Rapid und der Abstand zum europäischen Spitzenfußball

Rapid feierte einst Erfolge von europäischen Dimensionen. Wo sind diese Zeiten geblieben? Was war Schuld am Niedergang? Kann man etwas ändern?

Zuerst möchte ich von einem meiner Lieblingsspieler aus den ersten Tagen des Fernsehens berichten, von Ferenc Puskás. Seine Driblings bei Real-Madrid waren eine Augenweide. Und die Begegnungen mit Real Madrid waren sowohl für Real als auch für Rapid Meilensteine. Aber für Real zeigten die Pfeile nach oben und für Rapid nach unten. Die 50er Jahre waren der Knackpunkt.

Nächste Mitgliederversammlung 2.Dezember. Eingeladen wurden Zoran Barisic und Christoph Peschek. Auskunft 0677-1899 5070 (Franz)

Der Knackpunkt

Rapid war in diesen Jahren eine Mannschaft, die sich mit Real Madrid messen konnte. Alle (Bewerb-)Spiele gegen Real findet man hier: http://rapid.iam.at/statistics.aspx?id=perf&id1=opponent&detail=RealMadrid

Es was das Achtelfinale des Europacups der Meister. Nach der heutigen Auswärtstor-Regel wäre Rapid nach einem 2:4 auswärts und einem 3:1 zu Hause aufgestiegen. Damals aber gab es noch ein Entscheidungsspiel und das war unglücklicherweise auswärts in Madrid und wurde 0:2 verloren. Das war der Knackpunkt. Danach geht es mit Rapid eher abwärts und mit Real eher aufwärts.

Wie bedeutend aber Rapid damals war, zeigt der Umstand, dass für die Verabschiedung von Ferenc Puskás, des größten Spielers der damaligen Zeit, die Mannschaft von Rapid eingeladen wurde. Eine höhere Wertschätzung kann man einer Mannschaft kaum entgegenbringen. Ich erinnere mich gehört zu haben, dass Ferenc Puskás zuerst erwog zu Rapid in das nahegelegene Wien zu gehen. Als Ferenc Puskás Real Madrid altersbedingt verließ, kam gerade Johnny Bjerregaard als einer der ersten Legionäre zu Rapid.

Schon damals gab es aber zählbare Unterschiede. Während die Zuschauerzahl in Wien 50.000 betrug, zählte man in Madrid mehr als 100.000 Zuschauer.

Was dann genau den Rückgang des österreichischen Fußballs zur Folge hatte, ist nicht ein Umstand allein.

Jedenfalls kann man die Leistungen eines einzelnen Vereins nicht unabhängig von den Leistungen der heimischen Liga und der Nationalmannschaft sehen.

Vom Amateurfußball zum Profifußball

Es dürfte der Übergang von gemütlichen Vereinsfußball zum Profifußball gewesen sein, der diese Entwicklung begleitet. So sympathisch ein Walter Zeman von seinen Kollegen geschildert wird (er war gerne beim Heurigen und das dürfte auch mit seinem frühen Tod zusammenhängen), so wenig Platz hätte diese Gemütlichkeit im heutigen Fußballgeschehen, Diese Gemütlichkeit war aber möglich, solange es nicht ums Geld sondern nur um die Ehre ging.

Alle heute noch lebenden Legenden erzählen mit einer gewissen Wehmut wie die damaligen „Scouts“ von Rapid auf den Abhängen des noch unbebauten Wienerbergs noch in den Nachkriegsjahren (erzählt von Walter Riegler) den Nachwuchs für Rapid rekrutiert haben. Von Rudolfhügel, Hertha, FavAc, Elektra usw.

Kinder von heute (besser ihre Eltern) spielen da nicht mit. Eine bessere Ausbildung ist gefragt. Und daran scheitern auch die besten Vorsätze. Beispiel: der Enkel von Robert Dienst, dem legendären Torschützenkönig spielte bis zum 8. Lebensjahr sehr erfolgreich im Rapid-Nachwuchs. Doch der Aufwand für die Eltern und die Abstriche, die einer besseren Schulausbildung entgegen stehen, ließen den Vater das Handtuch werfen. Aus ist’s mit dem Talent, die Schule geht vor.

Junge Talente kann man nicht mehr wie früher einfach einsammeln sondern man muss sie heute mit viel Aufwand an den Profi-Fußball heranführen. Vielleicht hat man diesen Wandel im Schatten des Wiederaufbaus nicht erkannt oder es war einfach wirklich wichtiger sich am Wirtschaftsaufschwung zu beteiligen als am Fußballaufschwung.

Walter Riegler, Robert Dienst, wahrscheinlich der Großteil der damaligen Stars hatten alle einen Brotberuf. Es musste ein toleranter Dienstgeber sein, der die Fußballer bei Bedarf freistellte. Aber Fußball war für den Sportler nur ein Nebenjob. Das Geld verdiente er anderswo.

Auch der Verein war ein wirklicher Verein. Mit Kassier, Schriftführer und Präsident. Die Anhängerschaft bestand aus einem elitären Förderverein, dem man nicht einfach beitreten konnte; da musste man schon von jemanden dazu nominiert werden.

Dann kam aber der Wechsel zum Profifußball. Vielleicht war es so wie das dynamische Umschalten von Verteidigung auf Angriff: alle müssen den richtigen Moment erkennen und die Vorgangsweise konzertiert ändern. Es müssen praktisch von heute auf morgen Gelder aufgebracht werden, um die Spieler zu bezahlen. Wenn das entweder nicht erkannt wird oder durch Traditionalisten (des ham ma imma schon so gmacht) verhindert wird, dann ziehen vergleichbare Vereine/Länder auf und davon.

