Mattersburg-Rapid

Durch den allseits verfügbaren Zaubertrank, “Geld” gibt es den “schwachen Gegner” nicht mehr wirklich. Auswärtsspiele gegen Mattersburg waren in den letzten Jahren weder für die Gesundheit noch für die Tabelle zuträglich. Das zeigt eine Grafik der letzten 15 Auswärtsspiele:

Bilanz der Auswärtsspiele in Mattersburg

Der Leistungsmittelwert (horizontaler blauer Strich) ist mit 41% deutlich unter einem Durchschnitt von 50% unter dem Mittellinie. Form aber ansteigend. Letztes Spiel 2:2. Die rosa Balken sind die Zuschauerzahlen in Mattersburg und die tendieren nach unten: sinkendes Interesse am Bundesliga-Fußball.

Die Bilanz aller 30 Spiele gegen Mattersburg hat einen Leistungsmittelwert von 60%.

Bilanz aller Spiele gegen Mattersburg

Die Leistung ist der Mittelwert aufeinanderfolgender Spiele. Sieg=1, Unentschieden=0.5, Niederlage=0 in Prozent. Würden alle Spiele gewonnen werden, ergibt das 100% Leistung. 50% bedeutet gleich viele Siege wie Niederlagen und beliebig viele Unentschieden. Der Leistungsmittelwert der letzten 100 Bundesligaspiele beträgt 69%.

Mattersburg ist ein unangenehmer Gegner; nicht gerade ein Punktelieferant.

Rapid, die Nummer 2 in Wien?

Ein Rückblick auf die Zeit seit 1960 ist etwas ernüchternd, denn Rapid hat in diesem Zeitraum 11 Meister- und 10 Cuptitel geholt, aber unsere Freunde vom Verteilerkreis 18 Meister- und 17 Cuptitel. Das ist keine zufällige Streuung mehr, das ist deutlich.

Es wäre daher für einen Blick in die Zukunft günstig, sich zu fragen, warum es zu diesem ungleichen Kräfteverhältnis kommt.

Die Infrastruktur, die Besucherzahlen, das Spielermaterial usw. können es nach meiner Ansicht nach nicht sein, denn in diesen Belangen würde ich Rapid eher vor den Verteilerkreis reihen.

Es muss daher etwas anderes sein. Es muss ein Element sein, dass sich durch die gesamte jüngere Vereinsgeschichte zieht. Und das gilt es, in Zukunft zu beseitigen.

Theorie 1: Rapid ist traditionell eher der Sozialdemokratie nahe stehend. In diesem Umfeld werden aber rigorose Personalentscheidungen weniger goutiert. Man wundert, ja amüsiert sich oft über die zahlreichen Trainerwechsel und auch Organisationswechsel bei anderen Vereinen und ist sogar ein bisschen stolz auf die Kontinuität. Es kann aber sein, dass man bei Rapid einem Trainergespann in schlechten Zeiten zu viel Zeit gibt und dadurch an Terrain (in der Tabelle) verliert.

Theorie 2: Die Organisation des Vereins ist vielleicht auch ohne den obigen “sozialen Aspekt” zu schwerfällig. Was es da für Gremien gibt:

8 Personen Präsidium
43 Personen Kuratorium
11 Personen Vorstand

Die eigentliche “Kampfmannschaft” ist da noch gar nicht vertreten mit Sportdirektor Hörtnagel, Marketingchef Kuhn, Trainer Pacult + Assistenten, Scouts (wer sind die eigentlich?), Andy Marek&Team.

Theorie 3: Bei Grundsatzfragen der Spielerverpflichtung gibt es bei Rapid Kriterien, die dazu führen, dass ursprünglich gute Spieler sich bei Rapid “ausruhen”.

