Heinzelmännchen

Während am Spielfeld mit dem Einsatz unterstützender Technologie noch gezögert wird, hat sie sich im Stadion bereits zu unser aller Vorteil etabliert. Und vielleicht können wir sogar von der Art des unsichtbaren Einsatzes auch für das Spiel etwas lernen. Genau so, wie wir die Elektronik in den Waschräumen nicht bemerken und sie dennoch dafür sorgt, dass alles verfügbar ist, so könnte es auch am Spielfeld sein. Wenn wir die Technologie wahrnehmen und sie den Spielfluss beeinträchtigt, sollte man vielleicht mit ihrem Einsatz warten.

IoT im Stadion

Am 18. Oktober fand ein Fachkongress rund um IoT (Internet of Things) statt. Unter den vielen interessanten Vorträgen betraf einer auch unser Allianz-Stadion. Manuel Huick von Hagleitner Hygiene präsentierte Big Data im Waschraum. Das mittelständische oberösterreichische Unternehmen entwickelte auf Basis seiner IoT-Lösung ein neues Geschäftsmodell und steigerte mit völlig neuer Servicequalität seine Verkaufszahlen.

Wie Waschräume früher funktioniert haben, das wissen wir aus den Zeiten des Hanappi-Stadions. Heute präsentiert sich eine solche Anlage in einem immer herzeigbaren und benutzbaren Zustand. Die folgenden Bilder wurden nach dem Spiel gegen die Admira angefertigt.

Alles was Frau/Mann braucht, also Toilettenpapier, Seife und Handtücher ist auch nach dem Spiel ausreichend vorhanden. Wir erleben das sehr positiv aber niemand fragt, warum das alles so reibungslos funktioniert.

Was wir nämlich nicht sehen, sind fast 800 Sensoren in den Waschräumen, die einer Zentrale melden, was nachzufüllen ist. (Handtuchspender, Seifenspender, Toilettenpapier, Raumduft, Personenzähler und Hand-Desinfektion). Bei einem durchschnittlichen Spiel melden die Sensoren über 600.000 Einträge in die Datenbank.  Im folgenden Bild sieht man den Zustand der 781 Sensoren. Mit rot wird angezeigt, wo nachzufüllen ist.

In dieser Grafik sieht man die Benutzungshäufigkeit während eines ganzen Monats. Markiert ist der Spieltag gegen Sturm Graz am 21. Mai 2017.

Der Zustand der jeweiligen Spender kann auf einem Handy abgefragt werden.

IoT im Haushalt

Es wird noch eine zeitlang dauern, bis in einem Haushalt eine Bestellung von Seife veranlasst wird, wenn sie zur Neige geht. Aber verschiedene andere elektronische Dienste können bereits jetzt Kosten sparen helfen und die Sicherheit erhöhen. In mehreren Vorträgen wurden bei ClubComputer die Möglichkeiten der Hausautomatisierung bereits vorgestellt, zuletzt bei einem Vortrag von Walter Gruber mit dem Titel „Smart Home macht süchtig!“. In einer eindrucksvollen Präsentation zeigte Walter, wie er seinen Haushalt über sein Handy steuern kann. Durch den neuen Bedienungskomfort der Alexa Sprachsteuerung sind komplizierte Fernbedienungen nicht mehr nötig. „Alexa, schalte das Licht im Erdgeschoß aus“, genügt,

In einer Nachlese zum Vortrag findest Du eine Zusammenfassung, zahlreiche Links zu früheren Vorträgen und auch einen Audio-Mitschnitt.

Ein Fußballtag

So ein Rapid-Heimspiel ist eine Ganztagsbeschäftigung. Hier ein Gedächtnisprotokoll des Tagesablaufs beim Admira-Heimspiel:

Vormittag

09:00 Der Vormittag gehört Aufräumungsarbeiten. Beispielsweise wird die letzte Ausgabe der Rapidviertelstunde archiviert. Seit ein paar Folgen hat sich das interne Format geändert und ich schreibe einen Fehlerbericht an Gunther, den Projektleiter der Sendung, damit seine Techniker einen kleinen Fehler auf der Webseite beheben können. Weiters werden Termine und neue Meldungen der Rapid-Homepage in der Datenbank aufgenommen.

10:00 Ein Werbezettel für den „Klub der Freunde“ wird entworfen und 200 A5-Blätter ausgedruckt und zugeschnitten.

Mittagessen

11:00 Heute ist Nudeltag und ich bin der „Koch“; besser gesagt, ich lasse kochen – beim China-Kiosk und beim Anker am Hauptbahnhof.

Fahrt zum Spiel

13:00 Ich habe für den Klub der Freunde die Aufgabe übernommen, ein Transparent zu befestigen und muss daher bereits bei der Stadionöffnung im Stadion sein. Später wird es schwieriger, weil sich das Transparent hinter der letzten Sitzreihe befindet und dann die Sitze schon belegt sind. Außerdem verteile ich vor jedem Spiel Informationen über den Klub der Freunde auf den Stehtischen auf Ost und Nord.

Wenn man sich an die stündlichen Abfahrtszeiten des S80 hält, kommt man zu vollen Stunde in Hütteldorf an. Ich fahre um 13:34 ab, Florian kommt eine Stunde später nach.

Am Hauptbahnhof treffe ich Mario, einen sehr engagierten jungen Mann, der nicht nur selbst viele Spiele besucht, sondern einen enormen Freundeskreis hat. Alle diese Freundinnen und Freunde motiviert er, auch zu Rapid zu kommen. Mario will mir ein Cola schenken, aber ich muss das Cola ablehnen, weil ich es nicht ins Stadion mitnehmen kann. Beim Einsteigen in die S80 schenkt er es „Marcel Wien“. Ich kenne Marcel aus Facebook. Johann, Marios Vater, ist heute auch beim Spiel, kommt aber ebenfalls eine Stunde später. Gesehen haben wir uns daher nicht, aber eine Facebook-Botschaft ist sich ausgegangen. Johann hat meine Freundschaftsanfrage in Facebook bestätigt.

Aber Mario hat auch zwei Bekannte dabei: Michaela und ihre Tochter (?). So genau weiß ich das nicht. Ich gebe Michaela meine Werbeblätter für den „Klub der Freunde“ und lade sie für unsere Mitgliederversammlung am Montag, 13. November ein. Es stellt sich heraus, dass Michaela den Klub schon kennt und mit unserem Cafetier Peter Novotny befreundet ist.

In der Schnellbahn begrüßen wir auch einen prominenten VIP-Gast: Roland Nickles mit Frau und Sohn. Ich kenne sie von gemeinsamen Auslandsfahren mit Rapid. Roland ist erfolgreicher Geschäftsmann in der Donaustadt und in dieser Funktion auch Sponsor bei Stadlau. Er erzählt über organisatorische Schwierigkeiten beim nächsten Gegner von Rapid II am Sonntag. Wir Zuschauer sehen nur die Tabelle, und dass Stadlau den vorletzten Platz einnimmt, etwas, was es in den vergangenen Jahren nicht gegeben hat. Ohne die Details zu kennen, merkt man also, dass sich Probleme der Vereinsführung auch auf das Spielgeschehen auswirken.

Vor dem Spiel

14:00 Am Bahnhof Hütteldorf trennen sich unsere Wege und ich gehe ins Stags Head, um Peter und Janine zu begrüßen, die mit ziemlicher Sicherheit am ersten Nichtrauchertisch ihr Mittagessen verzehren. Auch hier verteile ich meine Werbemittel für den Klub der Freunde. Wir besprechen einen geänderten Spieltermin. Peter hat eine Karte für das Sturm-Spiel gekauft und auf der Karte steht als Beginnzeit 18:30. Doch das Spiel findet schon um 16:00 statt. Wenn man bereits einen Zugsitzplatz gebucht hat, sind solche Verschiebungen weniger lustig. Es wird Zeit, wieder einmal einen Brief an die Bundesliga zu schreiben. Die Bundesliga glaubt nämlich, mit der jetzigen Art der Terminfestsetzung kundenfreundlich zu sein. Eigentlich sollte die Bundesliga als Vertreter des Stadionpublikums auftreten. Stattdessen lässt sie sich die Spieltermine von den Fernsehsendern diktieren und noch dazu ziemlich kurzfristig. Für Leute, die wie Peter ihre Fahrten rechtzeitig planen, um bei der Bahn einen günstigen Tarif zu bekommen, ist die Terminfestsetzung einfach zu knapp. Ich verabschiede mich von Peter und Janine und beeile mich, rechtzeitig zur Stadioneröffnung um 14:30 zu kommen.

14:30 Mein Transparent wird durchgewunken. Gleich nach dem Eingang begrüßt mich Stefan Kjaer. Stefan steht hinter der tollen Homepage von Rapid, und wenn ich mich recht erinnere ist er auch der Ideengeber zur Mitgliedschaft „Mein leben lang“. Bei unserer letzten Begegnung – ich glaube es war beim Doppelpass  – erwähnte ich, dass die Rapid-Seite sehr professionell gemacht wäre, dass aber einige Elemente, zum Beispiel ein RSS-Feed, fehlen würden. Stefan hat sich diese Anmerkungen in einem unsichtbaren Notizheft aufgeschrieben und hat sich sofort daran erinnert und mich darauf angesprochen. Er sagte, dass es den RSS-Feed zwar noch nicht gibt, dass ich aber erst am 12. November Geburtstag hätte. Stefan hat sich doch tatsächlich aus der Mitgliederdatenbank herausgesucht, wer ihn da kontaktiert hat. Er kennt also meinen Namen und mein Geburtsdatum, weiß, was wir damals gesprochen haben und hat das auch an seine Techniker weitergeleitet. Ich war ziemlich sprachlos und werde an dieser Stelle darüber berichten, was es mit diesen „RSS-Feeds“ auf sich hat. Danke jedenfalls jetzt schon dafür!

Mein Job ist es, das Transparent vom „Klub der Freunde“ anzubringen und weil sich das Transparent vor den Sitzen in der letzten Reihe befindet, bemühe ich mich, als Erster dort oben zu sein. Die Montage dauert etwa 20 Minuten. Dann gehe ich daran, etwa 200 Ankündigungen für die Mitgliederversammlung des „Klub der Freunde“ auf den Stehtischen auf der Nord- und Ost-Tribüne aufzulegen. Dabei treffe ich – wie schon seit vielen Jahren – den Security-Beauftragten – Josef Kloiber. Josef wohnt auf der Nachbarstiege in unserem Haus. Er ist als pensionierter Krankenpfleger sehr gesundheitsbewusst. Josef arbeitet immer noch geringfügig für Securitas. Ich gebe ihm auch einen unserer Flugblätter des „Klub der Freunde“, allerdings wird das nicht viel helfen, denn Josef ist Austrianer und derzeit nicht „gut drauf“. Kein Wunder! Dann folgt eine kleine Verschnaufpause.

15:00 Im Auftrag von Christoph, der wegen einer privaten Verpflichtung erst später kommen kann, soll ich noch zwei Ausgaben des Block-West-Echo besorgen. Das ist nicht ganz einfach, weil die Behörde veranlasst hat, dass man das Raubtiergitter zwischen dem Block-West und dem Rest des Stadions schließen muss. Was das bei einem Spiel gegen die Admira für einen Sinn haben soll, kann uns niemand erklären. Ich musste einen Ordner bemühen, der wieder den Verkäufer im Block West motivieren musste, sich an das Raubtiergitter zu begeben, bis ich schließlich die Ausgabe – fast wie einen Kassiber  – aus dem Block-West  herausschmuggeln konnte.

Dieser kleine Ausflug hat sich gelohnt, denn Christopher Dibon kam gerade in Begleitung von Robert Racic und signierte mir sowohl die beiden Ausgaben des Block West Echo als auch eine Autogrammkarte. Ein sehr seltenes Erlebnis, hier im Block-Ost. Danke Robert!.

Nachdem nun die „Pflicht“ erledigt ist, kann ich an die Terrasse der Osttribüne gehen, um den Einlauf der Mannschaft mitzuerleben. Dabei begrüße ich Familie Schrabauer aus Wieselburg, Arnold aus Simmering, Andi mit seinen beiden Söhnen sowie Karl Deix. Karl testet meine Rapid-Affinität und fragt „Woast bei den Derbys?“. Nein ich war nicht, ich war in der Rekordmeisterbar, habe ich gestanden. So viele Levels kann man in einem Computerspiel gar nicht zurück fallen, als ich in diesem Moment in der Einschätzung von Karl abgestiegen bin.