Auf der folgenden Grafik sieht man die Zuschauerentwicklung. http://rapid.localhost/statistics.aspx?id=graphics&id1=visitors Im gleichen Ausmaß als in den 50er Jahren die Zuschauerzahlen zurückgehen, schwinden auch die Erfolge, mit einem absoluten Tief in den 70er und 80er Jahren. Zuschauerzahlen sind aber gleichbedeutend mit Einnahmen und auch mit Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Fußballs. Ich glaube nicht, dass allein Rapid hier Versäumnisse vorzuwerfen sind, denn sonst hätten uns andere deutlich überholt (teilweise war das auch durch die Austria der Fall). Es war eher eine österreichische Art, nicht viel vom Fußball zu halten.

Jedenfalls verlaufen die Zuschauerzahlen von Rapid und der Bundesliga immer parallel, wobei Rapid immer deutlich über dem Durchschnitt liegende Zuschauerzahlen hat. Das heißt, Rapid hat sich nicht etwas vorzuwerfen, die Entwicklung ist nicht eine des Fußballs bei Rapid sondern eine des österreichischen Fußballs.

Wenn man einen Schuldigen sucht, würde ich jene vorschlagen, die die Zeichen der Zeit nicht richtig gedeutet haben und gemeint haben, alles könne so bleiben wie es war.

Ich vermute, dass man in Österreich die Bedeutung der Fan-Bindung nicht erkannt hat und dass man seitens des Vereins etwas für die Fans tun muss, will man die Zuschauer trotz der Konkurrenz durch das Fernsehen halten. Das hat bei Rapid erst Andy Marek in genialer Weise umgesetzt. Nicht nur, dass er die Verbindung zwischen dem Verein und den Fans herstellt, er ist diese Brücke auch ganz persönlich. Und das zeichnet die Rapid-Familie gegenüber den größeren kommerziellen Konstrukten der englischen Vorbildvereine aus. Rapid ist ein Verein, bei dem man nicht Kunde sondern Mitglied und Freund ist und auf dieser Grundlage solle man alle Überlegungen über eine bessere Zukunft aufbauen.

Der Wohlstand steht dem fußballerischen Erfolg entgegen

Der Wiederaufbau in Österreich und in Deutschland war eine Maschinerie, in der alle eingebunden waren. Fußball verlor seine Bedeutung für die Massen, den er in der Zeit nach dem ersten und nach dem zweiten Weltkrieg noch hatte.

Dieses Wiederaufbau-Phänomen ist typisch für Österreich und Deutschland. Entlegene Fußballhochburgen wie Schottland, England, Spanien, Frankreich waren davon nicht in dieser Intensität betroffen.

Genau in dieser Zeit wurde Deutschland Weltmeister und Österreich erreichte den dritten Platz. Und das in einer wirtschaftlich und politisch sehr tristen Zeit.

Genialer Fußball wächst auf einem sonderbaren Biotop der Tristesse der Lebensumstände armer Bevölkerungsschichten. Die größten Fußballer wie Pelé, Zidane, Eto’o und viele anderen stammen aus den allereinfachsten Verhältnissen. Der Leistungsdruck der Straße dürfte enorm sein und fokussiert sich mangels anderer Betätigungsfelder entweder in kriminelle Aktivitäten oder in besessene Fußballleidenschaft.

Wo hier bei uns gibt es dieses Biotop? Wir können nur mit der modernen Käfigkultur aufwarten und jenem Stürmer, der die dort erlernten Fähigkeiten perfekt umgesetzt hat: Ümit Korkmaz. Aber von seiner Sorte bräuchten wir mehr, viel mehr.

Der Sozialstaat ist der stabile Nachfolger der instabilen Zwischenkriegs-Republik und niemand wünschte sich diese zurück, nur damit wir bessere Fußballspieler hätten. Mittlerweile sind auch die Kinder der schwächsten sozialen Schichten, der Zuwanderer vom Sozialstaat wohlgenährt und damit für den Fußball verloren.

Zum Fußball gehört Hunger. Nicht nur der Hunger nach Essbarem sondern auch das Ziel, es auf diesem Gebiet zu etwas zu bringen. Und das erfordert einen Mangel, einen großen Mangel. Was wir auf der einen Seite als Sozialstaat schätzen, rächt sich bei der Rekrutierung junger, hungriger Fußballer.

Wir sprechen heute von der „neuen Armut“ und definieren, wie gering das Haushaltseinkommen sein muss, um diese Armut zu beschreiben. Wie aber sind die Kinder in diesen Verhältnissen? Sie sind wohlgenährt, viele sind übergewichtig. Es ist eine Neue Armut, nicht eine existenzielle. Diese Neue Armut erzeugt keine Fußballer.

Das war nach dem Ersten Weltkrieg ganz anders. Hunger war allgegenwärtig. Eine warme Mahlzeit zu bekommen, war schon ein Motiv Fußball zu spielen (und wurde oft schon als Profifußball bezeichnet). Meine Großmutter hatte 1917 ein dreijähriges Kind aber zu wenig, um es zu ernähren. Es starb an der damals weit verbreiteten Tuberkulose.

Niemand wünscht sich solche Verhältnisse aber das waren ideale Bedingungen für die Rekrutierung junger Fußballer. Auf den weiten Wiesen vor der Stadt lernten die Kinder die Übersicht über ein großes Spielfeld zu haben. (Enge Verhältnisse wie in de brasilianischen Vororten oder in den modernen Käfigen bilden wieder andere Fußballertypen heran.) In dieser Welt des Mangels wuchsen die besten Talente heran. Fußballerisch gut war daher jene Großstadt, die über solche Verhältnisse verfügte.

Der Sozialstaat ist dieser Art von Scouting eher engegen gerichtet. So wie eben der Sozialstaat in der Zweiten Republik (teilweise nach schwedischem Vorbild) eingeführt wurde, verschwand auch die Basis für die damalige Art des Fußballs. Was auf der einen Seite eine Errungenschaft ist, dass es eben gelang, jedem ein ausreichendes Einkommen mit Kranken- und Sozialversicherung zu bieten, bedeutete für den Fußball eine Verkleinerung der Spielerbasis.

