Mir san in Hütteldorf daham

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Jeder kennt seine Wohnumgebung aber wer kennt schon Hütteldorf? Um in Hütteldorf „daham“ zu sein, wie es in der Hymne heißt, muss man sich ein bisschen mehr mit Hütteldorf auseinander setzen. Und es gibt kaum einen besseren Zeitpunkt dafür als die fußballfreie Zeit im Juni.

Inhalt

Mitgliederversammlung am 11.3.2019 mit:
Stephan Auer, Andrei Ivan, Tobias Knoflach, Manuel Martic
Gäste sind willkommen, Voranmeldungen erbeten. Wenn Du als Nichtmitglied teilnehmen möchtest, rufe bitte 0677-1899 5070 (Franz).

Hütteldorf kommt von den „Hütteln“

Wer in die Gegend von Wolfersberg, Satzberg oder Hadersdorf kommt und den durch die „Hütteln“ verursachten „Landschaftsfraß“ beobachtet, meint, dass „Hütteldorf“ ein treffender Name für diese Gegend ist; „nomen est omen“.

Im Eintrag „Hütteldorf“ in der Wikipedia erfährt man aber, dass sich der Name nicht von den vielen „Hütteln“ am Stadtrand ableitet, sondern auf das Geschlecht der „Utendorfer“ (11.Jahrhundert) zurückgeht. Die Utendorfgasse (westlich von der Keisslergasse) erinnert an diesen Namensgeber.

Wie war Hütteldorf früher, vor den heutigen „Hütteln“?

Hütteldorf vor 1900

In dieser Zeit ist Hütteldorf noch ziemlich ländlich. Von allzu vielen „Hütteln“ keine Spur. Satzberg und Wolfersberg sind – wie das Bild zeigt – noch naturbelassen.
Die Westbahn bestand schon (seit 1860) aber die Stadtbahn und die Wien-Fluss-Regulierung gab es noch nicht.

Dafür floss schon der Gerstensaft im Hütteldorfer Brauhaus. Hütteldorf war damals ein beliebtes Ausflugsziel der Wiener. Im Saal des Brauhauses spielten Josef Lanner und Johann Strauß.

Hütteldorf 1872

Und genau nordöstlich des Brauhausgeländes wird 1911 der Fußballplatz „Pfarrwiese“ entstehen.

Blick auf das Hütteldorfer Brauhaus, rechts dahinter das Gebiet der Pfarrwiese
Gastgarten im Hütteldorfer Brauhaus, wahrscheinlich um 1900
Koloriertes Bild aus der Zeit um 1900. Links die Brauerei, rechts die Bahnhofstraße und in den Wiesen dazwischen der Platz für die spätere Pfarrwiese und den Platz des W.A.F.

Dort, wo 1911 die Pfarrwiese entstehen wird, sind noch Wiesen. Am Gebiet des Zeitschriften-Versands Morawa gibt es eine Leder-Fabrik. Das Baumgartner Kasino besteht schon (Kartenbezeichnung „Schloss“). Die spätere Deutschordenstraße ist eine unbebaute Allee-Straße. Die Badeanstalt an der Utendorfgasse besteht schon.

Hütteldorf ist im 14. Bezirk

Ja, heute, aber nicht immer, denn vor 1938 war Hütteldorf Teil des 13. Bezirks und erst mit der Schaffung von Groß-Wien entstand das heutige Penzing mit den Bezirksteilen Penzing, Baumgarten, Breitensee, Hütteldorf und Hadersdorf.

In einem Plan von Wien aus dem Jahr 1890 sieht man, dass es damals einerseits nur 19 Bezirke gab und dass der 14. Bezirk Rudolfsheim war. Penzing, Baumgarten und Hütteldorf waren Teil des 13. Bezirks

Diese Bezirkseinteilung sieht man auch am Plan der Tramway-Gesellschaft von 1894. Der 13. Bezirk ist gelb eingefärbt.

Gustav Freytag, Plan der Reichshaupt- & Residenzstadt Wien. Verlag & Druck von G. Freytag & Berndt in Wien. 1894/1895.Maßstab 1 : 25.000.Farblithographie auf Papier, ca. 70 x 83 cm.

