Gute Bilanz

Wir haben ein gute (Heim-)Bilanz zu halten:

1529 1:0 Sultan Süleyman
1683 1:0 Kara Mustafa
1960 4:0 Besiktas (EC der Meister)
1966 4:0 Galatasaray (EC der Cupsieger)
1967 1:0 Besiktas (EC der Meister)
1975 1:0 Galatasaray (UEFA-Cup)
1984 4:1 Besiktas (EC der Cupsieger)
1988 2:1 Galatasaray (UEFA-Cup)
1996 1:1 Fenerbahce (CL-League)
1999 0:3 Galatasaray (CL-League Quali)
2003 2:2 Besiktas (Testspiel)
2010 ?:? Besiktas (EUROPA-League)

Glück, für wen?

In Sportnet wird berichtet – und auch im ASB wurde es schon vermutet, dass Hesselings Tor in letzter Sekunde und der damit verbundene Zittersieg „ein Glück“ für den Trainer war und damit den Trainerstuhl wieder für einige Zeit sicherte.

http://www.sportnet.at/de/rapidwien/102463228442/rettet_lastminutetor_pacult_den_job

Der scheinbar planlose Austausch von Saurer zeigt, unter welchem (Existenz-)Druck der Trainer eigentlich steht. Die Saurer-Auswechslung war Panik-Pur vor einem nochmaligen Punkteverlust, die „zum Glück“ (für PP) gut ausgegangen ist, denn möglicherweise ist gerade sein augenblicklicher Kontrahent im Spiel Werner Gregoritsch auch gleichzeitig ein Konkurrent für seinen Arbeitsplatz.

Aber was ist schon ein „Glück“ und für wen? Wenn man seitens der Vereinsführung mit PP nicht zufrieden ist und sich schon nach Alternativen umschaut, dann sollte man die Entscheidung nicht an solchen Zufällen, wie Toren in der 94. Minute abhängig machen sondern eher ein Ende mit Schrecken machen als umgekehrt.

Denn wenn der sehr schlechte Start in die Saison tatsächlich auf PPs Führungsstil zurückzuführen wäre, dann war’s ja geradezu ein Pech, das JVoH das Last-Minute-Tor geschossen hat. So aber wursteln wir weiter und schau’n halt, wie weit nach unten uns der Weg noch führen wird.

Fußball und Krieg

Die Parallelen zwischen kriegerischen Auseinandersetzungen und einem Fußballspiel sind augenscheinlich. Schließlich sind beide ein Kampf mit einer hohen Zufallskomponente auf den sich die Kontrahenten systematisch mit taktischen Vorgaben vorbereiten. Diese Vorbereitungen für einen Krieg sind die soldatische Ausbildung und Manöver und für ein Fußballspiel das Training, Freundschaftsspiele und Trainingslager.

Der folgende Text entstand in Anlehnung an einen realen historischen Text aus dem 17. Jahrhundert; ein künstliches Szenario vor einem aussichtslosen Spiel, wo man – wie so oft – auf ein Wunder hofft:

Wenn wir also auf die Salzburger treffen, wird Gott die Dinge so lenken, dass wir in die Zweikämpfe gehen und für uns entscheiden können. Doch wenn Gott uns nicht durch ein Wunder hilft, werden die Salzburger, die die schnelleren und wendigeren Mittelfeldspieler und auch die gefährlichere Schützen in ihren Reihen haben, diese Vorteile ausnutzen und uns nicht ins Spiel kommen lassen. So fahren wir nach Salzburg in festem Vertrauen auf ein Wunder.

Das Original stammt aus den Schriften der Führung der spanischen Armada angesichts der kommenden Auseinandersetzung mit den Engländern. Sie sahen klar ihren Nachteil darin, dass sie nur dann eine Chance hätten, wenn sie im Nahkampf die feindlichen Schiffen entern könnten, doch die Schnelligkeit der feindlichen Schiffe würde das eben verunmöglichen. Nur ein Wunder konnte die spanische Armada noch retten. Ein gar nicht so unwahrscheinliches Szenario, auch im Fußball. Hier der Originaltext:

Wenn wir also auf die Engländer treffen, wird Gott die Dinge so lenken, dass wir in den Nahkampf gehen und entern können. Doch wenn uns Gott nicht durch ein Wunder hilft, werden die Engländer, die schnellere und wendigere Schiffe als wir und mehr weittragende Geschütze haben und sich dieses Vorteils wohl bewusst sind, uns nie aufschließen lassen, sondern Abstand halten und uns mit ihren Geschützen zu Stücken schlagen, ohne dass wir sie in nennenswerter Weise beschädigen können. So segeln wir nach England in festem Vertrauen auf ein Wunder.

aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Spanische_Armada

Gerade noch die Kurve gekratzt

Gestern, nach dem Cup-Spiel in Favoriten, haben wir ein Schild mit folgender Aufschrift gefunden: „Sie betreten jetzt den 10. Bezirk. Was vorher war, können Sie vergessen.“. Das Schild befindet sich übrigens am Eingang vom FavAc-Platz.

