Rapid – Wo alles begann

Rapid-Admira
13. März 2016
Sportklub-Rapid II
19. März 2016

Zusammenfassung eines Vortrags von Mag. Philipp Huber am 13. März 2016 „Tag des Sports“ im Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus. Im Bild liest Philipp Huber eine Passage aus einem historischen Text.

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Mitgliederversammlung am 20.5.2019 mit:
Präsident Michael Krammer, Geschäftsführer Christoph Peschek und Präsidiumsmitglied Josef Kamper
Nur für Mitglieder!

Der Vortrag umfast die Zeit zwischen Gründung 1897 und Beginn der Meisterschaft 1911 als dann Rapid nach Hütteldorf (damals 13. Bezirk) übersiedelte.

1897 Gründungsjahr

Gegründet wurde der SK Rapid 1897 als „I. Wiener Arbeiter Fußball Club“ (und nicht, wie im (übrigens lesenswerten) Wikipedia-Artikel 1898. Vor einigen Jahren hat Domenico Jacono bei Recherchen einen Zeitungsartikel entdeckt, in dem 1897 als Gründungsjahr dieses Rapid-Vorgängervereins genannt wird.

Rapid kommt ursprünglich aus dem 15. Bezirk

Man muss wissen, dass im Wien um 1900 die Bezirke 13, 14 und 15 anders aufgeteilt waren. Der 13. Bezirk war das heutige Hietzing und auch das heutige Penzing, der 14. Bezirk war Rudolfsheim und der 15. Bezirk war Fünfhaus. Die ersten Sportanlage von Rapid, die Schmelz und auch der Sportplatz Selzergasse liegen im 15. Bezirk.

Als Rapid 1912 nach Hütteldorf übersiedelt ist, wurde in den 13. Bezirk übersiedelt. Erst 1938 wurde Penzing von Hietzing als 14. Bezirk getrennt und Rudolfsheim und Fünfhaus zum 15. Bezirk zusammengelegt. Das ist auch nach 1945 so geblieben. Siehe „Mir san in Hütteldorf daham“.

Rapid hat jüdische Wurzeln

Der SK Rapid wurde hauptsächlich von Mitarbeitern der Hutfabrik Böhm in Ottakring gegründet. Die Hutfabrik Böhm wurde 1848 durch die Brüder Bernhard und Naphtali der jüdischen Familie Böhm gegründet. (Link, Link, Naphtali Böhm, Bernhard Böhm). Im Gründungsjahr 1897 hatte die verzweigte Firma in Prag etwa 1200 Mitarbeiter. Die Firma Böhm produzierte auch noch in den 1960er Jahren Hüte (siehe Links und das folgende Bild).

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Karl Schediwy berichtet in seinem Beitrag in der Festschrift „20. Jahre Rapid“, dass ein gewisser Lowe mit seinen Söhnen Fred, Harry und Arnold  federführend war. In den damaligen Fabriken waren viele englische Spezialisten beschäftigt, die für die Wartung, möglicherweise auch für die Einschulung zuständig waren. Sie brachten nicht nur die Technologie, sie brachten auch den Fußball nach Wien. Es ist kein Zufall, dass der erste österreichische Fußball-Verein, „Vienna“, einen englischen Namen hat. Fußball war durch Engländer hierher gebracht worden und statt einer umständlichen Übersetzung hat man die englischen Bezeichnungen für viele fußballerischen Belange beibehalten. (Corner, Penalty, Back, Half-Back, Forward, Captain usw.)

In einer Ausgabe des „Ersten neuen Wiener Abendblatts“ kann man entnehmen, dass der Verein begonnen hat, Mitglieder, wahrscheinlich auch Spieler zu werben. Die Einschreibgebühr für den Verein betrug eine Krone, der Wochenbeitrag wurde auf 10 Heller festgesetzt.

Aller Anfang ist schwer

Die erste Zeit war schwer, die sportlichen Misserfolge haben überwogen. Die ersten Spiele 1898 waren noch ausgeglichen aber Begegnungen mit den damaligen Spitzenmannschaften WAC und Viktoria endeten ziemlich ernüchternd 0:20 und 0:17. Weihnachten 1898 spielte man wieder gegen den WAC und verlor 0:12. Immerhin eine Steigerung gegenüber den Anfängen. Die Bilanz dieser ersten Zeit war sehr schlecht. Nur ein Sieg bei 19 Spielen, Torverhältnis 13:107.

So hat sie ausgeschaut, die älteste Mannschaft von Rapid aus 1898 (aus der Festschrift „20 Jahre Sportklub Rapid“).

1898

Stehend vlnr. Shires (zivil), Feldmüller, Kellner, Bieringer, Schediwy Karl, Tar, Wallisch, Goldschmidt. Sitzend vlnr. Imhof, Grasser, Kailich J. (Captain), Finzl, Kailich Alois.

