Verrückt, verrückter, Fußballfan

Fußballreise 2011

Fußballreise 2011

Fußball statt Berge, Meer oder Kultur; und das mitten im Sommer. Verrückt, oder?

Wer einmal aus dem Blechnapf frißt

Eigentlich ist Fußball ein billiges Vergnügen. Vorausgesetzt, man konsumiert es vor dem Fernseher im Rahmen des ORF-Programms. Ein Besuch eines Fußballplatzes ist nur dort als preiswert zu bezeichnen, wenn keine Kameras und keine VIPs anwesend sind und ein einsamer Polizist die Cornerfahne bewacht; in der Wiener Liga zum Beispiel. 

Bratwurst und Fiege Pils auf der Mülltonne

Bratwurst und Fiege Pils auf der Mülltonne

Aber bei allen Spielen, die die Massen vom Fernseher weg hin zu Stadion locken, steigen mit den Zuschauerzahlen auch die Preise. Sowohl jener der Eintrittskarten als auch jener der einfachen Gerichte, die man am Kiosk erwerben kann. Zu einem Preis für den man in einem Wirtshaus ein komplettes Mittagessen konsumieren könnte, bekommt man eine Bratwurst und ein Bier aus der Gegend. Da man in deutschen und österreichischen Stadien das Essen mit auf die Tribüne nehmen darf, gibt aus auch keine Tische und Stühle. Will man das nicht, bleibt nur ein Platz an einer Mülltonne.

Auch die Art der Reiseausrüstung erinnert eher an einen Tramper als an einen Urlauber. Einfach ein Rucksack, das war’s.

Es ist ein sonderbarer Gegensatz zwischen den teuren Eintrittskarten, den teuren Speisen und deren Einfachheit und auch der einfachen Art der Konsumation. Es erinnert ein bisschen an Bundesheer oder eben an den Roman von Fallada, “Wer einmal aus dem Blechnapf frißt”. 

Man beachte das Shirt von Florian vom Blindenfußballverein St. Pauli mit der Aufschrift “blinde leidenschaft”. Der gleichnamige Fußballklub für Blinde hat in einem Bewerbspiel die Profimannschaft von St. Pauli 3:1 besiegt, natürlich wurde für Chnacengleichheit gesorgt, denn die Profis spielten mit Augenbinden. http://www.abendblatt.de/sport/article1288706/Mit-blinder-Leidenschaft-zur-Vizemeisterschaft.html

Ein Wochenende bei Freunden

Fußballfans sind ein lustiges Volk. Trotz allergrößter Unterschiede der Vereinsfarben ist doch das grundsätzliche Verhalten aller Couleurs ganz ähnlich. Wenn man als Österreicher nach Deutschland kommt, wird einem erst bewusst, wie herrlich künstlich doch diese Gegensätze geschaffen werden. Wer sich bei einem Spiel nicht als Protagonist einer der beiden Mannschaften einbringt, wird die Spiele alle ähnlich empfinden. Kaum fühlt man sich mit Blau oder Rot mehr verbunden als mit Grün oder Gelb, nimmt die Sache Fahrt auf und die Ungerechtigkeit des Spiels und des Lebens wird einem mit einem Mal bewusst.

Unsere Spiele waren alle im Ruhrgebiet, einem Ballungsraum, der in dieser Größe einmalig in Europa ist. Gleichzeitig ist das Ruhrgebiet ein Fußball-El-Dorado, ähnlich wie jenes in den englischen Midlands zwischen Birmingham, Liverpool und Manchester. Das Ruhrgebiet hat den Verlust des Kohlebergbaus sehr gut verarbeitet. Gepflegte Häuser, beste Infrastruktur, Wohlstand, wohin man schaut. Wenn Fußball eine Heimat hat, dann ist es hier. Vielleicht auch in Hütteldorf, dort aber nur für eine Minderheit der Bevölkerung. Hier, im “Ruhrpott” aber stehen die Städte Kopf, wenn der Derby Dortmund gegen Schalke am Spielplan steht. Das ist wie Rapid-Austria, nur vier Mal so viele Zuschauer. Es ist ein kollektiver Siegeswille nicht nur einer verrückten Minderheit sondern der gesamten Bevölkerung zu spüren. Es ist ein Wir-Gefühl, das einen hohen Identifikationswert für eine Stadt, eine Region und das ganze Land hat – wie mir scheint. Wenn dagegen in Österreich abschätzig von “den Fußballern” gesprochen wird, fehlt diese Identifikation. Klar, wer will sich schon mit Loosern identifizieren. Aber das ist es ja gerade. Man muss sowohl die Niederlage als auch den Sieg kollektiv verarbeiten, erst dann findet diese Identifikation statt, die der Fußball zustande bringen kann.

Flugzeug, Bahn, Hotel

Am Bahnhof Düsseldorf

Am Bahnhof Düsseldorf

Unser erstes Spiel fand am Freitag Abend in Bochum statt. Zu Gast im Ruhrstadion war St. Pauli, bekannt für seinen fanatischen Anhang. Der Flieger nach Düsseldorf sollte um 14:15 starten, hatte 40 aber Minuten Verspätung. Der Flug selbst war dann ohne besondere Vorkommnisse. Interessant ist der Flughafen in Düsseldorf. Er befördert jährlich etwa gleich viele Passagiere wie in Wien. Es kommt mir aber vor, dass alle Flughäfen, auf denen ich bisher ausgestiegen bin, besser organisiert sind als der Wiener. So auch hier in Düsseldorf. Klare Strukturen. Innovativer “SkyTrain” zum Bahnhof. Glücklicherweise begann unser Spiel erst um 20:30 und die Bahnverbindungen im Ruhrgebiet können sich sehen lassen. Die Fahrt von Düsseldorf nach Bochum war sehr kurzweilig, denn meine Sitznachbarin war sehr gesprächig und von der Art religiös-esoterisch-arbeitslos-trampend. Es stellte sich bald heraus, dass sie als Religionslehrerin keine Anstellung findet und dass es ihr Ziel ist, mit Lotte Ingrisch, der personifizierten Esoterik, Kontakt aufzunehmen, und eventuell in Österreich eine Arbeit zu finden. Wir spendierten ihr ein Abendessen und freuten uns über diese sonderbare Begegnung. 

Unser Hotel war direkt am Bochumer Bahnhof, ein IBIS. Erstaunlich war die Ruhe, denn vor dem Hotel war der Busbahnhof und hinter dem Hotel die Bahnsteige. Man hörte aber nichts von alledem. 

Bochum – St. Pauli 1:2

Die Straßenbahnen wurden in vielen deutschen Städten in den Zentren zu U-Bahnen umgebaut, also fuhren wir mit der Straßenbahnlinie 308 unterirdisch ein paar Stationen zum Stadion. Die Rapid-Jacke von Florian wurde denn auch gleich von einem gesprächigen Fahrgast fachkundig richtig gedeutet “Kommt’s ihr aus Wien?”. Er selbst war ein seit vielen Jahren in Deutschland lebender Österreicher, der mit den aktuellen Problemen bei Rapid bestens vertraut war. 

Vor dem Ruhrstadion

Vor dem Ruhrstadion
Vor dem Ruhrstadion

Vor dem Ruhrstadion
Vor dem Ruhrstadion

Vor dem Ruhrstadion

Eine Ehrenrunde um das Stadion ist immer Pflicht. Das Ruhrstadion hat einen großen Rang und bietet Platz für etwa 30.000 Zuschauer. Daneben ist auch ein Rundstadion für Radfahrer. Der Kommerz hat voll Einzug gehalten. Das ehemals “Ruhrstadion” genannte Bauwerk heißt jetzt “rewirpowerstadion”, benannt nach einem Erzeuger umweltfreundlicher Solarenergie. 

Platzhirsch Fiege Pils

Platzhirsch Fiege Pils

Man trinkt hier Fiege Bier. Dieses Bier gibt es im Handel noch mit einem Verschluss, der an den früheren Obi-Flaschen oder beim Kracherl zu finden war. Hauptsponsor Netto unterhält das jüngere Publikum rund um das Stadion mit diversen Spielen.

In Bochum waren wir eigentlich unparteiisch. Wir verfolgen natürlich auch die Zweite Deutsche Liga aber für eine Parteinahme haben wir zu den Mannschaften zu wenig Nähe. Dennoch ergreifen wir Partei für die Heimmannschaft, immerhin sind wir ihre Gäste. Außerdem spielten die Österreicher Ümit Korkmaz und Christian Fuchs bei Bochum. Die Mannschaft hat daher ein leicht österreichisch-nostalgisches Flair. 

Stimmungsvolle Hymne

Stimmungsvolle Hymne
Bochumer Fansektor

Bochumer Fansektor
Bochum(blau)-St. Pauli (Schwarz/weiß)

Bochum(blau)-St. Pauli (Schwarz/weiß)
St. Pauli gewinnt 2:1

St. Pauli gewinnt 2:1


Während des Spiels gab es einen heftigen Gewitterregen. Der Sieg von St. Pauli war die erste Niederlage aber bis zum heutigen Tag kamen noch drei dazu. Ob Bochum denselben Weg wie zwei Jahre vorher auch Bielefeld gehen muss? Noch ist ja Zeit für Korrekturen.

Sehr angenehm war der Nachhauseweg. Statt einer überfüllten U-Bahn wählten wir – wie übrigens die meisten Besucher – den Fußweg zurück in die Stadt. Die vierspurige Straße war für diesen Zweck völlig abgesperrt. Es gab keinerlei Zwischenfälle, St.Pauli- und Bochum-Anhänger bunt gemischt.

