Wir wollen Siege sehen

Der Zufall regiert den Fußball

Wie nahe einander Erfolg und Misserfolg sind, kann man bei vielen Fußballspielen beobachten. Zwei tolle Schüsse aufs Tor von Marcel Sabitzer beim Spiel von Rapid gegen den WAC und beide Male geht der Schuss auf die Stange! Endstand 0:0.

Nächste Mitgliederversammlung 26.August. Eingeladen wurde die sportliche Führung Didi, Jürgen und Zoki. Auskunft 0677-1899 5070 (Franz)

Hätte er getroffen, wäre der weitere Verlauf dieser Nullnummer natürlich ein ganz anderer gewesen, weil der danach offensivere WAC noch für das eine oder andere Tor gut gewesen wäre. Das „Hätti-wari“ des Fußballs eben.

Der Mensch mag den Zufall nicht

Der Mensch will sich in seinem Leben eigentlich keinen unberechenbaren Zufälligkeiten aussetzen. Die Zukunft will vorausschaubar geplant sein. Alles steht am Terminkalender, der nächste Urlaub, de nächste Geburtstermin, das nächste Fußballspiel. Alles, was nach Unglück riecht, wird durch Versicherungen abgedeckt. Mögliche größere Schäden werden durch sichere Verluste an kleinen Prämienzahlungen durch eine große Zahl von Versicherten gegengerechnet. Man ist auf der sicheren Seite. Rudi Klausnitzer beschreibt das gleich im ersten Kapitel seines Buches „Das Ende des Zufalls“.

Was ist aber ein solches bis in alle Einzelheiten geplantes Leben? Es ist langweilig, weil eben nur das Ungewisse einen gewissen Kick bietet. Zu wissen, wie das ist, mit 300km/h auf der Autobahn zu fahren und sich dann mit Polizei und Gericht auseinander setzen zu müssen, das sind noch Herausforderungen für unseren  Macro Arnautovic.

Der Rest der Welt, der nicht so weit wie Marco gehen will, aber auch diesen Kick des Ungewissen braucht, geht zu Sportveranstaltungen oder/und investiert im Glücksspiel. Mutige klettern auf Berge, machen Expeditionen oder Zocken an den Börsen.

Während man beim Lotto oder Roulette einfach nur Passagier ist, der glaubt, zufällige Ereignisse voraussagen zu können, gibt es beim Sport jede Menge Einflussgrößen, die das Geschehen am Spielfeld beeinflussen und dem Zuschauer suggerieren, dass man das Geschehen auf Grund der vielen Detailkenntnisse voraussagen könne.

Man kann im Wettbewerb einer Liga mit viel Geld, Geschick, Motivation eine Mannschaft so weit bringen, dass die Wahrscheinlichkeit für Erfolge größer wird.

Aber die konkreten Tore, Ergebnisse und Titel im Fußball unterliegen zufälligen Schwankungen. Man kann nur eine Wahrscheinlichkeit steuern aber nicht den konkreten Einzelfall. Daher ist Fußball auch so interessant und daher ist es sehr wohl möglich, dass einerseits Rapid in der laufenden Saison gegen RedBull, den finanziellen Krösus der Liga  drei Mal gewinnt und gleichzeitig gegen den Aufsteiger WAC drei Mal verliert.

Der Rest ist menschliches Unvermögen, den Zufall auch als Zufall zu akzeptieren.

Falsche Erwartungshaltung

Bei ausgeglichenen Leistungsverhältnissen in einer Liga sind Spiele schwer berechenbar.

Eigentlich könnten die Wett-Quoten reale Kräfteverhältnisse abbilden aber sie bilden stattdessen die Erwartungshaltung des Publikums ab. Anders ist es nicht zu verstehen, dass nach den drei Niederlagen von Rapid gegen WAC die Quote für Rapid auf 1.6 und für den WAC auf 4.5 stand.

Und genau diese völlig irreale Erwartungshaltung, die sich am Reporter-Titel „Rekordmeister“ orientiert, ist es, die das Publikum mit einer völligen Fehleinschätzung in das Stadion gehen lässt, und weil die Erwartung, die man an den Quoten ablesen kann, nicht erfüllt wird, in Reaktionen wie Support-Verweigerung, Suche nach Schuldigen, Beschimpfung der Akteure mündet.