Spieler sind ehrgeizig. Rapid ist der attraktivste Verein. Daher wollen viele Spieler zu Rapid. Das ist ihr Ziel. Dort angekommen, haben sie alles erreicht, was sie eigentlich angestrebt haben. mehr wollen sie nicht. Rapid braucht daher Spieler, die mehr wollen als nur bei Rapid zu spielen. Man braucht Spieler, für die es eine “Zeit nach Rapid” gibt, die auch in anderen Ligen spielen wollen. Die werden dann tatsächlich bei Rapid “alles geben”. Paradebeispiel: Hoffer, Maierhofer. Das Scouting müsste daher (natürlich nur, wenn diese Theorie stimmt) die eigentlichen Motive der Spieler verstehen lernen. Auf die Gretchenfrage bei Bewerbungen “Warum wollen Sie bei uns arbeiten?” hat jeder eine passende Antwort in der Tasche; die Aufgabe der Rekrutierung ist es aber, die eigentliche Motivation herauszufinden.

Ich meine nicht, dass die Spieler absichtlich schlecht spielen aber wenn das gesteckte Ziel “Rapid” war und sie haben es erreicht, dann können sie sich anderen – zum Beispiel privaten – Zielen widmen, mit dem Effekt, dass Rapid dabei zu kurz kommt.

Wenn es der Vereinsführung also wirklich darum geht, die “Nummer 1 in Wien” zu sein, dann muss sie mit Rücksicht auf die historischen Fakten etwas verändern – eventuell auch bei sich selbst.

Startschwierigkeiten

2011-02-12 Magna – Rapid 2:0

Wir haben nicht ein ganz schlechtes Spiel, oder ganz schlechte Spieler gesehen. Immer wieder muss man bedenken, dass Zufälligkeiten einzelner Spiele nicht zur Bewertung einzelner Spieler herangezogen werden sollten.

Bei erfolgreichem Abschluss von Nuhiu nach der tollen Vorarbeit von Drazan schon in der ersten Minute wäre das folgende Spiel ganz anders verlaufen und wir würden hier ganz anders über dieselben Spieler und über denselben Trainer sprechen würden.

Was wir aber schon diskutieren sollten, ist Wiederkehrendes, zum Beispiel die verpatzten Saisonstarts. Diese könnten doch auf Mängel im Training zurückzuführen sein, denn die Spieler waren jetzt einen Monat in der “Obhut” des Trainerteams. Und ob diese Trainigseinheiten die notwendige Abwechslung bieten, um die Spieler bei Laune zu halten und ihnen neue Spielideen zu vermitteln, möchte ich bezweifeln. Man sieht zu wenig neue Elemente bei den Trainings. Und die Trainer müssten ständig auf der Suche danach sein.

Es scheint, als würden die Spieler erst nach einigen Spielen in einen Spielrhytmus finden, etwas, was ihnen das Training anscheinend nicht vermittelt. Ich bin ein Skeptiker, was die Fähigkeiten des Cheftrainers Pacult und seiner beiden Co-Trainer anlangt. Nicht, dass ich was vom Fußball verstünde – Zuschauern stehen ja nur Spielfeld-Beobachtungen und Pressemeldungen zur Verfügung – aber dass der Trainer den Tormann zwei Stunden vor dem Spiel ohne irgendein Wort nominiert (so stand es im Standard), dass er sich aus Ärger den Interviews entzieht, dass ich bei dem Testmatch gegen Götzendorf vielleicht 10 Worte aus seinem Mund gehört habe (alles andere ist entweder gar nichts oder Gestik), das behagt mir nicht. Seine Theorie, dass er mit der Motivation des Teams nichts zu tun hätte. Er dürfte davon leben, dass man eben im Fußball auch einmal zufällig gewinnen kann und dass das Team auch ohne ihn Siegeswillen hat, so wie ein Orchester auch ohne einen Dirigenten spielen kann und so wie man bei jedem Job nicht wegen dem Chef sondern auch gegen den Chef Erfolg haben kann.

Wie als über Worte kommuniziert man mit anderen Menschen? Non-verbale Kommunikation ist natürlich ein tolles Arbeitsgebiet – aber für Pantomimen, nicht für Trainer.