Fast hätte man den Eindruck haben können, als würde sich die Aufschrift auf das Spiel beziehen, denn es war ein lehrreiches Spiel; für Es hat gezeigt, dass eine entschlossene Mannschaft auch gegen sehr mächtige Gegner bestehen kann. Rapid hat’s ja gerade noch im Elferschießen geschafft aber die Bullen hat’s in Linz voll erwischt. Guerilla am grünen Rasen. Hier noch der entscheidende Elfer, gehalten von Helge Payer.

Und noch einmal der Wunsch, beide Keeper zu halten, indem man sie alternierend einsetzt.

Und die Lehren aus dem Spiel? Jeder hat eine andere Lösung; meine ist folgende:

Ich beobachte immer wieder die Aufwärmübungen, speziell jene der gegnerischen Mannschaften.

Dabei frage ich mich, wie unsere Trainer ihre Aufgaben verstehen. Wiederholen sie die Einheiten, die sie selbst während ihrer Spielerlaufbahn und der nachfolgenden Trainerausbildung gelernt haben oder sind sie auch auf der Suche nach neuen Ansätzen, wie eine bestimmte Spielweise im Training eingelernt werden kann.

In den Übungen der Gäste kann man immer wieder Elemente entdecken, die man ausprobieren könnte. Auch beim gestrigen Spiel war ich unmittelbar bei den Übungen der Amateure dabei und sah eine interessante Übung, bei der sich die Spieler (absichtlich) beim Dribbling im Weg stehen und die mir bei Rapid noch nicht aufgefallen ist.

Es kommt mir vor, als wäre das Rapid-Spiel etwas stereotyp und wenig variantenreich und damit für den Gegner berechenbar. Wenn sich dann noch eine gewisse Behäbigkeit durch die Favoritenrolle dazu gesellt, schauen wir ziemlich schlecht aus. Ich weiß nicht, ob das Spiel des Teams nicht die Mittelmäßigkeit oder unserer Kotrainer widerspiegelt. Es fehlt mir ein bisschen die Begeisterung in Ihrem Tun.

Manche Dinge, wie zum Beispiel der simplen Weitschuss (der sicher nicht so einfach ist, wie man sich das als Zuschauer vorstellt) scheint sich im Training nicht wiederzufinden. Anders kann man sich die etwas komisch anzusehenden Weitschussversuche von Hinum in den letzten Spielen nicht erklären.

Mein Vorschlag: schickt Trainer in andere Länder, zum Beispiel nach Spanien, und schaut deren Trainingskonzepte an. Aber schickt lernfähige Leute hin und nicht solche, die nur das Erlernte wiederkäuen.

Ein Derby hat eigene Gesetze

Heute, am 12.9. findet das 294. große Wiener Derby gegen die Wiener Austria statt. In Zeitungen kann man lesen: „das Derby hat eigene Gesetze“, was aber nach meiner Ansicht nur emotional zu verstehen sein.

Das Spiel hat für uns einen höheren Wert, die Spieler unterliegen einem höheren Stresspegel, die Polizei sperrt den halben Bezirk ab usw. Insofern hatte auch das Spiel gegen Aston Villa „eigene Gesetze“, weil es so wichtig war (für das Weiterkommen sogar wichtiger als das Derby).

Aber das Spiel am Platz ist – wie alle anderen auch – ein Spiel mit ungewissem Ausgang und der Zufall schlägt unbarmherzig zu, so wie er das auch im Spiel gegen den LASK gegen jede Voraussage tat.

Statistik kennt nicht die Zukunft, denn das schönste an der Zukunft ist ja das Ungewisse aber die Statistik erlaubt Prognosen mit einer gewissen Sicherheit und schließt nie irgendein Ergebnis aus.