Und das hat sich bis heute nicht prinzipiell geändert. Nur sind viele neue Elemente dazu gekommen. Es gibt daher sowohl die Talenteschmiede der Spieler, die aus ärmsten Verhältnissen stammen http://www.brasilien.de/volk/sport/fussball/opium.asp aus Südamerika und Afrika (aber auch Spielertypen wie Wayne Rooney zählen in die Kategorie); es gibt aber gleichzeitig auch die kommerzialisierte, verwissenschaftlichte und systematische Ausbildung in den europäischen Ländern.

Wenn man aber die Zusammensetzung der Mannschaften der aktuellen Weltmeisterschaft betrachtet, stellt man fest, dass die europäischen Ligen die Bühne für den talentierten Nachwuchs aus den afrikanischen und südamerikanischen Ländern darstellt.

Was macht die große Zeit von Rapid und des österreichischen Fußballs aus?

Das hatte viel mit den politischen Befindlichkeiten nach den großen Kriegen zu tun. Ein nach dem Ersten Weltkrieg über Nacht verkleinertes Österreich fühlte sich ohnmächtig und bedeutungslos. Fußball kann nicht viel aber es kann den Menschen Kraft geben in einer Zeit, wo sie keine Hoffnung mehr haben. Ich habe das Gefühl, dass der Fußball der goldenen Zwanziger Jahre und auch darüber hinaus genau das gekonnt hat. Er hat die Massen mobilisiert, hat Arbeitslosenheeren Hoffnung gegeben. Und nach dem zweiten Weltkrieg gabe es eine ähnliche Aufbruchsstimmung. Schneller als Bagger und Kräne konnte Fußball eine heile Welt wiederauferstehen lassen und tat es auch.

Und warum ist es in Deutschland jetzt besser?

Vor allen anderen Gründen: ein Verein in der Deutschen Bundesliga verfügt über ein viel größeres Budget für dieselbe Leistung. Das liegt an den viel höheren Werbeeinnahmen und viel höheren Fernsehgeldern. Und das war seit dem Beginn der Kommerzialisierung des Fußballs so und reicht daher schon lange zurück. Daher konnte sich in Deutschland (und natürlich sinngemäß in den anderen großen Ligen) wirtschaftlich besser entwickeln und das bessere Spielermaterial aufbieten.

In Deutschland ist es schon früh gelungen, den Fußball als ein nationales Bindemittel zu verstehen. Patriotismus und Fußball gehören irgendwie zusammen. Deutschland hat die Chancen der Fußball-WM eindrucksvoll mit zahlreichen Stadionneubauten genutzt. Die Intergration der Zuwanderer gelingt in Deutschland in einem höheren Maß als es in Österreich der Fall ist. In Bielefeld saßen neben uns serbisch-stämmige Schalke-Fans und feuerten Schalke an. Die Zusammensetzung der Deutschen Nationalmannschaft ist ein Spiegel der deutschen Gesellschaft, wobei bei den Fußballern die Zuwandererquote noch viel höher ist als den realen Verhältnissen entspricht. Die halbe Nationalmannschaft stammt aus integrierten Zuwandererfamilien. Das erzeugt eine hohen wechelseitige Identifikation dieser beiden Bevölkerungsgruppen.

Das liebe Geld

Wir plakatieren gerne: „Geld spielt nicht Fußball“ aber wir wissen es besser, denn ja, Geld spielt Fußball. Wir wissen zwar nicht genau wer von den großen Zehn im europäischen Klubfußball die nächste Championsleague gewinnt aber wir werden wieder – etwas gelangweilt – auch nächstes Jahr dieselben Paarungen im Fernsehen beobachten. Während unsere Spieler wieder frustriert einen Spätstart in die Frühjahrssaison hinlegen werden. Aber wir müssen gar nicht nach den Großen im europäischen Fußball schauen, ein Blick in die eigene Liga genügt. Wenn wir die Mannschaften nach ihrem Budget reihen, werden wir in etwa auch die Reihung in der Meisterschaft erhalten. Der heurige Einlauf entspricht genau diesen Zahlen: Red Bull, Austria, Rapid, Sturm. Und genau so sind die Budgets gereiht. Was freuen wir uns, wenn wir diese „natürliche Reihung“ einmal umdrehen und als erster die Ziellinie passieren. Alles ist aber im Rahmen des natürlichen, zufälligen Geschehens. Mehr, als dass wir einen Goliath einmal ärgern, mehr ist es nicht.

Und noch viel größer ist die Geldschere im Vergleich mit internationalen (zum Beispiel dem deutschen) Fußball. Mit dem Budget (und den Zuschauerzahlen) von Rapid könnten wir gerade in der Dritten deutschen oder englischen Liga spielen. Was haben wir uns über den Aufstieg gegen Aston Villa, den Sieg gegen Hamburg gefreut, über die beiden Unentschieden gegen Celtic. Aber unter dem Strich hat es doch nur für den letzten Platz in der Gruppe gereicht. Und das entspricht auch der „natürlichen Reihung“ des verfügbaren Geldes.

Ich war in der Nordbank-Arena in Hamburg und in der Trinity Road in Birmingham. Das sind um ein Vielfaches größere Geldbeschaffungsmaschinen namens Stadion. Nicht nur 4 mal so viele Plätze, auch 4 mal so viele Zuschauer, 5-10 mal so hohe Fernsehgelder, 5-10 mal so hohe Budgets. Mehr als die Rolle des David ist da nicht drinnen.