Unser Spiel des Jahres Auf Schalke; Schalke04-Köln 5:1

Für Schalke war es eines von noch möglicherweise vielen tollen Spielen, denn immerhin hat man mit einem bravourösen Heimsieg gegen Helsinki die Gruppenphase der Euro-League erreicht. Für uns jedenfalls war es aber das Spiel des Jahres, vielleicht auch des Jahrzehnts, denn wir waren zu Gast “Auf Schalke” – so nennt man sonderbarerweise diese Kathedrale des Fußballs im Ruhrgebiet für ca. 65.000 Zuschauer. Nur das Dortmunder Stadion ist noch größer und bietet 80.000 Zuschauern Platz. Schalke ist eigentlich ein Stadtteil von Gelsenkirchen und von Bochum mit der Straßenbahn zu erreichen. Und “Auf Schalke” darf das Stadion auch nicht mehr heißen, denn der Stadionbetrieb kostet viel Geld und Sponsoren werden immer gesucht. Hier ist der Namensgeber ein lokaler Bierbrauer; man nennt den Ort jetzt “Veltins-Arena”. Und Veltins hat sich etwas ganz besonderes einfallen lassen: Die Bierzapfsäulen im ganzen Stadion sind nicht mit einem Fass unter der Theke sondern mit einer Pipeline direkt mit der Brauerei verbunden. 

Schalke Fans

Schalke Fans
Fanartikelverkauf

Fanartikelverkauf
Ein Haus im Zeichen von Schalke

Ein Haus im Zeichen von Schalke


Dass eine Fußballveranstaltung stattfindet, sieht man an allen Ecken und Enden. An den Fanartikel-Verkäufern, am Bierkonsum, am Polizeiaufgebot. Die ganze Innenstadt steht im Zeichen der Fans. Der blau-weißen (richtig heißt es “Königsblau”) und der roten Kölner Fans, mit dem typischen Ziegenbock.

Für uns ist es nicht ein Spiel wie andere, denn wir haben keine Karten im regulären Kartenverkauf bekommen. Schon Wochen vor dem Spiel waren alle Karten restlos an die Mitglieder verkauft worden. Dieses Vorkaufsrecht treibt die Mitgliederzahlen in die Höhe. An unserem Spieltag wurde das 100.000ste Mitglied begrüßt. Uns blieb keine andere Wahl als Hospitality-Karten zu erwerben. Das sind Eintrittskarten mit Bewirtung, Kaffee in der Pause und Imbiss nach dem Spiel. 

Auf Schalke

Auf Schalke
Alles vermarktet

Alles vermarktet
LKW-Zufahrt

LKW-Zufahrt
Platz für den Rasen

Platz für den Rasen


Die Ehrenrunde um das Stadion darf nicht fehlen. Diese ganz andere Dimension wird im Vergleich zum Spiel des Vortags klar, denn dieser Spaziergang dauert fast eine ganze Stunde, wenn man sich alles ganz genau anschaut. Es gibt insgesamt vier Eingänge. In jeder Stadionecke ist ein Tunnel für LKWs. Ist man im Stadion, kann man sich frei bewegen. Das ist praktisch in ganz Deutschland Standard. Rund um das Stadion gibt es riesige Parkflächen, die aber in den ausgedehnten Parkanlagen nicht besonders auffallen. Außer vielleicht der Parkplatz P4, der mit sonderbaren Gummimatten ausgestattet ist. Auf diesen Matten bewegt sich der Stadion-Rasen, wenn er dann nach dem Spiel in mehrstündiger Fahrt vom relativ dunklen Inneren des Stadions Frischluft schnuppern darf. Man sagt, dass eine einzige dieser Fahrten rund 10.000 Euro kostet. 

Das Schalke-Museum

Wir dürfen mit unseren VIP-Karten das Stadiongelände früher betreten, bekommen aber noch keinen Einlass zu unseren Plätzen; eine gute Gelegenheit, das Schalke-Museum zu besichtigen.

Das Museum hat es in sich. Das Prunkstück ist die Vikoria, eine schwarze Engelsfigur auf einem Podest. Ursprünglich war die Viktoria ein Wanderpokal, den der jeweilige Deutsche Meister im Meisterjahr aufbewahren durfte, ähnlich wie der bei uns übliche Meisterteller. Am Sockel der Viktoria sind alle Deutschen Meister bis 1944 auf kleinen Täfelchen befestigt. Ganz prominent findet man dort auch Rapid unten an der Vorderfront. Immerhin ist Rapid der einzige Deutsche Meister, der sich nicht mehr auf deutschem Boden befindet.

Florian, Marcel und die Viktoria

Florian, Marcel und die Viktoria
Rapid-Tafel am Sockel der Viktoria

Rapid-Tafel am Sockel der Viktoria
Rapid-Gruppenspiel 1940

Rapid-Gruppenspiel 1940
9:0-Sieg gegen Admira

9:0-Sieg gegen Admira


Diese Statue ging nach dem Weltkrieg verloren und tauchte erst wieder nach der Wende 1990 auf. In all diesen Jahren wurde sie von einem Fußballfan in Berlin aufbewahrt. Sie ist heute im Besitz des DFB und der jeweilige Meister erhält diese Statue alljählich symbolisch überreicht. 

Eigentlich müsste die Statue Auf Schalke eine Nachbildung sein, obwohl am Begleittext steht, dass Schalke die Statue für die meisten Meistertitel bekommen hat. Die Statue ist nämlich praktisch völlig frei von Gebrauchsspuren.

Aber auch sonst hat das Museum einiges an Fußball-Nostalgie zu bieten. Mehr Zeit müsste man haben, all diese Dinge im Detail zu lesen.

Leeres Stadion vom Museum betrachtet

Leeres Stadion vom Museum betrachtet


Im VIP Club

Im so genannten “Tibulsky” gab es keinen Platz mehr für uns, dafür aber in der “Club Lounge”. Das “Tibulsky” ist nach dem berühmtesten Schalke-Spieler der 30er und 40er Jahre bekannt. Er war ein Rekordspieler mit über 1000 Spielen für Schalke. Und er war bei allen Finalspielen dabei, die Schalke in der Deutschen Meisterschaft bestritten hat. So etwas wie “Bimbo-Binder” für Rapid. Wenn daher Rapid ein solches Zuhause wie Schalke hätte, dann wohl auch einen “Bimbo-Binder”-Club.

Im VIP-Club

Im VIP-Club
Buffet

Buffet
Club Lounge 1940

Club Lounge 1940
Wir sind die ersten

Wir sind die ersten


Alle KellnerInnen des VIP-Clubs hatten einheitliche Kleidung, die an die Bergleute des Ruhrgebiets erinnern sollte. Unser Kellner war besonders freundlich und war sehr bemüht, unsere Biergläser immer wieder mit Veltins-Bier aufzufüllen. 

Dass wir Anfänger in der VIP-Szene waren, erkannte man daran, dass wir darauf warteten, bedient zu werden. Als Entschuldigung mag gelten, dass in unserer Lounge kein Buffet aufgebaut war. Nach einiger Zeit haben wir das schließlich kapiert und sind sind mit den Tellern zu den benachbarten Buffets gepilgert und haben uns mit dem Nötigsten versorgt. Aber da das Essen nicht der eigentliche Grund unseres Besuchs war, suchten wir ziemlich bald unsere Plätze, um die Mannschaften beim Aufwärmen zu sehen und die Stadionatmosphäre zu genießen. 

Stadion von unseren Sitzen, eine Stunde vor Beginn

Stadion von unseren Sitzen, eine Stunde vor Beginn



So ein kompaktes 60.000er-Stadion ist ein gewaltiger Eindruck. Das Dach kann geschlossen werden und wurde auch geschlossen. Genau über dem Mittelkreis sind 4 Vidi-Walls in Quaderform aufgehängt. Alles in blauer Farbe. Der Fanblock von Schalke ist schon eine Stunde vor Beginn voll. Klar, es handelt sich um nicht-nummerierte Stehplätze und wer zuerst kommt, sieht besser.

Die Mannschaftsaufstellung des Gegners kann man mithören, denn sie wird nicht durch Pfiffe des Publikums gestört. 

Sehr eindrucksvolles Opening. Hymne wird gesungen, begleitet von der in Deutschland obligatorischen Fahnenparade. Die Fahnenträger sind aber nicht – wie sonst üblich – bei den Mannschaften am Feld sondern beim Tor in der Nähe des Schalke-Fanblocks.

Stadion von unseren Sitzen, Spielbeginn

Stadion von unseren Sitzen, Spielbeginn



Die erste Halbzeit ist ausgeglichen, den Kölnern gelingt das erste Tor durch Podolsky nach einem Konter. Schalke kann vor der Pause durch Huntelaar ausgleichen. Es war ein Elfer nach einem Handspiel. (Dass man nach einem so offensichtlich angeschossenen Hands einen Elfer pfeifen kann, ist eine der Unwägbarkeiten des Fußballs.)

Man könnte als “gezeichneter” VIP-Gast in der Pause zu einem Kaffee gehen. Das erschien uns aber ein bisschen unangebracht. Da sitzt man einer der berühmtesten Kathedralen des Fußballs und verlässt sie wegen eines Kaffees. Nein, das muss man wirklich auskosten. Zur “Kennzeichnung”: Beim Betreten des VIP-Bereichs bekommt man ein Farbband über dem Handgelenk befestigt. Es dauert übrigens fast die ganze Fahrt zum Hotel, um eines dieser Bänder mit Hilfe eines Kronenkorkens loszuwerden. Hightech!

Was man von einem so ausgeglichenen Spiel nach der Pause erwarten darf, weiß man nicht. Und alle Fachleute, die erzählen, sie wüssten es, sind Lügner. Wir sahen jedenfalls eine entfesselte Schalke-Mannschaft, allen voran Huntelaar. Wir sahen ein Traumtor von Raúl, einen Heber im Panenka-Stil.