In einem Planausschnitt kann man sehen, dass die heutige Deutschordenstraße damals Hackinger Allee hieß. Die spätere Utendorfgasse heißt noch Mühlgasse.

Ausschnitt „Hütteldorf“ aus dem Wien-Plan 1894

Rapid spielte immer schon im 14. Bezirk

Die ersten beiden Spielstätten von Rapid, auf der Schmelz und in der Selzergasse liegen heute im 15. Bezirk, waren aber damals im 14. Bezirk, der aber damals „Rudolfsheim“ umfasste.

Die Übersiedlung nach Hütteldorf im Frühjahr 1912 hatte daher einen Bezirkswechsel zur Folge – etwas, das heute auf allergrößten Widerstand seitens der Anhängerschaft führen würde, denn Hütteldorf gehörte damals zum 13. Bezirk und der Platz in der Selzergasse zum 14. Bezirk. Wenn also damals gegen den W.A.F. oder gegen die Amateure (später Austria) gespielt wurde, dann waren das nicht nur Stadt-Derbys sondern sogar Bezirks-Derbys.

Daher spielte Rapid vor 1911 im 14. Bezirk, zwischen 1912 und 1938 im 13. Bezirk und danach wieder im 14. Bezirk, denn durch die neue Bezirkseinteilung des „Groß-Wien“ in 26 Bezirken wurden die Ortschaften nördlich des Wienflusses dem neuen 14. Bezirk, Penzing zugeordnet. Und so ist es trotz einer Neuorganisation der Bezirke nach 1945 bis heute geblieben.

Man hat also nach 1945 die Änderungen des „Groß-Wien“ nur teilweise wieder zurückgenommen. Das heutige dynamisch wachsende Wien würde ebenso dynamische Stadtgrenzen gut brauchen können, um die heutigen Steuer- und Wirtschaftsscharmützel zwischen Erwin und Michael an den fixen Stadtgrenzen zu vermeiden (Auhof-U4-Verlängerung, Stronach-Rothneusiedl, G3-Gerasddorf, Vösendorf-Shopping.City).

Die Pfarrwiese I

Die frühere Spielstätte von Rapid in der Selzergasse entsprach wegen seinem Gefälle von Tor zu Tor von fast 2 Metern nicht den Erfordernissen des zukünftigen Ligabetriebs und daher war die Rapid-Führung gezwungen, sich um einen neuen Platz umzusehen. Die Fertigstellung der Anlage in Hütteldorf erfolgte noch im Herbst 1911 und daher konnte Rapid in der ersten Liga-Saison im Herbst keine Heimspiele austragen. Es wurden also im Herbst alle Auswärtsspiele angesetzt und dann im Frühjahr alle Heimspiele in der neuen Anlage.
Diese ursprüngliche Anlage der Pfarrwiese fasste etwa 8.000 Zuschauer und hatte keine Laufbahn. (Bild aus der Chronik „20. Jahre Rapid“)
Pfarrwiese 1912, gesehen vom westlichen Tor. Rechts die kleine überdachte Tribüne. (Quelle Wikipedia)
Das zunehmende Interesse an Fußball erforderte einen Ausbau der Anlage. Was vor allem fehlte, war das, was auch heute fehlt: VIP-Plätze! Nur ging es damals nicht um VIP-Logen heutigen Maßstabs sondern einfach um überdachte Sitzplätze. Außerdem war das Spielfeld zu wenig breit.

Die Pfarrwiese II

Diese Vorhaben des Ausbaus der Pfarrwiese wurde etwa 1922 durchgeführt. Schon in der Festschrift zum 20jährigen Bestandsjubiläum ist der Plan der zukünftigen Erweiterung enthalten. Nach dem Ausbau verfügte die Pfarrwiese über 20.000 Plätze und das Spielfeld auch über eine Laufbahn. Die Breite des Spielfeldes entsprach damit auch den Anforderungen. Die Längsseiten der Laufbahn wurden auch zum Fußballspielen benutzt und mussten daher bei Bedarf von „Laufbetrieb“ auf „Fußballbetrieb“ umgebaut werden.
Anlage der Pfarrwiese nach dem Ausbau 1922 (Bild aus der Chronik „20. Jahre Rapid“)
Die kleine Tribüne auf der Süd-West-Seite verschwand und wurde durch eine größere auf der Nord-Ost-Seite ersetzt. Aber ganz so wie im obigen Plan aus dem Jahr 1919 ist die Anlage dann doch nicht geworden, denn die Stehplatzreihen vor der überdachten Tribüne gab es nicht.
Pfarrwiese II, Blick auf die neue überdachte Tribüne.
Die Pfarrwiese verfügte mit dem angrenzenden Brauhaus auch über ein überaus großzügig dimensioniertes „Rapid-Dorf“. Der Besitzer der Brauerei Alois Brusatti war in den 1920er Jahren auch Ehrenmitglied von Rapid.