Wenn also der Wirtschaftsraum Österreich keine höheren Werbeeinnahmen zulässt, man aber dennoch ein internationaler Player sein will, müssten die Fußballklubs einer stattlichen, leistungsorientierten Förderung unterliegen, etwa wie beim (sehr erfolgreichen) ungarischen Staatsfußball der 50er Jahre oder dem (weniger erfolgreichen) DDR-Fußball. Das ist aber ein nicht realistisches Modell. Oder man muss sich zu einem größeren fußballerischen Wirtschaftsraum zusammenschließen.

Nicht genutzte Chancen

Der Fußball hatte in den letzten Jahrzehnten in Österreich kein großes Ansehen. Es muss aber etwas zählen, wenn die besten Mannschaften des Landes aufeinander treffen, denn Werbung braucht Öffentlichkeit und ohne Werbegelder kein konkurrenzfähiger Fußball.

Aber es schaut auch in der Gegenwart nicht viel besser aus. Die Euro war eine Jahrhundertchance und was ist daraus entstanden und was ist geblieben?

  • Innsbruck: nichts
  • Salzburg: ein Stadion für einen Retortenverein
  • Wien: nichts, was nicht schon da war
  • Kärnten: allein der Kärntner Landeshauptmann hat die Bedeutung des Fußballs für eine Region richtig gedeutet und auch der Stadionbau in Klagenfürt ist ein überraschendes Puls. Allein, es ist ein Stadion ohne Background, denn ohne die Rückendeckung des Landeshauptmanns wird es auch keine konkurrenzfähige Kärntner Mannschaft geben. Dass das Stadion am falschen Standort ist (ohne Bahn-, Autobahn-Anbindung) und im falschen Bundesland spricht stark gegen die Kompetenz der damals verhandelnden Fußballspezialisten.

Dass die Traditionsklubs Rapid, Austria und Sturm nichts, aber auch gar nichts aus der Euro mitnehmen konnten, ist ein Armutszeugnis, das kaum zu überbieten ist. Vereine die schon ein Jahrhundert lang den Fußball in Österreich tragen gehen bei dem Jahrhundert-Event der Europameisterschaft 2008 völlig leer aus.

Dass man mit einem neuen Stadion nicht gleich Weltmeister wird, ist klar aber man sichert dadurch einem Verein die Möglichkeit, über dem Umweg über höhere Einnahmen ein höheres Budget zu erwirtschaften.

Dass ein Stadion-Neubau auch wirtschaftlichen Randbedingungen genügen muss und soll, haben die Schweizer perfekt vorgeführt. Außer bei Letzigrund in Zürich sind alle Stadien Mehrzweckbauten mit einem Vielfachnutzen (Einkaufszentrum in Bern, Altersheim in Basel) sodass alle Nebenanlagen wie Parkplätze, Gastronomie auch neben den Spieltagen überlebensfähig sind und nicht so wie bei Rapid (Goleador) nach kurzer Zeit das Handtuch werfen müssen.

Ein Schmuckkästchen auf der grünen Wiese wie es das Klagenfurter Stadion ist, ist zwar schön aber mit einem sehr sehr geringen Nutzungsgrad verglichen mit dem eingesetzten Kapital.

Fußball braucht mehr Geld

Wenn wir uns mit regelmäßigem Ausscheiden in den internationale Qualirunden begnügen wollen, brauchen wir kein Geld. Wenn wir aber zumindest regelmäßig in den Gruppenphasen vertreten sein wollen, dann benötigen die Vereine mehr Geld. Die derzeit verfügbaren Gelder aus der Sportförderung sind viel zu gering, um beim Fußball etwas zu bewirken.

Fußball hat in Österreich einen zu geringen Stellenwert. Ein wirtschaftlich geführtes Unternehmen kann für Werbung nur das bezahlen, was die Werbung wert ist, aber nicht mehr. Wegen des kleineren Marktes kann aus diesem Titel „Werbung“ in Österreich zu wenig Geld erwirtschaftet werden. Daher wäre es in Österreich um so wichtiger, dass Klubs, die Bundesliga-Niveau erreichen, auch aus einem Sport-Fördertopf Gelder erhalten. Und das ist nicht unfair, denn der Fußballsport trägt aktiv (als Breitensport) und passiv (als positives Freizeitelement) zur körperlichen und emotionalen Gesundheit der Bevölkerung bei, ähnlich wie der Skisport.

Wenn daher die aus Fernsehen und Werbung zu erzielenden Erlöse zu gering sind, dann muss – wenn er das will – der Staat einspringen. Aktuelle Politiker hüten sich auszusprechen, dass sie etwas für den Fußball tun wollen (etwa einen Stadionneubau). Diese Situation ist in England und Deutschland ganz anders, weil dort der Fußball in viel stärkerem Maß in der Bevölkerung verankert ist und ein neues Stadion sich besser an die Wähler verkauft wie ein neues Krankenhaus. Wenn sich diese Situation verbessern soll, dann muss seitens der Fußballvereine viel in Lobbying investiert werden und viel am Image des Fußballs gearbeitet werden.

Damit Politikern den Fußball als positives Element verkaufen können, muss der Fußball für diese herzeigbar sein. Er muss einen Teil seines negativen Image ablegen und er muss den Politikern, die für diese Budget kämpfen auch jenes Image zurückgeben, das sie suchen.

Der einzige Politiker, den ich kenne, der das aktiv betreibt, ist der Bürgermeister Häupl (und eben der verstorbene Landeshauptmann Haider). Über die Gerechtigkeit der Verteilung dieser Steuergelder in Wien muss man nicht streiten: sie werden – völlig wettbewerbsverzerrend – weder proportional zur Anzahl der Mannschaften in der Bundesliga, noch zur Größe des Vereins, noch zum Erfolg des Vereins oder sonstwie nachvollziehbar einfach dem Lieblingsverein des Bürgermeisters – freihändig scheint mir – zugeschoben.