Nach jedem Tor kommt das auch bei Schalke übliche Ritual wie “Schalke” – “zwei”, “Köln” – “Null” allerdings bereichert um das Element “Schalke” – “Null Vier” und um ein abschließendes “Glück” – “Auf”, das an die Bergwerkstradition der Stadt erinnert. Wer sich an kirchliche Zeremonien erinnert fühlt, liegt wohl nicht ganz falsch. Der feine Unterschied liegt in der großen Zahl verschiedener “Kirchen”. Fast scheinen Fußballklubs wie Karrikaturen von Religionsgemeinschaften zu sein, ihre Stadien die Kathedralen und die Spiele die wöchentliche Messe. Der Unterschied liegt aber im Ausgang der Messen. Die Religion bietet immer nur einen einzigen Handlungsfaden. Das Fußballspiel bietet von der höchsten Euphorie bis zu größten Verzweiflung alle Arten irdischer Schicksalsschläge, allen voran die Ungerechtigkeit, die List und Hinterlist. Was das tägliche Leben an Gefühlen unterdrückt, weil man das mit Rücksicht auf die anderen nicht tut, nicht sagt, alles das ist am Fußballplatz denkbar, sagbar und machbar. Im letzteren Fall dann eher als unerwünschter Platzsturm. Fußball ist Leben, das nicht durch Rücksicht auf andere verzerrt ist. 

Auf die Plätze...

Auf die Plätze…
Schalke Fanblock

Schalke Fanblock
Schalke blau, Köln rot

Schalke blau, Köln rot
Huntelaar verwandelt einen Elfer zum 1:1

Huntelaar verwandelt einen Elfer zum 1:1


Schließlich endete das Spiel mit 5:1 für Schalke, ein Ergebnis, das man nach der Pause kaum vorausgesagt hätte. Einer hat es aber doch vorausgesagt und bekam dafür einen Preis vom Stadionsprecher.

Das Spiel hatte auch Nachspiele:

  • ein weniger rühmliches aus der Ecke der Kölner Fans, das wir aber erst am folgenden Tag über die Pressemeldungen erfahren haben. Die Kölner Fans haben sich als schlechte Verlierer entpuppt und begossen die benachbarten Schalke-Fans mit Bierbechern, gefüllt mit menschlichen Ausscheidungen aller Art.
  • ein sehr schönes auf der Seite der Sieger. Die gesamte Schalke-Mannschaft saß am Spielfeld mit Blick in den weiterhin vollen Fansektor. Huntelaar war als einziger Spieler auf dem Podest der Vorsänger und es gab ausgiebige gegenseitige Ovationen.
  • und unser eigenes kulinarisches Nachspiel im VIP-Club. Kaffee und Kuchen waren angesagt. Danach gab es ein Interview mit einem Spieler. 


Doch alles hat leider auch ein Ende und unseres war in der Straßenbahn 302, die uns zurück nach Bochum in unser Hotel brachte. Wir deckten uns noch mit dem obligaten Fiege-Pils als Schlaftrunk ein.

Leverkusen-Bremen 1:0

Gleich vorweg: das Tor haben wir nicht gesehen, denn wir mussten etwa in der 60.Spieleminute das Stadion verlassen, um den Zug nach Köln zu erreichen, der uns zum Anschlusszug nach Wien brachte.

Aber vom Beginn: Wir verließen mit Gepäck und nach ausgiebigem Frühstück unser Hotel und ich lernte von Marcel die Tarifstruktur der Deutschen Bahn besser kennen. Um 39 Euro erwarben wir für uns alle drei ein Wochenendticket, das uns für alle Fahrten an diesem Tag mit Regionalzügen ermächtigte. Als die Fahrten von Bochum nach Köln, von Köln nach Leverkusen und von Leverkusen nach Köln. Sehr praktisch. Weniger praktisch ist, dass die österreichischen Bankomatkarten in den deutschen Automaten nicht funktionieren. Bargeld ist daher wichtig.

Warum nach Köln und warum nicht direkt nach Leverkusen?

Der Grund war der Rucksack. Denn es ist praktisch nicht möglich, mit den ganzen Reise-Utensilien in das Stadion zu gelangen. Man müsste es jedenfalls am Eingang abgeben. Daher haben wir uns entschlossen, das Gepäck zuerst am Kölner Hauptbahnhof zu deponieren und dann unbeschwert um Match zu fahren. Diese Gepäckaufgabe ist am Kölner Bahnhof ein Abenteuer für sich. Es gibt keine Schließfächer sondern Aufgabeautomaten, in denen eine Blechkiste das Gepäck aufnimmt. Auf Knopfdruck schließt sich die Tür zur Blechkiste und das Gepäck verschwindet in den Eingeweiden des Bahnhofsgebäudes. Es ist dann immer wieder eine Überraschung, wenn der Automat wirklich das richtige Gepäckstück wiederfindet. Der Kölner Bahnhof ist (wie übrigens alle größeren deutschen Bahnhöfe) eine Stadt in der Stadt. Auch am Sonntag ist Einkauf möglich. Die kulinarische Versorgung ist gesichert.

Kölner Fixpunkte 

Da ist zuerst einmal der Dom. Immer wieder sehenswert. In diesem Jahr habe ich eine Kerze angezündet. Den Grund weiß ich selbst nicht so ganz genau. Es ist ein Dank an “Unbekannt”. Notwendig ist der Dank nicht unbedingt, denn das Schicksal beschert uns mit einer unerbittlichen Gerechtigkeit Gutes und weniger Gutes in ziemlicher Ausgewogenheit. Aber 2000 Jahre Christenheit hinterlassen ihre Spuren, auch bei den Ungläubigen.

Dann gibt es das berühmte Haus 4711. Immer wieder gibt es dort eine Kleinigkeit, die man den Daheimgebliebenen mitnehmen kann. Heuer waren es ein Duschbad, eine Hautcreme, ein Schirm und ein lustiger Flaschenöffner. 

Auch ein Besuch in der Brauerei Früh sollte im Programm enthalten sein, schon allein um sich über die homöopathische Bierdosis von 0,2 Liter zu belustigen; das gibt es nur in Köln. In diesem Jahr hatten wir nicht so viel Zeit und daher konsumierten wir unser Kölsch am Bahnhof, unterstützt durch eine lokale Variante des Jägermeisters, genannt “Kabanes”, serviert von einer netten Hamburgerin am Bahnhof.

Bestell' zum Bier Kabanes Dir

Bestell’ zum Bier Kabanes Dir
Verhandlungen mit dem Fußball-Gott im Dom

Verhandlungen mit dem Fußball-Gott im Dom
Vor der BayArena

Vor der BayArena
Kulinarische Zapfsäulen

Kulinarische Zapfsäulen


Die Fahrt nach Leverkusen war kurz; zwei Stationen mit der Bahn. Von der Stadt sieht man nichts, lediglich das Bayer-Werk kann man entlang der Bahnstrecke erkennen. Ansonsten liegt das Stadion inmitten eines ausgedehnten Parks und kann von der Bahnstation in etwa 20 Minuten Fußweg erreicht werden.

Natürlich war in unserer Planung ein kleiner Fehler. Columbo-Fans haben diesen längst erkannt: die Mitbringsel, die wir in Köln gekauft hatten, die störten jetzt beim Eingang ins Stadion, denn sie eigneten sich perfekt als Wurfgeschoße. Nachdem wir aber den Security-Leuten unsere pazifistische Einstellung glaubhaft dargelegt hatten, durften wir alles mitnehmen. 

Für Bier-Freunde: hier, in Leverkusen wird entweder Bitburger Pils oder Gaffel-Kölsch ausgeschenkt. Leider war der Fanshop so belagert, dass wir uns kein Andenken an dieses Spiel mitnehmen konnten. Um so eindrucksvoller war das Stadion. Wer hätte das gedacht, dass man das Schalke-Stadion noch übertreffen könnte. Natürlich nicht in der Größe aber die Stimmung während des Openings war ebenfalls sehr gut. 

BayArena

BayArena



Die Bay-Arena von Leverkusen wäre das, was man sich bei Rapid wünschen sollte. Ein Schmuckkästchen, das durch das lichtdurchlässige Dach ungemein freundlich, leicht und luftig wirkt. Diese Wirkung übertrifft die von Schalke obwohl sie nur halb so viele Zuschauer fasst. 

BayArena Glasdach

BayArena Glasdach



Die Leverkusener Fans waren nicht so früh am Platz wie ihre Schalker Kollegen aber ein halbe Stunde vor Beginn war dann doch auch deren Fansektor voll.

Sehr schön, das muss man hier anmerken war das gemeinsame Singen der Hymnen beider Mannschaften. Das haben wir noch nie gehört, dass in einem Stadion tatsächlich die Hymnen beider Clubs gesungen werden. Keine Pfiffe. Alle singen mit. Hinter uns ein Pärchen: er Leverkusen-Schal, sie Bremen-Schal. Vor uns zwei Bremen-Fans mit Arnautovic-Trikots. 

In der BayArena

In der BayArena
In der BayArena

In der BayArena
Arnautovic-Fans

Arnautovic-Fans
Fanblock Leverkusen

Fanblock Leverkusen


Ein tolles Spiel mit Vorteilen für Leverkusen. In der 60. Minute müssen wir zum Zug. Durch das Dach bleibt der Schall im Stadion und man hat nach nach wenigen Schritten nur mehr einen entfernten Eindruck von der Lautstärke innerhalb. 

Unser Zug nach Wien war ein Liegewagen. Abfahrt 20:05, Ankunft 9:15. Die Waggons sind etwas einfacher. Das ist aber nicht immer so, denn wir sind diese Strecke auch schon mit einem EuroNight gefahren, der alle Stückeln spielt. Wahrscheinlich wird dieser größere Zug erst nach der Ferienzeit eingesetzt, wenn die Geschäftsreisenden unterwegs sind. Wir hatten am Frankfurt einen weiteren Fahrgast, einen 17-jährigen Tennis-Profi im Abteil. Eine sehr nette Begegnung. Er fuhr von einem Turnier nach Hause, hat seine Spiele alle gewonnen und bereitete sich auf eine weitere Fahrt in der nächsten Woche vor. Mir ist aufgefallen, dass er, der Sportler, beim Frühstück keine Butter und auch keine Marmelade gegessen hat und wir, die wir eigentlich keine körperlich anstrengenden Tätigkeiten ausführen als eben Fußballschauen, wir haben natürlich alles aufgegessen. Von irgendwo muss das Übergewicht ja kommen.