Man verlässt nach dem 0:0 (das ja eigentlich ein sportlicher Erfolg war) frustriert das Stadion. Man befindet sich in einer Spirale, die man erst dann verlassen kann, wenn die Mannschaft wieder auf Erfolgskurs steuert.

Der Mensch braucht eine Regel, keinen Zufall

Was würde jemand sagen, der beim Roulette zehn Mal hintereinander auf Rot setzt, die Kugel aber ebenso oft auf Schwarz fällt? Er wird umgehend eine Manipulation vermuten, wahrscheinlich schon beim fünften Mal. Tatsächlich aber kann so was durchaus vorkommen und es war ja auch der Grund zur Einführung eines Maximaleinsatzes beim Roulette.

Ebenso kann der Fußballfan nicht verstehen, warum seine Mannschaft, die schon so viele Meistertitel gewonnen hat, in neun Spielen hintereinander sieglos blieben kann. Aus der Sicht des Zufalls, kein Problem; schon aber für den erfolgsverwöhnten Rapid-Fan, denn der „will Siege sehen“.

Wie reagiert nun Mensch auf solche Ereignisse? Keineswegs mit Gelassenheit, sondern mit einer hektischen Suche nach Erklärungen. „Der Kulovits ist schuld“, „der Trainer ist Schuld“, „der Vorstand ist schuld“ und im Reigen dieser Schuldzuweisungen erweist es sich als die billigste (und immer noch sehr teure Lösung) den Trainer zu entlassen. (Irgendwie ist uns dieses Verhalten bekannt, dass eben alle Zufälligkeiten „einen Schuldigen“ brauchen, wie seinerzeit die Hexen für das Klima herhalten mussten und heute die Türken für das eigene Unvermögen).

Skinners Lernmaschine

B.F. Skinner zählt zu den größten Psychologen des 20. Jahrhunderts. Auf ihn gehen Experimente mit einer Lernmaschine zurück, die er vor allem mit Tauben durchgeführt hat, die dann aber auf das menschliche Verhalten übertragen wurden und die zeigen, dass Menschen versuchen, zufälligen Ereignissen Sinn zu geben, indem sie Regeln über diese Ereignisse aufstellen.

Auf Seite 47 (rosa Fact Box „Synchonizität) des Buchs „Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln“ von Puntigam, Gruber und Oberhummer wird beschrieben, wie sehr wir uns gegen den Zufall wehren und wie sehr wir uns bemühen aus zufälligem Geschehen eine Regel ableiten zu wollen, auch wenn dieses gar nicht existiert. Das im Text erwähnte Taubenexperiment findet man auf YouTube, gezeigt an Hand der Original-Versuchsanordnung von B.F. Skinner.

In einem Versuch der BBC hat man gezeigt, dass Menschen Regeln finden, wo gar keine sind. Mit einigen Schalthebeln ausgerüstet sollten Versuchspersonen über diese Schalthebel die Zählgeschwindigkeit eines Zählers erhöhen und tatsächlich fanden die Versuchspersonen einen Zusammenhang zwischen ihrem Schalten und dem Zähler. Der Clou an der Sache war aber, dass der Zähler mit diesen Schalthebeln gar nicht in Verbindung stand sondern durch einen (für die Versuchspersonen unsichtbaren) Goldfisch gesteuert wurde, der durch seine Schwimmbewegungen für den Zählrhytmus verantwortlich war.

Wir sollten aufgrund des Wissens, dass wir mit dem Zufall nur schlecht umgehen können, vorsichtig sein mit den Schuldzuweisungen nach einem Misserfolg. Wir sollten zumindest in Erwägung ziehen, dass die neun erfolglosen Spiele in Serie von Rapid auch nur reiner Zufall gewesen sein können oder wenigstens eine Folge ziemlich unglücklicher Umstände (Verletzung von Hofmann und Boskovic).

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1 Antwort
  1. hans
    hans sagte:

    Der Roman (und auch Skinner selbst) lässt die Frage offen, wer das Recht (die Allmacht) haben soll, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen festzulegen, die hernach das Zusammenleben der Angehörigen dieser Gesellschaft bis ins Kleinste bestimmen, also auch die ethischen Normen.

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