15:30 Da sehe ich aber schon schon Florian, der bei Joe und seinem Sohn Patrick steht. Joe und mich verbinden schon sehr viele Jahre beruflicher Weiterbildung. Schon vor 20 Jahren beteiligte sich Joe an Seminaren, die ich – damals noch im TGM – geleitet habe. Heute ist Joe immer noch Mitglied bei unserem Computer-Club. Sein Sohn Patrick ist aktiver Fußballer in der Region Marchfeld und ich habe die beiden zu diesem Spiel gegen die Admira eingeladen. Joe kritisiert Vorkommnisse bei den Prater-Derbys, aber so ganz einfach, wie das die Außenstehenden wahrnehmen, ist die Sache insgesamt nicht. Jedenfalls habe ich mir vorgenommen, dass wir dieses Thema einmal bei einem Bier besprechen. Den beiden hat das Spiel und die Stimmung gut gefallen, vielleicht werden wir sie bald wieder im Stadion sehen.

Wir treffen Gregor, mit dem wir schon einige sehr gemütliche Fahrten unternommen haben und mit dem wir auch wieder nach Pasching fahren werden. Gregor haben wir bei unserem ersten  Fanklubtreffen als „EwkiL:Rapid“ im Sektor E des Happel-Stadions kennen gelernt. Der Zufall wollte es, dass wir einem Tisch gewählt haben, an dem auch Christoph und Gregor, die Obmänner von „Grün-Weiß Distel“ gesessen sind, und seither ist es für uns ein großes Vergnügen, mit den beiden zu plaudern und gemeinsame Auswärtsfahrten zu unternehmen.

Ein Zuschauer nagt an einem Riesenkuchen, und wir holen uns ebenfalls eine solche Ration beim Snack-Eck und essen sie bei einem der Stehtische. Im Besucherstrom erkennen wir Franz Herynek. Franz kennen wir schon seit vielen Jahren noch aus den Zeiten des Hanappi-Stadions. Aber dieses neue Stadion hat die früheren Gemeinschaften zerrissen und man muss erst das frühere Selbstverständnis wieder herstellen und an die Zeit von „damals“ anknüpfen. Wir nehmen uns vor, dass wir uns wieder einmal – wie früher – vor dem Spiel zu einem Plausch treffen.

Am Weg zu unseren Sitzplätzen treffen wir Jasmin-Louise vom Klub der Freunde und sie berichtet uns voll Begeisterung von ihren Derby-Erlebnissen. Jasmin, ebenfalls vom Klub der Freunde, können wir nur aus der Ferne zuwinken.

15:50 Auf den Sitzplätzen eingelangt, begrüßen wir unsere Sitznachbarn Andreas Schieder mit seinem Sohn Max. Sie sind sehr freundlich und ich versuche ihnen zu vermitteln, was es mit diesem „Klub der Freunde“ auf sich hat und gebe ihnen auch einen Einladung zu unserer Mitgliederversammlung. Ich zeige ihnen noch ein sehr schönes Bild, das Ilona bei letzten Heimspiel von der Nordtribüne gemacht hat. Unsere „Gärtner“ Josef und Peter sind nicht auf ihren Plätzen, sie sind wohl auf ihren VIP-Plätzen in der Röhre. Julian, ein ganz treuer Rapid-Fan, bringt mir die Stadion-Zeitung vom Auswärts-Derby. Ich werde es am Abend einscannen und zu unserer digitalen Sammlung geben. Und noch ein alter Bekannter kommt uns besuchen, der „Grüne Franz“ aus Purgstall. Er berichtet, dass er an diesem Tag bereits das Spiel seines Heimatvereins Purgstall besucht hat. Wie immer vor einem Spiel kommt Margit vom Klub der Freunde und begrüßt uns. Wir vereinbaren, dass wir versuchen werden, gemeinsam ein Mailversandproblem bei ihrem Tablet zu beheben.

Das Spiel

16:00 Das Spiel beginnt und man interpretiert das Geschehen, ärgert sich und freut sich, je nach Spielsituation. „Hinein“ geht vorbei und grüßt uns aus alter Gewohnheit. Seine lauten „Hinein“-Rufe  vor Freistößen und Cornern sind legendär. Abgenommen hat er! Er holt Nachschub für die Kehle.

Nach dem Spiel

18:00 Das Spiel ist aus, wir harren aus, bis alle Zuschauer die Tribüne verlassen haben, darunter Michael und Michaela. Wir begeben uns dann in die letzte Reihe und bauen das Transparent ab. Danach nutzen wir die Gelegenheit, im Stadion bei einer Leberkässemmel die Pressekonferenz zu verfolgen. Dass man dort wegen schlecht eingestellter Lautsprecher praktisch nichts verstehen kann, wäre Stoff für einen weiteren Artikel.

Fahrt nach Hause

19:25 Jetzt aber nichts wie nach Hause! Unsere S80 fährt um 19:37, das schaffen wir. Wir sind nicht allein. Thomas vom Klub der Freunde, ebenfalls ein Favoritner, setzt sich zu uns und wir freuen uns gemeinsam über den quasi perfekten Monat Oktober. Die S80 ist eine perfekte Verbindung zum Hauptbahnhof und dann sind es nur noch ein paar Schritte nach Hause „zum Rapport“, um zu berichten, was denn alles los war, beim Spiel und rund um das Spiel.

Jetzt ruft Christian an und beschwert sich, warum wir nicht im Stags Head eingekehrt sind. Es stimmt, aber man muss das natürlich vorher vereinbaren. Nächstes Mal.

Heimweg

20:00 Wir – Florian und Franz – diskutieren in der Fußgängerzone über das Spiel, über unser Stürmer und mitten in der Favoritner Nacht tönt eine Stimme: „Seavas Franz“.

Wir wohnen zwar in Favoriten, dass uns aber jemand auf der nächtlichen Favoritenstraße grüßt, das ist schon eine Überraschung. Dazu muss ich ausholen: nach irgendeinem Spiel im Vorjahr fuhren wir am Hauptbahnhof mit der Rolltreppe als uns jemand gefragt hat, ob wir die „Fialas“ wären. Ja, das wären wir! Christian mit seiner Frau und ihrem Sohn Pascal kannten uns von unserem Newsletter.  Sie wären Mitglieder beim Stehtisch Grün-Weiß. Sie luden uns auf ein Bier im Columbusbräu ein und seit dieser Zeit fühlten wir uns fast ein bisschen als assoziierte Mitglieder beim Stehtisch Grün-Weiß. Thomas, der Obmann, ist Kellner im Gasthaus „Engelhart“. Wenn Du einmal Sehnsucht nach Wiener Küche hast, besuche dieses Gasthaus in der Karolinengasse in Wien 4., etwa in der Mitte zwischen den Stationen U1-Taubstummengasse und U1-Hauptbahnhof. Das ist auch der offizielle Treffpunkt des „Stehtisch“. Wir waren schon einige Male bei ihm.

„Seavas Franz“ ist OK – wenn es im Stadion ist, aber in Favoriten? Christian hat seinem früheren Stammlokal, dem Columbsbräu den Rücken gekehrt und gastiert derzeit im „Bernado“, einer kleinen Bar am Rande vom Columbus-Platz. Und dort zahlt er die erste Runde. Wir folgen seinem Beispiel und schließen uns mit einer Runde Nuss an. Wie viele Achterln es schließlich insgesamt waren, kann ich nicht mehr genau sagen. Es war jedenfalls eine lustige Runde von Rapidlern, die manchmal auch durch anpassungsfähige Austrianer verstärkt wird.

Besonders interessant für Rapid-Amateur-Soziologen war Christians Sohn Matthias aus Rostock (ja, moderne Patchwork-Familien können kompliziert sein). Matthias lebt schon seit zehn Jahren in Österreich. Trotz seiner unüberhörbaren deutschen Herkunft ist er mit dem Wiener Fußball als Rapid-Fan verbunden und erinnert an die Migrantenfamilie aus den Buch/Bühnenstück „Cordoba, das Rückspiel“ von Florian Scheuba, erwähnt im Beitrag „Integration am Fußballplatz“.

Wieder daheim

22:00 Stadionzeitung einscannen, Daten vom Spiel in die Datenbank eintragen, Rapid-Berichte rund um das Spiel in die Meldungsdatenbank aufnehmen, Bilder auf die Festplatte kopieren, nachbearbeiten und auf OneDrive publizieren. Bericht über das Spiel beginnen aber es ist schon 01:00, daher schnell noch die Pressemeldungen des Tages erfassen und als Newsletter versenden. Der restliche Bericht und der Versand des Newsletters wird am Sonntag erledigt.


Man muss vorausschicken, dass in der Zeit, als wir begannen, Spiele von Rapid zu besuchen, wir viele Jahre niemanden im Stadion gekannt haben. Damals hatte ich berufsbedingt ohnehin sehr viele Begegnungen an einem Tag, aber mit der Pensionierung war das mit einem Mal Geschichte.

In diesem Bericht über einen Spieltag kommen ca. 30 Personen vor, die wir durch das konsequente Besuchen der Spiele von Rapid im Laufe der Jahre kennen lernten durften. Hier werden die wichtigsten abgebildet:

Katalysator Fußball

Wer von Euch einen Hund hat, wird den Umstand kennen, dass Hundebesitzer allein durch die Anwesenheit des Hundes viele Gleichgesinnte kennen lernen. Funktioniert natürlich auch mit Kleinkindern oder auch mit einem speziellen Interessengebiet, etwa wie Fußball. Aber beim Fußball ist die Vielfalt der Kontakte ziemlich einmalig.

Fußball schlägt Brücken zu Menschen, denen man im Alltag nie begegnen würde. Manchmal habe ich den Eindruck, als wäre Fußball überhaupt nur deswegen so populär. Ein Fußballspiel bringt Menschen zusammen, die ohne dieses Element „Fußball“ nie zusammen kommen würden. Das Spiel ist ein Katalysator der Brücken zwischen Welten schafft.

Rapid-Admira

1:0 (1:0)

Die erste Halbzeit war durchaus vielversprechend, und es hätte auch noch ein 2:0 werden können, aber es wollte eben nicht sein.

Und so waren wir einigermaßen überrascht, dass wir in der zweiten Halbzeit viel zu oft auf dasselbe Tor gestarrt haben wie in der ersten, sprich, dass der Gegner sich mächtig angestrengt hat und wir in ständiger Gefahr waren, den Ausgleich zu kassieren.

In der ersten Halbzeit hatte man das Gefühlt als würde es die Admira darauf angelegt haben, auf 0:0 zu spielen, also kein Gegentor zuzulassen. Bis zu 26. Minute hat das auch funktioniert aber die dann folgende Kombination war von der Sorte „perfekt“. Alles was wir vorher und nachher gesehen haben, mangelte an dem Umstand, dass eben alle Spielzüge perfekt sein müssen, wenn ein Tor gelingen soll, und das war leider sonst nie der Fall.

Da die Strategie, kein Gegentor zuzulassen, aber nicht aufgegangen ist, musste die Admira in der zweiten Halbzeit mehr für das Spiel tun, was auf den Rängen eine verständliche Nervosität hervorgerufen hat. Wenn man bei schon fortgeschrittener Spielzeit beobachten muss, wie hochkarätige Chancen vernebelt werden, steigt natürlich die Sorge um den möglichen Ausgleich.

Der Ausgleich ist aber der Admira schließlich nicht geglückt.  Gut für Rapid – in diesem Spiel. Ob uns aber dieses Spielglück erhalten bleiben wird, darf bezweifelt werden.

Der Sieg war insgesamt verdient und er hätte auch viel höher ausfallen können. Man fragt sich daher, warum das nicht der Fall war. Sehr viele trickreiche Kombinationen wurden perfekt begonnen, scheiterten aber am Abschluss.

Minimalismus

Manche Phasen während einer Saison haben eine so deutliche Charakteristik, dass man sich diesem Eindruck kaum entziehen kann, obwohl man als gelernter Techniker weiß, wie mächtig Zufall sein kann. Unsere derzeitige Spielphase könnte man als „fußballerischer Minimalismus“ bezeichnen. Ein knapper Sieg genügt, ein 1:0 zum Beispiel, und das Ziel, die drei Punkte, ist mit minimalem Aufwand erreicht.

Stürmerproblem

Dass Rapid immer nur mit einem Tor Differenz gewinnt, hat Ernst Baumeister, der Trainer der Admiraner, ironisch bei einem Interview bestens beschrieben: „Wer soll bei Rapid die Tore schießen?“ Es ist sicher kein Zufall, das Goran Djuricin beide Stürmer ausgetauscht hat. Jeder von unser hätte das auch getan. der eingewechselte Joelinton zeigte ab seiner ersten Spielminute, dass er spielerisch eine Klasse höher einzustufen ist als Berisha und Kvilitaia, dass er aber vor dem Tor so etwas wie eine „Tötungshemmung“ hat, die dazu führt, dass bei Rapid praktisch nur Mittelfeldspieler zu Torerfolgen kommen, weil die Stürmer in der Mitte nicht durchkommen.