Wer bis hierher durchgehalten hat, kann die Daten zu unserer Fahrt nachlesen.

Panoramabilder


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Wer ist Anorthosis Famagusta?

Auf der Wikipedia-Seite kann man sehen, dass vom 21-Mann-Kader nur 7 Zyprioten sind. Weiters gibt es 5 Griechen und eben andere Nationen. Der Club verstärkt sich mit ausländischen Spielern. Der Kader ähnelt also dem der Salzburger eher als dem von RAPID eine Inländerquote dürfte es auf Zypern nicht geben.

Die FIFA-Weltrangliste von Anfang Juni schätzt Zypern (Platz 34) höher ein als Österreich (Platz 43).

Der UEFA-Landesindex (Spielstärke der international aktiven Clubs) vom Mai weist Zypern auf Platz 27 aus und Österreich auf 20. Die Spielstärke der Klubs wird also von der UEFA ziemlich ähnlich bewertet. Die sieben Plätze machen es aber aus, dass der österreichische Meister erst in der zweiten Qualirunde einsteigen muss.

Im Teamranking ist RAPID auf Platz 165 (punktegleich mit Salzburg) und Famagusta auf Platz 193 also beide nicht besonders ruhmreich.

Da es keine direkten Duelle gegen RAPID gibt, könnte man vielleicht aus Begegnungen von Famagusta gegen uns bekannte Clubs auf die Spielstärke schließen:

FC Zürich Zürich: Niederlage im Heim und Auswärtsspiel (1998/99)

RSC Anderlecht: Unentschieden im Heimspiel, Niederlage im Auswärtsspiel (2000/01)

Herta BSC: Unentschieden im Heimspiel, Niederlage im Auswärtsspiel (2001/02)

Hier ist noch ein aktueller Bericht über ein Testspiel von Famagusta gegen Bochum, das Bochum 1:2 verloren hat.

Auf einer YouTube-Seite wird von einem 1:1 auswärts gegen Totenham Hotspur aus 2007 berichtet.

Also bitte nicht all zu euphorisch sein, es könnte eine Ernüchterung geben.

Das Auswärtsspiel darf man daher nicht unterschätzen; mehr als ein Unentschieden haben auch andere vergleichbare Clubs nicht erreicht.

Famagusta

Erste Liga Zypern

UEFA-Teamranking

UEFA-Country-Ranking (Stärke der international spielenden Clubs)

FIFA-Weltrangliste (Stärke der Nationalmannschaft)

Ranking des österreichischen Fußballs

Die fußballerische Stärke eines Landes wird sowohl von der FIFA (Leistungen der Nationalmannschaft) als auch von der UEFA (Leistungen der Clubs bei den internationalen Wettbewerben CL und UEFA-Cup) bewertet. Österreich liegt bei der UEFA-Wertung im Mittelfeld der europäischen Länder, bei der FIFA-Wertung eher am Ende.

Hier ist eine Grafik, die die Spielstärke österreichischer Clubs (bewertet durch die UEFA) und der österreichischen Nationalmannschaft (bewertet durch die FIFA) seit 1960 zeigt:

Platz von Österreich in der FIFA- und UEFA-Wertung

FIFA-Ranking von Österreich zwischen 1960 und 2010

Abweichungen des FIFA- vom UEFA-Ranking


Die Clubs würden sich freuen, könnten sie heute ihren Rang von 1962 hätten – damals waren wir auf Position 5 der europäischen Länder; heute (Stand Juni 2008) sind wir auf Platz 20 angelangt. Die “besseren Zeiten”, etwa bis 1999 waren durch die Teilnahme der Club in der Champions League und im UEFA-Cup begründet.

Die Nationalmannschaft würde sich freuen, wenn sie sich am Rang von 1997 finden würde, denn da waren wir immerhin auf Rang 14.

Eine Note für die Teamchefs

Die Note ist der durchschnittliche FIFA-Rang (bekannt ab 1993).

 FIFA-Schnitt 1960-1963 Karl Decker
1964 Josef Walter, Béla Gutmann
1965-1966 Eduard Frühwirth
1967 Erwin Alge
1968-1975 Leopold Štastný
1976-1977 Helmut Senekowitsch
1978-1981 Karl Stotz
1982-1984 Erich Hof
1985-1987 Branko Elsner
1988-1989 Josef Hickersberger
1990-1991 Alfred Riedl
1992 Ernst Happel
 22 1993-1998 Herbert Prohaska
 20 1999-2001 Otto Baric
 31 2002-2005 Hans Krankl
 36 2006-2008 Josef Hickersberger

Der Abstieg ist deutlich abzulesen, Änderungen sind angesagt. Und wenn etwas so schief geht, dann muss man nicht nur den Teamchef sondern auch die sonst Verantwortlichen infrage stellen.

Download

Quellen

  • UEFA -> Make Chart
  • FIFA (javascript:go(getUrl(‘169′,’27275′,’1’)) statt ‘169’ ‘2’…’168′ eingeben

Österreich ist besser als sein Ruf

Warum die österreichische Nationalmannschaft so schlecht spielt, das glaubt der Kabarettist Roland Düringer zu wissen und bringt es mit folgender Aussage auf den Punkt: “Österreich wird nicht Europameister, weil auch ein Niederländer auf der Streif nicht gewinnt.”

In dieser Behauptung steckt die Annahme, dass Holländer eben durch die topologischen Gegebenheiten ihres Landes keine Gelegenheit haben, aus einer breiten Basis von Schifahrern eine Schifahrer-Elite heranzuziehen.

Was aber hindert die Österreicher, ein eben solches Topteam wie die Holländer zu haben? Dem steht ja keine geografische Einschränkung entgegen, außer vielleicht, dass es bei der bergigen Landschaft schwieriger ist, gerade Flächen für Fußballfelder bereitzustellen.

Können die Fußballer eines Landes ihre Spielstärke wesentlich steigern oder ist ihre Spielstärke durch demoskopische oder wirtschaftliche Kenngrößen bestimmt?

Die erste Frage ist daher: welche Faktoren (außer den fußballerischen) beeinflussen die Spielstärke eines Landes?

Dazu braucht man einmal vergleichbare Daten der zu vergleichenden Länder. In Wikipedia wurden folgende Größen für alle europäischen Fußballnationen erfasst:

Einwohnerzahl Fläche Bevölkerungsdichte BIP (Brutto-Inlandsprodukt) BIP pro Kopf Einkommensverteilung

Um die fußballtechnische Infrastruktur eines Landes zahlenmäßig erfassen zu können, wäre es nützlich, Zahlen, wie Anzahl der registrierten Fußballspieler, Anzahl der Clubs… zu kennen. Was allein die FIFA-Seite anbietet, ist das Gründungsjahr des jeweiligen Verbandes.

Das Reservoir an Fußballern eines Landes ist proportional zur Bevölkerungszahl. Die Anzahl der Ligen, Klubs und schließlich Fußballspielern aus denen eine Nationalmannschaft gespeist werden kann, hat einen Einfluss auf die Qualität der Spieler.

Ebenso kann der Wohlstand eines Landes und wie viel dieses Wohlstandes in den Fußballsport investiert wird etwas über die Qualität der jeweiligen Nationalmannschaft aussagen.

Betrachtet man das UEFA-Ranking der europäischen Länder (http://www.kicker.de/news/fussball/intligen/startseite/jahreswertung) kann man grob sagen, dass Länder mit größerer Einwohnerzahl eher vorne in der Liste zu finden sind, ebenso solche, die ein hohes BIP haben. Es wundert uns nicht, dass Luxemburg und Liechtenstein eher hinten in der Liste zu finden sind und demnach Österreich eben etwa in der Mitte, auf Rang 20. Das heißt, es gibt einen Zusammenhang zwischen der Einwohnerzahl und dem BIP (Gesamtwert der Produkte und Dienstleistungen eines Landes) und dem Platz der UEFA-Weltrangliste.

Reihung nach Einwohnerzahl

Reiht man die Länder nach der Einwohnerzahl, und bringt mit dem UEFA-Platz in Zusammenhang, sieht man einen deutlichen Zusammenhang.

Ausreißer nach unten sind zum Beispiel Kasachstan, Aserbaidschan, Weißrussland, Polen. Diese Länder rangieren unterhalb einer durch die Einwohnerzahl getragenen Reihung und haben eine weniger entwickelte Fußballkultur. Ausreißer nach oben sind zum Beispiel Norwegen, Zypern, Slowenien, Island, Schweiz. Diese Länder haben eine bessere Performance als es dem Ranking der Einwohnerzahl entspricht. Österreich ist ebenfalls um 3 Plätze besser, die Schweiz sogar um 9 Plätze. Luxemburg als Beispiel eines kleinen aber reichen Landes könnte – gemessen an der Einwohnerzahl in der UEFA-Wertung um drei Plätze weiter vorne liegen, d.h. Fußball hat in Luxemburg einen eher geringeren Stellenwert.

Reihung nach dem BIP

Reiht man die Länder nach dem BIP, und bringt mit dem UEFA-Platz in Zusammenhang, sieht man ebenfalls einen deutlichen Zusammenhang.

Ausreißer nach unten sind zum Beispiel Schweden, Polen, Finnland, Irland, Weißrussland und Kasachstan. Diese Länder rangieren unterhalb einer durch das BIP getragenen Reihung; die Fußballkultur wächst nicht (mehr) proportional zum Wohlstand. Aus Österreich fällt tendenziell in diese Gruppe. Ausreißer nach oben sind zum Beispiel Rumänien, Portugal, Ukraine, Bulgarien, Serbien, Moldawien, Diese Länder haben eine bessere Performance als es ihrem Wohlstandsranking entspricht. Luxemburg als Beispiel eines kleinen aber reichen Landes könnte – gemessen am Wohlstand in der UEFA-Wertung sogar um 22 Plätze weiter vorne liegen.

