Aus Fehlern und Niederlagen lernen wir

Die Art der Derby-Niederlage vom Sonntag ist ein besonders deutliches Signal für den Zustand der Kampfmannschaft. Ein Abhaken, wie das beim Fußball gerne gemacht wird oder ein „zur Tagesordnung übergehen“ wird es da wohl nicht geben können. Man sollte seitens des Vereins alles in Frage stellen.

Beobachten wir hier ein lokales Tief, das uns seit etwa zwei Jahren begleitet oder handelt es sich um einen Klimawandel, die schon seit den 50er-Jahren andauert?

Wir wünschen allen Lesern des Tagebuchs ein schönes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches Rapid-Jahr 2019.
Die nächste Mitgliederversammlung findet im Februar statt. Genaueres wird an dieser Stelle bekanntgegeben.

Meine Diagnose: Es handelt sich um einen unbewältigten Klimawandel. Anders ist es nicht
zu erklären, dass ein anderer lokaler Verein, der deutlich kleiner ist in diesem Zeitraum
deutlich erfolgreicher ist.

Rapid, ein Ruhekissen?

Die Zeiten, in denen man Spieler noch für ein warmes Mittagessen an einen Verein binden konnte, sind längt vorbei, dennoch schlägt Rapid immer noch Kapital aus dem Titel „Rekordmeister“, der es für Spieler zum erträumten Ziel werden lässt, für Grün-Weiß spielen zu dürfen, und vielleicht wird auch aus diesem Umstand der eine oder andere finanzielle Vorteil für den Verein herausverhandelt. 

Aber Spieler, die ihr Ziel erreicht haben und kein weiteres anstreben sind zu wenig hungrig. Was Rapid braucht, sind Spieler, die weiter kommen wollen und für die Rapid ein Sprungbrett ist. Denn Rapid bietet ihnen die Öffentlichkeit, die sie für einen internationalen Transfer brauchen. “(Dieser Umstand, dass Spieler bei Rapid einen Entwicklugsendpunkt erreichen, kann in abgewandelter Form auch als „Peter-Prinzip“ nachgelesen werden, nach dem jemand so lange aufsteigt, bis eben seine Fähigkeiten für einen weiteren Aufstieg nicht mehr ausreichen. http://de.wikipedia.org/wiki/Peter-Prinzip

Nicht nur die Medien, auch die Funktionäre Rapids titulieren den Verein gerne als „Rekordmeister“. Diesem Anspruch kann aber die Mannschaft derzeit in keiner Weise entsprechen. Vielleicht sollte man sich hier seitens des Vereins eine andere Diktion überlegen, denn dieser Anspruch, eines Rekordmeisters läuft – wenigstens derzeit – an der Realität vorbei. Die Werbeaussage passt nicht zum Produkt. Sollte es wieder soweit sein, dass wir eine Mission 33 realistisch ins Auge fassen können, dann können wir unser Vokabular wieder verändern.

Tränenreiche Abschiede sind ein gutes Zeichen

So schmerzlich es ist, dass die österreichischen Verhältnisse es nicht erlauben, erfolgreiche Spieler zu halten, so wichtig ist es eben, Spieler zu finden, die Rapid nicht als ultimatives Ziel als Fußballer sehen, sondern die Rapid als Sprungbrett benutzen. Genau diese Spieler entwickeln dann eine Dynamik, die die gesamte Mannschaft zu jenem Team formen, das für einen Titel erforderlich ist. Die beiden letzte Titelgewinne beruhten auf solchen Spielertypen. “(Beim Titel 2004/05 waren es Hofmann und Ivanschitz, die ihre Ziele höher gesteckt haben; 2007/08 Hoffer und Maierhofer)“

Mehr Geld für das Team?

Was heute zählt, ist die Fähigkeit eines Vereins, ein Budget aufzustellen und ein Maximum davon für den Spielbetrieb zur Verfügung zu stellen. 

Noch mehr Geld? Rapid hat ja schon das größte Budget (sieht man vom Sonderfall Red Bull einmal ab). Aber stimmt das wirklich? Wie viel verbraucht der Clubbetrieb und wie viel bleibt dem Sportdirektor?

Der SK Rapid ist eine Geldquelle, die 17 Millionen pro Jahr erwirtschaftet. Aber dieses große Rapid-Budget sagt uns nicht, wie viel davon tatsächlich für den Betrieb der Kampfmannschaft aufgewendet wird. Wir, die Außenstehenden, wissen es einfach nicht. Im Extremfall könnte es sein, dass ein Kleinverein mehr Geld in seine Mannschaft investieren kann als Rapid, weil dieser Kleinverein nicht den Apparat des Großklubs, mittragen muss. Die Brutto-Budgetzahlen können also täuschen.