Heimstätte Schmelz

Die Heimspiele in den ersten Jahren wurden am Exerzierplatz auf der Schmelz absolviert. Exerzierplatz gehört zur Radetzky-Kaserne. Das Spielfeld musste immer mit Pflöcken uns Seilen neu abgesteckt, Linien gezogen werden. Die Schmelz war eine wilde Gegend mit „Platten“ (=Gangs).  Das folgende Bild (Quelle Wikipedia) zeigt die Radetzky-Kaserne im Hintergrund und vermittelt einen Eindruck von der Gegend.

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1899 Geburtsstunde des Namens „Rapid“

Wenn wir die Geburtsstunde von Rapid mit „1899“ auf unseren Schals einweben, dann feiern wir die Geburtsstunde des Namens, denn den Verein hat es schon zwei Jahre lang gegeben.

Das Neue Wiener Abendblatt berichtete am 10. Jänner 1899: „Bei der Generalversammlung des I. Wiener Arbeiter Fußball Club  wurden Karl Palek, als Obmann, Wilhelm Goldschmidt als Sekretär, Captain J. Kailich und zweiter Captain Karl Schedivy gewählt. Der Antrag von Herrn Goldschmidt , den Vereinsnamen auf S.C. Rapid zu ändern, wurde angenommen.“

1900 Programmheft (20 Heller)

Programmhefte waren erste Einnahmen für den Verein. Eintrittsgelder zu kassieren war schwierig, weil es keinen abgesperrten Platz gab. Die folgende Abbildung aus der „Festschrift 20 Jahre Rapid“ zeigt uns, wie man sich den damaligen Fußball vorstellen muss. Auch die Spielregeln mussten abgedruckt werden, um dem Publikum diese Attraktion näher zu bringen.

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Rapid spielte in „blau-roth“. Der Tormann hieß noch „Thorhüter“.

1902 Erstes Auswärtsspiel gegen Austria Prag 1:1

Zu diesem ersten Auswärtsspiel kam es auf Grund einer Einladung eines Herrn Kohn. Es gab zu dieser Zeit viel prominentere Wiener Mannschaften. Der Grund, warum gerade Rapid zum Zug kam war, dass die Rapidler die einzigen waren, die bereits waren, dritter Klasse nach Prag zu fahren.

1903-1911 Rudolfsheimer Platz

Rapid pachtete 1903 den freien Platz entlang der Selzergasse zwischen der Hütteldorfer Straße und der Meiselstraße. Der Gemeindegrund war einerseits günstig, anderseits hatte er auch den Nachteil einer kurzen Kündigungsfrist. Eine heutzutage unvorstellbare Eigenheit des Platzes war der Höhenunterschied von zwei Metern zwischen den Toren. Viele weitere interessante Details finden sich in dem Blog von Brucki über „lost grounds“.

Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich gesehen habe, dass Brucki die Seite rapid.iam.at (=123.ewkil.at) zitiert hat und zwar, weil sich Rapid auf dieser neuen Anlage bedeutend steigern konnte, was man den zusammenfassenden Zahlen entnehmen kann.

Ein interessante Parallele zur heutigen Situation ist, dass der Rudolfsheimer Platz es dem Verein erlaubt hat, höhere Einnahmen zu erzielen. Ganz so wie unser neues Stadion dem Verein höhere Einnahmen ermöglichen wird.

Hier ist eine von zwei bekannten Aufnahmen dieses Platzes, entnommen aus der Festschrift „20 Jahre Rapid“.

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Leistungsvergleich Schmelz – Selzergasse

Das folgende Bild zeigt einen Ausschnitt aus dem Vergleich der Spielergebnisse zwischen der Zeit auf der Schmelz und der Zeit in der Selzergasse. grün=Sieg, gelb= Unentschieden und rot=Niederlage. Hier gehts zu der Gesamtdarstellung.

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Man sieht, dass es auf der Schmelz eine negative Gesamtbilanz gegeben hat aber in der Selzergasse bereits die Siege deutlich in der Mehrheit waren.

Rapid-Viertelstunde

Diese Eigenschaft, ein Spiel auch noch in der Schlusspahse „drehen“ zu können, war auch schon in der Frühzeit des Vereins bekannt. Es gibt sehr viele Andeutungen in frühen Spielberichten, die auf diese „berühmte Viertelstunde“ verweisen.

