Besuch der Allianz-Arena

Für die Münchner ist es das schönste Stadion der Welt, für uns Wiener liegt es näher als Tivoli und Schnabelholz. Ein Matchbesuch kann daher auch ohne Übernachtung in einem Tag absolviert werden.

Es ist schon etwas futuristisch, wenn aus den ebenen Wäldern entlang des Münchner Autobahnrings plötzlich dieses überdimensionale Schwammerl auftaucht. Und auch bei Annäherung wird der Blick darauf durch nichts gestört; keine Häuser, keine Autos, alles ist raffiniert unter einer weiten Esplanade unterirdisch angeordnet. Sogar die Kassenreihen sind unterhalb des Fußgängerniveaus.

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Verkehrstechnisch ist das Stadion perfekt an einem Autobahnkreuz angelegt; infrastrukturell ist es aber gerade dadurch in einer Wüste. Es ist ja rein gar nichts in der Umgebung, mit dem sich der Fußball-Tourist bis zum Einlass beschäftigen könnte, nicht einmal ein Fanshop. Wie die Shoping-City an einem Sonntag. Es ist daher zu überlegen, ob man nicht zu einem Stadtbummel früher anreist und das Auto in München parkt statt vor dem Stadion zu warten.

Das Spiel, das wir besucht haben, war Bayern-HSV (1:1); es war an einem herrlichen Sonnentag im Februar mit frühlingshaften 20 Grad. Das Warten inmitten lederhosen-tragender Bayern-Fans war daher erträglich.

Bis sich dann endlich die Tore öffnen, gelangt man – ganz anders als in Österreich oder England – durch einen einzigen Eingang in das Stadion und hat Zugang zu allen Sektoren. Die Zuschauer können die zahllosen Kioske, die sich alle auf Straßenniveau befinden, sektorübergreifend besuchen. Es gibt keine Gitter oder andere Barrieren zwischen Sektoren. Es herrscht aber auch Disziplin.

Das ganze Areal hat Disneyland-Charakter. Man kann nur in Ausnahmefällen mit realem Geld bezahlen. Will man etwas kaufen, braucht man eine Plastikkarte, die man vor dem Betreten des Stadions bei den Kassen (oder bei der Einfahrt in das Parkhaus) bekommt. Diese Chipkarte wird mit realem Geld an der Kassa aufgeladen und danach kann man damit bezahlen. Die „Eingeborenen“ behalten die Karte einfach für das nächste Match; die haben daher kein Problem mit einem Restguthaben. Sonst schickt man die Karte mit einem Begleitbrief unter Angabe der eigenen Kontonummer nach München und das Restguthaben wird überwiesen.

Man hat das Gefühl, dass die Polizeipräsenz geringer ist als bei einem Rapid-Heimspiel, ganz zu schweigen von einem Wiener Derby.

Das Spielfeld ist wie in Siezenheim eingegraben. Besondere Maßnahmen zur Rasenbelüftung kann man nicht sehen aber wahrscheinlich ist es in München kein Problem, den Rasen immer wieder neu zu verlegen.

Die Stimmung in der Arena beeindruckt mehr durch die Menge der Zuschauer als durch deren Enthusiasmus. Es gibt einen Bayern-Fansektor, doch wenn man einen „Sound“ wie in Hütteldorf erwartet, wird man enttäuscht. Durch die Größe der Arena kann man sich vielleicht auch täuschen, es kommt mir aber vor, dass die Zahl der Aktivisten im Bayern-Fansektor kleiner ist, als die auf der West-Tribühne in Hütteldorf. Der Fansektor nimmt gar nicht die ganze Breite des Stadions ein. Eine Choreografie, wie sie Block-West oder Lords arrangieren, gibt es nicht.

Bei der Abfahrt sollte man es nicht eilig haben. Im Parkhaus sitzt man in einer Art Falle. Eine Stunde muss man schon einkalkulieren, bis man wieder losfahren kann. Um wieder in die Richtung nach Wien zu kommen, muss man zuerst nach Westen fahren und dann bei der ersten Abfahrt die Richtung wechseln. Für den kleinen Umweg genießt man dann noch einen abschließenden Blick auf die beleuchtete Arena.

Es war interessant, einmal ein Ligaspiel in einer anderen Dimension zu erleben. Ob man sich aber ein solches Stadion für Rapid wünschen soll?

Da wir ja in Hütteldorf vor dem erfreulichen Problem steigender Zuschauerzahlen stehen, kann man sich in München eine Lösung dafür anschauen. Man sieht, dass die neu hinzukommenden Zuschauer mehr vom Typ „Familie“ und „Eventbesucher“ sind und der Kern der wirklichen Fans in München gar nicht so viel größer ist als in Wien. Das Schöne an Hütteldorf, das Eingebettet-sein in einen Ortsteil mit den gewachsenen Strukturen, dem Bahnhof, den Wirtshäusern, dem Rapid-Dorf, den ärgerlichen Strafzetteln, das Persönliche, die Nähe zum Verein, die Intimität, das findet man in der Allianz-Arena nicht.

Ein Danke daher an den Block-West und Block-Lords-Ost für ihren unermüdlichen Einsatz, das ist für den Erfolg von Rapid wichtiger als eine Arena.

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