Bundesliga im ORF
7. Mai 2016
Rapid-Altach
11. Mai 2016

0:2 (0:1)

Solange etwas rechnerisch noch möglich ist, gibt es keine Gewissheit. Aber nach diesem Sieg gegen Mattersburg ist es fix, Rapid ist Zweiter in der Endabrechnung. Und das bedeutet, den besseren Startplatz in der Euro-League. Vom Ergebnis des Cupfinales (19. Mai) wird es aber abhängen, ob Rapid den noch besseren Startplatz des Cupsiegers erben wird, dann nämlich, wenn RB auch Cupsieger wird.

Mitgliederversammlung am 20.5.2019 mit:
Präsident Michael Krammer, Geschäftsführer Christoph Peschek und Präsidiumsmitglied Josef Kamper
Nur für Mitglieder!
  • RB wird Cupsieger -> Rapid erbt den Startplatz des Cupsiegers und steigt in der 3. Qualirunde ein (Ende August)
  • Admira wird Cupsieger -> Rapid steigt in der 2. Qualirunde ein (Ende Juli)

Aber das wussten wir bei Spielbeginn noch nicht, und daher werden im gemütlichen SVM-Cafe noch munter die verschiedenen Möglichkeiten diskutiert, bei einer tollen Auswahl burgenländischer Weine.

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vlnr: Franz (aus Purgstall), Florian, Peter, Janine, Hannes

Weststadion, ein historisches Phantom. Der Beweis.

Die eindrucksvolle Eröffnungschoreografie erinnert an das Hanappi-Stadion. Text: Gerhard Hanappi-Stadion 1977-2014. Sehr schön!

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Ich musste bei dem Text schmunzeln, weil durch die Jahreszahl 1977-2014 zum Ausdruck gebracht wurde, dass das vom Block-West so gepushte „Weststadion“ eigentlich gar keine reale Vergangenheit hat.

Zur Rettung des Begriffs „Weststadion“ hätte man schreiben müssen 1977-1981 Weststadion, 1981-2014 Gerhard Hanappi-Stadion.

Am 10. Mai 1977 wurde das damalige Weststadion durch ein Spiel gegen die Austria eröffnet.  Der Name „Hanappi-Stadion“ existiert erst ab 1981. Diese vier Jahre „Weststadion“ zeichnen sich durch keine besondere Ruhmestat von Rapid aus, sind also für eine Stadionbezeichnung durch die Fans ziemlich geistlos und können bestenfalls als eine grundsätzliche Oppositionshaltung gegenüber dem offiziellen Begriff „Allianz Stadion“ verstanden werden. 10 Jahr sind noch eine lange Zeit, vielleicht findet sich bis dahin ein Begriff für das Stadion, den wirklich alle Anhänger von Rapid unterschreiben können.

Die Verlesung von Anti-Rassismus-Statements am Beginn des Spiels (eine Art Nachhilfestunde für das Mattersburger Publikum wegen der antisemitischen Äußerungen im Zuge des Austria-Spiels) verzögert den Spielbeginn und regt ein bisschen dazu an, das Gehörte mit dem Erlebten in Einklang zu bringen.

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Ob die Spieler, die hier deutlich alle Arten von Rassismen ablehnen, wissen, dass ihre Anhänger nur wenige Meter hinter ihnen in diesem Punkt nicht einmal annähernd mit dem Text übereinstimmen? (Ich beziehe mich dabei hauptsächlich auf diverse Facebook-Postings aus der Rapid-Fanszene.) Aber das ist auch in der Schule so. Nur wenige Botschaften kommen wirklich bei den Adressaten an; hauptsächlich die, die man „hinter die Ohren schreibt“; aber salbungsvolle Worte helfen da nicht viel.

Das Spiel

Was soll man zum Spiel von Rapid sagen? Hier die Fakten (Rapid:Mattersburg)

  • Ballbesitz 72% : 28%
  • Passquote 83% : 61%
  • Flanken 23 : 10
  • Torschüsse 17 : 10

Den Ultras ist das egal, sie plakatieren: „Ihr träumt alle von höheren Ligen und könnt nicht mal den Absteiger biegen“.