Es ist denkbar, dass die Rudolfsheimer Pfarrkirche eine Ursache für die Rapid-Viertelstunde war. Eine Fußballuhr, wie wir sie heute kennen, gab es nicht; auch das Publikum war nicht mit Taschenuhren ausgerüstet. Dass man die weithin sichtbare Kirchenuhr zur Messung der Spieldauer verwendet hat, ist ziemlich sicher. Und daher könnte es sein, dass das Schlagen der Kirchenglocken das Publikum zum Klatschen animiert hat. Nehmen wir zum Beispiel eine Beginnzeit von 15:30, dann ist die Pause um 16:15, der Spielbeginn der zweiten Halbzeit um 16:30 und die volle Stunde 17:00 gerade eine Viertelstunde vor Schluss. Ganz unlogisch wäre das nicht.

Heute wissen wir, dass es keine Erfindung von Rapid ist, dass am Spielende mehr Tore fallen, das trifft für alle Mannschaften zu. Es kann aber sein, dass man diesen Umstand bei Rapid durch besonders markannte Spiele entdeckt hat und als „Rapid-Viertelstunde“ schon früh benannt hat – auch mit der Unterstützung der Rudolfsheimer Pfarrkirche, die übrigens ähnlich alt ist wie Rapid, denn sie wurde im Jahr 1898 fertiggestellt.

1905 von rot-blau zu grün-weiß

Über den Wechsel der Vereinsfarben gibt es offenbar keine schriftliche Quelle, nur Vermutungen.

Die Frage ist, warum dieser Farbwechsel überhaupt notwendig war. Eine dieser Vermutungen ist, dass die Farben die vielen Wäschen nicht überstanden haben und dass das Rot und Blau sich an den Grenzen mischten. Mit der Vereinsfarbe der heutigen Austria dürfte das aber nichts zu tun haben, die Austria wurde erst 1911 gegründet.

Warum dann ausgerechnet grün-weiß?

Es könnte mit dem Bezirkswappen von Rudolfsheim zu tun haben aber so wirklich grün-weiß schaut das nicht aus. Link.

Es könnte auch mit der Farbkennzeichnung der Straßenbahnlinien zu tun haben. In der Frühzeit der Straßenbahnen gab es eine Kennzeichnung durch Farben und Muster. Hier ein Abbildung aus dem Jahr 1902 (Quelle Wikipedia und http://www.fpdwl.at/4images/image.php?image_id=20513).

Man ist geneigt zu glauben, dass dieses System kompliziert zu kommunizieren war. Es wurde auch Hieroglyphen-System genannt. Man muss aber bedenken, dass der Bildungsstand der Bevölkerung damals noch geringer und der Anteil der Analphabeten groß war. Diesen Bevölkerungsschichten kam das System der Farbkennzeichnungen entgegen.

1907 war aber Schluss mit den Hieroplyphen-Symbolen und es wurde das sehr systematische Zahlen/Buchstabensystem entwickelt, das wir bis heute kennen, das aber in der jüngeren Zeit nicht mehr so konsequent umgesetzt wird. Hier gibt es eine Darstellung des Wiener Liniensystems von 1907.

Im Jahr 1905 als der Wechsel der Vereinsfarben erfolgte, war dieses Farb-System noch im Einsatz und die Linien, die nach Rudolfsheim fuhr hatte die Farben grün-weiß. Es könnte daher für die Wahl der Farbe ausschlaggebend gewesen sein.

1911 Von Rudolfsheim nach Hütteldorf

Durch die Kündigung des Platzes in Rudolfsheim war Rapid in Zugzwang und musste sich um ein neues Zuhause umschauen. Wahrscheinlich war es Zufall, dass gleichzeitig mit dem Auszug auf Fünfhaus der Spielbetrieb der Wiener Meisterschaft begann. Jedenfalls wurde in der ersten Saison eine Sonderregelung für Rapid getroffen, dass nämlich Rapid in der Herbstsaison 1911 alle Auswärtsspiele absolvierte und gleichzeitig die Anlage der Pfarrwiese fertiggestellt wurde und dann im Frühjahr alle Heimspiele auf der Pfarrwiese. Das Ergebnis: der erste Meistertitel, dem noch 31 weitere folgen sollten.

Weitere Aktivitäten in Rudolfsheim

Auch nach dem Auszug von Rapid nach Hütteldorf war der 15. Bezirk weiterhin ein Organisationszentrum für den Verein.

  • In den Zwanziger Jahren war das Hotel Fuchs in der Mariahilferstraße 105 Ort der Mitgliederversammlungen und der Weihnachtsfeier.
  • Bis in die 1950er Jahre war das Cafe Holub in der Hütteldorfer-Straße das Vereinsheim von Rapid.
  • Bis 1970 gab es ein Sekretariat (einen „Fancorner“) am Urban Loritzplatz.

Das Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus erinnert mit einer eigenen Rapid-Vitrine an diese Zeit:

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Links

Wir bedanken uns bei der Museumsleitung für die freundliche Begrüßung und beim Vortragenden für den interessanten Vortrag.

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