Ohne jetzt den folgenden Sager auf einen konkreten Spieler beziehen zu wollen, scheint er doch ganz allgemein zu gelten, und er stammt von Gregor:

„Die Rapid-Stürmer haben einen Torinstinkt wie ein totes Pferd.“

Die Rapid-Stürmer würden sich vielleicht in einer Regionalliga ganz gut präsentieren aber wie sie es in eine österreichische Spitzenmannschaft geschafft haben, das ist ein Rätsel, das nur die betroffenen Sportdirektoren und das Rapid-Scouting beantworten können

Dass bei Rapid Spartentrainer für Sturmer am Werk sind, das merkt man eigentlich nicht. Man kann aber wahrscheinlich nur etwas verbessern, wenn es in Ansätzen vorhanden ist…

Schon in der Zeit eines Toni Polster hat man selbigen dafür kritisiert, dass er immer nur herumstehe und man sich fragt, welche Aufgabe er am Feld habe. Toni hat spätestens beim Spiel gegen die DDR am 15.11.1989 die Antwort gegeben und alle drei Tore für Österreich erzielt. Aber der Toni hatte etwas,  was den Rapid-Stürmern ziemlich abzugehen scheint: den Torinstinkt. Man kann diesen Instinkt offenbar nicht erlernen, man muss ihn haben. Die Stolperkunststücke eines Veton Berisha bei diesem Admiraspiel machen den Eindruck, als müsse man dem Spieler bei Rapid die Elemente des Fußballspielens noch beibringen. Und die jeweiligen Sportdirektoren – es ist jetzt schon  der zweite – müssen sich die Frage stellen lassen, welcher Scout da bei Auswahl wohin geschaut hat. Dass man für diesen Stürmer-Posten nicht auch einen Nachwuchsspieler heranziehen könnte, kann man einfach nicht verstehen.

Als Laie fragt man sich, wie es dazu kommt, dass Spieler für Tor, Verteidigung, Mittelfeld oder Sturm ausgewählt werden. Es kommt mir oft so vor, als würden die Könner unter den Spielern, das Mittelfeld besetzen, die etwas Kräftigeren die Defensive und die technisch weniger Begabten den Sturm. Erst wenn wir Stürmer erleben, die zu der Position nicht „abkommandiert“ wurden und diesen besonderen Instinkt und eine bessere Technik haben, dann sind sie – wie Robert Beric – nach einer Saison weg.

Ambiente

Bei den zwei Dezemberspielen des Vorjahres waren noch weniger Besucher im Stadion aber die 16.800 waren schon ziemlich wenig. Man möchte meinen, dass Rapid die beiden Derbys verloren hätte und die Zuschauer deshalb zu Hause geblieben sind. Man muss Feste feiern, wenn sie fallen und die Choreografie erinnert denn auch daran: „Die Nummer Eins in Wien sind wir“.

Ob man es vergessen hat oder der Wetterbericht zu schlecht war, jedenfalls haben die sonst üblichen Bundesländer-Fahnen auf der Osttribüne bei diesem Spiel gefehlt.

Florian, Patrick und Joe, Freunde aus dem Marchfeld besuchen das Spiel.

Eindrucksvoll, wenn die West das „Rapid bin ich…“ anstimmt.

Optimismus

Wir haben mit einer deutlichen Überlegenheit gegen die stärkste Mannschaft der letzten Wochen gewonnen, das sollten wir nicht vergessen. Auch die Admira hat eine sehenswerte Serie hingelegt und ihre Ergebnisse überragen im Einzelfall die von Rapid. Dass man gegen ein so starkes Team nicht gleich einen Kantersieg feiern wird, war abzusehen. Umso optimistischer kann uns das für das kommende Spiel gegen Sturm machen.

„Es ist noch nichts erreicht“

Genau das sagte unser Trainer bei einer der letzten Pressekonferenzen. Man kann seine Worte auch sehr schön grafisch darstellen und zeigen, was passieren muss, damit „etwas erreicht ist“.

Das Highlight dieser Grafik ist natürlich der steil nach oben zeigende Kurzzeitmittelwert über jeweils 10 Spiele. Worauf es aber ankommt, ist die fast nicht sichtbare strichlierte Linie unmittelbar oberhalb der quadratischen Spielergebnisse in der Mitte. Das ist der Mittelwert über alle dargestellten Bewerbspiele und der liegt derzeit bei etwa 0,05 {-1…0…+1}. Erst wenn es geschafft ist, dass sich diese Linie am Ende der Saison so irgendwo im Bereich 0,2..0,4 befindet, liegt man auch im Spitzenfeld der Tabelle. Wie hoch dieser strichlierte Mittelwert liegen muss, hängt natürlich von der Konkurrenz ab. Im Meisterjahr 2007/08 betrug der Mittelwert von Rapid über alle Ligaspiele 0,22 und das hat in dieser Saison zum Meistertitel genügt. Im Jahr darauf war dieser Wert bei 0,35 und das hat nicht genügt, weil RB einen noch höheren Erfolgsmittelwert erreicht hat. Die abgelaufene Saison war eine der wenigen Saisonen der Rapid-Geschichte, mit einem negativen Erfolgsmittelwert.

So schön also dieses „Zwischenhoch“ ist, was wir brauchen ist eine stabile „Schönwetterphase“.

Luft nach oben

Ja, sechs Siege in Folge, das gab’s schon lange nicht, zuletzt zwischen 10.5. 2012 und 28.7.2012. Aber so was ganz Besonderes ist das auch wieder nicht. Die längste Siegesserie über Bewerbspiele umfasst nämlich 12 Siege zwischen 20. 6. 1987 und 29. 8. 1987, die längste niederlagenfreie Serie umfasst 33 Spiele zwischen 2. 5. 1987 und 17. 10. 1987 (Meisterjahr).

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Austria-Rapid

1:2 (0:1)

Zwei Derbys in vier Tagen und dabei zwei Siege, das gibt es nicht oft. Genau genommen war das überhaupt noch nie der Fall. Es war etwas Einmaliges, das wir in diesen Tagen erleben durften.

Das erste Tor, eine sehenswerte Aktion, eingeleitet nach einem präzisen Auswurf von Tobias Knoflach direkt auf Philipp Schobesberger, der mit einem Sololauf über das halbe Spielfeld auf Stefan Schwab gepasst hat, dieser sieht den in den freien Raum sprintenden Thomas Murg, der dann perfekt abschließt.

Das Gegentor gehört nach unserer Einschätzung Tobias. Er hätte eigentlich etwa näher zum langen Eck stehen sollen, weil die Vorwärtsbewegung bei einem kurzen Ball einfacher ist als die Rückwärtsbewegung bei einem langen Ball – wie man auch gesehen hat.

Der Siegestreffer war von der Sorte „sehenswert“. Eigentlich hätten wir uns Thanos Petsos als Exekutor gewünscht, aber so war es natürlich besser! Praktisch ohne Anlauf, fast aus dem Stand, trifft Philipp Schobesberger mit einem „Präzisionsschuss“*) exakt die Ecke. Der Tormann stand richtig, reagierte richtig aber er war entweder etwas zu klein oder eben war der Ball zu präzise in der Ecke.

*) Wie alle diese Schüsse kann man diesen Schuss kaum wiederholen und daher kann man nicht von „Präzision“ sprechen. Es war ein Schuss von der Sorte „einmalig“, der unseren Paradestürmer leider wieder etwas begehrter macht.

Betrachtet man die brenzligen Situationen auf der Gegenseite mit zwei handsverdächtigen Situationen von Stefan Schwab und Stefan Auer.  sowie ein ziemlich riskantes Abspiel von Tobias Knoflach, das zum Glück als Foul gewertet wurde und auch noch die zwei Lattenschüsse, dann sieht man wie nah Erfolg und Misserfolg beisammen liegen und man anerkennen muss, dass bei allen knappen Partien sehr viel von Schiedsrichterentscheidungen und von situationsbedingten Zufällen abhängt.

Überhaupt haben wir Philipp Schobesberger, dem Vater der beiden Derbysiege zu danken!

Abstand zwischen Derbys

Dass zwei Spiele gegen dieselbe Mannschaft unmittelbar aufeinander folgen, das hatten wir zuletzt schon gegen Kärnten unter Peter Pacult, im Frühjahr gegen St.Pölten und jetzt eben gegen die Austria. In der langen Wiener Fußballtradition gab es so kurze Zeitabstände gegen die Austria schon mehrmals:

  • 2 Tage: 3. September 1981 Cup (N) und 5. September 1981 Liga (U)
  • 3 Tage: 22. Oktober 2017 Liga (S) und 25. September 2017 Cup (S)
  • 4 Tage: 9. Mai 1971 Cup (N) und 13. Mai 1971 Liga (S)
  • 5 Tage: 12. April 1974 Liga (S) und 17. April 1974 Cup (N)

Wie man sieht, war ein Doppelsieg nie dabei.

Cup-Spiele im Ernst-Happel-Stadion (Praterstadion)

Das erste Cupspiel gegen die Austria im Praterstadion fand am 8.5.1946 statt. Seither gab es im Praterstadion gegen die Austria im Cup folgende Siege: 27.5.1958. 4.5.1966, 14.5.1969, allerdings waren das alles Rapid-Heimspiele.

Dieses Spiel vom 25. Oktober 2017 hat eine historische Dimension. Es ist der erste Cup-Auswärtssieg gegen die Austria im Happel-Stadion und der erste Cup-Auswärtssieg im Ernst-Happel-Stadion seit  4. November 1937 (damals gegen den FAC (6:4)).

Rekordmeisterbar für Deine kleine Feier?

Ich bin sicher, dass man die Rekordmeisterbar in den Abendstunden für private Feste inklusive Service mieten kann, etwa für einen Fanklub. Ebenso sicher ist, dass das nicht billig sein wird. Man kann es aber auch umsonst haben. In dem man – so wie wir – ein Auswärtsspiel in der Rekordmeisterbar besucht. Unsere kleine Runde von 6 Personen hatte die Bar inklusive allerfreundlichster Bedienung ganz für sich allein.

Im Bild: Philipp, Mario, Florian, Arnold und Gregor.

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Einladung zur Podiumsdiskussion

Der Club 2×11, gemeinsam mit Büchereien Wien, ballesterer, fairplay Initiative und tipp3 laden zur Podiumsdiskussion

Kommerz und Kapital: Kapituliert der Fußball?

Mittwoch, 8. November 2017 19:30, freier Eintritt
Hauptbücherei, Urban-Loritz-Platz, 3. Stock

Im Sommer 2017 brachen alle Transferrekorde im Fußball, von Marko Arnautovic bis Neymar. In den großen Ligen sprudelt globales Kapital, der Besitz europäischer Klubs ist ein Prestigeprojekt für die reichsten Männer der Welt. Mit der boomenden chinesischen Liga gibt es einen neuen Mitbieter für Stars. Auch der Fernsehmarkt ist durch Streaming, Mobildienste und das Ende des analogen Zeitalters im Umbruch, und TV-Rechte werden zu Höchstpreisen gehandelt.

Was bedeuten diese Entwicklungen für den österreichischen Markt? Wie reagieren Vereine, Liga und TV-Anbieter? Wer profitiert von der neuen Fußballwelt – und wer sind die Verlierer?

Podiumsdiskussion mit

Markus Kraetschmer, Vorstand FK Austria Wien, Bundesliga-Vizepräsident
Oliver Prudlo, Vereinigung der Fußballer & Ex-Bundesligaprofi
Hans Peter Trost, ORF-Sportchef
Michael Wulzinger, Journalist (Der Spiegel) und Autor (Football Leaks)

MODERATION: Mona Müller (W24)


Ein Diskussion in Wien über ein Fußballthema ohne einen Vertreter von Rapid, das ist weniger als eine halbe Sache. Nicht, dass Rapid in einer so allgemeinen Frage eine völlig andere Position als Vereinsvertreter haben würde. Aber die Fronten zwischen Kommerz und Tradition scheint ja nirgendwo so angespannt zu sein wie bei Rapid. Für mich als Rapid-Anhänger wäre es interessant gewesen zu hören, ob es Unterschiede in den Standpunkten der beiden Großvereine gibt. Jede dieser Veranstaltung hätte mehr Gewicht und mehr Akzeptanz, wenn sie „proporz“mäßig immer auch von Vertretern der Großklubs beschickt werden würde. So werden wir uns mit den Ausführungen des Vorstands der Austria begnügen müssen.


