Bilderstreit und Schisma im Internet
28. März 2016
Österreich-Türkei 1:2(1:1)
30. März 2016

Der Karsamstag war fußballerischer Großkampftag. Es begann schon auf der Autobahn von Ybbs nach Wien als wir von mehreren Flitzern mit flatternder Albanien-Fahne überholt wurden.

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Mitgliederversammlung am 11.3.2019 mit:
Stephan Auer, Andrei Ivan, Tobias Knoflach, Manuel Martic
Gäste sind willkommen, Voranmeldungen erbeten. Wenn Du als Nichtmitglied teilnehmen möchtest, rufe bitte 0677-1899 5070 (Franz).

Das Spiel der Kleinen

Während die albanischen Schlachtenbummler vielleicht noch einen Spaziergang durch Wien unternahmen, besuchten wir das Spiel von Rapid II gegen Sollenau am Elektra-Platz. Der Eintritt war für Länderspielbesucher frei. Das dürften diese aber nicht gewusst haben, denn der Besuch war überschaubar; gerade einmal 100 Besucher nennt die Seite weltfussball.at. Es waren die da, die eh immer da sind, zum Beispiel die Fanszene Rapid II.

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Nicht ganz, denn auch Rapid-Präsident Michael Krammer hat sich am Osterwochenende unter die Gäste (im ersten Stock) gemischt.

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Rapid II spielte mit einigen Spielern der Kampfmannschaft: Wöber, Kuen, Schrammel, Prosenik.

Die erste Halbzeit fing zwar mit einer frühen Führung von Rapid II gut an, endete aber mit 2:1 für die Gäste.

Wir haben in der Pause den Elektraplatz verlassen. Nicht wegen des Ergebnisses, sondern wegen der Aufwärmphase im Happel-Stadion, die wir nicht versäumen wollten. Unsere Plätze waren ausnahmsweise im ersten Rang, zweite Reihe, Sektor E und von dort kann man die Spieler recht gut beobachten.

Vielleicht war es auch gut, dass wir gegangen sind, denn das Spiel von Rapid II endete überraschend 3:2 für Rapid II durch zwei späte Tore. Schlecht gespielt und trotzdem gewonnen, meinte unser Sitznachbar Walter, der das Spiel bis zum Ende miterlebt hat. Muss auch einmal sein.

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Das Spiel der Großen

Am Eingang zum Stadion die übliche Leibesvisitation, die mir erspart blieb, denn meine Kamera zog die volle Aufmerksamkeit der Sicherheitsbeauftragten auf sic. Natürlich darf die Kamera nicht mit hinein, sie sei zu groß. Woran man denn das erkenne, frage ich, es sei eine handelsübliche Spiegelreflex. Zu groß ist zu groß. Also muss ich den Briefverkehr mit dem ÖFB auf den Tisch legen, in dem mir die Erlaubnis zur Mitnahme bestätigt wird. Das Dokument wurde vom Supervisor inspiziert. Beeindruckt vom den vielen Seiten bedruckten Papiers und ohne große Lektüre desselben darf ich dann passieren. Immer dasselbe. Bald werde ich die ganze Security-Mannschaft mit den Dokumenten aufgeklärt haben.

Im Happel-Stadion hatte man den Eindruck eines Auswärtsspiels. Erster und zweiter Rang der Sektoren A und F ausverkauft und mit Fans von Albanien besetzt. Auch im Sektor E waren die Albaner gefühlt in der Überzahl. Aber sie waren gemütlich und enthusiastisch; unsere unmittelbaren Nachbarn auf jeden Fall.

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Man sei stolz, erstmals bei einem Großbewerb dabei zu sein und dass man etwa Portugal auswärts mit 1:0 besiegt hat und derzeit Platz 35 der Weltrangliste belegt, ist eine beachtliche Leistung, die an jene von Österreich erinnert, denn auch für Österreich ist es praktisch die erste Teilnahme an einer Europameisterschaft aus eigener Kraft.