Hütteldorf in den 1920er Jahren

Hütteldorf 1925

Die Pfarrwiese wird im Süden von der Stockhammergasse und im Norden von der Isbary-Gasse begrenzt. Südwestlich, dort wo heute der Merkur ist, befand sich das Hütteldorfer Brauhaus.

Deutlich größer, weil mit Laufbahn, ist der Fußballplatz des W.A.F. („Wiener Associations Footballclub“) zwischen der Rettichgasse und der Bahnhofstraße. Dieser Sportplatz wurde 1924 eröffnet. Aber 1934 musste der W.A.F. wegen der Februar-Unruhen das Stadion verlassen. Details zur Geschichte des W.A.F.

Der Hugo-Breitner-Hof ist noch nicht zu erkennen. Diese Anlage wurde erst 1947 gebaut. An dieser Stelle findet sich 1925 im Osten eine Fahrrad-Fabrik und eine Wäscherei. Die Häuserzeile entlang der Deutschordenstraße in Richtung Hanappi-Stadion waren damals Holzbaracken, das „k.u.k. Kriegsspital III Baumgarten“.

Interessant sind die Planungen, die quer durch das spätere Areal des Hanappi-Stadions eingezeichnet sind.

Der Wien-Führer „Baldass“ aus dem Jahr 1928 nennt die Badeanstalt in der Utendorfgasse 3. Und noch ein interessantes Bad ist am westlichen Rand zu erkennen: mitten im Stauraum des Hochwasser-Überschwemmungsgebiets befindet sich ein städtisches Kinderfreibad.

Am Gebiet des heutigen Morawa-Zeitschriftenvertriebs befand sich eine Färberei.

Im Bereich des Bahnhofs Penzing kann man zwei Heizhäuser erkennen. So etwa muss man sich das vorstellen:

Heizhaus Penzing

Die Hütteldorfer Brauerei bestand bis 1937. Näheres über die Brauerei erfährt man im Wien Geschichte Wiki.
Die Pfarrwiese bestand bis 1981.

Das folgende Bild könnte ebenfalls in den 1920er Jahren entstanden sein. Der Fotograf war offenbar kein Rapid-Fan, denn er hatte nur den Bahnhof Hütteldorf im Visier.

Bahnhof Hütteldorf, gesehen vom Himmelhof. Hinter dem Bahnhof sieht man die Anlage des W.A.F., westlich der Bahnhofstraße. Die Pfarrwiese befindet sich links hinten, außerhalb der Abbildung.

Warum wurde die Pfarrwiese eigentlich abgesiedelt?

Domenico hat uns das einmal erzählt.

Es war geplant, die Westeinfahrt in zwei Ästen zu führen; den bekannten und bestehenden über das Wiental und einen zweiten Richtung Flötzersteig. Und diese zweite Trasse wäre über die Flächen des ehemaligen Hütteldorfer Brauhauses und der Pfarrwiese verlaufen und daher erfolgten damals in den 1970er Jahren die Absiedelungen. Doch die Bürgerproteste gegen diese Autobahn waren so stark, dass dieses Projekt nicht zustand kam und an der Stelle der alten Pfarrwiese Tennisplätze errichtet wurden.

Aus der Sicht der Entfaltungsmöglichkeiten für Rapid war aber der neue Standort besser geeignet, denn die mit dem Stadionneubau verbundenen zusätzlichen vier Fußballfelder hätten in der Nähe der Pfarrwiese nicht geschaffen werden können.

Hütteldorf heute

Der User Duke of Woodquart hat in Panoramio ein prächtiges Panorama von Hütteldorf publiziert, noch mit dem alten Hanappi-Stadion.

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