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Austria Amateure – Rapid II

1:1 (1:0)

Etwas Sonderbares ist die Anordnung der Spielerkabinen auf dieser neuen Anlage. Während sich die Heimmannschaft in einem isolierten Kammerl unter der Gästetribüne (!)  umzieht, befinden sich die Gäste und das Schiedsrichterteam im Hauptgebäude der Akademie. Die Folge ist, dass die Heimmannschaft bei Spielbeginn diagonal über das Spielfeld laufen muss, um danach gemeinsam mit den jeweiligen Gästen wider zurück zur Spielfeldmitte zu traben. Da die Anlage neu ist, hat man das so gewollt.

Wie unpraktisch das situationsbedingt sein kann, zeigt eine Szene in den letzten Spielminuten, als sich ein Austrianer im Strafraum schwerer an der Schulter verletzt hat und unter nicht sehr freundlichen Schmährufen aus dem Rapid-Block in die darunter befindliche Umkleidekabine geführt wurde.

Man kann von der Tribüne diese Strafraumszenen selten im Detail wahrnehmen und sicher kann auch der Schiedsrichter nicht alles sehen. Wer weiß, ob diese Verletzung nicht auch die Folge eines strafwürdigen Fouls gewesen ist. So hat der Gegner nicht nur den Schaden, sondern auch den Spott, weil das Publikum der Meinung war, das das Spiel absichtlich verzögert worden wäre.

Dass die in der Tabelle vor uns liegenden Jung-Violetten im eigenen Stadion auf Konter spielten, zeigt die große spielerische Überlegenheit unseres Teams. Die Aufholjagd nach dem frühen Rückstand war wirklich schwierig und zermürbend. Mindestens 15 Abseitsstellungen wurden gegen Rapid II entschieden und gefühlt ebenso viele Corner konnten wir für uns verbuchen. Die vielen Abseitsentscheidungen veranlassten unseren Stadionsprecher Leo, die Spieler von der Tribüne aufzufordern, doch auf ihre Position zu achten.

Zu Schutz unserer Spieler muss man anmerken, dass ein Abseits ein „Vergehen“ ist, das ein Stürmer in den meisten Fällen nicht einmal absichtlich begeht, weil er gar keine Chance hat, im vollen Lauf zu beobachten, auf welcher Höhe er steht. Weitere Details siehe Beitrag „Gegen die Abseitsregel“.

Die erste Hälfte wurde um 6 Minuten verlängert, weil zwei Spieler nach einem Zusammenstoß mit den Köpfen länger verarztet und schließlich ausgetauscht werden mussten. Und kurz danach brachte der eingewechselte Toni Vastic die Violetten in Führung. Der Ball ging zwar an den Pfosten aber wie es der Zufall haben will, sprang er nicht wieder zurück ins Feld sondern ins Tor. Und gegen diesen Vorsprung ist Rapid in der Folge unermüdlich angerannt, bis zur 80. Minute, als der kurz zuvor eingewechselte Heinicker nach einem Missverständnis in der violetten Verteidigung den Ausgleich erzielte.

Es war vielleicht kein allzu hochklassiges Spiel aber sehr kampfbetont und vielen gelben Karten auf der Seite des Gegner und – wie kann es anders sein – auch bei Andi Dober. Aus meiner Sicht schmeichelt das Remis dem Gegner.

Ambiente

Eigentlich wollte ich dieses kleine Derby gar nicht besuchen. Aber weil es im Bezirk ist… Ich kann von meinem Fenster bis zu dem Hochhaus am Monte Laa sehen, hinter dem sich das Spielfeld befindet. Davor sieht man das Porr-Haus, in der Mitte das beleuchtete Amalienbad und rechts das Hochhaus vom Eisenstadtplatz.

Und so machte ich mich doch noch auf den Weg. Es ist für Gäste nicht sehr gemütlich dort, auf der Laaer-Berg-Straße. Der Gästebereich ist vom Rest des Stadions durch eine Absperrung getrennt. Toiletten und einen Kiosk gibt es im Gästebereich nicht. Zwei Mal musste ein Ordner Rapidlerinnen zur den Toiletten geleiten.

Eine Kiste Bier für die Gäste

Die „Kantine“ ist eine, ambulant über den Rasen gekarrte, Bierkiste. Alkoholfreie Getränke oder Speisen gibt es nicht. In der Pause gibt es auch das Bier nicht mehr, wahrscheinlich war es rationiert.

Unruhe

Üblicherweise verlaufen Spiele in der Regionalliaga unspektakulär – mit Ausnahme solcher kleinen Derbys, die Zuschauer anlocken, die offenbar nicht wegen des Spiels kommen, sondern um etwas auszuleben, das in meinen eigenen Genen unterentwickelt zu sein schein. Waren es beim der letzten Heimniederlage die entbehrlichen antisemitischen Äußerungen, die in der Folge zu Stadionverboten geführt haben, so waren es bei diesem Spiel ebenso entbehrliche Umstände, die ich hier als Unbeteiligter zusammenfasse:

Der Besuch war für ein Spiel von Rapid II auffällig gut, etwa 300 Besucher wurden gezählt. Aber es waren Besucher da, die man sonst bei Spielen in der Regionalliga nicht sieht.

Es war noch vor Spielbeginn oder in den Anfangsminuten, als mich ein Besucher fragte, ob ich ihm meine Eintrittskarte geben kann, er würde sie sammeln. Zunächst hat mich nicht gewundert, dass er eigentlich selbst eine Karte haben müsste, vielleicht ging es ihm beim Sammeln ja auch um die Menge der Karten. Zur Sicherheit habe ich die Karte fotografiert, bevor ich sie ihm schenkte – und gut war’s!

Für normal Sozialisierte ist eine Absperrung eben eine solche; aber nicht für etwa sechs großgewachsene, äußerlich nicht als Rapidler deklarierte Burschen, die den bei der Absperrung stehenden Ordner einfach übergangen sind und sich auf den Weg Richtung gegnerischer Fantribüne machen wollten. Sie kamen aber nicht weit, denn nach einigen Metern wurden sie von zwei Polizisten wieder zurückgedrängt. Und es dauerte nicht lang, dass die Dichte der Polizisten größer wurde, bis schließlich gegen Spielende wir von etwa 25 bewehrten Polizisten und Wega-Beamten umringt waren, wodurch die Sicht auf das Geschehen am Spielfeld stark beeinträchtigt wurde.

Die Menge der Polizisten steigerte sich ziemlich und erreichte schon fast die Zahl der Besucher (siehe Bilder, bitte unbedingt  Bericht und Bilder von Brucki anschauen!).

Man weiß nicht recht, ob man es Glück oder Pech nennen soll, dass wir durch die Polizeipräsenz keine entscheidenden Szene verpasst haben, denn es blieb schließlich beim 1:1.

Beim Ausgang entwickelte sich ein Stau, weil die Eintrittskarten kontrolliert wurden. Da ich meine hergeschenkt habe, benutzte ich das Bild von der Kamera, um rauszukommen und das ist auch problemlos gelungen. Es war wohl weniger dem Bild, sondern eher meinem fortgeschrittenen Alter zuzuschreiben, dass ich raus konnte. Ich passte nicht in das „Beuteschema“ der Polizei.

Vor dem Ausgang stand eine lange Reihe von Polizeifahrzeugen, die offenbar im Verlauf des Spiels angefordert wurde, weil sich größere Gruppen getarnter, und durchaus rauflustiger“Rapidler“ Zugang verschafft haben, ohne zu zahlen; daher auch die Kontrollen.

Ja, diese anarchischen Gruppen werden auch zu Rapid gezählt und ihre eigene Rechtshilfe erzählt ihnen leider zu wenig, dass man als Besucher einer Veranstaltung den geforderten Eintrittspreis zu bezahlen hat. Und wie wir aus allen diesen Erlebnissen ableiten können, wird es wohl weniger um den Eintrittspreis gehen als um das Nicht-Akzeptieren-Wollen von Regeln.

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Abschied

Um eines beneide ich unseren Gegner, um sein Abschiedslied „Viola per Sempre“; nicht um die Strophen (die man als fußballhistorisches Zeitdokument verwenden kann), nein um den Refrain geht’s mir, denn in diesem sehr melodiösen Teil werden sehr geschickt verminderte Akkorde*) eingesetzt, wie man es auch von Wienerliedern kennt. Es ist ein elegisches Lied, das man nach einer Niederlage genau so gut spielen kann wie bei einem Erfolg. Es wirkt insgesamt versöhnlich.

Und weil er in diesem Lied auch eine der Strophen spricht, hier im Bild Andi Ogris auf der Trainerbank:

*) Ein verminderter Akkord besteht drei kleinen Terzen. Aufbauend auf dem C sind das: C-Dis-Fis-A. Es gibt nur drei verschiedene solcher Akkorde: C, Cis, D. Danach folgt Es und das ist bereits Teil des ersten Akkords. Ein solcher Akkord steigert einerseits die Spannung, ist aber selbst kein abschließender Akkord sondern verlangt von seinem Charakter nach eine danach folgenden Auflösung, ähnlich wie die Septime. Im Wienerlied wird der verminderte Akkord  meist als die letzte Steigerung innerhalb einer Strophe verwendet, um also einen bestehenden Klangeindruck noch zu übertreffen.

Austria-Rapid

0:1 (0:0)

Eine prognostizierte Schwäche der Austria war vielleicht in der Anfangsphase spürbar, verflüchtigte sich aber im Laufe des Spiels, weil uns keine Tore gelungen sind.

Gut, dass sich die Dinge nicht identisch wiederholen, auch wenn sie sich zunächst ganz ähnlich anfühlen.

Gemeint ist der späte Ausgleich nach einer Roten Karte im ersten Auswärts-Derby mit Damir Canadi im Februar nach der Winterpause. Damals wurde Joelinton ausgeschlossen (eher nicht zurecht), heute war es Galvao (eher zurecht).

Aber es war ähnlich knapp und wir hatten heute das glücklichere Ende für uns.

Dass man hätte auch schon Elfer für Rapid (nach einem Foul von Holzhauser an Schobesberger) oder für die Austria (nach einem absichtlichen Hands von Stefan Schwab nach einem Freistoß) geben können, zeigt, wie nahe Sieg und Niederlage beisammen liegen.

Rekordmeisterbar

Was sich aber wiederholt hat, war unsere Abwesenheit im Stadion. Wir waren zuletzt beim 4:1-Sieg von Rapid im Prater. Die damaligen sehr unangenehmen und aggressiven Begleitumstände haben uns bewogen, kein Geld mehr in die Austria-Kasse zu spenden und uns dieses Spiel in der Rekordmeisterbar anzuschauen.

Und wieder waren wir mit Markus und Georg an einem Tisch. (Beachtet die leeren Sitze im Hintergrund. Beispiel spiel im Februar war der Besuch besser.)

Was wäre wenn…

…die Rapid-Anhänger ebenso geschlossen wie sie in anderen Situationen auftreten, einmal das Auswärtsderby nicht besuchen würden. Einfach nur, um zu zeigen, in welch gebrechlichem Zustand sich die Fankultur des Stadtrivalen befindet.

Nehmen wir an, dass ein attraktiver Gegner zur Austria kommt, sagen wir Sturm Graz. Dann kommen ca. 6.000 Zuschauer (20. Juli); und davon sind 1.000 Grazer.

Rapid erweckt den Gegner nicht nur am Feld zum Leben, auch in der Zuschauerstatistik. Es wird von etwa 14.000 Zuschauern gesprochen. Davon sind geschätzt 9.000 Rapidler.

Es wird nur mehr ein Auswärtsderby im Prater geben. Ich schlage vor, wir bleiben einfach daheim und veranstalten in Hütteldorf ein Public Viewing.

Ob das ein Nachteil für das Ergebnis wäre?

Glaubt man dem Autorenteam von „Der Fußball . Die Wahrheit“, neigen Zuschauer ihren Einfluss auf das Geschehen zu überschätzen. Das wird im Kapitel „Das Publikum zeigt Gelb“ dargelegt. Und daher müssten wir uns um einen solchen Nachteil keine Sorgen machen. Der Nachteil eines leeren Stadions ist viel geringer, als man annehmen würde.

Die Stürmer

Die Spiele vergehen, und wir Zuschauer können das Pech oder Unvermögen unserer Stürmer nicht mehr verstehen. Die Flanke von Schaub auf Kvilitaia war sicher kein leichter Ball aber dieses sich permanent wiederholende Pech beim Abschluss ist einfach zermürbend.

