Integration am Fußballplatz

Fußballvereine sind Stätten der Integration. Anderswo möglicherweise ausgegrenzt, werden erfolgreiche Migranten am Fußballplatz gefeiert. Und das war schon seit den Anfängen des Fußballs so. Bei Rapid waren es in der Monarchie die Brüder Schediwy (šedivý = grau); nach dem Ersten Weltkrieg der erste Superstar des Fußballs, der „Pepi der Tank“ genannte Josef Uridil (uřídil = er hat gelenkt, gerichtet); bei der Wiener Austria war es in den dreißiger Jahren der leichtfüßige, „Der Papierene“ genannte Matthias Sindelar (šindelář = Schindler).

Diese beiden Spieler waren prägend für den Spielstil dieser beiden Mannschaften noch weit über ihre aktive Zeit hinaus: großer Kampfgeist bei Rapid und brillante Technik bei der Austria.

Nächste Mitgliederversammlung 28.Oktober. Eingeladen wurden Grahovac, Greiml, Murg, Sonnleitner. Auskunft 0677-1899 5070 (Franz)

Die tschechischen Wiener Turnvereine Slovan und Sokol waren für ihre Leistungen bekannt. Der Fußballklub Slovan/HAC (gegründet 1902) spielte von 1923-1939 in der obersten Spielklasse und danach auch noch zwei Mal im österreichischen Cup.

Meine Tante, heute 83 Jahre, erzählte von ihrer Schulzeit am Sebastianplatz, dass einige ihrer Schulkameraden täglich mit dem Bus von Vösendorf zur Schule gebracht wurden. Es waren Kinder der letzten „Ziegelböhm“, darunter der berühmte Rapid-Tormann Walter Zeman (zeman = Edelmann), der eine außergewöhnliche Körperbeherrschung besaß und bei Rapid zum „Löwen von Mailand“, „Tiger von Paris“ und „Panther von Glasgow“ wurde.

Auch heute präsentiert sich der Fußballverein Rapid multikulturell; Spieler mit Migrationshintergrund zählen zu den Stützen der Mannschaft und sind überproportional vertreten. Hier eine Kostprobe der aktuellen Namen:

Yasin Pehlivan: yasin = Einleitungsbuchstaben der Koransure Yasin, pehlivan = Held (persisch)),
Veli Kavlak: veli = 1.Vormund- 2. Heilig- 3. jemand, der für ein Kind verantwortlich ist; kavlak = Baum mit abgeschälter Rinde; Haut die beim Sonnenbrand abgeht, sich schälen,
Tanju Kayhan: tanju = der Name, den die Chinesen den türkischen Gefangenen gegeben hatten; kayhan = der starke und mächtige Herrscher,
Ümit Korkmaz: ümit = Hoffnung; korkmaz = der Furchtlose, jemand, der nicht aufgibt und mutig ist,
Hamdi Salihi: hamdi= den Herrn preisen, Gott dankbar sein; salih = 1. geeignet, passend, brauchbar; 2. fromm, den Regeln der Religion anpassend

Als der albanische Rapid-Stürmer Hamdi Salihi beim Weihnachts-Charity 2010 Punsch an die Gäste ausgeschenkt hat, wurde er mit großem Jubel empfangen. Die vier Tore vom Spiele gegen den LASK haben diese Stimmung stark beeinflusst. (Über die Töne, die von den Rängen zu hören sind, wenn es einmal nicht so gut läuft, schweigen wir lieber.)

Fußball ist ein gar nicht so schlechter Gradmesser für Integration.

Ein sehr schönes Beispiel für identifikatorische Integration beschreibt Florian Scheuba in seinem Buch „Cordoba, das Rückspiel“ (gleichnamiges Bühnenstück), in dem der Sohn der deutschen Migranten bereits Rapid-Fan ist. In diesem Sinn wären Türken in Wien, die Besiktas-Fahnen schwenken, noch lange nicht integriert.

Es besteht insgesamt die Hoffnung, dass Fußball durchaus einen positiven Beitrag zu einer gelungenen Integration liefern kann. Und es bedarf viel mehr solcher Projekte.

Frühere Legionäre
Antonín Panenka panenka = Augenstern, Püppchen
Walter Zeman zeman = Edelmann
Josef Uřidil uřídil = er hat gelenkt, gerichtet
Brüder Schediwy šedivý = grau
Tomáš Došek došek = Garbenbündel, Strohschaube
Josef Dworak dvořák = Hofer
Peter Hlinka hlinka = Tonerde
Tomislav Knez kněz = Priester
Peter Orel orel = Adler
Eldar Topic topič = Heizer
Franz Twaroch tvaroh = Topfen
Jozef Valachovic valach = Wallach
Rudolf Vytlacil vytlačil = ausgedrückt, verdrängt
Petr Voříšek voříšek = kleine Nuss
Walter Vybiral vybíral = ausgesucht
František Veselý veselý = lustig

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  1. […] Besonders interessant für Rapid-Amateur-Soziologen war Christians Sohn Matthias aus Rostock (ja, moderne Patchwork-Familien können kompliziert sein). Matthias lebt schon seit zehn Jahren in Österreich. Trotz seiner unüberhörbaren deutschen Herkunft ist er mit dem Wiener Fußball als Rapid-Fan verbunden und erinnert an die Migrantenfamilie aus den Buch/Bühnenstück „Cordoba, das Rückspiel“ von Florian Scheuba, erwähnt im Beitrag „Integration am Fußballplatz“. […]

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