Den genauen Zusammenhang zeigt die nachfolgende Tabelle. Österreich liegt im Mittelfeld und das wird durch die Einwohnerzahl und durch das BIP ganz gut bestätigt. Weiter vorne liegen könnte man nur, wenn es eben gelingt, durch den Export von Spielern ins Ausland, den Vorteil der dortigen Kampfkraft für Österreich zu nutzen, wie das andere Länder, wie zum Beispiel Holland, Spanien und Tschechien demonstrieren. 

UEFA   Einwohnerzahl           BIP            
Land Rank Points EZ Rank-W Rank-EU Trend (0.7503x 4.971) Rank Diff Trend BIP (nominal) Rank-W Rank-EU Trend (0.7692x 4.5051) Rank Diff Trend
England 1 75749.00 60769000 22 5 5.72 besser 4 5 2772570 5 2 5.27 besser 1 4
Spanien 2 75266.00 44279000 29 8 6.47 besser 6 4 1438959 8 5 6.04 besser 3 4
Italien 3 60410.00 58877000 23 6 7.22 besser 3 4 2104666 7 4 6.81 besser 1 4
Frankreich 4 52668.00 61647000 21 4 7.97 gleich 0 4 2560255 6 3 7.58 schlechter -1 4
Deutschland 5 48722.00 82599000 15 2 8.72 schlechter -3 4 3322147 3 1 8.35 schlechter -4 3
Russland 6 43750.00 142499000 9 1 9.47 schlechter -5 3 1289582 11 6 9.12 gleich 0 3
Rumänien 7 40599.00 21438000 51 10 10.22 besser 3 3 165983 43 21 9.89 besser 14 3
Portugal 8 39927.00 10623000 76 14 10.97 besser 6 3 223303 36 19 10.66 besser 11 3
Niederlande 9 38213.00 16419000 61 11 11.72 besser 2 3 768704 16 7 11.43 schlechter -2 2
Türkei 11 31725.00 74877000 17 3 13.22 schlechter -8 2 663419 17 8 12.97 schlechter -3 2
Ukraine 12 30100.00 46205000 27 7 13.97 schlechter -5 2 140484 49 23 13.74 besser 11 2
Belgien 13 26700.00 10457000 77 15 14.72 besser 2 2 394507 22 12 14.50 schlechter -1 2
Griechenland 14 25831.00 11147000 74 13 15.48 schlechter -1 1 314615 27 15 15.27 besser 1 1
Tschechien 15 25750.00 10186000 80 17 16.23 besser 2 1 175309 40 20 16.04 besser 5 1
Schweiz 16 24225.00 7484000 96 25 16.98 besser 9 1 423938 20 10 16.81 schlechter -6 1
Bulgarien 17 23166.00 7639000 95 24 17.73 besser 7 1 39609 72 32 17.58 besser 15 1
Norwegen 18 22425.00 4698000 114 29 18.48 besser 11 0 391498 23 13 18.35 schlechter -5 0
Dänemark 19 20450.00 5546500 108 26 19.23 besser 7 0 311905 28 16 19.12 schlechter -3 0
Österreich 20 17700.00 8361000 94 23 19.98 besser 3 0 373943 26 14 19.89 schlechter -6 0
Serbien 21 16750.00 9858000 82 19 20.73 schlechter -2 0 41679 70 31 20.66 besser 10 0
Israel 22 15750.00 10450000 78 16 21.48 schlechter -6 -1 161935 45 22 21.43 gleich 0 -1
Schweden 23 13691.00 9119000 89 21 22.23 schlechter -2 -1 455319 18 9 22.20 schlechter -14 -1
Slowakei 24 12332.00 5390000 109 27 22.98 besser 3 -1 74988 57 26 22.97 besser 2 -1
Polen 25 12041.00 38082000 33 9 23.73 schlechter -16 -1 420284 21 11 23.74 schlechter -14 -1
Ungarn 26 11999.00 10030000 81 18 24.48 schlechter -8 -2 138388 50 24 24.50 schlechter -2 -1
Kroatien 27 11624.00 4555000 115 30 25.23 besser 3 -2 51356 64 27 25.27 gleich 0 -2
Zypern 28 10082.00 855000 153 42 25.98 besser 14 -2 21303 88 36 26.04 besser 8 -2
Slowenien 29 9915.00 2002000 143 40 26.73 besser 11 -2 46084 67 29 26.81 gleich 0 -2
Finnland 30 9623.00 5277000 111 28 27.48 schlechter -2 -3 245013 34 18 27.58 schlechter -12 -2
Lettland 31 8831.00 2277000 138 38 28.23 besser 7 -3 27341 81 35 28.35 besser 4 -3
Bosnien-Herz. 32 8498.00 3935000 124 33 28.98 besser 1 -3 14780 101 39 29.12 besser 7 -3
Litauen 33 7999.00 3390000 128 35 29.73 besser 2 -3 38345 73 33 29.89 gleich 0 -3
Moldawien 34 7499.00 3794000 125 34 30.48 gleich 0 -4 4227 137 45 30.66 besser 11 -3
Irland 35 7332.00 4301000 121 32 31.23 schlechter -3 -4 258574 32 17 31.43 schlechter -18 -4
Mazedonien 36 6331.00 2038000 141 39 31.98 besser 3 -4 7497 123 43 32.20 besser 7 -4
Island 37 5999.00 301000 171 46 32.73 besser 9 -4 20003 93 38 32.97 besser 1 -4
Georgien 38 5831.00 4385000 118 31 33.48 schlechter -7 -5 10293 115 41 33.73 besser 3 -4
Weißrussland 40 5332.00 9689000 85 20 34.98 schlechter -20 -5 44773 68 30 35.27 schlechter -10 -5
Estland 41 4332.00 1335000 147 41 35.73 gleich 0 -5 21278 89 37 36.04 schlechter -4 -5
Aserbaidschan 42 3832.00 8467000 93 22 36.48 schlechter -20 -6 31321 78 34 36.81 schlechter -8 -5
Albanien 43 3666.00 3190000 131 36 37.23 schlechter -7 -6 10619 113 40 37.58 schlechter -3 -5
Armenien 44 3665.00 3002000 133 37 37.98 schlechter -7 -6 7974 120 42 38.35 schlechter -2 -6
Kasachstan 45 2582.00 15422000 62 12 38.73 schlechter -33 -6 103840 56 25 39.12 schlechter -20 -6
Luxemburg 49 1498.00 467000 165 44 41.74 schlechter -5 -7 50160 65 28 42.20 schlechter -21 -7
Malta 50 0.83 407000 167 45 42.49 schlechter -5 -8 7419 124 44 42.97 schlechter -6 -7
Montenegro 51 0.50 598000 161 43 43.24 schlechter -8 -8 2974 147 46 43.73 schlechter -5 -7

Quellen


Wikipedia-Links

FIFA- kontra UEFA-Ranking

Pepi und unsere Truppe haben es geschafft, dass wir im Mai auf Platz 101 der FIFA-Weltrangliste abgesackt sind. Weil bei der FIFA aber ordentlich gearbeitet wird und man das Ranking regelmäßig aktualisiert, hat man Anfang Juni das Ranking wieder neu berechnet und durch das 5:1 gegen Malta ist Österreich dann doch wieder unter die Top-Hundert auf Platz 92 gelandet.

Leider wurde die WM-Qualifikation aber bereits vorher gelost und daher findet Österreich nach sich nur mehr die Faröer-Inseln; alle anderen Kontrahenten sind nach FIFA-Weltrangliste stärker als wir. Es ist aber eigentlich egal, wie uns die FIFA einschätzt; wer Weltmeister werden will, muss ohnehin einmal die Qualigruppe überstehen, gleichgültig welche Gegner auch immer in dieser Tabelle aufscheinen.

Es gibt aber auch noch ein zweites Ranking, das der UEFA-5-Jahreswertung und ein erster Vergleich der Tabellen zeigt, dass die UEFA unser Land ganz anders einschätzt. Grund genug, die beiden Tabellen einander gegenüber zu stellen.

Während die FIFA-Weltrangliste die Spielstärke der Nationalmannschaft angibt, wird die Spielstärke UEFA durch die Erfolge der Clubmannschaften eines Landes ermittelt.

Hier ist einmal ein Vergleich der Tabellen. In der Darstellung wurden in der FIFA-Tabelle alle nicht UEFA-Länder entfernt und dann die Reihenfolge der UEFA-Wertung jener der FIFA gegenübergestellt. Die Spalte Diff gibt den Unterschied zur UEFA-Wertung an. Je geringer die Differenz zwischen FIFA- und UEFA-Wertung, desto weniger Abweichung gibt es in der Einschätzung der Spielstärken der Clubs und der Nationalmannschaft durch die Verbände.

Länder mit einer positiven Differenz werden haben eine stärkere Nationalmannschaft als es dem Clubniveau entspricht. Hervorzuheben sind Tschechien (+11), Kroatien (+16), Irland (+10), Nordirland (+25) und Wales (+17).

Länder mit einer negativen Differenz haben eine schwächere Nationalmannschaft. Hervorzuheben sind Russland (-10), Belgien (-14), Schweiz (-10), Österreich (-23) und Slowakei (-11).

Man kann die Liste vielleicht so interpretieren:

Länder mit einer positiven Differenz verfügen über Spieler, die in den starken europäischen Ligen spielen und die jeweilige Nationalmannschaft verstärken. Daher ist die Spielstärke der Clubs des Landes geringer. Kein Wunder, dass gerade die Länder des Vereinigten Königreichs in dieser Liste aufscheinen, spielen doch viele Spieler in der starken englischen Liga.

Länder mit einer negativen Differenz haben weniger Spieler in den starken europäischen Ligen, daher ist die Nationalmannschaft vergleichsweise schwächer. Die Spielstärke der Clubs des Landes ist stärker, weil die Clubs sich ihrerseits mit ausländischen Spielern verstärken. Österreich ist ein extremes Beispiel dafür.