Welche Gründe dafür gesprochen haben, schon wieder einen durchschnittlich qualifizierten Ausländer (Veton Berisha) als Stürmer anzuheuern und stattdessen einen inländischen Nachwuchsstürmer (Alex Sobczyk) nach St. Pölten zu verleihen, bleibt für uns ein Rätsel. Dem jungen Spieler würde man Schwächen eher nachsehen, er kann ja noch lernen; aber die ausgerufene Doktrin war doch, dass ein Legionär klar überzeugen muss, wenn er aufgestellt wird. Es mag sein, dass das im Training der Fall ist, im Spiel sieht man es jedenfalls nicht.

Das Juwel

Zeitungen neigen zum Übertreiben und sprechen von einem „Ultimatum“, dass Rapid an Philipp Schobesberger gestellt haben soll. Philipp wird wohl im Sommer gehen wollen und damit er auch von potentiellen Arbeitgebern wahrgenommen wird, wird er sich hoffentlich in der laufenden Saison bei Rapid so in Szene setzen, wie er das in den letzten Spielen gemacht hat. Und es wäre ein fairer Zug von ihm, wenn er dennoch einen Vertrag bei Rapid unterschreiben würde. Bei seinen Qualitäten wird sich problemlos ein Verein finden, der eine Ablösesumme für ihn hinblättert. Ein vertragsloser Abgang hätte einen Hauch von Undankbarkeit an sich, denn die Investitionen von Rapid in seine Gesundheit waren ja auch nicht ohne.

Hoffnung

Die Erfolgskurve zeigt klar nach oben (wie knapp die Ergebnisse waren, berücksichtigt sie nicht).

Ambiente

Wir waren nicht dabei und haben uns an Fotos von Rositta orientiert. Der Austria-Sektor titelte: „Erhebt Euch von den Plätzen, den ungeniert ziehen wir Euch in unseren Bann. Schaut Euch alle das fanatische Spektakel zu, 15. Jubiläum der Fanatics an.“ Die Lords konterten mit „Strizzis & Ganoven“. So wirklich dürfte beides niemanden von den Sitzen gerissen haben.

Wenn man den kleinen Haufen Austrianer in dem riesigen Oval sieht, hat man den Eindruck, als bräuchte die Austria eher ein kleineres Stadion, damit es wenigstens ein bisschen voller ausschaut.

Aber diese Szene zeigt uns, dass eben weder Tradition noch Publikumszuspruch Fußball spielen. Beides stärkt unser eigenes Zusammengehörigkeitsgefühl aber am Spielfeld regiert der im Augenblick vom Zufall und den sonstigen Randbedingungen Begünstigte.

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Bilder aus dem Stadion von Rositta.

Rapidviertelstunde „Mitglieder-Sujet“

In der Rapidviertelstunde vom 20. Oktober wurde auch über die Herstellung des Sujets für Mitglieder-Werbung berichtet und das Tagebuch möchte dieses tolle Produkt auch auf seinen Seiten vorstellen.

Rapidviertelstunde vom 20. Oktober

  • Making Of Mitglieder-Sujet
  • Rapidler helfen Pink Ribbon
  • Fan feiert 105. Geburtstag
  • FIFA-Derby mit Mario Viska
  • Link zum Video

Mitglieder-Sujet

Eine Besonderheit der Webversion dieses Artikels ist, dass man mit einer Lupe Details im Bild betrachten kann, wenn man mit der Maus über das Bild fährt. So schaut das dann aus:

Zoombares Sujet

An dieser Stelle würde man sich wünschen, das Bild in einer größeren Auflösung zu haben, damit man die Details noch besser erkennen kann.

Hier auch noch eine zoombare Version eines Bildausschnitts (Sektor 11) aus der Rekordmeisterbar.

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Rapid II-Ebreichsdorf

1:1 (0:0)

Nach einer ereignisarmen ersten Halbzeit kommt Rapid II gut aus der Pause und steigert sich bis zum Führungstreffer, um sich danach unverständlicherweise bis zum Ausgleich einschnüren zu lassen.

Es ist interessant zu sehen, dass bei Rapid II mit einer Dreierabwehrkette ein von der Kampfmannschaft abweichendes aber durchaus erfolgreiches Spielsystem angewendet wird. Als Außenstehender fragt man sich, ob es bezüglich des Spielsystems so etwas wie eine einheitliche Linie durch alle Jugendmannschaften gibt oder ob es das Ziel ist, möglichst variable Spieler auszubilden.

Ist es die Motivation durch einen möglichen Aufstieg oder einfach ein „guter Jahrgang“, die Rapid II zu einer schon lange nicht erlebten Erfolgsserie treiben; wir wissen es nicht. Sollte ein solcher Aufstieg gelingen, wird es Rapid mit gemischten Gefühlen aufnehmen, denn dieser – sogar für die Regionalliga – erstaunliche Minimalaufwand auf West 1 würde in der zweiten Leistungsstufe wohl nicht ausreichen.

Aber dieses Szenario ist ohnehin nur eine Vision, denn die Mannschaften an der Tabellenspitze sind sehr zusammengedrängt und der optimistische dritte Tabellenplatz kann nach dem Wochenende zum Platz Sechs werden. Zwischen dem Ersten in der Tabelle, der Austria und dem Siebenten, Ebreichsdorf sind ja nur drei Punkte. Durch das Unentschieden gegen Ebreichsdorf und den gleichzeitigen Sieg von Bruck sind wir schon einmal um einen Tabellenplatz auf Platz Vier abgerutscht und können am Wochenende noch zwei weitere Plätze verlieren, wenn nämlich Horn und Karabakh einen Sieg holen. Dass man durch ein Unentschieden gleich um drei Plätze abrutschen kann, zeigt das Gedränge in der Tabelle.

Dazu kommt noch, dass durch die ungerade Anzahl von Mannschaften und die damit verbundenen spielfreien Tage, nicht alle Teams dieselbe Anzahl von Spielen haben. Bruck etwa hat um ein Spiel mehr und könnte daher noch überholt werden.

Das „Parken“ von Spielern der Kampfmannschaft bei Rapid II ist auch nicht immer eine Stärkung, wenn es darum geht, wirklich ganz vorne mit dabei zu sein.

Umgebung

Diese Pfosten bei der Autobusgarage haben es mir angetan. Eigentlich sollten sie durch eine Kette verbunden sein, damit die Leute nicht quer über den Platz laufen. Anfangs hat man die Absperrung noch recht ernst genommen aber irgendwie schafft man es nicht mehr, die Kette zu befestigen.

Kaffee in der Rekordmeisterbar und nachfolgendes Spiel von Rapid II sind eine sehr willkommene Kombination zum Wochenausklang.

Auf dem eindrucksvollen Riesenposter vom Eröffnungsspiel gegen Chelsea in der Bar findet man auch unsere Sitzreihe im Sektor 11:

Am Weg zur einsamsten Toilette der Regionalliga findet man folgende Erinnerung an den Sommer:

Überhaupt ist diese Nordwest-Ecke, in der sich früher das Rapid-Dorf befand, ein wenig genutzter Bereich im Stadion-Areal.

Diese ziemlich unpraktische Konstruktion eines Betonsockels für die Sprecherkabine behindert sie Sicht auf den kleinen Tribünen massiv. Sollte es jemals ein Thema werden, die Infrastruktur auf West 1 zu verbessern, wäre dieses Monster ein Kandidat für ein „Redesign“.

Die wenigen Rapid-Anhänger, die sich zu Rapid II-Spielen verirren, nehmen die Sache ernst, wie man sieht:

Viele prominente Gäste findet man auf der Tribüne: Goran Djuricin, Helge Payer, Carsten Jancker, Stefan Schwab, Georgi Kvilitaia und Mario Sonnleitner haben wir gesehen.

Im Bild Carsten Jancker und Giorgi Kvilitaia;

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Block West Echo #39

„Bitte kaufen, Block-West-Echo!“, würde Ján rufen.

Beim Spiel gegen St.Pölten wurde erstmals die Ausgabe 39 des „Block-West-Echo“ verkauft; Auflage 1312 Stück, 220 werbefreie Seiten um 7,- Euro. Das Motto der Ausgabe ist „40 Jahre Block West“. Professionell gestaltet, beste Qualität, herrliche Bilder! Bitte kauft Euch diese Ausgabe, sie wird sicher auch noch beim Admira-Spiel erhältlich sein. Um einen kleinen Eindruck vom Inhalt zu geben, zeigt das Tagebuch das Inhaltsverzeichnis und auszugsweise vier Seiten.

Inhalt

6, Stimmen der Kurve, Worte unserer Jungs vom Podest
8, Saisonrückblick, Rückblick Frührjahr 2017
42, 40 Jahre Block West, Im Gespräch mit Persönlichkeiten aus dem Block West
82, Zeitreise 40 Jahre Block West
92, 40 Jahre Block West – Das Fest
94, Stadionverbote, Oliver über das Testspiel in Eisenstadt und seine Folgen
102, Benni über die Zeit während seines Stadionverbots
108, UR sez. Gioventù, Mottofahrt Arbeiterklasse
109, UR Mannschaft, 2. SAF Szene Kick
110, Rechtshilfe Rapid, 5 Jahre RHR
111, Internationales Fanhilfetreffen
112, Österreich am Weg zum Polizeistaat, §274 StGß – wie der Staat dem revoltierenden Pöbel Einhalt gebieten will
120, Venedig, Eine Zeitreise mit unseren Freunden aus Venedig
130, Evviva gli sposi! Eine Hochzeit zweier Ultras von Veneziamestre
134, Panathinaikos, Saisonrückblick 2016/17
134, Athen Besuch März 2017
142, FCN UN Rückblick 2016/17
148, 15 Jahre UR & UN Hinspiel
154, 15 Jahre UR & UN Rückspiel
158, Mim Radl nach Nürnberg
164, Geschichte 15 Jahre UR & UN
174, Freundschaftschoreo
176, Making of
180, FCN – Dynamo
182, FCN-KSC
184, FCN-VfB
187, 3. Adrian Fiedler Gedenkturnier
188, 10 Jahre FCN Pokalsieger Feier
190, Pokalfinale 2007
192, Rapid in der Krise: Aussprache am Parkplatz & Aussendung
196, 5 Jahre Gladiatori
197, 5 Jahre SAF
198, Alfred Körner im Interview
202, Dejan Savicevic im Interview
208, Highlights unserer Spruchbänder
214, Sergej Mandreko schwer erkrankt
216, Genova: Derby & CFC Museum
219, Was wurde aus Jens Dowe?

Die Ausgabe fasst die Aktivitäten des Blocks zusammen. Natürlich sind alle Choreografien, Spruchbänder abgebildet und erklärt und auch alle Veranstaltungen und Freundschaften. Sehr vielfältig und insgesamt beeindruckend. Was es für einen Aufwand bedeutet, die Choreografien zu gestalten. kann man am zweiten Bild erahnen. Es ist wie mit dem Essen. Es dauert unter Umständen Stunden, es zu fertigen und dann ist es in wenigen Minuten verschwunden. Man widmet sich auch der Vergangenheit bringt Portaits von Alfred Körner und Dejan Savicevic.

Beim Impressum musste ich wieder einmal schmunzeln, steht doch dort, „Dies ist kein Erzeugnis im presserechtlichen Sinn, und es werden keine kommerziellen Interessen verfolgt…“ Es wird ja hoffentlich niemand klagen, aber der Satz zeigt die typische Lebensart des Blocks, die immer einen eigenen Rechtsraum für die eigenen Belange schaffen will. Dabei wäre das in diesem Fall ja gar nicht nötig, denn das Werk erweckt nicht den Eindruck, als wolle es sich dem Boden der publizistischen Gepflogenheiten entziehen. Vielleicht könnte die Sektion „Rechtshilfe“ die eigenen Leut‘ beraten, wie das mit der Impressumspflicht von Publikationen zu verstehen ist (betrifft übrigens auch die Fanhomepages, die sich durch Verschweigen von Verantwortlichkeiten in ähnlicher Weise tarnen). Es scheint einfach nur darum zu gehen, dass man keine allgemein akkordierten Regeln für das eigene Tun akzeptieren will, ganz egal, was das im Einzelfall ist. Man ist auch dagegen, wenn es gar nichts gibt, wogegen man sein könnte.

Diesen Nachsatz kann ich mir einfach nicht verkneifen, bitte aber die Leser sich nicht dadurch abhalten zu lassen, sich diese Ausgaben zu kaufen. Es ist für jeden etwas dabei. Es ist wichtig, die überwiegend positiven Aspekte der Fangruppierungen zu betonen und dazu gehört auch Solidarität zu ihren bemerkenswerten Aktionen zu zeigen, wie es eben diese Ausgabe des Block West Echo ist.