Schwimmt Rapid in Geld?

Nehmen wir an, dass trotz des Apparats immer noch vergleichsweise viel mehr für den Rapid-Sportdirektor verbleibt als bei einem Kleinverein. Dann hätten die Konkurrenten von Rapid Probleme, konkurrenzfähige Spieler am selben Spielermarkt zu besorgen. Diese finanzielle Überlegenheit müsste sich dann eigentlich in Toren niederschlagen. Tut es aber nicht. Denn die Mitbewerber zeigen durch geschicktere Einkaufspolitiok und durch großen Teamgeist der Mannschaft (eine Tugend, die man eigentlich bei Rapid vermutet hätte), dass Geld eben nicht Tore schießt, wie das auch vom Rapid-Anhang gerne in Blickrichtung Red Bull skandiert wird.

Ein geringeres Budget fordert die grauen Zellen, fordert die Phantasie, sonst steigt man ab.

Können es andere besser?

Ich möchte ein Beispiel anführen, bei dem man sieht, dass Geld anderswo anders angelegt wird (ob besser, das kann man ohne genauere Zahlen nicht sagen).

Die elektronische Präsenz von Rapid ist vielschichtig. Die Webseite wird von den Profis von laola1.at hergestellt. Das ist professionell, kostet aber vermutlich eine Menge Geld. Die Handy-Applikationen, die beim Derby vorgestellt worden sind, gibt es sicher auch nicht umsonst. Das Ticketing ist ebenfalls ausgelagert und schmälert die Einnahmen des Clubs.

Bei Sturm Graz ([http://www.sksturm.at/index.php?id=269] Redakteure: Kronawetter, Offenegger, Neubauer und Hirschmann.) kann man sich abschauen, wie man es auch billiger haben kann. Alle vier Redakteure erledigen das, was bei Rapid sicher eine Stange Geld kostet, ehrenamtlich. Das Ticketing ist nicht ausgelagert sondern wird von Eva Koch und Werner Ernst beackert.

Nicht, dass es nicht auch bei Rapid Bereiche gäbe, die das Prinzip der Ehrenamtlichkeit pflegen. Erwähnt sei zum Beispiel das [http://www.rapidarchiv.at/|Rapid-Archiv], das von Gerald Pichler und Herbert Pawlek seit vielen Jahren ohne weitere Kosten für den Verein (nicht einmal die Online-Kosten, die das Speichern der Daten immer verursacht werden von Rapid bezahlt). Aber dieser Bereich ist eher eine Ausnahme, weil bisher die Tradition, repräsentiert in Zahlen und Daten, stiefmütterlich behandelt wurde.

Ist ein Verein überhaupt die richtige Geschäftsform?

Wenn man das Ziel, den Sportbetrieb optimal zu finanzieren, mit einem anderen Modell besser erfüllen könnte, dann her damit! Dass man mit einer AG schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht hat, kann ja auch Gründe haben, die mit dem Modell einer AG nicht zusammenhängen. Unsere Lieblingsfeinde benutzen jedenfalls eine etwas andere Struktur, die man studieren sollte. http://www.fk-austria.at/AG.707.0.html

Bekennen wir uns zum Verein?

Es ist das Wesen eines Vereins, dass die Mitglieder ein das Geschehen eingebunden sind und sich mit dem Verein identifizieren können, anders als es bei einer Firma der Fall ist. Rapid zeigt durch die starke Marketing-Seite eher das Gesicht einer Firma. 

Müsste ein Verein, der so stolz auf seine Mitgliederbasis ist, nicht diese Mitglieder enger am Vereinsgeschehen beteiligen? Ja, es gibt mit Stefan Singer einen Mitgliedervertreter, aber wäre es nicht denkbar, in Fragen, die dazu geeignet sind, eine wirkliche Basisdiskussion abzuwickeln und deren Ergebnisse dann auch umzusetzen?

Als Beispiel möchte ich die Verpflichtung eines neuen Spielers angeben. Es wären drei Spieler in der engeren Wahl und eigentlich alle geeignet. Heute entscheiden Sportdirektor und Trainer über die Verpflichtung. Was wäre, wenn in einer solchen Frage auch einmal die Mitglieder Gehör finden würden? So ganz falsch kann deren Entscheidung ja auch nicht sein, wenn einmal eine Vorselektion stattgefunden hat.

Der Vorteil solcher Vorgangsweisen wäre eine engere Bindung der Anhänger an den Verein. Jemand, dessen Stimme gehört wird, steht dem Vereinsgeschehen näher.