Aber es geschieht immerhin etwas. Und es hält ein traditionsreiches Derby am Leben, denn wer weiß, was aus unserem Lieblingsgegner nach dem Abgang des Mäzens ohne Hilfe der Stadt geworden wäre.

Mehr Werbegeld gibt es für mehr Öffentlichkeit durch den Fußball. Wie aber kann man mehr Öffentlichkeit erreichen?

Wir brauchen höhere Zuschauerzahlen. Rapid ist auf einem guten Weg, die Zuschauerzahlen steigen. Derzeit aber noch ohne zählbaren finanziellen Erfolg. Es geht nicht um ein paar Prozentpunkte, es geht um ein vollen Happelstadion bei den Top-Spielen. Aber das übersteigt auch die Zugkraft von Rapid.

Wenn wir nach England blicken, dann sehen wir, dass die dortigen Gemeinden sehr viel in Sportstätten investieren. Sie erschließen dadurch den Clubs höhere Einnahmen durch höhere Zuschauerzahlen. Ein Klub wie Rapid hätte in England oder Schottland oder Wales längst eine Kathedrale, nicht eine Ruine wie St. Hanappi. Dass wir das nicht haben, liegt einfach an den Wertigkeiten der Bevölkerung und damit der Politiker. Was wir am Sektor des Stadionneubaus bemängeln, begrüßen wir bei der sozialen Ausgeglichenheit unserer Länder und Städte. Wir haben keinen Wayne Rooney aber wir haben auch keine sozialen Schichten aus denen er stammt. Und da wir diese Schichten nicht haben, haben wir auch nicht die notwendigen Massen, die Spitzenfußball ausmachen.

Schottland und Wales sind anders

Schottland und Wales sind stark mit dem englischen Fußball verbunden. Der Spieleraustausch zwischen Clubs dieser Länder ist groß. Trotzdem wurde in Schottland laut darüber nachgedacht und möglicherweise schon beschlossen, dass beide Spitzenklubs Rangers und Celtic in der englischen Liga mitspielen. http://www.goal.com/de/news/835/premier-league/2009/04/01/1186526/bestatigt-celtic-und-rangers-in-die-premier-league Im Prinzip ist das eine Vorgangsweise, die auch die Spitzenvereine in Österreich verfolgen sollten, wenn sie europäisches Niveau erreichen wollen. Anders als in Österreich konnte man in Schottland wirtschaftlich mit den europäischen Spitzenklubs mithalten, doch fühlt man schon, dass der sportliche Abstand von Jahr zu Jahr größer wird und man dringend in einer größeren Liga mitspielen muss.

Der wichtigste Unterschied zu den österreichischen Verhältnissen ist, dass die Heimatgemeinde Glasgow mit nur 580.000 Einwohnern dem Club Celtic ein Stadion mit 60.000 Plätzen errichtet und gleichzeitig den Rangers ein solches mit 50.000. Und das ganz ohne eine Euro. Der Fußball ist den Briten einfach mehr wert als den Österreichern. Nicht nur, dass die Stadien mehr Menschen fassen, es gibt wahrscheinlich auch viel mehr Zuschauer vor den Fernsehern. Werbung in diesen Stadien oder bei diesen Spielen findet eine ungleich größere Öffentlichkeit als in Österreich und bringt daher auch viel höhere Einnahmen.

Alles in Allem haben die einfach viel mehr Budget, auch in Schottland. Nur die qualitätsvollen Gegner gehen ihnen allmählich aus.

Von einer solchen Fußball-Infrastruktur sind wir entweder noch weit entfernt oder werden sie vielleicht nie erreichen.

Sind wir selber schuld?

Und teilweise sind die Fußballfans in Österreich an diesen Verhältnissen und an dem Image des Fußballs mit beteiligt.

Wie schätzt der Durchschnittsbürger die Fußballer ein, wenn er hört, dass der Kapitän Andy Ivanschitz von den eigenen Fans auf das Allergröbste beschimpft wird.

Die Aktionen bei unseren violetten Freunden im Vorjahr haben ganz schöne Wellen geschlagen und blieben auch international nicht unbemerkt.

Und von denn immer wieder aufflammenden rechten Ausrutschern bei Fußballfans (fast aller Farben) ganz zu schweigen.

Und jetzt muss man sich in die Lage jenes Politikers versetzen, der sich für einen Stadionneubau einsetzen soll.

Rapid bilanziert nicht ausgeglichen.

Rapid benötigt ein Budget von etwa 16 Millionen Euro, davon sind aber nur 11 Millionen durch Eintrittsgelder, Fernsehgelder, Werbepartner und Merchandising abgedeckt. Damit nun das Budget ausgeglichen ist, muss Rapid 
  • in die Gruppenphase kommen und mit attraktiven Gegnern das Happel-Oval in drei Gruppenspielen füllen
  • bei Möglichkeit eine Top-Mannschaft für ein Eröffnungsspiel gewinnen (wie eben Liverpool im Vorjahr)
  • wenn beides nicht gelingt, müssen Spieler verkauft werden (damit wird Rapid zu einem Ausbildungsverein)
  • Gelingt beides nicht, dann muss Rapid derzeit einen Vorgriff auf Werbeeinnahmen der Folgejahre tätigen oder 
  • Rapid muss versuchen, attraktive Spiele der laufenden Saison (gegen RB und FAK) im Happel-Stadion auszutragen, um die Einnahmen aus den Spielen der Bundesliga zu erhöhen. hier sind aber die Fans gefordert auch wirklich in stattlicher Anzahl zu kommen. Das ist aber alles andere als gesichert, speziell, wenn es einmal nicht so gut läuft.

Was also müsste geschehen, damit wir wieder an bedeutender Stelle mitspielen können?