 

Rapid-St.Pölten

1:0 (1:0)

Würden wir unvoreingenommen in jedes Ligaspiel gehen, könnten wir uns mehr über Erfolge freuen. Anderseits kann man dem Publikum eine gewisse Überheblichkeit nicht verdenken, wenn wir sehen, dass gerade einmal 60 Anhänger von St. Pölten die „beschwerliche Anreise“ einer halben Bahnstunde nach Hütteldorf geschafft haben.

Unsere Einschätzung des Gegners ist auch die auch die der Buchmacher und daher empfinden wir alles, was bei der Quote 1,2 : 5,0 : 8,0 nicht ein Kantersieg ist, fast schon als eine Kränkung. Wir haben bis zur letzten Minute gezittert und unserem Tormann sei gedankt, dass er zumindest drei sehr gefährliche Schüsse bravourös pariert hat. Zwar war laut Spielstatistik das Schussverhältnis mit 21:8 für Rapid eine klare Sache, da aber nur die Tore zählen, hat es das Lederer-Team verstanden, alle diese Angriffe zu neutralisieren.

Dass es mit dem Trainerwechsel in St. Pölten nun aufwärts gehen wird, kann man nach diesem Spiel doch fast vermuten. Die Truppe von Oliver Lederer kann das schon in der nächsten Runde gegen den LASK unter Beweis stellen.

Scorer bei Rapid

Nachdem Louis Schaub wieder eine Torvorlage geliefert hat, hier ein Blick auf die aktuelle Scorerwertung der Bundesliga:

Die immer wieder kritisierten Schaub und Schwab sind immerhin sehr wichtige Stützen unseres Teams.

Warum man unsere Stürmer in dieser Tabelle nicht findet, liegt wahrscheinlich auch an der eher sonderbaren Einkaufspolitik von Rapid. Da hätte man mit Prosenik einen Inländer, dem man mit Stürmertraining vielleicht auf die Sprünge helfen könnte aber man kauft stattdessen weitere Ausländer, die dem Trainer das Aufstellen erschweren und eigentlich qualitätsmäßig nicht dem Anspruch genügen, der da einmal ausgerufen wurde, dass ausländische Spieler nur dann zum Zug kommen sollen, wenn sie deutlich bessere Leistungen bringen als inländische. Wir haben zwar einen „Berisha“ aber da ist nicht „Berisha“ drinnen. In welcher Hinsicht Veton besser sein soll als Prosenik, ist einem Zuschauer bisher verborgen geblieben. Da hätten wir mit Sobczyk einen Stürmer im Talon gehabt, den man hätte auch bei Rapid aufbauen können. Stattdessen holen wir mit Berisha einen Stürmer aus dem Ausland, der auch eher noch ein grundlegenderes Aufbautraining benötigt.

Tabellenvierter gegen Tabellenletzen

Ob nun dieser 1:0-Sieg der Tabellenvierten gegen den Tabellenletzten rapidwürdig war, zeigt ein Blick zur Premier-League. Dort spielte heute ebenfalls der Tabellenvierte Chelsea gegen den Tabellenletzten Crystal Palace – und verlor 2:1. Nur, weil man „Rapid“ oder „Chelsea“ heißt, muss es nicht immer „schnell“ aufwärts gehen – wie man am englischen Beispiel sieht.

Ambiente

Etwa eine Stunde vor Beginn sind alle Ordner auf ihrem Platz – Auch der Stand für die Mitglieder-Werbeaktion ist bereits besetzt –  Zucker wird beworben –  Jáns Armbänder und mehreren Lagen – Jáns Brustschmuck, alles erinnert ein bisschen an indianische Skalps – Ján sucht noch immer eine nette Frau – Die optimistischen Quoten – Rapid begrüßt den Gegner mit dessen Landesflagge – Unter größten Mühen erklimmt ein junger Mann die West-Tribüne.

Dekoration für die Röhrenmenschen

Man hat ein bisschen den Eindruck, als wären die Zuschauer der LowCost-Tribünen eine Art Dekoration für das Spektakel in der Röhre.

Alle reden von großartigen 24.000 Besuchern; und in österreichischen Dimensionen gedacht, ist dieser Spielbesuch in der Tat bemerkenswert. Aber diese Besucher zählen nichts, wenn’s ums Geld geht. Richtig viel Geld gibt’s nur in der Röhre.

Artig halten Yashi, Joey und Philipp das Transparent zur Pink-Ribbon-Kampagne in die Kameras, und zu den VIP-Gästen, aber die restlichen 22.000 sehen die Botschaft nicht. Und das ist nicht nur bei dieser Aktion der Fall, das ist auch in allen anderen Fällen so.

Könnte man nicht ein bisschen Bewegung in die Präsentation bringen und die statische und einseitig zur West gerichteten Choreografie etwas dynamischer gestalten, indem man das Transparent nach dem Foto-Shooting etwas durch die Gegend schleppt, damit auch das Publikum auf den billigen Plätzen die Botschaften lesen kann? Brustkrebs können schließlich alle bekommen, nicht nur die VIPs, oder?

Die Aktion des ÖFB gegen Diskriminierung hat bisher in Hütteldorf nicht Station gemacht, vielleicht kommt sie ja noch beim Admira-Spiel.

Rapid, eine echte Familie

Der noch vor dem ersten Weltkrieg geborene Otto Filipsky bekam von Andy Marek eine Stadionjacke und eine Zeman-Kappe als Geburtstagsgeschenk. Beachtlich! Sowohl, das Alter, das wir uns alle in dieser Fitness wünschen würden, aber auch das Familiäre dieser Gratulation, die immer wieder zeigt, dass hier eine Familie zusammen feiert. Erwähnenswert auch der auffällig starke Applaus, der die Anteilnahme des Publikums für diesen Rapid-Veteran gezeigt hat.

Ich schließe mich beeindruckt den Gratulanten an und wünsche Otto Filipsky alles Gute zum 105. Geburtstag und noch viele Spiele mit Rapid.

 

Mitgliedertag

Wir haben den Mitgliedertag genutzt und Freunden, die an Fußball interessiert sind, durch die Gratiskatenaktion zum Spiel eingeladen. Ilona, eine begeisterte Fotografin, hat sich mit einem tollen Geschenk revanchiert: ein Foto von unseren Plätzen auf der Ost im Sektor 11, gesehen von der Nordtribüne:

Andreas Schieder, Max Wehsely, Franz, Florian

Danke Ilona!

Choreografie

Im Hintergrund (eher schlecht ausgeleuchtet) eine grün-weiß-blau-rot-weiße-grüne Fahnenwand, davor ein Meer von Doppelhaltern. Was immer wieder beeindruckt, ist die Vielfalt der Ideen. Man hat als Betrachter den Eindruck als würden hier viele kreative Köpfe um die beste Gestaltungsidee konkurrieren.

Wien ist von St. Pölten in 30 Bahnminuten erreichbar (ca. 9,- Euro mit der Westbahn). Dass es nur etwa 60 Anhänger der dortigen Mannschaft nach Wien geschafft haben, zeigt von einer gewissen Lethargie der jungen Vereine was ihre Fanarbeit betrifft.

Go West

Im Block wurde auch die Ausgabe „Go West“ verteilt. Über den Link könnt Ihr Euch das Flugblatt downloaden. Herausgreifen möchte ich einen Satz zur Choreo: „Nach der Choreo wird alles wieder nach unten gegeben, wer sich etwas einstecken will, riskiert schwere Watschn!“ 🙂  In dieser Ausgabe des „Go West“ wird auch auf die Möglichkeit zur Teilnahme am Corteo am kommenden Sonntag hingewiesen. Treffpunkt Sonntag, 22.10. 13:12 beim Riesenrad. 

Ausklang

Wir bleiben gerne noch ein paar Minuten im Stadion, weil man danach den Heimweg ohne große Drängerei antreten kann. Auf den Monitoren wird die Pressekonferenz direkt  übertragen, was sehr löblich ist. Leider hat sich niemand die Mühe gemacht, sich das einmal vor Ort anzuhören. Man versteht nämlich kein Wort. Auch dann nicht, wenn man sich unmittelbar zu dem nächstgelegenen Lautsprecher stellt. Ziemlich verbesserungswürdig! Das betrifft auch die Übertragung von Andys Ansagen vor dem Spiel. Viele verbringen diese Minuten in den Katakomben unter den Rängen und die eine oder andere Information könnte durchaus ihren Adressaten finden, wenn, ja wenn man etwas hören würde.

Ein Blick von Sektor 12 auf die Siegesfeier in der Röhre.

Martina, vor den Vorhang

Bei der Heimfahrt in der U4: „Du, dort steht Martina!“ Wer ist Martina?“ „Na, unsere Facebook-Freundin!“

Normalerweise sprechen wir andere Rapid-Fans in der U-Bahn nicht ohne Anlass an, aber wenn sich einmal eine virtuelle Facebook-Freundin in der U-Bahn materialisiert, ist das schon etwas Besonderes und daher begrüßten wir sie. Martina war von Kopf bis Fuß grün-weiß gekleidet und nur von einem großen grün-weißen Rucksack begleitet. Ja, sie war natürlich auch beim Spiel und sie wäre jetzt am Weg zum Hauptbahnhof, denn dort ginge ihr Zug.

Also fuhren wir mit Martina auch noch mit der U1 und erfuhren, dass sie eigentlich aus Vorarlberg stammt und dass sie sich diese Fahrt nach Hütteldorf selbst zum Geburtstag geschenkt hat. Ziemlich verdattert standen wir da; wir, die wir noch nie bei einem Auswärtsspiel in Altach waren und jetzt sehen, wie einfach das geht. Martina wird morgen, etwa um 7:00 zu Hause ankommen; mit einem Sieg in der Tasche und mit dem tollen Erlebnis, bei einem Heimspiel von Rapid dabei gewesen zu sein.

Wir wünschen Martina auf diesem Weg eine gute Reise und freuen uns auf ein Wiedersehen, vielleicht in Altach!

Im Bild seht ihr Martinas Facebook-Profil-Bild.

Links

Sportklub-Rapid II

0:3 (0:0)

Ankick zum Spiel, Rapid spielt zuerst gegen die Friedhofstribüne.

Rapid II begann druckvoll und der Sportklub konnte sich kaum befreien. Auch gab es eine  „100%ige“*) Chance, die aber durch den Versuch, besonders trickreich sein zu wollen, eine solche blieb. Mit zunehmender Spielzeit erlahmten die Bemühungen der grün-weißen und der Sportklub wurde stärker. Nach der Pause intensivierte der Sportklub sogar seine Anstrengungen, eine Entscheidung herbeizuführen, doch die Tore fielen durch Grün-Weiß; vielleicht gerade deshalb. Insbesondere nach dem Führungstor durch Lukas Heinicker gab es starken Druck von „Schwarz-Weiß“ aber die hoch stehende und wegen der gleichzeitigen Offensivbemühungen ausgedünnte Sportklub-Verteidigung konnte die Tore durch Eren Keles und Paul Sahanek nicht verhindern.

Leider musste Tamas Szanto zur Pause verletzungsbedingt gegen Lukas Heinicker, dem späteren Torschüten, getauscht werden.

*) Diese beliebten Zahlenspiele im Zusammenhang mit einer „Chance“ sind eigentlich ein verbales Hoppala, denn jede „Chance“ ist nur eine Möglichkeit für einen Erfolg und keine Sicherheit. Jede Chance ist ist diesem Sinne hundertprozentig und die Angabe „Hunderprozentig“ ist überflüssig. Meint man aber mit der Prozentangabe die Wahrscheinlichkeit für ein Tor, dann hatte die beobachtete Szene eben nur – sagen wir – eine 80%ige Wahrscheinlichkeit zu einem Tor und diese wurde nicht genutzt. Im Sinne einer Wahrscheinlichkeit wäre nämlich eine 100%ige Chance ein Tor.

Spielszene aus der zweiten Halbzeit. Alle Offensivbemühungen des Sportklub konnten erfolgreich abgewehrt werden.

Tag der Esoterik

Bis zu diesem Spiel verlief der Tag eher unauffällig, „alles im grünen Bereich“, könnte man sagen. Wer mit der S-Bahn in Hernals ankommt, ist es gewöhnt, sich an dem Flutlicht zu orientieren, um den kürzesten Weg zum Stadion zu finden. Das habe ich auch gesucht, um Christian zu motivieren, wenigstens diese paar Schritte zu Fuß zu gehen. Doch das Flutlicht war nicht zu sehen, so, als wäre das Spiel abgesagt worden.

