Rapids nächster Präsident

Für mich waren der Jahre der Edlinger-Präsidentschaft sehr gute Jahre für Rapid. Es wird nicht leicht sein, einen so populären Typen, der sich auch bei weniger populären Events wie Spielen der Jugend und der Amateure im Freizeitdress am Spielfeldrand einfindet und der gleichzeitig in dem gegebenen Biotop der Stadt Wien und der Bezirkspolitik Ansehen genießt. Immerhin vertritt er in seinem Namen und im Namen Rapids Menschen aller Schichten, auch solcher, die nicht zu den Kuschelweichen in der Gesellschaft zählen. Und er macht das gut, denn einfach ist das nicht und natürlich gelingt nicht alles zu aller Zufriedenheit. Der Neue wird früh genug kommen, jedenfalls bei der nächsten Generalversammlung.

Für mich ist ein Nachfolger aus dem monopolistischen Glücksspiel-Gewerbe keine vorteilhafte Wahl und zwar aus folgendem Grund:

Nächste Mitgliederversammlung 28.Oktober. Eingeladen wurden Grahovac, Greiml, Murg, Sonnleitner. Auskunft 0677-1899 5070 (Franz)

Glücksspiel in Österreich ist (noch) ein Monopol. Das ist wie eine Liga, in der man nicht absteigen kann. Gerade in den letzten Tagen äußerte sich Präsident Stickler*) „fassungslos“ über die bevorstehende Änderung des Glücksspielmonopols, weil er meint, dass dadurch die Existenz der Lotterien gefährdet sei. (Was muss das für ein Betrieb sein! Jedenfalls ist er aber überdimensioniert.) http://derstandard.at/1341845086207/Gluecksspielmonopol-Zwischen-Staatsstreich-und-Existenzbedrohung **)

Stickler & Co sind Führungskräfte, die sich zeitlebens in einem begünstigten Wirtschaftsraum ohne Konkurrenz bewegt haben – ganz im Gegensatz zu Politikern oder Führungskräften der Realwirtschaft. Die Glücksspielcrew dimensioniert die Firma gemäß dem Füllhorn der Glücksspieleinnahmen, die ihnen niemand – weil Monopol – streitig machen kann.

Ein Fußballverein hat aber neun Konkurrenten, die sich nicht nur um die zu vergebenden Punkte matchen, sondern auch um dieselben Sponsoren, um Termine beim Bürgermeister, um die Position des Vereine gegenüber der Liga und, und, und.

Ein grün-weißes Herz allein wird da nicht genügen. Entweder dieser neue Präsident bringt so etwas wie eine „Mitgift“ aus seiner monopolistischen Glücksspiel-Beschäftigung mit (Hauptsponsor „Casinos Austria“), die für Rapid einen großen Wert haben kann (Warum haben wir aber diesen Sponsor nicht jetzt schon? Ganz einfach, das Standing des Präsidenten in spe ist nicht so, dass er eine solche Sponsering-Maßnahme bei den Casinos-Austria durchbringen könnte.) oder eben Erfahrung im wettbewerbsorientierten Tagesgeschäft.

Zum Teufel mit dem Namen: wenn ich gefragt würde, ob ich mich für ein generalsaniertes „Hanappi“-Stadion oder für eine auf 25.000 Zuschauer erweiterte „Casinos-Austria-Arena“ entscheiden soll, dann wähle ich Zweiteres, denn wir alle nennen es ohnehin „Hanappi-Stadion“, egal, was draufsteht. Wo bleiben McDonalds-Österreich oder CocaCola-Österreich mit ihrem Fußball-Engagement, immerhin sponserte CocaCola in England jahrelang die unteren Ligen. Wie wär’s mit Rapid?

Wer mir als Nachfolger unseres Präsidenten gefallen würde, wäre zum Beispiel der Purkersdorfer Bürgermeister Karl Schlögl. ***)

Ich fürchte, dass unser Präsident der erste wäre, der versuchen würde, uns einen anderen Stadion-Namen und auch anderen Stadion-Standplatz zu verkaufen, allein er macht aus der Not (dass er eben keinen Bewerber für den Namen hat, oder einen, der zuwenig zahlt) eine Tugend, indem er uns bei unserer grün-weißen Seele packt und den Namen „Hanappi“-Stadion als „unverkäuflich“ deklariert.

„jeder woass, dass a geld nit auf da wiesen wachst“

…gilt nicht nur für den Staat, gilt auch für Rapid.

  • Sticklers Präsidentschaft im OeFB und als EURO-Präsident war wohl das Unerfreulichste, was dem österreichischen Fußball hätte passieren können. Die Nominierung von Pepi Hickersberger, die praktisch nicht vorhandene Weiterverwendbarkeit der EURO-Investitionen (mit Ausnahme von Wals-Siezenheim) weist ihm und den sonst Beteiligten ein sehr schlechtes Zeugnis aus).
  • Rapidler scheuen zwar den Umgang mit Geldgebern und die prominentesten sind schon in „festen Händen“ oder abgesprungen wie Didi Mateschitz, Frank Stronach oder Richard Trenkwalder. Aber „zwei hab‘ ich noch“: Karl Wlaschek (Billa) und Johann Graf (Novomatic). Während Karl Wlaschek wohl altersbedingt nicht in Frage kommt, wäre Karl Graf mit seiner Novomatic-Gruppe durchaus eine Figur im Hintergrund, die mit einer „Novomatic“- oder „Admiral“-Arena das für einen Stadion-Umbau nötige Geld bereitstellen könnten, insbesondere, wenn eben das Glücksspiel-Monopol in Österreich tatsächlich fallen sollte – wie Stickler befürchtet.
  • Auch Karl Schögl ist nicht ganz frei von Berührungen mit dem Glücksspiel, denn er war bis 2011 im Aufsichtsrat der Novomatic, was aber in diesem Zusammenhang „Neuer Präsident“ vielleicht gar kein Nachteil sein müsste.
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