Es ist nicht vorstellbar, dass Rapid zu den europäischen Top-Klubs gezählt werden kann und gleichzeitig in der österreichischen Bundesliga mit Kapfenberg, Mattersburg, Kärnten und Ried um den zweiten Platz spielt. Wenn Rapid erstarken soll, dann muss das auch die österreichische Bundesliga. Europäische Spitzenklubs stammen aus starken Ligen. 

Wie kann man nun die Liga stärken?

Also die Übernahme von Austria Salzburg durch Red Bull ist schon eine solche Maßnahme, denn eine stärkere Liga bedeutet ja stärkere Gegner und genau das benötigt eine Mannschaft das ganze Jahr hinduch als Gegner, um dann auch in einem internationalen Vergleich zu bestehen. Wenn man auch die Symmetrie bei der Förderung der Wiener Spitzenklubs kritisieren kann (derzeit wird praktisch nur die Austria gefördert), so ist es für doch gut für die Bundeliga, denn es der Schaden hätte nicht größer sein können, wenn etwa die Austria nach dem Abgang von Stronach nicht mehr hätte finanziell mithalten können. Darunter hätte nicht nur die Austria sondern natürlich auch Rapid gelitten, denn welche Spiele sind schon ausverkauft? Jene gegen die Top-Teams, und davon können wir nicht genug haben.

Fußball ist ein Sport der Metropolen

…und nicht ein Sport der Provinz. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren nur die Wiener Vereine wettbewerbsfähig, weil nur die Wiener Verhältnisse eine ausreichende Zahl von Fußballern hervorgebracht hat. Damals gabe es ja keine künstlich zusammengewürfelten Mannschaften wie heute sondern man musste mit den Talenten der unmittelbaren Umgebung auskommen und die gab es naturgemäß nur in der Großstadt in ausreichender Zahl. Dass man heute in Mattersburg oder Kapfenberg Mannschaften aufstellen kann, gegen die auch Rapid so seine Schwierigkeiten hat, wird durch das heute verfügbare Kapital ermöglicht. Aber auch durch die Mobilität der Zuschauer, die aus einem viel größeren Einzugsgebiet kommen.

Aber: wirklich großen Fußball kann man nur in wirklich großen Metropolen erwarten. In Gebieten, wo große Menschenmassen ansprechbar sind. Denn die Mobilisierung der Menschen durch den Fußball ist es, die dem Fußball das notwendige Geld bringen. Man muss es schaffen, dass das einzige Stadion mit einer vernünftigen Größe, das Happel-Stadion bei Meisterschaftsspielen zu füllen. Rapid wäre schon längst bei den Top-Spielen dorthin ausgewichen, wenn man die 50000 Zuschauer schaffen würde. Aber man schafft es nur punktuell. Was in Deutschland oder England ganz selbstverständlich ist: ein volles Stadion fast unabhängig vom Gegner, das müssten wir erreichen. Dann gibt es auch mehr Werbegeld und wahrscheinlich auch bessere Fernsehverträge.

Es hängt aber direkt mit der Attraktivität der Gegner zusammen. Schon beim LASK ist nicht einmal St. Hanappi voll.

Aus diesem Dilemma sehe ich nur einen Ausweg: Eine übernationale Meisterschaft mit den Nachbarländern (die Eishockey-Liga macht es vor). Aber nicht so, dass unsere Spitzenvereine zum Beispiel in der Schweiz oder in Tschechien (oder umgekehrt) mitspielen, sondern in einer Einschaltung einer zusätzlichen Liga über der Bundesliga, vielleicht eine Neuauflage des Mitropacups. Diese Liga hat das Ziel: Mit attraktiven Gegnern für höhere Zuschauerzahlen und für mehr Werbegeld zu sorgen und die internationalen Startplätze festzulegen. Weiter bringt ein solcher überregionaler Bewerb etwas Wichtiges: eine Trophäe von Wert, denn die von der UEFA angebotenen Qualifikationen und die Gruppenphase bringen letztlich nur Frustration, denn nicht einmal der erste Platz in der Gruppenphase hat irgendeinen Wert.

Förderung von Spielern mit österreichischer Staatsbürgerschaft

Derzeit werden die finanzschwachen Vereine (das sind alle außer Red Bull) durch eine sonderbare Regelung dazu gezwungen, bevorzugt österreichische Spieler einzusetzen. Nur, wenn sie das tun, bekommen sie auch den ganzen Betrag aus den Fernsehgeldern ausbezahlt. Vereine, die mehr Österreicher einsetzen, bekommen auch mehr Geld. (Nach meiner Ansicht ist diese Vorgangsweise irgendwie uneruopäisch, denn es gibt ja bereits eine Niederlassungsfreiheit und es sollte eigentlich aus Sicht der EU keinen Unterschied geben, ob ein Arbeitgeber einen Inländer oder einen Ausländer beschäftigt. Fast scheint mir als wäre ein solcher Passus auf europäischer Ebene einklagbar.)

Aber was bekommt man dafür? Warum genau setzt ein Trainer überhaupt Ausländer ein? Ein Grund könnte sein, dass Ausländer oft zu einem geringeren Betrag zu haben sind und dass eben Menschen, die bereits den Sprung ins Ausland geschafft haben, flexibler und leistungfähiger als junge Inländer sind. Was auch immer der Grund ist: der Trainer erwartet sich bessere Leistungen. Und wenn er diese Leistungen von Ausländern bekommt, dann soll er sie nehmen (falls uns ein Meistertitel wichtiger ist als die Nationalität).

Wenn ich mich richtig erinnere, spielen zum Beispiel bei Arsenal überhaupt keine Engländer, nur Ausländer. Und was hat das für eine Folge? Nur die, dass England nicht Weltmeister wird. Das ändert aber nichts daran, dass die englische Liga zu den besten der Welt zählt, wenn es nicht überhaupt die beste Liga der Welt ist.