Übrigens sind alle Fußballspiele „Krieg“. Der Unterschied des Kriegs zum Spiel ist der, dass es im Krieg weniger lebenserhaltende Regeln gibt und im Krieg noch viel mehr ungewiss ist, zum Beispiel die Dauer. (Aber Regeln gibt’s komischerweise auch im Krieg.)

Die Statistik sagt uns zum Beispiel, dass RAPID im ewigen Schnitt ziemlich genau um ein Tor mehr schießt als der Gegner. RAPID: 2.47 Gegner 1.40

Und warum? Weil diese Idee „Rapid“ über Jahrzehnte eine Leidenschaft aufrechterhält, die über alle Tiefs hinweg von Generation zu Generation weitergereicht wird und mit mehr Sympathie, mehr Anhängern und mehr Sponsoren mehr Geld erwirtschaften, mit dem bessere Trainer und Spieler zu Höchstleistungen gebracht werden – und eben zu einem Tor mehr als der Gegner.

Weil diese Mannschaft einen unvergleichlichen Support hat, wird sie statistisch mehr Erfolg haben. Ob es auch heute der Fall sein wird, wissen wir jetzt nicht; allein, dass sich das so viel mehr Menschen wünschen und bejahen, kann das Zünglein an der Waage sein.

Wir sind RAPID!

PS: RAPID an einem 12.9. S-U-N 63%-25%-13%
(Langzeitschnitt über alle Spiele ist S-U.N 56%-20%-24%)


2000 UEFA-Cup 1. Runde Örgryte IS (S) H 3:0 Hanappi-Stadion Dokupil
1998 Cup3. RundeSV Mattersburg A 5:3 Pappelstadion Weber
1970 Meisterschaft 6. Runde Sportclub H 3:3 PfarrwieseSpringer
1964 Meisterschaft 4. Runde Kapfenberger SV A 5:2 Alpen-Stadion Körner
1948 Meisterschaft 3. Runde FAC H 2:0 Pfarrwiese Pesser
1943 Meisterschaft 3. Runde Austria Wien H 1:2 Prater-Stadion Nitsch
1920 Meisterschaft 2. Runde Wacker A 3:3 Wacker-Platz Schönecker
1915 Meisterschaft 3. Runde Hertha H 10:3 Pfarrwiese Schönecker

Kurzbericht zur England-Reise 2010

Was immer man auf der Insel unternimmt, man lernt das Englische (nicht nur die Sprache auch die englische Seele und Denkweise) kennen auch wenn man mit den Details ihrer Sprache so seine Schwierigkeiten hat.

Meine Lehren daraus: man sollte die vielen guten Seiten der Engländer kopieren, wo es geht – und über die, die uns weniger gut gefallen, am besten schmunzeln.

Es ist sicher kein Zufall, dass wichtige Ideen des 20. Jahrhunderts ihren Ursprung im England des 19. Jahrhunderts haben (Kapitalismus, Marxismus, Liberalismus, Sport). Dass sich der Fußball dann verbreitet hat und in jedem anderen Land gewisse Eigenheiten entwickelt hat, das wissen wir, aber in England scheint mir, dass man die ursprüngliche Haltung zum Sport und zum Fußball am besten bewahrt hat.

Wenn man heute die Zustände in den englischen Stadien teilweise bewundert, teilweise ablehnt, dann muss man immer die Ereignisse der Hillsborough-Katastrophe 1989 vor Augen haben, die dazu geführt hat, dass sich die Bauvorschriften in den Stadien und auch die Verhaltensregeln stark geändert haben. Die Zeiten, als ein berittener Polizist im Wembley-Stadion mit 200.000 Besuchern Ordnung schaffte („White Horse Bridge“), sind vorbei. Im Old Trafford-Stadion haben wir etwa 500 Stewards zählen können, Polizei und Stewards außerhalb des Stadions gar nicht mitgerechnet. In das Old Trafford-Stadion gibt es geschätzte 100 Eingangstüren, die zu jeweils anderen Teilen des Stadions führen. Jeder Teil für sich ist vergleichsweise überschaubar und von den anderen getrennt mit eigener Kantine, eigenen Toiletten, eigenen Stiegenhäusern. Zu unseren Sitzplätzen (die übrigens gepolstert waren und warum, das wissen wir auch: für das Spiel gegen Westham werden nicht so viele Hospitality-Karten abgesetzt und daher verkauft man diese Sitze im freien Verkauf) führen zwei Treppen: eine schlichte Beton/Stahl-Konstruktion als Doppelwendel ausgeführt für das einfache Volk und eine zweite, vor der natürlich ein Steward steht, bei der die Wände und der Boden getäfelt sind für das Noch-Mehr-Zahlende Volk, die VIP-Gäste. Ein Führer an der Anfield Road, dessen Erklärungen wir zufällig folgen konnten, hat sinngemäß erzählt, dass allein die Kop-Tribüne 38.000 Menschen Platz geboten hat (Stehplätze) und dass es für sie genau 3 Toiletten gab. Zwischen Rasen und den Stehplätzen gab es nach den Spielen regelmäßig einen gelben Bach…