Großklub, ein aufgeblähter Apparat?

Rapid als ursprünglicher Arbeiterverein war dem sozialistischen Weltbild immer schon stark ausgesetzt. 

Bei allen erfreulichen Errungenschaften, die uns Kommunismus/Sozialismus/Soziale Marktwirtschaft gebracht haben, sie brachten auch aufgeblähte Organisationsformen, die im Begriff sind, seit etwa 20 Jahren gesund zu schrumpfen (Beispiel: Gewerkschaft, verstaatlichte Betriebe…). Möglicherweise haben sich aber bei Rapid solche Strukturen über Jahrzehnte aufgebaut und erst die sportlichen Misserfolge der letzten Zeit lassen uns darüber nachdenken, was zu verändern ist.

Ein 11-köpfiger Vorstand  (Beer, Hammerschmid, Herzog, Jaros, Kisswetter, Leeb, Lechner, Mittermeier, Prantner, Raberger, Visur)‚ und ein 43-köpfiges Kuratorium (Bachl, Bergamnn, Böhmert, Brandsteidl, Brauner, Darabos, Dolinek, Eder, Gatscha, Grüneis, Hackel, Haider, Hoscher, Janke, Kaltenbrunner, Kietreiber, Kirisits, Kirschner, Krammer, Lasshofer, Lugscheider, Mühlwisch, Newald, Parma, Pilz, Pink, Rasinger, Pick, Schieder, Schmidseder, Schnabl, Semlitsch, Sharf, Singer, Sterk, Strecha, Tesarek, Trummer, Vanas, Wailand, Wakounig, Weber, Zöllner) arbeiten für Rapid. Ehrlich: wer kennt alle Namen und wer weiß, was genau sie für Rapid leisten? Was müssten diese 54 Personen aus Vorstand und Kuratorium für eine „Kampftruppe“ sein, wenn sie sich wirklich für Rapid engagierten; tatsächlich scheinen aber viele dieser „Posten“ reine Gefälligkeits-Titel zu sein, die nur am Papier oder bei geselligen Zusammenkünften aufscheinen.

Warum erfahren die Mitglieder so wenig über diesen so stark besetzten Teil des Vereins?
Was kosten uns diese Einrichtungen? Und was bringen sie?

Fangruppenmitglied = Rapid-Mitglied

Rapid hat für österreichische Verhältnisse eine sehr große Anzahl von Fangruppen. Aber nicht alle Mitglieder dieser Vereine sind auch Rapid-Mitglieder. Sie stehen oft ihrem Fanklub näher als Rapid. Sie tragen auch vorzugsweise Fanartikel ihres Fanklubs und nicht Rapid-Fanartikel. Daher besteht geradezu eine gewisse Distanz zum Fußballverein und eine Nähe zur Fangruppe und erklärt auch eine geringere Hemmschwelle, sich an einem Platzsturm zu beteiligen. 

Vielleicht wäre es für die Zusammenarbeit zwischen den Fangruppen und dem Verein günstig, die Vereinsmitgliedschaft in den Vordergrund zu stellen und sie an die Mitgliedschaft beim Fanklub zu koppeln. Fanklubkarte = Rapid-Mitgliedskarte.

Rapid, eine Ein-Mann-Show

Wer einmal als Fußball-Neuling bei Rapid vorbeigeschaut hat, weiß, dass die heutige Faszination „Rapid“ von einer Person getragen wird. „Andy Marek ist Rapid.“ Kaum ein Bereich, mit dem Fans in Berührung kommen, der nicht von Andy koordiniert wird. Andys Visitenkarte müsste wohl im A4-Format hergestellt werden, wollte sie alle seine Agenden aufzählen.

Was sagt uns diese Ein-Mann-Show? Auf der einen Seite wird die Verwaltung dadurch extrem schlank gehalten. Anderseits werden viele Aufgabenbereiche kostenintensiv ausgelagert. Vielleicht hat daher die Ersparnis auf der einen, viele teure Outsourcings zur Folge.

Diese Organisationsform hat eine gewisse Verwandtschaft zu unserem Kapitän Steffen Hofmann, der es nicht schafft, seine Mispieler auch einmal einen Eckball oder Freistoß schießen zu lassen.

Vielleicht wäre es gut, nicht auf einen Gott sondern auf mehrere zu setzen?

Ist der Druck zu groß?

Fast jeder 10te Österreicher sympathisiert mit Rapid. Der Erfolgsdruck ist groß. Einfach spielen und schauen, was dabei herauskommt, das gibt’s bei Rapid nicht. Spieler bei anderen Bundesliga-Vereinen haben wahrscheinlich viel weniger Termine und erfahren auch weniger Verehrung. Diese Vergötterung der Spieler ist aber für die Orientierung, insbesondere der jüngeren, nicht immer hilfreich. Während jedes verlorene Spiel den Nachholbedarf einmahnt, vermitteln die Fankontakte eine heile Welt. 

