Trainerfrage bei Grün-Weiß?

Die Ergebnisse im ersten Viertel der Liga sind ernüchternd: 0+0+3+3+3+0+0+0+3 = 12 Punkte, das sind 1.3 Punkte pro Spiel. Legen wir diese Zahl als Saisonergebnis zugrunde, dann gab es in der Rapid-Geschichte nur 7x ein so schlechtes Saison-Ergebnis: 1943 (kriegsbedingt), 1988, 1989, 1990, 1991, 1992, 2000.

Das Management muss zwischen Zufälligkeiten der Ergebnisse und einem Leistungs-Trend unterscheiden. Es wäre daher sehr hilfreich zu wissen, was der eigentliche Grund für die aktuelle Lage ist. Wir, Fans stochern herum ohne alle Randbedingungen zu kennen. Ein Ersatz des Trainers kann auch von einer gewissen Hilflosigkeit des Managements zeugen, wenn dieser gar nicht an der Lage verantwortlich ist. Man muss aber berücksichtigen, dass jeder weitere verlorene Punkt uns von dem (minimalen) Saisonziel „internationaler Platz“ entfernt.

Nächste Mitgliederversammlung 28.Oktober. Eingeladen wurden Grahovac, Greiml, Murg, Sonnleitner. Auskunft 0677-1899 5070 (Franz)

Niederlagen allein sind es nicht. Es ist ein Unterschied, ob eine Mannschaft gut spielt und dabei unglücklich verliert (wie beim Spiel gegen den VTK) oder ob sie durchschnittlichen Fußball bietet und dabei zufällig gewinnt (wie beim Salzburg-Spiel). Leider dominiert bei uns die Spielanlage „stereotyp und wenig variantenreich“ mit den bekannten Ergebnissen.

Wenn die Zeitungsmeldung stimmt, dass man bereits beim Heimspiel gegen Kapfenberg im Fall eines Punkteverlusts einen Trainerwechsel als Plan B in der Schublade hatte, dann sollte man eine so wichtige Maßnahme nicht an den Zufälligkeiten eines Spiels aufhängen sondern an einem Trend, der nicht zu leugnen ist, egal, ob ein konkretes Spiel dabei gewonnen wird oder nicht. Fast könnte man angesichts der wenig hoffnungsvollen Lage eher für ein „Ende mit Schrecken“ als einen „Schrecken ohne Ende“ sein, leider aber mit dem bitteren Beigeschmack, dass man nicht wirklich weiß, ob man nicht möglicherweise nur ein Symptom aber nicht die Ursache trifft.

Vielleicht liegt der Wurm einfach in einer Abnutzung des Teams. Pacult ist der 40. Trainer bei Rapid. Gemessen an der Dauer seiner Arbeit ist er an der 5. Stelle. Vor ihm rangieren nur Bauer (297 Spiele), Schönecker (272), Körner (210+56+25+38+10) und Nitsch (201), Pacult (187), danach kommt Pesser (181).http://rapid.iam.at/statistics.aspx?id=trainer&id1=details&p=alle“ (Sortieren nach „Einsätze“).

Die meisten von uns sehen ja nur die Spiele, nicht das Training. Ich erinnere mich an ein Interview mit Zajicek in dem dieser über variantenreiches Tormanntraining berichtete. Er könne einen Monat oder länger trainieren ohne auch nur eine einzige Übung zu wiederholen. Wie schauen die aktuellen Trainings aus? Wird angesichts der Lage etwas verändert, gibt es ausreichend neue Ideen, die auch die Spieler wieder auf neue Spielideen bringen? Sind die Co-Trainer die richtigen? Mir erscheinen sie farblos und dafür, dass Fußball der schönste Beruf der Welt sein kann, etwas wenig emphatisch, was man bei Pacult nicht sagen kann.

Bei Pacult sieht man eher das Problem, dass er seine taktischen Ideen und Aufstellungen beim Interview absolut nicht vermitteln kann und vielleicht auch nicht will und gleich fragt man sich, wie er denn dann mit dem Spielern kommuniziert, wenn ihm das bei den Journalisten so schwer fällt? Und das würde ja alles nicht stören, sofern der Erfolg gegeben ist. Vielleicht ist sein Motto: „Theorie ist das, was man nicht versteht. Praxis ist das, was man nicht erklären kann.“ Aber ein Spruch aus der Schule besagt, dass man nur das richtig versteht, wenn man es auch erklären kann. Wenn also jemand mit seinem Handwerk mit Intuition erfolgreich ist, soll das gut sein, wenn aber der Erfolg nachlässt, wäre es vorteilhaft, wenn er es auch versteht, denn dann hätte die Intuition versagt und dann könnte er es – kraft Verständnis – auch bewusst verändern.

Man muss allen Mannschaften mit weit weniger Budget zu dem gratulieren, was sie aus ihren viel geringeren Mitteln herausholen. Mir scheint auch die Quote junger Eigenbauspieler bei Rapid eher gering zu sein. Bei den anderen Vereinen ist das Nachrücken junger Spieler ja oft mehr Not als Tugend aber wir verleihen mehr junge Spieler als wir selbst nutzen. Das aber wieder wäre eine Sache, die eher den Sportdirektor betrifft.

Über allem aber thront die Last der vorauseilenden Erwartung (der Journaille aber auch der Fans), dass Rapid der Favorit sei und gewinnen müsse. Das äußert sich bei den Ankündigungen, sieht man bei den Interviews und auch bei den Spielkommentaren. Es ist die Last der Vereinsgeschichte: „Hier kommt der Rekordmeister“. Diesem Anspruch jederzeit zu entsprechen zu müssen, ist einfach auch ein bisschen unmenschlich und kann daher in einer unbewussten Abwehrreaktion der Spieler führen.

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