Wenn wir Meister werden wollen, müssen wir dem Trainer Freiheit bei der Wahl der Spieler geben und wir müssen ihm auch die bestmöglichen Spieler zur Verfügung stellen. Wenn wir aber österreichische Spieler fördern wollen, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn wir nicht Meister werden. Das wird dann jener Verein, der sich um diese Regel nicht kümmert.

Man muss sich um die österreichischen Spieler, die in der österreichischen Liga keinen Vertrag bekommen, nicht sorgen. Es drängen ohnehin alle ins Ausland und ein heimischer Wettbewerb um Spielplätze wird die Spieler mehr ins Ausland ausweichen lassen.

Die österreichische Nationalmannschaft meint ein Problem zu haben, nämlich jenes, dass es im Inland zu wenige Österreiche für das Team gibt. Das spielt aber keine Rolle, wenn man die Spieler ja aus den ausländischen und meist stärkeren Ligen holen kann. Derzeit kann der Teamchef jederzeit ein Team aus Legionären zusammenstellen, die allein in der deutschen Bundeliga spielen. (In der Krone-Ausgabe vom Wochenende war das Ösi-Team in der Deutschen Bundeliga abgebildet.) Das sollte doch genügen, denn dass diese Liga gut genug sein müsste, kann man ja an den Ergebnissen bei der WM ablesen.

Ausländer im Rapid-Team?

Stimmen aus dem Publikum: nur gut spielende Ausländer sind gute Ausländer. Aber wehe, wenn der ausländische Spieler einen Fehler macht! Dann möchte man lieber nichts gehört haben. Ich fürchte, dass dem Rapid-Anhang ein Rapid-Team aus Ausländern wenig behagen würde. Traurigerweise muss ich feststellen, dass wir dafür noch nicht reif sind, vielleicht auch nicht so bald sein werden.

Engländer sind höchst erstaunt über die am Kontinent herrschende Xenophobie. Das ist etwas, was auf der Insel wenig bekannt ist. Man identifiziert mit Afrikanern genau so wie mit Spielern vom Balkan oder aus der Türkei. Allein die Leistung zählt.

Wenn wir daher Leistung wollen, dann müssen wir nach erfolgshungrigen Spieler suchen und ihnen in unserer Liga Geld und Anerkennung bieten. Wir müssen uns aber damit abfinden, dass diese erfolgshungrigen Spieler nicht unbedingt Wiener oder Österreicher sein werden. Es werden viele Zuwanderer dabei sein, und viele werden überhaupt nur wegen des Fußballs zuwandern. Aber wir müssen diese Spieler lieben lernen, so wie wir einen Jimmy Hoffer lieben. Und das ist in diesem Land keine leichte Übung.

Red Bull zeigt vor, wies geht

Klar sind wir gegen die Klubs mit Eigentümern, klar spielt bei uns ein Fußballgott und nicht das Geld.

Aber das Beispiel Red Bull zeigt vor, dass Regelungmechanismen wie eben der Österreichtopf der Bundesliga klar gegen die Leistung der einzelnen Vereine gerichtet ist. Ein leistungsorientierter Fußballklub muss frei in den Entscheidungen den Spielereinsatz betreffend sein. Red Bull will international konkurrenzfähig sein und beschäftigt daher die besten Spieler, die man in unserer Liga bekommen kann, egal, ob es Inländer oder Ausländer sind, egal, ob das dem ÖFB passt oder nicht. Die Folge ist, dass nur wenige inländische Spieler den Sprung in die Kampfmannschaft von Red Bull schaffen.

Rapid kann schon beim Einkauf der Spieler nicht mithalten aber Rapid kann nicht einmal mit der best möglichen Mannschaft (für das vorhandene Geld) auflaufen, denn die bestehenden Einschränkungen bei der Spielerauswahl führen dazu, dass ausländische Spieler (unabhängig von ihrem Spielniveau) weniger wertvoll sind, weil man sie nicht in jedem Spiel einsetzen kann, weil man dann die Vorgaben der Bundesliga verletzt.

Anschluss

Der Anschlussgedanke reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Heute ist er wirtschaftlich praktisch vollzogen, nicht aber sportlich. Was wäre, wenn Rapid – so wie in den Kriegsjahren – in der Deutschen Bundesliga mitspielen würde. Abgesehen davon, dass das nicht ginge, Rapid müsste sich dort wahrscheinlich wie Red Bull Leipzig aus den niedersten Liga nach oben kämpfen, was eben nur mit einer neuen Mannschaft funktionieren würde. Aber nehmen wir einmal an, es wäre möglich. Also Rekordmeister wären wir dann einmal nicht. Aber dass wir dann auch in dieser Liga mitmischen könnten, daran zweifle ich keine Sekunde, denn wenn statt Kapfenberg, Mattersburg und Ried der HSV, Schalke und Bayern-München bei uns in Wien spielen, wäre die derzeitige finanzielle Situation überwunden und Rapid mit einem Mal international konkurrenzfähig. Nicht das wir gleich Deutscher Meister werden würden (immerhin ist das schon einmal gelungen) aber dass wir mit den deutschen Mannschaften mithalten könnten, daran habe ich keine Zweifel.

Aber leider ist das wegen des unmöglichen Einstiegs in die deutsche Bundesliga nur eine Phantasie. Aber eine Phantasie, die Didi Mateschitz mit Red Bull Leipzig umsetzt.

Betrachten wir einmal die aktuelle Situation. Damit irgendeine österreichische Mannschaft im europäischen Klubfußball wettbewerbsfähig wird, muss die österreichische Bundesliga ein starke Liga werden oder muss die österreichische Mannschaft in einer starken Liga spielen.