Kurz: verwöhnen wir die Spieler zu sehr, wie schon bei Asterix zu lesen ist? http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Lorbeeren_des_C%C3%A4sar|“Zuckerpüppchen

Eine Antwort?

Seien wir ehrlich, es herrscht eine gewisse Ratlosigkeit, denn man wäre ein falscher Prophet, wenn man den wahren Weg wüsste. Die Ergebnisse zeigen uns aber, dass etwas nicht stimmt – beim Rekordmeister. Und meine Zeilen zeigen auch nur, dass sich alle emotional Beteiligten Sorgen um Ihr Rapid machen. 

In der Wirtschaft ist der Markt ein gnadenloser Richter über Erfolg oder Misserfolg eines Produkts und in weiterer Folge über den Weiterbestand von Unternehmen. Im Sportbetrieb ist es die Konkurrenz am Spielfeld, die ungeeignete Strukturen eines Mitbewerbers schonungslos aufdeckt.

Die Folge der Misserfolge war ein Platzsturm als non-verbaler Appell der Basis an den Verein, den Spielbetrieb nicht als eine Bühne für angenehme gesellschaftliche Zusammenkünfte zu verwenden, sondern ihn an die Anforderungen der Zeit anzupassen,  Strukturen als ungeeignet zu erkennen oder zu verkleinern und bei der Mannschaft jenen Teamgeist herbeizuführen, der Siege ermöglicht.

Und die Leistung beim Derby vom 21.8. – eigentlich eine logische Fortsetzung der Leistung vom 22.5. – sollte alle Verantwortlichen zum einem grundlegenden Brainstorming anregen.

Auf geht’s Rapid, kämpfen und siegen!

Nachtrag

Man kann schreiben, was man will, weil schon Eugen Roth sagt:
EIN MENSCH SIEHT – UND DAS IST GANZ WICHTIG -.
NICHTS IST GANZ FALSCH UND NICHTS GANZ RICHTIG

Ich habe geschrieben, dass Arbeitsbereiche von Andy Marek ausgelagert werden.

Und das ist falsch.

Es werden Dinge ausgelagert (Webseite, Ticketing) aber die gehören in den Bereich des Marketing und nicht zur Fanbetreuung. Die Fanbetreuung wird im Gegenteil zur Gänze von Rapid geführt.

Und dass Rapid der populärste Club Österreichs ist, das haben wir sicher auch der besten Fanbetreuung Österreichs zu verdanken. Es kommt mir so vor, als wüssten wir von diesem Schatz der überaus großen Popularität aber unsere Phantasie reicht nicht aus, ihn zu heben.

Zum Fußball gehört nicht nur das Team, dazu gehört auch der Verein. Und wir sprechen von einem Zeitraum von 50 Jahren und es geht gar nicht um einzelne Personen, denn die Präsidentschaft Edlinger gehört eigentlich zu den sehr erfolgreichen.

Sollten die 10 Meistertitel in 50 Jahren für den größten Verein des Landes nicht nachdenklich stimmen?

|..*.:**..|….:….|**..:**..|….*….|…*:.*..|
1960      1970      1980      1990      2000      2010

*..Meistertitel

Zu Erinnerung: unsere Lieblingsfeinde vom Verteilerkreis haben in diesem Zeitraum 18 Meistertitel und dieser Unterschied ist so deutlich, dass man ihn nicht unter die sonstigen Zufälligkeiten des Spielbetriebs einreihen kann. Wir können uns nun damit abfinden oder aus gegebenem Anlass ein bisschen die eigene Struktur analysieren.

Wir sollten und daher Gedanken darüber machen, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der Firmenstruktur und dem Erfolg oder Misserfolg des Produkts.

Wenn nein, dann müssen wir ja nur auf positive Aktivitäten des Trainerteams warten und uns im Erfolgsfall freuen.

Wenn ja, dann müssen wir diese Unterschiede aufdecken, denn vielleicht gibt es ja grundsätzliche Mechanismen, die anderswo zielgerichteter, effektiver ablaufen, vielleicht mit weniger Rücksichtnahme auf das vorhandene Beziehungsgeflecht.

Und da Geld tatsächlich Fußball spielt (sagt nicht, dass die Spanier von Geburt an talentierter wären), muss man in erster Linie fragen, wie viel davon für den Spielbetrieb überbleibt und wie effektiv es eingesetzt wird.

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