Wehret den Anfängen

Sponsor im Vereinsnamen
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Rapid gewinnt durch Kondition
22. November 2008

Informationsblatt der Ultras Rapid Block West 1988 Nr. 1/08


Bereits im Frühjahr dieses Jahres wandten wir uns angesichts des Einstieges der OMV als Sponsor des SK RAPID mit folgendem Text im GO WEST! 01/08 an Euch:

Der SK RAPID präsentierte sich gerade in den letzten`Jahren immer als traditionsbewusster Fußballklub, bei dem die Fans das größte Mitspracherecht im ganzen Land genießen. Man bildete damit einen Gegenpol zum FK Magna (vor langer Zeit Austria Wien) und Red Bull-Salzburg (vormals Austria Salzburg). Doch seit einigen Wochen halten auch bei uns gewisse Tendenzen inne, die dem kritischen Fan nicht entgehen.

In der offiziellen Vereinszeitschrift „Rapid Magazin“ wird unser glorreiches Wappen plötzlich vom Konterfei des Sponsor WIEN ENERGIE untermalt und erinnert damit schon leicht an das Wappen des Stadtrivalen. Bei der offiziellen Weihnachtsfeier das selbe Bild: Kein RAPID-Logo ohne Sponsorlogo.

Mitte Jänner dann schließlich wird mit OMV ein neuer Sponsor an Land gezogen, der einige Millionen in den Verein buttert und im Gegenzug wird die Nordtribüne in „OMV-Familientribüne“ umbenannt.

Selbst uns Fundamentalisten ist klar, dass ein schon fast chronisch finanzmaroder Klub wie der unsere froh über jeden Sponsorencent sein muss, allerdings fragen wir uns wohin der jetzt eingeschlagene Weg führt, zumal die OMV Millionen (rund 5,4 in drei Jahren) ja Großteils nur dazu dienen werden, jetzige und zukünftige Budgetlöcher zu stopfen. Wird, bzw. muss in drei Jahren der Stadionname verkauft werden um die Lizenz zu bekommen, oder wird der Block West zur WIEN ENERGIE-Tribüne? Unsere Kritik richtet sich nicht gegen die Sponsoren an sich, ohne die es wie gesagt unseren Verein schon lange nicht mehr geben würde. Mit der Umbenennung der Nordtribüne wurde unserer Meinung nach aber ein Schritt in die leider Gottes falsche Richtung gesetzt. Die Klubführung muss damit in Kauf nehmen, dass der selbst so oft gepriesene Traditionsklub SK RAPID ein wenig von seinem Glanz verliert und sich ein wenig in die Richtung aller anderen Bundesligaklubs entwickelt. 

Durch den nunmehr erfolgten Einstieg des nächsten Großsponsors ORANGE werden diese Zeilen wieder aktueller denn je. Beim vergangenen Heimmatch gegen Sturm Graz, sowie im aktuellen RAPID-MAGAZIN wurde, bzw. wird der sehr professionellen Marketingabteilung von ORANGE unserer Meinung nach zu viel Raum für die eigene Selbstdarstellung gelassen. Das Trikot wird immer mehr zur Litfaßsäule. RAPID ist ein Fußballverein und wir Fans wollen im Stadion Fußball sehen und erleben, aber nicht vor, während und nach dem Match das Gefühl haben einem Werbeevent bzw. einem Vortrag über die „MARKE“ RAPID beizuwohnen. Unsere Sorge ist, dass gewisse Szenarien, wie es sie in Deutschland oder bei Red Bull Salzburg schon längst gibt, eintreten könnten. Bei den Heimspielen des 1. FC Nürnberg werden beispielsweise bei jedem Eckball der Heimmannschaft automatisch Werbejingles über die Lautsprecheranlage eingespielt: „Dieser Eckball wird präsentiert von der Brauerei.. Prost allen Fußballfans“). Da dies natürlich einige Zeit dauert, kommt es oft genug vor, dass der Eckball schon längst ausgeführt wurde und der eventuelle Torjubel von der Werbung übertönt wird. PROST!

Wir appellieren daher an den Verein, dass er weiterhin den gemeinsamen Weg mit den Fans geht. Die Identität des Vereins beruht auf dem Bewahren seiner Tradition und des Miteinander. Nicht umsonst spricht man immer von der RAPIDfamilie. Der sehr schwierige Drahtseilakt des Wahrens der Tradition auf der einen Seite und des gleichzeitigen sportlichen Führungsanspruches auf der anderen Seite, was natürlich nur durch eine gewisse Kommerzialisierung möglich ist, hat in den letzten Jahren zu zwei Meisterschaften und einer Champions League Qualifikation geführt. Dies gelang ohne dass die wesentlichen Parameter, die den Verein und dessen Tradition ausmachen, verkauft wurden. Der Name des Vereins, die Farben, das Wappen und auch der Name des Stadions und des Block West müssen weiterhin unangetastet bleiben.

Die Grenzen sind mit dem Wien Energie Logo unter dem Wappen und der Umbenennung der Nordtribüne erreicht. Der nächste Schritt wäre die Integrierung eines Sponsorlogos in unser Wappen bzw. die Umbenennung des Stadions. Dann würde dieses vom Verein und auch uns jahrelang aufgebaute und gelebte Konstrukt aus Tradition, Leidenschaft und dem Kampf gegen den modernen Fußball wie ein Kartenhaus in sich selbst zusammenstürzen.

Wie schon erwähnt, solange der Name des Vereins, die Farben, das Wappen und auch der Name des Stadions und des Block West nicht angegriffen werden, wird es keinerlei Protestaktionen geben. Das Treiben rund um die aus Sponsorensicht gesehene „goldene Kuh“ RAPID werden wir jedoch weiter mit Argus-Augen verfolgen.

Es liegt an uns Fans das zu bewahren, was RAPID wirklich ausmacht: TRADITION, KAMPFGEIST & LEIDENSCHAFT!

– ULTRAS RAPID BLOCK WEST 1988 – Wien, Oktober 2008 

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