Das Unglück in Hillsborough 1989 war auf drei Dinge zurückzuführen: das immense Interesse am Fußball in England; Gitter zwischen Spielfeld und Zuschauerraum (diese waren zwar bei internationalen Begegnungen auf Grund der Heysell-Katastrophe bereits entfernt worden aber dieses Spiel war ein lokaler Cup und für dieses Stadion galten die internationalen Regeln noch nicht), schlechte Logistik beim Öffnen der Gates. Seither haben die Stadien in England untereinander eine große Ähnlichkeit; man meint, dass derselbe Architekt am Werk war. Es sind aber die Bauvorschriften, die diese Gleichheiten bewirken.

5 Spiele an 4 Tagen zu besuchen ist nur möglich, wenn die Spiele (erzwungen durch die Fernsehübertragungen) an verschiedenen Tagen stattfinden. Der Raum Manchester (in der Nähe: Wigan, Bolton, Blackburn, Blackpool, Liverpool, Bradford, City, United) ist dafür ideal geeignet, sowohl für Bahn- als auch für Autofahrer. Beides probiert, Auto ist natürlich flexibler, wenn auch nicht unproblematisch. Wenn man eine der großen Mannschaften sehen will, dann ist wegen der Kartenbeschaffung einfacher, eines ihrer Auswärtsspiele zu besuchen (Wir haben Arsenal in Blackburn gesehen; umgekehrt wäre das viel schwieriger).

Karten

  • Bradford: vor Ort, kein Problem. 20 Pfund.
  • Blackburn: via Webseite, Anmeldung genügt, bei Spitzenspielen wie Arsenal wird nur eine Karte pro Anmeldung abgegeben. Wenn man meint, man könne einfach den Namen austauschen (anderer Vorname) der irrt, denn dann verweigert das System die Karte. Ich musste meinen Schwiegervater mit ganz anderer Adresse angeben, dann hat es geklappt. Die Karten können am Spieltag im Fanshop abgeholt werden. 
  • Manchester United: Unser Spiel gegen Westham war kein Spitzenspiel, daher gab es online etwa 14 Tage vor der Begegnung noch Karten. Preis 58 Pfund. Karten wurden zugesendet.
  • Liverpool: Es gibt dort praktisch für kein Spiel Karten, das Stadion fasst 41.000 Zuschauer und ist praktisch immer ausverkauft. Einziger Ausweg: Hospitality-Karten. Schweigen wir über den Preis. Dann kommt noch dazu, dass in der Einladung steht: dress code: smart/casual no shorts, no jeans. Und wie soll man das als Tourist schaffen? Wir waren kurzerhand in einem Wall Mart und kauften zwei schwarze Hosen und Schuhe. Und mit dem Preiszettel auf der Hose kamen wir zum Hospitality-Zirkus. Eine (in Liverpool) bekannte Legende des Klubs plauderte über Details seiner Fußballerkarriere. Hier ärgert man sich, dass man zuerst in der Schule zu wenig aufgepasst hat und dann im Lauf des Lebens zu wenig Sprachpraxis gesammelt hat, um die Pointen zu verstehen. Wir haben’s aber bei Ente und Schwertfisch überlebt und danach ein zweifellos tolles Erlebnis in der Anfield Road beim Spiel gehabt. Auf der Webseite steht zwar, dass die Karten 10 Tage vor dem Spiel zugesendet werden (bei Reisen kann das knapp sein); wir haben auch (vergebens) darauf gewartet. Es stellte sich heraus, dass die Karten hinterlegt sind – in dem kleinen Portierhäuschen unmittelbar neben dem Hintereingang zum Stadion, bei dem Liverpooler Pendant von Frau Salzer.

