Warum früher mehr Tore geschossen wurden

Während Rapid bis etwa 1960 im Mittel noch etwa 3.5 Tore pro Spiel erzielt hat, sind es danach nur mehr etwa 2 Tore pro Spiel. In den beiden abgelaufenen Saisonen waren es gar nur 1.6 Tore pro Spiel.

Für die Anzahl der geschossenen Tore im Fußball wird man wohl in erster Linie das Regelwerk und die taktische Einstellung zum Spiel verantwortlich machen und natürlich auch der Umstand, dass man das Spiel immer besser versteht und daher es auch versteht, wie man Tore des Gegners verhindert; das Verhindern scheint besser zu gelingen als sein Gegenteil, das Erzielen der Tore,

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Dass es in der Frühzeit des Fußballs mehr Tore zu sehen gab, lag zu einem Teil an der damaligen extrem offensiven Formation mit fünf und mehr Stürmern und nur zwei Verteidigern. Dem steht gegenüber, dass der Tormann bis 1903 den Ball auch außerhalb des Strafraums mit der Hand berühren durfte und dass bis 1924 eine restriktivere Abseitsregel galt, bei der bei Ballabgabe drei gegnerische Spieler zwischen dem ersten Stürmer und der Torlinie sein mussten. Insgesamt dürfte aber die extrem offensiv ausgerichtete Spielweise dominiert haben.

Wahrscheinlich war die damalige Abseitsregel schwer zu erkennen und vielleicht war schon damals der Wunsch nach mehr Toren eines der Motive, dass man 1924 die Abseitsregel in die heutige Form gebracht hat, dass eben zwei statt drei Spieler zwischen dem Stürmer und der Torlinie sein müssen.

Auch die Einführung der Drei-Punkte-Regel hatte als Motiv, die Anzahl der geschossenen Tore und damit die Siege zu begünstigen, weil man gedacht hat, dass der höhere Gewinn von drei Punkten die Mannschaften mehr motivieren würden „auf Sieg“ zu spielen. In Wahrheit war aber das genaue Gegenteil der Fall, denn die Verteidigung rückte in den Vordergrund und man spielte auf „nur ned verlian“, mit dem italienischen „catenaccio“ mit bis zu 5 Verteidigern als Krönung. Die Anzahl der geschossenen Tore ist seit diesem Zeitpunkt weiter gesunken.

Es gibt aber noch einen weiteren sehr interessanten Grund, warum man früher mehr Tore geschossen haben muss, auch wenn man sich alle anderen Einflussgrößen wegdenkt und zwar die Körpergröße der Menschen. Alle geometrischen Parameter des Fußballspiels rund um das Tor stammen aus den Erfahrungen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Und damals waren die Menschen um genau 10 cm kleiner als heute. Siehe „Körpergröße“.

Wenn man jetzt noch die heutige besondere Selektion der Torleute und Verteidiger hinsichtlich ihrer Größe betrachtet, dann ergibt das schon einen beachtlichen Vorteil einer modernen Verteidigung im Vergleich mit ihren historischen Vorgängern.

Wenn wir moderne Wohnungen betrachten, erleben wir ein ähnliches Phänomen: Raumhöhen, Türhöhen, Höhen der Arbeitsflächen in Küchen, Länge der Betten stammen noch aus früheren Zeiten und immer weniger scheinen sie unseren Körpermaßen zu entsprechen, immer mehr kann man Einrichtungsgegenstände zunehmend in größeren Abmaßen bekommen.

Diesem Umstand könnte auch der Fußball berücksichtigen und die Höhe der Tore um 10cm und ihre Breite um 20 cm vergrößern.

Allerdings kann man einwenden, dass man auch um 1900 als Torleute entsprechend ausgewählt hat und bei dieser Auswahl spielt die mittlere Größe der Menschen keine Rolle, denn auch 1900 gab es große Sportler, nur eben weniger als heute. Das wieder könnte man durch Vergleich der durchschnittlichen Größe der Spieler überprüfen – sofern man dazu über ausreichendes Datenmaterial verfügt.

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