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Ein Satz und viele Ungereimtheiten!

Wer ist „ihr“? Nach meiner Lesart ist es doch für uns alle von Bedeutung, ein Stückchen weiter zum Gipfel des Fußball-Olymps zu kommen und es gibt genug andere Spruchbänder, die genau das aussagen. Wir alle wollen auch international spielen; ist doch klar. Und das hat nichts mit einzelnen Ergebnissen zu tun.

Rapid ist wie das Klima in Wien. Das Klima in Wien ist mild! Auch wenn es Tage mit -20 und solche mit +35 Grad gibt.

Rapid ist gut für einen Spitzenplatz in Österreich; in jeder Saison. Es reicht nicht immer für den Titel, auch wenn der jeweilige Meister einmal besiegt wird. Aber Rapid ist auch kein Abstiegskandidat, auch wenn gegen denselben verloren wird.

Das ist beim Klima so und auch beim Fußball. Rapid ist der Mittelwert aller einzelnen Ergebnisse, nicht ein einzelnes. Natürlich muss man sich an kalten Tagen warm anziehen und geht an heißen Tagen am besten baden. Aber im Durchschnitt ist es mild. Bei Fußball ist das genau so. Das Spiel gegen Grödig war wie ein kalter Wintertag, das Spiel gegen Ajax wie ein Sommer an dern Alten Donau. Aber im Mittel ist es mild; Rapid. Dass RB noch ein bisschen „milder“ ist, das ist betrüblich, aber kein Beinbruch.

Absteiger: fix ist das noch nicht, dass Grödig der Absteiger ist; und auch wenn, kann es durchaus auch als ein Qualitätsmerkmal für die Liga gewertet werden, dass eigentlich jeder jeden schlagen kann. Und wenn wir genau sind, dann sind es diese Spiele gegen Grödig & Co, die uns letztlich stärken, denn ohne Grödig gibt’s auch keine internationale Spiele. Die neun Bundesliga-Teams machen uns zu Rapid, wie wir es kennen. Verachtet mir den Letzten nicht und ehrt mir seine (Fußball-)Kunst.

Ein Beispiel aus einer viel größeren Liga:

Heute spielte zufällig der Tabellenzweite in der Primera Division, Atlético Madrid gegen den Tabellenletzten Getafe, so, wie in der vorigen Woche der Tabellenzweite in Österreich, Rapid gegen den Tabellenletzten Grödig. Anders als bei Rapid sind bei Atlético die Chancen in der „höheren Liga“ noch durchaus intakt, und dieser Verein warf sogar das unbezwingbar scheinende Bayern aus dem Bewerb. Und dieser Riese verlor gegen den Fußballzwerg Getafe 1:2. Schau einer an! Bericht.

Warum das so ist? Weil es sich hier um Fußball handelt. Und jedes Spiel (jedes), das so ausgeht, wie es eben ausgegangen ist, kann mit ganz geringfügigen Änderungen des Spielverlaufs auch ganz anders ausgehen.

Auch das heutige Spiel ist trotz hohen Ballbesitzanteils von Rapid nicht unbedingt eine „gmahde Wiesn“.

Drei Beispiele:

Ist es nicht sonderbar, dass Höller nach einem gravierenden Ellbogen-Foul mit so schwerwiegenden Folgen (Nasenbeinbruch und Rückenverletzung von Stephan Auer) nur Gelb bekommt und das Spiel zu Ende spielen kann? Hätte hier Schiedsrichter Muckenhammer Rot gegeben – es war immerhin am Beginn des Spiels, hätte das Spiel einen ganz anderen Verlauf genommen. Vielleicht hat er sich zurück gehalten, weil die Folgen solcher Ausschlüsse seit dem Austria-Spiel von der Vorwoche bekannt waren und er nicht in den Verdacht kommen wollte, dass die Liga Mattersburg absichtlich schädigt.