UEFA FIFA
Land Rank Points Rank Points Diff
England 1 75749 7 1123 -6
Spanien 2 75266 2 1303 0
Italien 3 60410 1 1424 2
Frankreich 4 52668 5 1143 -1
Deutschland 5 48722 3 1274 2
Russland 6 43750 16 846 -10
Rumänien 7 40599 10 1069 -3
Portugal 8 39927 9 1094 -1
Niederlande 9 38213 8 1111 1
Schottland 10 33375 12 978 -2
Türkei 11 31725 14 877 -3
Ukraine 12 30100 20 791 -8
Belgien 13 26700 27 600 -14
Griechenland 14 25831 6 1133 8
Tschechien 15 25750 4 1246 11
Schweiz 16 24225 26 644 -10
Bulgarien 17 23166 13 949 4
Norwegen 18 22425 17 814 1
Dänemark 19 20450 22 750 -3
Österreich 20 17700 43 341 -23
Serbien 21 16750 24 694 -3
Israel 22 15750 15 872 7
Schweden 23 13691 19 799 4
Slowakei 24 12332 35 494 -11
Polen 25 12041 18 805 7
Ungarn 26 11999 29 580 -3
Kroatien 27 11624 11 1017 16
Zypern 28 10082 34 503 -6
Slowenien 29 9915 38 410 -9
Finnland 30 9623 23 697 7
Lettland 31 8831 37 462 -6
Bosnien-Herz. 32 8498 36 487 -4
Litauen 33 7999 33 523 0
Moldawien 34 7499 28 583 6
Irland 35 7332 25 674 10
Mazedonien 36 6331 31 544 5
Island 37 5999 42 367 -5
Georgien 38 5831 40 383 -2
Liechtenstein 39 5500 46 214 -7
Weißrussland 40 5332 32 540 8
Estland 41 4332 44 239 -3
Aserbaidschan 42 3832 47 203 -5
Albanien 43 3666 41 375 2
Armenien 44 3665 39 392 5
Kasachstan 45 2582 45 235 0
Nordirland 46 2332 21 752 25
Wales 47 2331 30 578 17
Färöer 48 1832 52 14 -4
Luxemburg 49 1498 50 136 -1
Malta 50 1 48 202 2
Montenegro 51 1 49 180 2
Andorra 52 1 51 49 1
San Marino 53 0 53 0 0


Ranking des österreichischen Fußballs

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Quellen

Museum

Definition “Museum”

Die in der Fachwelt weitgehend anerkannte Beschreibung der Museumsfunktionen stammt vom International Council of Museums (ICOM), das ein Museum bezeichnet als „eine gemeinnützige, ständige, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienst der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zu Studien-, Bildungs- und Unterhaltungszwecken materielle Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt macht und ausstellt“


Gegenstand der Museologie ist nicht das Museum, auch wenn dies naheliegen mag. Museologie ist im echten Sinne eine Wissenschaft, die sich mit dem Phänomen der Musealität beschäftigt. Hierbei steht die Frage im Mittelpunkt, ob und in welchem Umfang ein Objekt Bedeutungsträger für seine Umwelt ist. Von zentralem Interesse ist dabei das Beziehungsgeflecht in dem ein Objekt wahrgenommen wird. Dies gilt sowohl für den Ursprungs- und Verbringungskontext des Objektes, wie auch für Konnotationen, die das Objekt bzw. dessen Bild durch den Wissens- und Erfahrungshintergrund des Betrachters erhält.

Von praktischer Relevanz sind die Erkenntnisse der Museologie vor allem für die Analyse und Ausgestaltung der objektgebundenen Kommunikation zwischen Ausstellungsmacher und Besucher. Als Begründer der wissenschaftlichen Museologie kann Zbynek Z. Stránský (Brno/Brünn) gelten. Fortgeführt und ausgeweitet wurden seine Arbeiten im deutschsprachigen Raum u.a. durch Friedrich Waidacher (Graz), dessen Handbuch für Allgemeine Museologie als eines der Standardwerke für die moderne Museologie gilt.

Museologie wird in Europa vor allem in Großbritannien, den Niederlanden, Finnland, der Tschechischen und Kroatischen Republik gelehrt. In der Schweiz gibt es einen Nachdiplomkurs „Museumspraxis“ mit dem Titel „Certificate of Advanced Studies“ an der Hochschule in Chur. Im Leipzig und Berlin gibt es einen Fachhochschulstudiengang.

Im Gegensatz zur Museologie im engeren Sinne beschäftigt sich die (z. B. an der FHTW Berlin gelehrte) Museumskunde mit museumspraktischen Fragen. Unter Museographie schließlich versteht man museale Inszenierungskunst. Hierbei handelt es sich um die Umsetzung der Szenographie auf die museale Ausstellung.

Museumsverband

Präsident Prof. Dr. Wilfried Seipel
General director Kunsthistorisches Museum
Burgring 5, A-1010 Wien
Austria
+43 1 525 24 – 4000 
E-Mail:wilfried.seipel@khm.at
http://icom.museum/natcom/austria.html

Membership Secretary

Direktor Mag. Heimo Kaindl
Dioezesanmuseum Graz, Mariahilferplatz 3, A-8020 Graz 
+43 316 713994 Fax +43 316 8041 – 18 895 
E-Mail:heimo.kaindl@graz-seckau.at

ICOM Deutschland
ICOM England
ICOM Österreich
ICOM Europa

Museen in der Schweiz

ICOM in der Wikipedia (englisch)
ICOM in der Wikipedia (deutsch)

International Sports Heritage Association (ISHA)

früher: International Association of Sports Museums and Halls of Fame (IASMHF)
auf Amerika orientiert aber vom NY Fußballmuseum kann man viel lernen,
nämlich, “je kürzer die Vergangenheit, desto größer das Museum”
http://www.sportsheritage.org/


Museumswissen

Museum
Muesologie

Museumsadressen

Museum des Österreichischen Fußballbundes

im Ernst-Happel-Stadion (Sektor A-F)
1021 Wien
Tel: 01/727180 

Fußballmuseum Springe

Sportsammlung Saloga e.V.
Hinter der Burg 1
31832 Springe
Tel: 05041/5560
http:/www.fussballmuseum-springe.de E-Mail:webmaster@sportsammlung-saloga.de

Deutsches Sport- und Olympia-Museum

Im Zollhafen 1
50678 Köln
Tel: 0221/33609-0
Fax: 0221/33609-99
http:/www.sportmuseum.info
http:/www.sportmuseum-koeln.de
http:/www.sportmuseum.info/
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Sport_%26_Olympia_Museum
http://www.rheinischemuseen.de/app/rama/detail.asp?MNr=220
E-Mail:info@sportmuseum.info

Scottish Football Museum

Hampden Park, Glasgow
+44(141)6166139
+44(141)6166101
http://www.scottishfootballmuseum.org.uk/

Sportmuseum Leipzig

Am Sportforum 10, 04105 Leipzig
+49-341-980 51 12
Fax +49-341 – 98 06 491
E-Mail:sportmuseum-leipzig@leipzig.de
http://www.sportmuseum-leipzig.de/

Sportmuseum Berlin

Hanns-Braun-Str. 1, 14053 Berlin
Geöffnet nur bei Sonderausstellungen und nach telef. Vereinbarung

Sportmuseum Frankfurt/Main

Moerfelder Landstrasse 362, 60528 Frankfurt
069/67804113

Ungarisches Sportmuseum

(mit interessanten Bildern aus der Frühzeit des Fußballs)
leider nur in Ungarisch
http://www.sportmuzeum.hu/

Sportmuseum Schweiz

Missionsstrasse 28, CH-4055 Basel
http://www.sportmuseum.ch/

Virtuelle Fußballmuseen

Aus Fehlern und Niederlagen lernen wir

Die Art der Derby-Niederlage vom Sonntag ist ein besonders deutliches Signal für den Zustand der Kampfmannschaft. Ein Abhaken, wie das beim Fußball gerne gemacht wird oder ein “zur Tagesordnung übergehen” wird es da wohl nicht geben können. Man sollte seitens des Vereins alles in Frage stellen.

Beobachten wir hier ein lokales Tief, das uns seit etwa zwei Jahren begleitet oder handelt es sich um einen Klimawandel, die schon seit den 50er-Jahren andauert?

Meine Diagnose: Es handelt sich um einen unbewältigten Klimawandel. Anders ist es nicht
zu erklären, dass ein anderer lokaler Verein, der deutlich kleiner ist in diesem Zeitraum
deutlich erfolgreicher ist.

Rapid, ein Ruhekissen?

Die Zeiten, in denen man Spieler noch für ein warmes Mittagessen an einen Verein binden konnte, sind längt vorbei, dennoch schlägt Rapid immer noch Kapital aus dem Titel “Rekordmeister”, der es für Spieler zum erträumten Ziel werden lässt, für Grün-Weiß spielen zu dürfen, und vielleicht wird auch aus diesem Umstand der eine oder andere finanzielle Vorteil für den Verein herausverhandelt. 

Aber Spieler, die ihr Ziel erreicht haben und kein weiteres anstreben sind zu wenig hungrig. Was Rapid braucht, sind Spieler, die weiter kommen wollen und für die Rapid ein Sprungbrett ist. Denn Rapid bietet ihnen die Öffentlichkeit, die sie für einen internationalen Transfer brauchen. ”(Dieser Umstand, dass Spieler bei Rapid einen Entwicklugsendpunkt erreichen, kann in abgewandelter Form auch als “Peter-Prinzip” nachgelesen werden, nach dem jemand so lange aufsteigt, bis eben seine Fähigkeiten für einen weiteren Aufstieg nicht mehr ausreichen. http://de.wikipedia.org/wiki/Peter-Prinzip

Nicht nur die Medien, auch die Funktionäre Rapids titulieren den Verein gerne als “Rekordmeister”. Diesem Anspruch kann aber die Mannschaft derzeit in keiner Weise entsprechen. Vielleicht sollte man sich hier seitens des Vereins eine andere Diktion überlegen, denn dieser Anspruch, eines Rekordmeisters läuft – wenigstens derzeit – an der Realität vorbei. Die Werbeaussage passt nicht zum Produkt. Sollte es wieder soweit sein, dass wir eine Mission 33 realistisch ins Auge fassen können, dann können wir unser Vokabular wieder verändern.