Papierformgemäß spielte hier Österreich gegen Albanien aber die allermeisten Spieler am Platz verdienen ihr Geld nicht in ihren Heimatländern. Ob also Österreich und Albanien drin ist, wenn „Österreich“ und „Albanien“ draufsteht, ist eine andere Frage. Eine Nationalelf kann durch den Export talentierter Fußballer in eine große Liga tatsächlich deutlich stärker auftreten als es dem Niveau der Liga im eigenen Land entspricht.

Es stellt sich die Frage, ob man das so will. Es ist ja nichts dagegen einzuwenden, dass Spieler im Ausland spielen aber es wäre auch eine Denkmöglichkeit, dass in einer Nationalelf nur jene Spieler spielberechtigt sein sollten, die auch dort spielen, was sie auf dem Trikot stehen haben.

Ich glaube ja nicht an so etwas wie ein Nationen-Gen. Ein Spieler wird durch seine Umwelt geformt und ein Ronaldo ist fußballerisch gesehen mehr Spanier als er Portugiese ist. Und so ist es auch mit Marc Janko und allen anderen.

Apropos Trikot. Wir staunten nicht schlecht, als die Spieler von Albanien einer Mannschaft von „Raiffeisen“ gegenüber standen. Bis zum Mannschaftsfoto hatten die Spieler der österreichischen Nationalmannschaft am Rücken über der Rückennummer eine Werbefläche der „Bank vom Hermann Maier„.

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Im albanischen Trikot hat sich sicher ein berühmter Künstler verewigt; er erfand die weiße Schrift auf weißem Grund. Ein ganz dünnerer Linienzug rahmte die Nummer des jeweiligen Spielers ein.  Kaum zu erkennen.

Die Hymnen wurden diszipliniert abgesungen, also ohne Pfiffe. Mit Böllern machten sich während des Spiels einzelne Fans aus dem Albanien-Sektor bemerkbar, später dann auch mit Trillerpfeifen.  Bei diesen Böllern muss man unwillkürlich an die vielen Opfer der Brüssel-Attentate denken.

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Eindrucksvoll war, dass viele albanische Besucher ein weißes Kapperl mit albanischem Wappen aufhatten, eine traditionelle Kopfbedeckung.

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Mit 28.600 Zuschauern war das Spiel gut besucht, aber zu danken war es den zahlreich angereisten albanisch Fans. Die Sektoren A und F waren ausverkauft.

Das Spiel

Die erste Halbzeit war klar von Österreich dominiert, wobei die beiden Tore durchaus das Prädikat „kurios“ verdienen. Aber Tor ist Tor. Die Albaner wirkten unsicher. Das änderte sich aber nach der Pause schlagartig, denn die Albaner starteten furios und tatsächlich gelang ihnen nach wenigen Minuten der sehenswerte Anschlusstreffer.

Als Nicht-Fußballer kann ich nicht beurteilen, ob der Schuss tatsächlich unhaltbar war, jedenfalls war er direkt auf Robert Almer gerichtet, der aber die Hände nicht schnell genug in die Höhe brachte.

Offenbar sind die Österreicher ob der klaren Führung nach der Pause ein bisschen zu stark vom Gas gegangen. Dennoch gelang den Albanern nicht mehr als dieses eine Tor. Zuletzt hatten die Österreicher noch tolle Chancen auf einen höheren Sieg.

Ein bisschen erinnert die 2:0-Führung an die Führung der Deutschen gegen England. In Berlin konnten die Engländer schließlich das Spiel drehen.

Ein friedliches Fest, das uns wieder gezeigt hat, wie stark die Zuwanderer aus den Nachbarländern in Österreich vertreten sind. Jetzt habe ich eine der Sprachen kennengelernt, die ich im 14A, unseren Favoritner „Balkan-Express“, immer wieder höre.

Das kommende Spiel am Dienstag gegen die Türkei wird auch wieder den Charakter eines Auswärtsspiels haben.

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