu Freude der Besucher der umliegenden Gastwirtschaften.

Aber der Hürden waren. Da war einmal unser Transparent, das der neue Herr Security nicht kannte und das genau begutachtet wurde, bis es schließlich passieren durfte.

Da war aber dann auch das Problem mit der Eintrittskarte, denn im Laufe der vielen Wochen seit dem Kauf und dem Ausdruck der Karten, hat sich im Kopf des Autors die Ansicht eingebrannt, dass die Tickets auf der Abokarte aufgebucht wären, was aber der Automat am Eingang verneint hat. Und beim Herumkramen in der Erinnerung ist mir dann auch eingefallen, dass sich die damals ausgedruckten Eintrittskarten noch im Vorzimmer bei allen anderen Karten befunden haben.

Aber wozu gibt es ein Klubservice. In wenigen Augenblicken hat mir das Team meine vergessenen Tickets nachgedruckt, wobei mein fortgeschrittenes Alter irgendwie als Entschuldigung herhalten konnte. Jedenfalls bedanke ich mich herzlich für die problemlose und freundliche Erledigung.

Schon nach diesen wenigen Minuten war die Höhle hinter der Tribüne extrem voll und das Spiel des Special-Needs-Teams hatte schon begonnen.

Links


Offener Brief von Steffen Hofmann anlässlich seines Abschieds:

Liebe Rapid-Fans!

Ich bin und war immer ein Fußballer, der das Spiel liebt und das wird auch immer so bleiben. Nun kommt aber die Zeit für die nächste Phase in meinem Leben. Eine wunderschöne Ära endet, aber ich freue mich auf die Herausforderungen der Zukunft! Emotional ganz besonders, dass ich diese bei meinem Herzensverein, dem SK Rapid, in einer sehr verantwortungsvollen Position meistern darf!

Heute möchte ich noch einmal danke sagen! Allen voran meiner Familie: Meiner Frau Barbara, die ich wenige Wochen nach meinem Umzug nach Wien kennen und lieben lernte, und unseren drei Kindern. Meinen Großeltern und meinen Eltern, ohne die ich es nie hätte schaffen können, meinen Traum vom Profifußball zu verwirklichen! Aber auch danke allen anderen Familienmitgliedern in Deutschland und Österreich sowie vielen guten Freunden in meinen mittlerweile zwei Heimatländern!

Ohne meine Wurzeln in Bayern wäre der Sprung nach Hütteldorf nie gelungen, meinen ehemaligen Vereinen in Kirchheim, Würzburg und München bringe ich große Dankbarkeit entgegen. Ganz besonders auch den zahlreichen Wegbegleitern in meinen fast 16 Jahren, die ich hier verbringen durfte. Mitspieler, Trainer, Betreuer, Mitarbeiter und Funktionäre, die vielfach auch zu Freunden wurden! Ich habe eine zweite Familie gefunden, die Rapid-Familie! Und diese wird entscheidend von Euch, den Fans und Mitgliedern dieses großen Vereins getragen. Daher ein herzliches Danke an Euch und ganz besonders an jene, die uns in den Stadien in ganz Europa immer so großartig unterstützen!

Schon das letzte Bundesliga-Match, das ich vor Euch am 20. Mai bestreiten durfte, war eigentlich der perfekte Abschluss meiner aktiven Laufbahn. Es wird mir unvergessen bleiben, das Drehbuch war fast kitschig. Über das Tor und den Sieg gegen Altach habe ich mich unglaublich gefreut, die Ovationen und Jubelstürme von Euch haben mich schier überwältigt!

Heute wird es mit vielen Freunden und Wegbegleitern sicher wieder emotional,ich freue ich mich auf das Wiedersehen mit ihnen und mindestens genauso darüber, dass so viele von Euch heute nach Hütteldorf kommen! Es wird mir heute noch einmal eine Freude und Ehre sein, für unseren Klub und Euch spielen zu dürfen, das war es mir bei jedem einzelnen Match. Ich danke Euch, freue mich auf meine neue Aufgabe bei unserem Herzensverein und möchte abschließend nur noch sagen: LANG LEBE RAPID!

Euer Steffen

 

 

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