Tränenreiche Abschiede sind ein gutes Zeichen

So schmerzlich es ist, dass die österreichischen Verhältnisse es nicht erlauben, erfolgreiche Spieler zu halten, so wichtig ist es eben, Spieler zu finden, die Rapid nicht als ultimatives Ziel als Fußballer sehen, sondern die Rapid als Sprungbrett benutzen. Genau diese Spieler entwickeln dann eine Dynamik, die die gesamte Mannschaft zu jenem Team formen, das für einen Titel erforderlich ist. Die beiden letzte Titelgewinne beruhten auf solchen Spielertypen. ”(Beim Titel 2004/05 waren es Hofmann und Ivanschitz, die ihre Ziele höher gesteckt haben; 2007/08 Hoffer und Maierhofer)”

Mehr Geld für das Team?

Was heute zählt, ist die Fähigkeit eines Vereins, ein Budget aufzustellen und ein Maximum davon für den Spielbetrieb zur Verfügung zu stellen. 

Noch mehr Geld? Rapid hat ja schon das größte Budget (sieht man vom Sonderfall Red Bull einmal ab). Aber stimmt das wirklich? Wie viel verbraucht der Clubbetrieb und wie viel bleibt dem Sportdirektor?

Der SK Rapid ist eine Geldquelle, die 17 Millionen pro Jahr erwirtschaftet. Aber dieses große Rapid-Budget sagt uns nicht, wie viel davon tatsächlich für den Betrieb der Kampfmannschaft aufgewendet wird. Wir, die Außenstehenden, wissen es einfach nicht. Im Extremfall könnte es sein, dass ein Kleinverein mehr Geld in seine Mannschaft investieren kann als Rapid, weil dieser Kleinverein nicht den Apparat des Großklubs, mittragen muss. Die Brutto-Budgetzahlen können also täuschen.

Schwimmt Rapid in Geld?

Nehmen wir an, dass trotz des Apparats immer noch vergleichsweise viel mehr für den Rapid-Sportdirektor verbleibt als bei einem Kleinverein. Dann hätten die Konkurrenten von Rapid Probleme, konkurrenzfähige Spieler am selben Spielermarkt zu besorgen. Diese finanzielle Überlegenheit müsste sich dann eigentlich in Toren niederschlagen. Tut es aber nicht. Denn die Mitbewerber zeigen durch geschicktere Einkaufspolitiok und durch großen Teamgeist der Mannschaft (eine Tugend, die man eigentlich bei Rapid vermutet hätte), dass Geld eben nicht Tore schießt, wie das auch vom Rapid-Anhang gerne in Blickrichtung Red Bull skandiert wird.

Ein geringeres Budget fordert die grauen Zellen, fordert die Phantasie, sonst steigt man ab.

Können es andere besser?

Ich möchte ein Beispiel anführen, bei dem man sieht, dass Geld anderswo anders angelegt wird (ob besser, das kann man ohne genauere Zahlen nicht sagen).

Die elektronische Präsenz von Rapid ist vielschichtig. Die Webseite wird von den Profis von laola1.at hergestellt. Das ist professionell, kostet aber vermutlich eine Menge Geld. Die Handy-Applikationen, die beim Derby vorgestellt worden sind, gibt es sicher auch nicht umsonst. Das Ticketing ist ebenfalls ausgelagert und schmälert die Einnahmen des Clubs.

Bei Sturm Graz ([http://www.sksturm.at/index.php?id=269] Redakteure: Kronawetter, Offenegger, Neubauer und Hirschmann.) kann man sich abschauen, wie man es auch billiger haben kann. Alle vier Redakteure erledigen das, was bei Rapid sicher eine Stange Geld kostet, ehrenamtlich. Das Ticketing ist nicht ausgelagert sondern wird von Eva Koch und Werner Ernst beackert.

Nicht, dass es nicht auch bei Rapid Bereiche gäbe, die das Prinzip der Ehrenamtlichkeit pflegen. Erwähnt sei zum Beispiel das [http://www.rapidarchiv.at/|Rapid-Archiv], das von Gerald Pichler und Herbert Pawlek seit vielen Jahren ohne weitere Kosten für den Verein (nicht einmal die Online-Kosten, die das Speichern der Daten immer verursacht werden von Rapid bezahlt). Aber dieser Bereich ist eher eine Ausnahme, weil bisher die Tradition, repräsentiert in Zahlen und Daten, stiefmütterlich behandelt wurde.

Ist ein Verein überhaupt die richtige Geschäftsform?

Wenn man das Ziel, den Sportbetrieb optimal zu finanzieren, mit einem anderen Modell besser erfüllen könnte, dann her damit! Dass man mit einer AG schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht hat, kann ja auch Gründe haben, die mit dem Modell einer AG nicht zusammenhängen. Unsere Lieblingsfeinde benutzen jedenfalls eine etwas andere Struktur, die man studieren sollte. http://www.fk-austria.at/AG.707.0.html

Bekennen wir uns zum Verein?

Es ist das Wesen eines Vereins, dass die Mitglieder ein das Geschehen eingebunden sind und sich mit dem Verein identifizieren können, anders als es bei einer Firma der Fall ist. Rapid zeigt durch die starke Marketing-Seite eher das Gesicht einer Firma. 

Müsste ein Verein, der so stolz auf seine Mitgliederbasis ist, nicht diese Mitglieder enger am Vereinsgeschehen beteiligen? Ja, es gibt mit Stefan Singer einen Mitgliedervertreter, aber wäre es nicht denkbar, in Fragen, die dazu geeignet sind, eine wirkliche Basisdiskussion abzuwickeln und deren Ergebnisse dann auch umzusetzen?

Als Beispiel möchte ich die Verpflichtung eines neuen Spielers angeben. Es wären drei Spieler in der engeren Wahl und eigentlich alle geeignet. Heute entscheiden Sportdirektor und Trainer über die Verpflichtung. Was wäre, wenn in einer solchen Frage auch einmal die Mitglieder Gehör finden würden? So ganz falsch kann deren Entscheidung ja auch nicht sein, wenn einmal eine Vorselektion stattgefunden hat.

Der Vorteil solcher Vorgangsweisen wäre eine engere Bindung der Anhänger an den Verein. Jemand, dessen Stimme gehört wird, steht dem Vereinsgeschehen näher.

Großklub, ein aufgeblähter Apparat?

Rapid als ursprünglicher Arbeiterverein war dem sozialistischen Weltbild immer schon stark ausgesetzt. 

Bei allen erfreulichen Errungenschaften, die uns Kommunismus/Sozialismus/Soziale Marktwirtschaft gebracht haben, sie brachten auch aufgeblähte Organisationsformen, die im Begriff sind, seit etwa 20 Jahren gesund zu schrumpfen (Beispiel: Gewerkschaft, verstaatlichte Betriebe…). Möglicherweise haben sich aber bei Rapid solche Strukturen über Jahrzehnte aufgebaut und erst die sportlichen Misserfolge der letzten Zeit lassen uns darüber nachdenken, was zu verändern ist.

Ein 11-köpfiger Vorstand  (Beer, Hammerschmid, Herzog, Jaros, Kisswetter, Leeb, Lechner, Mittermeier, Prantner, Raberger, Visur)‘ und ein 43-köpfiges Kuratorium (Bachl, Bergamnn, Böhmert, Brandsteidl, Brauner, Darabos, Dolinek, Eder, Gatscha, Grüneis, Hackel, Haider, Hoscher, Janke, Kaltenbrunner, Kietreiber, Kirisits, Kirschner, Krammer, Lasshofer, Lugscheider, Mühlwisch, Newald, Parma, Pilz, Pink, Rasinger, Pick, Schieder, Schmidseder, Schnabl, Semlitsch, Sharf, Singer, Sterk, Strecha, Tesarek, Trummer, Vanas, Wailand, Wakounig, Weber, Zöllner) arbeiten für Rapid. Ehrlich: wer kennt alle Namen und wer weiß, was genau sie für Rapid leisten? Was müssten diese 54 Personen aus Vorstand und Kuratorium für eine “Kampftruppe” sein, wenn sie sich wirklich für Rapid engagierten; tatsächlich scheinen aber viele dieser “Posten” reine Gefälligkeits-Titel zu sein, die nur am Papier oder bei geselligen Zusammenkünften aufscheinen.

Warum erfahren die Mitglieder so wenig über diesen so stark besetzten Teil des Vereins?
Was kosten uns diese Einrichtungen? Und was bringen sie?

Fangruppenmitglied = Rapid-Mitglied

Rapid hat für österreichische Verhältnisse eine sehr große Anzahl von Fangruppen. Aber nicht alle Mitglieder dieser Vereine sind auch Rapid-Mitglieder. Sie stehen oft ihrem Fanklub näher als Rapid. Sie tragen auch vorzugsweise Fanartikel ihres Fanklubs und nicht Rapid-Fanartikel. Daher besteht geradezu eine gewisse Distanz zum Fußballverein und eine Nähe zur Fangruppe und erklärt auch eine geringere Hemmschwelle, sich an einem Platzsturm zu beteiligen. 

Vielleicht wäre es für die Zusammenarbeit zwischen den Fangruppen und dem Verein günstig, die Vereinsmitgliedschaft in den Vordergrund zu stellen und sie an die Mitgliedschaft beim Fanklub zu koppeln. Fanklubkarte = Rapid-Mitgliedskarte.