Kommerz

Der Grad der Kommerzialisierung ist sehr groß, weil auch der Geldbedarf der Riesenklubs so groß ist. Ein paar Konkurse als Schuss von den Bug würden der Szene vielleicht gut tun, vielleicht so wie die seinerzeitigen Stadion-Unglücke ein Umdenken beim Stadionbau und -organisation bewirkt haben.

Stimmung im Stadion

Noch etwa 15 Minuten vor Spielbeginn glaubt man, dass das Stadion leer bleibt. Doch wie durch ein Wunder ist dann beim Anpfiff doch alles versammelt. Eine Unsitte ist es, dass sowohl einige Minuten vor der Pause und fast eine Viertelstunde von Matchende eine Abwanderung einsetzt; ziemlich unabhängig vom Spielstand.

Es gibt Stadionansager aber man darf sich diese nicht in der persönlichen Art von Andy Marek erwarten.

Die Auswärtsfans wirken stimmlich und organisatorisch fast immer besser als die Heimfans.

Oft wird am Anfang eine Hymne gesungen (Bradford, Blackburn, Manchester U., Liverpool). Sehr eindrucksvoll: „Glory glory Man United..“ und „You’ll never walk alone…“ in Liverpool. Das war’s aber im Allgemeinen schon. Das Publikum geht mit, beklatscht auch Szenen, die bei uns Unwillen auslösen (Rückpässe) aber einen guten organisierten Support konnten wir nur bei Southend und West Bromwich hören. (West Bromwich ist übrigens ein Stadtteil von Birmingham wie Aston Villa). Es war irgendwie enttäuschend, dass man auf der Anfield Road die Gäste lautstark und in einem guten Kollektiv singen hörte aber das Heimpublikum (auch auf der Kop-Tribüne) dem nichts entgegensetzen konnte.

Was müsste es aber für einen englischen Fußballfan für ein Erlebnis sein, ein voll besetztes Hanappi mit Choreografie auf Ost und West und RAPID in Spiellaune zu erleben? Er wird es nicht erleben, denn er weiß nicht, dass es das gibt. Dortige Medien berichten wenig über kontinentalen Fußball.

Beziehung Spieler – Fan

Die Begrüßung der Spieler auf dem Spielfeld zum Aufwärmen ist – entsprechend der geringen Zuschauerzahl im Stadion – lau. Die Verabschiedung ist sonderbar: die Heimmannschaft geht in die Kabine; wortlos. Am ehesten die Gastmannschaft bedankt sich bei den mitgereisten Fans. Fast hat man das Gefühl, dass sich die Spieler ärgern, dass bei Spielende praktisch 20% der Zuschauer schon weg sind.

Die Distanz zwischen Spielern der Großklubs und den Fans ist sehr groß. Ein Autogramm zu erhaschen ist nicht so einfach wie am Tag der offenen Tür bei RAPID. Da muss man sich als Fan nach dem Spiel anstellen und nur einige von denen bekommen dann vielleicht ein Autogramm. In Old Trafford wurde Wayne Rooney von seiner Frau abgeholt und er trug sein Kind (bewacht von Security) zum Wagen und fuhr dann davon. Den haben wir wenigstens gesehen. Ebenso Giggs, der einige Autogramme geschrieben hat. Die anderen Spieler bekommt man aber gar nicht zu Gesicht. Ein Security-Mann fährt einen Wagen vor den Spielerausgang, der Spieler steigt ein, man sieht ihn gar nicht, weil man immer auf der falsche Seite steht und der Wagen verdunkelte Scheiben hat – und weg ist er. Eines dieser Superautos war ein Lamborghini.

Parken bei Stadien

In Birmingham haben wir voriges Jahr eine Straße gefunden, die in 15 Gehminuten vom Stadion Villa Park entfernt ist und auf der man frei parken darf. In allen anderen Gegenden um das Stadion ist das Parken entweder ständig oder zumindest für die Spieltage verboten. Dafür bieten Besitzer größerer Grundstücke Parkplätze um 5 Pfund an. Dasselbe gilt für die anderen Stadien. Höchster Preis in Liverpool: 12 Pfund. Wir haben es nicht ausprobiert aber ich vermute, dass fremde Fahrzeuge von den Anreinern angezeigt werden.

Was ist Wien für eine tolle Stadt, dass man sich kostenlos vor ein Stadion oder sonst wohin stellen kann und wenn dort kein Platz ist, dann eben zum Zielpunkt gegenüber.