Wege zum europäischen Niveau

Didi Mateschitz zeigt, dass er das erkannt hat. Nicht nur, dass er versucht, seine Salzburger Mannschaft auf ein möglichst hohes Niveau zu bringen, es ist ihm auch klar, dass das erreichbare Niveau durch die Qualität und Attraktivität der österreichischen Bundesliga begrenzt ist. Daher hat er auch damit spekuliert, seine Salzburger Mannschaft in der Deutschen Bundesliga mitspielen zu lassen, was aber daran scheitert, dass man eben ganz unten, in der untersten Liga beginnen muss und dieser Weg sehr steinig ist.

Die Reste der ehemaligen Austria Salzburg http://www.austria-salzburg.at/saison/ zeigen diesen Weg in Österreich erfolgreich auf, immerhin spielen sie in der kommenden Saison bereits in der Regionalliga mit den Red Bull Amateuren und werden wohl eher früher als später auch den Aufstieg in die erste Liga schaffen. Und genau diesen Weg bestreitet Didi Mateschitz in Deutschland mit den Red Bulls Leipzig http://redbulls.com/soccer/leipzig/de/home.html wo man mit 22 Punkten Abstand die dortige Regionalliga gewonnen hat und heuer in die Dritte Bundesliga aufsteigt.

Jede Leistungssteigerung der heimischen Liga hilft den Vereinen ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Allein die Existenz von Red Bull und der Millionen des Besitzers bringen Geld in die Liga ein, dass ansonsten anderswo investiert werden würde. Und genau das brauchen wir: Top-Gegner. Dem Top-Gegner Red Bull Salzburg haben wir es also auch zu danken, dass wir die Gruppenphase der Europa-Liga erreicht haben, so kurios das klingt.

Auch wenn der Rapid-Anhang Berührungsängste mit Geldgebern wie Stronach und Mateschitz hat (immerhin sind die Beziehungen zwischen Stronach und Austria an der Ablehnung der Fans zerbrochen – und das wäre bei Rapid kaum besser; Manu-Fans sind da ganz ähnlich: „love manchester hate glazer“ http://blogs.tampabay.com/bucs/2010/03/love-manchester-hate-glazer-man-u-takeover-bid-continues.html), so müssen wir uns wünschen, dass sie ihr Geld in unserer Liga (und nicht anderswo) investieren. Das sind zwei Fliegen auf einen Schlag: wir bekommen neue Feindbilder (das ist gut für die Zuschauerzahlen, gut für die Stimmung) und wir bekommen leistungsstarke Sparringpartner (das ist gut für das Spielniveau der Liga), die unseren Spielern eine Leistung abverlangen, die auch international abgerufen werden muss.

Leider sind diese Geldgeber nicht so weit verbreitet wie es erforderlich wäre; genau genommen bräuchten wir neun davon. Für jeden der Gegner in der Bundesliga einen 🙂 Diese Geldgeber haben auch den Vorteil, dass für die anderen Bundesliga-Vereine mehr Werbemittel verbleiben, denn Red Bull ist zum Beispiel Alleinsponsor und auch Magna würde ohne Austria nicht in der Bundesliga geworben haben, daher bleibt der ganze Werbekuchen für die restlichen Vereine.

Wäre es möglich, in einer stärkeren Liga mitzuspielen?

Das Beispiel Red Bull Salzburg zeigt, dass es praktisch nicht geht und man (wie bei Red Bull Leipzig) ganz von unten beginnen muss.

Man kann aber eine eigene Liga gründen, die über der nationalen Bundesliga angesiedelt ist und die länderübergreifend konzipiert ist und an der sich mehrere Kleinstaaten beteiligen, die im Prinzip alle mit denselben Problemen wie die Österreichische Bundesliga kämpfen. Die ersten Vereine in der Bundesliga steigen in diese übernationale Liga auf und erst die Erstplatzierten in dieser Superliga nehmen an den europäischen Bewerben teil.

Die Superliga, die durchaus Ähnlichkeiten mit dem seinerzeitigen Mitropacup haben kann, besteht aus den Top-Vereinen benachbarter Länder. Sie sichert größere Öffentlichkeit, mehr Fernsehzuschauer, mehr Geld aus Werbeeinnahmen, höheres Spielniveau. Alles Merkmale, die für europäische Spitzenklasse erforderlich sind. Eine überregionale Liga bestehend aus Mannschaften aus Schweiz, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien und eben Österreich, das hätte was.

Was steht daher dem internationalen Durchbruch entgegen?

  • Zu wenig Kapital
  • Xenophobie
  • Lenkungsmaßnahmen, Protektionismus
  • Stärke (Schwäche) der Liga, Kleinheit des Wirtschaftsraums
  • Zu geringe Wertschätzung des Fußballs durch das Publikum und dadurch
  • Zu geringe Zuschauerzahlen und dadurch
  • Zu geringe Bedeutung des Fußballs für die Politik

Wenn ich was z’reden hätt‘, dann würd‘ ich

  • eine überregionale Liga gründen mit den Spitzenvereinen, der Nachbarländer (weil wir sonst das spielerische Niveau nicht erreichen)
  • ab sofort Ausländern ungehinderten Zugang zur Liga gewähren
  • leistungsabhängige Bezahlung bei Spielern und Trainern einführen (da der Spielerfolg das Budget des Vereins maßgeblich mitbeeinflusst, müssen die Spielergehälter sich am Erfolg oder Misserfolg des Vereins beteiligen und das bitte nicht nur im Fußball sondern bei allen Arten erfolgsorientierer Verträge, wie auch jenen von Bankmanagern; Bonus bei Meistertitel, kleinerer Bonus bei internationalem Platz, sonst aber deutlicher Malus. Wenn Rapid zwei bis drei Jahre einen internationalen Platz verpasst, ist entweder Konkurs oder Gesundschrumpfung angesagt und davor muss der Malus schützen.)
  • Lobbying bei Politik und Wirtschaft betreiben. Aber auf ÖFB- und Bundesliga-Ebene. Damit der Fußball auch in der Öffentlichkeit den Stellenwert bekommt, den er in Deutschland un England hat.
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