Rapid, eine Ein-Mann-Show

Wer einmal als Fußball-Neuling bei Rapid vorbeigeschaut hat, weiß, dass die heutige Faszination “Rapid” von einer Person getragen wird. “Andy Marek ist Rapid.” Kaum ein Bereich, mit dem Fans in Berührung kommen, der nicht von Andy koordiniert wird. Andys Visitenkarte müsste wohl im A4-Format hergestellt werden, wollte sie alle seine Agenden aufzählen.

Was sagt uns diese Ein-Mann-Show? Auf der einen Seite wird die Verwaltung dadurch extrem schlank gehalten. Anderseits werden viele Aufgabenbereiche kostenintensiv ausgelagert. Vielleicht hat daher die Ersparnis auf der einen, viele teure Outsourcings zur Folge.

Diese Organisationsform hat eine gewisse Verwandtschaft zu unserem Kapitän Steffen Hofmann, der es nicht schafft, seine Mispieler auch einmal einen Eckball oder Freistoß schießen zu lassen.

Vielleicht wäre es gut, nicht auf einen Gott sondern auf mehrere zu setzen?

Ist der Druck zu groß?

Fast jeder 10te Österreicher sympathisiert mit Rapid. Der Erfolgsdruck ist groß. Einfach spielen und schauen, was dabei herauskommt, das gibt’s bei Rapid nicht. Spieler bei anderen Bundesliga-Vereinen haben wahrscheinlich viel weniger Termine und erfahren auch weniger Verehrung. Diese Vergötterung der Spieler ist aber für die Orientierung, insbesondere der jüngeren, nicht immer hilfreich. Während jedes verlorene Spiel den Nachholbedarf einmahnt, vermitteln die Fankontakte eine heile Welt. 

Kurz: verwöhnen wir die Spieler zu sehr, wie schon bei Asterix zu lesen ist? http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Lorbeeren_des_C%C3%A4sar|”Zuckerpüppchen

Eine Antwort?

Seien wir ehrlich, es herrscht eine gewisse Ratlosigkeit, denn man wäre ein falscher Prophet, wenn man den wahren Weg wüsste. Die Ergebnisse zeigen uns aber, dass etwas nicht stimmt – beim Rekordmeister. Und meine Zeilen zeigen auch nur, dass sich alle emotional Beteiligten Sorgen um Ihr Rapid machen. 

In der Wirtschaft ist der Markt ein gnadenloser Richter über Erfolg oder Misserfolg eines Produkts und in weiterer Folge über den Weiterbestand von Unternehmen. Im Sportbetrieb ist es die Konkurrenz am Spielfeld, die ungeeignete Strukturen eines Mitbewerbers schonungslos aufdeckt.

Die Folge der Misserfolge war ein Platzsturm als non-verbaler Appell der Basis an den Verein, den Spielbetrieb nicht als eine Bühne für angenehme gesellschaftliche Zusammenkünfte zu verwenden, sondern ihn an die Anforderungen der Zeit anzupassen,  Strukturen als ungeeignet zu erkennen oder zu verkleinern und bei der Mannschaft jenen Teamgeist herbeizuführen, der Siege ermöglicht.

Und die Leistung beim Derby vom 21.8. – eigentlich eine logische Fortsetzung der Leistung vom 22.5. – sollte alle Verantwortlichen zum einem grundlegenden Brainstorming anregen.

Auf geht’s Rapid, kämpfen und siegen!

Nachtrag

Man kann schreiben, was man will, weil schon Eugen Roth sagt:
EIN MENSCH SIEHT – UND DAS IST GANZ WICHTIG -.
NICHTS IST GANZ FALSCH UND NICHTS GANZ RICHTIG

Ich habe geschrieben, dass Arbeitsbereiche von Andy Marek ausgelagert werden.

Und das ist falsch.

Es werden Dinge ausgelagert (Webseite, Ticketing) aber die gehören in den Bereich des Marketing und nicht zur Fanbetreuung. Die Fanbetreuung wird im Gegenteil zur Gänze von Rapid geführt.

Und dass Rapid der populärste Club Österreichs ist, das haben wir sicher auch der besten Fanbetreuung Österreichs zu verdanken. Es kommt mir so vor, als wüssten wir von diesem Schatz der überaus großen Popularität aber unsere Phantasie reicht nicht aus, ihn zu heben.

Zum Fußball gehört nicht nur das Team, dazu gehört auch der Verein. Und wir sprechen von einem Zeitraum von 50 Jahren und es geht gar nicht um einzelne Personen, denn die Präsidentschaft Edlinger gehört eigentlich zu den sehr erfolgreichen.

Sollten die 10 Meistertitel in 50 Jahren für den größten Verein des Landes nicht nachdenklich stimmen?

|..*.:**..|….:….|**..:**..|….*….|…*:.*..|
1960      1970      1980      1990      2000      2010

*..Meistertitel

Zu Erinnerung: unsere Lieblingsfeinde vom Verteilerkreis haben in diesem Zeitraum 18 Meistertitel und dieser Unterschied ist so deutlich, dass man ihn nicht unter die sonstigen Zufälligkeiten des Spielbetriebs einreihen kann. Wir können uns nun damit abfinden oder aus gegebenem Anlass ein bisschen die eigene Struktur analysieren.

Wir sollten und daher Gedanken darüber machen, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der Firmenstruktur und dem Erfolg oder Misserfolg des Produkts.

Wenn nein, dann müssen wir ja nur auf positive Aktivitäten des Trainerteams warten und uns im Erfolgsfall freuen.

Wenn ja, dann müssen wir diese Unterschiede aufdecken, denn vielleicht gibt es ja grundsätzliche Mechanismen, die anderswo zielgerichteter, effektiver ablaufen, vielleicht mit weniger Rücksichtnahme auf das vorhandene Beziehungsgeflecht.

Und da Geld tatsächlich Fußball spielt (sagt nicht, dass die Spanier von Geburt an talentierter wären), muss man in erster Linie fragen, wie viel davon für den Spielbetrieb überbleibt und wie effektiv es eingesetzt wird.

Wohin mit Rapid?

Der Rekordmeister hat Platzprobleme. Das Hanappi-Stadion ist in schlechtem Bauzustand und für Spitzenspiele viel zu klein. Noch vor dem Stadion ist die Nachwuchsakademie dran. Es ist also noch Zeit. Aber was kommt statt dem Hanappi-Stadion?

Wäre bei uns eine Fußballbegeisterung wie zum Beispiel im Ruhrgebiet oder in Spanien gegeben, würden sich die Politiker darum reißen, einen Stadionneubau an ihre Fahnen zu heften, wüssten sie doch die Wählermassen hinter sich.

In Österreich hat aber Fußball eine weit geringere Popularität. Mit neuen Stadien kann man nicht punkten. Wenige aktive Politiker verirren sich ins Stadion.

Die Ausnahme war weiland Jörg Haider, der keinerlei Berührungsängste hatte und der die Popularität des Fußballs und für seine Auftritte nutzte und der es auch geschafft hat, einen völlig unsinnigen Stadionbau in die Wiese zu setzen. Seine Nachfolger sehen diesen Zusammenhang zwischen dem Fußball und der Politik nicht und schon sind die Vereine weg vom Fenster.

Für Rapid ist weit und breit kein Politiker in Sicht, der diese Mechanismen für sich und für Rapid ausnützen wollte. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Happel für die Gemeinde die Lösung ist, mit der sie sich am billigsten aus ihrer Verantwortung gegenüber dem populärsten Club im Land ziehen kann.

Wie wir aus dem Mund von Andy Marek wissen, ist es kein Problem, Gutachten über den schlechten Bauzustand unseres Stadions zu bekommen, wenn man danach fragt.

Man kann daher seitens der Gemeinde eine solche Übersiedlung auch durchsetzen, wenn “Gefahr im Verzug” ist.

Wenn es also bei diesen schlechten Aussichten und der offensichtlichen technischen und rechtlichen Probleme eines Neu-, Um- und Ausbaus irgendeine andere realistische Alternative in der Nähe (Bahngelände, Auhof) oder aber auch anderswo (Transdanubien) gäbe, die auch der Stadt nutzt und daher realisierbar ist (zum Beispiel als Multifunktionsstadion), sollte man religiöse Überlegungen einmal beiseite schieben und nicht gleich aus ideologischen Gründen an einen kollektiven grün-weißen Selbstmord denken.

Obwohl das nur von einem Bezirkspolitiker dahergesagt wurde, ein Standort in Auhof könnte auch für die Gemeinde attraktiv sein. Die ohnehin zweckmäßige U-Bahn-Verlängerung würde damit gleich erledigt, das brachliegende Gelände wird genutzt. Die religiösen Gefühle der Rapidler könnte man mit einer zwar etwas skurilen aber sicher möglichen Änderung der Bezirksgrenzen berücksichtigen.

Aber auch weiter weg liegende Standorte sollte man nicht einfach verwerfen. Es gibt viele Beispiele von Vereinen, die man sich in Ruhe anschauen kann, die auch den Stadtteil gewechselt haben und die es noch immer gibt und die auf keinen Fall zurücktauschen würden.

Das sich Einbetonieren “Wir san in Hütteldorf daham”, wie es in Reden unseres Präsidenten immer wieder anklingt, ist zwar Musik in des Rapidlers Ohren aber weniger kategorische Festlegungen wären bei so geringen Chancen auf eine Realisierung des Neubaus in der Keisslergasse besser.

Man muss ich ja nur daran erinnern, dass der ursprüngliche Standort an der Seltzergasse im 15. Bezirk von der Stadtenwicklung überrollt wurde und in gewisser Weise wäre das jetzt wieder so, denn die Gegnerschaft der Anreiner ist ein wesentliches Hindernis für Neubauten am Standort.

Man stelle sich einmal nur theoretisch eine Abstimmung unter Mitgliedern vor (wenn andere Lösungen nicht bestehen), mit der Frage: “Happel oder Neubau in Transdanubien?” Nicht, dass ich das wollte aber bevor man sich das Happel antut…