Aber es war alles in Ordnung, nur funktionierte das Licht nicht. Ein Elektriker musste her. Als ungeduldiger Stadionbesucher hatte man den Eindruck als müsste der Elektriker vom anderen Ende der Stadt geholt werden.

Daher begann dann auch das Aufwärmen stimmungsvoll im Halbdunkel und erst etwa nach einer halben Stunde blitzten die ersten Scheinwerfer auf und das Spiel konnte beginnen. Ein Dank dem unbekannten Spezialisten, der unsere Fußball-Welt am Laufen gehalten hat.

Aufwärmen im Haldbunkel. Zwar belichtet die Kamera entsprechend länger, doch durch die lange Belichtungszeit sind die Spieler ziemlich verwackelt.

An dieser Stelle wurde den meisten bewusst, dass das anders hätte gar nicht kommen können, denn es war ja Freitag der Dreizehnte – und irgendwie muss sich ja – für Esoteriker – das Datum bemerkbar machen.

Aber das Datum sollte noch einmal zuschlagen, denn etwa sechs Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit, hatte ein Zuschauer auf der Haupttribüne eine Herzattacke und wurde zuerst von den Sanitätern, dann vom Notarzt versorgt, bis er schließlich unter Applaus des Publikums zum Rettungsauto gebracht wurde. Während dieser Zeit war das Spiel unterbrochen und die Spieler wärmten am Spielfeld auf.

Bis zu diesem Zeitpunkt war noch kein Tor gefallen und eigentlich hatte man schon ein bisschen das Gefühl, dass die Partie torlos enden könnte, doch dann ging es schnell – und zugunsten von Rapid II.

Niemand weiß, wie das Spiel ohne diese Zwischenfälle ausgegangen wäre…

Rapid II befindet sich derzeit auf Tabellenrang drei, allerdings sind die Spitzenteams dicht gedrängt und die Reihenfolge kann sich von Spiel zu Spiel stark verändern.

FARE Aktionswochen

Die von der UEFA und vom ÖFB jeweils im Oktober ausgerufenen FARE Aktionswochen gegen Ausgrenzungen jeder Art wurden am Sportklub-Platz durch eine Aktion der „Freundinnen der Friedhofstribüne“ unterstützt. In diesem Zusammenhang eröffnete Christiane Brunner, Nationalratsabgeordnete der Grünen,  das Spiel.

Schiedsrichterteam mit Dame am Weg zum Mittelkreis

Mannschaftsaufstellung mit Anti-Diskriminierungs-Transparent, das während des Spiels auf der Friedhofstribüne hängt.

Wir werden in der aktuellen Bundesligarunde beim Spiel gegen St. Pölten eine ähnliche Aktion erleben. Wahrscheinlich aber nicht, weil das mitgebrachte Transparent „Kein Platz für Diskriminierung“ wohl nur von der West-Tribüne gelesen werden kann – aber wir werden das am Abend sehen.

Spiel in Dornbach, etwas Besonderes

Für uns, Besucher der Spiele von Rapid II, ist die Fahrt nach Dornbach ein echtes Highlight. Endlich ein Spiel, bei dem nicht nur ein paar Unentwegte das Spiel verfolgen sondern eine echte Anhängerschaft. Ein Zuschauerinteresse, von dem man in Hütteldorf-West-1 nur träumen kann.

Eine sehr informative  Stadionzeitung gibt Auskunft über die Interna beim Verein.

Der Buchstabenkonflikt zwischen den beiden Gruppierungen „Sportklub“ und „Sportclub“ wurde so beigelegt, dass die Mitglieder der beiden Gruppierungen in die neue „WSC Fußballsektion“  beitreten. Man hat den Eindruck, als hätte das ‚C‘ gegen das ‚K‘ den Sieg davongetragen, weil es sich um die WS-„C“-Fußballsektion handelt.

Abgesehen von den beruflich anwesenden Christoph Wiesmair und Peter Klinglmüller, sahen wir auch Gerhard Niederhuber (Klub der Freunde des S.C. Rapid), Martin Lerch (Tornados), Peter Elstner und Stefan Schwab. (siehe Bilder vom Spiel)

Transparente

  • „Kein Platz für Diskriminierung!“
  • „FHT Female Support Force“
  • „Piraten und Cyclisten since 1883“
  • „Antihomphobe Aktion“
  • „Friedhofstribüne“
  • „FHT Pirati, Ciclisti, Antifascisti“
  • „#ONEWIENERSPORTCLUB Fankultur überwinden – DD03 SCR-WSC einst das Sportquoband Stefanie Schlögl – Dynamo Donau. Max & Dani unvergessen! Zed Eisler – Herbert Langthaler. Cmon WSCI Athletica Vindobona. Love Dynam@ – Hate Fascism! Sportplatz statt Luxuswohnung. Dörbiverlierer-Tribüne. Schön ist es da!“
  • „Es ist Zeit. WSC Jetzt KGB wählen.“

„Dynamo Donau“ etwa ist ein Frauenfußballverein. Vieles andere bleibt unklar. Etwa, was das „DD03“ sagen will. Den letzten Satz kann ich teilweise aufklären. Zuerst dachte ich, es gäbe mit „KGB“ in der doch beachtlichen Zahl der wahlwerbenden Gruppen eine, die ich übersehen hätte, denn dass der russische Geheimdienst gemeint sein könnte, konnte denn doch nicht sein. Schließlich erklärten es mir Roly (Roland Spöttling) und auch Nikolaus als „KainzGassenBande“. Also einfach eine Werbung, sich dieser Fangruppierung anzuschließen.

Post von Roly

Roly grüßt die Leser des Rapid-Tagebuchs, zu denen ich ihn auch zählen darf, und berichtet mir in einer Mail, dass ihn der Abend ziemlich belastet hat und er froh war, dass er die Wohnungstür hinter sich schließen konnte. Aus seiner Sicht verlief der Abend alles andere als normal. Zuerst der Ausfall der Scheinwerferanlage, dann die lange Spielunterbrechung und dann noch einen falschen Torschützen angesagt. Roly muss sich in diesen Details ja voll auf seinen Kollegen verlassen.

Aber in dieser Angelegenheit können auch Sehende scheitern wie das Ratespiel nach dem Torschützen in den Sitzreihen zeigt.

Links zum Spiel

 

Danke, Marcel Koller!

Kritik ja, aber Kündigung?

Wir kritisierten seine Aufstellungen immer wieder, aber kündigen? Dazu gab es keinen Grund. Immerhin zeigte Marcel Koller in den letzten Spielen auch, dass er doch auch Spieler der heimischen Liga ins Team-Boot holen kann; und es wurde ihm (und uns) sogar durch Tore gedankt.

Dass die Ergebnisse im Ausnahme-Jahr 2015 außergewöhnlich gut waren, liegt am einfachen Umstand, dass knappe Spiele auch zufällig gewonnen werden können – umgekehrt natürlich auch. Und in beiden Fällen können die sonstigen Randbedingungen durchaus dieselben sein. Es ist am Ende egal, ob ein Sieg „verdient“ war oder eben nur ein Zufall, der auch anders hätte enden können, das ist egal, die Erfolge beflügeln und manchmal machen sie auch überheblich, alles das wurde in Marcels Ära durchlebt.

Vergleich der Trainer seit Erich Hof

Die Ära Marcel Koller war ein Highlight in der wechselvollen Geschichte des österreichischen Fußballs.

Der jährliche Erfolgsverlauf (mittlere Punktezahl pro Jahr) seit Erich Hof zeigt zwei herausragende Jahre: 1996 mit Herbert Prohaska und 2015 mit Marcel Koller.

Spiele von Marcel Koller

Etwa 37 Trainer zählen wir seit dem 12.10.1902, dem ersten Länderspiel der österreichischen Nationalmannschaft. Und Marcel Koller war nicht irgendeiner aus dieser Reihe. Nur Hugo Meisl (132 Spiele, 1913-1937) und Josef Hickersberger (56 Spiele, 1988-2008 aber 2 Perioden) können auf mehr Spiele für Österreich zurückblicken. Marcel Koller coachte 54 Spiele von 15.11.2011 bis 9.10.2017.

[Die 32 „trainerlosen“ Spiele in der 8. Zeile betreffen die Zeit bis 1918, in der die Aufzeichnungen des ÖFB lückenhaft sind.]

Erfolg

Gezeigt werden die erspielten Punkte, blau, aber nur bei Trainern Trainer mit mehr als 25 Spielen. Die grünen Balken zeigen eine positive, die roten eine negative Tordifferenz.

Das Team erspielte in diesen Spielen 1,63 Punkte pro Spiel (Fehler in der Grafik) und das ist ein Spitzenwert. Nur Herbert Prohaska (1,65) und Hugo Meisl (1,82) hatten größeren Erfolg. Helmut Senekowitsch mit 1,77 Punkten würde ich wegen der geringen Zahle von Spielen eher nicht in die Wertung aufnehmen. Die letzte Spalte zeigt die mittlere Tordifferenz pro Spiel. Hier sieht man, dass in den frühen Jahren eine größere Überlegenheit gegeben war.

Kündigung per Zufall

Mich erinnert die Kündigung von Marcel Koller an jene von Zoki Barisic. In beiden Fällen ist ein wirklicher Grund nicht ersichtlich. Man orientierte sich an einem punktuellen Höhenflug, den man nicht dankbar angenommen hat, sondern dessen Wiederholung man vorausgesetzt hat.

Die Herren Entscheider verwechselten den Einzelfall mit dem Mittelwert; so wie wir Zuschauer, wenn wir verlorenen Punkten nachtrauern und uns nicht über den erreichten Tabellenplatz (den Erfolgs-Mittelwert) freuen. Der Mittelwert ist ein Größe, die dann ins Spiel kommt, wenn der Zufall Regie führt. Und das ist im Fußball immer der Fall. Was allein wir steuern können, ist die Gewinn-Wahrscheinlichkeit und das sind alle unsere Investitionen in das Team. Ob es dann wirklich zum Sieg reicht, hängt von einer schier unglaublichen Anzahl von Zufällen ab, die in den entscheidenden Momenten sich zu unserem Vorteil ereignen müssen. Und mit jeder weiteren Verbesserung der Rahmenbedingungen steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg, aber nicht mehr.

Zufallserfolge, Zufallsmisserfolge

Wer erinnert sich nicht beim letzten Spiel gegen Moldawien an den energischen Rempler von Kevin Danso im Strafraum, der keine Folgen hatte. Es gibt sicher Schiedsrichter, die hier auf den Elfmeterpunkt gezeigt hätten. Und dass Louis Schaub zufällig an der richtigen Stelle stand und das erlösende 1:0 schoss, nennt die Presse einen „Torriecher“. Sie hätten dasselbe gesagt, wenn Marc Janko seine guten Kopfballchancen verwertet hätte, was aber nicht hatte sein sollen. Und er hat deshalb keineswegs schlecht gespielt. Es hat nur dieses bisschen Etwas gefehlt, das bei knappen Partien so entscheidend sein kann.

Warum war dieser Hugo Meisl so erfolgreich?

Schauen wir uns einmal seinen Erfolgslauf an: Er begann 1919 mit 1,0 Punkten und steigerte sich gleich danach 1920 auf 2,3 Punkte, einen seither nur mehr von ihm selbst 1932, von Marcel Koller 2016 mit 2,4 Punkten und Herbert Prohaska 1996 mit 2,7 Punkten übertroffenen Wert. Aber nach diesem ersten Höhenflug sank die erzielte Punktezahl auf 1,2 im Jahr 1923 ab. Aber niemand hat ihn deshalb gekündigt. Hugo Meisl setze seine Arbeit bis 1937 fort, immer auf hohem Niveau aber auch mit „Hängern“, wie etwa 1,0 Punkten im Jahr 1930 oder 0,8 Punkten im Jahr 1935.

[Wir sollten aber nicht unerwähnt lassen, dass Hugo Meisl seine größten Erfolge gegen die damals besten europäischen Mannschaften erzielt hat.]

Es gibt mit Sir Alex Ferguson auch ein zweites prominentes Beispiel für Kontinuität. 1986-2013, also 28 Jahre lang saß er auf der Bank von Manchester United.

Alle diese weniger glorreichen Jahre eines Hugo Meisl wären in der heutigen Zeit längst ein Kündigungsgrund. Damals, in den Anfängen des Fußballs aber nicht. Und der Lohn war eine Erfolgsgeschichte, an die auch Marcel Koller hätte anknüpfen können.

Den geringsten Erfolg hatte Marcel Koller 2016 mit 1,0 Punkten. Im Jahr 2017 waren es immerhin schon wieder 1,6 Punkte, dennoch musste er gehen. Das muss ihm sein Nachfolger erst einmal nachmachen.