Was für alle unsere Spiele gilt, die wir bisher in England gesehen haben: die besten am Spielfeld sind die Schiedsrichter. Sie zerpfeifen Spiele nicht. Man könnte meinen, dass der Grund die besondere englische Fairness der Spieler wäre aber das glaube ich nicht. Der Grund dürfte sein, dass kleinere Vergehen nicht geahndet werden. Das hat zur Folge, dass die Spieler gar nicht auf die Idee kommen auf „Toter Mann“ zu spielen. Auch wenn es einmal nur humpelnd weitergeht, gepfiffen wird nur bei gröberen Attacken, dann aber natürlich auch mit Einsatz von Karten. Diese Vorgangsweise lässt die Aktionen flüssiger erscheinen und erzieht die Spieler sonderbarerweise zu fairerem Spiel als das ständige Ahnden kleiner Wehwechen, denn das erzieht dazu, Fouls vorzutäuschen.

Bradford City – Southend 0:2

Wer kennt Bradford? Immerhin zwei Mal so groß wie Graz und ein 25.000er Stadion. Die Mannschaft war auch schon einmal in der Premier League, dümpelt jetzt aber in der League Two herum (das ist eigentlich die 4. Liga nach Premier League, Champion-Ship und League One) herum und eigentlich hätten wir uns einen Heimsieg gegen Southend erwartet. Es kam aber anders. Die Gäste siegten klar mit 2:0 und hatten auch den bedeutend besseren Fan-Support mitgebracht. Der Grund: Southend ist gerade heuer von der League One abgestiegen und dürfte die die Bradforder Truppe ein etwas zu starker Gegner sein.

Der Besuch war mit 10.000 Zuschauern beachtlich; auch die Hälfte der Sky-Boxen war belegt.

RAPID könnte ein solches Stadion gut gebrauchen! Angeschlossen ist ein universelles Klubhaus mit Fanshop, Museum und Kantine. Über die Auswahl der Fanartikel ist man erstaunt; es ist aber eine der üblichen Kooperationen zwischen Ausstatter- und Fanshop. Der Ausstatter verkauft seine Kollektion aber auch die speziellen Stücke des Klubs Bradford City. Der Reiz der Kantine hält sich in Grenzen; es gibt kein Bier, dafür Pies mit Bohnensauce. Das Publikum ist eher von der Sorte „Familie“. Der eigentliche Fansektor ist nicht voll und hat nicht einmal so viele Mitglieder wie die mitgereisten Fans von Southend.

Blackburn – Arsenal 1:2

Ähnliche Situation wie in Bradford. Das Heimpublikum singt eingangs seine Hymne, danach gehört das Stadion den mitgereisten Arsenal-Fans. Als Heimchoreografie wird eine große Fahne über die Haupttribüne gezogen. Blackburn ist ein ebenbürtiger Gegner, eine tolle Leistung für eine 100.000-Einwohner-Stadt. Parken auf einer Pferdekoppel in der Nähe des Stadions; 5 Pfund. Arsenal siegt, der Sieg ist aber nicht besonders klar; ein Unentschieden wäre auch möglich gewesen.

Manchester United – Westham 3:0

Tore Rooney(E), Berbatov, Nani. Klarer Favoritensieg. Gewaltige Kulisse.

Liverpool – West Bromwich 1:0 (Torres)

Ein knapper Sieg, dem Spielverlauf entsprechend. Schnelles, abwechslungsreiches Spiel mit Chancen auf beiden Seiten und etwas mehr Druck von Liverpool. Erster Sieg in der Saison. Wir saßen auf dem legendären Main Stand auf den Klappsitzen der Frühzeit; sehr eng.

Einem Meistertitel werden die Liverpooler wohl noch weiter hinterher jagen. Der Stadionbau wird schon seit Jahren angekündigt. Derzeit werden die sehr verwahrlosten und zum Großteil schon verlassenen Reihenhaussiedlungen der Umgebung abgerissen und auch das Stadion soll der Spitzhacke zum Opfer fallen. Der Neubau wird im benachbarten Stanley-Park geplant. Reste des alten Main Stand und des Rasens sollen als Teil eines Wegs zum neuen Stadion erhalten bleiben.

Ob das aber alles Realität wird, hängt von der Überwindung der augenblicklichen Besitzerkrise bei Liverpool zusammen.

Diese Spiele waren alle sehr schön anzuschauen, sehr interessant aber das beste Spiel, das sahen wir bereits am ersten Tag, das Spiel RAPID – Aston Villa.

Danke RAPID!