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War es nicht ein Traumtor, das Mario Pavelic aus mehr als 20 Metern Entfernung erzielte? Ja, wirklich! Und wir alle freuen uns mit ihm. Und die Freude ist berechtigt, denn Mario hat aus ganz ähnlichen Distanzen noch vier Mal versucht, seinen Erfolg zu wiederholen, allein der Raum um das Tor ist weit und keiner der nachfolgenden Versuche kam auch nur in die Nähe der Gefahrenzone. Derselbe Spieler, immer relativ unbedrängt, immer dieselbe Distanz, dasselbe Wetter, dasselbe Spiel. Jeder Schuss ist nur eine Chance und wenn er diesen Schuss noch zwanzig Mal wiederholt, er wird den Ball nicht wieder so treffen. Das liegt in der Natur der Sache, dass nämlich ein dazu gar nicht so gut geeigneter Körperteil, der Fuß, einen Ball auf eine ganz bestimmte Art treffen muss. Es gehört eine große Portion Glück dazu, dass ein solcher Schuss aus dieser Distanz auch wirklich gelingt. Dass dem so ist, sieht man an der großen Freude, die Spieler und Publikum nach so einem Erfolg gleichermaßen haben. Es ist ein Glück, es ist nicht Leistung. Es ist Zufall. Aber es ist kein Würfelspiel, das wäre reiner Zufall. Fußball ist Zufall auf höchstem Niveau. Wer auf dessen Roulettetisch platz nehmen will, muss schon so gut sein wie unsere Kicker, denn sonst könnte ja jeder kommen, wie man oft aus dem Publikum hört. aber genau das ist eine Illusion und geradezu eine Verachtung der Leistungen der Spieler. Die Leistung nämlich besteht in dem Erbringen der Fitness, der Technik und den Fähigkeit 90 Minuten läuferisch und kämpferisch bestehen und dabei ist überhaupt nicht von Toren die Rede. Bei einem 0:0 wird genau so gekämpft wie bei einem 3:3. Tore sind wie das Zucker auf dem Kuchen aber keine bedeutende Leistung.

In der zweiten Halbzeit kam es im Rapid-Strafraum zu einer strittigen Szene. Wir saßen genau davor und hatten den Eindruck, als hätte Mario Sonnleitner den Mattersburger Stürmer Bürger am Trikot gezogen und dieser ist dann zu Boden gegangen. Statt eines Elferpfiffs zeigte aber Schiedsrichter Muckenhammer dem Mattersburger die gelbe Karte wegen Vortäuschung eines Fouls.

Das hier waren nur drei auffällig Szenen aber das Spiel ist voll von solchen Ereignissen, die so oder auch anders und dann eben mit ganz anderen Folgen für den Spielverlauf ausgehen können.

Natürlich sollen wir uns über den Sieg freuen aber hätte Mario Pavelic den Ball auch nur um einen Millimeter andeswie getroffen oder hätte Schiedsrichter Muckenhammer anderswie entschieden, wir hätten auch mit einer Niederlage nach Hause fahren können; trotz klarer Feldüberlegenheit. Und eben weil das so ist, ist unsere Freude über das Ergebnis so groß und so berechtigt.

20 Jahre Tornados

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Einige weitere Aufnahmen dieser Choreografie bei den EwkiL-Bildern. Ich habe dieses ausgewählt, weil es einen den Gesamteindruck gut wiedergibt.

8. Mai 1996 Europacupfinale in Paris

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Sehr eindrucksvoll auch die Erinnerung an das Europacupfinale vor 20 Jahren.

Gemessen an der Anzahl der erforderlichen Spiele hat die heurige Europacup-Saison würdig an diese Zeit angeschlossen. Immerhin brauchten wir heuer bis zum Ausscheiden 12 Spiele, 1996 waren nur 9 Spiele. Ja, ein Finale ist etwas Grandioses, aber es ist für Vereine wie Rapid durch die Entwicklung des Geldfußballs in eine ziemlich weite Ferne gerückt.
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Der Tag endet bei einem herrlichen Sonnenuntergang an einem ziemlich entlegenen McDonalds bei Schwechat.

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