Für mich war Marcel Koller der beste Trainer, den die österreichische Nationalmannschaft seit Herbert Prohaska hatte. Ganz abgesehen von den sehr freundschaftlichen Banden, die er zu seinen Spielern gepflegt hat und die sie ihm unisono zum Abschied bestätigt haben. Was geschieht, wenn man solche Bindungen zerstört, wissen wir als leidgeprüfte Rapidler sehr, sehr gut. Hoffentlich müssen wir diesen Leidensweg nicht mit der österreichischen Nationalmannschaft wiederholen.

Mit Marcel Kollers Kündigung haben wir eine einmalige Chance auf Kontinuität vertan.

Und wir danken Marcel Koller für die außergewöhnliche Zeit!

Alle Spiele mit Marcel Koller

Datum Ergebnis Heim Gegner
2011-11-15 1:2 A Ukraine
2012-02-29 3:1 H Finnland
2012-06-01 3:2 H Ukraine
2012-06-05 0:0 H Rumänien
2012-08-15 2:0 H Türkei
2012-09-11 1:2 H Deutschland
2012-10-12 0:0 A Kazachstan
2012-10-16 4:0 H Kazachstan
2012-11-14 0:3 H Elfenbeinküste
2013-02-06 1:2 A Wales
2013-03-22 6:0 H Färöer
2013-03-26 2:2 A Irland
2013-06-07 2:1 H Schweden
2013-08-14 0:2 H Griechenland
2013-09-06 0:3 A Deutschland
2013-09-10 1:0 H Irland
2013-10-11 1:2 A Schweden
2013-10-15 3:0 A Färöer
2013-11-19 1:0 H USA
2014-03-05 1:1 H Uruguay
2014-05-30 1:1 H Island
2014-06-03 2:1 A Tschechien
2014-09-09 1:1 H Schweden
2014-10-09 2:1 A Moldau
2014-10-12 1:0 H Montenegro
2014-11-15 1:0 H Russland
2014-11-18 1:2 H Brasilien
2015-03-27 5:0 A Liechtenstein
2015-03-31 1:1 H Bosnien
2015-06-14 1:0 A Russland
2015-09-05 1:0 H Moldawien
2015-09-08 4:1 A Schweden
2015-10-09 3:2 A Montenegro
2015-10-12 3:0 H Liechtenstein
2015-11-17 1:2 H Schweiz
2016-03-26 2:1 H Albanien
2016-03-29 1:2 H Türkei
2016-05-31 2:1 H Malta
2016-06-04 0:2 H Niederlande
2016-06-14 0:2 N Ungarn
2016-06-18 0:0 N Portugal
2016-06-22 1:2 N Island
2016-09-05 2:1 A Georgien
2016-10-06 2:2 H Wales
2016-10-09 2:3 A Serbien
2016-11-12 0:1 H Irland
2016-11-15 0:0 H Slowakei
2017-03-24 2:0 H Moldau
2017-03-28 1:1 H Finnland
2017-06-11 1:1 A Irland
2017-09-02 0:1 A Wales
2017-09-05 2:0 H Georgien
2017-10-06 3:2 H Serbien
2017-10-09 1:0 A Moldau

Die Tabellen in interaktiver Form

Fußballblase durch Digitalisierung

Fernsehgelder im Fußball

In der Premier League wurden 2016 für 20 Vereine 2.3 Milliarden Euro für die Übertragungsrechte ausgeschüttet, das sind im Schnitt 115 Millionen pro Verein. In Österreich sind es zum Vergleich nur etwa 2 Millionen pro Verein.

Dazu kommt, dass in den meisten Ligen dieses Geld nicht gleichmäßig auf die Vereine ausgeschüttet wird. Ein höherer Tabellenplatz bedeutet auch mehr Geld, ebenso die Zuschauerzahlen. In Österreich wird ein solcher Verteilungsschlüssel beim nächsten Fernsehvertrag eingeführt werden.

Das kaufmännisch-organisatorische Problem ist für alle Vereine dasselbe, sie müssen aus ihren Einnahmen das Vereinsgeschäft und eben die Kampfmannschaft finanzieren.

Gewinne machen sie keine, alles fließt in den Sport. (So ganz genau wissen wir das nicht, weil es durchaus sein kann, dass die Eigentümer der Vereine der englischen Liga Geld abschöpfen und aus steuerlichen Gründen absichtlich negativ bilanzieren lassen.)

Nehmen wir nun an, dass dieses Fernsehgeld zur Finanzierung der Mannschaft zur Verfügung steht, dann kann ein englischer Verein in der Transferphase irgendwo in der Größenordnung von 100 Millionen einkaufen und ein österreichischer Verein etwa 2 Millionen. Da aber immer dieselbe Anzahl von Spielern benötigt wird und dabei keine Gewinne abgeschöpft werden (die eine gewisse Regulation bewirken würden, weil Vereine zwischen größerem sportlichen Erfolg und größerem Erfolg für ihre Aktionäre entscheiden müssten)  und gleichzeitig alle Weltmeister werden wollen, ist es klar, dass die Preise sonderbare Höhenflüge unternehmen und alles verfügbare Geld in diese paar Spieler investiert werden.

Wenn sich dann Scheichs und andere Zufallsreiche in dieses Geschäft einmischen, müssen sie in diesen Größenordnungen investieren, um die Besten der Besten zu bekommen, weil die Vereine der Premier-League schon in die Region der 100 Millionen mitbieten können. Wer also im Bieterzirkus um Neymar gewinnen will, muss überschüssiges Geld in dieser Größenordnung haben.

Ist ein Spieler so viel wert?

Immer wieder wird die Frage gestellt, ob denn ein Spieler das wert sein könnte.

Im Kino läuft derzeit der Film „Tulpenfieber“ mit Christoph Waltz. Diese verfilmte erste historisch belegte Finanzblase, die „Tulpenmanie“ zeigt, wie irrational der Wunsch Einzelner nach etwas Einmaligem, damals eben eine besonderen Tulpe, sein kann. Damals wie heute fragt man sich, ob diese ganz besondere Zwiebel einen Wert von 10.000 Gulden haben kann.

Der Wert des Spielers ist nur für die Gruppe der Bieter gegeben. Dem PSG-Besitzer „Qatar Sports Investments“ ist Neymar diese 200 Millionen wert, denn er hat mit diesem Gebot die Mitbewerber aus dem Rennen geschlagen und wir haben gesehen, dass englische Vereine beim Bieten durchaus sehr weit mitgehen können.

Fußball ist eine Blase

So lange wir brav den PayTV-Sendern die Gebühren abliefern und bei Übertragungen der Champions-League brav den Fernseher aufdrehen, so lange füllen wir die Blase „Fußball“ mit Luft (=Geld) und sie ist stabil. Walter, unser langjähriger Begleiter auf Fußballplätzen, macht den Anfang und verweigert die Konsumation von Übertragungen der europäischen Ligen. Leider ist Walter noch allein auf weiter Flur. Wenn es aber einmal dazu kommt – warum auch immer, dass das allgemeine Interesse am Fußball schwindet, dann wird sich so mancher heutiger Fußballstar wünschen, überhaupt irgendwo als Spieler verpflichtet zu werden; so wie seinerzeit die Tulpenpreise in den Keller gerasselt sind, als jemand erkannt und gesagt hat: „…aber das sind doch nur Tulpen!“

Die Abbildung zeigt eine dieser damals so begehrten Tulpen, die „Semper Augustus“. (Von UnbekanntNorton Simon Museum, Gemeinfrei, Link)

Digitaltechnik ist mitverantwortlich

Mein gesamtes Berufsleben galt der Digitalisierung. Seit 30 Jahren verwalte ich einen Verein mit dem Motto „Wir begleiten Dich in die digitale Zukunft!“ Und in gewisser Weise ist die von uns Technikern getragene Disziplin der Digitaltechnik mitverantwortlich dafür, dass ein Fußballspieler um 200 Millionen den Verein wechselt.

Vordergründig werden durch die Digitaltechnik großartig anzuschauende Bilder verkauft. Die Digitaltechnik kann aber mehr als nur hohe Bildqualität vermitteln, sie kann diese Informationen auch verschlüsseln und damit nur den zahlenden Zuschauern zur Verfügung stellen. Darüber spricht die Werbung weniger, das ist aber der fast wesentlichere Teil der Digitalisierung.

Die Digitaltechnik verunmöglicht es dem Endverbraucher sogar, von einem Film, von einer Sportübertragung usw. eine weiterverwendbare Aufnahme herzustellen, auch wenn er bezahlt hat. Der Schlüssel dazu ist die HDMI-Schnittstelle, die zwar eine höhere Qualität bietet (das wird als Feature verkauft),  gleichzeitig aber Kopien verunmöglicht (das wird nicht explizit gesagt, ist aber so).

Die Genies vom Marketing verkaufen uns ein Medium mit einem geringeren Leistungsumfang als Feature zu einem höheren Preis. Unsere Schränke ist immer noch voll mit VHS-Kassetten, die des Überspielens auf einen digitalen Datenträger harren. Digitale Nachfolger haben sie aber keine, weil eben die Digitaltechnik eine Aufnahme verunmöglicht, wobei sie das rein technisch viel besser (ohne Qualitätsverlust) könnte als die frühere Analogtechnik.

Links

Zwentendorf-Rapid

0:10 (0:4)

Anlass

Zum 90-jährigen Jubiläum des SV Zwentendorf veranstaltete der Sportverein „Blaue Donau“ ein Freundschaftsspiel gegen den SK Rapid.

Etwa 900 Besucher kamen, um das Fest zu feiern. Der Platz erlebt wohl nicht allzu oft einen solchen Ansturm auf die Anlage.

Ein „harter Kern“ der Rapid-Anhänger war mit dabei, allen voran Jürgen und Maria aber auch Gerhard, Brigitte und Xandl. Unsere Gruppe bestand aus Reinhard, Christoph, Hannes, Florian und Franz. Im Bild Reinhard, Christoph und Florian.

Gegner

So sind die Ligen in Niederösterreich gestaffelt: Bundesliga . ERSTE LIGA . Regionalliga . 1. Landesliga . 2. Landesliga . Gebietsliga . 1. Klasse . 2. Klasse . 3. Klasse. Unser Gegner Zwentendorf spielt in der 1. Klasse Nordwest-Mitte und belegt dort den 11. Platz (von 14).

Der Besuch eines Testspiels heißt, Spiel und Spieler aus nächster Nähe beobachten zu können. Wir haben daher in beiden Halbzeiten jeweils beim gegnerischen Tor Aufstellung genommen. Dort kann die oft atemberaubende Schnelligkeit der Abläufe hautnah mitverfolgen.

Rapid lässt sich bei solchen Testspielen nicht lumpen. Man kam mit dem ganzen Kader und auch Spieler von Rapid II kamen zum Einsatz.

Die Ungeduld beim Rapid-Anhang ist bei jedem Spiel ähnlich. Ist der Gegner ein starker, erwartet man sehnsüchtig das Rapid-Tor und verflucht dabei das Ungeschick der Spieler. Ist der Gegner aus einer unteren Liga, geht es darum, ob das Ergebnis zweistellig wird. Dass man auf den ersten Treffer 14 Minuten hat warten müssen, ist fast schon eine kleine Beleidigung für den Anspruch eines Rapid-Anhängers. Aber genau so war es. Der gegnerische Tormann der ersten Hälfte war sehr auffällig und er trug seinen Namen „zu null“ zurecht.

Der auffälligste Torschütze war Eren Keles, der gleich drei Mal getroffen hat. Ich habe fast den Eindruck, als wäre es im Rapid-Spiel  eine wichtige Aufgabe des Stürmers, Verteidiger an sich zu binden und damit der zweiten Angriffsreihe Räume zu öffnen.

Nach dem Spiel

Nach dem Spiel kam es zum obligaten „Platzsturm“ durch die Zwentendorfer Jugend, dem wir uns auch angeschlossen haben, denn das sind Augenblicke, die man in Hütteldorf nicht alle Tage erleben kann. Wenn es Rapid-Spieler nicht rechtzeitig in die Kabine schafften, dann mussten sie so etwas wie Überstunden einlegen. Jeder von ihnen wurde von Autogramm- und Selfie-Jägern umringt.

Ob die Autogrammjäger wirklich wissen, wem sie da nachjagen, glaube ich nicht. Ein uns noch völlig unbekannter junger Spieler war bei den Fans ganz besonders begehrt. Es war der erst 18-jährige Aleksandar Skrbic. Es dürfte sein erster Einsatz in der Kampfmannschaft gewesen sein. Hier ist er:

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